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Gebiet der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung stabilisierter
Weine.
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Hintergrund
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Das
Vorhandensein von Weinsäuresalzen,
Kaliumhydrogentartrat (KHT) und Calciumtartrat (CaT), ist einer
der Hauptgründe
für die
Instabilität
von Weinen. Die Weinsäure
ist die von der Weinbeere während
ihrer Entwicklung hauptsächlich
erzeugte organische Säure.
Sie wird während
der Beerenverarbeitung als Kalium- und Calciumsalze im Traubenmost gelöst. Während der
Fermentation werden die Tartrat-Salze durch die Hefe konserviert,
doch nimmt ihre Löslichkeit
mit der Zunahme der Ethanolkonzentration infolge der Fermentation von
Zuckern ab.
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Bei
jungen Weinen ist Kaliumhydrogentartrat immer in übersättigten
Konzentrationen vorhanden und kristallisiert spontan aus. Nach dem
Abfüllen
der Weine in Flaschen kann die KHT-Instabilität infolge des nicht vorherzusagenden
Charakters der Kristallisation zu einem wesentlichen Handelsproblem
werden, und das Vorhandensein unansehnlicher Kristalle in einer
Flasche wird häufig
von den Konsumenten als mindere Qualität angesehen.
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Physikalische
Behandlungen können
vor dem Abfüllen
des Weines in Flaschen angewendet werden, um die Kristallisation
von Tartrat-Salzen zu verhindern. Diese Behandlungen bestehen in
der Förderung
der Kristallisation durch Kühlen
des Weines bei –4°C oder in
der Eliminierung der Kalium- und Weinsäure-Ionen durch Elektrodialyse
oder durch die Verwendung von Ionenaustauscher-Harzen. Diese Zeit- und Energie-aufwändigen Verfahren
verändern
aber vermutlich das kolloidale Gleichgewicht der Weine.
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Die
Alternative zu physikalischen Behandlungen von Weinen ist die Verwendung
von Zusatzstoffen, die die Kristallisationskeimbildung und/oder
das Wachstum von KHT-Kristallen verhindern. Ein Beispiel für Zusatzstoffe,
die die Kristallisationskeimbildung verhindern, sind Mannoproteine,
wie in der
WO 96/13571 und
in der
WO 97/49794 beschrieben.
Da sie jedoch keine Wirkung auf das Wachstum zugesetzter Kristalle
haben, können
sie nicht die vollständige
Stabilisierung des Weines garantieren. Folglich sind die behandelten
Weine tatsächlich
instabil. Außerdem
ist die durchschnittliche Mannoprotein-Konzentration im Wein nicht
ausreichend, um eine vollständige
Verhinderung der Kristallisation zu garantieren.
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Die
Carboxymethylcellulose und die Meta-Weinsäure gehören zur Gruppe von Zusatzstoffen,
die das Wachstum von KHT-Kristallen hemmen. Leider wird die Carboxymethylcellulose
von der Weingesellschaft wegen ihrer vermuteten negativen organoleptischen
Wirkung auf behandelte Weine nicht akzeptiert, und die Metaweinsäure ist
beim pH-Wert von Wein und bei der Lagertemperatur von Wein instabil.
Im Laufe der Zeit kommt es zur Hydrolyse der Metaweinsäure, und
ihre Schutzwirkung verschwindet. Daher ist ihre Verwendung auf Weine
von geringer Qualität
für den
raschen Verbrauch beschränkt.
Ein weiterer Nachteil ist, dass idealerweise ein Zusatzstoff ein
natürlicher
Bestandteil von Wein sein sollte. Dies ist bei Metaweinsäure oder
Carboxymethylcellulose eindeutig nicht der Fall.
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A.
