DE3839199A1 - Verfahren zur minderung des stickoxidgehaltes von verbrennungsgasen - Google Patents
Verfahren zur minderung des stickoxidgehaltes von verbrennungsgasenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Minderung des Stickoxidgehal
tes von Verbrennungsgasen, insbesondere von Rauchgasen aus Kraft
werkskesselfeuerungen, unter Verwendung von NH3 und/oder anderen
Stickstoff/Wasserstoff-Verbindungen. - Solche Verfahren werden in der
Praxis kurz auch als Entstickungsverfahren bezeichnet.
Stickstoffoxide, insbesondere Stickstoffmonoxid, entstehen bei der Ver
brennung von gasförmigen, flüssigen und festen Brennstoffen mit Luft.
Sie bilden sich ferner bei der Verbrennung von stickstoffhaltigen Ver
bindungen. Zwar kann man die Stickstoffoxid-Konzentrationen durch
feuerungstechnische Maßnahmen minimieren, es bilden sich aber häufig
noch Konzentrationen, die vom Umweltschutz her gesehen zu hoch sind.
Es werden daher seit Jahren NO x -Minderungsverfahren entwickelt und
eingesetzt.
Bisher haben sich zwei verschiedene Minderungs-Verfahren durch
gesetzt. Zum einen die direkte Eindüsung von NH3 in die Verbren
nungsabgase, zum anderen die Führung der Verbrennungsgase zusam
men mit NH3 über einen Katalysator. Bei beiden Verfahren werden die
Stickstoffoxide in molekularen Stickstoff N2 umgewandelt. Beide Verfah
ren haben einige wesentliche Nachteile.
Die Eindüsung von NH3 in die Verbrennungsgase ist an einen be
stimmten Temperaturbereich gebunden. Bei Temperaturen über 1095°C
wird aus dem eingedüsten NH3 mehr NO gebildet als gemindert.
Bei Temperaturen unter 705°C dagegen friert die NO x -Minderungs
reaktion ein. NH3 muß erst aktiviert werden. Dabei wird NH3 in
NH2 umgewandelt. Dies geschieht durch OH-Radikale wie folgt:
NH3 + OH = NH2 + H2O.
Die natürliche Konzentration von OH-Radikalen ist stark tempera
turabhängig. Bei Temperaturen unter 700°C ist die Konzentration so
gering, daß keine Aktivierung von NH3 stattfindet. Es wurde
deshalb auch versucht, die OH-Konzentration künstlich durch Zugabe
von H2O2 zu erhöhen. H2O2 zerfällt bei bestimmten Temperaturen
thermisch zu OH. Dadurch war es möglich, das Reaktionstemperatur-
Fenster bis auf 500°C zu erweitern. Bei Temperaturen unter 500°C
ist diese künstliche Erhöhung der OH-Konzentrationen erfolglos ge
blieben.
Deshalb hat man bei Temperaturen unter 500°C die Verbrennungsgase
gemeinsam mit NH3 über Metalloxid-Katalysatoren geführt, und damit
die Minderungsreaktion katalytisch aktiviert. Dieses Verfahren ist be
sonders kostenaufwendig. Sämtliche Verbrennungsgase müssen über die
Katalysatoren geführt werden. Dabei müssen bestimmte Verweilzeiten
eingehalten werden. Die eingesetzten Katalysatormengen sind deshalb
sehr groß. Darüber hinaus sind die Standzeiten der Katalysatoren
kurz, da sie durch in den Verbrennungsgasen vorhandenen Verschmut
zungen vergiftet werden.
Demgegenüber liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, die Ent
stickung so zu führen, daß sowohl Katalysatoreinrichtungen, über die
der gesamte Verbrennungsgasstrom geführt werden müßten, nicht mehr
erforderlich sind, als auch die bei der Einführung von NH3 in die
Verbrennungsgase störenden Temperaturzwänge nicht mehr bestehen.
