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Kaltleiter-Bauelement Die Erfindung betrifft ein passives elektrisches
Bauelement mit zwei Anschlüssen und einem positiven Widerstands-Temperaturkoeffizienten,
sowie ein Verfahren zu dessen Herstellung und eine besondere Verwendung desselben,
Bauelemente der genannten Art sind als. Kaltleiter bekannt (z.B. DT-OS 2'242'767).
Sie sind bei niederen Temperaturen gute, bei höheren Temperaturen schlechte Leiter.
Sie werden z.B. als Temperaturfühler verwendet, oder werden z.B, in Schalteinrichtungen
zur Unterstdtzung des mechanischen Schalters beim Unterbrechen eines Stromkreises
eingesetzt (z.B.
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US-PS 2'978'505 für BaO und BaTiO3, DT-AS 1'204'302).
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Aus der Grundlagenforschung ist es bekannt (z.B. J. Phys.
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(Paris) 32, 1971, S. C1-1079 bis C1-1085, Phys. Rev. Lett.
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23 (15 Dez.69), 1384-1387, Phys. Rev. B 7 (1 March 1973), 1920-1931),
dass Chrom-dotiertes Vanadium-Sesqui9xid der nominellen Zusammensetzung (V0.99Cr0.01)2O3
bei etwa minus 1000C aus einem isolierenden, antiferomagnetischen Zustand sprunghaft
in einen metallisch leitenden Zustand übergeht, und von diesem metallisch leitenden
Zustand bei etwa Zimmertemperatur in einen magnetisch ungeordneten Isolator-Zustand.
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Dieses Material konnte jedoch bis heute in technischen Bauelementen
nicht verwendet werden.
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Ganz allgemein konnte aber bisher noch keines -der bekannten Kaltleiter-Bauelemente
dort erfolgreich eingesetzt werden, wo es galt, grös-sere Nennströme und/oder -Leistungen
zu beeinflussen, insbesondere zu schalten. Das ko-mmt vorwiegend daher, dass die
bekannten Kaltleiter-Bauelemente auch in ihrem "gut" leitenden Zustand noch einen
so grossen Widerstandswert aufweisen, dass sich bei Belastung mit Nennstrom untragbare
Verluste ergeben. Ausserdem ist die Spannung8beständigkeit der bekannten Kaltleiter-Bauelemente-
nur gering.
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Andererseits besteht aber schon lange ein grosses Bedürfnis nach-preiswerten
und raumgünstigen elektrischen Bauelementen mit positivem Temperaturkoeffizienten
für grössere N.nnstrflwts
und/oder Leistungen, die beispielsweise
anstelle von oder auch zusammen mit herkömmlichen Schmelzsicherungen oder Sicherungsautomaten
einen derartigen Netzschutz gewährleisten, dass im Kurzschlussfall einerseits der
Durchlasswert möglichst gering ist, andererseits aber die Ansprechkarakteristik
so, dass keine untragbaren Schaltüberspannungen entstehen und die Möglichkeit eines
Selektivschutzes besteht.
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Es ist die Aufgabe-der vorliegenden Erfindung, ein Bauelement zu schaffen,
welches dem oben genannten Bedürfnis abhilft, wobei das Bauelement insbesondere
als Ueberstromsicherungselement eingesetzt werden soll, und dabei insbesondere kleine
Durchlasswerte angestrebt werden, sowie eine grosse Anpassungsflexibilität hinsichtlich
der Betriebsdaten und der Netzschutz-Selektoivität, Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss
dadurch gelöst, dass bei dem elektrischen Bauelement der eingangs genannten Art
der stromführende Körper aus Vanadium-Sesquioxid (V203) mit einem Zusatz von 0.1-5
Mól-t eines anderen Metalloxids besteht.
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Vorzugsweise soll -der stromführende Körper die nominelle Zusammensetzung
(Vl-xCrx)2O3 mit 0.005 # x # 0,02 aufweisen und ein Sinterkörper mit einer Dichte
von mehr als 3 g/cm sein, der mit zwei gróssflächigen Metall-Elektroden ohmisch
(sperrfrei) kontaktiert ist.
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Ein solches Bauelement weist einen steilen Anstieg des elektrischen
Widerstandes mit wachsender Temperatur auf-. Wenn dieser Anstieg bei einer mittleren
Temperatur Tc stattfindet, so liegt Tc für x # 0,005 bei etwa 80 C und für xh 0.0i
bei 0 etwa 0 C. Tc verschiebt sich also zu kleineren Werten mit zunehmender Chrom-Dotierung.
