DE19629389C1 - Splittergefechtskopf - Google Patents
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf einen Gefechtskopf nach dem Oberbegriff des
Anspruches 1.
Bei den Flugzielen, die es heutzutage zu bekämpfen gibt, wird unterschieden
zwischen harter und weicher Zielbeschaffenheit.
Taktische, ballistische Flugkörper, sogenannte TBM-Ziele, zählen zu der erst
erwähnten härteren Zielgattung, und zwar aufgrund ihrer aerodynamischen Hülle
und ihres Gefechtskopfes mit starkwandiger Monosplitterhülle bzw. mit stark
umhüllten, sprengstoffgefüllten Submunitionen. Für eine wirkungsvolle Be
kämpfung derselben bedarf es massereicher Splitter, welche die aerodynamische
Hülle und Splitterhülle bzw. Submunitionshüllen zu durchdringen vermögen und
im Anschluß an diese Durchdringungsvorgänge auch noch in der Lage sind, die
angrenzende Sprengladung zu einer schnellen, heftigen Reaktion oder gar zur
Detonation zu bringen. Deren Anzahl ist bei der gegebenen Gefechtskopfgröße
gebräuchlicher Antiflugziel-Flugkörper zumeist niedrig. Dafür ist aber die
Zielablage der letzteren im allgemeinen gering, d. h. im Bereich von maximal
einigen Metern.
Flugzeuge und Marschflugkörper sind hingegen der weicheren Zielgattung
zuzurechnen. Deren hohe Manövrierfähigkeit und Vielfältigkeit in bezug auf
Abwehrmaßnahmen bringen es mit sich, daß die Zielablagen angreifender Flug
körper relativ groß ausfallen können. Infolgedessen ist mit nur wenigen, großen
bzw. entsprechend schweren Splittern nicht mehr die gewünschte Trefferwahr
scheinlichkeit bzw. Trefferhäufigkeit gegeben. Wegen der notwendigen Tref
ferdichten aus größeren Entfernungen sind vielmehr zahlreiche Splitter erforder
lich. Dabei genügen bereits kleine Splittermassen vollauf, um am angegriffenen
Zielobjekt eine ausreichende Zerstörung von Komponenten zu bewirken.
Bekannte Maßnahmen zur Erlangung besonders zahlreicher Splitter sind u. a.
den Patentschriften US 32 702, DE 28 07 309 C1 und US 37 41 123 zu ent
nehmen. Sie bestehen in einer mehrschichtigen Anordnung von Splitterbele
gungen gleicher oder auch unterschiedlicher Beschaffenheit. Ein Variieren der
Splitteranzahl und -größe während des Zielanflugs ist hierbei allerdings nicht
vorgesehen. Letzteres trifft in gleicher Weise auch für die Splittergefechtsköpfe
gemäß den Patentschriften DE 41 39 372 C1 und US 42 16 720 zu, von denen
derjenige gemaß der erstgenannten Druckschrift mit pyrotechnischen Mitteln zur
Beeinflussung der Splitterwirkrichtung ausgestattet ist und derjenige gemäß der
letztgenannten Druckschrift in Form und Masse einheitliche Stäbe als Splitter
aufweist.
Um mit ein und demselben Splittergefechtskopf jederzeit sowohl gegen härtere
als auch gegen weichere Flugziele der vorbeschriebenen Art erfolgreich vor
gehen zu können, bedarf es aber der Möglichkeit einer gezielten Einflußnahme
auf Größe und Anzahl der jeweils abgehenden Splitter auch nach erfolgtem Ab
schuß des betreffenden Trägerflugkörpers. Im Fall der deutschen Patenschrift
DE 30 16 861 C2 sind zu diesem Zweck in der Sprengladung auf der Seite der
Splitterhülle Rillen definierten Verteilungsmusters vorgesehen. Bleiben die
selben leer, wirken sie als Schneidladungen, welche zu einer merklichen Ver
größerung der abgehenden Splitteranzahl beitragen. Wird dagegen von der vor
gesehenen Möglichkeit einer Rillenfüllung mit Flüssigkeit Gebrauch gemacht,
unterbleibt die vorbeschriebene zusätzliche Zerlegung der vorgeformten bzw.
natürlichen Splitter.
Was sich bei dem letztbeschriebenen bekannten Ausführungsbeispiel als pro
blematisch erweist, ist das Einfüllen der betreffenden Flüssigkeit, und zwar so
wohl bei hohen Temperaturen wegen des Dampfdruckes als auch bei niedrigen
Temperaturen von -40°C bis -50°C wegen der Fließfähigkeit.
Den vorstehend aufgezeigten Problemen bei Gefechtsköpfen in Rede stehender
Gattung und Zweckbestimmung mit einfachen Mitteln abzuhelfen, ist Aufgabe
der Erfindung.
