DE19817228C1 - Computer und Verfahren zur Auswertung von Daten aus der kernmagnetischen Resonanztomographie - Google Patents
Computer und Verfahren zur Auswertung von Daten aus der kernmagnetischen ResonanztomographieInfo
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Description
Die Erfindung betrifft einen Computer zur Auswertung von
Daten aus der kernmagnetischen Resonanztomographie, wobei die
Daten wenigstens zwei verschiedene Relaxationssignale einer
Probe enthalten.
Die Erfindung betrifft ferner einen Kernresonanztomographen
und ein Verfahren zum Auswerten von Daten aus der
kernmagnetischen Resonanztomographie, wobei
Relaxationssignale von wenigstens zwei verschiedenen
Zuständen einer Probe ermittelt werden.
Die Kernresonanztomographie (Nuclear Magnetic Resonance - NMR)
wird dazu eingesetzt, eine spektroskopische Information
über eine Substanz zu erhalten. Eine Kombination der
kernmagnetischen Resonanztomographie mit Techniken der
Magnetresonanz-Bildgebung (Magnetic Resonance Imaging -MRI)-Technik
ergibt ein räumliches Bild der chemischen
Zusammensetzung der Substanz.
Insbesondere in der medizinischen Forschung besteht ein
Bedürfnis, Informationen über die Gehirnaktivität oder im
weiteren Sinne Informationen über Blutfluß oder
Deoxyhämoglobinkonzentrationsänderungen in tierischen und
menschlichen Organen zu erlangen. Die neuronale Aktivierung
äußert sich in einer Zunahme des Blutflusses in aktivierten
Gehirnarealen, wobei es zu einer Abnahme der Blut-
Deoxyhämoglobinkonzentration kommt. Deoxyhämoglobin (DOH) ist
ein paramagnetischer Stoff, welcher die Magnetfeldhomogenität
verringert und damit die Signalrelaxation beschleunigt. Sinkt
die DOH-Konzentration aufgrund einer einen Blutfluß
auslösenden Gehirnaktivität, so wird die Signalrelaxation in
den aktiven Arealen des Gehirns moduliert. Angeregt werden in
erster Linie die Protonen des Wasserstoffes im Wasser. Eine
Lokalisation von Gehirnaktivität wird ermöglicht, indem eine
Untersuchung mit funktionalen NMR-Methoden angewendet wird,
welche das NMR-Signal mit einer Zeitverzögerung (Echo-Zeit)
messen. Dies wird auch als suszeptibilitätsempfindliche
Messung bezeichnet. Der biologische Wirkmechanismus ist in
der Literatur unter dem Namen BOLD-Effekt (Blood Oxygen Level
Dependent-Effekt) bekannt und führt bei
suszeptibilitätsempfindlichen magnetischen Resonanzmessungen
bei einer Feldstärke eines statischen Magnetfeldes von zum
Beispiel 1,5 Tesla bis zu ca. 10%igen Schwankungen der
Bildhelligkeit in aktivierten Hirnregionen. Anstelle des
endogenen Kontrastmittels DOH können auch andere
Kontrastmittel treten, die eine Änderung in der
Suszeptibilität hervorrufen. Durch NMR-Bildgebungsmethoden
werden Schichten oder Volumina selektiert, die unter dem
geeigneten Einstrahlen von Hochfrequenzimpulsen und dem
Anlegen von magnetischen Gradientenfeldern ein Meßsignal
liefern, welches digitalisiert und in einem zwei- oder
dreidimensionalen Feld im Meßcomputer gespeichert wird.
Aus den aufgenommenen Rohdaten wird durch eine zwei- oder
dreidimensionale Fourier-Transformation die gewünschte
Bildinformation gewonnen (rekonstruiert).
Ein rekonstruiertes Schichtbild besteht aus Pixeln, ein
Volumendatensatz aus Voxeln. Ein Pixel ist ein
zweidimensionales Bildelement, beispielsweise ein Quadrat.
Das Bild ist aus den Pixeln zusammengesetzt. Ein Voxel ist
ein dreidimensionales Volumenelement, beispielsweise ein
Quader, der - meßtechnisch bedingt - keine scharfen Grenzen
aufweist. Die Abmessungen eines Pixels liegen in der
Größenordnung von 1 mm2, die eines Voxels von 1 mm3. Die
Geometrien und Ausdehnungen können variabel sein.
Da aus experimentellen Gründen bei Schichtbildern niemals von
einer streng zweidimensionalen Ebene ausgegangen werden kann,
wird häufig auch hier der Begriff Voxel (= Volume element =
Volumenelement) verwendet, welcher berücksichtigt, daß die
Bildebenen eine Eindringtiefe in die dritte Dimension haben.