Andererseits ist der elektrische Widerstand eines solchen Bauelementes bei Nennstrombelastung
hinreichend gering.
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Wenn ein solches Bauelement bei Nennströmen von etwa 15 A bis etwa
100 A, und Betriebsspannungen um 220 V eingesetzt wird, so sind in der Tat Durchlasswerte
von 1000-17'000 A² sec erzielbar, was bisher nicht möglich war. Bei den vorgenannten
Betriebsdaten liegt der Durchlasswert eines herkömmlichen Sicherungsautomaten ("Deion"-Schalter)
bei etwa 30'000 A2sec.
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Dabei wird das Bauelement in den Strompfad des abzusichernden Netzteils
geschaltet, und die Kühlung des Elementes und das Element selbst werden derart gestaltet
und dimensioniert, dass bei Ueberströmen die entstehende Verlustwärme das Bauelement
vor Ablauf einer halben Periode der Speisespannung auf eine Temperatur oberhalb
Tc bringt.
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Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den nachstehend
anhand von Zeichnungen erläuterten Ausführungsbeispielen. Dabei zeigt:
Fig.
1 ein Bauelement nach der Erfindung im Längsschnitt, Fig. 2 den spezifischen Widerstand
' eines Bauelementes nach der Erfindung in Abhängigkeit von der Temperatur T des-stromführenden
Körpers, Fig. 3 den idealisierten Verlauf des elektrischen Widerstandes R eines
in einem Strompfad liegenden Bauelementes nach der Erfindung in Abhängigkeit von
der Zeit t beim Auftreten eines Kurzschlussstromes, Fig. -4 eine Kaskadeschaltung
dreier verschieden dimensionierter Bauelemente nach der Erfindung mit zugehöriger
R(t)-Kurve bei Kurzschluss, Fig. 5 ein Bauelement nach der Erfindung mit trapezförmigen
Längsschnitt und zugehöriger R(t)-Kurve bei Kurzschluss, Fig. 6 ein Bauelement nach
der Erfindung mit einer konkaven Stirnfläche und zugehöriger R(t)-Kurve bei Kurzschluss,
Fig. 7 ein Bauelement nach der Erfindung mit einer konvexen Stirnfläche und zugehöriger
R(t)-Kurve bei Kurzschluss, Fig. 8 ein Bauelement nach der Erfindung in Serie mit
einem Schalter, Fig. 9 ein Bauelement nach der Erfindung mit seriell liegendem
Schalter
und parallel liegendem Festwiderstand, Fig. 10 ein Bauelement nach der Erfindung
mit einem seriell und einem parallel liegenden Schalter, und Fig. 11 ein Bauelement
nach der Erfindung mit einem parallel liegenden Festwiderstand und einem parallel
liegenden Schalter, sowie einem seriell liegenden Schalter.
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Das in Fig. 1 dargestellte Bauelement nach der Erfindung weist einen
stromführenden Körper 1 auf, der-aus-gesintertem (VO 995 Cr ) 20 -Pulver besteht,
zylindrische Gestalt hat., und 0,005 3 an beiden Stirnflächen auf der ganzen Fläche
mit,Metallelektroden 2 und 3 ohmisch bzw. sperrfrei kontaktiert ist.
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Die Elektroden 2,3 bestehen aus Kupfer oder auch Hartlot. Sie sind
auf den Sinterkörper 1 auflegiert. Dabei wird zwischen den Sinterkörper 1 und die
Elektroden 2,3- eine dünne Schicht Titan aufgebracht, z.B. durch Aufdampfen von
Titan auf den Sinterkörper. Dadurch entsteht bei der Legierung an der Kontaktstelle
zwischen Elektrode und Sinterkörper eine titanoxidhaltige Vanadiumoxid-Schicht,
die gut leitend ist. Anstatt das Titan in metallischer Form aufzudampfen, kann es
auch in Form von Titanhydrid, TiH2, auf den Sinterkörper aufgebracht werden, welches
sich beim Auflegieren der, Elektroden zu Titan zersetzt.
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Anstatt die Elektroden 2,3 auf den Sinterkörper 1 aufzulegieren, können
sie in bekannter Weise auch aufgelötet, aufgepresst, aufgesprüht oder aufgedampft
werden wobei immer darauf zu achten ist, dass sie mit dem Sinterkörper einen gut
leitenden ohm'schen Kontakt bilden. Zum Aufdampfen wird mit Vorteil auch Nickel-Chrom
60/40 als Elektrodenmaterial verwendet.
