DE3247062A1 - Verwendung eines chelatbildners als arzneimittel zur behandlung der alzheimer-krankheit - Google Patents
Verwendung eines chelatbildners als arzneimittel zur behandlung der alzheimer-krankheitInfo
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Description
4-13710
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache seniler Erkrankungen
des Gehirns und äussert sich als fortschreitender und nicht behandelbarer
Zustand. Diese Erkrankung beginnt gewöhnlich mit Lern- und Gedächtnisdefiziten und schreitet langsam fort unter Einbeziehung sämtlicher
Aspekte der intellektuellen Aktivität, einschliesslich des Urteilsvermögens, des Rechnens und der Sprache. Auch die motorische
Funktion wird zunehmend beeinträchtigt. Dem Auftreten einer motorischen Apraxie folgen in unterschiedlichen Intervallen eine allgemeine
Steigerung des Muskeltonus vom extrapyramidalen Typ und Bradykinesie. Mit fortschreitender Erkrankung nimmt der Tonus an Intensität zu,
insbesondere an den Flexorengruppen, was zu einer endgültig gebeugten
Haltung führt. Es können myoklonische Krämpfe auftreten und epileptogene
Anfälle kommen bei etwa 5 bis 15 % der erkrankten Individuen vor. Die durchschnittliche Dauer der Krankheit beträgt acht Jahre
bei einem Bereich von zwei bis neunzehn Jahren.
Aluminium ist seit mehr als 90 Jahren als selektives neurotoxisches
Mittel bekannt. Unter den menschlichen neurologischen Krankheiten, die mit einem erhöhten Aluminiumgehalt des Gehirns einhergehen, sind
zu nennen beispielsweise die amyotrophe Lateralsklerose (Rückenmark
und Gehirn) der Halbinseln Guam und Kii (Japan); das gealterte menschliche Gehirn; Dialyse-Encephalopathie; Striato-Nigral-Syndrom;
Alkohol-Demenz mit Demyelinisierung und kristallinen Ablagerungen; und die senile und präsenile Alzheimer-Demenz (vergl. D.R. Crapper
et al., Aluminium neurofibrillary degeneration and Alzheimer's disease, Science 180 (511-513 (1973), Brain 9£, 67-80 (1976), G.A.
Trapp et al,, Aluminium levels in brain in Alzheimer*s disease, Biol.
Psych. J3_, 709-718 (1978)). Aluminium wurde in den Nuclei von Neuronen
mit neurofibrillärer Degeneration von D.P. Perl und A.R. Brody,
Science 208., 297-309 (1980) gefunden. J.R. McDermott et al., Aluminium
and Alzheimer's Disease, Lancet 1977, Bd. 2, 710-711, fanden, dass die Gehirne von Patienten mit seniler Demenz des Alzheimer-Typs erhöhte
Konzentrationen an Aluminium aufwiesen. Jedoch enthielten auch die Gehirne von älteren Personen passenden Alters erhöhte Konzentrationen
an Aluminium und der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht beträchtlich. Wie von D.R. Crapper McLachlan et al., Neurotoxicology
1, 25-32 (1980) gezeigt, scheint die Diskrepanz in der Auswahl der Kontrollen zu liegen, da die Gehirne der Kontrollgruppe passenden
Alters eine neurofibrilläre Degeneration in einer Dichte aufwiesen,
die nahe der bei der Alzheimer-Gruppe gefundenen war.
Bei ansprechenden Testtieren, wie Katzen und Kaninchen, tritt nach
einer intrakranialen Injektion einer einzigen lethalen Menge eines löslichen Salzes von Aluminium eine Folge von Ereignissen auf,
die mit einem Mangel des Lerngedächtnisses beginnt und mit myoklonischen Krämpfen und Anfällen 14 bis 28 Tage nach der Injektion endet.
Das befallene Gehirn enthält Neuronen mit neurofibrillärer Degeneration.
Diese Folge ahmt trotz des äusserst kurzen Zeitverlaufs die fortschreitenden Anzeichen nach, die bei der Alzheimer-Krankheit
gefunden werden. Darüber hinaus liegt die toxische Konzentration von Aluminium bei anfälligen Spezies bei 4 bis 8 ug/g Trockengewicht
(vergl. D.R. Crapper und G. Tomko, Brain Research _97_, 253-264 (1975)).
Es ist daher von besonderem Interesse, dass die Aluminiumkonzentration von 585 Proben aus den Gehirnen von 10 Personen, die an der Alzheimer-Krankheit
starben, bestimmt von D.R. Crapper et al., Brain _99_, 67-80
(1976), insgesamt 3,8 ug/g Trockengewicht betrug und bei etwa 1/3
von sämtlichen neurocortikalen Regionen 4 }x%/% Trockengewicht überschritt.
Darüber hinaus zeigen menschliche cerebrale Fötusneuronen in vitro eine toxische Reaktion auf Aluminium in den gleichen Konzentrationen
wie die empfindlichen Tierspezies (vergl. D.R. Crapper
et al., in Aging, Vol. 7, Seiten 471-485, herausgegeben von R. Katzman et al., Raven Press, New York (1976)).
ORIGINAL
Die intrazelluläre Verteilung von Aluminium sowohl bei experimenteller
Encephalopathie, die mit neurofibrillärer Degeneration einhergeht, wie
bei der Alzheimer-Krankheit ist fast ausschliesslich intranuklear. In den nuklearen Fraktionen ist Aluminium nicht gleich verteilt. Basierend
auf Sedimentationsprofilen trennten D.R. Crapper und U. DeBoni (in K.Nandy und J. Sherwin, Herausgeber: The Aging Brain and
Senile Dementia, Plenum Press, New York und London 1979, Seiten 229-246) eine schwere Fraktion, Heterochromatin, und zwei leichtere
Fraktionen, mittleres Euchromatin und leichtes Euchromatin aus den
Nuclei von Gehirnen von Kontrollkatzen und von Katzen ab, die während fortgeschrittener Stadien der experimentell induzierten Aluminium-Encephalopathie
getötet wurden. Quantitative Messungen von Aluminium durch Atomabsorption und DNA nach Standardmethoden zeigten, dass
Nuclei von Kontrollgehirnen etwa 700 ug Aluminium pro Gramm DNA enthielten,
und in der Heterochromatinfraktion etwa 1550 /ig/g DNA.
In den encephalopathischen Gehirnen waren diese Konzentrationen um
etwa 370 % bzw. 540 % angestiegen. Entsprechend D.R. Crapper et al.,
Brain 99, 67-80 (1976) wiesen Gehirne von Patienten mit präseniler
Alzheimer-Demenz (6 Gehirne, 11 Präparate) durchschnittliche Konzentrationen von Aluminium von 1401 und 3783 jug Al/g DNA für die gesamten
Nuclei bzw. Heterochromatin, im Vergleich zu 716 und 2111 iig/g
DNA von alters-entsprechenden Kontro.llgehirnen (6 Gehirne, 11 Präparate) auf, was einer etwa zweifachen Steigerung des intranuklearen
Gehalts an Aluminium entspricht.
