DE3923139A1 - Verfahren zur herstellung von polyaethylenfaeden durch schnellspinnen von ultra-hochmolekularem polyaethylen - Google Patents
Verfahren zur herstellung von polyaethylenfaeden durch schnellspinnen von ultra-hochmolekularem polyaethylenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von
Polyäthylenfäden durch Schnellspinnen von Lösungen von
ultra-hochmolekularem Polyäthylen, welche auf Grund ihrer
guten Festigkeiten und ihrem hohen Modul, z. B. für den
Einsatz als technische Garne, für die Kunststoffverstärkung
ganz allgemein u.a.m. geeignet sind.
Es ist bekannt, Fäden und technische Garne aus einer ganzen
Reihe von Polymeren wie regenerierter Cellulose, Polyester,
Polyamiden u.dgl. herzustellen. Bei all diesen Verfahren
bemüht man sich, Fäden mit hohen Festigkeiten, hohen
Modulen, insbesondere hohen Anfangsmodulen und möglichst
geringer Bruchdehnung zu erhalten; außerdem ist man be
strebt, mit möglichst hohen Produktionsgeschwindigkeiten und
nach möglichst einfachen Verfahrensweisen zu arbeiten.
Es hat auch nicht an Versuchen gefehlt, derartige Garne aus
Polyäthylen herzustellen. Polyäthylen weist auf Grund seiner
chemischen Struktur eine Reihe von Vorteilen auf z. B. gegen
über Polymeren, wie sie durch Polykondensation gewonnen
werden. So besteht z. B. nicht die Gefahr einer Hydrolyse,
die bei den Esterbindungen oder Amidbindungen von Polyestern
und Polyamiden häufig beobachtet wird.
Auch ist Polyäthylen als synthetisches, in praktisch be
liebiger Menge herstellbares Material weniger anfällig
gegenüber den Schwankungen von Angebot und Nachfrage, wie es
bei Zellstoff der Fall ist, ganz abgesehen davon, daß durch
die Dezimierung der Wälder die Rohstoffgrundlage für Zell
stoff immer mehr in Gefahr gerät.
Am einfachsten ist es, Polyäthylenfäden nach dem Schmelz
spinnprozeß herzustellen. Dem Schmelzspinnen von Polyäthylen
sind jedoch Grenzen gesetzt, weil mit höheren Molekularge
wichten, welche für hohe Festigkeiten und Module von Wich
tigkeit sind, die Viskosität der Schmelze so stark zunimmt,
daß es zu Schwierigkeiten beim Spinnen kommt. Die Spinn
temperatur läßt sich nicht beliebig erhöhen, da bei Tempera
turen ab etwa 240°C eine Zersetzung des Polyäthylens zu be
fürchten ist. Mit höheren Molekulargewichten nimmt auch die
Elastizität der Polymerschmelzen zu, was insbesondere bei
höheren Extrusionsgeschwindigkeiten zu Problemen führt.
Man hat sich auch bemüht, diese Schwierigkeiten zu umgehen,
indem man Lösungen von Polyäthylen zu Fäden verspinnt. Aber
auch bei diesen Verfahren treten ähnliche Schwierigkeiten
auf, da auch bei Lösungen die Viskosität und die Elastizität
mit steigendem Molekulargewicht des gelösten Polymers er
heblich ansteigt.
In der niederländischen Offenlegungsschrift 79/04 990 wird
ein Verfahren zur Herstellung von Polyäthylenfäden mit hoher
Festigkeit und einem hohen Modulus beschrieben, bei welchem
man, wie insbesondere den Beispielen zu entnehmen ist, mit
Lösungen verhältnismäßig niedriger Konzentration arbeitet.
Um zufriedenstellende mechanische Eigenschaften zu erhalten,
ist es notwendig, die Fäden nach dem Spinnen, Aufwickeln und
Extrahieren in der Hitze zu verstrecken, wodurch die
Produktivität des Verfahrens gemindert wird.
Pennings und Mitarbeiter beschreiben in "Polymer Bulletin"
16, 167-174 (1986), wie man ultrahochmolekulares Polyäthylen
unter verschiedenen Bedingungen verspinnen kann. Damit die
Polyäthylenfäden brauchbare mechanische Eigenschaften auf
weisen, müssen die Fäden, ebenso wie bei dem in der NL-OS
79/04 990 beschriebenen Verfahren, verstreckt werden, wobei
die Fäden ebenfalls vor dem Verstrecken extrahiert werden.