Die Lösung dieser Aufgabe ergibt sich aus den Kennzeichen der An
sprüche 1 bis 5, einzeln oder im Kombination.
Die Erfindung nutzt die Tatsache, daß durch NH2/NH-Radikale Stick
stoffoxid NO direkt in Stickstoff N2 überführt werden. Es laufen dabei
Reaktionen, bei denen NH2-/NH-Radikale und Stickstoffoxid, NO, direkt
in Stickstoff, N2, überführt werden:
NH2 + NO = N2 + H2O,
NH + NO = N2 + OH.
NH + NO = N2 + OH.
Diese beiden homogenen Gasreaktionen sind temperaturunabhängig. Es
ist somit möglich, auch in niedrigen Temperaturgebieten Stickstoffoxid
ohne direkten Einsatz von Katalysatoren in den Verbrennungsgasen zu
mindern. Da NH2-/NH-Radikale nicht stabil sind, daher werden sie
nach ihrer Bildung aus stabilen Ausgangsverbindungen auf möglichst
kürzestem Wege in die Verbrennungsgase eingedüst.
Die Temperaturen bei der direkten Eindüsung von NH3 in die Verbren
nungsgase bzw. die notwendigen hohen Katalysatorenmengen bei der
gleichzeitigen Führung von NH3 und Verbrennungsgasen über Katalysa
toren werden durch die Erfindung vermieden. Erfindungsgemäß ist die
Bildung der selektiv wirkenden Reduktionsmittel NH2 und NH und damit
die Aktivierung der Ausgangsstoffe aus den Verbrennungsgasen heraus
genommen und in einen vorgeschalteten Prozeß verlagert. Die Aus
gangsstoffe werden nicht mehr in den Verbrennungsgasen aktiviert.
Dadurch sind z. B. keine hohen OH-Konzentrationen mehr im Verbren
nungsgas notwendig bzw. brauchen die Verbrennungsgase nicht mehr
insgesamt über die Katalysatoren geführt zu werden. Nur die Aus
gangsverbindungen müssen aktiviert werden. Als Ausgangsverbindungen
können wie erwähnt nicht nur NH3, sondern auch andere Stickstoff-
Wasserstoffverbindungen eingesetzt werden. Zum Beispiel können ge
sättigte acyklische Azane oder auch ungesättigte acyclische Azene ver
wendet werden.
Bei der katalytischen Aktivierung können Metall- und/oder Metall
oxidkatalysatoren eingesetzt werden. Die Katalysatoren sind dabei
möglichst nahe an den Austrittsdüsen angeordnet. Bei der photo
chemischen Aktivierung der Ausgangsverbindungen, z. B. durch die
Reaktionen
NH3 + h Y = NH2 + H bzw.
NH3 + h Y = NH + H2,
NH3 + h Y = NH + H2,
sollten die Bestrahlungseinrichtungen ebenfalls möglichst nahe an den
Austrittsdüsen angeordnet sein. Mengengemäß sind für jedes ab
zubauende NO-Molekül ein NH2- bzw. ein NH-Molekül notwendig. Da
aber bei der Aktivierung unvermeidbar die Reaktion NH + NH = N2 + H2
abläuft, und eine vollständige Umwandlung der Ausgangsstoffe in NH2
und NH nicht stattfindet, ist es notwendig, mit einem gewissen Über
schuß bezogen auf die Anzahl der abzubauenden NO-Moleküle zu arbei
ten. Eine Regelung des Verhältnisses von NH2 bzw. NH im Gemisch zu
NO in Abhängigkeit der NO-Konzentration ist von Vorteil, um den Ver
brauch der Ausgangsverbindungen zu minimieren.
Da für die Minderungsreaktionen eine optimale Mischung von Ver
brennungsgas und NH2/NH-Gemisch wichtig ist, kann das Gemisch nicht
nur direkt, sondern auch mittels eines Trägergases aufgegeben werden.
