DE19800277A1 - Verfahren zur Rückgewinnung von Arzneistoffen aus Zubereitungen, deren Vorprodukten oder Abfällen - Google Patents
Verfahren zur Rückgewinnung von Arzneistoffen aus Zubereitungen, deren Vorprodukten oder AbfällenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Rückgewinnung von
Arznei- oder Wirkstoffen aus Zubereitungen, deren Vorpro
dukten oder Abfällen, insbesondere in Form von flächigem
Ausgangsmaterial, enthaltend abhäsiv ausgerüstete Folie
und wirkstoffhaltiges Gut.
Hierfür kommen besonders Wirkstoffe aus ungebrauchten bzw.
abgelegten Vorrichtungen zur transdermalen Applikation von
Wirkstoffen in Betracht und/oder deren Produktionsabfälle,
wobei die darin enthaltenen Wirkstoffe üblicherweise in
Verbindung mit Polymerfilmen oder Polymerfolien vorliegen.
Vorrichtungen zur transdermalen Applikation können in zwei
Kategorien unterteilt werden:
- a) Systeme, die Wirkstoffe durch passive Diffusion an die Haut bzw. den Organismus abgeben und
- b) Systeme, die Wirkstoffe unter der Wirkung bzw. mit Un terstützung von elektrischen Strömen an die Haut bzw. den Organismus abgeben.
Systeme, die auf passiver Diffusion beruhen, sind sogenann
te transdermale therapeutische Systeme (TTS).
Sie können weiter unterteilt werden in sogenannte Matrix-
und Reservoirsysteme.
In Matrixsystemen ist Wirkstoff in Polymerfilmen gelöst
oder teilweise kristallin bzw. in Form von Mikrokapseln
suspendiert. Solche Systeme bestehen deshalb im einfachsten
Fall aus einer für Wirkstoff undurchlässigen Rückschicht,
einer wirkstoffhaltigen und bevorzugt selbstklebenden Ma
trix und einer vor Gebrauch zu entfernenden Schutzfolie.
Reservoirsysteme enthalten Wirkstoff in einem flüssigen Re
servoir. Er kann dabei komplett oder nur zum Teil gelöst
vorliegen. Im einfachsten Fall bestehen solche Systeme aus
einer für die sich im Reservoir befindenden Substanzen un
durchlässigen Rückschicht und einer zumindest für Wirkstoff
durchlässigen Membran, die bevorzugt mit einem Kleberfilm
zur Befestigung des Systems auf der Haut ausgestattet ist.
Systeme, die den Wirkstoff unter Anwendung von elektrischem
Strom an die Haut bzw. den Organismus abgeben, können sehr
unterschiedlich aufgebaut sein. Sie werden besonders einge
setzt für Wirkstoffe, die aufgrund ihrer chemisch-physika
lischen Eigenschaften nicht in genügender Menge durch pas
sive Diffusion die Haut durchdringen können.
In jedem getragenen TTS verbleibt ein nicht verbrauchter
Anteil Wirkstoff. Solche wirkstoffhaltigen Abfälle stellen
ein toxikologisches bzw. ökologisches Risiko dar und sind
daher als Sondermüll nur mit äußerst hohen Kosten zu ent
sorgen. Andererseits enthalten diese Abfälle aus medizini
schen Zubereitungen stammende, teure und wertvolle Inhalts
stoffe bzw. Wirkstoffe, deren Rückgewinnung wirtschaftlich
sinnvoll erscheint. Die hierbei zu berücksichtigenden wirt
schaftlichen Erwägungen fallen auch deshalb zugunsten der
Rückgewinnung von Wirkstoffen aus, weil das vom Wirkstoff
weitgehend befreite Trägermaterial nicht als Sondermüll
gilt und somit kostengünstig entsorgt werden kann.
Aus dem Stand der Technik ist eine Vielzahl von Recycling-
Verfahren bekannt, insbesondere auch von Abfällen mit kleb
stoffbeschichtetem Folienmaterial.
Die DE-OS 42 21 681 beschreibt ein Recycling-Verfahren von
Polyethylen-, Polypropylen- oder Polystyrolklebern auf Eti
kettenabfällen.
