DE19704649C1 - Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen eines Gußstücks - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen eines GußstücksInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum
Herstellen eines Gußstücks gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs
1 und des Anspruchs 10.
Derartige Verfahren und Vorrichtungen sind seit langem bekannt
und werden in der Großserienfertigung, beispielsweise zum
Herstellen von Leichtmetallrädern für Kraftfahrzeuge oder von
anderen Bauteilen eines Kraftfahrzeugs, beispielsweise von
Gehäuseteilen, eingesetzt.
Moderne Technologien zielen darauf ab, durch geeignete Maß
nahmen die Zykluszeiten so weit wie möglich zu minimieren.
Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem optimier
ten Befüllen des Formhohlraumes des Gießwerkzeugs zu, da ins
besondere bei Gußstücken komplizierter Geometrie der Formhohl
raum in möglichst kurzer Zeit zuverlässig gefüllt werden muß,
ohne lokale Überhitzungen des Gießwerkzeugs im Eingußbereich
zu erzeugen.
Aus der DE-PS 12 90 672 ist es beispielsweise bekannt, dem
Formhohlraum des Gießwerkzeugs Metallschmelze über mehrere,
voneinander getrennte und an unterschiedlichen Stellen münden
de Zuführkanäle zuzuführen. Damit ist es möglich, einen großen
Zuflußquerschnitt und damit eine kurze Befüllzeit zu realisie
ren. Das erzielbare Gußgefüge ist äußerst homogen, so daß sich
Gußstücke mit hervorragenden mechanischen Eigenschaften her
stellen lassen.
In vielen Fälle ist es jedoch erwünscht, die mechanischen
Eigenschaften, beispielsweise die Festigkeitswerte, weiter zu
erhöhen. Als Beispiel hierfür können Leichtmetallräder für
Kraftfahrzeuge herangezogen werden, die insbesondere im Be
reich des äußeren Felgenhorns durch unbeabsichtigte Bordstein
kontakte gefährdet sind. Ähnliches gilt sinngemäß für Getrie
begehäuse, bei denen die Lagerstellen der Wellendurchführungen
besonderen Belastungen ausgesetzt sind.
Ein ökonomischer Lösungsansatz besteht in solchen Fällen dar
in, das Gußstück in gefährdeten Bereichen mit Verstärkungs
elementen zu versehen. So ist es bekannt, Leichtmetallräder
mehrteilig auszuführen, wobei das beschädigungsgefährdete
äußere Felgenhorn aus einem hochfesten Material gefertigt und
mit dem Rad herkömmlicher Materialzusammensetzung verschraubt
wird. In vergleichbarer Weise werden bei den vorstehend be
schriebenen Getriebegehäusen die Bereiche der Wellendurch
führungen mit verschleißfesten Einsätzen versehen.
Solche Lösungsmöglichkeiten sind insbesondere deshalb von
Nachteil, da sie den Fertigungsaufwand erheblich erhöhen. So
vergrößert sich die Zahl der erforderlichen Bauteile, auch
müssen diese einer speziellen Oberflächenbehandlung unterzogen
werden, um sie zusammenfügen zu können.
Ein weiterer Vorschlag gemäß der DE 195 04 949 C1 zielt darauf
ab, ein Verbundgußteil dadurch herzustellen, daß unterschied
liche Legierungen Über getrennte Zuläufe in eine Form gegossen
werden. Die Zufuhr der beiden Legierungen erfolgt zeitlich
nacheinander und zwar derart, daß die erste Legierung zum
Formkörper erstarrt ist bevor die weitere Legierung angegossen
wird. Der Verbund beider Legierungen erfolgt damit an der
Phasengrenzfläche fest - flüssig. Auch ist es mit diesem Ver
fahren möglich, vorgefertigtes Matrixmaterial zu erwärmen und
anschließend eine oder mehrere Schmelzen gleichzeitig anzugie
ßen.
