-
Vorrichtung zum Seitenrichten von schweren Schußwaffen beim indirekten
Schießen Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Seitenrichten von schweren
Schußwaffen beim indirekten Schießen. Die Erfindung ermöglicht es, schwere Schußwaffen
etwa über ihren ganzen Schwenkbereich mit Hilfe eines Hilfszieles parallaxfrei der
Seite nach zu richten.
-
Beim indirekten Schießen ist das Ziel von der Waffe aus nicht sichtbar,
und man benutzt daher zum Seitenrichten der Waffe ein Hilfsziel, und zwar entweder
ein natürliches, im Gelände vorhandenes markantes Objekt oder eine im Gelände aufgestellte
Richtungsmarke, z. B. eine Stange oder nachts eine Laterne mit Schlitzblende, die
mit der Zielvorrichtung an der Waffe anvisiert wird. Aus konstruktiven Gründen kann
die Visiervorrichtung in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nicht in der vertikalen
Schwenkachse der Waffe angeordnet werden, d. h., daß die vertikale Schwenkachse
der Visiervorrichtung gegenüber der vertikalen Schwenkachse der Waffe in horizontaler
Richtung versetzt ist. Beim Richten der Waffe der Seite nach mit Hilfe eines Hilfszieles
in endlicher Entfernung tritt daher ein Fehler auf, welcher durch das Nichtzusammenfallen
von Waffenschwenkachse und Visiervorrichtungsschwenkachse verursacht ist. Wenn die
Waffe infolge der Erschütterungen beim Schießen auch noch eine ,seitliche Versetzung
erfährt, welche ein Neurichten erforderlich macht, so tritt durch diese seitliche
Versetzung der Waffe beim Neurichten ein weiterer Winkelfehler ein.
-
Je näher das Hilfsziel zur Waffe liegt, um so größer wird der Winkelfehler
(Parallaxe), der aus den angegebenen Gründen entsteht. Bei Nacht, bei Nebel oder
auch bei Aufstellung der Waffe in einer Grube führt die Verwendung eines dann notwendigerweise
nahen Hilfszieles zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Richtgenauigkeit, weshalb
es nicht an Bestrebungen gefehlt hat, diesem Umstand durch geeignete Mittel zu begegnen.
So wurde z. B. vorgeschlagen, über oder unter der Visiervorrichtung eines in beliebiger
Orientierungsrichtung aufgestellten Geschützes eine Richtungsmarke in Form eines
Striches auf einer horizontalen und ortsfesten Platte anzubringen und das nach oben
bzw. unten gerichtete, auf die Platte scharf eingestellte Zielfernrohr, das im Gesichtsfeld
ebenfalls eine Richtungsmarke (Zielstrich) aufweist, so lange zu verdrehen, bis
der Zielstrich im Fernrohr mit dem im Fernrohr sichtbaren Bild des Striches auf
der Platte parallel läuft oder sich mit ihm deckt. Nach erfolgtem Festklemmen des
Fernrohres an die Waffe kann diese auch nach Versetzung und Verdrehung wieder in
die Orientierungsrichtung eingestellt werden, indem die Waffe bis zur Parallelität
der vorhin genannten Striche verdreht wird. Dieses Richtverfahren hat jedoch neben
den Vorzügen der Genauigkeit und Beschränkung auf kleinsten Raum den schwerwiegenden
Nachteil, daß die mit einem oder = nach einem späteren Vorschlag - mit zahlreichen
parallelen Visierstrichen versehene Platte, die meist als Bodenplatte verwendet
wurde, durch Fußberührung seitens der Geschützbedienung oder durch die Bodenbewegung
beim Schießen aus ihrer Lage verschoben werden kann, und weiterhin den Nachteil,
daß beim Zielwechsel und der damit notwendigen Waffenschwenkung die aus erklärlichen
Gründen größenbeschränkte Bodenplatte, die unter der Richtvorrichtung und damit
nicht in der Geschützschwenkachse lag, nicht mehr ausreicht und noch weitere Bodenplatten
nach Parallelrichten zur bereits vorhandenen verwendet werden müssen.
