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Trockenschmiermittel auf Sulfidbasis Die Erfindung betrifft Trockenschmiermittel
auf der Basis einer Kombination einer lamellaren Metallsulfidverbindung mit Schmiereigenschaften
mit anderen Sulfiden.
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Mit den zunehmenden Ansprüchen in bezug auf Temperatur und Belastbarkeit,
welche heute an Lager gestellt werden, hat sich natürlich auch das Gebiet der Schmierung
in Anpassung an lese Betriebsbedingungen erweitert. Eine Art von Schmiermittel,
welche die vorliegende Erfindung insbesondere betrifft, sind feste oder trockene
Schmiermittel im Unterschied zu flüssigen und/oder fettartigen Schmiermitteln. Gute
Beispiele für feste Schmiermittel und Lagermaterialien sind Polyamide und Polytetrafluoräthylen,
welche in verhältnismäßig leicht beanspruchten Lagern verwendet werden. Ein anderes
Beispiel für ein bekanntes festes Schmiermittel ist Graphit, welcher in Schuppen-
oder Pulverform zwischen sich relativ zueinander bewegenden Flächen als Schmiermittel
wirkt. Bestimmte anorganische Verbindungen, d. h. die Sulfide, Disulfide, Selenide
und Telluride von Metallen wie Molybdän, Wolfram, Titan, Zirkon, Uran usw., kennzeichnen
sich durch eine schicht- oder plattenartige Kristallstruktur, bei welcher die Metallatome
in einer einzigen gemeinsamen Ebene liegen, während die nichtmetallischen Atome
unter Bildung von Schichten auf beiden Seiten dieser Ebene an die Metallatome gebunden
sind. Die nichtmetallischen Atome in jedem der Kristalle der Sandwichstruktur besitzen
nur eine sehr geringe Anziehung füreinander, so daß diese Kristalle leicht aufeinander
unter der Einwirkung geringer Scherungskräfte gleiten. Darüber hinaus besitzen die
nichtmetallischen Atome eine Affinität für benachbarte Metalloberflächen, so daß
die an solchen Oberflächen sitzenden Kristalle einen sehr starken Widerstand gegen
senkrecht zur Richtung der Scherungskräfte auftretende Kräfte bieten. Diese Verbindungen
besitzen daher ausgezeichnete Schmiereigenschaften und verhindern ein Festfressen.
Solche Schmiermittel werden nachstehend als »lamellare Metallverbindungsschmiermittel«
bezeichnet. Die vielversprechendsten dieser Schmiermittel sind Molybdändisulfid
(Mo S2) und Wolframdisulfid (W S2). Sie wurden sowohl als solche als auch in Mischung
mit Schmierölen und -fetten zur Verbesserung deren Schmierwirkung zum Schmieren
von Metallflächen verwendet. Es ist auch die Verwendung von Molybdän- und Wolframdisulfiden,
die andere Schwermetallsulfide, z. B. Zinnsulfid, in ihrer Molekülstruktur eingebaut
enthalten, bekannt.
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Es wurde jedoch gefunden, daß MO S2 und W S2 insbesondere bei Verwendung
als Trockenschmiermittel ausgeprägte Nachteile besitzen, indem sie in erster Linie
eine sehr hohe Abnutzungsgeschwindigkeit aufweisen, was eine laufende Erneuerung
erforderlich macht, und zweitens, indem sich mit zunehmenden Verbrauch des Schmiermittels
große Materialmengen zwischen sich bewegenden Oberflächen ansammeln, welche in einigen
Fällen sogar ein Verklemmen oder andere ungünstige Wirkungen zur Folge haben können.
Ferner besitzen diese Schmiermittel nur eine geringe Belastbarkeit, weshalb ihre
Verwendung beschränkt ist.
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Aufgabe der Erfindung ist daher die Schaffung eines Zusatzes zu lamellaren
Metallverbindungsschmiermitteln unter Verbesserung deren Trockenschmiermitteleigenschaften.
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Die Erfindung bezweckt ferner die Verbesserung der Abnutzungseigenschaften
von MO S2 und WS., insbesondere bei Verwendung als Trockenschmiermittel, indem sie
die Belastbarkeit und den Temperaturbereich dafür erweitert.