Als nachteilig ist auch hier der vergleichsweise hohe Aufwand
festzuhalten. Besonders wichtig ist die exakte Abstimmung der
Temperaturen an der Phasengrenzfläche, um den gewünschten
Verbund beider Werkstoffe sicherzustellen.
Ein weiterer Vorschlag gemäß der DE 38 07 347 C2 sieht vor,
Schmelzen unterschiedlicher Zusammensetzung über verschiedene
Zuläufe in einen Formhohlraum zu gießen. Der Verbund beider
Werkstoffe erfolgt in Sandwich-Konstruktion durch ein im Form
hohlraum eingesetztes Trennblech, das einerseits die beiden
unterschiedlichen, zufließenden Schmelzen voneinander trennt,
von diesen jedoch oberflächlich angeschmolzen wird, so daß im
Ergebnis die Schichten miteinander vollkommen verschweißt
werden. Im Hinblick auf die Auswahl des Phasentrennblechs wird
besonders darauf abgehoben, eine ausreichende Dicke vorzuse
hen, um eine Durchschmelzung sicher zu vermeiden. Die Zufuhr
der beiden unterschiedlichen Schmelzen kann hierbei gleich
zeitig oder aber auch zeitversetzt erfolgen.
Auch in diesem Fall ist der fertigungstechnische Aufwand nicht
unerheblich, da jeweils ein Phasentrennblech in den Formhohl
raum eingesetzt werden muß. Für eine Vielzahl von Anwendungen
scheidet daher diese Technologie aus, insbesondere bei Guß
stücken komplizierter oder verzweigter Geometrie.
Eine ähnliche Konzeption verfolgt die DE-AS 14 83 588, bei der
jedoch die Trennwand perforiert ausgeführt ist, so daß bei
gleichzeitigem Vergießen beiderseits des Trennwandsystems eine
Mischzone ausgebildet ist, in der beide Stahlsorten in einem
kontinuierlich sich ändernden Übergang ausbildet. Der kontinu
ierliche Übergangsbereich stellt einen sicheren Verbund beider
Legierungen sicher und verhindert Ablöseerscheinungen, wie sie
bei den vorstehend beschriebenen Trennwandsystemen auftreten.
Trotz der erzielten Verbesserung hinsichtlich der Verbund
eigenschaften ist auch hier eine Trennwand, bzw. ein Trenn
wandsystem erforderlich, so daß der Fertigungsaufwand nach wie
vor hoch ist und ebenso wenig die Anwendung auf Gußstücke
komplizierter Geometrie zuläßt.
Der Erfindung lag deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
und eine Vorrichtung zum Herstellen von Gußstücken, auch kom
plizierter und verzweigter Geometrie, zur Verfügung zu stel
len, welche die gezielte Beeinflussung von Materialeigenschaf
ten in gewünschten, lokal begrenzten Abschnitten bei geringem
Fertigungsaufwand erlauben.
Gelöst wird dieses Problem durch ein Verfahren, das die Merk
male des Anspruchs 1 aufweist. Bevorzugte Verfahrensvarianten
sind in den nachgeordneten Unteransprüchen angegeben.
Das Problem wird weiterhin durch eine Vorrichtung gemäß An
spruch 10 gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen der Vorrich
tung sind in den hierauf rückbezogenen Unteransprüchen de
finiert.
Die Erfindung basiert auf der Idee, unter Verzicht auf jegli
che Trennwand bzw. Trennwandsysteme eine der beiden Legierun
gen zentral und die andere Legierung dezentral dem Formhohl
raum zuzuführen. Dies ermöglicht ein äußerst rasches und ef
fektives Befüllen des Formhohlraumes, auch im Falle von kom
plizierten und verzweigten Geometrien. Die Zuführung beider
Legierungen erfolgt derart, daß ein gemeinsamer Erstarrungs
vorgang unter Bildung eines kontinuierlichen Übergangsbereichs
ablaufen kann. Damit gelingt es, die Zykluszeit zum Herstellen
eines solchen Gußstückes nicht oder nur unwesentlich gegenüber
derjenigen für die Herstellung eines herkömmlichen, homogenen
Gußstücks zu verlängern.