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Auf seiner Mantelfläche weist der Sinterkörper 1 eine isolierende
Schutzschicht 4 z.B. ausEpoxiharz auf.
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In innigem Kontakt mit den Elektroden 2,3 sind Kühlkörper 5,6 z.B.
aus Kupfer oder Aluminium vorgesehen. Bei kleineren Bauelementen kommen auch Kühlbleche
oder Kühlrippen in Frage, bei-grdsseren Elementen kann die Kühlung auch mittels
einer geeigneten Kühlflüssigkeit, z.B. Wasser, erfolgen.
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d2# Sowohl die Fläche F = des Querschnitts des Sinterkörpers 4 1,
als auch seine Länge 1 sind von grosser Bedeutung für die Ansprechkarakteristik
des Bauelementes. Dabei bestimmt das Verhältnis 1/F den Widerstand -des Bauelementes
im kalten Zustand, während das Produkt 1.F bei gegebener Dichte seine Masse bestimmt
und-damit seine thermische Trägheit festlegt.
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Für kleine Werte von l/F hat das Bauelement zwar im kalten Zustand
einen kleinen Widerstand, so dass die Verlustleistung
unter Strombelastung
gering ist. Jedoch schaltet das Element bei einsetzendem Kurzschlussstrom nur relativ
langsam auf höhere Widerstandswerte, so dass der erreichbare Durchlasswert noch
relativ gross ist.
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Für grosse Werte von 1/F ist demgegenüber der elektrische Widerstand
und damit die bei Strombelastung entstehende Verlustleistung grösser, jedoch schaltet
das Element vie-l schneller, und es sind extrem kleie Durchlasswerte erzielbar.
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Unabhängig von kaltwiderstand kann die Ansprechgeschwindigkeit und
die Belastbarkeit des Bauelementes durch. Veränderung seiner Masse bei einer für
die Praxis zweckmässigen Konstanz der Dichte also seines Volumens, variiert werden.
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Für Niederspahnungssicherungen liegt die Masse des- Sinterkörpers
vorteilhaft zwischen 1 und 20 g.
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Die Durchlasswerte QO sind wie folgt definiert:
wobei i(t) der den Sinterk-örper 1 durchtretende, von der Zeit t abhängige elektrische
Strom ist, t0 der Zeitpunkt des Einsetzens des Kurzschlussstromes, und t der Zeitpunkt
der 5 Unterbrechung des Strompfades, wenn also i(t) = O geworden ist.
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Entsprechend ist der Ansprechwert Qa wie folgt definiert:
mit ta = Zeitpunkt des Einsetzens der Widerstandsänderung des Bauelementes.
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Neben 1/F und 1.F hat ,auch die Art der Kühlung -einen Einfluss auf
Q und QO, ferner die Gestalt des Sinterkörpers 1, und die Art der Schaltung im Strompfad.
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Die Zusamjtiensetzung (Vl-xCrx)2O3 mit 0,005 # x # 0,02 ist deshalb
besonders vorteilhaft, weil damit die für die Praxis wichtigen Bauelemente ohne
besondere Kühlung für tiefere Temperaturen erzeugt werden können.
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Bevor jedoch weitere elektrische Eigenschaften, Wirkungen und Verwendungsmöglichkeiten
des Bauelementes nach der Erfindung angegeben werden, sollen zunächst zwei Beispiele
für die vorteilhafte Herstellung zweier Bauelemente nach der Erfindung angegeben
werden: Beispiel 1 Es soll ein Bauelement hergestellt werden, dess-en stromführender
Körper 1 nominell aus (V0,995Cr0,005)203 besteht. Nominell bedeutet dabei, dass
die angegebene Zusammensetzung sich auf
die eingewogene Menge bezieht.
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Dazu wird Vanadium-Pentoxid (V2 0 ) in reduzierender Atmosphäre, 5
z.B. Wasserstoff-Atmosphäre, geheizt, und damit zu Vanadium-Sesquioxid (V203) reduziert.
Die Temperatur beträgt zuerst während 2 Stunden 6000C, dann während 6 Stunden 10000C.
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Das so gewonnene V203-Pulver wird mit Cr203-Pulver zu 0,5 Soll% innig
gemischt und in einer Kugelmühle nass gemahlen.