Vernhet et al. (Am. J. Enol. Vitic. (1999) 50, 391–397) beschreiben
eine Untersuchung, bei welcher mehrere Polysaccharide und Phenolsäuren als
natürliche
Komponenten von Weißwein
identifiziert werden, die die Kristallisation von Tartrat-Salzen
hemmen. V. Gerbaud et al. (J. Int. Sci. Vigne Vin. (1997) 31, 65–83) beschreiben
die Hemmwirkung von Mannoproteinen und Polyphenolen für die Kristallisation
von Kaliumhydrogentartrat in Weiß- und Rotweinen. V. Moine-Ledoux & D. Dubordieu
J. Sci. Food Agric. (1999) 79, 537–543, beschreiben die Verwendung
von aus Hefe-Zellwänden
extrahierten Mannoproteinen zur Stabilisierung von gereiftem Weißwein.
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Natürliche Zusätze, die
sowohl auf die Kristallisationskeimbildung als auch auf die Wachstumsgeschwindigkeit
von Kristallen wirksam sind, sind bei weitem die beste Garantie
für eine
Langzeit-Stabilität.
Bisher waren keine solchen Zusätze
erhältlich.
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Zusammenfassung
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Die
vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung eines Oligonukleotid-
oder Polynukleotid-hältigen Präparates
zur Herstellung von stabilisertem Wein, ein Oligonukleotid- oder
Polynukleotid-hältiges
Präparat zur
Stabilisierung von Wein und ein Verfahren zur Herstellung solcher
Präparate,
wie in den beigefügten
Ansprüchen
definiert.
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Detaillierte Beschreibung
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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von
stabilisiertem Wein. Dieses Verfahren umfasst die Zugabe eines Oligonukleotid-
oder Polynukleotid-hältigen
Präparats
zum Wein. Im vorliegenden Zusammenhang ist stabilisierter Wein ein
Wein, bei welchem die Kristallisation von Salzen der Weinsäure verhindert
oder verzögert
ist, entweder als Ergebnis der Verhinderung oder Verzögerung des
Kristallisationskeimbildungsprozesses oder der Hemmung oder Verzögerung des
Wachstums dieser Kristalle, oder von beidem. Instabiler Wein ist
durch die rasche Kristallisation von Salzen der Weinsäure gekennzeichnet,
die üblicherweise
nicht vorhersagbarer Natur ist.
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Überraschenderweise
stellte man fest, dass die Zugabe eines Oligonukleotid- oder Polynukleotid-hältigen Präparates
eine stabilisierende Wirkung auf Wein hat, indem sie sowohl die
Kristallisationskeimbildung als auch das Wachstum von KHT-Kristallen
verhindert.
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Im
vorliegenden Zusammenhang besteht ein Oligonukleotid aus 2–10 Nukleotiden,
ein Polynukleotid aus mehr als 10 Nukleotiden. Der Zuckeranteil
im Oligonukleotid oder Polynukleotid kann Ribose, wie bei RNA, oder
Desoxyribose, wie bei DNA, sein.
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Das
Oligonukleotid oder Polynukleotid im Präparat oder das vollständige Präparat kann
aus Organismen, einschließlich
Pflanzen, stammen oder synthetisiert sein, beispielsweise mit einem
Nukleotid-Synthesizer. Geeignete Organismen inkludieren – ohne auf
diese eingeschränkt
zu sein – Mikroorganismen,
Fische und Säuger.
Vorzugsweise stammt das Oligonukleotid oder Polynukleotid von einem
Mikroorganismus. Dies inkludiert – ohne Einschränkung darauf – Bakterien,
Pilze und Hefe. Beispiele für
geeignete Hefen sind Brettanomyces, Saccharomyces und Kluyveromyces,
wie beispielsweise Brettanomyces bruxellensis, Saccharomyces cerevisiae
und Kluyveromyces lactis. Beispielsweise kann Hitze-inaktivierte
Hefe zur Herstellung der Oligonukleotide oder Polynukleotide verwendet
werden.
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Die
Oligonukleotide und Polynukleotide können gemäß zum Stand der Technik gehörender Verfahren hergestellt
werden. Zu diesen Verfahren gehört
das Züchten
und Ernten der Zellen, das Aufbrechen der Zellen, um den Zellinhalt
freizusetzen, und das Isolieren der Oligonukleotid- oder Polynukleotid-hältigen Fraktion durch
Präzipitationstechniken,
Chromatographie u. dgl.