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Die erfindungsgemäßen Zusätze zu lamellaren Metallverbindungsschmiermitteln
bei Verwendung als Trockenschmiermittel erhöht die Belastbarkeit bzw. setzt die
Abnutzungsgeschwindigkeit herab, ohne jedoch die Schmiereigenschaften ungünstig
zu beeinflussen.
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Die Erfindung wird an Hand der folgenden Beschreibung in Verbindung
mit der Zeichnung besser verständlich.
Die Figur zeigt eine graphische
Darstellung der Abnutzungsgeschwindigkeit von MO S2 : Sn S2 Mischungen.
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Ein Hauptgesichtspunkt bei der Auswahl eines festen Schmiermittels
ist zur Zeit eine geringe Scherungsfestigkeit. Dies setzt einen Schmierungsmechanismus
voraus, bei welchem die festen Schmiermittelkristalle fest zwischen sich bewegenden
Oberflächen gehalten werden und daß diese Kristalle dann bei Bewegung ihrer Oberflächen
abgeschert werden. Dieser Schmiermechanismus bedingt offensichtlich die ständige
Bildung frischer Oberflächen der Schmiermittelkristalle. Da sich ein festes Schmiermittel
in bezug auf Reibung so verhält, wie ein über sich selbst gleitender Feststoff,
muß das Material an der Schmiermitteloberfläche, damit dies eintritt, an der zu
schmierenden Oberfläche haften. In diesem Falle müßte dann der Reibungskoeffizient
an allen erfolgreich geschmierten Flächen der gleiche sein. Damit in dem Schmierfilm
leicht eine Scherung und ein Übereinandergleiten erfolgt, sollen die Spaltebenen
der Kristalle des festen Schmiermittels in der Gleitrichtung ausgerichtet sein.
Eine derart bevorzugte Ausrichtung tritt im Falle von Filmen aus den beschriebenen
lamellaren Metallverbindungsschmiermitteln ein.
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Ein typisches Bild für die Schmiereigenschaften z. B. eines Mo S2
Films allein vermittelt die Tabelle I. Mo S, ist eines der am meisten verwendeten
und befriedigendsten lamellaren Trockenschmiermittel.
| Tabelle I |
| Reibungseigenschaften von MeSZ Filmen |
| Scheibe Reibungs- Maximale |
| Metall koeffizient Belastbarkeit |
| ,u kg |
| Flußstahl ............... 0,13 0;25 |
| 1090-Stahl ............. 0,035 1,09 |
| Rostfreier Stahl ......... 0,16 0,48 |
| Chrom ................. 0,05 4,0 |
| Chrom ................. 0,020 2,60 |
| Gußeisen ............... 0,05 2,50 |
| Gußeisen ...... » ........ 0,026 3,51 |
| Messing ................ 0,06 1,33 |
| Messing ................ 0,18 0,20 |
| Zinn ................... 0,07 0,28 |
Die Werte in Tabelle 1 und in den folgenden Tabellen wurden erhalten, indem man
einen festen Schmicrmittelfilm auf eine Flußstahlfläche aufrieb. Nach Bildung eines
zusammenhängenden Films auf der Metalloberfläche wurde das zur Herstellung des Films
dienende Mo S., durch eine weitere Stahloberfläche in Form eines halbkugelförmigen
Laufgewichtes mit einem Durchmesser von 0,3 cm ersetzt und der Reibungskoeffizient
zwischen dem laufenden Gewicht und dem auf der anderen Metalloberfläche gebildeten
Film wurde bestimmt. Versuche wurden in Luft bei Raumtemperatur und bei einer relativen
Feuchtigkeit von 30 bis 359/o durchgeführt. Die Geschwindigkeit betrug etwa 60 cm
je Sekunde. Bemerkenswert ist, daß auf rostfreiem Stahl, Chrom und Gußeisen sehr
hohe Belastungen möglich waren. Es wurde nun gefunden, daß der Zusatz verschiedener
Sulfide eine ausgeprägte Änderung der Schmiereigenschaften der lamellaren Metallverbindungsschmiermittel
bewirkt. Ein typisches Beispiel für ein zuzusetzendes Sulfid ist Sn S2. Die nachfolgende
Beschreibung befaßt sich daher mit Mo S2: SnS2 Mischungen als typisch für andere
lamellare Metallverbindungsschmiermittel und andere Sulfide. Obwohl Sn S2 ein gutes
Additiv ist, ist es doch noch nicht das beste, wie sich aus der nachstehenden Tabelle
V ergibt, dient jedoch im folgenden der Erläuterung der Erfindung.
