DE19758512A1 - Ionen-Mobilitätsspektrometer - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft ein Ionenmobilitätsspektrometer mit einer radioaktiven
Ionenquelle zur Erzeugung von
α- oder niederenergetischer β-Strahlung.
Solche Ionenquellen sind beispielsweise bekannt aus dem Prospekt
"Industrial gauging and analytical instrumentation sources" der Firma
Amersham, England (Juli 1996). Dort ist auf Seite 29 eine Tritiumquelle für
niederenergetische β-Strahlung beschrieben. Das Tritium ist in einer dünnen
Titanschicht auf einer Edelstahl oder Kupferfolie absorbiert mit einer Fläche
von 30.10 mm2 und einer Dicke von 0,25 mm. Die Maximalaktivität ist mit
500 mCi angegeben.
Das Problem üblicher im Handel erhältlicher Tritiumquellen besteht darin, daß
das Tritium lediglich in ein Trägermaterial (Metall) hineindiffundiert ist
(physisorbiert) und nicht fest gebunden ist (chemisorbiert).
In einem weiteren Prospekt (4304/990R1.000) der Firma Amersham
Buchler, Braunschweig werden Alpha-/Beta-Referenzstrahler - Typ 16/25
angeboten. Diese umfassen u. a. den Alphastrahler Am-241 mit Aktivitäten
zwischen 185 Bq und 3 kBq. Der radioaktive Stoff ist homogen in die
Oberfläche einer eloxierten Aluminiumfolie mit dem Durchmesser 16 mm und
der Dicke 0,3 mm eingebracht. Die Dicke der von der Oberfläche aus
aktivierten Schicht beträgt ca. 5 Mikrometer.
Eine gängige Alternative ist ebenfalls, daß sich der radioaktive Stoff, z. B.
Americiumoxid, in einer etwa 2 Mikrometer dicken Goldmatrix zwischen einer
etwa 1 Mikrometer dicken Goldschicht und einer etwa 2 Mikrometer dicken
Deckschicht aus Gold-Palladium-Legierung auf einem etwa 0,2 mm dicken
Träger aus Silber befindet.
Die Erzeugung von Ionen ist, wie der Name schon sagt, eine grundlegende
Voraussetzung bei der Ionenmobilitätsspektrometrie (IMS). Hierfür haben sich
relativ niederenergetische, radioaktive, ionisierende Strahlungsquellen mit
einer Reichweite in Umgebungsluft von einigen Millimetern bewährt. Bei einer
Miniaturisierung eines IM-Spektrometers unter Verwendung von
mikrostrukturtechnischen Verfahren, z. B. auf Silizium(Si)-Basis, sind die
bekannten Ionenquellen aufgrund ihrer Bauform und -größe jedoch nur
bedingt einsetzbar.
Es besteht daher der Bedarf nach Strahlungsquellen, die an die veränderte,
i.a. verkleinerte Geometrie und Bauart angepaßt sind ohne dabei effektiv an
Aktivität zu verlieren. Insbesondere sollte nach Wegen gesucht werden, auch
die Ionenquelle anlehnend an die Mikrostrukturtechnologie zu gestalten.
Bei einem erfindungsgemäßen Ionenmobilitätsspektrometer mit
einer radioaktiven Ionenquelle, angepaßt
an die Mikrostrukturtechnologie, werden geeignete radioaktive Materialien im
Abstand von der Oberfläche in das Material einer Trägerschicht in Form von
Ionen implantiert. Dies hat den Vorteil, daß über die Implantationstiefe die
Reichweite der radioaktiven Strahlung oberhalb der Oberfläche eingestellt
werden und an die Geometrie des IM-Spektrometers angepaßt werden kann.
Ionenimplantation kommt z.Zt. als Standardverfahren zur Dotierung von
Halbleitern oder zur Erzeugung vergrabener Schichten von Metallsilikaten zur
Anwendung. Die radioaktiven Metallatome werden ionisiert, danach
beschleunigt und auf die Oberfläche geschossen. Je nach Energie der Ionen
sammeln sich die Metallatome gaußverteilt in einer bestimmten Materialtiefe
an. Ein kurzer intensiver Temperschritt regeneriert sowohl den Kristall, kann
aber bei geeigneten Parametern auch zu extrem scharfen Übergängen
zwischen dem reinen und dotierten Halbleitermaterial führen.
