HOFFMANN · EITLE & PARTNER
PAT E N TAN WALTE
DR. ING. E. HOFFMANN (1930-197«) · Dl PL.-ING. W. EITLE · DR. RER. NAT. K. HOFFMANN · D I PL.-ING. W. LEHN
DIPL.-ING. K. FDCHSLE · DR. RER. NAT. B. HANSEN
ARABELLASTRASSE .4[STERNHAUS) · D-BOOO MÖNCHEN 81 · TELEFON (089) 911087 - TELEX 05-29619 (PATHE)
TAISHO PHARMACEUTILCAL Co.,Ltd. Tokyo / Japan
-Butyryloxy-11 ß-hydroxy-21-propionyloxy-4-pregnen-3,20-dion
und topische Arzneimittel, welcHe diese Verbindung enthalten
Verschiedene Corticosteroidarten sind in der Vergangenheit
als antirheumatische, entzündungshemmende, antiallergische und Antischockmittel verwendet worden. Die Corticosteroide
werden in großem Maße äußerlich und auch innerlich angewendet. Die meisten dieser Verbindungen haben Strukturen,
bei denen das Corticosteroid durch Methyl, Hydroxy, Halogen (Brom, Chlor oder Fluor), verestertes Hydroxy oder acetonisiertes
Hydroxy oder durch die Struktur des Derivates des genannten Corticosteroids substituiert ist. Sie liegen
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infolgedessen in Formen vor, die merklich modifiziert oder verändert sind gegenüber den natürlich vorkommenden
Corticosteroiden, z.B. als Triamcinolon, Fluorocinolon,
Acetonid, Betamethason, Dexamethason und deren Derivate. Obwohl diese Verbindungen klinisch wirksam sind,neigen
sie doch zu Nebenwirkungen, wie systemischen Wirkungen, und einige Therapeuten sind über die Nebenwirkungen,
die durch eine Halogensubstitution erfolgt, besorgt. Da weiterhin alle die bekannten Verbindungen eine Struktur
aufweisen, die erheblich modifiziert oder verändert ist gegenüber natürlich vorkommenden Corticosteroidstrukturen
ist der Mechanismus des Methabolisrtius und der Ausscheidung
im lebenden Körper kompliziert. Selbst bei äußerer Verabreichung sind sie nicht in jedem Falle sicher.
Unter Berücksichtigung der bekannten Steroide wurden nun verschiedene Forschungen seitens der Erfinder durchgeführt
in der Absicht, ein Steroid zu entwickeln, dessen Struktur ähnlich der des natürlich vorkommenden Corticosteroids
ist, und das bei topischer Verabreichung eine sehr gute entzündungshemmende Wirkung hat. Als Ergebnis
dieser Forschungen wurde gefunden, daß 17(&-Butyryloxy-1lß-hydroxy-21-propionyloxy-4-pregnen-3,20-dion,
d.h. Hydrocortison-17-butyrat-21-propionat eine viel höhere
topische entzündungshemmende Wirkung aufweist als andere Hydrocortisonderivate und die im Handel erhältlichen Steroide,
die für äußere Anwendungen bestimmt sind. Aus diesem Ergebnis ist die vorliegende Erfindung hervorgegangen.
Die Erfindung betrifft 17tf(.-Butyryloxy-11ß-hydroxy-21-propionyloxy-4-pregnen-3,20-dion
(I).
Eine Aufgabe der Erfindung ist es, ein neues Steroid aufzuzeigen, dessen Struktur nicht sehr unterschiedlich von
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der der natürlich vorkommenden Corticosteroidstrukturen
ist, und das eine hervorragende entzündungshemmende Wirkung und geringere Nebenwirkungen bei äußerer Verabreichung
aufweist.
Die erfindungsgemäße Verbindung (I) kann nach verschiedenen
Verfahren hergestellt werden und wird vorzugsweise wie folgt hergestellt:
Hydrocortison wird mit der Verbindung (II) der allgemeinen Formel
CH3CH2CH2C(OR)3 ,
worin R ein Niedrigalkyl mit 1 bis 5 Kohlenstoffatomen
bedeutet, umgesetzt, wobei man das entsprechende 17<λ/-,21-(1'-Alkoxy-1'-propylmethylendioxy)-11ß-hydroxy-4-pregnen-3,20-dion
(III) erhält.
