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Gerauhtes Tuchzeug zur Herstellung von Futtermaterial für Schuhoberleder
Futtertuch für Schuhwerk, beispielsweise und insbesondere sogenanntes Verstärkungsfutter
für den Vorderteil des Schuhoberleders, besteht gewöhnlich aus gerauhtem Gewebestoff
oder Drell, das im Falle des Verstärkungsfutters zwischen dem Oberleder selbst und
dem eigentlichen Futter eingefügt wird und auf Grund dessen das Oberleder sich,
wie erwünscht, weich und satt anfühlt.
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Bei dem Zusammenfügen der verschiedenen Oberlederbestandteile war
es seither üblich, die gerauhte Seite des Verstärkungsfutters mittels einer Bürste
mit Klebstoff oder Kitt zu bestreichen, das Verstärkungsfutter gegen das Oberleder
zu legen und dann anzureiben. Dieses Verfahren ist nicht allein zeitraubend, unsauber
und klebstoffverschwendend, sondern die Verbindung zwischen dem Oberleder und dem
Futter ist nicht gleichmäßig, so daß oft das Oberleder, nachdem das Klebemittel
abgebunden hat, an manchen Stellen sehr hart ist und an anderen Stellen keine Bindung
zwischen Oberleder und Verstärkungsfutter besteht.
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Die Erfindung bezweckt deshalb, Futter- und Verstärkungsmaterial glatt
und gleichmäßig an dem Oberleder anzubringen, so daß insbesondere das von Verstärkungsmaterial
hinterlegte Oberleder sich weich und satt anfühlt. Das Anbringen des Verstärkungsfutters
soll gleichzeitig rascher, sauberer und sparsamer geschehen.
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Zu diesem Zweck ist Gegenstand der Erfindung ein gerauhtes Tuchzeug
für Schuhfutter o. dgl., dessen Noppefasern an ihren äußeren Teilen kleine Klebstoffteilchen
tragen. Der verwandte Klebstoff oder Kitt ist vorzugsweise thermoplastisch bei einer
Temperatur, die höher als die durchschnittliche atmosphärische Temperatur ist, jedoch
nicht hoch genug ist, iun irgendwie dem Leder schädlich zu sein, z. B. 5o' bis
65' Celsius.
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Das Tuchzeug, d. h. die gerauhte Seite desselben, wird entweder während
des Herstellungsprozesses, insbesondere bei Entnahme aus der Rauhmaschine, oder
in einem besonderen Arbeitsgang nach der vollendeten Herstellung (einschließlich
Rauhen) des Tuchzeuges mit einer Klebstoff- oder Kittlösung oder einer Klebstoffemulsion
besprüht, so daß die Noppefasern des Tuchzeuges die fein verteilten Teilchen des
Sprühregens mit ihren äußeren Teilen auffangen und festhalten.
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Bei dem Anbringen eines solchen vorbehandelten Futtermaterials an
dem Oberleder genügt ein leichtes Anpressen des Futters gegen das Oberleder unter
Aufwendung von Wärme,
wodurch die thermoplastischen Klebstoffbestandteile
eine Verbindung der Noppefasern mit dem Oberleder bewirken. Wie ersichtlich, besteht
somit keine starre Verbindung zwischen Futter und Oberleder, so daß eine begrenzte
Bewegung oder Verschiebung der Oberlederlagen zueinander möglich ist, welcher Umstand
insbesondere zum Ausgleich des beim Überholen und Zwicken des Oberleders ausgeübten
Zuges von großem Wert ist und ebenfalls die Faltenbildung des Oberleders verhütet.
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Der Erfindungsgegenstand ist in den Zeichnungen beispielsweise veranschaulicht.
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Fig. z ist eine stark vergrößerte Draufsicht auf die äußeren Enden
der Noppefasern eines Tuchzeuges mit von diesen getragenen Klebstoffteilchen.
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Fig. z ist ein vergrößerter Querschnitt durch das in Fig. r dargestellte
Tuchzeug.
