DE4334369A1 - Führung einer luftgefederten Achse bei Nutzfahrzeugen - Google Patents
Führung einer luftgefederten Achse bei NutzfahrzeugenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Lenkeranordnung zur exakten
Führung von Achsen, insbesondere von gelenkten Achsen bei
Nutzfahrzeugen, wobei die Federung der Achse durch eine
Kombination von Luft- und Blattfeder bewirkt wird.
Es sind eine Reihe von Achsführungen bekannt, bei denen die
Längsführung der schwingenden Achse durch einen Längslenker
in Kombination mit einer Blattfeder realisiert wird. Dabei
übernimmt die mehrlagige Blattfeder zugleich die Seiten
führung und ersetzt damit den sonst notwendigen Querlenker,
der in der Regel als Panhardstab ausgeführt ist.
Der Vorteil dieser bekannten Lösung besteht darin, daß
durch den Wegfall des Querlenkers eine hohe Fahrstabilität
und -sicherheit, insbesondere bei Kurvenfahrten im be
ladenen Zustand erreicht wird.
Speziell bei Container-Nutzfahrzeugen erweist sich die
Verwendung von Querlenkern als problematisch, da es beim
Entladevorgang zu einem seitlichen Versatz durch die
Schwenkbewegung des Querlenkers kommt, so daß eine genaue
Positionierung des Nutzfahrzeuges beim Entladevorgang
erschwert wird.
Aufgrund dieser Nachteile werden insbesondere bei
Containerfahrzeugen Achskonstruktionen verwendet, die auf
einen herkömmlichen Querlenker verzichten. Dabei hat sich
im wesentlichen die Kombination eines biegesteifen
Längslenkers mit einer mehrlagigen Blattfeder bewährt, die
die auftretenden Querkräfte sicher aufnimmt.
Eine derartige Anordnung für Nutzfahrzeuge der vorgenannten
Art ist unter anderem aus der DE-GM 18 12 533 bekannt. Bei
dieser Lösung werden die auftretenden Längskräfte durch
einen Längslenker in Kombination mit einer mehrlagigen
Blattfeder aufgenommen.
Diese Lösung weist den entscheidenden Nachteil auf, daß es
bei größeren Beschleunigungen oder Verzögerungen, ins
besondere beim Bremsen, zu der gefürchteten S-Schlag
bildung (vgl. Fig. 4) kommt, in dem die relativ weiche
Blattfeder ausknickt und es bei hinreichend großer
Beanspruchung zu einer plastischen Deformation in den
Randzonen der Federlagen kommt, die durch Zugspannung
beansprucht werden. Außerdem ist eine genau definierte,
gleichmäßige Führung der Achse aufgrund der elastischen
Eigenschaften der Blattfeder nicht gegeben.
Die bekannten Lenkeranordnungen weisen den erheblichen
Nachteil auf, daß es während der Fahrt zu permanenten
Schwingungen der gelenkten Achse kommt, die sich
zwangsläufig über das Lenkgetriebe und die Lenksäule auf
das Lenkrad fortpflanzen und zu einer unangenehmen
Beeinträchtigung des Fahrverhaltens führen.
Um diesem "Schwimmen" des Fahrzeuges zu begegnen, ist der
Fahrzeuglenker gezwungen, permanente gegenläufige Lenk
bewegungen auszuführen.
Aufgabe der Erfindung ist die Schaffung einer Lenker
anordnung der eingangs beschriebenen Art, die im Hinblick
auf ihre mögliche Verwendung als gelenkte Achse eine
geometrisch definierte, stabile Führung der Achse in Längs-
und Querrichtung erlaubt.
Die Aufgabe wird bei einer gattungsgemäßen Einrichtung
durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
Vorteilhaft weitergebildet wird der Erfindungsgegenstand
durch die Merkmale der Unteransprüche 2 bis 6.
Das Wesen der Erfindung besteht aus einer definierten
Parallelogrammanordnung zweier gleich langer Längslenker,
die den Achskörper über einen Lagerbock schwenkbar mit
einem am Fahrzeugrahmen bzw. Chassis befestigten Achshalter
verbinden. Durch die Verwendung geometrisch gleicher Längs
lenker in Parallelanordnung wird eine ideale axiale Führung
gewährleistet.
Durch die vertikal fluchtende Anordnung der Längslenker
drehpunkte und den gleichen axialen Abstand der Längs
lenkerdrehpunkte (11a) und (12a) bzw. (11b) und (12b) wird
in jeder Bewegungsphase eine geometrisch definierte
Position der Achse (4) realisiert.