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Sowohl
RNA als auch DNA kann in Oligonukleotid- oder Polynukleotid-hältigen Präparaten
verwendet werden. Die RNA- und DNA-Oligonukleotide oder Polynukleotide
können
in jeder beliebigen Form vorliegen, sei es einzelsträngig oder
doppelsträngig.
Geeignete RNA- und DNA-Moleküle
haben ein Molekulargewicht zwi schen 0,4 und 500 kDa. Wenn RNA verwendet
wird, so wird vorzugsweise eine RNA mit einem Molekulargewicht zwischen
3 und 200 kDa, mehr bevorzugt, zwischen 10 und 100 kDa, verwendet.
Wenn DNA verwendet wird, wird vorzugsweise eine DNA mit einem Molekulargewicht
zwischen 1 und 340 kDa, mehr bevorzugt, eine DNA mit einem Molekulargewicht
zwischen 1 und 100 kDa, verwendet. Die RNA und DNA kann separat oder
in Kombination verwendet werden. Eine auf dem Gebiet wohlbekannte
Methode zur Bestimmung des Molekulargewichts der Oligonukleotid-
oder Polynukleotid-Fraktion
ist die Größenausschluss-Chromatographie (Size
Exclusion Chromatography, SEC) unter Verwendung einer Säule, die
mit Protein-Molekulargewicht-Standards kalibriert ist.
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Das
erfindungsgemäße Oligonukleotid-
oder Polynukleotid-hältige Präparat kann
ausschließlich
oder fast ausschließlich
aus Nukleotiden bestehen, z.B. zu mehr als 80%. Es ist jedoch nicht
notwendig, vollständig gereinigte
oder fast vollständig
gereinigte Nukleotide zu verwenden, jeder Anteil von Nukleotiden
zwischen 0,1 und 100 des Präparates
kann in einem erfindungsgemäßen Präparat verwendet
werden. Beispielsweise ist es auch möglich, ein rohes Präparat zu
verwenden, das z.B. aus Hefe stammt, welches 0,1 bis 50% Nukleinsäuren oder
sogar 0,1 bis 20% Nukleinsäuren
enthält.
Wenn die Nukleotide nicht vollständig
oder fast vollständig gereinigt
sind, enthält
das Nukleotid-hältige
Präparat
vorzugsweise 0,1 bis 15% Nukleotide, mehr bevorzugt, 1 bis 15% Nukleotide
(alle % auf Basis des Trockensubstanzgewichts). Andere geeignete
Bestandteile des Präparates,
abgesehen von den Oligonukleotiden oder Polynukleotiden, sind z.B.
Hefe-Zellwandkomponenten, wie beispielsweise Mannoproteine, oder
Teile davon.
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Das
Oligonukleotid- oder Polynukleotid-hältige Präparat kann dem Traubenmost
oder dem Wein zugesetzt werden. Es wird vorzugsweise dem Wein während der
Reifung zugesetzt, d.h. nach der Fermentation, jedoch vor dem Abfüllen in
Flaschen. Die Erfindung ist für
Weißweine
und Rosé-Weine
ganz besonders geeignet.
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Das
Oligonukleotid- oder Polynukleotid-hältige Präparat wird in solchen Mengen
zugesetzt, dass eine stabilisierende Wirkung erreicht wird. Im Allgemeinen
wird man versuchen, mit möglichst
geringen Mengen zu arbeiten. Gute Ergebnisse sind möglich, wenn
so viel Präparat
zugesetzt wird, dass eine endgültige
Nukleinsäure-Konzentration
im Wein von 1 bis 400 mg pro Liter Wein er reicht wird. Vorzugsweise
wird so viel zugesetzt, dass eine Konzentration von 1 bis 200 mg
pro Liter Wein erreicht wird, am meisten bevorzugt werden 1 bis
100 mg pro Liter Wein zugesetzt. Jegliche unlösliche Stoffe, die sich entwickeln,
können
danach unter Verwendung von Standard-Techniken entfernt werden.
