DE1792555C3 - Verfahren zur Herstellung einer für die intravenöse Anwendung geeigneten Gammaglobulinlösung - Google Patents
Verfahren zur Herstellung einer für die intravenöse Anwendung geeigneten GammaglobulinlösungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung
einer für die intravenöse Anwendung geeigneten Gammaglobulinlösung.
Durch Fraktionierung hergestelltes Gammagio·
bulin hat bekanntlich die Eigenschaft. Komplement zu fixieren. (Parandum, S. »Die Gamma-Globulin-Therapie«,
S. Karger Verlag, Basel 1964, 32). Es ist aus diesem Grunde für eine intravenöse Anwendung
nicht geeignet, sondern lediglich für eine intramuskuläre Anwendung. Da die Antikörperwirksamkeit
aber bei einer intravenösen Anwendung vollständiger ist und vor allem sofort eintritt, hat es
nicht an Versuchen gefehlt, intravenös verträgliche Gammaglobulin-präparate herzustellen.
Die biologische Funktion der Antikörper besteht in der Elimination von Bakterien und Viren sowie in
tier Neutralisation von Toxinen. Das Antigen bindende Fragment des Antikörpermoleküls sorgt dabei zunächst
für die Erkennung und Neutralisation von Erregern. Der entstehende Antigen-Antikörper-Komplex
bewirkt eine Aktivierung des Komplement bindenden Fragments des Moleküls. Dadurch werden
eine Reihe von immunologischen Folgereaktionen in Gang gesetzt, deren wesentlichste die Phagozytose
und die spezifische Aktivierung des Komplementsystems sind. Die spezifische Aktivierung des Komplementsystems,
die man klar von der unspezifischen (antikomplementäre Wirkung) unterscheiden muß,
bewirkt bei bakteriellen Infektionen eine Bakteriolyse. Als weitere Folge der Komplementaktivierung werden
Anaphylatoxine und chemotaktische Faktoren »dosiert« freigesetzt. Die Anaphylatoxine sorgen durch
Erhöhung der Gewebedurchlässigkeit für eine gesteigerte Antikörperkonzentration am Ort der Infektion,
während die chemotaktischen Faktoren die Phagozytose unterstützen Somit kommt bei der
Infektabwehr dem Komplement bindenden Fragment (Fc-Teil) des Immunglobulin-G-Moleküls eine überragende
Bedeutung /u. Klinisch von besonderer Bedeutung ist die In-vivo-Halbwertszeit der in intravenösem
Gammaglobulin enthaltenen Antikörper. Je langer die In-vivo-Halbwcrtszeit ist. um so langer
kreisen die zugeführten Antikörper im Blui und um so länger stehen sie Tür eine prophylaktische Wirksamkeit
ZUf Verfugung« Dies ist Von entscheidender
Bedeutung bei Krankheiten, in deren Verlauf der Organismus nicht in der Lage ist, Antikörper zu bilden, Man ist in solchen Fällen gezwungen, die Antl·
körper laufend zuzuführen. Je weniger oft dies notwendig ist, um so einfacher ist insbesondere eine
ambulante Behandlung durchzuführen.
Es sind bereits Verfahren bekannt, um aus Komplement fixierendem Human-Standard-Gammaglobulin
ein intravenös verträgliches Präparat herzustellen. Diese Verfahren beruhen darauf, daß das
durch herkömmliche Fraktionierverfahren wie die Cohnsche Alkoholfraktionierung und die -2-Äthoxy-6,9-diaminoacridin-Ammonsuifat-Fraktionierung
gewonnene Komplement fixierende Human-Standard-Gammaglobulin hydrolytisch in die einzelnen Fragmente
gespalten und so die Komplementfixierung beseitigt wird. Die eine dieser beiden Methoden
führt die Aufspaltung mit Pepsin durch (Schulze, H. E. und Schwick, G., DMW 87, 1643 [1962]),
die andere Methode bedient sich der Hydrolyse durch Salzsäure bei einem pH-Wert von 4,0
(B a rand um, S., Kistler, P., Vox. Sang. 7, 157 [1962]). Die erhaltenen Präparate liefen in ihrer
Halbwertszeit unter dem Nativ-Ga.nmaglobulin
(G. Riva, Helvetica Medica Acta 415, 286 [1963]).