Diese Aufgabe ist gemäß der Erfindung durch die im kennzeichnenden Teil des
Patentanspruches 1 angegebenen Merkmale gelöst. Weitere vorteilhafte Ausge
staltungen finden sich in den Unteransprüchen.
Der erfindungsgemäße Gefechtskopf ist zum wirkungsvollen Bekämpfen von
Flugzielen jedweder Art bestens geeignet, unabhängig davon, ob deren Zielbe
schaffenheit eher hart oder eher weich ist. Seine Erklärung findet dies in der
speziellen Verwendung von Stäben, sei es in direktem Kontakt mit oder in ei
nem Luftabstand zur Splitterhülle. Besondere Bedeutung kommt hierbei der ge
schaffenen Möglichkeit zu, besagte Stäbe bedarfsweise noch kurz vor der Ziel
begegnung rasch aus dem Bereich der Splitterhülle mit pyrotechnischen Mitteln
zu entfernen.
Das kann in der Art geschehen, daß die sich beispielsweise parallel zueinander
in Richtung der Gefechtskopflängsachse erstreckenden Stäbe mit einer aero
dynamischen Außenhülle absprengbar sind. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich,
diese Außenhülle an ihrem in Flugrichtung gesehen vorderen Ende mit einer in
Umfangsrichtung verlaufenden Trennstelle sowie mit mehreren in Hüllenlängs
richtung verlaufenden Trennstellen in gleichmäßiger Umfangsverteilung zu ver
sehen und an besagten Trennstellen Sprengstoff in Folienform, Schneidschnüre
oder dergleichen Trennmittel anzubringen.
An dieser Stelle sei noch angemerkt, daß für die erfindungsgemäßen Stäbe
Rundprofile ebenso in Betracht kommen wie Flachprofile. Ein Zusammenfassen
derselben zu einer Gitterstruktur und deren Einbettung in eine Kunststoffmatrix
oder Schaumstoffmasse stellen besonders empfehlenswerte Maßnahmen dar.
Nachfolgend wird der erfindungsgemäße Gefechtskopf anhand der schema
tischen Zeichnung näher erläutert. Dann zeigen in Form von Prinzipskizzen:
Fig. 1 eine splittergebende Gefechtskopfausführung mit bedarfsweise in
Abhängigkeit von der Beschaffenheit des angegriffenen Flugziel
objektes steuerbarer Splittergröße
und
Fig. 2 dieselbe Gefechtskopfausführung, und zwar im Längsschnitt
entlang der Linie A-A in Fig. 1.
Der Gefechtskopf gemäß den Fig. 1 und 2 weist eine Sprengladung 1 mit
zugeordneter Zündvorrichtung 2 auf. Umgeben ist die Sprengladung 1 von einer
Splitterhülle 3. Letztere besteht aus vorgeformten Splittern 4 in Form von Plätt
chen, beispielsweise solchen aus Stahl. Zum bedarfsweisen weiteren Zerlegen
der Splitter 4 erstrecken sich über dieselben Stäbe 5 bis 13 aus Stahl oder der
gleichen, für die im Querschnitt quadratische Profile 5 bis 9 ebenso in Betracht
kommen wie Rundprofile 10 oder Flachprofile 11 bis 13 mit unterschiedlichen
Abmessungen.
Von den Stäben befinden sich die mit 5 bezeichneten in direktem Kontakt mit
der Splitterhülle 3. Wie am Beispiel der Stäbe 6 bis 13 gezeigt ist, kommen
genausogut auch Luftabstände 14 bis 17 zwischen denselben und den Splittern 4
in Frage, wobei die jeweiligen Abstandsmaße unterschiedlich sein können.
Eines ist sämtlichen Stäben 5 bis 13 gemeinsam. Sie verbleiben allesamt an Ort
und Stelle und sorgen im Detonationsfall somit für eine weitere Zerlegung der
vorgeformten Splitter 4, wenn es sich beim angegriffenen Flugzielobjekt um ein
solches von relativ weicher Beschaffenheit handelt. Dagegen kommt es zu
einem raschen mechanischen Loslösen besagter Stäbe 5 bis 13 vom Gefechts
kopf mit dem Ergebnis weniger großer Splitter, sollte das angegriffene Flugziel
relativ hart beschaffen sein. Gewährleistet ist letzteres beispielsweise dann,
wenn die betreffenden Stäbe 5 bis 13 unter Bildung einer Gitterstruktur - wie bei
18 angedeutet - an einer aerodynamischen Außenhülle angebracht sind, und
zwar an einer solchen, die durch Sprengladungsfolie oder Schneidschnüre (19)
an der oberen oder der oberen und der unteren Seite absprengbar und außerdem
3- bis 6fach in Längsrichtung auftrennbar ist. Die derart abgesprengte und auf
getrennte Außenhülle 8 wird durch den Detonationsdruck der Sprengladung 1
sehr schnell weggedrückt. Unter der Annahme, daß die wirksame Länge der
Splitterhülle 3 200 mm beträgt und die aerodynamische Außenhülle an der
Oberseite mit 100 m/s bzw. 0,1 mm/µs aufgeht, ist letztere in einer Zeitspanne
von etwa 3 ms (2 · 200 mm · π/4 · 0,1 mm/µs) aus dem Splitterbereich. Dies
träfe für den Fall im Vakuum zu. Bei der hohen Fluggeschwindigkeit wird durch
die vorhandene Luftströmung die abgesprengte und aufgetrennte Außenhülle 18
sogar noch viel schneller vom Gefechtskopf abgezogen, beispielsweise in ledig
lich etwa 1 ms. Aufgrund dessen kann die Umstellung des Gefechtskopfes von
einer Vielzahl relativ kleiner Splitter auf große, weniger zahlreiche Splitter
ohne weiteres noch kurz vor der Zielbegegnung vollzogen werden, beispiels
weise mit Hilfe eines Suchkopfes oder gar des Zündsensors für die Spreng
ladung 1.