Trotz der vorstehend genannten Aehnlichkeiten zwischen der Alzheimer-Krankheit
und der experimentellen Encephalopathie, induziert durch intrakraniale Injektion von Aluminiumionen, kann angenommen
werden, dass die primären Ereignisse, die die Alzheimer-Krankheit einleiten, in dar Verringerung der Abwehrkräfte des Gehirns gegen
das natürlich auftretende toxische Aluminium liegen statt in einer
übermässigen Zufuhr von Aluminiumionen. Letztere wird dagegen als
Grund der Dialyse-Encephalopathie erkannt, eine Krankheit, die sich
deutlich von der Alzheimer-Krankheit unterscheidet. Die Unterschiede liegen darin, dass bei der Dialyse-Demenz keine histopathologischen
Aenderungen des Gehirns auftreten. Alle Körpergewebe weisen einen hohen Aluminiumgehalt auf, das heisst, etwa das Zehn- bis Zwanzigfache
des normalen, jedoch ist im Gehirn das Aluminium auf das Cytoplasma beschränkt und von dem Nukleus ausgeschlossen. Im Gegensatz
hierzu tritt bei der Alzheimer-Krankheit eine extensive Histopathologie einschliesslieh einer neurofibrillären Degeneration auf
und das Aluminium ist fast gänzlich an intranukleare Strukturen gebunden und das Gehirn ist das einzige befallene Organ. Die Alzheimer-Krankheit
gleicht daher stark der tierexperimentellen Encephalopathie. Die Dialyse-Encephalopathie ist selten geworden, nachdem überall
sorgfältig darauf geachtet wurde, den Aluminiumgehalt von Dialysewasser auf einem Minimum zu halten. Die auffallende Besserung des
Zustands eines Patienten, der an Dialyse-Encephalopathie leidet, nach
der Entfernung· einer wesentlichen Menge des Aluminiums durch Infusion von 6 g des pharmazeutischen Chel atbildners Oesferrioxaminmesylat
(BAN, entsprechend Deferoxaminmesylat USAN und INN prop.) in 500 ml
Salzwasser in die Arterienleitung während der ersten zwei Dialysestunden einmal wöchentlich während eines Zeitraums von 10 Monaten
wird von P. Ackrill et al., The Lancet 1980, Vol. 2, 692-693, berichtet.
P. Williams, R. Khanna und D.R. Crapper MacLachlan, Bulletin of Dialysis 1_, 73 (1981) zeigten,dass Deferoxamin die Aluminiumausscheidung
bei einem Patienten mit Dialyse-Demenz (bei kontinuierlicher ambulatorischer peritonealer Dialyse) erhöhte. Vorher war aus ·
A.A. Yunice et al., Arch. Envir. Health 16_, 163-170 (1968), bekannt,
dass bei Ratten, die vier Monate unter Deferoxamin USAN gehalten wurden, Aluminium in der Lunge, Im Pankreas, im Herzmuskel und im
Gehirn verringert wurde und die Tiere keinen toxischen Effekt zeigten.
Die vorliegende Erfindung betrifft nun die Verwendung eines Chelatbildners,
Deferoxamin USAN (Desferrioxamin BAN, chemische Bezeichnung
N- [ 5- [ [ 4- [ [ 5- (Acety !.hydroxyamine») penty 1 ] amino ] -1,4-dioxobutyl ] hydroxyamino]pentyl]-Nt-(5-aminopentyl)-Nf-hydroxybutandiamid
oder 30-Amino-3,14,25-trihydroxy-2,10,13,21, 24-pentaoxo-3,9,14,20,25-pentaazatriacontan)
in Form eines pharmazeutisch brauchbaren Säureadditionssalzes als Arzneimittel zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit.
Bei dieser Verwendung wird das Arzneimittel insbesondere in zur parenteralen Verabreichung geeigneter Form, wie z.B. als wässrige
Lösung, zur Verfügung gestellt. Vorzugsweise wird das Arzneimittel, d.h. ein geeignetes pharmazeutisch brauchbares Säureadditionssalz
von Deferoxamin, z.B. das Mesylat, in einer zur parenteralen Verabreichung von etwa 0,2 bis 5 g täglich, vor allem von etwa
0,2 bis etwa 1,5 g und in erster Linie etwa 0,5 bis etwa 1,0 g täglich,
zur Verfügung gestellt. Die Dosierung richtet sich nach dem individuellem Zustand des Patienten und dem Stadium der Krankheit,
besonders zweckmässig ist die Verabreichung von zweimal täglich 0,5 g.
Geeignete Formulierungen zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit sind insbesondere 2,5 bis etwa 12,5 %ige, vorzugsweise etwa 5 bis etwa
10 %ige, wässrige Lösungen von pharmazeutisch brauchbaren Säureadditionssalzen von Deferoxamin, wobei diese Lösungen unmittelbar
oder kurz vor der Verabreichung aus entsprechenden Trockenampullen, oder aus anderen stabilen und sterilen gelagerten Formulierungen des
speziellen Salzes und aus destilliertem oder entmineralisiertem Wasser hergestellt werden. Beispielsweise können 10 %ige oder selbst
geringer konzentrierte Lösungen von Deferoxaminmesylat hergestellt werden unter Verwendung handelsüblicher 500 mg Trockenampullen von
DESFEEAL (Warenzeichen der Ciba-Geigy AG) und zum Beispiel destilliertem
Wasser oder physiologischer Natriumchloridlösungen. Derartige Lösungen können parenteral verabreicht werden, z.B. durch
intramuskuläre Injektion, z.B. in den Glutaeus Maximus, oder in
die vorderen Oberschenkelmuskel oder den Deltoidesmuskel, sowie auch
durch intravenöse oder subkutane Injektion oder durch Infusion. Geeignet insbesondere zur Selbstve.rabreichung oder zur Verabreichung
durch nicht geschulte Personen, z.B. zu Hause oder in Altersheimen, ist eine langsame subkutane Injektion, z.B. in die abdominale
Haut, unter Verwendung einer tragbaren Infusionspumpe und einer flexibel befestigten Injektionsspritze, über den Verlauf mehrerer
Stunden einmal oder zweimal täglich oder kontinuierlich während des Tages oder der Nacht, derart, wie sie zur bekannten Behandlung
von Krankheiten ausgeübt wird, die charakterisiert sind durch eine pathologische Eisenüberbelastung, mit pharmazeutisch brauchbaren
Säureadditionssalzen von Deferoxamin, insbesondere dem Mesylat,
wie zur Behandlung von Hämochromatose, beispielsweise im Falle von Krankheiten, deren Behandlung periodische Bluttransfusionen erfordert, wie Thalassämie.