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Fig. 3 ist ein vergrößerter Querschnitt eines Oberledermaterials,wobei
das in Fig. z und 2 dargestellte Tuchzeug als Verstärkungsfutter zwischen dem Oberleder
und dem eigentlichen Futtertuch eingefügt ist.
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In Fig. x ist ein gerauhtes Schuhfuttertuch oder Verstärkungsfutter
dargestellt, dessen Noppefasern zo an der Außenseite einzelne Klebstoffteilchen
tragen. Die Klebstoffteilchen können verschiedene Formen annehmen, wie bei 12, 1q.,
16 und 18 angedeutet. Bei 12 befindet sich ein Klebstoffteilchen an dem Ende einer
Faser; bei 1q. sind mehrere Klebstoffteilchen in der Mitte einer Faser angesammelt;
bei 16 haben sich mehrere Teilchen oder Tröpfchen in der Mitte einer Faser zu einem
länglichen Gebilde vereinigt, und wo mehrere Fasern sich kreuzen oder sonstwie berühren,
befinden sich, wie bei 18 dargestellt, größere Ansammlungen von Klebstofftröpfchen.
Es ist ersichtlich, daß der Klebstoffbezug auf den Fasern nicht einheitlich und
ununterbrochen ist, sondern daß die Klebstoffteilchen durch verhältnismäßig weite
Zwischenräume voneinander getrennt sind. In Fig. 2 ist der Hauptteil des Tuchzeuges
mit 2o bezeichnet. Es ist aus dieser Figur ersichtlich, daß die Klebstoffteilchen
an den äußeren oder freien Teilen der Fasern abgelagert sind, so daß der größte
Teil der INToppendicke keinen Klebstoff aufweist.
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Um das Zeit und Material verschwendende Auftragen von Klebstoff auf
jedes einzelne Verstärkungsstück in der Schuhfabrik zu vermeiden, wird der Klebstoff
bereits während des Herstellungsprozesses des Tuchzeuges auf die Noppe aufgetragen,
und zwar vorzugsweise durch Aufsprühen einer geeigneten Emulsion oder Lösung eines
Klebstoffes oder durch anderweitiges Niederschlagen in fein verteilter Verfassung.
Das Tuchzeug kann bei der Herausnahme aus der Aufrauhmaschine, wie beschrieben,
besprüht werden. Es kann aber auch dies in einem gesonderten Arbeitsgang an dem
bereits gerauhten Tuchzeug vorgenommen werden. Vorzugsweise wird das bereits gerauhte
Tuchzeug in großer Geschwindigkeit an Düsen vorbeigeführt, durch welche eine Klebstofflösung
auf das Tuchzeug gesprüht wird. Die äußeren Teile der Noppefasern fangen den Sprühregen
und halten die Tröpfchen fest, worauf das Lösungsmittel verdunstet.
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Verschiedene Klebemittel mögen zu diesem Zwecke verwandt werden, einerlei
ob sie plastisch sind oder nicht. Sehr gute Ergebnisse sind mit Paracumaronharz
erreicht worden. Es ist dies ein klares, leicht gefärbtes, synthetisches Harz bekannter
Art mit einem Schmelzpunkt von 5o bis 65' C.
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Als ein geeignetes Lösungsmittel für dieses Harz kommt insbesondere
Tetrachlorkohlenstoff in Betracht. Das Harz ist ebenfalls erhältlich in der Gestalt
einer Wasseremulsion, in dem das Harz mit Wasser in einer geeigneten Colloidmühle
gemahlen wird, wobei, wenn erwünscht, ein Emulsierungsmittel, z. B. Seife, hinzugefügt
werden kann. Diese Emulsion wird in gleicher Weise wie die obenbeschriebene Lösung
auf die Noppefasern in fein verteilter Verfassung gesprüht. .