Claims (15)
1. Gefechtskopf, insbesondere zur Bekämpfung von Flugzielen, mit
einer Sprengladung und einer Splitterhülle, die aus vorgeformten Splittern
aufgebaut ist, dadurch gekennzeichnet, daß im Nahbereich der Splitterhülle (3)
den bei der Ladungsdetonation abgehenden Splittern (4) Stäbe (5 bis 13) zur
weiteren Splitterbildung in den Weg gestellt sind, wobei diese Stäbe (5 bis 13) in
der Einsatzphase vor der Ladungsdetonation mit pyrotechnischen Mitteln
entfernbar sind.
2. Gefechtskopf nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die entfernbaren Stäbe (5) mit der Splitterhülle (3) in direktem Kontakt sind.
3. Gefechtskopf nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die entfernbaren Stäbe (6 bis 13) mit Luftabstand (14 bis 17) zur Splitterhülle (3)
angeordnet sind.
4. Gefechtskopf nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch ge
kennzeichnet, daß die entfernbaren Stäbe (5 bis 13) parallel zueinander sich in
Richtung der Gefechtskopflängsachse erstrecken.
5. Gefechtskopf nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch ge
kennzeichnet, daß die entfernbaren Stäbe (5 bis 13) zu einer Gitterstruktur
zusammengefaßt sind.
6. Gefechtskopf nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch ge
kennzeichnet, daß die entfernbaren Stäbe (5 bis 13) in eine Kunststoffmatrix
eingebettet sind.
7. Gefechtskopf nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch ge
kennzeichnet, daß die entfernbaren Stäbe (5 bis 13) in eine Schaumstoffmasse
eingebettet sind.
8. Gefechtskopf nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch ge
kennzeichnet, daß die entfernbaren Stäbe (5 bis 9) ein Quadratprofil aufweisen.
9. Gefechtskopf nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch ge
kennzeichnet, daß die entfernbaren Stäbe (10) ein Rundprofil aufweisen.
10. Gefechtskopf nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch ge
kennzeichnet, daß die entfernbaren Stäbe (11 bis 13) ein Flachprofil aufweisen.
11. Gefechtskopf nach einem der Ansprüche 1 bis 10, gekennzeich
net durch eine mit den Stäben (8) zur weiteren Splitterbildung entfernbare,
aerodynamische Außenhülle (18).
12. Gefechtskopf nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß
die Außenhülle (18) an ihrem in Flugrichtung gesehen vorderen Ende eine in
Umfangsrichtung verlaufende Trennstelle und mehrere, in Hüllenlängsrichtung
verlaufende Trennstellen aufweist.
13. Gefechtskopf nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß
die Außenhülle (18) an beiden Enden in Umfangsrichtung verlaufende Trenn
stellen und mehrere in Hüllenlängsrichtung verlaufende Trennstellen aufweist.
14. Gefechtskopf nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeich
net, daß sich Sprengstoff in Folienform an den Trennstellen befindet.
15. Gefechtskopf nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeich
net, daß sich Schneidschnüre (19) an den Trennstellen befinden.
Priority Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE1996129389 DE19629389C1 (de) | 1996-07-20 | 1996-07-20 | Splittergefechtskopf |
Applications Claiming Priority (1)
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Publications (1)
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| DE19629389C1 true DE19629389C1 (de) | 1997-11-20 |
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Family Applications (1)
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|---|---|
| DE (1) | DE19629389C1 (de) |
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- 1996-07-20 DE DE1996129389 patent/DE19629389C1/de not_active Expired - Fee Related
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| D1 | Grant (no unexamined application published) patent law 81 | ||
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Owner name: DAIMLERCHRYSLER AEROSPACE AKTIENGESELLSCHAFT, 8099 |
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| 8327 | Change in the person/name/address of the patent owner |
Owner name: TDW GESELLSCHAFT FUER VERTEIDIGUNGSTECHNISCHE WIRKS |
|
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Effective date: 20110201 |