Die Säureadditionssalze von Deferoxamin können als alleiniges
spezielles Arzneimittel gegen die Alzheimer-Krankheit verabreicht werden oder zusammen mit der gleichzeitigen und/oder alternativen
Verabreichung anderer Arzneimittel, von denen es sich gezeigt hat, dass sie sich bei der Alzheimer-Krankheit günstig auswirken, wie
z.B. Tetracyclin, Natriumfluorid, Calciumlactat-gluconat und andere Calciumsalze, Vitamin D„ und/oder Ascorbinsäure. Es können
Abwechslungen vorgenommen werden, z.B. jede Woche, jede zweite Woche oder jeden Monat oder es kann ein Säureadditionssalz von
Deferoxamin drei Wochen verabreicht werden und anschliessend ein anderes Arzneimittel während einer Woche. Zwar kann die Behandlung
so während kurzer Zeiträume unterbrochen werden, insbesondere wenn andere günstige Arzneimittel zwischenzeitlich verabreicht werden,
jedoch sollte sie auf die lange Dauer fortgesetzt werden, im wesentlichen während der Lebensdauer des Patienten.
Die Herstellung von Deferoxamin und von pharmazeutisch brauchbaren
BAD ORIGINAL
Salzen, insbesondere dem Hydrochlorid (Fp. 171 - 1730C), wird in
der DE-PS 1 186 076 (Beispiele 1 und 2, bezeichnet als Desferriferrioxamin-B-hydrochlorid)
beschrieben. Die Herstellung von Ferrioxamin-B-hydrochlorid,
das als Ausgangsmaterial verwendet wird, aus Pflanzenmaterial, wird in der DE-PS 1 123 436 beschrieben; und die
Synthese von Desferrioxaminen wird in der DE-PS 1 163 337 beschrieben.
Darüber hinaus werden Salze, wie das bereits genannte Mesylat
(Methansulfonat, Fp. 140 - 142°C), das Sulfat (Fp. 170 - 172°C)
und das Tartrat (Fp. 159 - 161°C) in der FR-PS 1 898 M beschrieben.
In dieser Veröffentlichung wird auch die Herstellung pharmazeutischer Formulierungen, z.B. von Trockenampullen, Suppositorien und
Kapseln, die solche Salze enthalten, beschrieben. Weitere geeignete Salze sind solche, wie sie in der DE-PS 1 186 076 beschrieben werden,
einschliesslich beispielsweise solcher mit Phosphorsäuren, Essigsäure,
Glykolsäure, Milchsäure, Bernsteinsäure, Maleinsäure, Fumarsäure, Apfelsäure, Weinsäure, Zitronensäure, Aethansulfonsäure
und Hydroxyäthansulfonsäure.
Nach neuen Messungen durch Wasserstofftitration weist Deferoxamin
21-23 eine Stabilitätskonstante für die Bindung von Aluminium von 10
und für die Bindung von Eisen von 10 auf. Dies stimmt überein mit früheren Angaben, vergl. H. Keberle, The biochemistry of desferrioxamine
and its relation to iron metabolism, New York Academy of Sciences, Symposium on Iron, Seiten 758-764, 1963. .
Die Ergebnisse der folgenden Untersuchung zeigen die günstige Auswirkung
der Behandlung der Alzheimer-Krankheit durch parenterale Verabreichung von Deferoxaminmesylat.
Es wurden drei unabhängige Messungen der Cerebralfunktion als Mass
für den klinischen Verlauf gewählt: wiederholte Messungen der kognitiven Leistungsfähigkeit, gemessen nach der Wechsler-Skala für
ψ W
- 10 -
die Intelligenz Erwachsener und der Wechsler-Erinnerungsskala, durch
wiederholte Messungen einer Signalfeststell-Aufgabe unter Einbeziehung
eines Backward Masking Paradigmas und wiederholte Messungen der elektro-encephalographischen Abnormalität der langsamen Wellen
unter.Verwendung der Stromspektralanalyse (power spectral analysis).
Methoden
A. Kriterien für die klinische Diagnose der Alzheimer-Krankheit.
In diese Untersuchung wurden nur Patienten einbezogen, bei denen zur Diagnose der Alzheimer-Krankheit von zuverlässigen Beobachtern
Berichte über Störungen von Gedächtnis und anderen kognitiver : Leistungen vorlagen sowie über Persönlichkeitsveränderungen während
der letzten 24 Monate. Wichtig waren Hinweise über unbemerkten Beginn und eine konstante Verschlimmerung der kognitiven Störungen. Von der
Untersuchung ausgeschlossen wurden Patienten mit einer Anamnese eines vorübergehenden ischämischen Anfalls, eines Schlaganfalles, unbehandelter
Hypertension, Nierenerkrankung, peptischem Ulcus, der
Aluminium enthaltende Antacida erforderte, und mit anderen systemischen Erkrankungen, ferner Patienten mit einer Anamnese einer Kopfverletzung
mit längerer Bewusstlosigkeit, Alkohol- oder Drogenabusus oder Depression. Ausgeschlossen wurden auch Patienten mit einem Familienmitglied,
welches progressive Gedächtnismängel vor dem Alter von 70 Jahren zeigte oder die familiäre neurologische Krankheiten
jeglichen anderen Typs aufwiesen. Es wurden keine Patienten einbezogen, die sich mit Aluminiumschweissen, Schleifen beschäftigt hatten
oder für prophylaktische Zwecke Aluminiumoxid inhalierten.
Die physische Untersuchung erforderte den Nachweis einer Gedächtnisbeeinträchtigung,
einer räumlichen Desorientierung, Dysphasie oder motorischen Dyspraxie bei gleichzeitig klarem Bewusstsein. Neurologische
Anzeichen fortgeschrittener Stadien der Alzheimer-Krankheit, wie der
palmomentale Reflex, hyperaktive faciale Reflexe und der beeinträchtigte Blick nach aufwärts waren selten vorhanden, wenn mit der Untersuchung
der Patienten begonnen wurde, obwohl sie unveränderlich später im Verlauf der Erkrankung auftraten. Zur Einbeziehung in die Studie
musste der Rest der physischen Untersuchung völlig normal sein einschiiesslieh des Blutdrucks. Routineuntersuchungen des Bluts und
des Urins mussten normal sein, ebenso das Elektrocardiogramm.