-
Als Hilfsziel zum Seitenrichten von Geschützen kann auch ein Kollimator
Verwendung finden. Ein Kollimator ist ein optisches Instrument, welches im wesentlichen
aus einem abbildenden Mittel, z. B. einem Objektiv oder einem Hohlspiegel und einer
in dessen Brennebene angebrachten und beleuchteten
Glasplatte mit
einem Strichkreuz, besteht: -Das Strichkreuz kann als Visiermarke dienen und erscheint
dem Beobachter in unendlich weitem Abstand, was zur Vermeidung von Parallaxfehlern
erforderlich ist. Im Gegensatz zu anderen Hilfszielen, z. B. einer Laterne mit Schlitzblende,
ist jedoch der vertikale Visierstrich des Kollimatorstrichkreuzes, der für das seitliche
Richten in Frage kommt, infolge des beschränkten Durchmessers des Kollimatorobjektivs
nur sichtbar innerhalb von zwei lotrechten und zur Kollimatorachse parallelen Ebenen,
deren gegenseitiger Abstand gleich dem Durchmesser des Kollimatorobjektivs ist.
Dieser schmale Bereich begrenzt daher sowohl das Maß, um das eine Seitenversetzung
der Waffe eintreten darf, als auch den Abstand der vertikalen Schwenkachse der Zielvorrichtung
bzw. dieser selbst von derVertikaldrehachse derWaffe. Diese Beschränkungen beim
Gebrauch vermeidet ein bekannter Kollimator, der z. B. mit Hilfe eines Lenkersystems
parallel zu seiner Achse in Höhe und Seite versetzt werden kann; dieser Kollimator
hat aber den großen Nachteil, daß ein besonderer Bedienungsmann erforderlich ist,
der mit einer am Kollimator angeordneten und zu seiner Achse parallelen Visiervorrichtung
den Kollimator stets auf die Lichteintrittsöffnung des Zielfernrohres richtet.
-
Zum Seitenrichten von Granatwerfern und ähnlichen Geschützen werden
auch Richtlatten mit horizontalen Spiegelstreifen verwendet. Das Richten der Waffe
ist möglich, solange sich die Waffe in dem Raum vor der Latte befindet, der durch
zwei lotrechte Ebenen begrenzt ist, deren Abstand der Länge der Richtlatte oder,
genauer gesagt, derSpiegelstreifen entspricht. Beim Schießen nach allen Seiten mit
Granatwerfern müßte demnach die Richtlatte eine für die militärische Verwendung
hinderliche Länge von etwa 1,5 m haben. Zwar ist dieser Nachteil vermieden bei einer
bekannten Richteinrichtung mit Richtlatte sowie einem an der Lafette befestigten
Träger, der eine Gleitführung bildet, längs der der Richtaufsatz mit dem Richtfernrohr
derart verschoben werden kann, daß der maximale Horizontalabstand der Achse des
Richtfernrohres von der vertikalen Schwenkachse des Geschützrohres verringert ist
und die Länge der Richtlatte dem verringerten Schwenkabstand am Geschütz angepaßt
ist; jedoch braucht die Gleitführung an der Waffe viel Raum und bietet wegen ihrer
nur einseitigen und elastischen Verbindung mit der Lafette nicht die absolute Sicherheit
dafür, daß die Visierlinie des auf ihr verschiebbaren Richtfernrohres ihre seitliche
Winkellage gegenüber dem Geschützrohr nach einem oder mehreren Schüssen beibehalten
hat, weshalb eine öftere Kontrolle notwendig wird.
-
Die bei den verschiedenen Richtvorrichtungen auftretenden Nachteile
vermeidet die Erfindung.
-
Diese betrifft somit eine Vorrichtung zum Seitenrichten von schweren
Schußwaffen beirrt indirekten Schießen, bei welcher eine mit der Waffe verbundene,
horizontierbare, der Seite nach verdrehbare und um eine horizontale Achse kippbare
Visiervorrichtung mit mindestens einer Horizontalkreisteilung und Einstellmarken
zum Parallelrichten der Visiervorrichtung in einer durch die Rohrachse der Waffe
gelegten lotrechten Ebene angeordnet ist und ein im Abstand von der Waffe ortsfest
aufgestellter optischer Kollimator vorgesehen ist, dessen optische Achse gegebenenfalls
nach Knickung durch einen Spiegel zurWaffe gerichtet ist, wobei erfindungsgemäß
auf der Strichplatte sowohl des Kolllimators als auch der Visiervorrichtung mehrere
entsprechend ihrem Winkelabstand zur optischen Achse, bezogen auf das abbildende
Mittel, bezeichnete sowie in lotrechte und zur optischen Achse der Visiervorrichtung
und des Kollimators gemeinsam parallele Ebenen bringbare Ziel- bzw. Visiermarken
in Form von Buchstaben und/oder Ziffern fest angeordnet sind.