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Das erhaltene Gemisch wird hydrostatisch oder uniaxial zu kreiszylindrischen
Bauelementen der gewünschten Querschnittsfläche E und Länge 1 gepresst, wobei beim
Mahlen zugesetztes Polyäthylenglykol aßs Presszusatz die Festigkeit des Presskörpers
erhöht.
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Das Pressen gesehieht bei einem Druck von etwa 2-3 k-bar.
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Danach wird der Presskörper in einer Atmosphäre mit kontrolliertem
Sauerstoff-Partialdruck bei hoher Temperatur gesintert. Dabei wird, gleichzeitig
mit der Sinterung, auch eine homogene Verteilung des Chroms erreicht. Zwecks Aufrechterhaltung
eines sehr kleinen und konstanten Sauerstoff-Partialdrucks wird eine zusammengesetzte
Atmosphäre verwendet, wobei sich ein Gasgemisch von H2/H20 oder CO/CO2 als vorteilhaft
erwiesen hat.
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Als Sintertemperatur wird z.B. 1400 0C und als Sinterdauer z.B. 24
h gewählt. Unter diesen Bedingungen ist Vanadium-Sesquioxid bei Sauerstoff-Partialdrücken
zwischen 10-6 und 10'15,5 atm stabil.
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Um grosse Dichten und gute Festigkeit der Sinterkörper zu erreichen,
wird der Sauerstoff-Partialdruck vorteilhaft so gewählt, dass er nur wenig grösser
ist als die sauerstoffarme Grenze des Stabilitätsbereiches von V2O3 bei der gewählten
Sintertemperatur. Dies wird z.B. dadurch erreicht, dass reiner Wasserstoff durch
Wasser der Temperatur 0 0C geleitet wird.
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Die so erreichbaren hohen Dichten und Festigkeiten machen es überhaupt
erst möglich, das Chrom-dotierte'Vanadium-Sesquioxid für ein Bauelement der in Rede
stehenden Art zu verwenden.
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Nach Fertigstellung d'es Sinterkörpers 1 wird dieser, 2. B.
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durch Legieren, wie weiter oben beschrieben, mit den grossflächigen
Metallelektroden 2,3 kontaktiert.
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Beispiel 2 Es soll ein Bauelement hergestellt werden, dessen stromführender
Körper 1 nominell aus (V0,992 Al0,008)203 besteht.
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Dazu wid genau so verfahren, wie im Beispiel 1 beschrieben, lediglich
mit dem Unterschied, dass dem V203--Pulver anstelle von Cr203 ein Teil Al 203 beigemischt
wird.
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Bauelemente nach der Erfindung können mit besonderem Vorteil als thermisch
gesteuerte Ueberstromsicherungselemente verwendet werden, wobei die Temperatur des
Sinterkörpers 1 durch entsprechende Steuerung der durch den elektrischen Strom (t)
erzeugten Verlustwärme und angepasste Wärmeableitung über die Kühleinrichtung sich
zwischen 200C und 200 0C bewegt.
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Die Abhängigkeit des spezifischen Widerstandes> (#cm) von der Temperatur
T (OC) des Sinterkörpers 1 ist in Fig. 2 dargestellt. Dabei besteht der Sinterkörper
1 aus (V0,995Cr0,005) 2°3 einer Dichte von 5 g/cm³. T0 ist die Betriebstemperatur
bei Nennstrombelastung und T die mittlere Temperatur, bei c welcher das Element
"schaltet".
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In Fig. 3 ist oben das Schaltsymbol des Bauelementes nach der Erfindung
dargestellt, ein sich mit der Temperatur gleichsinnig ändernder nichtlinearer Widerstand.
Wird dieses Bauelement mit einem elektrischen Nennstrom belastet, welcher beim Zeitpunkt
t0 in einen Kurzschlussstrom übergeht, so spricht das Element nach einer Verzögerungszeit
t im Zeitpunkt ta an und schaltet - im hier dargestellten idealisierten Fall -.
sprunghaft
vom Nennwiderstand RN auf seinen Kurzschlusswiderstand
RK Das Verhältnis RN/RK wird als Widerstandshub .bezeichnet und beträgt bei den
in Rede stehenden Bauelementen zwischen 20 und 1000.