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Weitere gute Ergebnisse in der beschriebenen Behandlung des Tuchzeuges
wurden bei Verwendung einer Lösung von Siak-Guttapercha in Benzol oder Naphtha oder
einer Lösung oder einer Wasseremulsion von Kolophonium erreicht. Da die Klebstoffteilchen
an der Noppe durchsichtig und somit nicht leicht erkennbar sind, kann nicht leicht
ermittelt werden, ob das Tuchzeug bereits in der beschriebenen Weise behandelt wurde
oder nicht. Es ist demgemäß ratsam, der Lösung oder der Emulsion einen kleinen Betrag
eines Farbstoffes beizufügen, so daß das behandelte Tuchzeug von dem unbehandelten
leicht unterscheidbar "ist.
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In der Schuhfabrik wird das Verstärkungsfutter aus dem in Gemäßheit
der Erfindung vorbehandelten Tuchzeug in bekannter Weise ausgestanzt, um es mit-dem
Schuhoberleder zu verbinden. Auf das Ausstanzen des Tuchzeuges mit den üblichen
Ausstanzmaschinen übt die beschriebene Vorbehandlung der Noppefasern in keiner Weise
irgendeinen ungünstigen Einfluß aus. Beim Zusammenfügen der Oberlederteile legt
der Arbeiter das ausgestanzte Verstärkungsfutter 2o (Fig. 2) gegen die Innenfläche
des Schuhoberleders, z. B. des Vorderteils 22, an. Das Verstärkungsfutter wird so
gegen das Oberleder gelegt, daß die gerauhte und mit Klebstoff besprühte Seite des
Verstärkungsfutters mit der Innenseite des Leders in Berührung steht, worauf dann
die gegeneinandergelegten Teile unter Ausübung von Wärme angepreßt werden. Dies
geschieht vorzugsweise durch leichtes Anpressen des Verstärkungsfutters auf das
Leder mittels
eines Bügeleisens. Im Falle, daB das Oberlederinaterial
aus mehreren Lagen besteht, wird, wie bekannt, das Verstärkungsmaterial 2o zwischen
das Futter 24 und das Oberleder 22 angebracht, wobei natürlich wiederum die gerauhte
und besprühte Fläche des Verstärkungsmaterials in Berührung mit der Aasseite des
Oberleders steht. Auf Grund der sodann erfolgenden Erwärmung werden wie zuvor die
Gummiteilchen 12, 14, 16 und 18 auf den äußeren oder freien Teilen der Fasern =o
an dem Oberleder 22 festhaften. Wird das Futtermaterial --4, wie in Fig. 3 dargestellt,
in ähnlicher Weise gerauht und dann gemäß der Erfindung mit einem Klebematerial
besprüht, so kann gleichzeitig das Futtermaterial an dem Verstärkungsmaterial in
derselben Art und Weise und in demselben Arbeitsgang angeklebt werden. Das Aneinanderpressen
der verschiedenen Lagen des Oberledermaterials unter Anwendung von Wärme kann natürlich
im Handbetrieb oder auch im Maschinenbetrieb geschehen.
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Ein Schuhoberleder dieser Art, in dem die Enden der Noppefasern des
Verstärkungsmaterials mit der Innenseite des Oberleders verklebt sind, so daß gewissermaßen
das Verstärkungsmaterial mit seiner Noppe an dem Leder angebunden ist, hat die Eigenschaft,
daß das Verstärkungsmaterial bezüglich des Oberleders leicht beweglich ist, da keine
starre Verbindung zwischen dem Oberleder und dem Verstärkungsmaterial vorliegt.
Das Verstärkungsmaterial verleiht somit dem Oberleder die vorzugsweise Eigenschaft,
sich, wie gewünscht, weich und satt anzufühlen. Das Verstärkungsfutter gemäß der
Erfindung ist weiterhin sehr zweckdienlich, um einen Teil des beim Überholen und
Zwicken des Oberleders ausgeübten Zuges aufzunehmen, . und besitzt ebenfalls die
weitere Eigenschaft, die Bildung von Falten in dem Oberleder beim Zwicken zu verhüten.
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Das gemäß der Erfindung behandelte Verstärkungsmaterial kann auch
in solchen Schuhen verwandt werden, in denen die äußerste Lage des Oberledermaterials
nicht Leder, sondern Tuchstoff usw. ist.