überraschenderweise wurde nun gefunden, daß man ein PJr eine intravenöse Anwendung geeignetes
Gammaglobulin mit einer gegenüber den bekannten Produkten verlängerten Halbwertszeit der Antikörper
erhält, wenn man Standard-Humanglobulin mit kritischen Mengen /f-Propiolacton behandelt. Während
bei den bekannten Verfahren ein Proteinabbau oder eine Denaturierung eintreten, bleibt bei dem
erfindungsgemäß hergestellten Produkt der für die Mobilisierung der erwähnten immunologischen Hilfsmechanismen
verantwortliche Fc-feil des Antikörpermoleküls erhalten. Beweisend für die Intaktheit
des Fc-Teiles ist die Tatsache, daß Antikörper neben der Neutralisations- und Hämagglutinations-Methode
auch mit der Kom:>lementbindungsreaktion (KBR)
nachweisbar sind Die Halbwertszeit des erfindungsgemäßen
Gammaglobulins entspricht der natürlichen Halbwertszeit der Immunglobuline.
Man hat ^-Propiolacton bereits zur Behandlung
von Kaninchen-Immunseren verwendet. Die angewendeten
hohen Konzentrationen bewirkten jedoch eine Zerstörung der Antikörpereigenschaften, so daß
die durch die Modifizierung denaturierten Proteine lediglich für emc kosmetische Anwendung in Form
von Cremes und Salben in Frage kommen (J oos.
Chem. Abstracts. 55 25 74 [ 1961]).
Gegenstand der (Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung einer für die intravenöse Anwendung
geeigneten Gammaglobulinlösung. das dadurch gekennzeichnet ist. daß man eine Lösung von Standard-Gammaglobulin
bei Raumtemperatur und einem pH-Wert von 8.0 mit 0.043 ml ,ί-Propiolacton pro
g Protein versetzt und I Stunde unter Nachstellen des pH-Wertes auf 8.0 stehenläßt, anschließend bei 37 C
etwa 3'2 Stunden unter Nachstellen des pH-Wertes
auf 8.0 stehenläßt, dialysiert und sterilfiltriert.
Die günstigen Eigenschaften des mit ,i-Propiolacton
gemäß der Erfindung modifizierten Gammaglobuhns
zeigen folgende t'ntersuchungcn. die mit
einer 5"„igen Lösung durchgeführt wurden:
L. Klinische Verträglichkeit
Es wurde eine 5%ige Lösung injiziert. Die Verträglichkeit
des überwiegönd immunglobulin G einhaltenden Präparates war auch bei rascher Injektion
gut. Zwischenfälle würden bei 46 Pföbändert mit zusammen
95 Injektionen nicht beobachtet, tntracuiäntestungen
ließen keine Antikörperentwicklung gegen das Präparat erkennen. Die Wirksamkeit entspricht,
so weit festgestellt wurde, der der intramuskulär anwendbaren
Präparate, deren Nachteile wie Schmerzhaftigkeit, Hämatombildungbei hämorrhagischer Diathese,
Infiltrate, Verluste durch Proteolyse, langsame Resorption jedoch fehlen.
2. Akute Verträglichkeit an der Maus 100 ml/kg werden reaktionslos vertragen.
3. Chronische Verträglichkeit
Das Präparat wurde alle 2 Tage 3 Wochen in einer Dosis von 20 ml/kg intravenös Ratten injiziert Insgesamt
erhielt jede Ratte 10 Injektionen mit zusammen 200 ml kg. Das Ausgangsgewicht der Ratten
betrug etwa 80 bis 100 g (nicht höher als 120 g). Täglich wurde das Gewicht kontrolliert, einmal
wöchentlich ein Differentialblutbild angefertigt sowie
Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit und Leukozytenzahl bestimmt. Bei Versuchsende wurde eine Nierenfunktionsprüfung
(Phenolrotausscheidung) durchgeführt und außerdem ein makroskopischer Sektionsbefund erhoben: Es zeigten sich gegenüber der NaCI-Kontrolle
keine krankhaften Veränderungen.