-
In der Zeichnung ist das Prinzip der Erfindung veranschaulicht, und
es sind Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Vorrichtung dargestellt. Hierbei
zeigt Fig. 1 eine geometrische Skizze zur Erläuterung der Grundlagen für das Seitenrichten
beim indirekten Schießen; Fig. 2 zeigt die prinzipielle Anordnung von Kollimator
und Visiervorrichtung in Draufsicht, Fig. 3 dieselbe Anordnung von der Seite gesehen;
Fig. 4 zeigt die Strichplatte des Kollimators, Fig. 5 die Strichplatte der Visiervorrichtung,
Fig. 6 die Strichplatte der Visiervorrichtung mit einem Teil der Strichplatte des
Kollimators, wie sider Beobachter durch die Visiervorrichtung sieht, Fig.7 eine
andere Ausführungsform der Strichplatte des Kollimators und Fig.8 eine andere Ausführungsform
der Strichplatte der Visiervorrichtung; in Fig.9 und 10 ist schematisch das Verfahren
für das Richten beim indirekten Schießen gezeigt; in Fig. 11, 12 und 13 ist eine
Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung dargestellt, und zwar ist Fig.
11 ein Schnitt-- gemäß der Linie XI-XI in Fig. 13, Fig. 12 ein Schnitt gemäß der
Linie XII-XII in Fig. 13 und Fig. 13 eine Draufsicht unter Weglassung einiger Einzelteile;
in Fig. 14 und 15 ist eine andere Ausführungsform derVisiervorrichtung in Draufsicht
bzw. Seitenansicht veranschaulicht.
-
In Fig. 1 ist dargestellt, daß, wenn zwei zueinander parallele und
in der gleichen Ebene liegende Geraden Af und Al durch eine dritte Gerade
S geschnitten werden, die spitzen Schnittwinkel a und ß einander jeweils gleich
sind; ebenso sind die stumpfen, in der Zeichnung nicht bezeichneten Winkel einander
gleich. Andererseits kann in Umkehrung dieses Satzes gesagt werden, daß eine von
zwei in einer Ebene liegenden, zueinander nicht parallelen Geraden, die von einer
dritten Geraden geschnitten werden, so lange gegenüber der anderen der beiden Geraden
verschwenkt werden muß, um zu dieser parallel zu werden, bis Gleichheit aller spitzen
bzw. stumpfen Winkel untereinander eingetreten ist. Von dieser Gesetzmäßigkeit wird
beim Richten mittels der erfindungsgemäßen Vorrichtung Gebrauch gemacht, wie noch
beschrieben werden wird.
-
In Fig. 2 ist im Grundriß schematisch ein Kollimator K mit der optischen
Achse Ak und ein Keplerfernrohr F mit der optischen Achse A f skizziert,
wobei 1k das Kollimatorobjektiv und 11 das Fernrohrobjektiv, ferner
2k, 2f die in deren Brennebenen befindlichen Strichplatten und 3 f das Fernrohrokular
bedeuten. Die Kollimatorstrichplatte 2k - in Fig. 4 vergrößert und vom Objektiv
her gesehen dargestellt - enthält, abweichend von dem üblichen Strichkreuz, zahlreiche
längere lotrechte Striche, deren Winkelabstand a von dem durch die optische Achse
laufenden Mittelstrich s, 2 f, 3 f usw. beträgt und die durch Buchstaben und wegen
der Länge der
Striche mit mehreren vertikalen Buchstabenreihen bezeichnet
sind.
-
Da wegen der leichteren Übersicht ein Keplerfernrohr gezeichnet ist,
dieses jedoch die Bilder umkehrt, ist die Anordnung der Buchstaben auf der Kollimatorstrichplatte
2k höhen- und seitenverkehrt, damit im Fernrohr ein Bild mit aufrechter Beschriftung
erhalten wird, wie in Fig. 6 gezeigt.
