DE389394C - Verfahren zur Herstellung eines wolleartigen Gespinstes aus Viskoseloesungen - Google Patents
Verfahren zur Herstellung eines wolleartigen Gespinstes aus ViskoseloesungenInfo
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Description
Es ist bekannt, daß bei der Herstellung für die Erzeugung von Kunstseide brauchbarer
Viskoselösungen die Zellulose zunächst einer weitgehenden Hydratisierung mittels Alkalilauge
unterzogen werden muß, da sie nur dann unter der Einwirkung des Schwefelkohlenstoffes
sich in alkalischem Wasser zu einer derartig dünnflüssigen und homogenen Lösung umwandelt, daß die Bildung vollständig glatt-
*° wandiger und hochglänzender Fäden ermöglicht
wird.
Für die Erreichung des richtigen Hydratisierungsgrades der Zellulose sind 2 bis 3 Tage
erforderlich, und die aus solcher Hydratzellulose hergestellte Viskoselösung muß mindestens
noch weitere 4 Tage reifen, ehe sie versponnen werden kann. Beim sofortigen Verspinnen
entsteht ein vollkommen blindes, brüchiges Gespinst, indem die stark liydratisierte Zellulose
im Koagulationsbade in einer solch diffusionsunfähigen Form ausgefällt wird, daß die im
Faden eingeschlossenen und sich heftig zersetzenden Lösungsreagenzien die Wandungen
des Fadens zerfetzen.
Mit zunehmender Reife der Lösung scheidet sich bekanntlich der größere Teil des Ätznatrons
und Schwefelkohlenstoffes aus dem Molekül des Zelluloseaikalixanthogenates wieder
aus, so daß dann die ungestörte Fällung des Zellulosehydrats mittels geeigneter milder
Fällbäder gelingt.
Das ganze Verfahren ist sehr kostspielig und zeitraubend, da die Herstellung einer für
Kunstseide geeigneten Spinnlösung ungefähr 9 Tage in Anspruch nimmt, während dieser
ganzen Zeit bestimmte Temperaturen einzuhalten sind, eine sehr umfangreiche Apparatur
für die Lagerung der Spinnmassen erforderlich ist und schließlich beim Verspinnen der
Lösungen recht komplizierte Spinnbäder in Anwendung gebracht werden müssen. Für die
Herstellung von Kunstseide, die als Luxusartikel anzusprechen ist, spielte allerdings der
Kostenpunkt bisher nicht die ausschlaggebende Rolle. .
Bei der erstrebten Herstellung eines wolleartigen Gespinstes, welches infolge des Mangels
an Wolle und Baumwolle eine Forderung der Zeit geworden ist, gingen die Erfinder von
der Voraussetzung aus, daß die bisher geübte 51"1
weitgehende Hydratisierung der Zellulose unerwünscht ist, da es nur auf die Festigkeit der
Faser, nicht aber auf die Erzielung eines Hochglanzes ankommt, wenn das Erzeugnis als
Ersatz für die fehlenden Naturfasern dienen soll.
Die praktisch durchgeführten Forschungen ergaben dann ein geeignetes Mindestmaß der
Hydratisierung der Zellulose, bei welcher diese nach Umwandlung in das Xanthogenat sich 5^
noch restlos auflöste.
Die Neuheit des Verfahrens besteht in der Erzielung eines festen, weichen und wolleartigen
Gespinstes, welches als Ersatz für Wolle, Baumwolle und Schappe dienen kann, 'dadurch, daß man bei Verwendung von Viskoselösung
die für die Lösung verwandte Zellulose von der Behandlung mit Schwefelkohlenstoff
und der Auflösung einer derartig geringen Hydratisierung mittels Ätzalkalien
unterwirft, daß die Fäden keinen Hochglanz wie diejenigen der Kunstseide annehmen.
Gegenüber dieser ergibt sich der weitere wirtschaftliche Vorteil, daß das neue Erzeugnis in
einem Tage hergestellt und versponnen werden kann, während bei dem Kunstseidenverfahren
ungefähr 9 Tage erforderlich sind. Auch können die einfachsten und billigsten Spinnbäder
verwandt werden.
Die nach dem neuen Verfahren gewonnene Lösung zeichnet sich gegenüber den üblichen
Kunstseideviskoselösungen durch eine geringe Kolloidalität und entsprechend höhere Viskosität
aus, welch letztere etwa dreimal so hoch ist, und zwar unter Zugrundelegung eines Zellstoffgehaltes
von nur 5 Prozent, der beim Spinnen nicht überschritten werden darf, um ein genügend
feines Gespinst zu erzielen.