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- Eine Anpassung der Bauelemente an die Betriebsdaten ( Nennstrom,
Betriebsspannung), - eine geeignete Ansprech- und Schaltcharakteristik zwecks Vermeidung
von zu grossen Schaltüberspannungen und Durchlasswerten QO, und - die Möglichkeit
eines Selektivschutzes werden erreicht - durch die Formgebung und/oder Dimensionierung
des Sinterkörpers 1, - die Auslegung und Anordnung der Kühlung., und/oder - die
Kombination mit ohm'schen Wid-erständen ùnd/oder Schaltern.
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Diese Möglichkeiten sind, mit Ausnahme der Kühlung, in den Figuren
4 bis 11 dargestellt: In Fig. 4 ist eine Kaskadenschaltung aus unterschiedlichen
Bauelementen gemäss der Erfindung dargestellt. Die Elemente
sind
derart ausgebildet, dass sie nacheinander ansprechen, wie in der Kurve dargestellt
wird. Es wird eine zeitliche Aus schmierung des Schaltens gegenüber den intrinsischen
Materialeigenschaften erreicht, ohne dass sich jedoch beim vollständigen Durchschalten
aller Elemente der totale Widerstandshub ändert.
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Eine ähnliche zeitliche Aus schmierung des Schaltens ergibt sich durch
eine geeignete Formgestaltung des Sinterkörpers 1, wie dies in den Figuren 5 bis
7 dargestellt ist. Wie ersichtlich, kann nicht nur die Dauer des Durchschaltens
beeinflusst werden, sondern auch die Ansprechcharakteristik im einzelnen.
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Bei den in den Figuren 5 bis 7 dargestellten Sinterkörpern handelt
es sich um wie gezeigt gestaltete Scheiben.
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Der Widerstandswert RK, den das Bauelement gemäss der Erfindung bei
Kurzschlussstrom annimmt, reicht aus, um den Kurzschlussstrom kurzzeitig (innerhalb
einer Halbwelle) stark zu -reduzieren. Es kann jedoch mit dem Bauelement keine galvanische
Trennung erreicht Werden. Zudem würde ein Weiterfliessen des Reststromes in der
Regel zu einer weiteren, unter Umständen unzulässigen ErwärmUng des Bauel-ementes
führen.
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Die Bauelemente werden daher in der Praxis zum Netzschutz zusammen
mit Schaltern verwendet.
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In Figur 8 liegt das Bauelement in Serie zu einem solchen Schalter
S. Durch die Verwendung des Bauelementes R ergibt sich der grosse Vorteil, dass
der Schalter S nicht als Leistungsschalter mit Lichtbogenlöschkammer ausgebildet
sein muss, sondern ein einfacher Leerschalter sein kann. Das Bau-' element R sorgt
dafür, dass der nach Trennung der Schaltstücke über den Lichtbogen fliessende Strom
sehr schnell-' herabgesetzt wird und die nach dem Nulldurchgang wiederkehrende Spannung
keine Wiederzündung bewirken kann, oder mit anderen Worten, der Folgestrom beim
nächsten Nulldurchgang unterbrochen wird.
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Eine besonders bevorzugte Schaltungsform ist,-in Fig. 9 dargestellt.
In dieser ist zum Bauelement R ein Festwiderstand R p parallel geschaltet. Auf diese
Weise wird vermieden, dass das Bauelement R nach dem Schalten in den hochohmigen
Zustand thermisch überlastet wird. Der Schalter S kann wiederum sehr einfach ausgebildet
sein.
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In Fig. 10 ist statt des parallelen Festwiderstandes R der p Fig.
9 ein thermisch oder magnetisch aus lösbarer Schalter 5 p vorgesehen. Auf diese
Weise trägt das Bauelement R im-Nennstromfall überhaupt keinen Strom. Erst wenn
im Kurzschlussfall dr Schalter Sp ausgelöst wird, kommutiert der Strom auf das Element
R welches dann seinen Widerstands wert erhöht und ein
weitgehend
lastfreies Schalten des Schalters S ermöglicht.
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Der Kaltwiderstand des Bauelementes R ist dabei so gewählt, dass beim
Auslösen des Schalters 5 in diesem kein Lichtp bogen entsteht.
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In Fig. 11 ist eine Kombination der Schaltungsformen aus Fig.
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9 und 10 dargestellt.
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In allen Ausf;lhrungsfórmen der Fig. 8 - 11 kann der Schalter S auch
spannungsaufbauend, z.B. ein Deion-Schalter, sein, und damit am Strombegrenzungsprozess
teilnehmen.