Die auftretenden Querkräfte werden von einer Blattfeder
(13) aufgenommen, deren vorderes Federauge (14) mit dem,
am vorderen Achshalter (2) befindlichen Lenkergelenk (11a)
bzw. (12a) des oberen (11) oder unteren Längslenkers (12)
verbunden ist.
Neben der sicheren Einleitung der Querkräfte ermöglicht die
biegeweiche Blattfeder ein sicheres Einfedern der Achse.
Zur Vermeidung des gefürchteten S-Schlages ist die
Blattfeder am vorderen und hinteren Auge eines Längslenkers
fest angeordnet. Das freie Ende der Blattfeder ist mit
einer dreh- und schwenkbaren Schwinge (8) verbunden, die
die Verbindung zum hinteren Achshalter (3) herstellt.
Die vorzugsweise einlagige Blattfeder (13) ermöglicht ein
definiertes und weiches Eintauchen der Achse (4) und trägt
damit maßgeblich zum ruhigen Fahrverhalten des Fahrzeuges
bei.
Durch die feste Lagefixierung der Blattfeder (13) an
Längslenker (11), (12) und Achse (4) wird zudem die
S-Schlagbildung verhindert, da eine vertikale Auslenkung
der Blattfeder (13) nur im Bereich des freien Astes (13b)
zwischen Achse (4) und hinterem Federlager möglich ist. Da
das Federblatt überwiegend der Aufnahme der Seitenkräfte
dient, kann es entsprechend dünnwandig gestaltet werden.
Das hat den Vorteil, daß beim Ausfedern oder bei Hochlage
des Fahrzeuges im Containerwechselbetrieb die notwendige
Rückstellkraft des dünnwandigen Federblattes recht gering
ist. Außerdem zeichnet sich ein dünnwandiges Federblatt
durch ein hohes Durchbiegevermögen aus. Damit kann die
Blattfeder wesentlich besser eine axiale Beweglichkeit der
Luftfeder entlang ihres Liftweges realisieren. Eine mehr
lagige, wesentlich biegesteifere Blattfeder würde sowohl
das Ausfedern bei schneller Entlastung (insbesondere bei
Container- oder Kipperfahrzeugen) und im umgekehrten Fall
ein rasches Einfedern bei der Beladung des Fahrzeuges
verhindern.
In einer weiteren, bevorzugten Gestaltung sind die Blatt
feder (13) und ein Längslenker (12) zu einem einzigen
Bauteil zusammengefaßt. Diese aus Federstahl bestehende
Lenkerfeder (15) ist im vorderen Ast (15a) biegesteif
gestaltet, so daß sie die Aufgaben eines konventionellen
Längslenkers übernimmt. Im hinteren Ast (15b) ist die
Blattfeder einlagig und dünnwandig ausgeformt, so daß sie
in diesem Bereich die auftretenden Schwingungen und Stöße
elastisch aufnehmen kann.
In einer nächsten vorzugsweisen Ausführungsform ist die
Blattfeder (13) mit dem oberen Längslenker (11) verbunden.
Diese Anordnung ermöglicht eine größere Bodenfreiheit und
sichert den dünnwandigen Bereich der Blattfeder vor
plastischen Verformungen durch Kollision mit etwaigen
Hindernissen, wie z. B. bei Geländefahrten.
In einer anderen bevorzugten Weiterbildung (Fig. 2) sind
Blattfeder (13) und Längslenker (11), (12) voneinander ge
trennt. Durch die Vergrößerung des vertikalen Abstandes der
parallel geführten, gleich langen Längslenker (11), (12)
wird eine ideale Führung der Achse (4) gewährleistet.
In einer weiteren, vorzugsweisen Ausführungsform sind der
untere Längslenker (12) und die einlagige Blattfeder (13)
im Bereich der Schwenklager (12a), (12b) lösbar miteinander
verbunden. Damit ist eine leichte Austauschbarkeit bei
Instandsetzungsarbeiten gegeben.
In einer weiteren, vorzugsweisen Ausführungsform sind der
obere Längslenker (11) und der untere Längslenker (12)
axialsymmetrisch ober- bzw. unterhalb der Achsmitte
angeordnet, wobei die hinteren Schwenklager (11b), (12b)
der Längslenker in vertikaler Richtung axialfluchtend zur
Achsmitte (7) der gelenkten Achse (4) angeordnet sind.
