DE1229675B - Verfahren zur Herstellung geformter Gebilde aus hochschmelzenden linearen Polyestern - Google Patents
Verfahren zur Herstellung geformter Gebilde aus hochschmelzenden linearen PolyesternInfo
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- D02J1/221—Preliminary treatments
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- D01—NATURAL OR MAN-MADE THREADS OR FIBRES; SPINNING
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Description
DEUTSCHES
PATENTAMT
AUSLEGESCHRIFT
Int. Cl.:
DOId
Deutsche Kl.; 29 a - 6/31
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Anmeldetag:
Auslegetag:
F17388 VII a/29 a 23. April 1955
1. Dezember 1966
Bei der Herstellung von geformten Gebilden aus hochschmelzenden linearen Polyestern, insbesondere
Terephthalsäurepolyestern, werden die Polymerisationsprodukte aus dem Schmelzfluß oder aus Lösungen
geformt. So werden Fäden durch Auspressen aus
Lochdüsen und Folien durch Auspressen aus Schlitzdüsen gewonnen. Diese vorgeformten Gebilde werden
von den sie erzeugenden Düsen abgezogen und auf Spulen, Walzen od. dgl. gesammelt. Anschließend
werden sie bei normaler Raumtemperatur oder auch bei erhöhter Temperatur in geeigneten Anordnungen
auf das Mehrfache ihrer Ausgangsabmessungen verstreckt, wobei ihnen eine bleibende molekulare
Orientierung und damit eine hohe Festigkeit verliehen wird.
Beim Abziehen von der formgebenden Einrichtung erfahren die Fäden oder Filme nun aber bereits eine
schwache molekulare Vororientierung, deren Größe von den technischen Bedingungen, wie Material,
Polymerisationsgrad, Spinntemperatur, Düsenanordnung, Düsengröße und Abzugsgeschwindigkeiten, in
verwickelter Weise abhängt. Unter diesen Parametern gibt es einige, wie beispielsweise die Abkühlungsverhältnisse
des aus dem Schmelzfluß geformten Gebildes, deren Konstanz sich nur mit Mühe erzwingen
läßt. Damit und wegen der ebenfalls schwierigen gegenseitigen Anpassung mehrerer gleichzeitig arbeitender
Verf ormungs- und Abzugseinrichtungen bedarf es eines großen technischen Aufwandes und dauernder
umständlicher Kontrolle, damit die geformten Fäden und Flächengebilde immer die gleiche Vororientierung
erhalten.
Der Betrag der molekularen Vororientierung ist nun von großer Bedeutung sowohl für die weiteren
Verarbeitungsstufen als auch für die Eigenschaften des Endproduktes. So hängt beispielsweise die Verstreckbarkeit
bei der endgültigen orientierenden Verstreckung von der Vororientierung ab. Auch
werden beispielsweise bei Fäden die textlien Werte des Endproduktes, wie Reißfestigkeit, Bruchdehnung,
Elastizitätsmoduli, aber auch die Aufnahmefähigkeit für Farbstoffe und Ausrüstungsmittel durch
die Vororientierung beeinflußt.
Bei den bisher geübten Herstellungsverfahren mußten entsprechend der verlangten Gleichmäßigkeit
der Vororientierung immer Maßnahmen getroffen werden, diese konstant zu halten. Es ist nun das Ziel
der vorliegenden Erfindung, den Einfluß der Vororientierung auf die Weiterverarbeitung und auf die
Eigenschaften der Endprodukte auszuschalten, damit die Gleichmäßigkeit des Endproduktes zu erhöhen
und schließlich die besonderen Maßnahmen und Verfahren zur Herstellung geformter Gebilde aus
hochschmelzenden linearen Polyestern
Anmelder:
Farbwerke Hoechst Aktiengesellschaft vormals Meister Lucius & Brüning, Frankfurt/M.
Als Erfinder benannt:
Dr. Herbert Kurzke,
Dr. Helmut Sattler, Bobingen über Augsburg
Kontrollen zur Erhaltung der Konstanz der Vororientierung möglichst weitgehend überflüssig zu
machen.