Bei einer Spaltreaktion der Verbindung (III) mit einer Säure, wie Oxalsäure, oder einer Mineralsäure, wie Chlorwasserstoff
säure, erhält man das Hydrocortison-17-butyrat
(IV). Die Acylierung der Verbindung (IV) an der 21-Hydroxy-Gruppe
ergibt die Verbindung (I) der Erfindung. Die Acylierung wird im allgemeinen durchgeführt mittels eines
Acylierungsmittel, wie Propionsäureanhydrid oder Propionsäurehalogenid (Bromid oder Chlorid) in einem Lösungsmittel,
wie Chloroform, Methylenchlorid. Tetrahydrofuran, Toluol
oder Benzol, in Gegenwart einer Base, wie Pyridin oder Tr iäthylamin, gemäß der üblichen Verfahren. Verwendet man
das Säureanhydrid, so ist die Acylierung im allgemeinen in Pyridin in 2 bis 3 Stunden bei Raumtemperatur beendet.
Wird das Säurehalogenid verwendet, so wird die Acylierung vorzugsweise unter Kühlung bei O bis 1O°C etwa 3 bis
5 Stunden durchgeführt. Nach der Acylierung wird die
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erhaltene Lösung in Eiswasser gegossen und mit einem Lösungsmittel, wie Chloroform,extrahiert, wobei man die
Verbindung (I) erhält. Alternativ kann man die Reaktionslösung auch direkt unter vermindertem Druck unter Erhalt
der Verbindung (I) konzentrieren. Die Reinigung der Verbindung (I) , die man nach diesem Verfahren,erhält, kann
durch Umkristallisieren oder Säulenchromatographie erfolgen.
Die erfindungsgemäße Verbindung (I) hat eine hohe topische
entzündungshemmende Wirkung und kann zur Behandlung von Hautkrankheiten, wie akuten oder chronischen Exzemen,
Seborrhöische Exzeme, allergische Dermatitis,Exzemen bei
Kindern und Jungendlichen, Kontaktdermatitis und Psoriasis vulgaris verwendet werden. Zu diesem Zweck wird die Verbindung
(I) topisch in einer geeigneten Dosierungsform,
wie einer Salbe,als Creme, Lotion, flüssigen Beschichtungen, Pflaster , die gemäß der pharmakologischen Praxis hergestellt
worden sind, aufgetragen. Die Verbindung (I) kann im Bereich von 0,01 bis 5 Gew.-%, vorzugsweise 0,05 bis
2,0 Gew.-% in einer solchen Dosierungsform angewendet werden.
Die Verbindung (I) hat eine hervorragende entzündungshemmende und perkutane Absorptionswirkung gegenüber anderen
Diestern von Hydrocortison. Man nimmt an, daß diese besonderen Wirkungen auf die Art und die Kombination der beiden
Ester in der 17- und 21-Stellung des Hydrocortisons zurückzuführen
ist. Obwohl die Verbindung (I) eine Struktur hat, die nicht sehr von einer natürlich vorkommenden Steroidstruktur
verschieden ist, und keine Substituenten, wie Halogene enthält, hat die Verbindung (I) eine ausgezeichnete
entzündungshemmende Aktivität gegenüber anderen Derivaten, die diese Substituenten enthalten.
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ORIGINAL. !NS
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Vasoconstrictor-Versuch
Eine Salbe auf Vaselinbasis mit einem Gehalt von jeweils 0,1 % der in Tabelle 1 angegebenen Verbindungen wurden
hergestellt. Diese Salben wurden willkürlich auf die Unterarme von gesunden männlichen, erwachsenen Freiwilligen
aufgetragen und 4 Stunden nach der Anwendung entfernt. Der Grad der Vasoconstriction an den betroffenen
Stellen wurde 4 Stunden nach der Entfernung der Salben gemessen und in 4 Stufen, die mit ++, + ,* und - bezeichnet
wurden, bewertet, und diesen Bewertungen wurden die Zahlen 3, 2, 1 bzw. 0 zugeordnet. Die Bewertungen
aus 30 Freiwilligen für jede Salbe wurden summiert. Die Gesamtbewertung und die Durchschittsbewertung für jede
Testverbindung werden in Tabelle 1 gezeigt., wobei die Gesamtbewertung
die Zahl der summierten Bewertungen bei jeder Verbindung ergibt und die Durchschnittsbewertung die
Zahl angibt, die man erhält, indem man die Gesamtbewertung durch die Zahl der Freiwilligen dividiert.