Durch Vergleich des gemessenen Signalverlaufs in jedem Pixel
mit dem zeitlichen Verlauf einer Modellfunktion, kann eine
Stimulus-spezifische neuronale Aktivierung detektiert und
räumlich lokalisiert werden. Ein Stimulus kann zum Beispiel
ein somatosensorischer, akustischer, visueller oder
olfaktorischer Reiz sowie eine mentale oder motorische
Aufgabe sein. Die Modellfunktion, beziehungsweise die Modell-
Zeitreihe, beschreibt die erwartete Signaländerung des
magnetischen Resonanzsignals infolge neuronaler Aktivierung.
Diese können zum Beispiel mittels empirischer Regeln aus dem
Paradigma des jeweiligen Experiments abgeleitet werden.
Wesentlich ist es, eine zeitliche Verzögerung der
Modellfunktion gegenüber dem Paradigma zu berücksichtigen
(träge Reaktion des Blutflusses auf neuronale Aktivierung).
Es ist bereits bekannt, wie Gehirnaktivierung durch
Aktivierungsbilder dargestellt werden kann, die aus
kernspintomographischen Daten gewonnen wurden. Die Berechnung
und Wiedergabe der Aktivierungsbilder ist sogar in Echtzeit
möglich, das heißt, ein Datensatz kann in ein Bild umgesetzt
werden, bevor der nächste Datensatz gemessen wird. Der
zeitliche Abstand beträgt dabei typischerweise 1 bis 3
Sekunden.
Eine derartige Berechnung und Wiedergabe der
Aktivierungsbilder in Echtzeit ist in der US-Patentschrift
5 657 758 beschrieben. Dieses Verfahren zeichnet sich dadurch
aus, daß es eine hohe zeitliche und räumliche Auflösung
ermöglicht.
Eine schnelle Magnetresonanz-Bildgebung (Magnetic Resonance
Imaging - MRI) und Magnetresonanzspektroskopie (Magnetic
Resonance Spectroscopy - MRS) machen es möglich,
Veränderungen in regionalen Blutvolumina und Blutzuständen
aktivitätsabhängig in vivo in Abhängigkeit von einer Anregung
zu untersuchen, siehe: S. Posse et. al.: Functional Magnetic
Resonance Studies of Brain Activation; Seminars in Clinical
Neuropsychiatry, Vol. 1, No. 1, 1996; S. 76-88.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die bekannten
Verfahren dahingehend weiter zu entwickeln, daß ein möglichst
hohes Signal-Rauschverhältnis erzielt wird.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß ein
gattungsgemäßer Computer so ausgestaltet wird,
- - daß der Computer mit wenigstens einem Auswertemittel arbeitet, das ein Unterschiedssignal aus wenigstens zwei verschiedenen Relaxationssignalen bildet, wobei ein zeitlicher Verlauf des Unterschiedssignals als eine Funktion U(t) ermittelt wird,
- - daß der Computer mit wenigstens einem Mittel zur Auswahl von zwei Zeiten arbeitet, wobei die Zeiten so auswählbar sind, daß das zwischen ihnen liegende Zeitintervall geringer ist als der zeitliche Verlauf des Unterschiedssignals und daß innerhalb des zwischen den Zeiten t1 und t2 liegenden Zeitintervalls ti ein Quotient aus dem Unterschiedssignal und einem oder mehreren Rauschsignalen einen gegenüber anderen Zeitintervallen erhöhten Wert hat
- - und daß der Computer eine Recheneinheit aufweist, durch welche der Wert der Funktion U(t) innerhalb des Zeitintervalls ti approximiert wird.
Die Erfindung sieht vor, einen Computer zu schaffen, mit dem
eine schnelle spektroskopische Bildgebungsmethode realisiert
wird, die Änderungen der NMR-Signalrelaxation mit einer
Zeitkonstante
an mehreren Zeitpunkten nach einer
Anregung ermittelt.
Bei der spektroskopischen Bildgebungsmethode handelt es sich
vorzugsweise um eine spektroskopische Echo-Planar-
Bildgebungsmethode, insbesondere um eine wiederholte
zweidimensionale Echo-Bildgebungsmethode, welche aus einer
wiederholten Anwendung einer zweidimensionalen Echo-Planar-
Bildkodierung besteht. Eine räumliche Kodierung erfolgt in
einem möglichst kurzen Zeitraum, welcher während eines
Signalabfalls mehrfach wiederholt wird und vorzugsweise 20
bis 100 ms beträgt. Durch die mehrfache Wiederholung der
Echo-Planar-Kodierung während eines Signalabfalls wird ein
Verlauf des Signalabfalls in der Abfolge von rekonstruierten
Einzelbildern dargestellt.