Die neue Spinnmasse, welche die Zellulose in einer nur schwach hydratisierten Form in Lösung
hält, läßt sich im Gegensatz zu den bekannten Viskoselösungen sofort nach ihrer Herstellung
verspinnen und ergibt ein außerordentlich festes und weiches Gespinst von mattem, wolleartigem Glanz. Dieser Erfolg
ist dem besonderen Zustand dieser Lösungen zuzuschreiben. Die Koagulation der aus den
hochviskosenLösungen gesponnenen Fäden verläuft viel langsamer, so daß zu diesem Zweck
aus verdünnten Mineralsäuren bestehende Spinnbäder benutzt werden können, ohne daß
sich die sonst eintretende Zerstörung des abgeschiedenen Zellulosehydrats zeigt. Die Verbindung
des Xanthogenats mit dem Zellulosemolekül ist infolge der geringeren Hydratisierung
des letzteren voraussichtlich in der Lösung von vornherein loser, und die Lösungsreagenzien können infolge der geringeren Kolloidalität
der gelösten Zellulose und des dadurch bedingten höheren Diffusionsvermögens fies koagulierenden Fadens leichter aus diesem
heraustreten, bevor er gänzlich erstarrt.
100 kg Zellulose wird mit etwa i8prozentiger
Natronlauge getränkt und dann so weit abgeschleudert, bis sie nur noch zwei Gewichtsteile Lauge auf 1 Gewichtsteil Zellulose enthält.
Man beläßt die Zellulose nur noch etwa 12 Stunden unter der hydratisierenden Wirkung
des Alkali, um sie hierauf mit 70 kg Schwefelkohlenstoff zu behandeln und in etwa
ι 600 kg 3prozentiger Natronlauge aufzulösen. Die so erhaltene Spinnmasse kann sosort
in einem 12- bis isprozentigen Schwefelsäurebad
versponnen werden, wobei den Fäden ein möglichst langer Weg durch das Bad gegeben wird.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zur Herstellung eines wolleartigen Gespinstes aus Viskoselösungen, darin bestehend, daß die verwendete Zellulose vor der Einwirkung des Schwefelkohlenstoffs und der Auflösung einer nur so weit gehenden Hydratisierung mittels Ätzalkalien unterworfen wird, daß sich das hydratisierte Produkt nach Umwandlung in das Xanthogenat noch restlos auflöst, worauf ohne Reifenlassen sofort in Mineralsäuren versponnen wird.
Priority Applications (11)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1918G0046325 DE389394C (de) | 1918-02-23 | 1918-02-23 | Verfahren zur Herstellung eines wolleartigen Gespinstes aus Viskoseloesungen |
| DE1918G0046465 DE402405C (de) | 1918-02-23 | 1918-03-28 | Verfahren zur Herstellung eines wolleartigen Gespinstes aus Viskoseloesungen |
| DE1918G0046501 DE403845C (de) | 1918-02-23 | 1918-04-07 | Verfahren zur Herstellung eines wolleartigen Gespinstes aus Viskoseloesungen |
| DEG47045A DE405002C (de) | 1918-02-23 | 1918-08-16 | Verfahren zur Herstellung eines wolleartigen Gespinstes aus Viskoseloesungen |
| DE1919G0047782 DE398993C (de) | 1918-02-23 | 1919-02-11 | Verfahren zur Herstellung von Filmen, Platten, Baendern und Streifen o. dgl. |
| FR518410A FR518410A (fr) | 1918-02-23 | 1919-05-10 | Procédé de fabrication d'un filé genre laine, coton ou chape, en partant de solutions de viscose |
| GB28984/20A GB152351A (en) | 1918-02-23 | 1919-11-13 | An improved process for producing spun material resembling wool or cotton from viscose solutions |
| GB2898320A GB152350A (en) | 1918-02-23 | 1919-11-13 | An improved process for producing spun material resembling wool or cotton from viscose solutions |
| GB2898220A GB152349A (en) | 1918-02-23 | 1919-11-13 | An improved process for producing spun material resembling wool or cotton from viscose solutions |
| GB1070322A GB181330A (en) | 1918-02-23 | 1922-04-13 | Improvements in and relating to the production of spinnable yarn from viscose solutions |
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| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1918G0046325 DE389394C (de) | 1918-02-23 | 1918-02-23 | Verfahren zur Herstellung eines wolleartigen Gespinstes aus Viskoseloesungen |
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|---|---|---|---|
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Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE389394C (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE746991C (de) * | 1933-10-10 | 1944-09-04 | Ig Farbenindustrie Ag | Verfahren zur Herstellung von Kunstfaeden aus ueberreifen Viskosen |
-
1918
- 1918-02-23 DE DE1918G0046325 patent/DE389394C/de not_active Expired
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE746991C (de) * | 1933-10-10 | 1944-09-04 | Ig Farbenindustrie Ag | Verfahren zur Herstellung von Kunstfaeden aus ueberreifen Viskosen |
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