DE3705049A1 - Verfahren zur herstellung von kalkstickstoff - Google Patents
Verfahren zur herstellung von kalkstickstoffInfo
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Description
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren
zur Herstellung von Kalkstickstoff durch Azotierung von
Calciumcarbid in Drehöfen.
Die Azotierung von technischem Calciumcarbid im Drehofen
unter Zusatz von Kalkstickstoff und geringen Mengen eines
Calciumhalogenids wie z. B. Calciumfluorid oder
Calciumchlorid ist bekannt (vgl. hierzu Ullmann′s
Enzyklopädie der technischen Chemie Band 9 (1975)
S. 85-95). Beim technisch praktizierten
Trostberger Drehofenverfahren wird dabei das
Calciumcarbid mit etwa 25-30 Gew.-% Kalkstickstoff und
0,5-1 Gew.-% Flußspat in Rohrmühlen auf etwa
90% unter 0,09 mm vermahlen, das entstehende Mahlgut
mit Stickstoff in einen erweiterten Drehofenkopf eingeblasen
und bei 1000-1150°C mit Stickstoff umgesetzt. Hierbei ist
es aber nicht zu vermeiden, daß Reaktionsgut an den Wänden
des Drehofens anbackt. Deshalb ist ein erheblicher manueller
Aufwand erforderlich, um diese Anbackungen von der
Drehofenwand abzustoßen. Dabei treten nicht nur
beträchtliche Personal- und Reparaturkosten auf, sondern
es müssen auch merkliche Azotierausbeuteverluste
hingenommen werden.
Zwar hat man versucht, Anbackungen durch Einsatz einer
gezielt engen Carbidkörnung von 0,075-3 mm (wobei
mehrere Zerkleinerungs- und Siebschritte nötig sind)
sowie durch Zusatz von 1-2 Gew.-% Calciumchlorid, durch
abgestufte Wärmeleitfähigkeit der Drehofenausmauerung
und besondere Steuerung der Sickstoffdosierung
gemäß dem Knapsack-Verfahren weitgehend zu vermeiden.
Das Verfahren hat sich jedoch aufgrund des großen
Aufwands sowie des bei der nachfolgenden Kalkstickstoff-
Derivate-Produktion störenden Calciumchlorid-Gehaltes
nicht bewährt.
Es wurde auch schon vorgeschlagen, Preßlinge aus
feingemahlenem Carbid zur Azotierung zu verwenden. Auch
dieser Vorschlag hat aufgrund des zusätzlich nötigen
Aufwands (Brikettpresse, Förderorgange für Briketts,
Zwischenlagerung und Absiebung der Briketts) und des
infolge zu hoher Verdichtung (zur Erzielung bruchfester
transportabler Preßlinge) auftretenden Restcarbids im
Innern der Preßlinge keinen Eingang in die Praxis
gefunden.
Der vorliegenden Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde,
ein Verfahren zur Herstellung von Kalkstickstoff durch
Azotierung von Calciumcarbid in Drehöfen zu entwickeln,
welches die genannten Nachteile des Standes der Technik
nicht aufweist, sondern es ohne großen technischen
Aufwand ermöglicht, die bei der Azotierung auftretenden
Anbackungen an der Drehofenwand zu verhindern.
Diese Aufgabe wurde erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß
man das Carbidmahlgut bestehend aus Calciumcarbid ggf.
unter Zusatz von Kalkstickstoff und/oder Calciumfluorid
in verdichteter Form in den Drehofen einbringt.
Es hat sich nämlich überraschenderweise gezeigt, daß mit
Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens Anbackungen an der
Drehofenwand weitgehend vermieden werden. Außerdem konnte
festgestellt werden, daß sich die Azotierausbeute um ca.
1% erhöht, was u. a. auf den gleichmäßigeren Ofengang
zurückzuführen ist und ebenfalls nicht vorhersehbar war.