-
In Fig. 5 ist die Fernrohrstrichplatte 2f skizziert. Die Striche sind
kurz, weshalb nur eine Buchstabenreihe zur Kennzeichnung der Striche genügt, deren
Winkelabstand ß vom Mittelstrich ebenfalls F, 2,-, 3 f usw. beträgt.
-
Befindet sich, wie in Fig. 2 und 3 ersichtlich, das Fernrohr innerhalb
des Gesichtsfeldes des Kollimatorobjektivs, dann wird ein kreisförmiger Ausschnitts
derKollimatorstrichplatte auf derFernrohrstrichplatte abgebildet, z. B. als Kreis
s in Fig. 6. Kommen dabei zwei gleich bezeichnete Striche, z. B. m/n, also Striche
mit gleichem ,seitlichem Winkelabstand a bzw. ß von den optischen Achsen Ak bzw.
A f zur Deckung, dann ist die Parallelität der optischen Achsen in dieser
Ebene gegeben; sonst müßte das Fernrohr bis zur Deckung gleich bezeichneter Striche
geschwenkt werden. Eine Annähdrung des Auschnittes s' an die horizontale Zielmarkenreihe
kann durch Kippen des Fernrohres um eine horizontale Achse im Sinne des Pfeiles
in der Fig. 3 erfolgen. Mit größer werdendem Abstand des Fernrohres vom Kollimator
verkleinert sich der durch das Kollimatorobjektiv sichtbare Ausschnitt s' der Kollimatorstrichplatte,
bis ,schließlich nur mehr ein einziger Buchstabe zu sehen ist, der jedoch mit demselben
und winkelabstandgleichen Buchstaben auf der Fernrohrstrichplatte noch zur Deckung
gebracht werden kann, was die Parallelität der Achsen von Kollimator und Fernrohr
zur Folge hat.
-
Je eine Ausführungsform einer Kollimator- bzw. Fernrohrstrichplatte,
die außer einem Strichkreuz nur Buchstaben enthält, ist in Fig. 7 und 8 skizziert.
Die zueinander parallelen und nach entsprechender Einstellung der Geräte in lotrechten
Ebenen liegenden Ziel- bzw. Visierstriche oder Ziel- bzw. Visiermarken (Fig.4 bis
8) stehen in gleichen Winkelabständen voneinander in bezug auf das Fernrohr- bzw.
Kollimatorobjektiv, so da.ß zwischen den innersten Marken und der optischen Achse
bzw. zwischen je zwei weiteren Marken immer der gleiche Winkel r (Fig. 2) eingeschlossen
wird.
-
Der lineareAbstand zwischen zwei solchen Marken ist jedoch je nach
der Lage der Marken gegenüber der Mitte der Strichplatten verschieden. Der Abstand
zwischen zwei Strichen oder Marken, die nahe der Mitte liegen, ist demnach am geringsten,
während diese Abstände, je weiter die Striche oder Marken nach außen hin liegen,
immer größer werden.
-
Das Verfahren beim Richten mittels der erfindungsgemäßen Vorrichtung
soll im folgenden an Hand von schematischen Darstellungen in den Fig. 9 und 10 erläutert
werden.
-
Auf der Lafette 1 eines Geschützes ist ein horizontierbarer Tragring
2 befestigt, in dem eine Scheibe 3 mit Reibung verdrehbar ist, welche ein um eine
horizontale Achse kippbares Zielfernrohr 4 mit Okular 4 a und einer Strichplatte
gemäß Fig. 8 trägt. Die Scheibe 3 weist am Umfang eine Seitenwinkelskala 5 auf;
in den Fig.9 und 10 betragen die Intervalle wegen der Übersichtlichkeit 15°. Der
Index 6 für die Skala 5 ist auf dem Tragring angebracht und zeigt den Winkel an,
welchen die durch RohrachseAS bzw. Fernrohrachse AF gelegten lotrechten Ebenen einschließen.