Die DE-OS 40 37 562 beschreibt ein Recycling von klebstoff
beschichteten Plastikfilmen durch wiederholtes Kneten in
Lösemittel, Abtropfenlassen in einem Schneckenförderer und
mehrfaches Passieren verbleibenden Materials durch die
gleiche Prozedur. Daraus ist auch ein Verfahren zum Recy
cling von mit Klebstoff beschichteten und in Schnitzelform
vorliegenden Kunststoff-Folien durch Trennen des Kunst
stoffmaterials und des Klebstoffs bekannt. Dabei werden in
einer ersten Stufe die Folienschnitzel in einem Lösungs
mittel für Klebstoff zum Dispergieren des an den Folien
schnitzeln haftenden Klebstoffs mit dem Lösungsmittel für
eine vorbestimmte Zeitdauer unter mechanischer Einwirkung
bewegt. Danach erfolgt ein Trennen des im Lösungsmittel
dispergierten Klebstoffs von den Folienschnitzeln durch me
chanische Krafteinwirkung. Den aus der ersten Stufe ausge
tragenen Folienschnitzeln wird in einer zweiten, gleichar
tigen Stufe frisches Lösungsmittel zugeführt und die Lö
sungsmittel-Kleberdispersion der zweiten Stufe wird der er
sten Stufe zugeführt.
In der DE-OS 195 24 083 ist ein Recycling-Verfahren für TTS
beschrieben, bei dem Wirkstoff in einem Lösungsmittel in
Lösung gebracht und aus diesem wiedergewonnen wird. Die Of
fenbarung beschränkt sich jedoch auf die Ausführung, daß
die der Erfindung zugrundeliegenden Verfahren dem Fachmann
bekannt sind. Ferner legt dieses Dokument dem Fachmann na
he, die TTS einer Vorbehandlung zu unterziehen, um Träger
und/oder Schutzfolien-Verpackungsmaterial etc. auszusortie
ren.
Der Erfindung liegt ausgehend hiervon die Aufgabe zugrunde,
ein Verfahren aufzuzeigen, mit dem es in wirtschaftlich
vertretbarer Weise gelingt, Abfälle medizinischer Zuberei
tungen und insbesondere ungebrauchte bzw. nach dem Tragen
abgelegte Vorrichtungen zur transdermalen Applikation von
Wirkstoffen, sogenannte TTS, zur Rückgewinnung darin ent
haltener Wirkstoffe auf zubereiten.
Die Lösung der Aufgabe gelingt bei einem Verfahren nach An
spruch 1 entsprechend den dort angeführten Arbeitsschritten
und Maßnahmen. Das Verfahren ist umweltfreundlich, mit
wirtschaftlichen Mitteln durchführbar und ermöglicht einer
seits die Gewinnung wertvoller Rohwirkstoffe und anderer
seits eine von Inhaltsstoffen weitgehend befreite, umwelt
neutrale und daher problemlos entsorgbare Fraktion von
Rückständen aus Feststoffen bzw. Trägerstoffen.
Die Trägermaterialien bzw. Rückstände aus dem Verfahren
können nach bekannten Methoden weiter recycelt und entsorgt
werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren vermeidet kostenträchtige
Verfahrensschritte wie z. B. die Aufbereitung der Mate
rialien in einer Vorbehandlung durch Sortieren und Trennen
in sortenreine Fraktionen, wobei Fremdstoffe wie Träger-
und/oder Schutzfolien aussortiert und die wirkstoffhaltige
Substanz konzentriert wird. Die Trennung erfolgt erfin
dungsgemäß mittels vollständiger Lösung der Wirkstoffe. Ei
ne kostenintensive Zerkleinerung, etwa durch einen Schred
der, ist nicht erforderlich, was aufgrund der Haftkleberei
genschaften selbst nach Versprödung problematisch ist. Die
Auflösung und damit die Voraussetzung für die Extraktion
von Wirkstoff erfolgt vielmehr in einer Flüssigkeit.
Für die Gewinnung des Wirkstoffs aus der Lösung ist mit
Vorteil vorgesehen, daß diese durch Fällen durchgeführt
wird.