Eine CT-Scan des Gehirns wies auf eine cerebrale Atrophie in sämtlichen Fällen. Die erneute Untersuchung nach 6-18 Monaten zeigte progressive
Aenderungen der Hauptkriterien der ursprünglichen Diagnose. Aus einer Gruppe von über 100 Patienten, die zu Hause lebten und über
Gedächtnisstörungen klagten, entsprachen 17 diesen Auswahlkriterien. Sie kamen auch aus den gleichen sozio-ökonomischen Schichten mit
vergleichbaren Bildungsniveaus und Berufshintergründen. Jeder dieser
Patienten wies den Vorteil für ihn sorgender Verwandter auf und jeder lebte zu Hause unter im wesentlichen identischen Umgebungsbedingungen
und die Gesamtgesundheit war vergleichbar. Von den 17 Patienten wurde an 6 willkürlich gewählte Patienten, 3 Männer und
3 Frauen, Deferoxaminmesylat, das im folgenden als Deferoxamin
bezeichnet wird, durch intramuskuläre Injektion einer wässrigen Lösung verabreicht. Placebobehandlungen der 11 Kontrollpatienten, mit
täglichen intramuskulären Injektionen während etwa zwei Jahren, erschienen nicht ethisch, ausserdem ist ein während 6 bis 23 Monaten
andauernder Placeboeffekt bei der behandelten Gruppe unwahrscheinlich.
Um die Genauigkeit der klinischen Diagnose zu bewerten, wurde eine andere Patientengruppe mit Demenz gleichzeitig mit der für die
genaue klinische Untersuchung gewählten Gruppe untersucht. Die klinische Diagnose der Alzheimer-Krankheit wurde aufgestellt und
eine Untersuchung post mortem wurde an 41 dieser Patienten durch-
geführt. Die Gehirne wurden in der mittleren Sagittalebene biseziert
und eine Hälfte wurde in neutralem gepuffertem Formalin 14 Tage fixiert. Es wurde eine extensive histopathologische Untersuchung
unter Verwendung von Hämatoxylin-Eosin und Bielschowsky-Flecken und
der Elektronenmikroskopie durchgeführt. Die pathologische Diagnose
erforderte verbreitete und zahlreiche Neuronen mit neurofibrillärer
Degeneration und neuritischen, senilen Flecken in dem Neocortex- und Hippocampalgebiet. Die histopathologische Untersuchung zeigte bei
der 41 Patienten die typische Alzheimer-Krankheit.
B. Messungen des klinischen Verlaufs
1) Messungen der cognitiven Funktion einschliesslich des Gedächtnisses:
die Wechsler-Erwachsenen—Intelligenzskala und Wechsler-Gedächtnisskala, Form 1, wurden als Masse für die cognitive Funktion
gewählt. Die Testprozedur wurde in Intervallen von 4-18 Monaten vom gleichen Prüfer durchgeführt.
2) Signal-Feststellungsaufgabe unter Verwendung eines Backward- .
Masking-Paradigmas. Es wurde die Verarbeitungsfähigkeit der visuellen Information der Patienten untersucht unter Anwendung des Signal
detection backward visual-Masking-Tests von M.T. Turvey (vergl.
Psychol. Review, _80, 1-52 (1973))· Man nimmt allgemein an, dass die
Leistungsfähigkeit bei diesem Test die Aktivität zentraler Gehirnprozesse widerspiegelt, die eher bei der Analyse visueller Merkmale
und der Erkennung von Mustern beteiligt sind, als beider einfachen
Uebermittlung der Information an das Gehirn (z.B. Till und Franklin, J. Gerontol, 2β_,. 200-210 (198O)).
Die Vorrichtung bestand aus einem Pandora-Büchsen-Tachistoskop mit drei Kanälen. Den Personen wurden Buchstabenstimuli (Stabbuchstaben
A, H, T, 0, U, W, X und Y im gotischen Franklin-Stil von 1,27 cm), die sich über 1° Sichtwinkel erstreckten, bei Dunkel-
BAD ORIGINAL
2 Adaption an eine Hintergrundleuchtdichte von 20 cd/m gezeigt. Mit
dem Verschwinden des Buchstabenstimulus wurde eine "Muster-Maske"
• # 2
30 msec mit einer Leuchtdichte von 170 cd/m gezeigt. Photometrische
Messungen wurden mit einem Tektronix-Digital-Photometer mit einer J6503-Leuchtdichteprobe durchgeführt. Die Muster-Maske bestand
aus Segmenten der Buchstabenstimuli "I" und "T" willkürlich über die ganze Fläche des Buchstabenstimulus-Präsentationfeldes
aufgereiht und überlappt. Der Intervall zwischen dem Buchstabenstimulus "aus" und dem Einsetzen der Muster-Maske (der Interstimulus-Intervall)
wurde insgesamt auf Null eingesellt. Nur die Dauer des Buchstabenstimulus wurde in 1-5 msec-Stufen über den erwarteten Leistungsfähigkeitsbereich
von 1-999 msec variiert.
Die Erkennungsschwelle für die Buchstabenstimuli wurde als jene Dauer der Buchstabenstimulus-Präsentation definiert, bei der
der Patient vier aufeinanderfolgende Buchstabenpräsentationen ohne Maskierungsstimulus identifizieren konnte. Jede Person musste dieses
Kriterium erreichen, um einem Backward-Pattern-Mask-Testverfahren unterzogen werden zu können. Ein Versagen bei der Ermittlung der Erkennungsschwelle für die Buchstabenstimuli diente als Grund zur
Beendigung der Untersuchung. Die Identifizierungsschwelle wurde in
gleicher Weise wie die Erkennungsschwelle definiert und gemessen,
mit der Ausnahme, dass sie erreicht wurde, wenn auf die Buchstabenstimuli die Mustermaske folgte und nachdem die Erkennungsschwelle
vorher ermittelt war. Die Sehschärfe beider Augen sowie ein Sehleistungsfähigkeitsprofil
wurden unter Verwendung eines modifizierten Bausch-and-Lomb-Orthoraters und der üblichen klinischen Praxis, die
im Handbuch für dessen Verwendung umrissen ist, ermittelt.
3) Quantitative Messung der elektroencephalographischen Langsamwellen-Desorganisation.