Obwohl bereits eine Reihe von Verfahren zur Herstellung von
Polyäthylenfäden durch Verspinnen von ultra-hochmolekularem
Polyäthylen bekannt sind, besteht noch ein Bedürfnis nach
verbesserten Verfahren, welche insbesondere eine erhöhte
Produktivität gewährleisten und bei denen es nicht erforder
lich ist, nach dem Spinnen und Aufwickeln eine Verstreckung
anzuschließen, um brauchbare mechanische Eigenschaften zu
erhalten.
Aufgabe der Erfindung ist es deshalb, ein Verfahren zum
Schnellspinnen von ultra-hochmolekularem Polyäthylen zur
Verfügung zu stellen, das eine hohe Produktivität zuläßt,
das ohne Verstreckung der gesponnenen Fäden arbeitet und das
auf einfache Weise Polyäthylenfäden liefert, die gute mecha
nische Eigenschaften, insbesondere hohe Festigkeiten und
einen hohen Modulus aufweisen und die für den Einsatz als
technische Garne, als Verstärkungsmaterial für Kunststoff
etc. geeignet sind.
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren zur Herstellung von
Polyäthylenfäden durch Schnellspinnen von Lösungen von
ultra-hochmolekularem Polyäthylen gelöst, das dadurch ge
kennzeichnet ist, daß man aus Polyäthylen mit einem Mole
kulargewicht w 1×106 und einem Lösungsmittel eine etwa
1 bis 6 Gew.%ige Lösung herstellt und die Lösung bei einer
Extrusionstemperatur TE=180-250°C und einer Extrusions
geschwindigkeit VE=5 bis 150 m/min durch Spinndüsen mit
Düsenöffnungen, deren Querschnitt zur Düsenaustrittsfläche
hin kleiner wird, in einen Spinnschacht extrudiert, der
unterhalb der Düsenaustrittsfläche mittels einer Heizvor
richtung auf einer Temperatur von 100 bis 250°C gehalten
wird, man die Fäden unterhalb der Heizzone mit einem Gas
anbläst, die Fäden mit einer Geschwindigkeit Vw 500 m/min
abzieht und ohne weitere Verstreckung von dem Lösungsmittel
befreit.
Vorzugsweise ist das Molekulargewicht w 3,5×106.
In einer besonders vorteilhaften Ausführungsform des erfin
dungsgemäßen Verfahrens ist die molekulare Uneinheitlichkeit
des Polymers, ausgedrückt als
vorzugsweise 3.
Vorzugsweise wird die Temperatur unterhalb des Düsenaus
trittsfläche auf 150-190°C eingestellt. Es ist
vorteilhaft, mit einer Abzugsgeschwindigkeit von mindestens
1000 m/min zu arbeiten. Sehr vorteilhaft sind Abzugsge
schwindigkeiten von 1500 bis 4000 m/min.
Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden
Spinndüsen mit Düsenöffnungen eingesetzt, deren Querschnitt
in Extrusionsrichtung kleiner wird. So lassen sich Spinn
düsen mit Düsenöffnungen verwenden, deren Querschnitts
verlauf man mit den Bezeichnungen trompetenförmig oder
trichterförmig oder pseudo-hyperbolisch nennen kann. Eine
solche günstige pseudo-hyperbolische Querschnittsform wird
in der Figur wiedergegeben.
Unter pseudo-hyperbolische Querschnittsform soll im Verlauf
verstanden werden, der einem hyperbolischen Verlauf ange
nähert ist, aber mehr oder weniger große Abweichungen sowohl
am Anfang als auch am Ende aufweisen kann.
Vorzugsweise wird zur Herstellung der Lösungen ein solches
Lösungsmittel verwendet, so daß die Lösung bei der Extru
sionstemperatur eine Viskosität von 1 bis 100 Pa×s aufweist.
Hierbei ist Paraffinöl besonders geeignet. Die Viskosität
wird bei einem Geschwindigkeitsgefälle D=1s-1 gemessen.