Bei Extraktion der Wirkstoffe mit Lösemittel bzw. Lösemit
telgemischen bietet es sich an, für basische Wirkstoffe
Wasser mit einem sauren pH bzw. eine sauer eingestellte
Wassermischung zu verwenden und umgekehrt für saure Wirk
stoffe einen basischen pH-Wert einzustellen. Besonders ge
eignet sind anorganische Säuren oder Basen, insbesondere
1%ige wäßrige Lösungen von Schwefelsäure oder Natronlauge,
da diese Stoffe nicht flüchtig sind. Die Verwendung von
weitgehend wäßrigen Lösemitteln hat darüber hinaus noch den
Vorteil, daß weitgehend lipophile Hilfsstoffe nur zu einem
geringen Teil mitextrahiert werden.
Nach Abfiltrieren von Folien werden die Wirkstoffe durch
pH-Wert-Verschiebung gefällt. Die erhaltene Lösung wird ab
filtriert und der Arzneistoff wird über Salzbildung
und/oder Umkristallisieren gereinigt.
Das Verfahren ist zweckmäßig, wirtschaftlich vorteilhaft
und erfüllt in optimaler Weise die eingangs gestellte Auf
gabe.
Durch Wahl der Verfahrensparameter können insbesondere
Wirkstoffe mit hormonartiger Wirkung, Estradiol, Estradiol
derivate, Gestagene, Gestagenderivate oder ihre Gemische,
Morphin- oder Morphinderivate, Buprenorphin, Physostigmin,
Scopolamin, Galanthamin wiedergewonnen werden. Die wieder
gewonnenen Stoffe können dann erneut je nach ihrer pharma
zeutischen Wirkung als Schmerzmittel sowie zur Behandlung
seniler Demenz, von Bluthochdruck, Arrhythmien, Gefäßkrank
heiten, Suchtkrankheiten, erhöhten Blutfettspiegeln, seeli
schen Störungen, zur Beeinflussung der Blutgerinnung, von
Eßstörungen oder von Störungen des Zuckerstoffwechsels ver
wendet werden. Die Erfindung wird durch folgende Beispiele
erläutert:
10 m2 Laminat, bestehend aus einer 100 µm dicken, silikoni
sierten Polyesterfolie (PET) einer 80 g Buprenorphin ent
haltenden selbstklebenden Matrix und einer 23 µm dicken
PET-Folie wird in Streifen von 5 cm Breite geschnitten.
Diese Streifen werden im Abstand von ca. 50 cm querge
schnitten. Die erhaltenen Rechtecke werden 60 h lang in
0,1%iger Schwefelsäure gerührt. Dabei löst sich die siliko
nisierte PET-Folie. Die Lösung trübt sich, da die Schwefel
säure die PET-Folien und die Matrix teilweise zersetzt.
Nach beendetem Rühren filtriert man durch einen Filter. Die
Lösung wird mit Natronlauge auf pH 8 gebracht. Buprenorphin
fällt aus und wird abfiltriert.
Ausbeute: 63,2 g Buprenorphin = 79% der Theorie
Gehalt: <98% (bestimmt per HPLC)
Ausbeute: 63,2 g Buprenorphin = 79% der Theorie
Gehalt: <98% (bestimmt per HPLC)
150 buprenorphinhaltiger TTS aus Produktionsabfällen (= 3 g
Buprenorphin) wurden analog Beispiel 1 aufgearbeitet. Die
TTS wurden von Hand aus der Primärverpackung geholt, die
Schutzfolie wurde aber nicht entfernt. Eine Zerkleinerung
fand nicht statt.
Ausbeute: 1,44 g Buprenorphin = 48% der Theorie
Ausbeute: 1,44 g Buprenorphin = 48% der Theorie
0,05 m2 Laminat (= 4 g Buprenorphin) entsprechend Beispiel
1 wurden von Hand in 5 cm lange und 0,1 cm breite Streifen
geschnitten. Die Aufarbeitung wurde wie bei Beispiel 1
durchgeführt. Die relative Ausbeute war nicht höher als bei
Beispiel 1. Dies zeigt anschaulich, daß ein Unterlassen ei
nes Schreddervorganges der Produktionsabfälle überraschen
derweise von Vorteil ist.