Beispielsweise ist 241Americium ein Alphastrahler. Mit einer Energie der
Alphateilchen von ca. 5.4 MeV beträgt die Reichweite dieser Strahlung an
Luft etwa 4 cm. Für eine Miniaturisierung auch des Ionenproduktionsraumes
im IMS ist das eine zu hohe Reichweite. Ist der Strahler allerdings in anderem
Material als Luft begraben, ist auch die Reichweite dieser Strahlung geringer.
Nach der Regel von Bragg und Kleemann beträgt die Reichweite der
Alphateilchen R = RLuft c m1/2/ρ.
Dabei ist R die Reichweite in Luft bzw. dem Material, m die relative
Atommasse des Materials, ρ seine Dichte und c = 3,2 × 10-4 g cm-3 eine
Konstante. Mit den Werten für Silizium ergibt sich somit eine Reichweite von
85 µm. Das ist eine für Ionenimplantation mögliche Tiefe. Allerdings will man
nicht erreichen, daß keine Strahlung den Kristall verläßt, sondern ihre
Reichweite nur verkürzt wird. Eine Implantation in einer Tiefe von 60 µm sollte
somit noch eine mittlere Reichweite von ca. 1 cm ermöglichen. Hierbei muß
allerdings eine deutliche Verringerung der Strahlungsintensität in Kauf
genommen werden.
Bezieht man sich wieder auf eine Grundfläche von 1 cm2, so ist jetzt auch die
Dicke der dotierten/implantierten Schicht entscheidend. Diese sollte nach
obigen Überlegungen etwa (10-)20 µm betragen. Das betreffende aktive
Volumen ergibt sich so zu 0,002 cm3. Eine Ionenimplantation ist, je nach
Material, bis zu einer Größenordnung von 1022 Ionen/cm3 zu realisieren. Es
sei hier zunächst einmal 1021 als Wert gewählt.
241Americium hat eine Halbwertszeit von ca. 432,6 Jahren. Pro Jahr zerfallen
somit 1,6 × 1018 Kerne, was eine spezifische Aktivität unseres Materials von
5.1010 Bq/cm3 ergibt. Da unsere Schicht lediglich 0,002 cm3 beträgt, verringert
sich die Aktivität entsprechend auf 108 Bq/cm2 in der aktiven Fläche. Geht
man nun von einem Verlustfaktor der Strahlung von etwa 100 im Si aus, liegt
die Quelle immer noch im Bereich von 1 MBq/cm2. In der Tat wird der
tatsächliche Wert wie im ersten Fall höher liegen, da auch hier die
Abschätzungen nach unten abgesichert wurden. Durch Erhöhung der
Implantationsrate bis zum Maximum von Am2Si und Verbreiterung der Schicht
implantierten Materials könnte die gewünschte Aktivität beliebig im Rahmen
gewisser Grenzen eingestellt werden.
Vorzugsweise sind die implantierten Ionen Alphastrahler, insbesondere
241Am. Dies hat den Vorteil, daß ihre Reichweite über die Implantationstiefe
gut an die Dimensionen eines Ionenproduktionsraums eines IMS angepaßt
werden kann.
In einer bevorzugten Weiterbildung dieser Ausführungsform ist das Material
der Oberfläche ein Halbleiter, insbesondere Silizium. Damit kann die
Ionenquelle durch Implantation direkt in ein Bauteil aus handelsüblichem
Halbleitermaterial integriert werden. Alle Vorteile dieser Technologie bleiben
für dieses Bauteil erhalten, insbesondere kann es hochpräzise gefertigt,
dotiert, beschichtet und kontaktiert werden.
In Ausführungsformen können auch andere Trägermaterialien verwendet
werden, z. B. Metalle, in die die radioaktiven Ionen mit Abstand von der
Oberfläche implantiert werden.
Die Erfindung betrifft auch ein Ionen-Mobilitätsspektrometer mit einer
erfindungsgemäßen radioaktiven Ionenquelle.
