Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Kupferrückgewin
nung aus verbrauchten alkalischen und sauren Ätzlösungen
der Leiterplattenherstellung durch Zementation von Kupfer
mittels Eisen.
In der Elektroindustrie werden zur Herstellung sogenannter
Leiterplatten, die in gedruckten Schaltungen Anwendung
finden, in sehr großem Umfange Ätzlösungen verwendet, mit
denen die mit Kupfer kaschierten Leiterplatten nach photo
mechanischer Aufbringung der entsprechenden Schaltungsmu
ster geätzt werden.
Die Ätzlösungen lösen dabei alle diejenigen Teile der auf
kaschierten Kupferfolie auf, die nicht für die Leiterplat
te benötigt werden. Das aufgelöste Kupfer sammelt sich in
der Ätzlösung an, die im verbrauchten Zustand einen Kupfer
gehalt von ca. 80-160 g pro Liter aufweist.
Für die Leiterplattenherstellung werden sowohl alkalische
als auch saure Ätzlösungen verwendet. Die alkalischen Ätz
lösungen enthalten Ammonium-Kupfer(II)-Chlorid CuCl2 · 2 NH4Cl
und die sauren Ätzlösungen enthalten Kupfer(II)-Chlorid
CuCl2.
Die in dieser Form anfallenden alkalischen und sauren Ätz
lösungen stellen für die Elektroindustrie ein sehr großes
Problem dar, da sie wegen ihres hohen Metallgehaltes und
ihrer Giftigkeit nicht ins Abwasser gelangen dürfen, son
dern in komplizierten Verfahren aufgearbeitet werden müs
sen, bis sie in einer Form vorliegen, die keine Umweltbe
lastung ergibt.
Wegen der außerordentlich großen Menge der anfallenden ver
brauchten Ätzlösungen erweist sich die Aufarbeitung als
besonders schwierig und vor allem kostspielig.
Die Ausfällung von Kupfer aus sauren Kupfersalzlösungen
durch Zugabe von Eisen ist bekannt und beispielsweise in
der DE-AS 22 48 241 und der österreichischen Patentschrift
3 27 570 beschrieben.
Nach der DE-AS erfolgt die Ausfällung bei einem pH-Wert
von 2,8 bis 5. Ein niedrigerer pH-Wert wird wegen des da
durch verursachten höheren Eisenverbrauchs ausdrücklich
als nachteilig bezeichnet.
Ausgehend von diesem bekannten Verfahren liegt der vor
liegenden Erfindung nunmehr die Aufgabe zugrunde, ein
neues wirtschaftliches Verfahren zur Kupferrückgewinnung
aus verbrauchten Ätzlösungen bereitzustellen, welches die
umweltfreundliche Rückgewinnung des Kupfers als reines
Kupfer ermöglicht, und bei dem auch die anderen Bestand
teile der Ätzlösung in einer wiederverwendbaren Form zu
rückgewonnen werden, ohne daß eine Umweltbelastung ein
tritt.
Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäß dadurch, daß
- a) eine CuCl2-haltige Ätzlösung mit Schwefelsäure auf
einen pH-Wert von 1-2 eingestellt, mit Eisenschrott
versetzt und das ausgefällte Kupfer abgetrennt wird,
- b) zu der verbleibenden Lösung eine alkalische CuCl2 · 2
NH4Cl-haltige Ätzlösung zugegeben, mit Schwefelsäure
auf einen pH-Wert von 1-2 eingestellt, mit Eisen
schrott versetzt und das ausgefällte Kupfer abgetrennt
wird, und
- c) aus der verbleibenden Lösung nach Konzentrierung mit
tels eines zweistufigen Kristallisators Ammoniumsulfat
und Eisen(III)-Chlorid-Sulfat gewonnen wird.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren entsteht somit durch die
kombinierte Aufarbeitung von sauren und alkalischen ver
brauchten Ätzlösungen einmal reines metallisches Kupfer,
welches direkt eingeschmolzen werden kann und zum anderen
wird aus der verbleibenden, kupferfreien Lösung das als
Düngemittel wertvolle Ammonium-Sulfat sowie das als Abwasser
aufbereitungsmittel außerordentlich geschätzte Eisen(III)-
Chlorid-Sulfat gewonnen.
Andererseits werden für die Durchführung des Verfahrens ledig
lich geringe Mengen Schwefelsäure für die Einstellung des
pH-Wertes sowie Eisenschrott zweckmäßg in Form von Dreh
spänen benötigt, also wohlfeile billig Materialien, die
somit eine wirtschaftliche Durchführung des erfindungsge
mäßen Verfahrens ermöglichen.
Es wird auch keine komplizierte Apparatur benötigt, vielmehr
ist es möglich, das erfindungsgemäße Verfahren in relativ
großvolumigen Kunststoffbehältern durchzuführen.
Diese Kunststoffbehälter können mit einer Rührvorrichtung
versehen sein; andererseits ist es aber auch möglich, durch
Umpumpen für eine entsprechende Bewegung der in die Behälter
gefüllten Reaktionsbestandteile zu sorgen.
Das durch die Eisenzugabe ausgefällte reine Kupfer kann durch
Sedimentation abgetrennt werden, es kann weiterhin durch
Zentrifugieren oder auch durch Filtrieren von der nunmehr
kupferfreien Lösung abgetrennt werden.