Eine Implementierung dieser besonders vorteilhaften
erfindungsgemäßen Methode wird als TURBO-PEPSI bezeichnet,
wobei PEPSI für Proton-Echo-Planar-Spectroscopic-Imaging
steht. Eine zweckmäßige konventionelle Echo-Planar-Methode
wird hingegen als EPI (Echo-Planar-Imaging) bezeichnet.
Die Anzahl der Bilder, welche während des Signalabfalls
kodiert werden, ist abhängig von der Relaxationszeit und der
Kodierungszeit Δt für ein Einzelbild.
Um Änderungen der Relaxation mit höchstmöglicher
Empfindlichkeit zu detektieren, wurde ein Kriterium für eine
optimale Wahl des Meßzeitfensters in Abhängigkeit von der
Relaxationszeitkonstanten, von der Kodierungszeit für ein
Einzelbild und von der Art der Datennachverarbeitung
gefunden.
Das Kriterium besteht in der Betrachtung eines
Unterschiedssignals zwischen verschiedenen
Relaxationszuständen.
Das Unterschiedssignal hat ein zeitliches Maximum, welches
bei kleinen Relaxationsänderungen nah der mittleren
Relaxationszeit liegt.
Bevorzugte Auswertemethoden, weitere Vorteile, Besonderheiten
und zweckmäßige Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich
aus der nachfolgenden Darstellung bevorzugter
Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand von
Beispielsrechnungen, Zeichnungen und einer Tabelle.
Von den Zeichnungen zeigt:
Fig. 1 ein experimentelles Unterschiedssignal einer
funktionalen Relaxationszeitänderung in einem
ausgewählten Bildelement in Abhängigkeit von der
Meßzeit nach einer Signalanregung,
Fig. 2 eine relative, skalierte Erhöhung des Kontrast-
Rausch-Verhältnis CNRN gegenüber dem Kontrast-
Rausch-Verhältnis CNR1 einer Einzelmessung für
verschiedene Auswertemethoden in Abhängigkeit von
den Messungen,
Fig. 3 in einem ersten Teilbild A eine Detektion von
Hirnaktivierung in vier Schritten mittels einer
konventionellen Bildgebungsmethode und in Teilbild
B eine Detektion von Hirnaktivierung mit Hilfe
eines erfindungsgemäßen Verfahrens,
Fig. 4 einen mittleren Korrelationskoeffizienten in einem
aktivierten Hirnareal, insbesondere im visuellen
Kortex, für TURBO-PEPSI in Abhängigkeit von dem
Bereich der summierten Echosignale und für das T2*-Bild,
das von den TURBO-PEPSI Daten erhalten wurde
sowie einen Vergleich mit einer konventionellen
Echo-Planar-(EPI)-Methode,
Fig. 5 eine Anzahl von aktivierten Pixeln mit einem
Korrelationskoeffizienten rmin von wenigstens 0,7 im
visuellen Kortex für TURBO-PEPSI als Funktion des
Bereichs der summierten Echo-Signale und für das
T2*-Bild, das von den TURBO-PEPSI Daten erhalten
wurde sowie einen Vergleich mit einer
konventionellen Echo-Planar-(EPI)-Methode.
Die Tabelle zeigt eine Zusammenfassung von experimentellen
Beispieldaten.
Die Erfindung sieht insbesondere vor, ein Unterschiedssignal
zu verschiedenen Zeitpunkten zu detektieren. Diese Zeitpunkte
liegen innerhalb eines Zeitintervalls ti.
Insbesondere handelt es sich um ein Unterschiedssignal
zwischen einer Relaxationskurve in einem angeregten Zustand
und einer Relaxationskurve in einem Grundzustand.
Beispielhaft ist ein Unterschiedssignal (vertikale Achse)
zwischen einer funktionalen Relaxationzeitänderung im
menschlichen Gehirn in einem ausgewählten Bildelement im
visuellen Kortex während einer visuellen Stimulation in
Abhängigkeit von der Meßzeit nach Signalanregung (horizontale
Achse) gemessen mittels schneller spektroskopischer
Bildgebung in Fig. 1 dargestellt. Hierbei handelt es sich um
einen besonders einfachen Fall, bei dem das
Unterschiedssignal durch ein Differenzsignal aus einem
Relaxationssignal während einer Aktivierung und einem
Relaxationssignal während eines Ruhezustands gebildet wird.