Der Fachmann wird verstehen, dass die zugesetzte Menge auch von
der Zugabe oder dem Vorhandensein von beispielsweise anderen Stabilisatoren
abhängt.
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Die
Kristallisationskeimbildung und das Kristallwachstum können mittels
der folgenden Methoden gemessen und quantifiziert werden (Moutounet
et al. In: Actualités
Enologiques 1999 Vieme Symposium International d'Oenologie de Bordeaux (Lonvaud-Funel
Hrsg.)
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Das
Verfahren 1, welches die Kristallkeimbildung anzeigt, misst die
Zeit des Auftretens von Kristallen im Wein bei Lagerung bei –4°C. Eine visuelle
Inspektion wird täglich
durchgeführt,
und die Zeit, die notwendig ist, um das Aufscheinen von Kristallen
nachzuweisen (TKris), ist in der Anzahl
von Tagen ausgedrückt.
Instabiler Wein hat eine TKris, die zwischen
0,5 und 15 Tagen variieren kann. Stabilisierter Wein ist gekennzeichnet
durch eine TTKris stabilisierter
Wein/TKris instabiler Wein von >2, vorzugsweise >5, mehr bevorzugt >10, und am meisten
bevorzugt >40.
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Das
Verfahren 2, welches das Kristallwachstum anzeigt, misst den Grad
der Weinsäure-Hemmung (Degree
of Tartaric Inhibition, DTI) des Weines. Dazu werden die Weine bei –4°C gerührt, und
die anfängliche Leitfähigkeit
wird gemessen. Danach werden geeichte KHT-Kristalle zugesetzt, und
die Leitfähigkeit
wird dann nach Erreichen eines stabilen Werts gemessen. Der DTI
ist als die prozentuelle Abnahme der anfänglichen Leitfähigkeit
definiert. Stabiliserter Wein ist gekennzeichnet durch einen DTIstabilisierter Wein/DTIinstabiler
Wein von <0,8, vorzugsweise <0,5 und mehr bevorzugt <0,30.
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Das
Verfahren 3, welches die KHT-Kristallkeimbildung anzeigt, misst
die echte, gelöste
Konzentration der Weinsäure.
Ein exaktes Volumen des Weines wird in eine Glasphiole transferiert
und mit dem selben exakten Volumen D2O,
das eine genau bekannte Konzentration von Maleinsäure enthält, gemischt.
Das 1H NMR-Spektrum wird unter den Bedingungen
einer vollständigen
Relaxation aufgenommen, und das Integral des internen Standards
(Maleinsäure)
wird mit dem Integral der Weinsäure
verglichen. Auf diese Weise kann die Konzentration der gelösten Weinsäure mit
sehr großer
Präzision
und Exaktheit bestimmt werden.
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Weine,
die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
stabilisiert sind, sind gekennzeichnet durch eine TKris stabilisierter Wein/TKris instabiler Wein von >2, vorzugsweise >5, mehr bevorzugt >10 und am meisten bevorzugt >40, und durch einen
DTIstabilisierter Wein/DTIinstabiler
Wein von <0,8,
vorzugsweise <0,5
und mehr bevorzugt <0,3,
und sind biologisch stabilisiert. In diesem Zusammenhang bedeutet
biologisch stabilisiert, dass die Stabilisierung durch die Zugabe
eines Zusatzes erreicht wird, welcher im Allgemeinen als natürliche Komponente
von Wein angesehen wird, beispielsweise, weil er von Hefe oder Trauben
stammt. Beispiele für
solche biologische Zusätze sind
Mannoprotein, DNA und RNA.
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BEISPIELE
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Die
Zeit des Aufscheinens von Kristallen (TKris),
TKris stabilisierter Wein/TKris instabiler Wein der
Grad der Weinsäurehemmung
(DTI) des Weines und die Weinsäurekonzentrationen
wurden, wie oben beschrieben, gemessen.
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Die
Konzentration der Nukleinsäuren
wurde bestimmt, indem eine wohlbekannte Menge der Probe in D2O gelöst
wurde, die Nukleinsäuren
wurden mittels RNase und DNase hydrolysiert, und die Konzentration
der Mononukleotide wurde mittels 600 MHz NMR nach Zugabe eines geeigneten
internen Standards, wie Maleinsäure,
gemessen.