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Nachfolgend werden die Schaltungsformen der Fig. 9 und 11 anhand von
Dimensionierungsbeispielen weiter erläutert: Beispiel Eine Schaltung wie in Fig.
11 wurde wie folgt dimensioniert und betrieben: Netz bei Nennbelastung: Ieff = 100
A, Veff = 220 V, f = 50 Hz N N Netz bei Kurzschluss: eff IK = 6000 A, cos # = 0,85,
RNetz = 31.2 m a, LNetz = 61,5 H.
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Auslöseintegral-Schalter Sp:
Parallelwiderstand Rp = 1,0 # Schalter S: Galvanischer Trenner, ohne Spannungsaufbau
Bauelement R: Form: Kreiszylinder Dichte s = 5 g/cm ³ Spezifische Wärme c = 0,8
Wsec/g grd Spezifischer Widerstand bei Nennstrom # N = 5 # 10-2#cm Querschnittsfläche
F = 2,7 cm Länge 1 = 9.4 mm 3 Volumen V = 2.54 cm Masse M = 12.7 g T0 # 200C (Tmax
c Tc)/(Tc - To) = 5 mit Tmax = maximale Temperatur, welcher das Bauelement im Kurzschlussfall
unterworfen ist.
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Kaltwiderstand RN = 17,55 m Widerstandshub h = RKIRN = 25 Keine besondere
Kühlung.
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E s ergab sich als Durchlasswert
und als Ansprechwert
D as dargestellte Beispiel betrifft symmetrische Kurzschl,ussphasenwinkel, also
etwa den ungünstigsten Fall. Beim Ansprechen des Schalters 5 beträgt der Spannungsabfall
nur p 20 V, so dass kein Lichtbogen in diesem Schalter entsteht.
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Das Beispiel zeigt, dass bei dem vorgegebenen. Netz die Forderung
QO = 17'000 A²sec mit einem Widerstandshub h = 25 durch die Schaltung gemass Fig.
11 gerade erfüllt werden kann. Bei geringfügig grösserem Hub (etwa h # 30.) kann
jedoch auf den Parallelwiderstand R verzichtet werden,wie in p Fig. 10 dargestellt,
bei gleichem QO.
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Beispiel B Eine Schaltung wie in Fig. 9 wurde wie folgt dimensioniert
und betrieben: Netz bei Nennbelastung: eff = 16 A, Veff = 220 V, f = 50 Hz N N Netz
bei Kurzschluss: eff IK = 1000 A, cos d = 0,85, Netz - 187 m 1l, LNetz = 369 µH.
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Parallelwiderstand R = 643 m ii p Schalter S: Nulldurchgangs-Trennschalter
ohne Spannungsaufbau Bauelement R: Form: Kreiszylinder 3 Dichte s = 5 g/cm Spezifische
Wärme c = 0,8.Wsec/g grd Spezifischer Widerstand bei Nennstrom 9 N = 5 # 10 -2#cm
Querschnittsfläche F = 1,25 cm Länge 1 = 4,38 mm Volumen V = 0,548 cm3 Masse M =
2,74 g To # 500C (TmaX - Tc )/(Tc - T0) = 5 Kaltwiderstand RN = 17,53 Widerstandshub
h = 200.
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E s ergab sich als Durchlasswert QO # 1000 A2²sec und als Ansprechwert
Q : 500 A2sec.
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a Die Verlustleistung im Element R bei Nennstrom beträgt NO = 4,5
W und muss von einer Kühleinrichtung abgeleitet werden, sodass sich
die
Temperatur des Elementes nicht auf über T erhöht.
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0 Das Beispiel zeigt, dass man bei einem Widerstandshub von h = RK/RN
= 200 bei kleineren Nennströmen <1N # 25A), also bei der überwiegenden Zahl der
Endsicherungen in Verteilernetzen, eine wirksame Unterdrückung der Kurzschlussströme
erreichen kann. Der Schalter S hat keine weitere Aufgabe als die Unterbrechung des
Folgestromes beim nächsten Nulldurchgang.
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Eine Halbwelle hat bei prospektivem Kurzschlussstrom ein QO = 10'000
A2sec. Prospektiver Kurzschlussstrom ist der ungehinderte Kurzschlussstrom nach
dem Einschwingen.