Als Maß der molekularen Vororientierung dient in einfacher Weise die optische Doppelbrechung, wie
sie beim Betrachten der Gebilde im polarisierten Licht zu beobachten ist und sich leicht mit entsprechenden
Anordnungen messen läßt. Je größer die Vororientierung ist, um so größer ist auch die Doppelbrechung,
Es wurde nun gefunden, daß bei einer Erwärmung eines unverstreckten, aber vororientierten geformten
Gebildes aus einem hochschmelzenden, linearen Polyester auf Temperaturen, die über der Einfriertemperatur
der betreffenden Substanz liegen, die Doppelbrechung verschwindet. Dieses Verschwinden
der Doppelbrechung bedeutet ein Verschwinden der Vororientierung, Das zeigt sich auch in der beim
Erhitzen zuerst auftretenden geringfügigen Erniedrigung des spezifischen Gewichtes. Größeres spezifisches
Gewicht bedeutet nämlich immer dichtere Packung der Moleküle, also größere Vororientierung.
Die Vororientierung verschwindet sowohl bei Erwärmung des unverstreckten geformten Gebildes in
Wasser als auch in Heißluft, Es genügen bereits VerT
weilzeiten von wenigen Sekunden.
Das beschriebene Verschwinden der Doppelbrechung und damit der Vororientierung ist überraschend.
Von der Trocknung von Schnitzeln aus Terephthalsäurepolyestern, die über längere Zeit bei
Temperaturen über 120° C erfolgt, ist nämlich eine allmähliche Zunahme regelloser Kristallisation bekannt,
gekennzeichnet durch Zunahme des spezifischen Gewichtes.
Es wurde weiter gefunden, daß vorgeformte Ge^
bilde aus Terephthalsäurepolyester, Folien oder Fäden, deren molekulare Vororientierung durch Erwärmen
über die Einfriertemperatur in der beschrie-
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benen Weise beseitigt war, sich in der üblichen Weise kalt oder heiß orientierend verstrecken lassen und
Festigkeiten liefern, die ganz den normalen Werten entsprechen, wie sie bei einer orientierenden Verstreckung
des vororientierten Gebildes erhalten werden. '
Es sind zwar bereits Verfahren bekanntgeworden, bei denen unverstreckte amorphe Fäden aus PoIyäthylenterephthalat
einer Wärmebehandlung unterworfen werden^ jedoch unterscheiden sich diese Verfahren
in zwei wichtigen Punkten von dem Gegenstand der vorliegenden Erfindung. Nach den
bekannten Verfahren werden amorphe Fäden aus synthetischen linearen Polyestern bei erhöhten Temperaturen
verdehnt.. Dabei werden Fäden erhalten, die im wesentlichen frei sind von molekularer Orientierung
und sich nach dieser Behandlung in der üblichen Weise orientierend verstrecken lassen. Es
wird hierbei von amorphen Fäden ausgegangen. Demgegenüber soll nach der vorliegenden Erfindung
die schwache molekulare Vororientierung, die die Fäden beim Abziehen von der formgebenden Einrichtung
bereits erfahren, durch die Wärmebehandlung bei Temperaturen über der Einfriertemperatur,
also bei den hauptsächlich zur Anwendung kommenden Fäden aus Polyethylenterephthalat bei Tempe- r raturen
über 70° C aufgehoben bzw. beseitigt werden. Weiter unterscheidet sich das Verfahren der
vorliegenden Erfindung noch von dem Bekannten dadurch, daß bei der Wärmebehandlung keine Ver-Streckung
der Fäden stattfindet, während nach dem Bekannten um hohe Beträge verstreckt bzw. verdehnt
wird. Nach den Verfahren der Erfindung sollen die Ungleichmäßigkeiten/ die bereits durch die geringe
molekulare Vororientierung beim Spinnen in die Fäden gebracht werden, ausgeglichen werden, so daß die
an sich bekannte orientierende Verstreckung gleichmäßig und vor allen Dingen in höherem Maße
durchgeführt werden kann als bei Fäden, bei denen die geringe molekulare Vororientierung nicht beseitigt
wurde. Dem anderen Zweck der bekannten Verfahren entspricht auch der wesentlich höher gewählte
Temperaturbereich. Dort sollen die Fäden in einen thermoplastischen Zustand übergeführt werden,
während bei den erfindungsgemäßen Verfahren durch Überschreiten der Einfriertemperatur nur die
Umordnung der Moleküle und damit die Aufhebung der Vororientierung ermöglicht werden soll.