Sind diese Ebenen zueinander parallel, dann zeigt der Index 6 auf Null. Nach Horizontierung
des Tragringes 2 liegen die winkelabstandgleichen Zielmarken in lotrechten und zur
. optischen Achse AF parallelen Ebenen. In einem auf dem Boden z. B. mit Dreifußschrauben
horizontierbaren Tragring 7 kann mittels Kugelrasten eine Scheibe 8 stufenweise
verstellt werden, welche einen um eine horizontale Achse kippbaren Kollimator 9
mit der optischen Achse AK trägt. Auf der Scheibe 8 ist eine Anschlagleiste
10 zum Anlegen einer Orientierungsbussole 11 und weiterhin ein Index 12 vorgesehen.
Letzterer zeigt auf einer Winkelskala 13 des Tragringes die Abweichung der Kollimatorachse
von der Nullage an. Die Strichplatte des Kollimators entspricht in ihrer Ausführung
der Fig.7. Nach Horizontierung des Tragringes 7 liegen die winkelabstandgleichen
Visiermarken in lotrechten und zur optischen Achse AK parallelen Ebenen. An der
Wirkungsweise ändert sich nichts, wenn der Kollimator mit der optischen Achse auf
der Scheibe 8 vertikal steht, wobei vor dem Kollimatorobjektiv ein um eine horizontale
Achse kippbarer Spiegel angebracht ist. Beim Verdrehen der Scheibe dreht sich dann
der Kollimator um die lotrechte optische Achse.
-
Bei dem Verfahren zum seitlichen Richten erhält die Rohrachse des
Geschützes eine bestimmte Seitenrichtung, z. B. durch seitliches Richten der Waffe
mit Hilfe eines Zielfernrohres auf ein Objekt Z1 im Gelände, dessen Lage bekannt
ist. Hierauf wird der Kollimator aufgestellt und dabei mit dem horizontierten Tragring
7 so zur Waffe hin gedreht, daß die optische Achse AK des Kollimators bzw. die Achse
des Strahlenkegels annähernd auf die lotrechte Achse 1a des Geschützes gerichtet
ist. Vorausgesetzt wird hierbei, daß das Zielfernrohr im Strahlenkegel liegt und
bei nicht zu großem Verschwenken der Waffe auch im Strahlenkegel bleibt. Weitere
Maßnahmen dazu werden später an Hand der Fig. 10 erläutert. Sodann wird nach dem
Horizontieren von Ring 2 das Fernrohr 4 auf der Scheibe 3 zum Kollimator geschwenkt
und dabei gegebenenfalls das Fernrohr und der Kollimator auch gekippt, bis, wie
zu Fig. 2 und 3 bereits ausgeführt, winkelabstandgleiche Ziel- und Visiermarken
sich im Fernrohr,- ähnlich wie in Fig. 6, decken. Damit ist die optische Achse AF
des Fernrohres parallel zur optischen Achse AK bzw. zur Achse des Strahlenkegels
des Kollimators, während die Rohrachse AS des Geschützes seitlich zum Objekt Z1
gerichtet steht und mit den Achsen AF bzw. AK einen Winkel bildet, der durch den
Index 6 an der Skala 5 angezeigt wird und in Fig. 9 die Größe eines Teilungsintervalls
von 15° hat.
-
Soll die Waffe auf ein Ziel Z2 gerichtet werden, welches um den Winkel
ü=7 Teilungsintervalle vom Ziele Z1 absteht, so wird zunächst die Scheibe 3 samt
dem Zielfernrohr um den Winkel z9, jedoch in entgegengesetzter Richtung, wie die
Waffe von Z1 nach Z2 verschwenkt werden müßte, verdreht, wodurch Index 6 nunmehr
auf Teilstrich 8 zeigt (s. Fig. 10). Sodann wird die Waffe samt dem Zielfernrohr,
welches jetzt gegenüber der Waffe festgelegt ist, so lange verdreht, bis im Gesichtsfeld
des Fernrohres wieder der Kollimator erscheint. Es ist klar, daß jetzt - von Ausnahmefällen
abgesehen - -ein anderer
Ausschnitt der Kollimatorstrichplatte
im Fernrohr sichtbar sein wird. Durch vorsichtiges Verschwenken der Waffe samt dem
daran fixierten Zielfernrohr werden nunmehr wieder die in dem im Zielfernrohr sichtbaren
Ausschnitt der Kollimatorstrichplatte befindlichen Marken mit den gleichen Marken
oder Zeichen der Strichplatte des Zielfernrohres zur Deckung gebracht. Damit ist
erreicht, daß die optische Achse des Kollimators bzw. die vertikale Ebene, in welcher
sie liegt, wieder parallel ist zur optischen Achse des Zielfernrohres, während die
Waffe genau auf das neue Ziel Z, gerichtet ist.