Bei der Herstellung der Lösungen wird ein möglichst lineares
Polyäthylen eingesetzt, was nicht ausschließt, daß auch in
geringem Maße Verzweigungen vorhanden sein können. Vorzugs
weise ist das verwendete Polymer ein Polyäthylen, das durch
Polymerisation bei niedrigem Druck erhalten wird. Es ist im
Handel erhältlich und wird vielfach als HDPE bezeichnet
(high density polyethylene).
Es ist besonders vorteilhaft, als Polymer ein Polyäthylen
einzusetzen, das völlig oder weitgehend als ein Homopolymer
vorliegt. In bestimmten Fällen ist es jedoch auch möglich,
ein Copolymer zu verwenden, z. B. ein Copolymer, das bis zu
etwa 5 Gew.% aus anderen Monomeren als Äthylen wie Propylen
oder Butylen aufgebaut ist. Selbstverständlich können auch
Copolymere eingesetzt werden, die mehr oder weniger von dem
oder den anderen Monomeren enthalten.
Das zur Herstellung der Polyäthylenfäden gemäß der Erfindung
eingesetzte Polyäthylen gehört zu den Polyäthylensorten, die
man allgemein als ultrahochmolekulares Polyäthylen bezeich
net. Darunter sind Polyäthylene zu verstehen, die ein Mole
kulargewicht w von mindestens 1 Million besitzen, wobei
unter w das Gewichtsmittel zu verstehen ist, das z. B. nach
der GPC-Methode bestimmt werden kann. n ist das Zahlen
mittel, das z. B. nach osmotischen Methoden ermittelt werden
kann.
Wenn es auch möglich ist, im Rahmen der Erfindung Poly
äthylene mit einer üblichen Molekulargewichtsverteilung ein
zusetzen, die mehr oder weniger breit sein kann, und z. B.
eine Uneinheitlichkeit von beispielsweise 20 aufweisen, so
ist es doch vorteilhaft, ein Polyäthylen zu verwenden, das
eine möglichst enge Molekulargewichtsverteilung besitzt,
dessen Werte für die Uneinheitlichkeit also möglichst
niedrig liegen. Die Uneinheitlichkeit, welche definiert ist
durch das Verhältnis des Gewichtsmittel des Molekularge
wichts zum Zahlenmittel des Molekulargewichts
soll vorzugsweise 5 insbesondere 3 sein.
Die Uneinheitlichkeit des eingesetzten Polymerisats kann
durch die Art und Weise der Herstellung gesteuert werden;
selbstverständlich ist es auch möglich, von einem Poly
äthylen mit sehr breiter Molekulargewichtsverteilung durch
Fraktionierung zu einem Polymerisat mit enger Molekularge
wichtsverteilung zu gelangen.
Als Lösungsmittel werden solche Verbindungen verwendet, die
bei der Extrusionstemperatur, die zwischen 180 und 250°C,
ggf. zwischen 180 und 230°C liegt, noch genügend viskos
sind, d. h. eine Viskosität von vorzugsweise mindestens
3-10 Pa×s, gemessen bei D=1s-1, besitzen.
Das System Polyäthylen-Lösungsmittel soll so gewählt werden,
daß die Lösung durch Abkühlen auf Temperaturen unterhalb der
Extrusionstemperatur ein Gel bildet.
Vorzugsweise soll die Gelbildungstemperatur bei 130°C oder
niedriger liegen. Sie kann auch unter 70°C liegen.
Die erwähnten Spinnlösungen sind elastisch. Das Lösen des
Polyäthylens im Lösungsmittel findet vorzugsweise bei Tempe
raturen statt, die der Extrusionstemperatur entsprechen. Es
ist vorteilhaft, wenn das Lösen unter einer inerten Atmos
phäre, z. B. unter Stickstoff stattfindet.
Der Lösung kann ein Stabilisierungsmittel beigegeben werden.
Besonders geeignet als Lösungsmittel sind Paraffinöle.
Weiter können verwendet werden Kohlenwasserstoffe wie
Cyclooctan, Paraxylol, Decalin oder Petroläther.
Im Rahmen der Erfindung können Lösungen mit Konzentrationen
von etwa 1 bis 6 Gew.-% eingesetzt werden, vorzugsweise
solche mit Konzentrationen von 1-3% Gew.-%.