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Beispiel C Eine Schaltung wie in Fig. 9 wurde wie folgt dimensioniert
und betrieben: Netz bei Nennbelastung: wie in Beispiel B Netz bei Kurzschluss: Ieff
= 6000 A, cos # = 0,85, K Netz = 31,2 mA, LNetz = 61,6 tH Parallelwiderstand R =
280 m p Schalter S: wie im Beispiel B
Bauelement R: Form, Dichte,
spezifische Wärme, spezifischer Widerstand bei Nennstrom, Widerstandshub und O'
(Tmax TC)/(Tc - To) wie in Beispiel B-.
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- 2 Querschnittsfläche F = 2,58 cm Lange 1 = 2,45 mm Volumen V = 0,63
cm3 Masse M = 3,16 g Kaltwiderstand RN = 4,7,5 m Es ergab sich als Durchlasswert
QO L 16'140 A2 und als Ansprechwert Qa = 11'000 A2 sec.
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Die Verlustleistung im Element R bei Nennstrom beträgt NO = 1,2 W
und muss von einer geeigneten Kühleinrichtung abgeführt werden, damit sich die Temperatur
des Elementes nicht auf über T 0 erhöht.
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Eine Halbwelle hat bei prospektivem Kurzschlussstrom 360'000 A2sec.
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Beispiel D Wenn höhere Verlustleistungen NO im Element R zugelassen
sind,
so kann der Durchlasswert QO wesentlich weiter hinunter gedrUckt
werden.
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Das zeigt folgende Umdimensionierung des Beispiels C: Parallelwiderstand
R = 652 m p Bauelement R: Querschnittsfläche F = 1,40 cm2 Länge 1 = 2,67 mm 3 Volumen
V = 0,374 cm Masse M = 1,87 g Ka;ltwiderstand RN = 9,5 (Alle nicht genannten Werte
sind gleich denen in Beispiel C.) Es ergab sich 41s Durchlasswert Q0 # 4565 Å sec
und als Ansprechwert Q = 4000 A sec.
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Die Verlustleistung im Element R bei Nennstrom beträgt NO = 2,4 W
und muss von einer geeigneten Kühleinrichtung abgeführt werden, damit sich die Temperatur
des Elementes nicht auf über To erhöht.
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Wie besonders aus-den Beispielen C und D ersichtlich ist, Können bei
gleichbleibenden. Netzparametern durch verschiedene Dimensionierung der Bauelemente
R und R der Ansprechwert a p und der Durchlasswert QO in weiten Bereichen variiert
werden.
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Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, verschiedene Stufen gemäss Fig.
9 mit guter Selektivität hintereinander zu schalten, d.h. beim Ansprechen einer
Stufe bleiben die anderen zunächst leitend. Dazu wird der Durchlasswert QO der Ansprechstufe
kleiner gemacht als der Ansprechwert Q der vorgeschalteten Stufen. Bei grösseren
Nennströmen IN> 25 A wird in Schaltungen nach Fig. 9 bei einem Widerstandshub
h s 200 mit einem einfachen Nulldurchgangs-Trennschalter S entweder der Durchlasswert
QO oder der Leistungsverlust Ng bei Nennstrom unzulässig hoch. Wenn jedoch anstelle
des Trennschalters ein spannungsaufbaue'nder Leistungsschalter verwendet Wird, so
unterstützt dieser die Strombegrenzung wirksam und entlastet damit das Element'
R. Solche Hybrid-Systeme, die aus widerstandsaufbauenden Bauelementen-nach der Erfindung
und spannungsaufbauenden Schaltern zusammengesetzt sind, lassen sich bis zu wesentlich
höheren Nennströmen erfolgreich einsetzen. Bei Schaltungen wie in Fig. 9 liegt die
obere Grenze bei etwa 100 A, bei Schaltungen wie in Fig. 11 ist eine Schalten von
mehreren 1000 A prinzipiell möglich, wobei nur der Schalter S spannungsaufbauend
ist. Grundsätzlich sind zwei Möglichkeiten der gegenseitigen Anpassung möglich:
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Das Bauelement R spricht zuerst an und der Schalter S unterdrückt danach den Folgestrom
so, dass das Element R thermisch nicht überlastet wird.
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Der Schalter S spricht zuerst an und das Element R unterstützt danach
den Spannungsaufbau im Schalter S durch seinen Widerstandshub.
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Eine optimale gegenseitige Unterstützung der beiden Elemente S und
R ergibt sich bei annähernd gleichzeitigem Ansprechen.