DE19547792A1 - Teilbelag-Scheibenbremse - Google Patents
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf eine Teilbelag-Scheibenbremse nach dem Oberbe
griff der Ansprüche 1 bis 3.
Derartige Scheibenbremsen sind allgemein bekannt und beispielsweise in der DE-
U 68 05 501 dargestellt und beschrieben. Generell neigen die bekannten Schei
benbremsen zu unerwünschten Quietschgeräuschen, insbesondere bei neuen
Reibbelägen.
Aufgabe der Erfindung ist es, bekannte Scheibenbremsen so weiterzubilden, daß
Quietschgeräusche verhindert oder zumindest reduziert werden können.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der Ansprüche 1, 2 oder 3 gelöst.
Scheibenbremsen mit neuen Bremsbacken neigen in besonderem Maße zu
Quietschgeräuschen, da die Reibbeläge der Bremsbacken im Neuzustand unter
Umständen undefiniert an der Bremsscheibe zur Anlage kommen. Dies trifft ins
besondere für die Anfangsphase eines Bremsvorgangs und für leichte Bremsun
gen zu. Kritisch ist hierbei insbesondere eine Anlage der Reibbeläge nur radial
außenliegend, d. h. dem Bremsscheibentopf abgewandt. Die Bremsscheibe besitzt
in diesen Außenabschnitten eine geringere Struktursteifigkeit als im Bereich des
Bremsscheibentopfes und kann somit leichter in ihren Eigenschwingformen ange
regt werden, wodurch hochfrequente Quietschgeräusche entstehen.
Erfindungsgemäß ist daher vorgesehen, neue Bremsbacken durch entsprechende
konstruktive Maßnahmen zunächst nur radial innenliegend, d. h. in der Nähe des
Bremsscheibentopfes, zur Anlage zu bringen.
Dies hat in schwingungstechnischer Hinsicht den grundsätzlichen Vorteil, daß
durch die höhere Steifigkeit der Bremsscheibe in Topfnähe die Bremsscheibe we
niger leicht zu Eigenschwingungen angeregt wird.
Darüber hinaus ergibt sich unter Umständen im Einzelfall ein weiteres Potential zur
Geräuschreduzierung: Entspricht nämlich die halbe Wellenlänge einer kritischen
Eigenschwingform am äußeren Bereich der Bremsscheibe in etwa der Länge der
radial außenliegenden Kante des Reibbelags, so liegen ideale Bedingungen für
eine Schwingungsanregung vor. Eine derartige Konstellation kann durch die
erfindungsgemäße radial innere Anlage der Reibbeläge im Einzelfall maßgeblich
entschärft werden.
Grundsätzlich bestehen verschiedene Möglichkeiten, eine innenseitige Anlage des
Reibbelages zu erreichen. Anspruch 1 schlägt hierzu eine ungleichmäßige Dicke
der Bremsbacke vor, wobei entweder der Reibbelag selbst eine Stufe oder eine
lineare Dickenänderung aufweisen oder der Belagträger bei konstanter Reibbe
lagdicke keilförmig ausgebildet sein kann. Alternativ ist gemäß Anspruch 2 eine
Schrägstellung der Bremsbacken über einen abgestuften oder abgeschrägten Kol
ben möglich. Auch kann die innenseitige Anlage des Reibbelages durch einen
schräggestellten Bremskolben (Anspruch 3) erreicht werden, wobei entweder der
Bremssattel insgesamt schräggestellt wird oder der Bremskolben in Bezug auf den
Bremssattel eine Schrägstellung aufweist. Bei der Schrägstellung der Bremskolben
nach Anspruch 3 wird auch bei eingelaufenen Reibbelägen noch eine innenseitige
Anlage der Bremsbacken erreicht, wenn nur geringe Bremsdrücke anliegen.
Grundsätzlich wirkt sich bereits die Schrägstellung der Bremsbacke auf einer Seite
der Bremsscheibe positiv auf das Quietschverhalten der Scheibenbremse aus.
Weitreichendere Vorteile ergeben sich dann, wenn die Bremsbacken beidseits der
Bremsscheibe jeweils radial innenseitig zur Anlage an der Bremsscheibe kommen
(Anspruch 4). Bei Festsattelbremsen kann dies durch eine symmetrische Ausbil
dung der Scheibenbremse erreicht werden. Bei Schwimmsattelbremsen sind auf
der bremskolbenabgewandten Seite zusätzliche Maßnahmen erforderlich, wie bei
spielsweise abgeschrägte Anlageflächen an der kolbenabgewandten Seite des
Schwimmsattels.