Am vorteilhaftesten sind jedoch Konzentrationen von etwa 1
bis 2 Gew.%.
Unter Extrusionsgeschwindigkeit ist zu verstehen die Menge
an Spinnflüssigkeit, welche in der Zeiteinheit pro Flächen
einheit der Düsenaustrittsöffnungen die Düse verläßt. Sie
wird angegeben in m3/m2×min bzw. m/min.
Unter Abzugsgeschwindigkeit ist die lineare Geschwindigkeit
angegeben, in m/min, mit welcher die Fäden am unteren Ende
des Spinnschachts abgezogen werden. Da die Fäden nach dem
Abziehen einer weiteren Verstreckung nicht mehr zugeführt
werden, entspricht diese Abzugsgeschwindigkeit im allge
meinen der Aufwickelgeschwindigkeit.
Die erreichbaren Abzugsgeschwindigkeiten hängen von der ge
wählten Konzentration ab. Im allgemeinen kann gesagt werden,
daß die maximale Abzugsgeschwindigkeit mit steigender Kon
zentration des Polyäthylens abnimmt. Jedoch kann es möglich
sein, daß es im unteren Konzentrationsbereich zu Schwierig
keiten beim Spinnen kommt; diese können dadurch behoben
werden, daß man die Extrusionsgeschwindigkeit erniedrigt.
Die geeignetsten Kombinationen von Extrusionsgeschwindig
keit, Abzugsgeschwindigkeit und Konzentration der Lösung,
können durch wenige Versuche ermittelt werden.
Ganz allgemein kann noch gesagt werden, daß die maximal
erreichbare Extrusionsgeschwindigkeit mit der steigenden
Konzentration des Polymeren abnimmt.
Als Vorrichtung, mit welcher der Spinnschacht unterhalb der
Spinndüse auf die erforderliche Temperatur gebracht wird,
können z. B. einfache ringförmige Heizvorrichtungen verwendet
werden. Die Länge der Heizzone kann je nach Größe der ver
wendeten Spinnapparatur zwischen wenigen Zentimetern, z.B.
4 cm bis zu 200 cm betragen.
Unterhalb der Heizzone werden die Fäden mit einem Gas ange
blasen, um die Temperatur herabzusetzen. Es ist vorteilhaft,
wenn man durch das Anblasen der Fäden einen gradienten
artigen oder abgestuften Temperaturverlauf einstellt, so daß
nach der Heizzone, in der z. B. eine Temperatur von 160°C
herrscht, zunächst eine Zone vorhanden ist, in der die
Temperatur nur um z. B. 10°C fällt, z. B. auf etwa 150°C, der
sich sodann eine nächste Zone anschließt, innerhalb derer
die Temperatur auf beispielsweise 110°C fällt, der sich dann
eine Zone anschließt, in der durch Verwenden von Gas, das
Zimmertemperatur besitzt, eine Abkühlung auf Temperaturen
von unter 50°C stattfindet, so daß die Fäden genügend abge
kühlt sind, wenn sie auf das Abzugsorgan gelangen. Tempera
turabstufungen können zunächst auch mit Hilfe einer oder
mehrerer Heizvorrichtungen erfolgen, mit denen sich Tempe
raturabstufungen oder Temperaturgradienten einstellen
lassen.
Von großer Bedeutung für das erfindungsgemäße Verfahren ist
der Querschnittsverlauf der Spinnöffnungen. Es ist unbedingt
erforderlich, daß die Spinnöffnungen auf der Seite, an der
die Spinnmasse in die Düsenöffnungen eintritt, eine er
weiterte Öffnung aufweisen, d. h. daß der Querschnitt der
Düsenöffnungen zur Austrittsseite kleiner wird. Sehr ge
eignet sind Düsenöffnungen, die einen pseudo-hyperbolischen
Verlauf aufweisen. Unter pseudo-hyperbolisch ist ein Verlauf
zu verstehen, der einem hyperbolischen Verlauf angenähert
ist und Abweichungen von einem exakt hyperbolischen Verlauf
sowohl im stärker gekrümmten als auch im mehr linearen
Bereich aufweisen kann. Die Figur zeigt schematisch eine
derartige Gestaltung.