1000 estradiolhaltiger TTS (= 4 g Estradiol) werden unver
packt, aber mit Schutzfolie, 72 h lang in 1%iger Natronlau
ge gerührt. Die Schutzfolie war eine 100 µm dicke silikoni
sierte PET-Folie, die Rückschicht eine 15 µm dicke transpa
rente PET-Folie, die sich beim Rühren teilweise löste. Nach
beendetem Rühren wurden die Folienreste durch ein Sieb ge
trennt. Das Filtrat wird durch verdünnte Schwefelsäure auf
pH 1 gebracht. Hierbei fallen Estradiol und Terephthalsäure
aus. Durch Ausrühren mit Aceton werden beide voneinander
getrennt.
Ausbeute: 2,23 g Estradiolhemihydrat = 50% der Theorie
Ausbeute: 2,23 g Estradiolhemihydrat = 50% der Theorie
Je 1000 TTS aus Beispiel 2 (= 20 g Buprenorphin) und Bei
spiel 4 werden unverpackt mit Schutzfolie 72 h lang in
1%iger Natronlauge gerührt. Die Folienreste werden durch
ein Sieb getrennt. Estradiol (und Terephthalsäure) werden
bei pH 1 gefällt. Aus dem Filtrat wird Buprenorphin durch
Zugabe von Natronlauge bei pH 8 gefällt. Während die Aus
beute an Estradiol der von Beispiel 4 entspricht, liegt die
von Buprenorphin unter derjenigen von Beispiel 2, nämlich
bei 26%.
Durch HPLC Analysen läßt sich zeigen, daß keine gegenseiti ge Verunreinigung beider Arzneistoffe nach Umkristallisie ren zu beobachten ist.
Durch HPLC Analysen läßt sich zeigen, daß keine gegenseiti ge Verunreinigung beider Arzneistoffe nach Umkristallisie ren zu beobachten ist.
Claims (9)
1. Verfahren zur Rückgewinnung von Arznei- oder Wirkstof
fen aus Zubereitungen, deren Vorprodukten oder Abfällen,
insbesondere in Form von flächigem Ausgangsmaterial, ent
haltend abhäsiv ausgerüstete Folie und wirkstoffhaltiges
Gut, gekennzeichnet durch die Arbeitsschritte, daß
- - das Ausgangsmaterial in Flächenbereichen vorzugsweise zwischen 5 und 50 cm2 vorgelegt,
- - Ausgangsmaterial mit basischem Wirkstoff in eine wäßrige Extraktionsflüssigkeit mit einem pH-Bereich zwischen 7 und 1, und Ausgangsmaterial mit saurem Wirkstoff in eine wäßri ge Extraktionsflüssigkeit mit einem pH-Bereich zwischen 7 und 13 eingebracht,
- - darin die Extraktionsflüssigkeit bis zum Ablösen der Trä gerfolie vom Laminat oder des Wirkstoffs von der Trägerfo lie unter Bildung einer wirkstoffhaltigen Lösung einwirken gelassen, und
- - der extrahierte Arznei- oder Wirkstoff durch Fällung aus der wirkstoffhaltigen Lösung isoliert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Lösung des Wirkstoffs durch zusätzliche Einwirkung von
Wärme und/oder Agitation der Extraktionsflüssigkeit inten
siviert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeich
net, daß die Lösung des Wirkstoffs durch Erregung von Ul
traschall in der Extraktionsflüssigkeit intensiviert wird.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis
3, dadurch gekennzeichnet, daß als saure Extraktionsflüs
sigkeit Schwefelsäure verwendet wird.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis
3, dadurch gekennzeichnet, daß als basische Extraktions
flüssigkeit eine anorganische Base, vorzugsweise wäßriger
Natronlauge oder Soda, verwendet wird.
6. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß
die saure Extraktionsflüssigkeit auf pH-Werte zwischen 7
und 1 eingestellt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß
die basische Extraktionsflüssigkeit auf pH-Werte zwischen 7
und 13 eingestellt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Fällung alkalischen Wirkstoffs durch Ansäuern der wirk
stoffhaltigen Lösung auf einen pH-Wert von < 6 mittels Zu
gabe einer anorganischen Säure, vorzugsweise Schwefel- oder
Phosphorsäure, vorgenommen wird.
9. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Fällung sauren Wirkstoffs durch Zugabe einer anorgani
schen Base zur wirkstoffhaltigen Lösung, vorzugsweise wäß
riger Natronlauge oder Soda, vorgenommen wird.
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Owner name: LTS LOHMANN THERAPIE-SYSTEME AG, 56626 ANDERNACH, |
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Effective date: 20130801 |