Neben der Schrägstellung der Bremsbacken in radialer Richtung ist es auch mög
lich, die Bremsbacken so anzustellen, daß sie in Umfangsrichtung der Brems
scheibe jeweils nur an einem ihrer äußeren Randbereiche an der Bremsscheibe
zur Anlage kommen. Dies ist in den beiden Patentanmeldungen 195 45 744.7 und
195 46 745.5 der Anmelderin näher ausgeführt, mit ebenfalls sehr vorteilhaften
Auswirkungen auf das Quietschverhalten einer Scheibenbremse. Der Inhalt der
beiden genannten Patentanmeldungen wird hiermit ausdrücklich in die vorliegende
Patentanmeldung mit einbezogen. Besondere Vorteile hinsichtlich des Geräusch
verhaltens einer Scheibenbremse ergeben sich dann, wenn gemäß Anspruch 5
beide Maßnahmen (radiale Schrägstellung und einseitige Anlage in Umfangsrich
tung) zusammen angewandt werden. Hiermit liegen bei leichten Bremsungen die
Bremsbacken nur mit einer Ecke der Reibbeläge an der Bremsscheibe an, mit der
Tendenz zu flächiger Anlage bei größeren Bremsdrücken und zunehmendem
Verschleiß der Reibbeläge.
Mögliche Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend anhand sche
matischer Zeichnungen dargestellt und näher erläutert. Es zeigt:
Fig. 1 eine Schwimmsattel-Scheibenbremse mit erfindungsgemäß abge
schrägten Reibbelägen in der Draufsicht, ohne Bremskraftbeaufschla
gung,
Fig. 2 eine der Fig. 1 entsprechende Darstellung der Scheibenbremse, mit
geringem Bremsdruck beaufschlagt,
Fig. 3 eine Schwimmsattel-Scheibenbremse mit schräggestelltem Bremskol
ben, ohne Bremskraftbeaufschlagung,
Fig. 4 eine der Fig. 3 entsprechende Darstellung der Scheibenbremse, mit
geringem Bremsdruck beaufschlagt,
Fig. 5a, b ein weiteres Ausführungsbeispiel einer Schwimmsattel-Scheiben
bremse, mit einem in zwei Ebenen schräggestellten Bremskolben,
in der Draufsicht sowie in einer Schnittdarstellung in Fahrtrich
tung, mit geringem Bremsdruck beaufschlagt.
Die Scheibenbremse eines Kraftfahrzeuges gemäß Fig. 1 und 2 weist eine
Bremsscheibe 1, einen als Schwimmsattel (Faustsattel) ausgebildeten Bremssattel
2, der einen Bremskolben 3 aufnimmt, sowie zwei Bremsbacken 4 auf. Die Brems
backen 4 setzen sich jeweils aus einem Belagträger 5 und einem Reibbelag 6 zu
sammen.
Die Scheibenbremse ist in den Fig. 1 und 2 in der Draufsicht dargestellt, d. h.
mit Blickrichtung von oberhalb des Fahrzeugs auf die Scheibenbremse eines hinter
der Mitte des nicht dargestellten Fahrzeugrades befindlichen Bremssattels 2 der
rechten Fahrzeugseite.
Die Reibbeläge 6 der Bremsbacken 4 weisen eine in Richtung des Bremsscheiben
topfes 7 zunehmende Dicke (d₁ → d₂) auf. Aus der Dickenzunahme der Reibbe
läge 6 über der Radialrichtung 8 der Bremsscheibe 1 ergibt sich ein Abschrä
gungswinkel a.
Bei Aufbringen einer Bremskraft (Fig. 2) wird der Bremskolben 3 in seiner Füh
rung 9 in Richtung des Lotes 10 auf die Bremsscheibe 1 verschoben. Hierdurch
gelangt zunächst die kolbenseitige Bremsbacke 4 zur linienförmigen Anlage im
innenliegenden Randbereich 11 des Reibbelages 6. Ober den "Finger" 12 des
Bremssattels 2 wird die Bremskraft mittelbar auch auf die kolbenabgewandte
Bremsbacke 4 übertragen, so daß sich auch hier ein linienförmiger Anlagebereich
11 ergibt. Diese beidseitigen Anlagebereiche 11 an der dem Bremsscheibentopf 7
zugewandten Seite der Bremsscheibe 1 vermindern gerade bei neuen Brems
backen 4 die Anregung der Bremsscheibe 1 in ihren Eigenschwingformen.