Durch diese Anordnung ist ein geometrisch exakt definierter
Bewegungsablauf der gelenkten Achse und der daran geführten
Räder (9) in der Horizontalen und Vertikalen realisierbar.
Die mit der Erfindung erzielbaren Vorteile bestehen ins
besondere darin, daß bei gelenkten Achsen das Fahr
verhalten (Laufruhe, Auftreten selbsterregter Schwingungen)
signifikant verbessert wird.
Ebenso ist das Federverhalten durch die Verwendung einer
einlagigen Blattfeder besser einstellbar und kann damit den
jeweiligen Anforderungen des Fahrzeugeinsatzes optimal an
gepaßt werden.
Mit dieser Achsanordnung ist es daneben erstmals gelungen,
die gefürchtete S-Schlagbiidung an Blattfedern zu besei
tigen. Speziell bei gelenkten Achsen führte die plastische
Verformung der Blattfedern durch den S-Schlag zu einer
bleibenden Veränderung der Lenkgeometrie, die ihrerseits
ein zusätzliches Flattern bzw. Schwimmen der Achse hervor
rief.
Drei Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den
beigefügten Zeichnungen dargestellt und im folgenden näher
beschrieben.
Es zeigen:
Fig. 1: Eine Achsführung unter Verwendung zweier parallel
geführter Lenker mit einer integrierten, ein
lagigen Blattfeder, dargestellt in drei Phasen:
- a) Achse in eingefedertem Zustand (Vollast)
- b) Achse in normaler Fahrstellung (Teillast)
- c) Achse in ausgefedertem Zustand (unbelastet)
Fig. 2: Eine Achsanordnung mit zwei parallel geführten
Längslenkern und einer separat angeordneten,
einlagigen Blattfeder
Fig. 3: Eine Achsanordnung unter Verwendung eines Längs
lenkers und einer kombinierten Längslenkerfeder
Fig. 4: Eine konventionelle Achsführung mit einem Längs
lenker und einer mehrlagigen, zur S-Schlagbildung
neigenden Blattfeder.
In Fig. 1 ist eine gelenkte Achse in einer Seitenansicht
dargestellt. Am Fahrzeugrahmen (1) sind zwei Achshalter
(2) und (3) fest angeordnet. Zwischen beiden Achshaltern
ist mittig der Achskörper (4) mit Lagerbock (5) über eine
Luftfeder (6) mit dem Rahmen (1) verbunden. Auftretende
Längskräfte werden von den beiden Längslenkern (11) und
(12) sicher aufgenommen und über die Schwenklager (11a) und
(12a) in den vorderen Achshalter (2) eingeleitet. Das
Federauge (14) der einlagigen Blattfeder ist mit dem
vorderen Lenkergelenk (12a) formschlüssig verbunden. Die
horizontale Schwenkbeweglichkeit der Achsanordnung wird
gewährleistet durch die Verbindung des freien Astes (13b)
der elastischen Blattfeder (13) mit einer schwenkbar
gelagerten Schwinge (8), die am hinteren Achshalter (3)
angeordnet ist.
Durch die einlagige Gestaltung der Blattfeder sind
vergleichsweise große Hubwege an der Luftfeder (6) zu
realisieren.
Fig. 2 zeigt in einer Seitenansicht eine gelenkte Achse
mit zwei parallel geführten Längslenkern (11), (12) und
einer dazwischen parallel angeordneten, einlagigen Blatt
feder (13), die am vorderen Achshalter (2) ein gesondertes
Federlager (10) aufweist. Dabei sind die Lagermitten der
Schwenklager (11a) und (12a) der Längslenker (11) und (12)
und des Federlagers (10) vertikal fluchtend angeordnet und
gleich beabstandet.
Bei der in Fig. 3 abgebildeten Achsanordnung sind der
untere Längslenker (15a) und die Blattfeder (15b) zu einem
Konstruktionsteil vereint. Die abgebildete Lenkerfeder (15)
weist drei Befestigungsaugen (16) auf. Der biegesteif
gestaltete, vordere Ast (15a) der Lenkerfeder (15) erlaubt
eine exakte, parallelogrammartige Achsführung durch Über
nahme der Funktion eines zweiten Lenkers. Durch die
biegesteife Ausführung ist zugleich die Gefahr des
Abknickens des vorderen Astes (15a) als Folge der
S-Schlagbildung behoben. Der hintere Federast (15b) ist
dünnwandig und einlagig ausgeformt und ermöglicht damit
eine deutliche Reduzierung der Rückstellkraft der Feder
gegenüber bekannten zweilagigen Führungsfedern. Damit ist
die Federkinematik wesentlich besser der Liftbewegung der
Luftfeder (6) im Containerwechselbetrieb angepaßt.