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Die Zugabe einer kleinen Menge Stannisulfid, SnS2, zu dem Schmiermittelfilm
verändert die Situation in drastischer Weise. So kann z. B. ein Molybdändisulfidfilm
auf Flußstahl eine Belastung von nur einigen 100 g aushalten; wenn - jedoch nur
10 Gewichtsprozent Stannisulfid in einem Film zugegen sind, der dann aus 90 Gewichtsprozent
Mo SZ und 10 Gewichtsprozent Sn SZ besteht, kann die Belastbarkeit um ein Vielfaches
steigen. Im Falle von Chrom wurde die Zerreißgrenze des Films nicht erreicht. Weiche
Oberflächen, z. B. Kupfer- und Zinnoberflächen, zeigen eine verhältnismäßig niedrige
Zerreißfestigkeit des Films, selbst in Anwesenheit von Stannisulfid. Die Kristallstruktur
von Stannisulfid ist ein anorganisches Schichtgitter. Diese Struktur besitzt eine
Anzahl anorganischer fester Schmiermittel; eine Untersuchung der Reibungseigenschaften
von Stannisulfid ergibt jedoch, daß dieses Material auf einer großen Anzahl metallischer
Oberflächen einen hohen Reibungskoeffizient aufweist und somit ein schlechteres
festes Schmiermittel ist als Mo S,. Das typische Verhalten einer festen Form von
Sn g, beim Gleiten über verschiedene Oberflächen zeigt die folgende Tabelle II:
| Tabelle II |
| Reibungskoeffizienten von Sn S2 Plättchen |
| Oberfläche Belastung |
| g |
| ,ts |
| 1. Kupfer ............. 711 0,55 |
| 2. Messing . . . . . . . . . . . . . 1237 0,30±0,05 |
| 3. Rostfreier Stahl ...... 417 0,9 |
| 4. Nickel .............. 605 0,62 |
| 5. Flußstahl ........... 1047 0,55±0,02 |
| 6. 1040 ............... 625 0,59 ± 0,02 |
SnS2 ist tatsächlich ein schlechteres Schmiermittel als Mo S2. Ein gleitendes Plättchen
aus Mischungen von Sn S, und Mo S2 besitzt einen viel geringeren Reibungskoeffizient
als ein Sn S2 Plättchen allein, wie dies die folgende Tabelle zeigt:
| Tabelle III |
| Reibungskoeffizienten von Mo S2 : Sn S2 Plättchen |
| Zu- |
| Belast- sammen- |
| Oberfläche barkeit Setzung |
| `u Sn S2 . |
| kg Gewicht |
| Kupfer ............... 1,8 0,18 50:50 |
| Rostfreier Stahl . . . . . . . . 1,8 0,29 50:
50 |
| Nickel ................ 1,8 0,26 50:50 |
| Flußstahl ............. 1,8 0,24 90:10 |
Die Tabellen II und III geben nicht nur den Reibungskoeffizient von auf einer Oberfläche
gleitenden Plättchen an, sondern erläutern auch die Tatsache,
daß
der Zusatz von Sn S2 zu Mo SZ, obwohl Sn SZ ein schlechteres Schmiermittel ist als
MO S2, den Reibungskoeffizient von MO
S2 allein nicht wesentlich beeinfiußt.
Außerdem wurde beobachtet, daß die Abnutzungsgeschwindigkeit der Plättchen, verglichen
mit Plättchen aus Mo SZ allein, wesentlich geringer war.
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Es zeigte sich, daß die obigen Vorteile von Mo S2 : Sn S2 Mischungen
auftraten, wenn die Mischungen in Form von Filmen zur Anwendung kamen. Gute Resultate
erzielte man bei Verwendung von etwa 97- oder 98'°/cigem Sn S2. Große Kristalle
wurden in einer Kugelmühle zu einem Pulver, das sich zu Plättchen pressen ließ,
vermahlen.