In der konkreten Umsetzung dieser Idee wird Metallschmelze der
ersten Zusammensetzung über den ersten Zuführkanal oder über
mehrere solcher Zuführkanäle, die zu einer Gruppe zusammenge
faßt sind, dem Formhohlraum zentral zugeführt. Es ist dies
bevorzugt die Basisglegierung, die die Grundeigenschaften des
Gußstücks festlegt.
Weiterhin wird Metallschmelze der zweiten Zusammensetzung über
den getrennten, zweiten Zuführkanal dem Formhohlraum zuge
führt, wobei auch hier mehrere Zuführkanäle zu einer Gruppe
zusammengefaßt werden können. Hierbei handelt es sich bevor
zugt um die sogenannte Zusatzlegierung, die mit der Basisle
gierung weitgehend übereinstimmend, zumindest jedoch artver
wandt ist und darüber hinaus Zusätze enthält, die die
gewünschte Materialeigenschaft bestimmen.
Bevorzugt werden die Basislegierung und die Zusatzlegierung im
wesentlichen zeitgleich zugeführt, so daß die Zykluszeit äu
ßerst gering gehalten werden kann. Auch ist sichergestellt,
daß ohne zusätzliche Maßnahmen zunächst der schmelzflüssige
Zustand beim Aufeinandertreffen der beiden Schmelzefronten
vorliegt, so daß die beschriebenen Austauschvorgänge zur Bil
dung eines kontinuierlichen Übergangsbereichs ablaufen können.
Gemäß einer besonders bevorzugten Verfahrensvariante wird
diejenige Legierung, die dezentral zugeführt wird über eine
Ringkammer, die mit dem Formhohlraum über zumindest einen
größeren Teil ihres Umfangs offen in Verbindung steht, zu
geführt. Ein derartiges Konzept erlaubt insbesondere bei rota
tionssymmetrischen Bauteilen ein äußerst rasches und effekti
ves Befüllen des Formhohlraums, auch im Falle von komplizier
ten und verzweigten Geometrien.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Verfahrensvariante wird der
Formhohlraum temporär in voneinander getrennte Kammern unter
teilt, wobei eine erste Kammer bzw. eine erste Gruppe von
Kammern mit einer der beiden Legierungen, vorzugsweise mit der
Basislegierung, und eine zweite Kammer bzw. eine zweite Gruppe
von Kammern mit der anderen Legierung befüllt werden kann.
Nach dem Befüllen, jedoch vor dem Erstarren der Schmelze, wird
die Unterteilung entfernt, so daß die eingangs beschriebenen
Austauschvorgänge zur Bildung von Übergangsbereichen ablaufen
können. Eine derartige Verfahrensvariante findet insbesondere
dort Anwendung, wo es aufgrund der Geometrie oder der Zufluß
verhältnisse zu dem Formhohlraum nicht oder nur sehr schwer
gelingt, die Zuführung der beiden Legierungen so zu steuern,
daß die angestrebte Eigenschaftsverteilung im späteren Guß
stück erreicht wird. Die temporäre Unterteilung des Formhohl
raums erlaubt auch ein vollständig zeitversetztes Zuführen der
beiden Legierungen, so daß die Zuflußbedingungen, wie bei
spielsweise Druck, Temperatur oder Geschwindigkeit freizügig
einstellbar sind. Es ist lediglich darauf zu achten, daß im
vorgesehenen Übergangsbereich beim Entfernen der Unterteilung
noch keine Erstarrung einsetzt, um ein sicheres Verbinden
beider Legierungen unter allen Umständen zu gewährleisten.
Bevorzugt wird als Zusatzlegierung eine modifizierte Basisle
gierung verwendet. Dies hat den Vorteil, daß aufgrund der
vergleichbaren Grundeigenschaften ein an sich homogenes Gußge
füge entsteht, welches in den vorgesehenen Bereichen die ange
strebte Modifikation, beispielsweise in Form einer höheren
Festigkeit oder Elastizität, aufweist.