Unter Verwendung von Standardableitungen (C3-Pz:C4-Pz) wurden zwei Kanäle des Elektroencephalogramms digitalisiert
unter der Steuerung eines CAMAC-Crate (vergl. Barnes and
Hooton, U.K. Atomic Energy Authority Research Group Reports (1969))
und eines PDP 11/05-Computers von einem Polygraphenmodell Grass 8 mit Bandfiltern, die auf 1 bis 70 Hz eingestellt waren. Die untersuchten
Personen befanden sich in Ruhelage mit geschlossenen Augen,
während eine Epoche von 12 Sekunden mit 128 Proben pro Sekunde aufgezeichnet wurde. Es wurden fünf oder sechs Epochen in willkürlichen
Abständen innerhalb eines Gesamtbeobachtungszeitraums von 30 - 45 Minuten aufgenommen. Die zu untersuchenden Personen wurden im entspannten
und aufmerksamen Zustand gehalten und die Messungen wurden alle von der gleichen Person durchgeführt. Die resultierenden
Zeitserien wurden nach einem Algorithmus für die rasche Fourier-Umwandlung
betrieben, um die entsprechenden Spektralverteilungen zu erzeugen, die in Einer-Zyklus-Frequenz-Inkrementen dargestellt
wurden. Jegliches Artefaktgebiet wurde aus der Analyse gestrichen. Für die statistische Analyse wurde die Theta-Bande als die Summe
der Energie im Bereich von 4 - 7 Hz und die Alpha-Bande als die Summe der Energie im Bereich von 8-12 Hz definiert. Das Verhältnis dieser
beiden Banden, das Theta-zu-Alpha-Verhältnis wurde als ein Index für.
elektroencephalographische Abnormität verwendet.
C. Deferoxamin als ein Aluminium-Chelatbildner
Um festzustellen, dass die Aluminiumausscheidung durch Deferoxamin
bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit verstärkt wird, wurden fünf Patienten im Krankenhaus einer üblichen Krankenhausdiät während 48
Stunden unterzogen. Keiner der Patienten hatte in seiner Krankengeschichte Aluminium enthaltende Antacida verwendet. Nach der einleitenden
Standarddiät wurde Urin in Abständen von 12 Stunden gesammelt unter Verwendung von mit Säure gewaschenen aluminiumfreien Kunststoffbehältern.
Nach dreitägiger Urinkontrolle erhielten die Patienten mg Deferoxamin intramuskulär um 8 Uhr morgens und um 8 Uhr abends.
Das Aluminium wurde im Urin durch Atomabsorptionsspektroskopie gemessen unter Verwendung einer Perkin-Elmer-Modell 305B-Einheit, aus-
gerüstet mit einem Deuterium-Hintergrund-Korrektor und einem Perkin-Elmer-HGA2000-Graphitofen
(vergl. Kristinen, Quittkat und Crapper, Can. J. Spectroscopy, TL, 25-30 (1976)).
Basierend auf der Bewertung der klinischen Diagnose der Alzheimer-Krankheit
bei einer anderen Patientengruppe, wie vorstehend erwähnt, wird die diagnostische Genauigkeit der für diesen Bericht gewählten
Fälle konservativ als etwa 86 % korrekt geschätzt. Dementsprechend haben wahrscheinlich nur zwei der siebzehn Fälle eine progressive
Demenz eines anderen Typs als der Alzheimer-Krankheit. Jedoch wurden bereits vier Fälle histopathologisch nachgewiesen, wie in der Tabelle
I gezeigt.
A) Deferoxamin und Aluminiumausscheidung im Urin
Fünf Alzheimer-Patienten wurden in ein Krankenhaus gebracht und die
Aluminiumausscheidung im Urin wurde bei einer üblichen Krankenhausdiät während 3 Kontrolltagen und während 3 Tagen bei intramuskulärer
Verabreichung von 500 mg Deferoxamin in Intervallen von 12 Stunden gemessen. Die Ergebnisse sind in der Tabelle V aufgeführt und
zeigen, dass das intramuskuläre Deferoxamin zu einer 270%igen Steigerung
der Urinaluminiumausscheidung führt. Die .subkutane Infusion von 1 g
während jedes Zeitraums von 24 Stunden führte zu keiner verstärkten Ausscheidung von Aluminium.
B) Erkennungsfunktion bei der Alzheimer-Krankheit
Obwohl beträchtliche Schwankungen auftraten, zeigten wiederholte
Messungen der kognitiven Leistung in Abständen von 4 bis 9 Monaten Gesamttrend zur Verschlechterung. Für 12 ausgewählte ambulatorische
.BADrOBIdJNAL
Patienten, die zu Hause lebten, standen so 68 Daten zur Verfügung
(Tabelle I). Das durchschnittliche Alter, mit dem die Patienten in die Untersuchung eintraten, betrug 61 - 7SA (Standardabweichung)
Jahre und es wurde zuerst durch einen verlässlichen Zeugen bestätigt, dass die Patienten Symptome in einem mittleren Alter von 57 - 7SA
Jahren aufwiesen. Sie wurden mit keinen Arzneimitteln behandelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Testpunkte im Vergleich mit solchen, die
unverändert blieben oder verbessert wurden, verschlechtert wurden, ist in der Tabelle gezeigt. Unter der Annahme, dass Veränderungen um .
3 oder mehr Punkte aussagekräftige Trends der Gedächtnisleistungsfähigkeit
darstellen, betrug die Wahrscheinlichkeit für eine Verschlechterung bei der Messung in einem mittleren Intervall von 8,8 - 4,2 SA
Monaten 0,80 für verbale I.Q.-Bewertung, 0,75 für Leistungsfähigkeits-I.Q.-Bewertungen,
und 0,87 für Gedächtnisbewertungen. Es ergaben sich keine verbesserten verbalen I.Q.-Bewertungen. Für verbesserte I.Q.
und Gedächtnisbewertungen bei wiederholten Messungen wurde eine Wahrscheinlichkeit
von 0,05 ermittelt.
Das durchschnittliche Verschlechterungsausmass variierte stark von
Patient zu Patient und bei wiederholten Messungen, die an gleichen Patienten durchgeführt wurden (Tabelle I). Wurden die Daten als Aenderung
der Bewertungspunkte pro Monat zwischen den Testintervallen dargestellt, so ergab sich eine durchschnittliche Bewertungsänderung
für den verbalen I.Q., für den Leistungsfähigkeits-I.Q. und für die
Gedächtnisbewertung von - 0,81, - 0,83 bzw. - 0,57 Punkten/Monat. Jedoch waren die Standardabweichungen gross, nämlich 0,59, 0,77
bzw. 0,48, was eine weite Streuung der Verschlechterungsrate selbst für Testintervalle am gleichen Patienten anzeigte. Darüber hinaus
ergaben Versuche, den Zeitpunkt des Einsatzes der Aenderungen der Gedächtnisfunktion oder der Persönlichkeitsänderung zu den I.Q.Bewertungen
in Beziehungen zu setzen, keine Korrelation, selbst bei Normalisierung unter der Annahme, dass der durchschnittliche
ursprüngliche I.Q. dieser Patientengruppe auf entweder 100 oder 120
angesetzt wurde. Die Wechsler-Intelligenzskala und Gedächtnisunter-
suchungen waren nicht langer als 2,5 Jahre nach der ersten Dosis
oder für einen Durchschnitt von etwa 6,5 Jahren nach dem Einsetzen der festgestellten Aenderungen der Gedächtnisfunktion brauchbar.
