Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Her
stellen eines Formteils mit einer Basisschicht und einer
Deckschicht, bei dem die Basisschicht aus faserverstärkten
Kunststoffen und die Deckschicht aus einer Deckfolie bestehen
und die Verbindung zwischen diesen beiden Schichten in einem
einzigen Heißpreßvorgang hergestellt wird.
In der DE 38 38 199 A1 ist ein Verfahren zum Beschichten von
SMC-, BMC- und DMC-Materialien mit Folien offenbart. Die
Verbindung zwischen der Trägerschicht und der Deckfolie wird
durch eine Umspülung der Ränder der Deckschicht mit SMC-
Material aus der Trägerschicht dauerhaft und robust.
In der DE 41 01 106 A1 ist ein Verfahren zum Herstellen lami
nierter Formteile offenbart, bei dem in einem Zweischrittver
fahren zunächst ein Formling aus thermoplastischem Material
spritzgegossen wird, der vor seinem vollständigen Aushärten
mit Deckschichtmaterial belegt wird und in einem zweiten Preß
schritt mit diesem verbunden wird.
Weiterhin offenbart die DE 42 24 667 A1 ein Verfahren zur
Herstellung mehrlagiger Wandverkleidungen, bei dem die zur
Bildung des Trägerteils und des Dekorteils eingesetzten Werk
stoffe nacheinander in eine beheizbare Form gelegt werden, in
der sie dann miteinander verpreßt werden. Vorzugsweise soll
zunächst eine Trägerschicht gepreßt werden und in einem
zweiten Preßhub eine Dekorschicht aufgebracht werden. Die
kennzeichnende Neuerung dieser Druckschrift besteht in der
Verwendung einer Temperaturblockschicht, vorzugsweise aus
Baumwollfaservlies oder Schaumstoff, um temperaturempfindliche
Oberflächenmaterialien vor den notwendigen hohen Temperaturen
in der Trägerschicht zu schützen.
In der DE 40 29 910 A1 wird eine Vorrichtung zur automatischen
Herstellung großflächiger Formteile aus duroplastischer Preß
masse offenbart.
Ein mit dieser Maschine denkbarer Verfahrensablauf eignet sich
nicht zur Herstellung von zweischichtigen Formteilen, bei
denen die Deckschicht aus hochwertigen Dekorationsmaterialien
bestehen soll.
Der Artikel in Kunststoffe, 85 (1995), 3, Seiten 319 bis 321
beschreibt den Einsatz von Naturfasern zum Herstellen faser
verstärkter Kunststoffbauteile und bietet keine Verfahrens
beschreibung zur Herstellung mehrschichtiger Formteile.
Nachteilig an den bekannten Herstellungsverfahren ist jedoch,
daß bisher das Problem nicht zufriedenstellend gelöst ist, ein
einfaches Preßverfahren mit nur einem Preßhub einzusetzen, um
ein Deckschichtmaterial mit einer Trägerschicht zu verbinden,
wobei eine einheitlich herzustellende Trägerschicht aus
spritzgießfähigen BMC- oder SMC-Kunststoffen und die dekora
tive Deckschicht aus verschiedenen Textilien oder Holz
furnieren bestehen können. Weiterhin wäre es für den Herstel
lungsprozeß günstig, aber bisher nicht realisiert, wenn
gleichzeitig mit dem einzigen Preßhub Tauchkanten an dem
Preßwerkzeug selbst das Deckschichtmaterial, zum Beispiel
Furniere, auf die Ausmaße der Basisschicht zuschneiden können.
Ein weiteres Verfahren ist aus der EP 0 325 690 B1 bekannt.
Bei dem dort dargestellten Verfahren ist es möglich, eine
Basislage und eine Deckfurnierlage in einem einzigen Preß
stanzvorgang zu einem Werkstück mit einer ansprechenden Ober
fläche zu formen. Bevorzugt besteht die Basislage zumindest
teilweise aus Holz oder aus einem aus mehreren Einzellagen
geschichteten Basisfurnier. Die Verbindung zwischen Basislage
und Deckfurnierlage wird bei dem bekannten Verfahren durch
Kunstharzkleber hergestellt. Mit dem bekannten Verfahren er
hält man Furnierwerkstücke von guter Oberflächenbeschaffenheit
und mit einer hohen Verwindungssteifigkeit.
Nachteilig an dem bekannten Verfahren ist jedoch, daß der
Aufbau des Schichtverbundes der jeweils erwünschten Deck
schicht und dem vorgesehenen Einsatzbereich angepaßt werden
muß. Weiterhin ist es erforderlich, Befestigungselemente, mit
denen das Formteil zum Beispiel zur Innenverkleidung eines
Fahrzeugs angebracht wird, nachträglich an dem verpreßten
Formteil anzubringen.