-
Es sei noch hervorgehoben, daß die Entfernung des Kollimators von
der Waffe zumindest so groß sein muß, daß der Halbmesser des aus dem Kollimatorobjektiv
austretenden Strahlenkegels größer ist als der Abstand des Drehpunktes des Zielfernrohres
vom Drehpunkt 1 a der Waffe. Ist dieser Bedingung genügt, so wird in jeder Stellung
der Waffe ein Ausschnitt der Kollimatorstrichplatte im Zielfernrohr sichtbar gemacht.
-
Der Kollimator kann aber nicht immer genügend weit von der Waffe entfernt
aufgestellt werden. Für diesen Fall ist ein stufenweises Verschwenken des auf der
Scheibe 8 kippbar gelagerten Kollimators 9 und seines Strahlenkegels gegenüber dem
bodenfesten Tragring 7 vorgesehen. Wird das Fernrohr um denselben Betrag und im
selben Sinne verdreht, dann sind wieder beide Achsen, die dann die Lagen AK bzw.
Ar:' einnehmen, zueinander parallel. In Fig. 10 sind diese Lagen und die neue Lage
des Strahlenkegels strichliniiert gezeichnet. Ebenso ist die neue Lage des Index
12 in der Raststellung » -1 « angedeutet. Da die Fernrohrachse die Lage AF
einnimmt, müßte der Index 6 auf den neunten Teilstrich zeigen, was wegen der Übersichtlichkeit
nicht gezeichnet ist. Da ein Intervall in der Zeichnung 15° beträgt, liegt die Schußrichtung
Z2 um 9 - 15=135° rechts von der Fernrohr- bzw. Kollimatorachse Ar:' bzw. AK'.
-
Eine Ausführungsform des Kollimators, bei welcher die optische Achse
des Kollimators im wesentlichen lotrecht steht, ist in den Fig. 11, 12 und 13 gezeigt.
-
Diese Ausführungsform weist ein zylindrisches Gehäuse 40 auf, welches
an seiner unteren Kante mit Ausschnitten 41 und Zahnungen 42 versehen
ist zur besseren Verankerung bei der Aufstellung des Kollimators auf dem Boden.
Weiterhin ist im Gehäuse 40 ein Ausschnitt 44 zum Lichtdurchtritt und für die Hand
der Bedienungsperson vorgesehen. An seiner Oberseite ist das Gehäuse 40 durch eine
mit einer zentralen Öffnung 45 versehene Platte 46 abgeschlossen.
Die Öffnung 45 ist ihrerseits durch eine Scheibe 47 aus Glas oder einem durchsichtigen
Kunststoff abgeschlossen, die durch einen aufsetzbaren und abnehmbaren Deckel 48
geschützt werden kann. Mit Hilfe eines nicht dargestellten, am Knopf 49 befestigbaren
Kettchens kann der Deckel 48 mit dem Gehäuse 40 dauernd und unverlierbar verbunden
werden.
-
Mit Hilfe einer breiten Bronzefeder 51, die an einem Block 52 an der
Oberseite der Gehäuseinnenwand befestigt ist, ist eine Tragplatte 53 über ein Zwischenstück
54 am Gehäuse 40 angelenkt. Auf der der Bronzefeder 51 gegenüberliegenden Seite
trägt die Platte 53 oben und unten je zwei zur Platte parallele Federn 55, 56 mit
deren Enden sie sich an einem horizontalen Stift 57 einer Schraubenmutter 58 abstützt.
Letztere läßt sich durch eine lotrechte Gewindespindel 59, die an ihrem freien,
über den Deckel 46 nach oben hinausragenden Ende einen Rändelknopf 60 trägt und
im Deckel 46 gegen axiale Ver-,schiebung gesichert gelagert ist, in der Höhe verschieben.