Bei größeren aufgebrachten Bremsdrücken (nicht dargestellt) legen sich die Reib
beläge 6 der Bremsbacken 4 großflächig an die Bremsscheibe 1 an, was durch
eine begrenzte Beweglichkeit des Bremskolbens 3 in seiner Führung 9 ermöglicht
wird.
Die Fig. 3 und 4 zeigen ein zweites Ausführungsbeispiel der Erfindung mit
einem Bremssattel 102, in dem ein Bremskolben 103 unter einem Zustellwinkel b
zum Lot 110 auf die Bremsscheibe 101 schräggestellt ist.
Fig. 4 veranschaulicht die Wirkung dieses Zustellwinkels b: Bei Aufbringen einer
Bremskraft wird zunächst die kolbenzugewandte Bremsbacke 104 in Richtung des
Pfeils 114 auf die Bremsscheibe 101 zu bewegt, bis der Reibbelag 106 an seinem
dem Bremsscheibentopf 107 zugewandten inneren Randbereich 111 an der
Bremsscheibe 101 zur Anlage kommt. Durch die schwimmende Lagerung des
Bremssattels 102 wird nun die bremskolbenabgewandte Bremsbacke 104 über den
"Finger" 112 an die Bremsscheibe 101 herangeführt. Da auch der Finger 112 ge
genüber einer zur Bremsscheibe 101 parallelen Ebene um den Zustellwinkel b
schräg angestellt ist, kommt die bremskolbenabgewandte Bremsbacke 104 in
analoger Weise zunächst mit ihrem innenliegenden Randbereich 111 an der
Bremsscheibe 101 zur Anlage, wie in Fig. 4 dargestellt. Somit wird erreicht, daß
bei neuen Bremsbacken 104 bei leichten Bremsungen nur die innenliegenden
Randbereiche 111 an der Bremsscheibe 101 anliegen.
Die Fig. 5a und 5b zeigen eine Abwandlung der erfindungsgemäßen Scheiben
bremse gemäß dem zweiten Ausführungsbeispiel. Wie die beiden Ansichten der
Scheibenbremse zeigen, ist der Bremskolben 203 doppelt schräggestellt: Zum
einen gegenüber einer vertikalen Ebene (Zustellwinkel b₁, siehe Fig. 5a), zum
anderen gegenüber einer horizontalen Ebene (Zustellwinkel b₂, siehe Fig. 5b).
Außerdem sind die Bremsbacken 204, wie bei modernen Kraftfahrzeugen heute
allgemein üblich, zusätzlich um einen Anstellwinkel g gegenüber dem Lot 210 auf
die Bremsscheibe 201 schräg geführt. Diese Schrägführung wird durch ein Anstel
len des gesamten Bremssattels 202 gegenüber dem Lot 210 erreicht. Anschläge
213 führen die Bremsbacken 204 in Umfangsrichtung 215 der Bremsscheibe 201.
Der Pfeil 216 gibt die Drehrichtung für den überwiegenden Fall der Vorwärtsfahrt
des Kraftfahrzeuges an. Daraus leitet sich ein Bereich 217 des Bremsscheibenein
laufes (unterer Randabschnitt) der Bremsbacken 204 und ein Bereich 218 des
Bremsscheibenauslaufes (oberer Randabschnitt) der Bremsbacken 204 ab.
Bei einer Bremssituation, wie auch in den Fig. 2 und 4 zugrundegelegt, liegen
die Bremsbacken 204 bereits an der Bremsscheibe 201 an. Die beiden Ansichten
der Fig. 5a und 5b zeigen, daß die Bremsbacken 204 einerseits an ihren dem
Bremsscheibentopf zugewandten inneren Randbereichen 211 anliegen, dabei
jedoch nur mit ihren unteren bremsscheibeneinlaufseitigen Randabschnitten 217
an der Bremsscheibe 201 zur Anlage kommen. Dadurch ergibt sich eine Anlage
der beiden Bremsbacken 204 jeweils nur mit einer Ecke der Reibbeläge 206. Die
vorteilhaften Auswirkungen der Anlage der Reibbeläge 206 jeweils nur mit einem in
Umfangsrichtung außenliegenden Randabschnitt 217 werden einerseits durch den
Zustellwinkel b₂, andererseits durch den Anstellwinkel g erreicht und sind ausführ
lich in der Anmeldung 195 45 744.7 beschrieben.