Der Begriff "Unterschiedssignal" ist jedoch in keiner Weise
auf Differenzsignale beschränkt, sondern beinhaltet ebenso
wie der Begriff "Unterschiedsfunktion" alle Fälle, in denen
Unterschiede zwischen Meßkurven erfaßt oder ausgewertet
werden.
Unter der Annahme eines exponentiellen Abfalls der
Relaxationskurven ergibt sich für das in Fig. 1 dargestellte
Unterschiedssignal ΔS (t):
ΔS (t) = S0(e-tt/T2*(a)-e-t/T2*(b)) (1)
wobei T2*(a) und T2*(b) Relaxationszeitkonstanten in einem
aktivierten Zustand (a) und in einem Grundzustand (Baseline
State - b) sind und wobei S0 eine Ausgangssignalintensität
bezeichnet.
Unter der Annahme einer geringen Änderung der Relaxationszeit
ΔT2* ist die Signaldifferenz ΔS(t):
wobei T2* die Relaxationszeit im Basiszustand bezeichnet.
Es entsteht eine im wesentlichen glockenförmige Kurve, die
ein Maximum bei t = T2* hat. Bei einer bevorzugten
Meßfeldstärke von ungefähr 1,5 Tesla nimmt t einen typischen
Wert von ungefähr 70 ms ein.
Das Maximum beträgt:
Eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung sieht vor,
davon auszugehen, daß es sich bei den Rauscheffekten um ein
sogenanntes weißes, thermisches Rauschen mit einem nahe Null
liegendem Mittelwert und einer Standardabweichung σ handelt.
Die Erfindung schlägt verschiedene bevorzugte
Durchführungsformen für das Auswerteverfahren vor, um
gegenüber einer Einzelpunktmessung ein erhöhtes Signal-
Rausch-Verhältnis zu erzielen. Während bei einer
Einzelmessung das Kontrast-Rausch-Verhältnis (Contrast Noise
Ratio CNR) der Formel
entspricht, kann bei den erfindungsgemäßen
Durchführungsformen des Auswerteverfahrens ein erhöhtes
Kontrast-Rausch-Verhältnis erzielt werden.
Eine erste Ausführungsform eines erfindungsgemäßen
Auswerteverfahrens sieht vor, für N Zeitpunkte den gemessenen
Effekt zu summieren und ein Durchschnittssignal zu bilden.
Das Durchschnittssignal ergibt ein gutes Maß für S0T2*. Unter
der Annahme von äquidistanten Meßintervallen Δt für jede
einzelne Meßwertaufnahme und gleiche Rauschstärke in jedem
Punkt gilt für das aufsummierte Signal (t = i × Δt):
wobei die Ungleichungen Δt << T2* (6) und N << 1 (7) benutzt
werden.
Eine vergleichsweise geringe Änderung in T2, wie sie
beispielsweise bei einer Blutoxidation (BOLD-Effekt/Blood
Oxygen Level Dependent-Effekt) auftritt, äußert sich in dem
nachfolgend wiedergegebenen Kontrast C:
wobei x wie folgt definiert wird:
Die Rauscheffekte in dem aufsummierten Signal nach Formel 8
haben die Standardabweichung:
√ 2Nσ (10).
Das Kontrast-Rausch-Verhältnis ergibt sich wie folgt
Wie sich beispielsweise aus Fig. 2 ergibt, hat das Kontrast-
Rausch-Verhältnis bei x = 3.2 ein Maximum. In Fig. 2 ist das
Kontrast-Rausch-Verhältnis CNR in Abhängigkeit von der Länge
der Meßzeit nach Signalanregung Tmax, der Relaxationsrate R2 =
1/T2* und einer Kodierzeit Δt für verschiedene
Datenauswertungsverfahren: Summierung der Einzelmessungen
(Summation), exponentiell gewichtete Summation (Exponentially
Weighted Summation), optimal gewichtete Summierung (Weighted
Summation, Weighted Filter) sowie für eine Kurvenanpassung
(Fitting) dargestellt.
Ein maximales Kontrast-Rausch-Verhältnis läßt sich erzielen,
wenn die Messungen bis zu der Zeit
Tmax = NΔt = 3.2T2* (12)
durchgeführt werden.
Für ein entsprechend gewähltes N ist das Kontrast-Rausch-
Verhältnis maximal und beträgt gemäß der Formel:
maximal 0,46.
Zu einer weiteren Erhöhung des Kontrast-Rausch-Verhältnisses
ist es zweckmäßig, eine gewichtete Summation des Signals
gemäß Gleichung 14 vorzunehmen.
Vorzugsweise wird in Formel 14 ein Wichtungsfaktor w(tN)
gemäß Formel 15 eingesetzt.
w(tn) = R2tn.e-R2.tn (15).