Durch Verdrehen des Knopfes 60 kann also die Platte 53 gegenüber dem Gehäuse 40
geneigt werden.
-
Die Tragplatte 53 hat in ihrer Mitte eine mit Gewinde versehene Bohrung
61, in die ein Tragrohr 62 eingeschraubt ist. In das Tragrohr ist leicht drehbar
ein Rohr 63 eingesetzt, welches an seinem unteren Ende das Kollimatorobjektiv 64
und nahe seinem oberen Ende in der Brennebene des Objektivs 64 eine Strichplatte
65 und, im Abstand von letzterer, eine Mattscheibe 66 trägt. Über das obere Ende
des Rohres 63 ist ein Stellring 67 geschoben und mittels einer Stellschraube 68
am Rohr 62 festgeklemmt. Zwischen dem Stelhing 67 und dem oberen Rand des Tragrohres
62 ist eine reibungsmindernde Beilagscheibe 69 vorgesehen. Eine Schraubenfeder 70,
welche um das Rohr 63 herum angeordnet ist und in einer Ausnehmung 71 des
Tragrohres 62 liegt, ist bestrebt, das Rohr 63 dauernd nach unten zu drücken,
und zieht damit den Stellring 67 gegen den oberen Rand des Tragrohres 62. Die Feder
70 stützt sich mit ihrem oberen Ende auf das Ende der Ausnehmung 71 ab und mit ihrem
unteren Ende auf den oberen Rand eines auf das untere Ende des Rohres 63 aufgeklemmten
Ringes 72, welcher nach unten in eine Gabel 73 ausläuft. In dieser Gabel
73 ist um eine quer zur optischen Achse des Kollimatorobjektivs verlaufende
und diese schneidende Achse ein Spiegel 74 schwenkbar gelagert. Mittels einer Rändehnutter
75, die auf eine mit Gewinde versehene Verlängerung 76 der einen Hälfte der Spiegelachse
aufgeschraubt ist und durch die öffnung 44 im Gehäuse 40 zugänglich
ist, kann der Spiegel in jeder beliebigen Schwenklage fixiert werden. Die Öffnung
44 ist so bemessen, daß der Bereich von etwa 30° oberhalb der durch die Spiegelachse
gelegten horizontalen Ebene bis etwa 20° unterhalb derselben durch Neigen des Spiegels
bestrichen werden kann.
-
Bei Nichtgebrauch des Kollimators wird die öffnung 44 durch
einen Deckel 44 a abgedeckt, der mit einem Riemen 44 b niedergehalten und
durch zwei Bolzen 44 c fixiert wird. Nach dem Öffnen wird der Deckel auf der Gehäuserückwand
mit dem Riemen auf den Bolzen 44 e gehalten.
-
Am oberen Rand des Stellringes 67 ist eine Skala 77 befestigt, die
vor einer Einstellmarke 78 spielt, welche ihrerseits auf einem Doppelwinkel
79 angeordnet ist, der seinerseits auf der Tragplatte 53 befestigt ist. Weiterhin
trägt der Stellring 67 einen radialen Arm 81, der an seinem freien Ende eine Gewindebohrung
82 hat, in welche ein Fixierstift 83 eingeschraubt ist. Auf der Halteplatte 53 ist
nach einem Kreisbogen, dessen Radius gleich ist dem Abstand der Achse der Bohrung
82 von der Achse des Tragrohres, eine Anzahl von Bohrungen 84 vorgesehen, in welche
der Fixierstift 83 mit seinem unteren glatten Teil einrasten kann. Indem man entgegen
der Wirkung der Feder 70 den Ring 72 und damit das Rohr 63 mit Stellring und Radialarm
hebt, tritt der Fixierstift 83 aus einem Bohrloch; es kann also das Rohr 63 im Tragrohr
62 verdreht werden und in seiner neuen Lage, ablesbar an Skala 77, durch Einrasten
des Fixierstiftes in das dieser Lage zugeordnete Bohrloch fixiert werden (s. die
Erläuterungen zu Fig. 10).