Bevorzugt werden festigkeitserhöhende Zusätze verwendet, wobei
Zusätze in Form von Partikeln oder Fasern besonders günstig
sind, da sie die chemischen Eigenschaften der Legierung im
übrigen unverändert belassen. Dies ergibt ein homogenes Gußge
füge, welches im Bereich der Zusatzlegierung lediglich durch
eingelagerte mechanische Partikel oder Fasern verstärkt ist.
Weiterhin wird eine Vorrichtung zum Herstellen eines Gußstücks
vorgeschlagen, bei der ein Formhohlraum eines Gießwerkzeugs
mit Metallschmelze befüllbar ist. Sie weist zwei voneinander
getrennte, an unterschiedlichen Stellen in bezug auf den Form
hohlraum mündende Zuführkanäle bzw. Gruppen von Zuführkanälen
auf, wobei ein erster Zuführkanal oder eine erste Gruppe von
Zuführkanälen zentral und ein zweiter Zuführkanal oder eine
zweite Gruppe von Zuführkanälen dezentral zu dem Formhohlraum
angeordnet sind. Eine derartige Vorrichtung läßt sich durch
Modifikation einer aus der DE 195 33 447 C1 bekannten und
bestens bewährten Vorrichtung kostengünstig erstellen. Es ist
an sich lediglich erforderlich, im Bereich des zentralen Hub
stempels jener Vorrichtung einen Zuführkanal vorzusehen, durch
den getrennt vom dezentralen Zuführkanal eine weitere Legie
rung zugeführt werden kann.
Von besonderem Vorteil ist auch in diesem Fall, wenn der de
zentrale zweite Zuführkanal bzw. die zweite Gruppe von Zuführ
kanälen in eine Ringkammer mündet, die ihrerseits über den
größeren Teil ihres Umfangs offen in den Formhohlraum mündet
und in der wenigstens ein Kolben verschiebbar gelagert ist.
Der Kolben verdrängt beim Einschieben Metallschmelze aus der
Ringkammer in den Formhohlraum hinein und sorgt damit für eine
extrem schnelle Zufuhr von Metallschmelze. Aufgrund des offe
nen Übergangs von der Ringkammer in den Formhohlraum ist die
Zuflußgeschwindigkeit gering, so daß die Metallschmelze turbu
lenzfrei zuströmen kann. Hierdurch wird die Lunkerbildung
verringert und damit die Qualität erhöht.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform sieht vor, daß der
Kolben in seiner eingeschobenen Stellung den zweiten Zuführ
kanal bzw. die zweite Gruppe von Zuführkanälen verschließt, so
daß es keiner weiteren Maßnahme bedarf, weiteren Zufluß von
Metallschmelze zu unterbinden.
Je nach Geometrie des Gußstücks kann es von Vorteil sein, im
Formhohlraum eine oder mehrere Trennwände vorzusehen, die
verschiebbar gelagert sind. In ihrer eingeschobenen Stellung
unterteilen sie den Formhohlraum in mehrere Kammern, die un
abhängig voneinander befüllt werden können. Sobald die Kammern
mit der jeweiligen Legierung befüllt sind, werden die Trenn
wände zurückgezogen und die beiden Legierungenn geraten mit
einander in Kontakt, so daß sich der eingangs beschriebene
Übergangsbereich bilden kann.
Das Verfahren und die Vorrichtung können an sich bei allen
bekannten Druckgießtechnologien eingesetzt werden, insbesonde
re beim Niederdruck-, Gegendruck-, Vakuum- und Preßgießen mit
"squeeze"-Effekt.
Die Erfindung wird nachstehend näher anhand der in den Figuren
schematisch dargestellten Ausführungsbeispiele erläutert. Es
zeigen:
Fig. 1 Gießwerkzeug im Axialschnitt,
Fig. 2 Gießwerkzeug gemäß Fig. 1, Schnitt A-A,
Fig. 3 Gießwerkzeug im Axialschnitt gemäß Fig. 1,
Formhohlraum mit Schmelze befüllt und
Fig. 4 Gießvorgang zum Herstellen eines Leichtmetall
rades für ein Fahrzeug.