Beim Verfahren gemäß der vorliegenden Erfindung wird das
Calciumcarbidmahlgut in verdichteter Form direkt in den
Drehofen eingeführt, wobei die Verdichtung in relativ
weiten Grenzen variiert werden kann. Es hat sich als
besonders vorteilhaft erwiesen, die Dichte des
Carbidmahlgutes auf 1,3 bis 2,0 g/cm3, vorzugsweise 1,5-
1,8 g/cm3, einzustellen. Auf diese Weise wird gewährleistet,
daß das Carbidmahlgut zwar gut, aber nicht zu stark
verdichtet wird, was zur Bildung von Restcarbid im Innern
der Agglomerate führen und sich negativ auf die
Azotierausbeute auswirken würde. Für die entsprechende
Verdichtung des Carbidmahlgutes kommen die bekannten
Vorrichtungen wie z. B. Preßschnecken, Strangpressen,
Kolbenpressen oder Matrizenpressen in Frage.
In einer bevorzugten Ausführungsform wird das
Carbidmahlgut mit Hilfe von Kolbenpreßschleusen
verdichtet, wobei die üblichen bekannten Vorrichtungen
bestehend aus Staubbehälter, Verdichtungskolben (Hydraulik-
oder Kurbelantrieb) und Verdichtungsrohr (Schleusenrohr)
verwendet werden. Dabei ist eine "obere Totpunktregelung"
des Kolbendrucks z. B. entsprechend der DE-OS 35 02 803
sinnvoll. Das Schleusenrohr kann im Bereich des Eintrags in
den Drehofen geringfügig zylindrisch erweitert sein.
Das feingemahlene Carbidmahlgut wird dabei über ein Silo
in das Schleusenrohr gefördert, mit Hilfe des Kolbens
verdichtet und als verdichteter Strang in den
Drehofenkopf eingebracht. Im Bereich des vorderen
Ofenkopfes zerfällt der Strang bei beginnender Azotierung
in unregelmäßige Bruchstücke.
Das erfindungsgemäß verdichtete Carbidmahlgut, das im
wesentlichen aus technischem Calciumcarbid besteht, kann
noch Zusätze an Kalkstickstoff und/oder Calciumfluorid
enthalten. Durch den Gehalt an Kalkstickstoff wird das
Mahlverhalten verbessert, das Calciumcarbid verdünnt,
somit die Bildung von Schmelz- bzw. Sinterzonen verhindert
und der Azotiervorgang beschleunigt. Er sollte in der
Regel 30 Gew.-%, vorzugsweise 25 Gew.-%, nicht
überschreiten.
In einer bevorzugten Ausführungsform wird die zur
Regelung der Azotiertemperatur erforderliche Menge an
Kalkstickstoff ganz oder teilweise in feinverteilter Form
während des Azotiervorgangs in den Drehofen bspw. mit
Stickstoff eingeblasen.
Auf diese Weise wird erreicht, daß die Agglomerate und die
Drehofenwand mit einem feinen Kalkstickstoff-Überzug
versehen werden, wodurch die Anbackungsgefahr weiter
vermindert wird.
Es ist klar, daß der Kalkstickstoff für diesen Zweck in
feinverteilter Form als Pulver mit einer Teilchengröße
vorzugsweise unter 0,1 mm vorliegen sollte.
Das beim erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzte
verdichtete Carbidmahlgut kann außer Kalkstickstoff noch
zusätzlich Calciumfluorid enthalten, das bekanntermaßen
die Azotierungsreaktion beschleunigt. Die Menge an
Calciumfluorid sollte den Wert von 2 Gew.-%, vorzugsweise
1 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht an Calciumcarbid nicht
überschreiten.
Die Herstellung des erfindungsgemäß eingesetzten
Carbidmahlgutes erfolgt in technisch sehr einfacher Weise
durch Brechen und Vermahlen des Calciumcarbids auf eine
Teilchengröße unter 0,1 mm, wobei ggf. noch die weiteren
Komponenten Kalkstickstoff und Calciumfluorid
vorzugsweise vor dem Mahlvorgang zugesetzt und mit
dem Calciumcarbid vermahlen werden.
Anschließend wird dieses Mahlgut direkt dem
Verdichtungsaggregat zugeführt und dort verpreßt.
Die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens sind
gleichzeitige Dosierung und Verdichtung des
Carbidmahlgutes sowie geringe Neigung zum Anbacken
des Azotiergemisches an den Ofenwänden, wodurch die zum
Teil sehr aufwendigen Stocher- und Sprengarbeiten
entfallen können. Außerdem erhält sich die
Azotierausbeute auf über 93%, so daß die
Wirtschaftlichkeit des Verfahrens weiter verbessert wird.