Es ist demnach die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die
Notwendigkeit für zwei voneinander getrennte Preßhübe dadurch
zu umgehen, daß das Material der Trägerschicht von dem der
dekorativen Deckschicht durch den zusätzlich eingebrachten
Klebefilm zum einen physikalisch abgegrenzt wird, so daß das
Deckschichtmaterial während des Preßvorgangs nicht von flüssi
gen Komponenten der Trägerschicht verschmutzt werden kann, zum
anderen eine paßgenaue Klebeverbindung zwischen der Träger-
und der Deckschicht hergestellt wird.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
Die Herstellung eines mehrschichtigen Formteils in nur einem
Preßvorgang bringt einen vereinfachten Produktionsablauf mit
sich. Das erfindungsgemäße Verfahren bietet im Produktionsab
lauf den Rationalisierungsvorteil, eine einheitliche
Basisschicht aus SMC- und BMC-Material mit einem Klebefilm
duroplastischer Art auf Basis von Natronkraft- oder
Recyclingpapieren, die mit einem Harnstoff-Melamin-Harz-
Gemisch imprägniert sind, als Träger für verschiedene
hochwertige Dekorationsschichten, wie zum Beispiel Furniere,
einsetzen zu können.
In der vorliegenden Erfindung wird die Deckschicht allein
durch den eingefügten Klebefilm mit den Komponenten der Trä
gerschicht verbunden, wobei Tauchkanten der Preßform einge
setzt werden, um während des einzigen Preßhubes das Deck
schichtmaterial paßgenau auf die Ausmaße der Trägerschicht
zuzuschneiden.
Bei den für den Aufbau der Basisschicht verwendeten SMC-Matten
handelt es sich um flächige Gebilde, welche aus ungesättigten
Polyesterharzen mit Glasfilamenten bestehen. Vorzugsweise sind
LP (Low Profile)-Hochpolymer-Komponenten in stark schwundkom
pensierter Einstellung als Bestandteil der SMC-Matte vorgese
hen, weitere Bestandteile sind Additive, wie Trennmittel und
Lagerstabilisatoren sowie mineralische Füllstoffe in beliebi
ger Farbeinstellung. BMC steht für "bulk molding compound".
Ein hieraus bestehendes Material kann im quasi flüssigen Zu
stand in das Werkzeug eingespritzt werden.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren sollten Wärmezufuhr und
Druck bis zum vollständigen Aushärten der aushärtbaren Kompo
nenten aufrechterhalten werden.
Das Verpressen erfolgt vorzugsweise bei einer Temperatur
zwischen 120°C und 160°C, besonders bevorzugt ist der Tempe
raturbereich zwischen 140°C und 160°C.
Je nach Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel der Dicke des
Formteils und der verwendeten Temperatur sind verschiedene
Zeiträume zum Aushärten der aushärtbaren Materialien erfor
derlich. Der Zeitraum zum Aushärten variiert daher zwischen
da. 30 Sekunden und 5 Minuten, er wird bevorzugt aber zwischen
2 und 3 Minuten liegen.
Als Deckschicht werden bevorzugt Furniere verwendet.
Diese haben vorteilhafterweise eine Dicke zwischen 0,1 Milli
metern und 0,9 Millimetern, häufig wird die Dicke zwischen 0,4
Millimetern und 0,6 Millimetern liegen.
Es werden bevorzugt Dekorfurniere, zum Beispiel Echtholz
furniere verwendet.
Es kann weiterhin vorgesehen sein, daß als zusätzliche
Zwischenschicht ein Vlies oder Blindfurnier in den Schicht
verbund eingebracht wird. Hierdurch verbessert sich die
Eigensteifigkeit, wodurch sich eine bessere Handhabung der
Dekorfurniere, insbesondere wenn es sich um Echtholzfurniere
handelt, ergibt.
Auch kann das Einbringen von duroplastischen Harzen, wie
Phenolharz oder ähnlichem besondere Vorteile mit sich bringen.
Ein besonderer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens be
steht darin, daß Befestigungselemente, zum Beispiel auf der
Rückseite oder an den Seitenkanten des Formteils sogleich bei
dem Preßvorgang anformbar sind bzw. eingebettet werden können.
Die Herstellung der Formteile wird vorteilhafterweise in
geeigneten Pressen bzw. Werkzeugen stattfinden.
Als Deckschicht können natürliche und/oder künstliche Werk
stoffe und/oder Kombinationen aus den genannten Materialarten
verwendet werden.
Weiterhin ist es möglich, verschiedene Dekorationsmaterialien,
wie Stoff, Textil, Kunstleder, Leder, Kunststoff, Papier,
papier-ähnliche Stoffe, Metalle und/oder Kombinationen aus
diesen Materialien verwenden.