Hierbei geht in den Wichtungsfaktor w(tN) eine erwartete
Relaxationsrate in einer zu untersuchenden Probe ein. Dabei
handelt es sich vorzugsweise um die mittlere Relaxationsrate
in der untersuchten Probe.
Für das Kontrast-Rausch-Verhältnis ergibt sich die
nachfolgende Formel:
Bei dieser Variante des erfindungsgemäßen Auswerteverfahrens
nimmt die Erhöhung des Signal-Rausch-Verhältnises bei der
Mehrpunktmessung einen besonders hohen Wert von 1,4 ein. Die
Meßzeit beträgt wiederum vorzugsweise 3.2 T2*. Durch eine
derartige gewichtete Summation ist es somit möglich, ein noch
besseres Resultat für das Kontrast-Verhältnis zu erzielen als
bei einer konventionellen Summation.
Eine weitere Variante des Auswerteverfahrens besteht darin,
daß eine Anpassungsprozedur (Fit-Verfahren) durch Anpassung
der Relaxationskurve an exponentiell abfallende Kurven
vorgenommen wird.
Nachfolgend wird die Vorteilhaftigkeit der erfindungsgemäßen
Auswertemethode anhand einer Betrachtung zur Theorie der
Rauscheffekte und anhand von Experimenten dargestellt.
Das Gesamtsignal Sr(tn) ergibt sich wie folgt:
Sr(tn) = S0e-R2.tn + gr(tn) + hr(tn) (17)
Hierbei bezeichnet S0e-R2.tn das reine Signal, gr(tn) ein
weißes Rauschen und hr(tn) einen Einfluß von physiologischen
Störsignalen der zu untersuchenden Probe, wobei es sich
vorzugsweise um Signale mit einer niedrigen Frequenz handelt.
Der Index r nimmt dabei Werte von 1 bis NR an und bedeutet
die Anzahl der Wiederholungen der Relaxationsmessungen; der
Index n nimmt Werte von 1 bis N an und zählt die Anzahl der
Echosignale während einer Relaxationsmessung.
Um aus diesem gemessenen Signal eine Änderung der Relaxation
in Abhängigkeit von einer Gehirnaktivierung zu extrahieren,
sind verschiedene, anhand der nachfolgenden Formeln
erläuterte, Ansätze möglich:
Bei einer Summation über die Echosignale ergibt sich
während sich bei einer gewichteten Summation die Formel
ergibt, wobei gilt
w(tn) = R2tn.e-R2.tn (20).
Ein weiteres Verfahren ist ein Fit-Verfahren, wie es anhand
der nachfolgenden Formel dargestellt ist:
Sr = {s0r, R2r} ⇐ Sr(tn) ≈ s0e-R2.tn (21).
Wie bei den allgemeinen Überlegungen kann auch hier davon
ausgegangen werden, daß der Mittelwert des weißen Rauschens
gleich Null ist oder nahe Null liegt. Das Kontrast-Rausch-
Verhältnis (Contrast-to-Noise Ratio-CNR) ergibt sich aus ΔS
dividiert durch das Gesamtrauschen. Im Anschluß erfolgt eine
Ermittlung des Unterschiedswertes für mindestens zwei
Messungen.
Gemäß einer anderen bevorzugten Ausführungsform der Erfindung
wird für jedes einzelne Echosignal eine Korrelationsanalyse
über mehrere, zeitlich nacheinander erfolgende,
Relaxationsmessungen durchgeführt. Die Korrelationsanalyse
erfolgt auf bekannte Weise, wobei eine Durchführung gemäß des
Artikels von Peter A. Vandettini et al. in: Magnetic Reonance
in Medecine, Bd. 30, S. 161-173, 1993, auf den vollinhaltlich
Bezug genommen wird, besonders zweckmäßig ist.
Der Erwartungswert für den Korrelationskoeffizienten
(correlation coefficient c.c.) beträgt
wobei
ist.
Der Korrelationskoeffizient c.c. weist eine
Standardabweichung
auf. Daran anschließend erfolgt eine Kombination der
Korrelationskoeffizienten, beispielsweise durch eine
Mittelung.