Es können jedoch auch Düsen mit Düsenöffnungen verwendet
werden, die zunächst einen trichterförmigen Öffnungsteil
aufweisen, der trompetenförmig oder aber auch kegelförmig
sein kann, der dann entweder abrupt oder nach einem Übergang
in einen kegelförmigen Verlauf übergeht, bei dem der Kegel
einen spitzeren Öffnungswinkel aufweist als der Kegel bzw.
die Parabel des Einlaßteiles. Es ist möglich, den letzten
Teil der Düsenöffnung mit gleichbleibendem Querschnitt zu
gestalten.
Es war besonders überraschend, daß es möglich ist, mit dem
erfindungsgemäßen Verfahren ultrahochmolekulares Polyäthylen
zu Fäden mit guten mechanischen Eigenschaften wie hohem
Modul und hoher Bruchfestigkeit zu verarbeiten. Besonders
vorteilhaft zeichnet sich das erfindungsgemäße Verfahren
gegenüber bekannten Verfahren dadurch aus, daß es ein so
genanntes Einstufenverfahren ist, d. h., daß es ohne die
bisher erforderliche Nachverstreckung arbeitet. Dadurch ist
das Verfahren besonders wirtschaftlich und erlaubt hohe
Produktionsgeschwindigkeiten.
Es war ferner besonders überraschend, daß das erfindungs
gemäße Verfahren ein Spinnen von hochmolekularem Polyäthylen
gestattet, ohne daß es zu den so befürchteten Spinnabbrüchen
kommt, die gerade bei dem Verspinnen von hochmolekularem
Polyäthylen in Form von elastischen Schmelzen oder Lösungen
bei den bisher bekannten Verfahren zu verzeichnen sind. So
wird die Zahl der Schmelzeabrisse, welche bei den bekannten
Verfahren häufig Vorgängen zugeschrieben werden, die bereits
innerhalb der Spinndüse stattfinden, erheblich reduziert
bzw. völlig vermieden.
Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt Abzugsgeschwindig
keiten bis in die Größenordnung von 4000 m/min und darüber.
Die erhaltenen Fäden weisen derart gute mechanische Eigen
schaften auf, daß eine Nachverstreckung nicht mehr erforder
lich ist und bisweilen auch so ohne weiteres nicht mehr
möglich ist.
Aufgrund ihrer Eigenschaften sind die Fäden, die auch zu
Stapelfasern geschnitten werden können, besonders geeignet
für den Einsatz als technische Garne. Sie lassen sich sehr
gut zu Schutzbekleidung z. B. kugelsicheren Westen u.dgl.,
Tauen, Fallschirmen etc. verarbeiten.
Sehr geeignet sind die Fäden, insbesondere als Stapelfasern
bei der Verstärkung von Kunststoff.
Obwohl die Vorgänge, die sich beim erfindungsgemäßen Ver
fahren innerhalb der Düse und im Spinnschacht abspielen,
nicht im einzelnen aufgeklärt sind, wird vermutet, daß durch
das erfindungsgemäße Verfahren ein besonders vorteilhafter
molekularer Aufbau, d.h. eine besonders günstige molekulare
Struktur im Faden entsteht. Es ist anzunehmen, daß bei dem
erfindungsgemäßen Verfahren ausreichend genügend längsaus
gerichtete Molekülketten entstehen, die gleichzeitig als
Bindeketten fungieren und daß die längsgerichteten Moleküle
und die lamellenförmig angeordneten Bereiche in einem
günstigen Verhältnis zueinander stehen und daß Fehler
aufgrund von Kettenfaltungen (chain fold defects) nur in
untergeordnetem Maße vorliegen.