Die nach der Zugabe der alkalischen Ätzlösung und der erneuten
Sedimentation mit Eisen anfallende kupferfreie Lösung enthält
Ammonium-Sulfat (NH4)2SO4 und Eisen(III)-Chlorid-Sulfat
FeClSO4. Diese Lösung wird nach der Abtrennung des Kupfers
durch Zentrifugieren oder durch Dekantieren in einem Ver
dampfer konzentriert und anschließend mittels eines zweistu
figen Kristallisators in die beiden vorerwähnten Verbindungen
aufgetrennt. Dieselben fallen in kristallisierter Form an
und können so direkt dem neuen Verwendungszweck zugänglich
gemacht werden. Das Ammonium-Sulfat als Düngemittel und das
Eisen(III)-Chlorid-Sulfat als Abwasserreinigungsmittel.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden somit alle Bestand
teile der bei der Leiterplattenherstellung anfallenden alka
lischen und sauren Ätzlösungen in eleganter, umweltfreund
licher und wirtschaftlicher Weise aufgearbeitet und als wie
dereinsetzbare Produkte zurückgewonnen. Es entsteht lediglich
beim Eindampfen Wasserdampf, der die Umwelt nicht belastet,
während ein anderer Teil des in den Lösungen enthaltenen
Wassers zusammen mit den Produkten Ammonium-Sulfat und
Eisen(III)-Chlorid-Sulfat als Kristallwasser auskristallisiert.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird üblicherweise bei Raum
temperatur durchgeführt und die Ausfällung des Kupfers
mit dem Eisenschrott ist üblicherweise in 48 bis maximal
72 Stunden beendet.
Der Eisenschrott kann dabei im Überschuß zugegeben werden, da
er einmal leicht abgetrennt werden kann und zum anderen auf
diese Weise eine hundertprozentige Abscheidung des Kupfers
aus der Lösung gewährleistet ist.
Anhand des nachfolgenden Ausführungsbeispieles wird das erfin
dungsgemäße Verfahren im einzelnen näher erläutert.
Ausführungsbeispiel
10 000 l Kupfer (II)-chlorid(Cu Cl2) Lösung mit einem Kupfer
anteil von ca. 90 g/l und einem pH-Wert von ca. 3 wurden mit
etwa 400 kg Schwefelsäure (H2SO4) mit einer Konzentration von
66° B´ vermischt. Der entstandenen Lösung wurden ca. 1000 kg
Eisenschrott (Eisenspäne) zugesetzt. Die Reaktionsdauer betrug
etwa 48-72 Stunden in Abhängigkeit von der herrschenden Um
gebungstemperatur.
Von der zugesetzten Menge Eisenschrott wurden etwa 800 kg für
die Ausfällung des Kupfers benötigt, während die restlichen
200 kg mit der im Überschuß vorhandenen Schwefelsäure reagier
ten.
Das ausgefällte Kupfer wurde dann aus der Lösung durch Filtrie
ren abgetrennt.
Die Ausbeute betrug ca. 900 kg metallisches Kupfer.
Zu der verbleibenden Lösung wurden 10 000 l einer CuCl2 · 2 NH4Cl
haltigen Lösung mit einem Kupfergehalt von 120 g/l sowie wei
terhin 4000 kg Schwefelsäure mit einer Konzentration von
66° Bè zugegeben, so daß sich ein pH-Wert von 1-2 einstellte.
Zu dieser so erhaltenen Lösung wurden 1100 kg Eisenspäne zuge
geben. Nach weiteren 48-72 Stunden wurde das ausgefällte
Kupfer von der Lösung durch Zentrifugieren oder Dekantieren
abgetrennt. Die Ausbeute betrug etwa 1200 kg Kupfer, so daß
in beiden Reaktionsstufen eine Gesamtausbeute von etwa 2100 kg
Kupfer erhalten wurde.
Die nach der Abtrennung des Kupfers verbleibende Lösung wurde
in einem Verdampfer konzentriert und anschließend mittels eines
zweistufigen Kristallisators in Ammoniumsulfat und Eisen(III)-
chlorid-sulfat auftrennt.
Die Menge an Ammoniumsulfat und Eisen(III)-chlorid-sulfat, die bei
der Kristallisation entstanden war, hängt weitgehend von dem
Wassergehalt der zu behandelnden Lösung ab. In der Regel werden
ca. 10 000 kg Eisen(III)-chlorid-sulfat FeClSO4 × 6 H2O erhalten.
Der Reinheitsgrad entspricht der üblichen Handelsqualität
(Kupfergehalt unter 0,015 mg/kg) und dieses Produkt ist bestens
geeignet für die Abwasseraufbereitung und die Schlammtrocknung.
Die in der Verfahrensstufe 2 zugesetzten 10 000 l ammoniaka
lischer Lösung beinhalten erfahrungsgemäß je nach Wassergehalt
und Fabrikationsqualität etwa 20% Ammonium und hieraus ent
stehen durch Bindung mit H2SO4 etwa 6000-8000 kg Ammonium
sulfat und zwar ebenfalls in einer handelsüblichen Qualität.
Die nach Kristallisation zurückbleibende Mutterlauge wird in
das erfindungsgemäße Verfahren zurückgeführt und erneut der
Kristallisation unterworfen. Sie erweist sich dabei als beson
ders vorteilhaft aufgrund der in der Mutterlauge enthaltenen
Keimkristalle, die die Kristallbildung beschleunigen.