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Bei
allen Versuchen wurde ein instabiler Weißwein, Chardonnay der Ernte
2000, verwendet. Die Konzentration der Weinsäure betrug zu Beginn dieser
Studie 1,92 g/l. Alle quantitativen Versuche wurden mittels NMR,
wie oben beschrieben, durchgeführt.
0,500 ml Wein wurden zu 0,500 ml einer Stammlösung von D2O zugegeben,
welche etwa 5 g/l EDTA und 5,0637 g/l Maleinsäure-Dinatriumsalz als internen Standard
für NMR-Messungen
enthielt.
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Beispiel 1a Wirkung von
DNA auf die Kristallisierung von Kaliumhydrogentartrat in Wein.
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Um
die Auswirkung von DNA auf die Stabilisierung von Wein zu testen,
wurde Herin-Sperma-DNA (Sigma) gekauft. Geringe Volumina wurden
zu 10 ml von instabilem Weißwein
zugegeben, um Endkonzentrationen von 0,4, 0,2, 0,1 und 0,05 g/l
zu erreichen. Die Proben wurden 1 h lang bei +4°C gelagert. Nach dem Entfernen
von unlöslichem
Material durch 30 Minuten langes Zentrifugieren bei 3000 U/min wurden
die Proben bei –4°C gelagert.
Die Ergebnisse sind nachstehend dargelegt und zeigen, dass die DNA
eine stabilisierende Wirkung auf diesen instabilen Weißwein hat,
welcher Wein schon nach 16 Stunden bei –4°C Kristalle aufwies.
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Die
DNA wurde auch für
Tests mit DNA-Fraktionen mit verschiedenem Molekulargewicht verwendet. 250
mg der DNA wurden in H2O gelöst und über eine
Ultra-Filtrationsmembran (Molekulargewichts-Ausschlussgrenze 10
kDA) geleitet, dem Retentat wurde zum vollständigen Entfernen von Komponenten
mit niedrigem Molekulargewicht zweimal Wasser zugesetzt. Das Retentat
wurde gefriergetrocknet, und eine Ausbeute von 165 mg wurde erhalten,
diese Fraktion wurde mit DNA-LS (large size (groß)) markiert. Das Permeat wurde über eine
Membran mit einer Molekulargewicht-Ausschlussgrenze von 1 kDa geleitet.
Dem Retentat wurde zweimal Wasser zugesetzt, und das Retentat wurde
gefriergetrocknet. Die Ausbeute betrug 76 mg. Dieses Produkt wurde
mit DNA-MS (medium size (mittelgroß)) markiert. Das Permeat wurde
ebenfalls gefriergetrocknet, und eine Ausbeute von 9 mg wurde erhalten.
Dieses Produkt wurde mit DNA-SS (small size (klein)) markiert. Die
Niedrigmolekulargewicht-Fraktion wurde für diese Versuche nicht verwendet,
weil die Ausbeute zu gering war.
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Beispiel 1b DNA-MS-Fraktion
(1 kDa<MW<10 kDa)
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Gefriergetrocknete
DNA mit einem Molekulargewicht zwischen 1 und 10 kDa wurde in Wasser
in einer Konzentration von 10 mg/ml gelöst. Kleine Volumina wurden
Wein, wie in Beispiel 1a beschrieben, zugesetzt.
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Beispiel 1c DNA-LS-Fraktion
(10 kDa < MW)
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Gefriergetrocknete
DNA mit einem Molekulargewicht >10
kDa wurde in Wasser in einer Konzentration von 10 mg/ml gelöst. Kleine
Volumina wurden Wein, wie in Beispiel 1a beschrieben, zugesetzt.
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Die
Ergebnisse von Beispiel 1a–c
zeigen, dass DNA eine stabilisierende Wirkung hat. Ausgezeichnete Ergebnisse
werden mit DNA mit einem Molekulargewicht zwischen 1 und 10 kDa
erzielt.