Die Erfindung wird durch folgende Beispiele näher erläutert:
Es wird eine 1,5 gew.-%ige Lösung eines ultrahochmolekularen
Polyäthylens auf folgende Weise hergestellt: 48,7 g eines
Polymers mit einer Intrinsicviskosität von 33,38 dl/g, ge
messen bei 135°C in Decalin, einem w = 5,5×106 kg/kmol
und n = 2,5×106 kg/kmol werden zu 3200 g Paraffinöl und
16,2 g des Antioxidans 2,6-Di-t-butyl-4-methyl-kresol ge
geben und bei einer Temperatur von 120°C in einem 5 Liter-
Kessel gerührt. Die Mischung wird homogenisiert durch
Rühren, wobei sie auf 150°C erwärmt wird. Der Rührer wird
abgestellt, sobald das Polyäthylen vollkommen gelöst ist und
der sogenannte Weißenberg-Effekt auftritt. Sodann wird die
Temperatur 48 Stunden bei 150°C gehalten. Die Lösung wird
abgekühlt auf Raumtemperatur, bei etwa 130°C bildet sich ein
Gel. Das Gel wird einer Spinnvorrichtung mit Spinnöffnungen
zugeführt, die eine trompetenförmige Querschnittsform auf
weisen, wie in der Figur dargestellt. Die Ausgangsöffnungen
der Düsenöffnungen haben einen Durchmesser von 0,5 mm. Die
Lösung wird bei 220°C mit einer Geschwindigkeit von 1 m/min
extrudiert, die Fäden werden in Luft abgeschreckt und mit
gleicher Geschwindigkeit aufgewickelt. Nach dem Extrahieren
des Paraffinöls kann die so erhaltene Faser bis zu einem
Verhältnis von 200 bei einer Temperatur Von 148°C verstreckt
werden, wobei Fasern mit einer Festigkeit von 7,0 GPa ent
stehen.
Die in Beispiel 1 beschriebene Lösung wird in gleicher Weise
verarbeitet, es wird lediglich mit einer Extrusionsgeschwin
digkeit von 100 m/min und einer Aufwicklungsgeschwindigkeit
von 500 m/min gearbeitet. Die so erhaltene Faser kann nicht
mehr heiß-verstreckt werden; die Festigkeit nach der
Extraktion des Paraffinöls mit n-Hexan war 0,3 GPa.
Eine Lösung entsprechend Beispiel 1 wird mit einer
Extrusionsgeschwindigkeit von 100 m/min versponnen, wobei
jedoch mittels eines zylindrischen Ofens eine Strecke von
20,5 cm unterhalb der Austrittsfläche der Spinndüse auf eine
Temperatur von 160°C gehalten wird. Die Fäden werden mit
einer Geschwindigkeit von 4000 m/min abgezogen. Diese Fäden
können nicht mehr heiß-verstreckt werden, weisen jedoch nach
Extraktion des Paraffinöls folgende Eigenschaften auf:
Festigkeit 2,3 GPa
Young Modulus 36 GPa
Bruchdehnung 8%.
Festigkeit 2,3 GPa
Young Modulus 36 GPa
Bruchdehnung 8%.
Eine Spinnlösung wird wie in Beispiel 3 angegeben, verar
beitet, wobei jedoch mit einer Extrusionstemperatur von
190°C und einer Aufwickelgeschwindigkeit von 2000 m/min
gearbeitet wird. Die Festigkeit der extrahierten Fasern
beträgt 1,7 GPa.
Wie in Beispiel 3 wird eine Spinnlösung verarbeitet, jedoch
mit einer Extrusionsgeschwindigkeit von 10 m/min und einer
Aufwickelgeschwindigkeit von 2000 m/min. Die Festigkeit der
extrahierten Faser beträgt 1,9 GPa.
Die Spinnlösung wird entsprechend Beispiel 3 verarbeitet,
jedoch mit einer Extrusionsgeschwindigkeit von 5 m/min unter
Verwendung einer Spinndüse mit Spinnöffnungen, die einen
Durchmesser an der Austrittsstelle von 1 mm aufweisen. In
Abweichung zu den Beispielen 1 bis 4, bei denen ein Spinn
schacht von 0,5 m Länge verwendet wurde, wird hier mit einem
Spinnschacht von 4 m Länge gearbeitet. Diese Länge war er
forderlich, um die extrudierten Fäden genügend abkühlen zu
können, bevor sie aufgewickelt werden. Die Aufwickelge
schwindigkeit beträgt 2000 m/min. Die Fäden weisen nach
Extraktion eine Festigkeit von 1,4 GPa. auf.
In gleicher Weise wie in Beispiel 1 beschrieben, wird eine
3%ige Spinnlösung aus einem Polyäthylen hergestellt, das ein
Mw = 4×106 und ein Mn = 2×105 aufweist. Es wird mit
einer Extrusionstemperatur von 190°C und einer Abzugsge
schwindigkeit von 3000 m/min gearbeitet. Die Festigkeit der
extrahierten Faser beträgt 0,8 GPa.