In den Fig. 1 bis 3 ist die grundsätzliche Konzeption des
erfindungsgemäßen Verfahrens und der erfindungsgemäßen Vor
richtung dargestellt.
Ein Gießwerkzeug besteht aus einem unteren Werkzeugteil 10 und
einem oberen Werkzeugteil 12. Zwischen dem unteren Werkzeug
teil 10 und dem oberen Werkzeugteil 12 ist ein Formhohlraum 11
gebildet, der im vorliegenden Fall zum Herstellen eines Gehäu
seteils dient.
Dem Formhohlraum 11 wird Schmelze über Zuführkanäle 20, 30
zugeführt, die im unteren Werkzeugteil 10 vorgesehen sind. Die
Zuführkanäle 20 sind zu einer ersten Gruppe von Zuführkanälen
zusammengefaßt und münden von unten in den Formhohlraum 11.
Die Zuführkanäle 30 sind zu einer zweiten Gruppe von Zuführ
kanälen zusammengefaßt und münden seitlich in den Formhohlraum
11.
Der Befüllvorgang mit Metallschmelze wird nun so gesteuert,
daß der in Fig. 3 angedeutete Zustand erreicht wird, wonach
eine erste Metallschmelze, nämlich die Basislegierung SM1 den
unteren Bereich des Formhohlraums 11 weitgehend ausfüllt,
wohingegen eine zweite Metallschmelze, die Zusatzlegierung SM2,
den nach oben weisenden Seitenabschnitt des Formhohlraums
füllt. Es sind dies beispielsweise diejenigen Bereiche, die
verstärkt ausgelegt werden müssen. Ferner ist im Mündungs
bereich der zweiten Gruppe von Zuführkanälen 30 ein Bereich
vorhanden, in dem sowohl die Basislegierung SM1 als auch die
Zusatzlegierung SM2 miteinander vermischt sind. Dieser Be
reich wird als Übergangsbereich bezeichnet, da dort die Eigen
schaftsänderung kontinuierlich erfolgt.
In Fig. 4 ist der Gießvorgang beim Herstellen eines Leicht
metallrades für ein Kraftfahrzeug dargestellt, wobei die rech
te Hälfte den Zustand bei offenem Gießwerkzeug und die linke
Hälfte den Zustand bei geschlossenem Gießwerkzeug zeigt. Hin
sichtlich des grundsätzlichen Aufbaus ist das Gießwerkzeug in
Übereinstimmung mit dem in den Fig. 1 bis 3 dargestellten
Werkzeug.
Das Gießwerkzeug besteht wiederum aus einem unterem Werkzeug
teil 19 und einem oberen Werkzeugteil 12. Ferner sind Schieber
16 vorhanden, die seitlich mit dem unteren Werkzeugteil 10 und
dem oberen Werkzeugteil 12 zusammenwirken. Das untere Werk
zeugteil 10 ist feststehend auf einer Basisplatte 18 montiert.
Das obere Werkzeugteil 12 besitzt einen Zentraleinsatz 14 und
ist wie dieser vertikal bewegbar.
Auf der Basisplatte 18 ist ein Haltering 22 montiert, der das
untere Werkzeugteil 10 koaxial umschließt. Der Haltering 22
ist gegenüber dem Außenumfang des unteren Werkzeugteils 10
radial beabstandet, so daß zwischen dem Außenumfang des unte
ren Werkzeugteils 10 und einem sich axial daran anschließenden
Absatz der Basisplatte 18 einerseits und dem Innenumfang des
Halterings 22 andererseits eine zylindrische Ringkammer 24
gebildet ist. Bodenseitig ist die Ringkammer 24 durch die
Basisplatte 18 abgeschlossen, wobei ein Fluiddruckkanal 26
durch die Basisplatte 18 von unten in die Ringkammer 24 führt.