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Beispiel 2 Wirkung von
RNA auf die Kristallisation von Kaliumhydrogentartrat in Wein
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Um
die Wirkung von RNA bei der Stabilisierung von Wein weiter zu untersuchen,
wurde RNA von Sigma gekauft (Bäckerhefe).
RNA-Fraktionen wurden hergestellt, wie für DNA in Beispiel 1a beschrieben.
Die Ausbeuten waren: Fraktion MW<1
kDa (RNA-SS): 30 mg, 1 kDa<MW<10 kDa (RNA-MS):
92 mg, 10 kDa<MW (RNA-LS):
105 mg.
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Beispiel 2a RNA-SS-Fraktion
(MW<1 kDa)
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Die
gefriergetrocknete RNA-Fraktion mit einem Molekulargewicht MW< 1kDa (RNA-SS) wurde
in Wasser in einer Konzentration von 10 mg/ml gelöst. Die
Proben wurden Wein wie in Beispiel 1a zugesetzt.
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Beispiel 2b RNA-MS-Fraktion
(1 kDa<MW<10 kDa)
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Die
gefriergetrocknete RNA-Fraktion mit einem Molekulargewicht MW<1 kDa (RNA-SS) wurde
in Wasser in einer Konzentration von 10 mg/ml gelöst. Die
Proben wurden Wein wie in Beispiel 1a zugesetzt.
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Beispiel 2c RNA-LS-Fraktion
(10 kDa<MW)
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Die
gefriergetrocknete RNA-Fraktion mit einem Molekulargewicht >10 kDa wurde in Wasser
in einer Konzentration von 10 mg/ml gelöst. Die Proben wurden Wein
wie in Beispiel 1a zugesetzt.
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Die
Ergebnisse von Beispiel 2a–c
zeigen, dass RNA eine stabilisierende Wirkung hat. Die besten Ergebnisse
werden mit RNA-Fraktionen
von >10 kDa erhalten.
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Beispiel 3 Herstellung
und Charakterisierung eines Nukleotid-hältigen Präparates aus Hefe.
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Hefezellen
der Spezies Saccharomyces cerevisiae wurden aus der Nährlösung durch
Zentrifugieren geerntet. Die konzentrierte Hefe-Creme wird durch
Zugabe von 2% (Gew./Gew.) Natriumchlorid einer Autolyse unterzogen,
wonach die Creme 40 h lang auf 52°C
erhitzt wird. Während
der Autolyse wird der pH-Wert durch Verwendung von Salzsäure und
Natriumhydroxid auf 5,4 gehalten. Nach der Autolyse wird die übrige unlösliche Fraktion,
die hauptsächlich
aus der rohen Zellwandfraktion besteht, aus der Lösung durch
die Verwendung einer 4-Stufen-Plattenstapel-Zentrifugen-Batterie (4-stage
disk-stack centrifuge battery) getrennt. Während der Trennung wird die
Feststoff-Fraktion im Gegenstrom gewaschen, um die Ausbeute der
löslichen
Fraktion zu optimieren. Die abgetrennte Zellwandfraktion mit einem
Trockensubstanzgehalt von 12–15%
Gew./Gew. wurde dem folgenden Extraktionsprozess unterzogen:
- 1. Die Zellwände werden in Wasser suspendiert
(1:1, V/V) und zentrifugiert. Der resultierende "Kuchen" wird auf eine Konzentration von 12–15% (Gew./Vol.)
in einer Lösung
von 10 mM Kalium-metabisulfit und 20 mM Zitrat, das durch Zugabe
von NaOH auf pH 7,0 eingestellt wird, resuspendiert.
- 2. Die so erhaltene Zellwand-Suspension wird 2 h lang auf 120°C erhitzt.
- 3. Nach dem Abkühlen
wird die Suspension 10 min lang bei 10.000×g zentrifugiert.
- 4. Der resultierende Überstand
wird auf einer Filterpresse nach Zugabe von 2% Clacel CBL3 (CECA, Frankreich)
als Filterhilfe filtriert. Restliches unlösliches Material wird durch
Filtern auf einer Ein-Platten-Seitz-Filterpresse, die mit einem
Seitz- EKS-Filter
(0,1–0,3
Mikron Ausschlussgrenze) ausgerüstet
ist, entfernt.