Eine experimentelle Überprüfung des erfindungsgemäßen
Auswerteverfahrens erfolgte anhand von
kernspintomographischen Untersuchungen des Gehirns von
Versuchspersonen. In unmittelbarer Nähe des Gesichts der
Versuchspersonen wurde eine Lichtquelle, insbesondere eine
Matrix von Lumineszenzdioden (Light Emitting Diode LED)
positioniert und zu Signalblitzen angeregt. Die
Anregungsfrequenz liegt bei 8 Hz. Ein Einwirken der
Signalblitze erfolgt über ein mit einem Trägersignal eines
Scanners synchronisiertes Zeitintervall von mehreren
Sekunden, beispielsweise 5 Sekunden, an das sich ein etwa
gleichlanges Ruheintervall anschließt. Bei dem Scanner
handelt es sich um einen Vision 1,5 Tesla Gesamtkörperscanner
der Siemens Medical Systems, Erlangen, in Standardausrüstung
mit einem Magnetfeldgradienten von 25 mT/m. Ein derartiger
Scanner ist in der Lage, Gradientenfelder innerhalb von etwa
300 µs umzuschalten.
Als spektroskopische Bildgebungsmethode wurde TURBO-PEPSI
(Proton-Echo-Planar-Spetroscopic-Imaging) eingesetzt.
Eine Datenanpassung erfolgt gemäß der Exponentialfunktion:
S = S0e(-TE/T2*) (25),
wobei ein nicht linearer Least-square-Fit eingesetzt wird.
Von Voxeln, in denen die Signalintensität beim ersten Echo
einen Wert von 10% der im gesamten Bild gemessenen maximalen
Signalamplitude überschritt und wo der
Korrelationskoeffizient zwischen den gemessenen Daten und den
gefitteten Daten 0,95 überschritt, wurden parametrische
Bilder von T2*, der Ausgangssignalamplitude S0 und von χ2
gebildet.
In den anderen Voxeln wurden diese Parameter zu 0 gesetzt.
Durch den Einsatz dieser Kriterien wurden mit Ausnahme der
Ventrikel in allen Gehirnregionen exzellente Anpassungen der
gefitteten Daten an die experimentellen Resultate erzielt. In
den meisten Voxeln überschritt der Korrelationskoeffizient
den Wert von 0,99.
Alternativ werden die Echos jeder Relaxationsmessung
gemittelt und darauffolgend wird sowohl für die
parametrischen Bilder als auch für die gemittelten Bilder
eine Korrelationsanalyse durchgeführt.
Die Experimente zeigten ausgedehnte Aktivierungsbereiche des
primären visuellen Kortex (V1) sowie in angrenzenden Regionen
(V2) des visuellen Kortex.
Der mittlere Korrelationskoeffizient in dieser Region (V1,
V2) und die Anzahl der gemittelten Echosignale sind in Fig. 4
in einem Vergleich zu einer konventionellen EPI-Methode
dargestellt.
In Fig. 5 ist die Anzahl der aktivierten Pixel mit einem
Korellationskoeffizienten von mindestens 0,7 in Abhängigkeit
von der Anzahl der gemittelten Echosignale dargestellt.
Eine Zusammenfassung der experimentellen Ergebnisse aus den
Bildern 4 und 5 findet sich in der auf Seite 19
wiedergegebenen Tabelle.
Durch die Erfindung wird ein Computer zur Auswertung von
Daten aus der kernmagnetischen Resonanztomographie, ein mit
dem Computer ausgestatteter Kernresonanztomograph sowie ein
Verfahren zur Auswertung von Daten aus der kernmagnetischen
Resonanztomographie geschaffen.
Die Erfindung ist mit einer Vielzahl von Vorteilen verbunden.
Hierzu gehört eine Optimierung der Meßempfindlichkeit für
eine quantitative Messung der Relaxationszeit und der
qualitativen Relaxationszeitänderung. Hierdurch ist es
möglich, eine Bildgebung mit höchstmöglicher Bandbreite
(kürzester Kodierungszeit) für geringstmögliche räumliche
Verzerrung zu verwenden und durch eine Messung einer
optimalen Zahl von Kodierungen nach Signalanregung eine
maximale Meßempfindlichkeit zu erzielen.
Das Auswerteverfahren kann in Echtzeitmessungen eingesetzt
werden und die Relaxationsänderungen dort analysieren.
Ferner sind die erfindungsgemäßen Auswertungsverfahren
besonders vielseitig. Es hat sich als zweckmäßig
herausgestellt, eine Summation oder, was noch vorteilhafter
ist, eine gewichtete Summation einzusetzen, was gegenüber
einer Kurvenanpassung mit einer größeren Geschwindigkeit und
ohne Verlust an Meßempfindlichkeit erfolgen kann. Eine
Summation beziehungsweise eine gewichtete Summation haben den
Vorteil, daß sie ein besonders robustes Auswerteverfahren
darstellen.
Außerdem ist es mit Hilfe der Erfindung möglich, bei allen
Meßfeldstärken, insbesondere bei Meßfeldstärken von 0,1 Tesla
bis 15 Tesla, eine optimale Anpassung der Meßempfindlichkeit
zu erzielen, indem beispielsweise die Anzahl der Echosignale
in Abhängigkeit der intrinsischen Relaxationzeit gewählt
wird, wobei die Anzahl vorzugsweise gemäß Formel 12 gewählt
wird.