C) Deferoxamin und geänderte Gedächtnisfunktion
Die sechs willkürlich gewählten Patienten mit Alzheimer-Krankheit,
3 Männer und 3 Frauen, denen Deferoxamin verabreicht wurde, wiesen bei der ersten Diagnose ein durchschnittliches Alter von 57 - 4 SA
Jahren auf. Durch je einen verlässlichen Zeugen wurde bestätigt,dass
die Veränderung der Gedächtnisleistung im Durchschnittsalter von 53 - 4 SA Jahren einsetzte. Diese Patienten wurden während 6 bis
Monaten intramuskulär mit Deforoxamin gemässs den Aufstellungen der
Tabelle IB behandelt. Im Vergleich mit den Testbewertungen der 11 Kontrollen und den Vorbehandlungsbewertungen eines der behandelten
Gruppe, zeigten die 6 behandelten Patienten weniger Bewertungen, die eine Verschlechterung anzeigen: 0,67 jeweils für verbalen I»Q.»
Leistungsfähigkeits-I.Q. und Gedächtnisbewertung im Vergleich mit 0,80, 0,75 bzw. 0,87 für die nicht-behandelte Gruppe (Tabelle II).
Die behandelte Gruppe wies einen grösseren Anteil von Bewertungen auf,
die entweder keine Aenderung oder Verbesserung zeigten. Für den verbalen I.Q., Leistungsfähigkeits-I.Q. und die Gedächtnisbewertung
betrug die Wahrscheinlichkeit für keine Aenderung oder Verbesserung zusammengenommen für die behandelte Gruppe 0,39, 0,34 bzw. 0,35
im Vergleich mit 0,20, 0,25 bzw. 0,13 für die unbehandelte Gruppe.
Die Untersuchung der einzelnen Testbewertungen der Tabelle IB zeigte,
dass Patienten, die 12 bis 23 Monate behandelt wurden, die geringste
Aenderung aufwiesen. Sowohl bei den Patienten No. 12 als auch 13 ergab sich eine starke Verringerung der Leistungsfähigkeit
6 Monate nach Beendigung der Behandlung. Der verbale I.Q., der Leistungsfähigkeits-I.Q.
und die Gedächtnisbewertungen für den Patienten 12 betrugen 60, 95 bzw. 62 vor der Behandlung und 60, 89 bzw. 64
nach zweijähriger Behandlung. 6 Monate nach der Beendigung der Behandlung
fielen die Bewertungen auf 46, 68 bzw. 48 ab. In gleicher Weise waren die Bewertungen für den Patienten 13 72, 59 bzw. 52,und
sechs Monate nach Beendigung der Behandlung lagen die Werte bei 57, 53 für I.Q.-Tests. Die Leistungsfähigkeit im Wechsler-Gedächtnistest
war nicht mehr bestimmbar. Der Patient 14 blieb unter Behandlung und Testbewertungen zeigten keine Aenderung oder eine geringe Verringerung.
Während der Behandlung berichteten die Familien dieser Patienten über einen geringen oder keinen Verlust der Gedächtnisfunktion.
Die Familien der Patienten 12 und 13 stellten eine rasche Verschlechterung nach beendeter Medikation fest. Die 3 nur während der
6 Monate behandelten Patienten verschlechterten sich weiterhin bei diesen Untersuchungen.
D) Signal-Feststellungsaufgabe unter Verwendung des Backward-Masking
Die Tabelle III ist eine Zusammenstellung der Identifikations-Grenzwerte,
die während des Backward-Muster-Masken-Zustands für sechs unbehandelte Kontrollpatienten und fünf mit Deferoxamin behandelte
Patienten erhalten wurden. Die Werte der Tabelle III wurden wie folgt erhalten: Für alle Patienten waren die "vorher"-Werte die in
dem Test erhaltenen Ausgangsbewertungen. Für die behandelten Patienten wurden die "während"-Werte aus einem Durchschnitt sämtlicher
Werte errechnet, die innerhalb der Behandlungsperiode (Durchschnitt 313 Tage) erhalten wurden und die "während"-Werte wurden in gleicher
Weise für den vergleichbaren Zeitintervall für die Kontrollpatienten (Durchschnitt 304 Tage) berechnet.
Alle 6 unbehandelten Kontrollpatienten zeigten entweder keine Aenderung
oder eine Steigerung (Verschlechterung) der Identifikationsgrenzwertmessung,
die unter dem Muster-Masken-Zustand durchgeführt wurde. Die durchschnittliche Aenderung des Identifikationsgrenzwerts
für die Kontrollen betrug 20 msec bei Messung in einem durchschnittlichen Zwischentest-Intervall von 304 Tagen (Bereich 120 bis
BAD ORIGINAL
484 Tage). Dieser Unterschied nähert sich der statistischen Signifikanz (0,05<p<0,10, t = 1,97, mit df = 5 Student-"t"-Test).
Zwei der fünf behandelten Patienten zeigten eine Erniedrigung der Schwelle (Verbesserung). Der Student-"t"-Test für Bezugsproben zeigte,
dass die Aenderungen der behandelten Gruppe während eines mit der Kontrollgruppe vergleichbaren Zeitraums statistisch nicht
signifikant waren (t<0,10, df = 3). ■
E) elektroencephalographische· Veränderungen
H. Berger (Electroenceph. elin» Neurophys. sppl., -28, 151 - 171 (1932))
und andere (vergl. Crapper, Dalton, Skopitz, Scott und Hachinski
(1976), H.F. Muller, Senile dementia, a biomedical approach, herausgegeben
von K. Nandy, Elsevier, North-Holland Biomedical Press, 237 250, (1978)) berichteten von einer progressiven Desorganisation der
langsamen Wellen bei primären parenchymalen Degenerationen des Gehirns, die etwa mit den fortschreitenden Gedächtnismängeln in Bezug
gesetzt werden konnten. Wiederholte Messungen des Verhältnisses Theta zu Alpha, durchgeführt in Intervallen von 6.- 12 Monaten,
und basierend auf 58 Aufzeichnungen bei 15 Patienten, die nicht mit Arzneimittteln behandelt wurden, Tabelle I, zeigten auch eine entsprechenden
Trend (r = 0,51) beim geschätzten Eintritt der Erkrankung, Fig. I. Je stärker die elektroencephalographische Abnormalität
wird, desto grosser ist die Variabilität der verbleibenden Wellenformen.