Mit einer Spinnlösung entsprechend Beispiel 7 wird bei einer
Extrusionstemperatur von 220°C gearbeitet und mit einer
Aufwickelgeschwindigkeit von 4000 m/min. Die Festigkeit der
extrahierten Fäden beträgt 0,8 GPa.
Eine Spinnlösung entsprechend Beispel 7, jedoch mit einer
Konzentration von 5 Gew.-% wird bei einer Temperatur von
220°C extrudiert, die Abzugsgeschwindigkeit beträgt
3500 m/min. Die Festigkeit der extrahierten Faser ist
0,6 GPa.
Es wird analog Beispiel 1 eine Spinnlösung hergestellt,
jedoch unter Verwendung von Dekalin als Lösungsmittel. Die
Spinnmasse wird bei einer Extrusionstemperatur von 180°C mit
1000 m/min aufgewickelt. Die Festigkeit der extrahierten
Faser beträgt 0,9 GPa.
Die Beispiele zeigen, daß bei einem Arbeiten ohne den
erfindungsgemäßen Einsatz einer Heizvorrichtung unterhalb
der Spinndüse brauchbare Festigkeiten nur durch ein Nach
verstrecken in der Wärme erreicht werden. Dabei muß jedoch
mit sehr niedrigen Extrusionsgeschwindigkeiten gearbeitet
werden. Wird mit höheren Extrusionsgeschwindigkeiten gear
beitet, ist ein Nachverstrecken nicht mehr möglich und die
Festigkeiten sind so niedrig, daß die Fäden für die meisten
Einsatzzwecke unbrauchbar sind.
Die Beispiele 3 bis 10 gemäß der Erfindung hingegen zeigen,
daß in einem Einstufenverfahren gearbeitet werden kann, ohne
daß eine Nachverstreckung nötig ist, und man auf diese Weise
Festigkeiten erhält, die das Doppelte oder ein Mehrfaches
der Festigkeit betragen, verglichen mit der Arbeitsweise von
Beispiel 2.
Claims (9)
1. Verfahren zur Herstellung von Polyäthylenfäden durch
Schnellspinnen von Lösungen von ultra-hochmolekularem
Polyäthylen, dadurch gekennzeichnet, daß man aus Pol
yäthylen mit einem Molekulargewicht w 1×106 und
einem Lösungsmittel eine etwa 1 bis 6 Gew.%ige Lösung
herstellt und die Lösung bei einer Extrusionstemperatur
TE = 180-250°C und einer Extrusionsgeschwindigkeit VE
= 5 bis 150 m/min durch Spinndüsen mit Düsenöffnungen,
und deren Querschnitt zur Düsenaustrittsfläche kleiner
wird, in einen Spinnschacht extrudiert, der unterhalb
der Düsenaustrittsfläche mittels einer Heizvorrichtung
auf einer Temperatur von 100 bis 250°C gehalten wird,
man die Fäden unterhalb der Heizzone mit einem Gas an
bläst, die Fäden mit einer Geschwindigkeit Vw 500
m/min abzieht und ohne weitere Verstreckung von dem
Lösungsmittel befreit.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
man ein Polyäthylen mit einem Molekulargewicht w 3,5
×106 verwendet.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch
gekennzeichnet, daß man ein Polyäthylen mit einer
molekularen Uneinheitlichkeit
verwendet.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß U
3 ist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch ge
kennzeichnet, daß mittels der Heizvorrichtung eine
Temperatur von 150-190°C unterhalb der Düsenaustritts
fläche eingestellt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch ge
kennzeichnet, daß man mit einer Geschwindigkeit
Vw 1000 m/min abzieht.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß
man mit einer Geschwindigkeit Vw = 1500-4000 m/min
abzieht.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch ge
kennzeichnet, daß man solche Lösungsmittel verwendet,
daß die Lösung bei der Extrusionstemperatur eine Vis
kosität von 1 bis 100 Pa×s aufweist, gemessen bei
D=1s-1.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß
man als Lösungsmittel Paraffinöl verwendet.
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