Bei allen Versuchspersonen zeigte sich eine starke
Aktivierung im primären visuellen Kortex (V1) und in
benachbarten Bereichen. Die beobachteten Änderungen im mit
TURBO-PEPSI gemessenen funktionalen Signal reichten von 3 bis
20% abhängig von der Echo-Zeit, der Lage und von der
jeweiligen Versuchsperson. Die Anregung hat ein Maximum in der
Nähe von TE = T2*. Bei einem Vergleich von EPI und TURBO-
PEPSI-Bildern mit TE = 72,5 ms wurden sehr ähnliche
Aktivierungsbilder ermittelt.
Bei einem Einsatz einer Korrelationsgrenze von 0,4 konnten
auch kleinere Signaländerungen bei Echo-Zeiten von
beispielsweise 12,5 ms bis 228 ms detektiert werden. Eine
Mittelwertbildung der Korrelationsbilder reduziert die
Intensität von Rausch-Effekten im Vergleich zu EPI. Die
räumliche Ausdehnung der Aktivierungszone und der erhöhten
Korrelationskoeffizienten im visuellen Kortex erhöhen sich
mit der Anzahl der aufsummierten Echos, wie es sich aus den
Fig. 4 und 5 ergibt. Bei Experimenten mit längerer
Anregungsdauer (7 bis 12 Sekunden) werden größere
Korrelationskoeffizienten als in Messungen mit kürzeren
Anregungsdauern (beispielsweise 3 Sekunden) erhalten. Bei den
ersten ergeben sich Bilder mit ähnlichen
Korrelationskoeffizienten und Aktivierungszonen wie in den
T2*-Bildern - siehe Fig. 4, Fig. 5. Es zeigt sich, daß ein
besonders hoher Empfindlichkeitsgewinn durch eine Summierung
der ersten, vorzugsweise der ersten 6 bis 10, insbesondere
der ersten 8 Echo-Signale entsprechend dem Plateau der CNR-
Kurve in Fig. 2 erzielt werden kann.
Der Empfindlichkeitsgewinn ist insbesondere für
Echtzeitmessungen vorteilhaft, weil auch bei wenigen
Meßwerten eine Änderung der Relaxation wirksam ermittelt
werden kann. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß durch
Multiecho-Erfassung des Unterschiedssignals eine optimale
Empfindlichkeit bei beliebigen Magnetfeldstärken erzielt
wird.
Außerdem ist die Erfindung sowohl bei Echo-Planar-Bildgebung
(Echo-Planar-Imaging EPI), bei phasenkodierten
Bildgebungsmethoden als auch bei spektroskopischen
Bildgebungsmethoden einsetzbar.
Durch eine erfindungsgemäße Erhöhung der Meßempfindlichkeit
um etwa 40% bis 140% wird in einer Vielzahl von
Anwendungsbereichen, beispielsweise bei einer kognitiven oder
visuellen Aktivierung des menschlichen Gehirns, eine
deutliche Erhöhung der Meßempfindlichkeit erzielt.
Die dargestellten Beispiele erläutern den Computer sowie das
Auswerteverfahren anhand von NMR-Messungen am menschlichen
Gehirn. Selbstverständlich können sowohl der Computer als
auch der Kernresonanztomograph ebenso wie das
Auswerteverfahren auch zur Untersuchung von anderen Proben
lebenden oder nicht lebenden Materials eingesetzt werden.
Claims (10)
1. Computer zur Auswertung von Daten aus der
kernmagnetischen Resonanztomographie, wobei die Daten
wenigstens zwei verschiedene Relaxationssignale einer
Probe enthalten, dadurch ge
kennzeichnet,
- - daß der Computer mit wenigstens einem Auswertemittel arbeitet, das ein Unterschiedssignal aus wenigstens zwei verschiedenen Relaxationssignalen bildet, wobei ein zeitlicher Verlauf des Unterschiedssignals als eine Unterschiedsfunktion U(t) ermittelt wird,
- - daß der Computer mit wenigstens einem Mittel zur Auswahl von zwei Zeiten arbeitet, wobei die Zeiten so auswählbar sind, daß das zwischen ihnen liegende Zeitintervall ti geringer ist als der zeitliche Verlauf des Unterschiedssignals und daß innerhalb des zwischen den Zeiten t1 und t2 liegenden Zeitintervalls ti ein Quotient aus dem Unterschiedssignal und einem oder mehreren Rauschsignalen einen gegenüber anderen Zeitintervallen erhöhten Wert hat
- - und daß der Computer eine Recheneinheit aufweist, durch welche der Wert der Unterschiedsfunktion U(t) innerhalb des Zeitintervalls ti approximiert wird.