Die endgültige molekulare Orientierung und damit eine Vielzahl von physikalischen Eigenschaften der
geformten Gebilde aus Terephthalsäurepolyester, deren beim Abziehen von der formgebenden Einrichtung
entstandene molekulare Vororientierung durch Erwärmen über die Einfriertemperatur beseitigt
worden ist, hängt nur noch von dem orientierenden Verstreckungsvorgang ab, der viel leichter
zu beherrschen und zu steuern ist als der komplizierte und zahlreichen unkontrollierbaren Einflüssen
ausgesetzte formgebende Vorgang, beispielsweise der Spinnvorgang von Fäden. Die Möglichkeit der Beseitigung
der molekularen Vororientierung führt zu folgendem Herstellungsverfahren für geformte Gebilde
hoher Festigkeit aus linearen Polyestern:
Die Gebilde — Fäden oder Folien — werden in der üblichen Weise durch entsprechende Einrichtungen,
meist Düsen, geformt, von diesen abgezogen und gegebenenfalls auf Vorratsspulen oder -walzen
aufgewickelt. Beim Abziehen erhalten sie eine nicht vermeidbare molekulare Vororientierung.-Anschließend werden die geformten, vororientierten Gebilde
nach der Erfindung einer Wärmebehandlung mit einer Temperatur über der Einfriertemperatur, im
allgemeinen über 70° C, unterworfen, deren Einwirkungsdauer mindestens einige Sekunden betragen
muß. Beispielsweise führt man die geformten Gebilde durch ein Wasserbad von 95° C, durch ein Dampfbad
oder durch Heißluft einer ähnlichen Temperatur. Bei dieser Wärmebehandlung wird die molekulare
Vororientierung wiederaufgehoben. Dieser Vorgang ist durch das Verschwinden der Doppelbrechung
feststellbar. Es ist nicht notwendig, daß diese Wärmebehandlung
unmittelbar nach dem Spinnprozeß erfolgt. Sie läßt sich mit dem gleichen Resultat auch
an mehrere Wochen alten geformten Gebilden durchführen.
Nach der Wärmebehandlung wird das geformte, jetzt praktisch orientierüngsfreie Gebilde kalt oder
heiß orientierend verstreckt nach den für lineare Polykondensationskunststoffe, insbesondere Terephthalsäurepolyester,
üblichen Methoden.
Die physikalischen Eigenschaften der so erzeugten Gebilde hängen, von dem chemischen Material abgesehen,·
nur vom Verstreckvorgang ab, und es können deshalb nun alle besonderen Maßnahmen zur
Erhaltung der Gleichmäßigkeit der Vororientierung sowie zu deren laufender Kontrolle, wie sie beim
bisher üblichen Herstellungsgang ohne Beseitigung der Vororientierung notwendig wäre, entfallen.
Das Verfahren der Erfindung hat praktische Bedeutung besonders für die Verarbeitung der PoIyterephthalsäürealkylenester,
insbesondere des PoIyäthylenterephthalats, kann aber auch in gleicher
Weise angewandt werden auf Fäden und Flächengebilde aus anderen hochschmelzenden Polyestern,
z. B. dem Polyester der ρ-ω-Oxybutoxybenzoesäure
und dem Polyester der Oxypivalinsäure. Selbstverständlich sind auch faserbildende Polyester einge:
schlossen, die neben der oder den Hauptkomponenten in untergeordneter Menge noch modifizierende,
bifunktionelle Komponenten eingebaut enthalten, wie andere Dicarbonsäuren als Terephthalsäure oder
andere Glykole als Äthylenglykol.
Durch Aufschmelzen von Schnitzern und Pressen der Schmelze durch eine Düse wurde ein Terephthalsäurepolyesterfaden
mit einem Gesamtspinntiter von 200 Denier, aus 18 Einzelfäden bestehend, gesponnen.
Der Faden wurde mit einer Abzugsgeschwindigkeit von 800 m/min abgezogen und aufgespult. Er
hatte eine deutliche Vororientierung, gekennzeichnet durch eine Doppelbrechung von 4 · 10~3. Anschließend
wurde der Faden mit einer Verweilzeit von 1 bis 2 Sekunden kontinuierlich spannungslos durch
ein Wasserbad mit einer Temperatur von 95° C gezogen.
Hinterher war seine Doppelbrechung und damit seine Vororientierung vollständig verschwunden.
