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Die
Erfindung betrifft eine Schubladenführung mit
- möbelseitigen
Führungsschienen,
die einen oberen und einen unteren Schenkel aufweisen, und schubladenseitigen
Auszugsschienen
- an den vorderen Enden der Führungsschienen vorgesehenen
Stützrollen
zum Abstützen
der Auszugsschienen und
- in den Führungsschienen
laufenden Laufrollen, die an einem schubladenseitigen Ausfahrmechanismus
angebracht sind, welcher die Laufrollen beim Einschieben der Schublade
an diese heranbewegt und die Laufrollen beim Herausziehen der Schublade
zur Ermöglichung
einer größeren Auszugslänge ausfährt.
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Bei
Schubladenführungen
als Einfach-Auszug besteht der Wunsch, eine große Auszugslänge zu ermöglichen, um eine gute Ausnutzung
der Schubladenfläche
zu erhalten. Bei Vollauszügen
ist die Schublade derart bemessen, dass der Schubladenkasten in
seiner gesamten Nutztiefe aus dem Möbel herausgezogen werden kann.
Bei Einfach-Auszügen
ist dies nicht möglich,
weil der Schubladenkasten mit seinen Auszugsschienen auf den vorderen
Stützrollen
ruht und so weit nach hinten ragen muss, dass die am rückwärtigen Ende
befindlichen Laufrollen ein Kippen des Schubladenkastens verhindern.
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Der
Oberbegriff des Patentanspruchs 1 geht aus von einer Schubladenführung nach
EP 0 473 060 B1 (Willach),
bei der der Schubladenkasten am rückwärtigen Ende Schwenkarme aufweist,
die um vertikale Achsen herum schwenkbar sind und die Laufrollen
tragen. In der Einzugsposition sind die Schwenkarme an die Kastenrückwand angeschwenkt,
und in der Ausfahrposition liegen sie parallel zu den seitlichen
Kastenwänden,
wobei die Laufrollen sich innerhalb der Führungsschienen befinden. Zum
Ausschwenken der Schwenkarme sind in horizontaler Ebene verlaufende
Führungsbahnen
erforderlich, die als Kulissenführung
dienen. Außerdem
werden an dem Schubladenkasten Hilfsrollen benötigt, die den Kasten dann stützen, wenn
die Laufrollen inaktiv sind. Ein derartiger Ausfahrmechanismus für die Laufrollen
ermöglicht
zwar einen großen Überstand, erfordert
jedoch einen großen
Aufwand.
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Der
Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Schubladenführung mit
zusätzlicher
Auszugslänge
zu schaffen, die gegenüber
den früheren
Lösungen
vereinfacht ist und weniger Komponenten aufweist.
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Die
Schubladenführung
der vorliegenden Erfindung ist durch den Anspruch 1 definiert. Hiernach hält der Ausfahrmechanismus
von einer Einzugsposition bis zu einer Ausfahrposition die Laufrollen
innerhalb der Führungsschienen.
Der Ausfahrmechanismus ist also derart ausgebildet, dass er die
Laufrollen innerhalb der Führungsschienen
verschiebt und nicht aus den Führungsschienen
herausschwenkt. Dies führt
dazu, dass eine Hilfsrolle am rückwärtigen Schubladenende
nicht erforderlich ist, weil die Laufrolle ihre Stützfunktionen
in jedem Zustand ausüben
kann.
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Gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform der
Erfindung ist der Ausfahrmechanismus dadurch betätigbar, dass die Schublade
beim Herausziehen eine Schwerpunktsverlagerung in bezug auf die Stützrollen
erfährt,
wodurch die Laufrollen gegen den oberen Schenkel der Führungsschienen
drücken. Wenn
beim Herausziehen der Schublade der Schubladenschwerpunkt die Stützrollen
passiert, wechseln die Laufrollen, die zuvor auf dem unteren Schenkel der
Führungsschienen
abgerollt sind, zu dem oberen Schenkel hin. Folglich wird nach der
Schwerpunktsverlagerung eine senkrechte Kraft von oben auf die Laufrollen
ausgeübt.