Bezugszeichenliste
1 Fahrzeugrahmen
2 vorderer Achshalter
3 hinterer Achshalter
4 Achskörper
5 Lagerbock
6 Luftfeder
7 Achsmitte
8 Schwinge
9 Rad
10 vorderes Federlager
11 oberer Längslenker
11a vorderer Längslenkerdrehpunkt
11b hinterer Längslenkerdrehpunkt
12 unterer Längslenker
12a vorderer Längslenkerdrehpunkt
12b hinterer Längslenkerdrehpunkt
13 Blattfeder
13b freier Ast der Blattfeder
14 vorderes Federauge
15 Lenkerfeder
15a vorderer Ast der Lenkerfeder
15b hinterer Ast der Lenkerfeder
2 vorderer Achshalter
3 hinterer Achshalter
4 Achskörper
5 Lagerbock
6 Luftfeder
7 Achsmitte
8 Schwinge
9 Rad
10 vorderes Federlager
11 oberer Längslenker
11a vorderer Längslenkerdrehpunkt
11b hinterer Längslenkerdrehpunkt
12 unterer Längslenker
12a vorderer Längslenkerdrehpunkt
12b hinterer Längslenkerdrehpunkt
13 Blattfeder
13b freier Ast der Blattfeder
14 vorderes Federauge
15 Lenkerfeder
15a vorderer Ast der Lenkerfeder
15b hinterer Ast der Lenkerfeder
Claims (6)
1. Führung einer luftgefederten Achse bei Nutzfahrzeugen,
insbesondere einer gelenkten Achse, mittels einer quer
lenkerfreien Anordnung,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Achsführung je Achshälfte aus zwei übereinander
parallelogrammartig angeordneten Längslenkern (11), (12)
besteht, deren axiale Schwenklagermittenabstände gleich
groß sind, daß die Länglenker (11), (12) die Achse (4) mit
einem ersten Achshalter (2) schwenkbar verbinden und daß an
mindestens einem Längslenker (11), (12) eine dünnwandige
Blattfeder (13) fest oder lösbar angeordnet ist oder die
Blattfeder (13) parallel zum Längslenker (11), (12) an
einem Federlager (10) am ersten Achshalter (2) und am
Achskörper (4) angelenkt ist, wobei sich das freie Ende der
Blattfeder (13) über eine Schwinge (8) an einem zweiten
Achshalter (3) abstützt.
2. Führung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Längslenkerdrehpunkte (11a) und (12a) bzw. (11b)
und (12b) vertikal fluchtend angeordnet sind.
3. Führung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Blattfeder (13) einlagig ist.
4. Führung nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Blattfeder (13) und ein Längslenker (11), (12) ein
einteiliges, homogenes Bauteil aus Federstahl bilden, wobei
der vordere Ast (15a) dieser Lenkerfeder (15) einen
biegefesten und torsionssteifen Querschnitt und der hintere
Ast (15b) einen dünnwandigen Querschnitt mit feder
elastischen Eigenschaften aufweist.
5. Führung nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Blattfeder (13) mit einem der Längslenker (11),
(12) lösbar verbunden ist.
6. Führung nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß der obere Längslenker (11) und der untere Längslenker
(12) axialsymmetrisch oberhalb bzw. unterhalb der horizon
talen Achsmitte und die hinteren Schwenklager (11b), (12b)
der Längslenker (11), (12) in vertikaler Richtung axial
fluchtend zur Achsmitte (7) der Achse (4) angeordnet sind.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19934334369 DE4334369C2 (de) | 1993-10-08 | 1993-10-08 | Achsaufhängung für Nutzfahrzeuge |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19934334369 DE4334369C2 (de) | 1993-10-08 | 1993-10-08 | Achsaufhängung für Nutzfahrzeuge |
Publications (2)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4334369A1 true DE4334369A1 (de) | 1995-04-13 |
| DE4334369C2 DE4334369C2 (de) | 1996-03-07 |
Family
ID=6499731
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE19934334369 Expired - Lifetime DE4334369C2 (de) | 1993-10-08 | 1993-10-08 | Achsaufhängung für Nutzfahrzeuge |
Country Status (1)
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