Nach der Wärmebehandlung wurde der Faden kalt verstreckt auf einen Endtiter von 42 Denier und
hatte eine Festigkeit von 5,2 g/den bei einer Bruchdehnung von 17%.
Ein Seidenfaden aus Äthylenpolyterephthalat mit einem Gesamtspinntiter von 300 Denier, aus sechs
Einzelfäden bestehend, würde nach dem Abziehen
von der Spinndüse auf eine gelochte Metallspule aufgespult. Die Spule wurde mit der Wicklung für die
Dauer von 20 Sekunden in ein Wasserbad von 95° C eingebracht. Da die Seide auf einer Spule aufgewikkelt
war, konnte sie nicht schrumpfen. Nach der Wärmebehandlung war die Doppelbrechung an die
Grenze der Meßbarkeit gesunken. Damit kann man auch die Vororientierung als praktisch verschwunden
bezeichnen. Die Fäden waren nach der Behandlung in der üblichen Weise orientierend verstreckbar.
Durch Aufschmelzen von Schnitzeln und Pressen der Schmelze durch eine Düse wurde ein Faden aus
Polyäthylenglykolterephthalat mit einem Gesamtspinntiter von 200 Denier, aus 18 Einzelfäden bestehend,
hergestellt und anschließend aufgespult. Er hatte eine deutliche Vororientierung, gekennzeichnet
durch eine Doppelbrechung von 5,4 · 10~3. Der
Faden wurde dann mit einer Geschwindigkeit von 6,2 m/min kontinuierlich durch ein 1 m langes
Dampfbad gezogen, wobei die Auslaufgeschwindigkeit aus dem Dampfbad gleich der Einlaufgeschwindigkeit
war. Der Faden steht dabei unter einer Spannung von 1,2 mg/den, die sich als Schrumpfkraft des
unverstreckten Materials in dem etwa 98° C heißen Dampfbad selbsttätig einstellt. In dem Dampfbad
verschwindet die molekulare Vororientierung des Materials fast vollständig, gekennzeichnet durch ein
Absinken der Doppelbrechung auf 0 bis 0,8 · 10~3. Gleich anschließend wurde der Faden in einem nachgeschalteten
Arbeitsgang ebenfalls kontinuierlich mit einmaliger Umschlingung um einen auf 95° C geheizten
Metallzylinder von 6 cm Durchmesser in bekannter Weise orientierend verstreckt. Dabei war
eine maximale Verstreckung auf das Fünffache möglich. Es wurde so ein Faden vom Gesamttiter
Denier, Einzelfadentiter 2,2 Denier, erhalten, dessen Festigkeit 5,4 g/den und dessen Bruchdehnung
32 % betrug. Ohne das der orientierenden Verstreckung vorgeschaltete Dampfbad war in der
gleichen Anordnung nur eine Verstreckung auf das Vierfache möglich. Dieser Faden hatte eine Festigkeit
von 5,7 g/den und eine Bruchdehnung von 33 %, also praktisch die gleichen textlien Werte.
Claims (3)
1. Verfahren zur Herstellung geformter Gebilde aus hochschmelzenden linearen Polyestern
aus dem Schmelzfluß oder aus Lösungen, bei dem die geformten Gebilde von der formgebenden
Einrichtung abgezogen, gegebenenfalls aufgewickelt und dann einer molekularorientierenden
Verstreckung unterworfen werden, dadurch gekennzeichnet, daß die geformten Gebilde
zwischen dem Abziehen von der Verformungsvorrichtung und dem orientierenden Verstrecken einer Wärmebehandlung bei Temperaturen
über der Einfriertemperatur des Polyesters ausgesetzt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Wärmebehandlung in
einem Wasserbad mit einer Temperatur über 70° C erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Wärmebehandlung mit
Heißluft über 70° C erfolgt.
In Betracht gezogene Druckschriften:
Britische Patentschrift Nr. 695 567;
USA.-Patentschrift Nr. 2 611 923;
Rowland Hill, »Fibres from synthetic Polymers«, 1953, S. 324, Zeilen 3 bis 6; S. 440, Absatz 4; S. 441,
letzter Absatz; S. 442, Absatz 2.
609 729/342 11.66 © Bundesdruckerei Berlin
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- 1956-04-23 GB GB1241656A patent/GB831961A/en not_active Expired
- 1956-04-23 FR FR1153885D patent/FR1153885A/fr not_active Expired
Patent Citations (2)
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