— 7 —
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TABELLE
.. . . ;,„„„ Gesamt- Durchschnitts-
Verbxndung bewertung bewertung
Verbindung (I)
Hydrocortison-17,21-diacetat Hydrocortison-17-acetat-21-propionat
Hydrocortison-17-acetat-21-buryrat Hydrocortison-17-propionat-21-acetat
Hydrocortison-17,21-dipropionat
Hydrocortison-17-propionat-2i-butyrat
Hydrocortison-17-butyrat-21-acetat Hydrocortison-17 ,21-dibutyra't
Hydrocortison-17-valerat-21-acetat Hydrocortison-17-valerat-21-propionat
Hydrocortison-17-valerat-21-butyrat
Hydrocortison-17-butyrat Betamethason-17-valerat
Placebo-Salbe
| 74 |
2,47 |
| 47 |
1,57 |
| 50 |
1,67 |
| 10 |
0,33 |
| 54 |
1,80 |
| 61 |
2,03 |
| 58 |
1,93 |
| 55 |
1,83 |
| 47 |
1,57 |
| 58 |
1,93 |
| 49 |
1,63 |
| 38 |
1,27 |
| 51 |
1,70 |
| 60 |
2,00 |
| 2 |
0,07 |
Percutaner Absorptionstest
Percutane Absorption der Verbindung (I) wurde an normaler
Rattenhaut untersucht und mit der von Hydrocortison und Hydrocortison-17-butyrat verglichen.
1,0 ml einer wäßrigen Lösung, enthaltend 5 ug der zu
prüfenden Verbindung wurde in ein kurzes Reagensglas gegeben, das an der Rattenbauchoberf lache (4cm ) ,nachdem die
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Haare abrasiert worden waren, befestigt war. Nach einer bestimmten Zeit wurde die zurückgebliebene Menge der
Testverbindung in der restlichen wäßrigen Lösung durch Hochdruck-Flüssigchromatographie bestimmt.
Die percutane Absorption (%) der zu prüfenden Verbindung
wird wie folgt berechnet:
. .5. ug - Wiedergewönne Menge (ug)
χ 100
Die Ergebnisse werden in Tabelle 2 gezeigt, in der auch die mittleren und Standardfehler für jede Versuchsreihe
angegeben sind.
TABELLE 2
Steroid
Zeit (h)
1,0
3,0
5,0
Hydrocortison Hydrocortion-17-butyrat Verbindung (I)
1,8
4,6
- 1,4 - 2,2
5,6
2,5
6,5
3,1
4,5 7,5 11,4 14,1
± 1,8 ± 2,3 ± 3,8 - 4,2
10,8 14,7 28,0 43,4
± 4,2 i 3,1 ± 4,7 ± 5,7
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ORIGINAL !NSPECTED
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Subkutane Toxizitätsprüfung
Die subkutane Toxizität der Verbindung (I) bei subkutaner Verabreichung wurde an Ratten vom Wistar-Stamm während
30 Tagen untersucht und unter den gleichen Versuchsbedingungen wurde auch Hydrocortison-17-butyrat und Betamethason-17-valerat
untersucht. Die Versuchsverbindungen wurden in 5 % Gummi arabicum in geeigneten Konzentrationen
suspendiert. Den Tieren wurden Dosen von 0,08, 0,4, 2,0, 10 und 50 mg/kg der Verbindung (I), 0,08, 0,4 und 2,0
mg/kg Hydrocortison-17-butyrat bzw. 0,08, 0,4 und 2,0 mg/kg
Betamethason einmal täglich verabreicht. Die als Kontrolle dienenden Tiere erhielten während des gleichen Zeitraumes
5 %-ige Gummi arabicum-Lösung. Bei männlichen und weiblichen Tieren, die 50 mg/kg der Verbindung (I) erhalten hatten,
traten Todesfälle auf. Bei allen Tieren, die mit einer der Testverbindungen behandelt worden waren, traten mit
zunehmendem Dosierungsniveau Veränderungen, wie eine Verminderung der Gewichtszunahme, Verminderung der WBC-Zahl,
Erhöhung des Gesatntcholesteringehaltes und eine Erniedrigung des Gewichtes von Thymus, Nebenniere, Milz und der
mesenterischen Lymphen ein, und die Atrophie des Thymus der Nebenniere, der Milz und der mesenterischen Lymphen
stellte sich bei der pathologischen Untersuchungen als erheblich heraus. Bei dem gleichen Dosierungsniveau waren
die Veränderungen, die durch Betamethason-17-valerat erzeugt
wurden, schwerer als in anderen Fällen. Die Urinalyse ergab keine Veränderung bei den behandelten Gruppen im
Vergleich zu der Kontrollgruppe. Eine Untersuchung über die Erholung der Tiere, die 30 Tage nach Beendigung der
Arzneimittelverabreichung vorgenommen wurde, ergab, daß die Veränderungen bei den Organen nahezu vollständig zurückgegangen
waren.