Besonders vorteilhaft erweist sich das Verfahren, wenn die
Deckschicht eine der Sichtfläche abgewandte Beschichtung auf
weist, die ein Einreißen der Deckschicht beim Verpreßvorgang
verhindert.
Es können auch verschiedene Deckschichtmaterialien neben
einanderliegend angeordnet werden.
Das Formteil verbleibt bis zum vollständigen Aushärten in
seiner Form, so daß eine unproblematische Entnahme des
fertigen Werkstücks erfolgen kann. Das Preßwerkzeug steht dann
sogleich für den nächsten Produktionsvorgang zur Verfügung.
Durch die günstigen Fließeigenschaften der geschmolzenen
Materialien ist es möglich, Befestigungsvorrichtungen direkt
beim Preßvorgang anzuformen bzw. einzubetten. Die Verfahrens
parameter, wie Zeit, Temperatur und Druck beim Preßvorgang
können so angepaßt werden, daß das geschmolzene Material auch
in kleine Formnestbereiche fließen kann, wodurch das Anformen
von Befestigungsvorrichtungen möglich wird. Besondere Vorteile
bei der Verwendung von SMC-Matten ergeben sich weiterhin aus
ihrer guten Lagerfähigkeit. Auf Rollen gewickelt können
vorbereitete SMC-Matten bis zu einem halben Jahr gelagert
werden. Weiterhin zeichnet sich das Verfahren dadurch aus, daß
mit kurzen Taktzeiten Formteile von höchster
Festigkeit hergestellt werden können, weil die jeweils vorge
gebenen Faserverstärkungsstrukturen beim Preßvorgang weitge
hend erhalten bleiben.
Anhand der Zeichnungen soll das erfindungsgemäße Verfahren im
folgenden beispielhaft erläutert werden.
Fig. 1 zeigt ein Preßstanzwerkzeug in einer Schnitt
ansicht senkrecht zu seiner Hauptebene in ge
öffnetem Zustand mit eingelegter SMC-Matte und
Deckschicht vor dem Preßvorgang.
Fig. 2 zeigt das Preßstanzwerkzeug aus Fig. 1 während
des Preßvorgangs.
Fig. 1 zeigt ein Preßstanzwerkzeug 2 mit einem beweglichen
Stanzwerkzeug 4 und einem Gegenwerkzeug 6. Das Stanzwerkzeug 4
weist eine Stanzfläche 8 auf, das Gegenwerkzeug eine Gegenflä
che 10. Das Stanzwerkzeug 4 und das Gegenwerkzeug 6 liegen
einander mit Stanzfläche 8 und Gegenfläche 10 gegenüber. Zwi
schen Stanzfläche 8 und Gegenfläche 10 ist in dem in Fig. 1
dargestellten geöffneten Zustand des Preßstanzwerkzeugs 2 ein
Zwischenraum 12 dargestellt, welcher das Einlegen einer SMC-
Matte 18 sowie einer Deckschicht 20 ermöglicht. Das Gegenwerk
zeug 6 weist an seiner Gegenfläche 10 Ausnehmungen 14, 16 auf,
auf deren Bedeutung im Zusammenhang mit Fig. 2 eingegangen
wird.
In Fig. 2 ist dasselbe Preßstanzwerkzeug während des Preßvor
gangs dargestellt. In diesem Zustand sind SMC-Matte 18 und
Deckschicht 20 durch das Pressen der Stanzfläche 8 des Stanz
werkzeugs 4 gegen die Gegenfläche 10 des Gegenwerkzeugs 6 zu
einem Formteil 22 verpreßt. Das während des Preßvorgangs ver
flüssigte Material ist auch in die Ausnehmungen 14, 16 der
Gegenfläche im Gegenwerkzeug eingedrungen, so daß während des
Preßvorgangs sogleich Befestigungsvorrichtungen 24, 26, in
diesem Fall an der Rückseite des Formteils, angeformt werden.
Im Falle der Verwendung von BMC-Material ist das Preßstanz
werkzeug 2 mit einem Angußkanal ausgestattet, durch welchen
des flüssige Material in das Werkzeug eingebracht wird.
Ansonsten erweist sich das Verfahren unter Verwendung von BMC-
Material als ebenso vorteilhaft wie bei der Verwendung von
SMC-Matten, insbesondere im Hinblick auf die Variabilität der
ansonsten eingesetzten Werkstoffe, der Handhabbarkeit des fer
tig ausgehärteten Formteiles sowie der Möglichkeit, Befesti
gungsvorrichtungen sogleich anzuformen.
Bezugszeichenliste
2
Preßstanzwerkzeug
4
Stanzwerkzeug
6
Gegenwerkzeug
8
Stanzfläche
10
Gegenfläche
12
Zwischenraum
14
,
16
Ausnehmung
18
SMC-Matte
20
Deckschicht
22
Formteil
24
,
26
Befestigungsvorrichtung