Auf der Deckplatte 46 ist, nicht dargestellt,
außen ein Schalter und innen eine Fassung für ein Lämpchen angeordnet. Das Lämpchen
befindet sich knapp neben dem Stellring 67 unterhalb der Scheibe 47. Es hat den
Zweck, den Deckel 48 von innen her zu beleuchten und damit die Mattscheibe 66 hinter
(bzw. oberhalb) der Kollimatorstrichplatte zu erhellen, wenn das Tageslicht nicht
mehr zur Erhellung der Mattscheibe ausreicht. Der Deckel kann hierzu an seiner Innenseite
mit einer hellen Farbe überzogen sein. Das Lämpchen wird von Batterien, die sich
innerhalb des Gehäuses 40 in einem besonderen Gehäuse befinden, über den Schalter
gespeist.
-
Zum Einstellen der Drehachse des Spiegels 74 in eine horizontale Ebene
bzw. zum Aufrichten der winkelabstandgleichen Visiermarken in lotrechte Ebenen befindet
sich am Stellring 67 eine Libelle 88.
-
Das Gehäuse 40 ist zur Erleichterung seines Transportes mit einer
Tragschlaufe 89 versehen. Weiterhin befindet sich auf der Unterseite eines Zwischenbodens
90, der nahe dem unteren Ende des Gehäuses 40 vorgesehen ist, ein Schraubdeckel
für das Batteriegehäuse und auf dessen Oberseite zwei Anschlagbolzen 91, welche
zum Anlegen des Randes einer Bussole dienen, mit deren Hilfe der Kollimator, wenn
nötig, orientiert werden kann.
-
Für das Richten des Kollimators auf markante Objekte kann auf die
Mattscheibe 66, welche zu diesem Zweck einen Klarfleck aufweist, eine Linse 92 aufgekittet
sein, deren Abstand von der Strichplatte 65 gleich ihrer Brennweite ist und welche
den Kollimator zu einem astronomischen Fernrohr ergänzt.
-
Bei der Verwendung dieses Kollimators als Hilfsziel zum Seitenrichten
einer schweren Waffe wird er im entsprechenden Abstand von der Waffe aufgestellt,
gegebenenfalls mit Hilfe einer Bussole, deren Rand an die beiden Bolzen
91 angelegt wird, grob orientiert urid auf das Geschütz hin gerichtet. Vorher
wird das Rohr 63 verdreht, bis die Zahl 0 auf der Skala 77 gegenüber der Marke 78
steht, wobei der Fixierstift 83 in dem mittleren der Löcher 84 einrastet.
Nunmehr wird durch Verdrehen des Knopfes 60 und Beobachten der Libelle 88 die optische
Achse des Kollimators in eine lotrechte Ebene gelegt. Nach der Durchführung dieses
Richtvorganges ist die Gewähr gegeben, daß die Marken gleichen Winkelabstandes auf
der Strichplatte des Kollimators in lotrechten Ebenen liegen.
-
Nunmehr kann das Geschütz mit Hilfe des Kollimators und des Zielfernrohres,
wie schon zuvor beschrieben, auf irgendein Ziel eingestellt werden. Die Mattscheibe
des Kollimators und damit die Strichplatte wird entweder durch das von oben her
einfallende Tageslicht beleuchtet oder, nach Aufsetzen des Deckels 48 und Betätigen
des Schalters, vom Lämpchen erhellt.
-
Es kann auch am Kollimator ein Schneckentrieb mit Anzeigeskala vorgesehen
sein, mit dessen Hilfe das Rohr 63 feinfühlig verdreht werden kann.
-
An Stelle des Zielfernrohres kann in der Visiervorrichtung auch ein
Richtglas verwendet werden, das abweichend von der üblichen Ausführung mehrere Zielstriche
an Stelle eines einzigen enthält. In Fig. 14 und 15 ist ein derartiges Richtglas
in Seitenansicht bzw. Draufsicht dargestellt. Der quaderförmige Glaskörper 134 mit
dem nach einer Kugelfläche geschliffenen Ende 135 für den Einblick trägt am anderen
Ende, der Fokalebene, aufgekittet ein Strichplättchen 136 mit den im vorgeschriebenen
Winkelabstand befindlichen bezifferten Zielstrichen oder Marken. Beim Zielen empfängt
das Auge des Beobachters zum Teil die aus dem Richtglas austretenden Strahlen, zum
anderen Teil die oberhalb des Richtglases vom Kollimator her kommenden Strahlen.