Die nachfolgenden Beispiele sollen die Erfindung näher
erläutern, ohne sie jedoch darauf zu beschränken.
79,3 Gew.-teile Calciumcarbid wurden mit 20,0 Gew.-teilen
Kalkstickstoff und 0,7 Gew.-teilen Flußspat gemeinsam
auf eine Korngröße von 90% unter 0,09 mm vermahlen. Das
produzierte Carbidmahlgut mit einem Gehalt von 62,6%
CaC2 wurde in einer Menge von 1,75 t pro h einer - mit
oberer Totpunktregelung ausgerüsteten - Kolbenpreßschleuse
zugeführt, durch die es auf eine Dichte von 1,8 g/cm3
gepreßt quasi kontinuierlich in den Kopf eines 1050°C
heißen Kalkstickstoffdrehofens eingebracht wurde.
Gleichzeitig wurde der Drehofen mit 500-600 Nm3 pro h
Stickstoff beaufschlagt. Zusätzlich wurden 0,1-0,4 t
pro h Kalkstickstoffstaub der Körnung von 90% unter 0,1 mm
mit 50-100 Nm3 pro h Stickstoff im Bereich des
Schleusenrohrs in den Ofenkopf eingeblasen. Die
Drehofenwände blieben von starken Azotiergutanbackungen
frei, die reinigungsbedingten Betriebsunterbrechungen
entfielen fast vollständig.
Der erzeugte Kalkstickstoff hatte einen N-Gehalt von
24,95%. Die Azotierausbeute war 93,7%. Der Gehalt an
unumgesetztem Restcarbid betrug 0,12% CaC2.
84,5 Gew.-teile Calciumcarbid, 14,9 Gew.-teile
Kalkstickstoff und 0,6 Gew.-teile Flußspat wurden in
einer Rohrmühle gemeinsam auf eine Korngröße von 95%
unter 0,1 mm vermahlen. Das auf diese Weise hergestellte
Carbidmahlgut mit einem CaC2-Gehalt von 65,5% wurde in
einer hydraulischen, mit oberer Totpunktregelung
ausgerüsteten, Kolbenpreßschleuse von 0,89 g/cm3 auf
1,65 g/cm3 verdichtet in den auf 1050°C vorgeheizten
Kopf eines Kalkstickstoffdrehofens eingepreßt.
Zusätzlich wurden je nach Innentemperatur 0,2-0,6 t pro h
Kalkstickstoffstaub mit 50-100 Nm3 pro h Stickstoff
eingeblasen und 500-600 Nm3 pro h Azotierstickstoff.
Eine mechanische Abreinigung der Drehofenwände war
nicht notwendig. Der erzeugte Kalkstickstoff hatte einen
Gehalt an Restcarbid von 0,05% CaC2 und einen N-Gehalt
von 24,55%. Die Azotierausbeute betrug 93,3%.
Claims (8)
1. Verfahren zur Herstellung von Kalkstickstoff durch
Azotierung von Calciumcarbid im Drehofen, dadurch
gekennzeichnet, daß man das Carbidmahlgut bestehend aus
Calciumcarbid ggf. unter Zusatz von Kalkstickstoff
und/oder Calciumfluorid in verdichteter Form in den Ofen
einbringt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Dichte des eingebrachten Carbidmahlgutes 1,3 bis
2,0 g/cm3 beträgt.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch
gekennzeichnet, daß die Dichte des Carbidmahlgutes
1,5 bis 1,8 g/cm3 beträgt.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, daß man zur Verdichtung des
Carbidmahlgutes eine Kolbenpreßschleuse verwendet.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß das Carbidmahlgut noch bis zu
30 Gew.-%, vorzugsweise bis zu 25 Gew.-% Kalkstickstoff
enthält.
6. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, daß man zusätzlich Kalkstickstoff in
feinverteilter Form während des Azotiervorgangs in den
Drehofen einbläst.
7. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 6, dadurch
gekennzeichnet, daß die Teilchengröße des eingeblasenen
Kalkstickstoffs unter 0,1 mm liegt.
8. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, daß das Carbidmahlgut bis
2 Gew.-%, vorzugsweise bis zu 1 Gew.-% Calciumfluorid,
enthält.
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