In der Ringkammer 24 ist unten ein ringförmiger Kolben 28
gelagert, der den gesamten horizontalen Querschnitt der Ring
kammer 24 ausfüllt und die halbe axiale Höhe der Ringkammer 24
aufweist.
Der Kolben 28 ist in der Ringkammer 24 an seinem Außenumfang
und an seinem Innenumfang dicht gleitend geführt. Der Kolben
28 kann durch Druckbeaufschlagung über den Fluiddruckkanal 26
in der Ringkammer 24 nach oben gedrückt werden. Alternativ
kann der Kolben 28 durch mehrere hydraulisch betätigte Hub
stempel nach oben gedrückt werden.
Durch den Haltering 22 führt ein Zuführkanal 30 oberhalb des
Kolbens 28 in die Ringkammer. Der Zuführkanal 30 verläuft
radial durch den Haltering 22 und steigt axial von außen nach
innen an. Das Zuflußrohr 32, welches von einem Druckkolben
beaufschlagt ist, ist kraftschlüssig und dicht mit einem ka
lottenförmigen Mundstück an das radial äußere Ende des Zuführ
kanals 30 anschließend in den Haltering 22 eingesetzt.
Die Ringkammer 24 mündet an ihrem oberen Ende über den ge
samten Umfang und über die gesamte radiale Breite in den Form
hohlraum des Gießwerkzeugs an dessen Außenumfang. In dem in
der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiel, bei welchem
das Gußstück ein Fahrzeugrad ist, mündet die Ringkammer 24 in
den von den unteren Werkzeugteil 10 und den Schiebern 16 ge
bildeten Bereich des Formhohlraums, der das äußere Felgenhorn
des Rades bildet.
Durch die Basisplatte 18 und das untere Werkzeugteil 10 ist
ein weiterer Zuführkanal 20 hindurchgeführt, der zentral in
den Formhohlraum des Gießwerkzeugs mündet. Im dargestellten
Ausführungsbeispiel des Fahrzeugrades mündet der Zuführkanal
20 axial in den zwischen dem unteren Werkzeugteil 10 und dem
Zentraleinsatz 14 gebildeten Bereich des Formhohlraumes, der
die Nabe des Rades bildet.
Das Gießverfahren läuft folgendermaßen ab:
Zunächst befindet sich das obere Werkzeugteil 12 mit dem Zen
traleinsatz 14 in der angehobenen oberen Stellung und der
Kolben 28 unten in der Ringkammer 24, wie dies in der rechten
Hälfte der Zeichnung dargestellt ist. Über den zentralen Zu
führkanal 20 wird Metallschmelze einer ersten Zusammensetzung
(Basislegierung SM1) zugeführt und füllt den Hohlraum ausge
hend von dem zentralen Bereich der späteren Nabe des Rades in
radialer Richtung und dringt in diejenigen Bereiche des Form
hohlraums ein, der die Speichen des Rades bildet.
Über das Zuflußrohr 32 und den Zuflußkanal 30 wird Metall
schmelze einer zweiten Zusammensetzung (Zusatzlegierung SM2)
radial von außen in die Ringkammer 24 oberhalb des Kolbens 28
zugeführt. Die Metallschmelze SM2 füllt die Ringkammer 24 und
dringt von dort in denjenigen Bereich ein, der das äußere
Felgenhorn des Rades bildet. Unmittelbar danach erreicht es
den Bereich des Formhohlraums, der die Speichen des Rades dar
stellt. Dort trifft es auf die Basislegierung SM1 und ver
mischt sich lokal begrenzt mit dieser.
Anschließend wird er Kolben 28 nach oben geschoben, bis er den
Eintrittsquerschnitt des Zuführkanals 30 in die Ringkammer 24
verschließt und die Metallzuführung zu der Ringkammer 24 un
terbricht. Dabei verdrängt der Kolben 28 das sich in der Ring
kammer 24 befindliche Volumen der Metallschmelze nach oben.
Der Kolben 28 befindet sich nun in der in der linken Hälfte
der Zeichnung dargestellten Position.