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ORIGINAL INSPECTED
Daraus wird geschlossen, daß die subkutane (subakute) Toxizität von Steroiden bei subkutaner Verabreichung in
folgender Reihenfolge auftritt:
Betamethason-17-valerat^>
Hydrocortison-17-butyrate ^
Verbindung (I).
Die Erfindung wird im nachfolgenden Beispiel näher beschrieben .
BEISPIEL
1) Eine Lösung aus Hydrocortison (5g) in Dimethylformamid
(5 ml), enthaltend Äthylorthobutyrat (5 ml) und p-Toluolsulfonsäure (200 mg) wurde unter Rühren bei 1100C
3 Stunden erhitzt. Zu der Reaktionsmischung wurde Pyridin (3 ml) zugegeben. Nach Verdampfen des Lösungsmittels wurde
der Rückstand durch Säulenchromatographie über Kieselgel gereinigt und aus Aceton/n-Hexan umkristallisiert, wobei
man Hydrocortison-17,21-zyklisch Äthylorthobutyrat (3 g),
F. 166 bis 167°C, erhielt.
2) Eine Lösung aus Hydrocortison 17,21-zyklisch Äthylorthobutyrat
(2,5 g) in Methanol (200 ml),enthaltend gesättigte wäßrige Oxalsäure (2,5 ml) wurde über Nacht
bei Raumtemperatur stehengelassen. Nach Beendigung der Umsetzung wurde die Mischung durch Säulenchromatographie
über Kieselgel mit Chloroform gereinigt und aus Acetonn-Hexan umkristallisiert, wobei man Hydrocortison-17-butyrat
(1,2 g), F. 208 bis 210°C, erhielt.
3) Zu einer Lösung aus Hydrocortison-17-butyrat (1,0 g)
in Pyridin (5 ml) wurde Propionsäureanhydrid (2 ml) bei
0 C gegeben und die Mischung wurde bei Raumtemperatur über Nacht stehengelassen. Das Reaktionsgemisch wurde in Eis-
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ORIGINAL INSPECTED
wasser (100 ml) gegossen und mit Chloroform extrahiert. Die Chloroformlosung wurde mit verdünnter HCl und Wasser
gewaschen und über wasserfreiem Natriumsulfat getrocknet. Beim Verdampfen des Chloroforms und Umkristallisieren
des Rückstandes aus Benzol/n-Hexan erhielt man farblose Kristalle (1 g) , F. 79 bis 84°C.
Die Lösung aus diesen Kristallen in Äthanol wurde tropfenweise unter Rühren zu Wasser gegeben und der gebildete
Niederschlag wurde filtriert und über Phosphorpentoxid im Vakuum bei Raumtemperatur getrocknet, wobei man Hydrocortison-17-butyrat-21-propionat
als farbloses Kristallpulver, F. 117 bis 117,5°C (Zersetzung bei 265 bis 268°C)
erhielt.
NMR: (in C5D5N); 1,00 (3H, s), 1,00 bis 1,30 (6H, m),
1,43 (3H, s), 4,48 (1H, m), 4,74 (2H, d.d., J=18 Hz,
6 Hz) , 5,65 (1H, s) .