4. Antigenität
Durch intramuskuläre und intravenöse Immunisierung von Kaninchen wurden keine präzipitierenden
Antikörper gegen die durch die /J-Propiolactonbehandlung
eingeführten Gruppen erhalten.
5. Komplementfixierung und Antikörperaktivität Tabelle I
Priiparai
'/-Globulin hergestellt durch ^-Äthoxy-o^-diaminoacridin-Ammonsulfatfraktionierung
von Humanserum
j-Globulin gemäß Erfindung
Masern
1:8192 1:8192
Polio!
:50 :50
| Poüoü | Pockcn- vaccine |
| 1:50 | 1.32 |
| 1:50 | 1:32 |
Knmplfmeniverhr 0.5 ml
0,40 ml
entspricht einer 0.9%igen
NaCI-Lösung
6. Antikörperaktivität Tabelle 2
Antikörper gegen
Masern-Virus
Herpes simplex-Virus ...
Influenza A2
Influenza B
Parainfluenza 1,2,3
Cytomegalie- Virus
Röteln-Virus
Pocken-Virus
Aü/SH-Antigen
Polio I
Proteus vulgaris
Pseudomonas Aerogenes
E.Coli
Klebsiellen
Salmonellen
Antistreptolysin O
Γι tnik
KBR
KBR
KBR
KBR
KBR
KBR
HHT
HHT
HHT
NT
HT
HT
HT
HT
HT
HT
Reziproke Tiler
20
40
40
40
40
20 512
16
16
64
80
80 160
80
80 450 I. E./ml Antikörpermangel und durch Messung von spezifischen
Antikörperaktivitäten bestimmt.
Ergebnisse
Methode
Spezifische Antikörperaktivität
Halbwerts
zeit
zeit
(Tage)
Literatur
HFI Γ Mamagglulinationshemmungs-Tesl.
M Γ HamagglutirKiltons-Tesl
N Γ Neutralisations-fest.
KBR K'implemcnlbindungsrcaktion.
7, Halbwertszeit des Immunglobulin G
Die Halbwertszeit des /^Propiolacton modifizierten
ImmUnglobuHns G wurde durch Verfolgung des Gesamt-immunglobulin-G-gehaltes
bei Patienten mit 17 B. Kornhuber, Klin. Wochenschrift, 51 (3), 135 (1973)
Gesamtimmun- 14 W. S tan gel und
globulingehalt H. Deicher, Bio
test-Mitteilung 29, 59(1972)
Die Halbwertszeit ist somit vergleichbar mit der für Normal-Humaii-immunglobulin gefundenen HaIbwertszeit
von 14 bis 28 Tagen.
Standard - Gammaglobulinlösung (Proteinkonzentration 7 bis 10%) wird bei 200C auf einen pH-Wert
von 8,0 eingestellt und 0,043 ml /i-Propiolacton je
g Protein zugegeben. Man läßt 1 Stunde bei Raumtemperatur stehen, dabei wird der pH-Wert alle
20 Minuten auf 8,0 nachgestellt. Die Hydrolyse wird anschließend bei 37° C durchgeführt, wobei man den
pH-Wert alle 20 Minuten nachstellt (Hydrolysedauer etwa 3V2 Stunden), Man dialysiert dann 20 Stunden
gegen physiologische Kochsalzlösung, zentrifugiert gegebenenfalls 10 Minuten bei 5000 UpM, stellt die
Lösung auf 5,0% Protein ein und filtriert steril durch Membranfilter.
Claims (1)
- Patentanspruch:Verfahren zur Herstellung einer für die intravenöse Anwendung geeigneten Gammaglobulinlösung, dadurch gekennzeichnet, daß man eine Lösung von Standard-Gammaglobulin bei Raumtemperatur und einem pH-Wert von 8,0 mit 0,043 ml /i-Propiolacton/g Protein versetzt und 1 Stunde unter Nachstellen des pH-Wertes auf 8,0 stehenläßt, anschließend bei 37° C etwa 31I2 Stunden unter Nachstellen des pH-Wertes auf 8,0 stehenläßt, dialysiert und sterilfiltriert.
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