Das Verhältnis Theta zu Alpha wurde als Untersuchungsparameter gwählt, da dieses Verhältnis nicht nur die Menge der diffusen
Langsamwellen-Aktivität wiedergibt, sondern gering individuell variabel
von Tag zu Tag ist. Um die Variabilität des Verhältnisses von Theta
zu Alpha für 5 Alzheimer-Patienten aufzustellen, wurden 28 Wiederholungsaufzeichnungen
mit einer modalen Inter-Beobachtungsperiode von 3 Tagen durchgeführt» Die Standardabweichung des Verhältnisses
Theta zu Alpha wurde zur Berechnung einer durchschnittlichen Standardabweichung
für die Gruppe verwendet und erwies sich als 0,10 +_
0,04 SA. Der Wert ist etwa dreimal grosser als der Wert, der für gesunde
Kontroll-Individuen bei 0,03+0,01 (Alkter 26, 32, 65 bzw. 77 Jahre) während 16 Aufzeichnungssitzungen erhalten wurde.
F) Wirkung von Deferoxamin auf das Elektroencephalogramm
Zur Bewertung der Auswirkung von Deferoxamin auf das Theta: Alpha-Verhältnis
wurden die Daten in drei Gruppen kategorisiert: verbessert, keine Aenderung des Verhältnisses von grosser als 0,10 (eine Standardabweichung
für eine Inter-Beobachtungs-Variabilität für die Alzheimer-Patienten)
zwischen jeweils zwei Beobachtungen, die in Intervallen von 6-18 Monaten durchgeführt wurden. Die Auftretenshäufigkeit jeder
dieser Kategorien wurde für jeden Patienten ermittelt und anschliessend
wurde der Durchschnittswert berechnet und die Ergebnisse sind in der Tabelle IV aufgeführt. Unabhängig von der Hemisphäre, aus der
die Daten erhalten wurden, weist ein Alzheimer-Patient,der kein Deferoxamin erhält eine Wahrscheinlichkeit von 0,79 für die Entwicklung
einer Vergrösserung des Verhältnisses Theta zu Alpha auf. Diese Wahrscheinlichkeit der Verschlechterung des EEG wird bei der
mit Deferoxamin behandelten Gruppe von Patienten auf 0,25 herabgesetzt.
Für die behandelte Gruppe war der wahrscheinlichste Zustand derjenige keiner EEG-Aenderung: 0,50 bei der behandelten Gruppe im
Vergleich zu 0,20 bei der nicht-behandelten Gruppe. Selbst bei den drei
Patienten, die Deferoxamin nur während 6 Monaten erhielten und keine
Aenderungen der Gedächtnisfunktion zeigten, ergab das EEG entweder
eine Stabilisierung oder eine Verbesserung der in der Tabelle IB angegebenen individuellen Werte.
BAD ORIGINAL
- 21 G) Schlussfolgerung
Als Gruppe zeigten die sechs mit Deferoxamin behandelten Patienten
eine Verschlechterung der Funktion des Gehirns, gemessen nach jedem der drei verwendeten Kriterien. Diese war indessen wesentlich geringer als die Verschlechterung, die bei einem vergleichbaren Testzeitraum
für die nicht-behandelte Gruppe von 11 Patienten festgestellt
wurde. Wie in der Tabelle IB gezeigt, lag die Verabreichungsroutine
bei 0,5 g in Intervallen von 12 Stunden jeden Tag bis 0,5 g täglich während 28 Tagen, gefolgt von 28 Tagen ohen Deferoxamin.
Angesichts der minimalen, bei dieser Untersuchung festgestellten Nebenwirkungen,
scheint der geeignetere Zeitplan bei kontinuierlichen intramuskulären Injektionen von 0,5 g in Intervallen von 12 Stunden
zu liegen.
Die Erfindung betrifft auch pharmazeutische Präparate, die für die Anwendung
in der vorstehend beschriebenen Methode geeignet sind, und insbesondere deren Herstellung. Die FR-PS 1 898 M, auf die vorstehend
Bezug genommen wurde, beschreibt die Herstellung von Trockenampullen, Suppositorien und Kapseln. Trockenampullen, die andere pharmazeutisch
brauchbare Säureadditionssalze von Deferoxamin, insbesondere das Methansulfonat (Mesylat) als aktive Bestandteile enthalten, sowie
auch andere Mengen des aktiven Bestandteils enthalten, können ebenfalls hergestellt werden.
Die pharmazeutischen Präparate werden sterilisiert und können Adjuvantien enthalten, z.B. Konservierungsmittel, Stabilisatoren,
Benetzungsmittel und/oder Emulgatoren, löslich-machende Mittel, Salze
zur Einstellung des osmotischen Drucks und/oder Puffer. Diese pharma"·
zeutischen Präparate werden in üblicher Weise hergestellt, z.B. durch übliche Misch-, Auflöse- und Lyophilisiermethoden.
BAD ORIGINAL
Beispiel: Trockenampullen mit einem Gehalt von 250 mg aktivem (Bestandteil
zur Herstellung von 10%- oder 5%-igen wässrigen Lösungen zur Injektion durch Zusatz der entsprechenden Menge an sterilisiertem
Wasser werden hergestellt durch Giessen von 2,5 ml einer 10 %igen Lösung von Deferoxaminmesylat in Ampullen für 2,5 bzw. 5 ml gebrauchsfertige
Lösung und Lyophilisieren in üblicher Weise.
In analoger Weise werden Trockenampullen, die 500 mg Deferoxaminmesylat
enthalten, zur Bereitung von 5,0 ml einer 10 %igen Lösung hergestellt durch Giessen von 5,0 ml einer 10 %igen wässrigen Lösung
oder 2,5 ml einer 20 %igen wässrigen Lösung des aktiven Bestandteils in Ampullen für 5 ml und Lyophilisieren.
Die für das Lyophilisieren verwendeten Lösungen können zusätzlich 8 % Mannit, entsprechend 200 mg bzw. 400 mg pro Ampulle enthalten.