Diese kann ausgenutzt werden, um das Ausfahren des Ausfahrmechanismus
zu bewirken. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass das Ausfahren
völlig
geräuschlos
erfolgt, also ohne das Anstoßen
gegen einen Anschlag und ohne ein merkliches zusätzliches Zusammengreifen von Schubladenkomponenten.
Selbst bei genauster Beobachtung ist nicht zu erkennen, was dazu
führt,
dass der Ausfahrmechanismus von der Einzugsposition in die Ausfahrposition überwechselt.
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Der
Ausfahrmechanismus, der die Laufrollen in Richtung der Führungsschienen
verlagert, kann unterschiedliche Gestaltungen und Wirkungsmechanismen
haben. Bei einer bevorzugten Ausführungsform weist er ein Lenkergestänge auf,
dessen Lenker jeweils in einer Vertikalebene beweglich sind. Alternativ
kann auch beispielsweise ein Teleskopmechanismus vorgesehen sein,
der die Laufrollen herausschiebt und einzieht. Eine weitere Alternative
besteht darin, dass Lenkergestänge
in einer horizontalen Ebene zu falten.
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Vorzugsweise
ist der Ausfahrmechanismus als Viergelenkgetriebe ausgebildet. Dabei
ist wiederum bevorzugt, dass die Laufrollen in der Ausfahrposition
in bezug auf die Schublade tiefer liegen als in der Einzugsposition.
Dadurch wird erreicht, dass eine von oben her auf die Laufrollen
wirkende Kraft dazu führt,
dass eine Kraftresultierende entsteht, welche die Laufrollen in
die Ausfahrposition bewegt. Es sind also keine Federn oder andere
Rückstelleinrichtungen
vorhanden. Beim Einschieben der Schublade wirkt auf die Laufrollen
eine Kraft ein, die bestrebt ist, die Laufrollen in die Einzugsposition
zu verstellen.
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Weitere
Merkmale und vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindungen sind den
Unteransprüchen zu
entnehmen.
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Die
Erfindung ist insbesondere – jedoch
nicht ausschließlich – für Apothekenschubladen
geeignet, an die erhöhte
Anforderungen hinsichtlich Leichtgängigkeit und Geräuscharmut
gestellt werden. Insbesondere ist vorteilhaft, dass Anschlag- und
Klickgeräusche
vermieden werden können
und dass die Schublade einen leichten Lauf und einen selbsttätigen Rücklauf hat.
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Im
folgenden wird unter Bezugnahme auf die Zeichnungen ein Ausführungsbeispiel
der Erfindung näher
erläutert.
Diese Erläuterung
ist nicht dahingehend zu verstehen, dass sie den Schutzbereich der Erfindung
einschränkt.
Dieser wird vielmehr durch die Ansprüche bestimmt.
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Es
zeigen:
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1 eine Seitenansicht der
erfindungsgemäßen Schubladenführung,
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1A die Einzelheit V von 1 während des Herausziehens der
Schublade kurz nach dem in 1 dargestellten
Zustand,
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2 eine Draufsicht der Schubladenführung aus
Richtung der Pfeile II–II
von 1,
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3 eine vergrößerte Darstellung
der Einzelheit III aus 1,
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4 eine rückwärtige Stirnansicht aus Richtung
der Pfeile IV–IV
von 3,
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5 eine vergrößerte Darstellung
der Einzelheit V von 1 kurz
vor der Schwerpunktsverlagerung,
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6 eine vergrößerte Darstellung
der Einzelheit VI von 1 bei
voll herausgezogener Schublade,
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7 eine perspektivische Rückansicht
der Schublade mit dem Ausfahrmechanismus in der Einzugsposition,
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8 eine perspektivische Rückansicht
der Schublade mit dem Auszugsmechanismus in der Ausfahrposition,
und
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9 und 10 schematische Darstellungen der Kinematik
des Ausfahrmechanismus.
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In
den 1 und 2 symbolisieren Ständer 10 die
vertikalen Wände
in einem Schrank. Zwischen den Ständern 10 sind Schubläden 11 befestigt.
Die Schubläden 11 haben
jeweils einen Schubladenkasten 12 mit zwei parallelen Seitenwänden 13,
einer Rückwand 14,
einer Vorderwand 15, an der eine auswechselbare Blende
befestigt werden kann, sowie eine Bodenwand 16.