Anschließend (oder auch noch während der Aufwärtsbewegung des
Kolbens 28) werden das obere Werkzeugteil 12 und der Zentral
einsatz 14 nach unten gefahren und erreichen die in der linken
Hälfte der Zeichnung dargestellte Position. Dabei wird die
teigige Metallschmelze SM1, SM2 verdichtet und in die freien
Werkzeughohlräume verdrängt, insbesondere in die Hohlräume,
die das Felgenbett und das innere Felgenhorn bilden.
Alternativ zu dem gemeinsamen Niederfahren des oberen Werk
zeugteils 12 und des Zentraleinsatzes 14 kann auch zunächst
der Zentraleinsatz 14 nach unten gefahren werden, so daß das
Werkzeug im Nabenbereich geschlossen ist. Anschließend wird
das obere Werkzeugteil 12 nach unten gefahren und verdrängt
und verdichtet die Metallschmelze SM1, SM2 im Bereich der
Speichen.
Anstelle des einzigen Zuführkanals 30 können auch mehrere
Zuführkanäle zu einer Gruppe zusammengefaßt und über den Um
fang der Ringkammer 24 angeordnet sein. Auch können mehrere
Zuführkanäle 20 vogesehen sein, die nicht nur im Nabenbereich
sondern auch im Bereich der Speichen alternativ oder zusätz
lich münden können.
Die Anwendung dieser Technologie ist nicht auf die Herstellung
von Leichtmetallrädern oder rotationssymetrischen Gußstücken
beschränkt. Vielmehr können an sich beliebige, auch
asymmetrische Formen, wie beispielsweise Getriebegehäuse oder
dergleichen mit lokal veränderten Eigenschaftswerten reali
siert werden. In diesem Fall kann es erforderlich werden, den
Formhohlraum in einzelne Kammern zu unterteilen, um den Be
füllvorgang leichter steuern zu können. Die Übergangsbereiche
zwischen den beiden Legierungen lassen sich auf diese Weise
exakt plazieren und sind unabhängig von den Zuflußbedingungen
der beiden Schmelzeströme. Auch können die Austauschmecha
nismen an der Grenzfläche zwischen den beiden Legierungen
zeitlich begrenzt werden, wenn die Trennwände erst unmittelbar
vor dem Erstarren entfernt werden.
Als weitere Anwendungsbeispiele vorstehender Technologie kön
nen Bremsscheiben, Dreieckslenker zur Radaufhängung und andere
Anwendungen aus dem Fahrzeugbau genannt werden, bei denen
Bereiche stärkerer Beanspruchung vorhanden sind.
10
unteres Werkzeugteil
11
Formhohlraum
12
oberes Werkzeugteil
14
Zentraleinsatz
16
Schieber
18
Basisplatte
20
erster Zuführkanal
22
Haltering
24
Ringkammer
26
Fluiddruckkanal
28
Kolben
30
zweiter Zuführkanal
32
Zuflußrohr
SM1 Basislegierung
SM2 Zusatzlegierung
SM1 Basislegierung
SM2 Zusatzlegierung
Claims (14)
1. Verfahren zum Herstellen eines Gußstücks, bei dem einem
Formhohlraum eines Gießwerkzeugs Metallschmelze über
wenigstens zwei voneinander getrennte, an unterschiedli
chen Stellen mündende Zuführkanäle zugeführt wird, wobei
Metallschmelze einer ersten Zusammensetzung (Basislegie
rung SM1) über einen ersten Zuführkanal (20) oder über
eine erste Gruppe von Zuführkanälen und Metallschmelze
einer zweiten Zusammensetzung (Zusatzlegierung SM2) Über
einen zweiten Zuführkanal (30) oder über eine zweite
Gruppe von Zuführkanälen zugeführt werden, und sodann die
Basislegierung (SM1) und die Zusatzlegierung (SM2)
unter Bildung eines kontinuierlichen Übergangsbereichs
gemeinsam erstarren,
dadurch gekennzeichnet, daß eine der beiden Legierungen
zentral und die andere Legierung dezentral zugeführt
werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Basislegierung (SM1) und
die Zusatzlegierung (SM2) im wesentlichen gleichzeitig
zugeführt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Basislegierung (SM1)
zentral und die Zusatzlegierung (SM2) dezentral zuge
führt werden.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die dezentral zuzuführende
Legierung über eine Ringkammer (20), die mit dem Form
hohlraum (11) über zumindest den größten Teil ihres Um
fanges offen in Verbindung steht, zugeführt wird.