Tabelle IA
Zusammenstellung; der Patientendaten
Zusammenstellung; der Patientendaten
| Pati | Ge- Alter | Alter bei Tag der | W A | I S | V/echsl er | 83 · | Back- | Theta: | Alpha | t |
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| 358 | 95 | 82 | 81 | — | — | |||||
| 484 | — | —— | . 76 | 120 | 1,32 | 1,35 | ||||
| 644- | 89 | 66 | 69 | 110 | 1,62 | 1,52 | ||||
| 868 | 74 | 55 | 73 | 150 | 2,29 | 2,12 | ||||
| 1308 | __ | nt | nt | nt | ||||||
| 02 | M 52 | 56 O | 125 | 102 | 77 | 0,96 | 0,90 . | |||
| 216 | 122 | 99 | . — | 100 | 0,97 | 1,02 | ||||
| 502 | 114 | 96 | — | 160 | 1,28 | 1,21 | ||||
| 03 | F 53 | ■ ^ o | 99 | 65 | 74- | __ | —— | —— | ||
| 33 | — | 102 | 0,90 | 1,09 | ||||||
| 14-3 | 99 | 71 | 62 | 120 | 0,89' | 0,92 | ||||
| 303 | — | — | ■102 | — | — | |||||
| 34-6 | — | — | 59 | 0,95 | 0,91 | |||||
| 364 | 101 | 68 | — | — ~ | — | — | ||||
| 564- | — | — | 0,93 | 1,07 | ||||||
| 810 | 89 | 112 | 1,07 | 1,06 | ||||||
| 922 | — | 0,97 | 1,05 | |||||||
| 924- | 86 | 54 | __ | 0,87 | 0,99 | |||||
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Theta:Alpha Deferox-C3-Pz
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| 815 | 54 | 89 | 54 | nt | 0 | ,30 | 0,33 | |||||
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| 122 | 1,95 | 1,74- | |
| 100 | 1,94- | 1,80 | |
CD CJ)
verbessert
keine Änderung verschlechtert
A) verbal
Kontrolle behandelt
Kontrolle behandelt
^1 B) Leistungsfähigkeit Kontrolle
behandelt
C) Gedächtnisfunktion Kontrolle Behandelt
| 0 0,08 |
0,20 0,31 |
| 0,05 0,17 |
0,20 0,17 |
| 0,04 0,18. |
0,09 0,17 |
0,80 0,67
0,75 0,67
0,87 0,67
Legende: Wahrscheinlichkeit des Ergebnisses für die Kontroll- (n = 12) und behandelten
(n = 6) Gruppen beim Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene und Gedächtnistest. Die Tabelle basiert auf 100 Datenpunkten. Mittleres Testintervall
für die Kontrollgruppe 8,8 i 4,2 SA Monate, behandelte Gruppe 5>,3 ± 1,35 SA Monate.
| Patient Nr. | Tabelle III | vorher | 80 | Grenzwert (msec) | |
| Testintervall Identifikation | 100 | ■während | |||
| 01 | (Tage) | 102 | 118 | ||
| Kontrolle | 02 | 484 | 89 | 160 | |
| 03 | 286 | ■ 135 | 111 | ||
| 06 | 270 | 120 | 99 | ||
| 07 | 288 | 104 | 135 | ||
| 11 | 120 | 108 | 120 | ||
| 4352 | 110 | 124 | |||
| Mittel | 12 | 313 | 120 | 102 | |
| behandelt | 14 | 520 | 130 | 89 | |
| 15 | 300 | 155 | 145 | ||
| 16 | 216 | 125 | ' NT | ||
| 17 | — | 180 | |||
| 180 | 129 | ||||
| Mittel | 304 | ||||
Legende: Tachistoscop-Buchstaben-Identifikations-Grenzwerte in Gegenwart einer
Backward-Muster-Maske
Verhältnis Theta zu Alpha
A) Links
Kontrolle
(n = 10)
(n = 10)
behandelt
(n = 5)
(n = 5)
B) Hechts
Kontrolle
(n = 11)
behandelt
(η - 5)
(η - 5)
verbessert keine Änderung;
0,02 ± 0,06 0,24 ± 0,32
0,03 ~ 0,06 0,26 ± 0,29 0,21 i 0,24
0,19 ί 0,25
0,49 ± 0,31
0,49 ± 0,31
verschlechtert
0,78 ί 0,22
0,50 i 0,29 ' 0,27 i 0,32
0,78 i 0,28 0,25 ± 0,26
G) Beide
Kontrolle
(n = 10)
(n = 10)
behandelt
(n = 5)
(n = 5)
0,03 - 0,04 0,25 ± 0,30
0,18 i 0,22
0,52 ± 0,27
0,52 ± 0,27
0,79 ±0,23
0,26 ί 0,26
Legende: Wahrscheinlichkeit der Änderung des Verhältnisses Theta : Alpha im Elektroencephalograuun;
mittlere Inter-Beobachtungsperiode für die Kontrollgruppe 335 z 114 SA Tage und für die behandelte Gruppe 302 ± 111 SA Tage.
Tabelle V
Deferoxamin-Urinausscheidung von Al (500 mg zweimal täglich.)
Deferoxamin-Urinausscheidung von Al (500 mg zweimal täglich.)
| Alter des | vorher | nachher | Änderung |
| Patienten | ■ yag Al/24 h | /Ug Al/24 h | (%) |
| 70 | 12 | 28 | 240 |
| 66 | 33,2 | 114 | 360 |
| 59 | 55 | 122 | 220 |
| 59 | 16 | 44 | 280 |
| 59 | 53 | 156 | 290 |
| Mittel | 34 | 93 | 270 |
Claims (7)
1. Verwendung von Deferoxamin in Form eines pharmazeutisch brauchbaren
Säureadditionssalzes, als Arzneimittel zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit.
2. Verwendung nach Anspruch 1, bei der das Arzneimittel in zu
parenteraler Verabreichung geeigneter Form zur Verfügung gestellt wird.
3. Verwendung nach Anspruch 2, bei der das Arzneimittel in Dosiseinheitsform
zur parenteralen Verabreichung von etwa 0,2 bis etwa 5,0 g täglich eines pharmazeutisch brauchbaren Säureadditionsalzes
von Deferoxamin zur Verfügung gestellt wird.
BAD ORIGINAL
4. Verwendung nach Anspruch .3, bei der das Arzneimittel in Dosiseinheitsform
zur parenteralen Verabreichung von etwa 0,2 bis etwa 1,5 g täglich eines pharmazeutisch brauchbaren Säureadditionssalzes
von Deferoxamin zur Verfügung gestellt wird.
5. !Verwendung nach Anspruch 4, bei der das Arzneimittel in Dosiseinheitsform
als wässrige Lösung zur parenteralen Verabreichung von etwa 0,5 bis etwa 1,0 g täglich.eines-pharmazeutisch brauchbaren
Säureadditionssalzes von Deferoxamin zur Verfügung gestellt
wird.
6. Verwendung nach Ansprüchen 1-5, bei der das Arzneimittel als eine
zur parenteralen Verabreichung geeignete 2,5 %-ige bis 12,5 %-ige •wässrige Lösung eines pharmazeutisch brauchbaren Säureadditionssalzes
von Deferoxamin zur Verfügung gestellt wird.
7. Verwendung nach einem der Ansprüche 2 bis 6, bei der das pharmazeutisch brauchbare Säureadditionssalz von Deferoxamin das
Mesylat ist.
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|---|---|---|---|
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