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Mit „vorn" ist jeweils die
dem Benutzer zugewandte Richtung der Schublade bezeichnet und mit „hinten" die in den Schrank
hineinführende
Richtung.
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Für jede Schublade
sind im Innern des Schranks zwei Führungsschienen 20 mit
C-förmigem Profil
angebracht (4). Jede
Führungsschiene 20 hat
einen unteren Schenkel 20a und einen oberen Schenkel 20b.
An dem vorderen Ende einer jeden Führungsschiene 20 ist
eine Stützrolle 21 gelagert, auf
der eine schubladenseitige Auszugsschiene 22 ruht, die
von der Außenseite
der Seitenwand 13 absteht.
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Im
Innern der Führungsschiene 20 läuft eine Laufrolle 25 der
Schublade, deren Durchmesser etwas kleiner ist als die lichte Höhe der Führungsschiene.
Die Laufrolle 25 rollt daher entweder an dem unteren Schenkel 20a ab
oder an dem oberen Schenkel 20b. Die Laufralle 25 befindet
sich an einem Ausfahrmechanismus 26. Bei dem vorliegenden
Ausführungsbeispiel
besteht der Ausfahrmechanismus 26 aus zwei Lenkergestängen 27,
die zu beiden Seiten der Schublade hinter der Rückwand 14 zwischen
den überstehenden
Seitenwänden 13 angeordnet
sind und deren Enden durch eine Querstange 28 verbunden
sind. Die Enden der Querstange 28 lagern die beiden Laufrollen 25.
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Die
Konstruktion des Lenkergestänges 27 ergibt
sich aus den 5 und 6, wobei 5 das Lenkergestänge in der Einzugsposition
EP und 6 das Lenkergestänge in der
Ausfahrposition AP zeigt. Das Lenkergestänge weist zwei Lenker 34,35 auf,
die als Kurbel (34) und Schwinge (35) bezeichnet werden
und die jeweils um eine Achse 34a,35a relativ
zu der rückwärtigen Verlängerung
der Seitenwand 13 in einer vertikalen Ebene, die parallel
zur Längsrichtung
der Schublade verläuft,
schwenkbar sind. Jeder dieser Lenker 34,35 ist
an dem entgegengesetzten Ende über
eine zweite Achse 34b,35b mit einer Koppel 36 verbunden.
Die Achsen 34b und 35b haben einen geringeren
Abstand voneinander als die Achsen 34a und 35a.
Die Koppel 36 ist über
die untere Achse 35b hinaus nach unten verlängert und trägt am unteren
Ende die Querstange 28, welche die Laufrollen 25 lagert.
Die Koppel 36 besteht hier aus zwei parallelen Platten,
welche die Enden der beiden Lenker 34,35 einschließen.
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Am
rückwärtigen Ende
der Führungsschiene 20 befindet
sich ein hinterer Anschlag 40 (3), der aus einem hochgebogenen Ende
des Schenkels 20a besteht. Dieser begrenzt den Laufweg
der Laufrolle 25 nach hinten (3).
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Am
vorderen Ende der Laufschiene 20 befindet sich ein vorderer
Anschlag 41, der aus einer Umbiegung des Schenkels 20b besteht
und der den Laufweg der Laufrolle 25 nach vorne begrenzt.
Unter dem Anschlag 41 ist in dem Schenkel 20a eine
Mulde 42 ausgebildet, die das Einsetzen der Laufrolle 25 in die
Führungsschiene 20 ermöglicht.
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Die
Einschubbewegung der Schublade wird durch elastische Puffer 43 begrenzt
(3) , die an der Vorderwand 15 befestigt
sind und gegen die Stützrollen 21 anschlagen.
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Wie
aus den 7 und 8 hervorgeht, ist der Ausfahrmechanismus 26 zwischen
der Einzugsposition EP und der Ausfahrposition AP bewegbar. In der Einzugsposition
EP sind die Lenkergestänge 27 zusammengefaltet,
so dass sich die Querstange 28 nahe der Rückwand 14 befindet.