Es versteht sich, daß die oben geschilderten und die noch weiter unten
aufgeführten Merkmale nicht nur in der jeweils genannten Kombination,
sondern auch in beliebiger anderer Kombination oder in Alleinstellung
verwendet werden können, ohne den Rahmen der Erfindung zu verlassen.
Die Erfindung wird anhand von Ausführungsbeispielen und der Zeichnung
näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 implantierte Schicht aus radioaktiven Ionen in einer Oberfläche
einer Trägerschicht einer Ionenquelle.
In Fig. 1 ist äußerst schematisch eine Ausführungsform der Erfindung
dargestellt. Die radioaktiven Atome der Ionenquelle 101 werden nicht an die
Oberfläche 103 einer Trägerschicht 102 kovalent gebunden, sondern mittels
Ionenimplantation als Ionen in das Trägermaterial definiert eingeschossen,
so daß sie in einer endlichen Tiefe d unterhalb der Oberfläche zur Ruhe
kommen und dort eine Dotierungsschicht 104 bilden. Diese Schicht kann
durch einen Temperschritt nachdem noch einmal gezielt definiert werden.
Wie bereits oben diskutiert, bietet sich diese Art der Ionenquelle für ein
miniaturisiertes IMS besonders für den Alphastrahler 241Am an. Durch
Einstellen der Beschleunigungsspannung beim Implantieren kann die Tiefe d
der Dotierungsschicht unter der Oberfläche recht gut definiert und angepaßt
werden. Damit wird es möglich, die effektive Reichweite der Alphastrahlung
oberhalb der Oberfläche an einen miniaturisierten Ionisationsraum des IMS
anzupassen.
Vorzugsweise besteht die Trägerschicht wie beim ersten Ausführungsbeispiel
der Erfindung wieder aus einem Halbleitermaterial, insbesondere Silizium, mit
den bereits geschilderten Vorteilen. In einem Ausführungsbeispiel ist der
Strahler 241Am, der Träger Si und die optimale Tiefe d = 60 Mikrometer. Der
Ionisationsraum des IMS hat dann Lineardimensionen von etwa 1 cm.
Da die Fixierung der radioaktiven Atome nicht über eine kovalente Bindung
an den Halbleiter erfolgt, sondern durch Einschießen weit unter die
Oberfläche, kann als Trägermaterial anstelle des bevorzugten Halbleiters
auch ein Metall verwendet werden.
Die erfindungsgemäße Ionenquelle wird bevorzugt in einem miniaturisierten
Ionen-Mobilitätsspektrometer eingesetzt. Die Merkmale der Erfindung
gestatten es, einen verkleinerten Ionisationsraum vorzusehen und die
Ionenquelle fertigungstechnisch in den Ionisationsraum zu integrieren.
Claims (7)
1. Ionenmobilitätsspektrometer mit einer radioaktiven Ionenquelle (101) zur Er
zeugung von α- oder niederenergetischer β-Strahlung, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Ionenquelle (101) aus einer Trägerschicht (102) besteht, in
die radioaktive Materialien in Form von Ionen in einer Schicht (104) im Ab
stand d von ihrer Oberfläche (103) implantiert sind.
2. Ionenmobilitätsspektrometer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die radioaktiven Materialien einen Alphastrahler umfassen.
3. Ionenmobilitätsspektrometer nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß
die radioaktiven Materialien 241Am umfassen.
4. Ionenmobilitätsspektrometer nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Trägerschicht (102) aus einem Halbleiter
material besteht.
5. Ionenmobilitätsspektrometer nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß
die Trägerschicht (102) aus Silizium besteht.
6. Ionenmobilitätsspektrometer nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Ionen in einer Schicht (104) in der Tiefe d
von mehr als 20 µm, vorzugsweise mehr als 50 µm, insbesondere bei etwa
60 µm unterhalb der Oberfläche (103) implantiert sind.
7. Ionenmobilitätsspektrometer nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß es einen Ionisationsraum umfaßt, daß die Io
nenquelle (101) eine ebene Oberfläche (103) aufweist und in den Ionisati
onsraum fertigungstechnisch integriert ist und daß die lineare Ausdehnung
des Ionisationsraums senkrecht zur ebenen Oberfläche (103) der Ionen
quelle (101) kleiner ist als 2 cm, vorzugsweise kleiner als 1 cm.
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