2. Computer nach Anspruch 1, dadurch ge
kennzeichnet, daß er ein Mittel zur
Auswertung der Unterschiedsfunktion als Kontrast C
enthält.
3. Computer nach einem der Ansprüche 1 oder 2, da
durch gekennzeichnet,
daß die Recheneinheit Relaxationssignale gemäß der
Formel
berechnet, wobei Sr(tn) ein Gesamtsignal bezeichnet.
berechnet, wobei Sr(tn) ein Gesamtsignal bezeichnet.
4. Computer nach einem der Ansprüche 1 oder 2, da
durch gekennzeichnet,
daß die Recheneinheit Relaxationssignale gemäß der
Formel
berechnet, wobei gilt
w(tn) = R2tn.e-R2.tn ,
wobei Sr(tn) ein Gesamtsignal bezeichnet und wobei w(tN) ein Wichtungsfaktor ist, in den eine erwartete Relaxationsrate einer zu untersuchenden Probe eingeht.
berechnet, wobei gilt
w(tn) = R2tn.e-R2.tn ,
wobei Sr(tn) ein Gesamtsignal bezeichnet und wobei w(tN) ein Wichtungsfaktor ist, in den eine erwartete Relaxationsrate einer zu untersuchenden Probe eingeht.
5. Computer nach einem der Ansprüche 1 oder 2, da
durch gekennzeichnet,
daß die Recheneinheit Relaxationssignale gemäß der
Formel
Sr = {s0r, R2r} ⇐ Sr(tn) ≈ s0e-R2.tn
berechnet, wobei s0e-R2.tn ein reines Signal und Sr(tn) ein Gesamtsignal bezeichnet.
Sr = {s0r, R2r} ⇐ Sr(tn) ≈ s0e-R2.tn
berechnet, wobei s0e-R2.tn ein reines Signal und Sr(tn) ein Gesamtsignal bezeichnet.
6. Computer nach einem der Ansprüche 1 bis 5, da
durch gekennzeichnet,
daß die Recheneinheit die Unterschiedsfunktion gemäß der
Formel
berechnet, wobei Ur(tn) ein Unterschiedssignal bezeichnet und wobei gilt w(tn) = R2tn.e-R2.tn und wobei w(tN) ein Wichtungsfaktor ist, in den eine erwartete Relaxationsrate einer zu untersuchenden Probe eingeht.
berechnet, wobei Ur(tn) ein Unterschiedssignal bezeichnet und wobei gilt w(tn) = R2tn.e-R2.tn und wobei w(tN) ein Wichtungsfaktor ist, in den eine erwartete Relaxationsrate einer zu untersuchenden Probe eingeht.
7. Computer nach einem der Ansprüche 1 bis 5, da
durch gekennzeichnet,
daß die Recheneinheit die Unterschiedsfunktion gemäß der
Formel
berechnet, wobei Ur(tn) ein Unterschiedssignal bezeichnet.
berechnet, wobei Ur(tn) ein Unterschiedssignal bezeichnet.
8. Kernresonanztomograph, dadurch ge
kennzeichnet, daß er wenigstens einen
Computer nach einem der Ansprüche 1 bis 7 enthält.
9. Verfahren zur Auswertung von Daten aus der
kernmagnetischen Resonanztomographie, wobei
Relaxationssignale von wenigstens zwei verschiedenen
Zuständen einer Probe ermittelt werden, da
durch gekennzeichnet,
- - daß ein Unterschiedssignal aus verschiedenen Relaxationssignalen gebildet wird,
- - daß ein zeitlicher Verlauf des Unterschiedssignals als eine Funktion U(t) ermittelt wird und daß zwei Zeiten ausgewählt werden, wobei die Auswahl der Zeiten t1 und t2 so erfolgt, daß in einem zwischen ihnen liegenden Zeitintervall ti ein Verhältnis zwischen dem Unterschiedssignal und einem oder mehreren Rauschsignalen größer ist als in anderen Zeitintervallen
- - und daß innerhalb des Zeitintervalls ti der Wert der Unterschiedsfunktion U(t) ermittelt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch
gekennzeichnet, daß das Verfahren
mehrfach durchgeführt wird, wobei die Werte für t1 und
t2 anhand von einem oder mehreren vorherigen
Verfahrensdurchläufen derart variiert werden, daß das
Verhältnis zwischen dem Unterschiedssignal und dem
Rauschsignal möglichst groß ist.
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