- 5. Das EKS-Filtrat wird zwei aufeinander folgenden Ultra-Filtrationsschritten
unterzogen, wobei zwei Membranen mit verschiedener Molekulargewicht-Ausschlussgrenze
verwendet werden. Zuerst wird eine 100 kDa-Membran (Amicon, USA)
verwendet, um Moleküle
mit hohem Molekulargewicht zu entfernen, wobei das Retentat danach
verworfen wird. Das von der 100 kDa-Membran erhaltene Filtrat wird
dann auf einer Membran mit einer Ausschlussgrenze von 3 kDa (Amicon)
konzentriert. Diafiltration mit Wasser wird verwendet, um Salze
und Verunreinigungen mit niedrigem Molekulargewicht aus der Probe
zu entfernen. Der endgültige
Konzentrationsfaktor des Retentats ist typischerweise 10.
- 6. Das endgültige
entsalzte Konzentrat wird lyophilisiert, um die Nukleotid-Präparat-Probe
MDR1 zu ergeben. Dieses Präparat
ist durch einen Gehalt von 1–1,5%
RNA und 1,5–2%
DNA charakterisiert.
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Beispiel 3a Wirkung von
MDR1 auf die Kristallisation von Kaliumhydrogentartrat in Wein.
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Eine
gefriergetrocknete Fraktion von MDR1 wurde in H2O
gelöst,
um eine Stammlösung
von 15 mg/ml zu erhalten. Kleine Volumina dieser Stammlösung wurden
in 10 ml instabilen Weißwein
transferiert. Auf diese Weise wurden MDR1-Endkonzentrationen von
0,6 g/l, 0,4 g/l und 0,2 g/l erhalten. Diese Proben wurden etwa 1
h lang bei +4°C
gelagert, und alles unlösliche
Material wurde durch Zentrifugieren entfernt. Danach wurden die
klaren Überstände in eine
Glasphiole transferiert und bei –4°C gelagert. Die Temperatur wurde
konstant zwischen –2
und –6°C gehalten.
Die Proben wurden visuell auf Weinsäurekristalle überprüft. Die
gelöste
Weinsäurekonzentration
wurde wie zuvor beschrieben bestimmt.
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Diese
Ergebnisse zeigen, dass auch nicht vollständig gereinigte Nukleotide
Wein stabilisieren.
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Vergleichsbeispiel 4 Herstellung
und Charakterisierung eines Nukleotid-freien Präparates
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Aus
MDR1 wurden auf folgende Weise alle Nukleotide entfernt: RNase wurde
dem Produkt zugesetzt, der pH-Wert wurde auf 5,6 eingestellt, und
die Lösung
wurde 5 1/2 h lang auf 65°C
erhitzt. Der pH-Wert wurde nach 2 h erneut auf 5,6 eingestellt.
Die endgültige
Lösung
wurde über
eine Ultra-Filtrationsmembran (Molekulargewicht-Ausschlussgrenze
2000) geleitet, um alle Mononukleotide zu entfernen. Das Retentat
wurde gefriergetrocknet, und ein NMR-Spektrum wurde aufgezeichnet
und mit dem NMR-Spektrum von MDR1 verglichen. Die Spektren zeigten,
dass alle Nukleotide entfernt worden waren.
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Vergleichsbeispiel 4a
Wirkung eines Nukleotid-freien Präparates auf die Kristallisation
von Kaliumhydrogentartrat in Wein.
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Das
gefriergetrocknete Produkt wurde instabilem Wein auf dieselbe Weise
und in denselben Konzentrationen zugegeben, wie in Beispiel 3a beschrieben.
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Diese
Ergebnisse zeigen, dass das Nukleotid-freie Präparat im Vergleich zum Nukleotid-hältigen Präparat kaum
eine stabilisierende Wirkung auf Wein hat.