Als Trägergas können sowohl Luft als auch rückgeführte Rauchgase
eingesetzt werden.
Bei der Eindüsung von NH2-/NH-Gemischen ist man bei der NO-Minde
rung temperaturunabhängig. Somit kann an beliebiger Stelle eingedüst
werden. Um jedoch NO-Neubildung zu vermeiden, sollten die Tempera
turen der Verbrennungsgase an der Eindüsstelle unter 1100°C liegen.
Claims (5)
1. Verfahren zur Minderung des Stickoxidgehaltes von Verbrennungs
gasen, insbesondere von Rauchgasen aus Kraftwerksfeuerungen, unter
Verwendung von NH3 oder anderen Stickstoff/Wasserstoffverbindungen,
dadurch gekennzeichnet, daß zunächst das NH3
und/oder die anderen Stickstoff/Wasser-Verbindungen in NH2 oder NH
umgewandelt und diese Radikale einzeln oder in Mischung in die Ver
brennungsgase eingeführt werden, wo sie katalysatorfrei reagieren.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Radi
kale oder die Mischungen der Radikale unmittelbar nach der Bildung
auf möglichst kurzem Wege in die Verbrennungsgase eingeführt werden.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeich
net, daß die Radikale katalytisch hergestellt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeich
net, daß die Radikale photomechanisch hergestellt werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeich
net, daß die Radikale oder die Mischungen der Radikale in bezug auf
die Entstickungsreaktionen in stöchiometrischem Überschuß eingeführt
werden.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19883839199 DE3839199A1 (de) | 1988-11-19 | 1988-11-19 | Verfahren zur minderung des stickoxidgehaltes von verbrennungsgasen |
Applications Claiming Priority (1)
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| DE19883839199 DE3839199A1 (de) | 1988-11-19 | 1988-11-19 | Verfahren zur minderung des stickoxidgehaltes von verbrennungsgasen |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE3839199A1 true DE3839199A1 (de) | 1990-05-31 |
Family
ID=6367516
Family Applications (1)
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| DE19883839199 Withdrawn DE3839199A1 (de) | 1988-11-19 | 1988-11-19 | Verfahren zur minderung des stickoxidgehaltes von verbrennungsgasen |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE3839199A1 (de) |
Cited By (7)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| WO1992004962A1 (en) * | 1990-09-14 | 1992-04-02 | Cummins Power Generation, Inc. | PROCESS AND APPARATUS FOR REMOVING NOx FROM GAS STREAMS |
| DE4115369A1 (de) * | 1991-03-28 | 1992-10-01 | Asea Brown Boveri | Verfahren zur minimierung der stickstoffoxyde (nox) bei einer verbrennung |
| EP0523469A1 (de) * | 1991-07-18 | 1993-01-20 | Siemens Aktiengesellschaft | Verfahren und Anlage zum Vermindern der Stickoxid-Emission einer Gasturbine |
| EP0549930A1 (de) * | 1991-12-31 | 1993-07-07 | Asea Brown Boveri Ag | Gasturbogruppe |
| WO1999030811A1 (de) * | 1997-12-12 | 1999-06-24 | Fev Motorentechnik Gmbh & Co. Kommanditgesellschaft | Verfahren zur reduktion von stickoxiden in sauerstoffhaltigen abgasen, insbesondere abgasen von verbrennungsmotoren |
| RU2138323C1 (ru) * | 1997-05-13 | 1999-09-27 | Тверская государственная сельскохозяйственная академия | Способ очистки газов от оксидов азота |
| RU2140810C1 (ru) * | 1998-07-21 | 1999-11-10 | Акционерное общество открытого типа "Всероссийский теплотехнический научно-исследовательский институт (ВТИ)" | Способ очистки продуктов горения от оксидов азота с одновременным кондиционированием дымовых газов перед электрофильтром |
-
1988
- 1988-11-19 DE DE19883839199 patent/DE3839199A1/de not_active Withdrawn
Cited By (8)
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