Dies ist der Fall, wenn die Schublade im eingeschobenen Zustand
ist und die Rückwand 14 nahe
an der (nicht dargestellten) Schrankrückwand liegt. Wird die Schublade 11 dagegen
herausgezogen, so nehmen die Lenkergestänge 27 die in 8 dargestellte Auszugsposition ein,
in welcher die Koppeln 36 auslegerartig nach hinten abstehen
und die Laufrollen 25 innerhalb der Führungsschienen 20 nach
hinten verlagert sind, was insbesondere in 8 durch den Abstand A veranschaulicht
ist. Wie die untere Darstellung in 1 zeigt,
liegt die herausgezogene Schublade 11 mit ihrer Auszugsschiene 22 auf
der Stützrolle 21.
Das Herunterhängen
der Schubladen wird dadurch verhindert, dass die Laufrolle 25 von
unten gegen den oberen Schenkel 20b der Führungsschiene 20 drückt. Da die
Laufrolle 25 durch den Ausfahrmechanismus weit nach hinten
herausgestellt ist, kann die Schublade 11 nach vorne bis
zu dem Anschlag 44 (6)
herausgezogen werden, wobei sie durch die Laufrolle 25, die
von unten gegen den oberen Schenkel 20b der Führungsschiene 20 drückt, im
Gleichgewicht gehalten wird.
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In
der mittleren Darstellung von 1 ist
das Herausziehen der Schublade 11 dargestellt. Zunächst liegt
die Laufrolle 25 auf dem unteren Schenkel der Führungsschiene 20 auf. Überschreitet
der Schwerpunkt der Schublade die Stützrolle 21, neigt die
Schublade dazu, zu kippen. Dadurch wird die Laufrolle 25 gegen
den oberen Schenkel 20b der Führungsschiene 20 gedrückt. Durch
diese Gewichtsverlagerung folgt das Überwechseln in die Ausfahrposition
AP, die in 6 dargestellt
ist. Der Anschlag 41 dient als Sicherung. Wenn die Laufrolle bis
dahin nicht in der Ausfahrposition ist, wird sie spätestens
bei Erreichen des Anschlags 41 in die Ausfahrposition gebracht.
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Unter
Bezugnahme auf die 9 und 10 werden nun die kinematischen
Vorgänge
während des
Ausfahrens (9) und während des
Einfahrens (10) beschrieben.
Das Hebelgestänge
ist so ausgebildet, dass der Koppelpunkt 45, nämlich die Achse
der Querstange 28 und der Laufrollen 25, sich entlang
einer im wesentlichen geraden Linie 46 bewegt. Diese Linie
verläuft
unter einem spitzen Winkel α zur
Horizontalen H (9).
Wirkt nun unmittelbar nach der Schwerpunktsverlagerung vor die Stützrolle 21 eine
vertikale Kraft Fv auf die Laufrolle 25 ein,
so kann diese Kraft Fv zerlegt werden in
eine Kraftkomponente FP, die parallel zur
Linie 46 verläuft,
und eine Kraftkomponente FS, die senkrecht
zur Linie 46 verläuft.
Da sich der Koppelpunkt 45 nur entlang der Linie 46 bewegen
kann, wird die Kraft FS von dem Lenkergestänge 27 aufgenommen,
während
die Kraft FP die Laufrolle 25 nach
hinten (nach rechts) verschiebt.
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In 10 sind die Kräfteverhältnisse
für den umgekehrten
Fall dargestellt, dass die Schublade eingeschoben wird. Kurz nach
dem Wechsel des Schwerpunktes hinter die Stützrolle 21 drückt die Laufrolle 25 durch
das Schubladengewicht gegen den unteren Schenkel 20a, so
dass eine nach oben gerichtete Kraft auf die Laufrolle wirkt. Diese
vertikale Kraft Fv kann in die Komponenten
FS und FP zerlegt werden,
wobei ersichtlich ist, dass die Komponente Fp bestrebt ist, die
Laufrolle in die Einzugsposition (in 10 nach
links) zu drücken.
Wenn die Kraft hierfür nicht
ausreicht, erfolgt das Zurückstellen
in die Einzugsposi tion spätestens
bei Erreichen des hinteren Anschlags 40 ( 3) durch die Laufrolle 25.
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Die
Führungsschienen 20 sind
mit leichtem Gefälle
nach hinten montiert, so dass ein selbsttätiger Rücklauf erfolgt.