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Beispiel 5. Langzeit-Stabilisierungs-Versuche
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Eine
Nukleotid-hältiges
Präparat
wurde, wie in Beispiel 3 beschrieben, hergestellt. Die erhaltene
Probe wurde mit MR1 bezeichnet.
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Die
Molekulargewichtsverteilung der Moleküle in MR1 wurde durch Größenausschluss-Chromatographie-Analyse
auf einer TSK G3000SW-Säule
bestimmt. Lösliche
Moleküle
in MR1 haben ein Molekulargewicht im Bereich von 5–50 kDa.
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Der
Trockensubstanzgehalt des gefriergetrockneten MR1 ist 98%. Die Analysen
der nachstehend angeführten
Verbindungen wurden mittels Standard-Verfahren oder wie beschrieben
durchgeführt.
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Der
RNA-Gehalt wurde aus dem Ribose-Gehalt (6,76%) über die jeweiligen Molekulargewichte
berechnet. Das Molekulargewicht eines Nukleotids in RNA ist 339
Da, und das von Ribose ist 150 Da. Daher ist der RNA-Gehalt 339/150 × 6,75 =
15%. Der Proteingehalt wurde aus dem Gesamt-Stickstoff (10,8%) berechnet,
korrigiert auf den in RNA vorhandenen Stickstoff (2,2%) über (10,8–2,2)×6,25=54%.
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Beispiel 5a Wirkung von
MR1 auf die Kristallisation von Kaliumhydrogentartrat in einem sehr
instabilen Weißwein.
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Proben
des Nukleotid-Präparates
MR1 wurden Weinen mit unterschiedlicher Weinsäure-Instabilität (z.B.
sehr instabil und instabil) zugesetzt.
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Eine
75 g/l Lösung
des MR1-Präparates
in Wasser wurde hergestellt. Aliquots von 1, 2, 3 und 4 ml wurden
zu 0,5 Liter Wein zugesetzt, um Endkonzentrationen von 150, 300,
450 bzw. 600 mg/l zu erhalten. Die Ergebnisse sind nachstehend angeführt.
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Sie
zeigen, dass der verwendete Weißwein
sehr instabil ist (KHT-Kristalle sind schon nach eintägiger Lagerung
bei –4°C beobachtbar).
Nach Zugabe von 300 mg/l MR1 stieg die Zeit, die zur Detektion der
Bildung von KHT-Kristallen notwendig ist, auf 43 Tage an.
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Diese
KHT-Instabilität
dieses Weißweins
ist durch eine DTI von 23% gekennzeichnet. Nach Zugabe von 450 und
600 mg/l MR1 nahm der DTI-Wert auf 16 bzw. 7% ab.
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Die
mit den beiden Methoden bei diesem sehr instabilen Weißwein erhaltenen
Ergebnisse zeigen, dass MR1 sowohl die Keimbildung von KHT-Kristallen
verhindert als auch ihr Wachstum hemmt. Die behandelten Weine können als
stabil angesehen werden.
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Beispiel 5b Wirkung von
MR1 auf die Kristallisation von Kaliumhydrogentartrat in einem instabilen
Weißwein
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Die
Ergebnisse des instabilen Weißweines
sind nachstehend angegeben.
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Sie
zeigen, dass dieser Weißwein
instabil ist, da die KHT-Kristalle
nach elftägiger
Lagerung bei –4°C beobachtet
werden können.
Nach Zugabe von MR1 zu 450 mg/l konnten nach 120-tägiger Lagerung
bei –4°C keine Kristalle
nachgewiesen werden.
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Die
KHT-Instabilität
dieses Weißweines
ist durch einen DTI von 16,1 gekennzeichnet. Nach Zugabe von 450
mg/l MR1 nahm der DTI-Wert auf 4,1% ab, was zeigt, dass MR1 das
Wachstum von KHT-Kristallen verhindert.
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Die
kombinierte Anwendung der beiden Methoden bei diesem instabilen
Weißwein
weist darauf hin, dass MR1 sowohl die Keimbildung von KHT-Kristallen
verhindert als auch ihr Wachstum hemmt. Behandelte Weine können als
stabil angesehen werden.