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß der Formhohlraum (11) tempo
rär in voneinander getrennte Kammern unterteilt werden
kann, derart, daß eine erste Kammer oder eine erste Grup
pe von Kammern mit einer der beiden Legierungen und eine
zweite Kammer oder eine zweite Gruppe von Kammern mit der
anderen Legierung befüllt werden und vor dem Erstarren
der Legierungen (SM1, SM2) die Unterteilung entfernt
wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, daß die Legierungen (SM1, SM2)
zeitversetzt zugeführt werden.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß als Zusatzlegierung (SM2)
eine modifizierte Basislegierung verwendet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, daß festigkeitserhöhende Zusätze
verwendet werden.
9. Verfahren nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, daß als festigkeitserhöhende
Zusätze Partikel oder Fasern verwendet werden.
10. Vorrichtung zum Herstellen eines Gußstücks, bei der ein
Formhohlraum eines Gießwerkzeugs mit einer Metallschmelze
befüllbar ist, mit wenigstens zwei voneinander getrenn
ten, an unterschiedlichen Stellen in bezug auf den Form
hohlraum mündenden Zuführkanälen, insbesondere zur Durch
führung eines Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, daß ein erster Zuführkanal (20)
oder eine erste Gruppe von Zuführkanälen zentral und ein
zweiter Zuführkanal (30) oder eine zweite Gruppe von
Zuführkanälen dezentral zu dem Formhohlraum (11) angeord
net sind.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, daß der zweite Zuführkanal (30)
oder die zweite Gruppe von Zuführkanälen in eine Ringkam
mer (24) mündet, die ihrerseits über zumindest den größe
ren Teil ihres Umfangs offen in den Formhohlraum (11)
mündet und in der wenigstens ein Kolben (28) verschiebbar
gelagert ist, derart, daß er beim Einschieben die Metall
schmelze (SM2) aus der Ringkammer (24) in den Formhohl
raum (11) hinein verdrängt.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß
der wenigstens eine Kolben (28) in seiner eingeschobenen
Stellung den zweiten Zuführkanal (30) oder die zweite
Gruppe von Zuführkanälen verschließt.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 10 bis 12,
dadurch gekennzeichnet, daß im Formhohlraum (11) wenig
stens eine Trennwand verschiebbar gelagert ist, derart,
daß sie in ihrer eingeschobenen Stellung den Formhohlraum
(11) in eine erste Kammer oder erste Gruppe von Kammern,
die dem ersten Zuführkanal (20) oder der ersten Gruppe
von Zuführkanälen zugeordnet ist, und in eine zweite
Kammer oder zweite Gruppe von Kammern, die dem zweiten
Zuführkanal (30) oder der zweiten Gruppe von Zuführkanä
len zugeordnet ist, unterteilt.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 13 zur Her
stellung von Leichtmetallrädern für Kraftfahrzeuge,
dadurch gekennzeichnet, daß die Ringkammer (24) in den
das äußere Felgenhorn bildenden Bereich des Formhohlraums
(11) einmündet.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1997104649 DE19704649C1 (de) | 1997-02-07 | 1997-02-07 | Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen eines Gußstücks |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1997104649 DE19704649C1 (de) | 1997-02-07 | 1997-02-07 | Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen eines Gußstücks |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19704649C1 true DE19704649C1 (de) | 1998-06-18 |
Family
ID=7819595
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
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| DE19918002C1 (de) * | 1999-04-21 | 2000-10-26 | Univ Magdeburg Tech | Verfahren zum Gießen eines Leichtmetall-Zylinderkopfs aus zwei Legierungen |
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1997
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