Die dargestellten Beispiele für Schwimmsattel-Scheibenbremsen lassen sich in
analoger Weise selbstverständlich auch auf Festsattel-Scheibenbremsen übertra
gen. Die in den Fig. 1 bis 7 dargestellten Winkel a, b₁, b₂, g sind aus Gründen
der Anschaulichkeit deutlich größer gewählt als dies bei ausgeführten Konstruk
tionen der Fall ist. Die Winkel sind in der Praxis so klein bemessen, daß sie das
Verschleißverhalten und die Leistungsfähigkeit der Scheibenbremse nicht
nennenswert beeinträchtigen.
Claims (5)
1. Teilbelag-Scheibenbremse, mit einer Bremsscheibe, auf die von beiden
Seiten jeweils eine Bremsbacke angedrückt werden kann,
dadurch gekennzeichnet, daß die Dicke (d₁, d₂) wenigstens einer der Brems
backen (4) im Neuzustand und bezogen auf die Radialrichtung (8) der
Bremsscheibe (1) ungleichmäßig ist, derart, daß beim Andrücken der Brems
backen (4) zunächst nur der - in Radialrichtung (8) der Bremsscheibe (1) be
trachtet - innere Randbereich (11) des Reibbelags (6) der Bremsbacke (4) an
der Bremsscheibe (1) zur Anlage kommt.
2. Teilbelag-Scheibenbremse, mit einer Bremsscheibe und zwei beidseits der
Bremsscheibe angeordneten Bremsbacken, die über wenigstens einen
Bremskolben an die Bremsscheibe angedrückt werden können
dadurch gekennzeichnet, daß die der Bremsbacke zugewandte Fläche des
Bremskolbens - bezogen auf die Radialrichtung der Bremsscheibe - abge
stuft ist oder schräg zur Bremsscheibe verläuft, derart, daß beim Andrücken
der Bremsbacke zunächst nur der - in Radialrichtung der Bremsscheibe be
trachtet - innere Randbereich des Reibbelags der Bremsbacke an der
Bremsscheibe zur Anlage kommt.
3. Teilbelag-Scheibenbremse, mit einer Bremsscheibe und zwei beidseits der
Bremsscheibe angeordneten Bremsbacken, die über wenigstens einen
Bremskolben an die Bremsscheibe angedrückt werden können,
dadurch gekennzeichnet, daß die Längsachse des Bremskolbens (103, 203)
um einen Zustellwinkel (b, b₁) vom Lot (110, 210) auf die Bremsscheibe
(101, 201) abweicht, derart, daß beim Andrücken der Bremsbacke (104, 204)
durch den Bremskolben (103, 203) zunächst nur der - in Radialrichtung (108,
208) der Bremsscheibe (101, 201) betrachtet - innere Randbereich (111, 211)
des Reibbelags (106, 206) der Bremsbacke (104, 204) an der Bremsscheibe
(101, 201) zur Anlage kommt.
4. Teilbelag-Scheibenbremse nach Anspruch 1, 2 oder 3,
gekennzeichnet durch Mittel, die auf beiden Seiten der Bremsscheibe (1,
101, 201) eine Anlage jeweils der - in Radialrichtung (8, 108, 208) der
Bremsscheibe (1, 101, 201) betrachtet - inneren Randbereiche (11, 111, 211)
der Bremsbacken (4, 104, 204) an der Bremsscheibe bewirken.
5. Teilbelag-Scheibenbremse nach wenigstens einem der vorgenannten An
sprüche,
gekennzeichnet durch Mittel, die eine Anlage beider Bremsbacken (204) mit
ihren - in Umfangsrichtung (215) der Bremsscheibe (201) betrachtet -
äußeren Randbereichen (217) auf gleicher Höhe zu beiden Seiten der
Bremsscheibe (201) bewirken.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1995147792 DE19547792A1 (de) | 1995-12-20 | 1995-12-20 | Teilbelag-Scheibenbremse |
Applications Claiming Priority (1)
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Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19547792A1 true DE19547792A1 (de) | 1997-06-26 |
Family
ID=7780792
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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| DE1995147792 Withdrawn DE19547792A1 (de) | 1995-12-20 | 1995-12-20 | Teilbelag-Scheibenbremse |
Country Status (1)
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