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Ein von dem Pulver erhaltenes Röntgendiagramm enthielt für hexagonales
Sn SZ charakteristische Linien sowie ein äußerst schwaches Linienbild für tetragonales
Sn 02.
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Typische Reibungswerte für verschiedene Zusammensetzungen von Mo
S.: Sn S2 sind in der folgenden Tabelle IV enthalten. Die Zusammensetzungen
bestehen aus 100 Gewichtsprozent variierender Gehalte an Mo S2 und Sn S2.
| Tabelle IV |
| Reibungseigenschaften von Mo S2/Sn S2 Filmen |
| Zusammen- Reibungs- Maximale |
| Setzung Metallscheibe koeffizient Belast- |
| barkeit |
| Mo S2: Sn S2 ,u kg |
| 80:20 Flußstahl 0,058 1,46 |
| 90:10 Flußstahl 0,047 2,81 |
| 80:20 1.090-Stahl 0,086 0,48 |
| 80: 20 Rostfreier Stahl 0,17 0,39 |
| 90:10 Chrom 0,017 6,06 |
| 80:20 Chrom 0,040 3,10 |
| 70:30 Kupfer 0,11 0,24 |
| 90:10 Kupferplatte 0,16 0,38 |
| 90:10 Kupferplatte 0,12 0,25 |
| 90:10 Zinnplatte 0,084 0,2 |
| 80: 20 Zinnplatte 0,15 0,4 |
| MO S2 |
| über SnS2 Flußstahl 0,040 4,26 |
| Mo S2 |
| über Sn S2 1090-Stahl 0,023 4,23 |
| Mo S2 |
| über SnS2 1090-Stahl 0,024 4,54 |
| Mo S2 |
| über Sn S2 1090-Stahl 0,022 5,81 |
| MO S2 |
| über SnS2 Gußeisen 0,027 3,72 |
Die Art des Abnutzungsprozesses von Mo S, wird durch die Zugabe von Sn S2 günstig
verändert. Ein wesentlicher Teil der Abnutzung von Mo S2 Plättchen scheint bei der
Bildung einer dicken Mo S2 Spur auf der Oberfläche, auf welcher der Film aufgebracht
wird, zu erfolgen. Dieser Film baut sich rasch auf und ist von einer Abscherung
des Films unter Bildung breiter, flacher, plättchenartiger Teilchen in der Abnutzungsfläche
begleitet. In Anwesenheit von Sn S, bildet sich eine viel dünnere Spur oder ein
viel dünnerer Film auf der Kupferfläche, der nur etwa ein Zehntel der Dicke des
Mo S2 Films allein aufweist und die auf Grund der Abnutzung entstandenen Teilchen
sind nicht nur als Ganzes gesehen kleiner; sondern in ihrer Größe auch dem das Ausgangsmaterial
bildenden Pulver vergleichbarer. Diese Verhinderung einer dicken Schmiermittelansammlung
ist äußerst günstig, da bei einigen Anwendungsfällen die Ansammlung von Mo S2 ausreicht,
um den Abstand zwischen sich bewegenden Teilen auszufüllen und ein Festklemmen zu
verursachen. Es dürfte auch klar sein, daß Mo SZ das tatsächlich als festes Schmiermittel
wirkende Material ist und daß die Rolle des Sn S2 darin besteht, die Oberfläche
in einen solchen Zustand zu versetzen, daß das Mo S2 seine Schmierwirkung leichter
ausüben kann. In einigen Fällen mag es daher zweckmäßig sein, eine Oberfläche durch
vorherige Aufbringung eines SnS2 Films oder eines anderen Sulfidfilms für die Zugabe
des Mo S2 Schmiermittels zu präparieren. So wurde z. B. die Schmierung von 1090-Stahl
in Tabelle IV gegenüber der Schmierung mit Mo S2 : SnS, verbessert, indem man einen
Film von Sn S, und darüber einen Mo S2 Film aufbrachte. In allen Fällen soll jedoch
das SnS., eine Mindestmenge Stannioxyd enthalten, oder aber das etwa anwesende Oxyd
soll bei jedem Verhältnis von Mo S., zu Sn S2 so gering sein, daß die Schmierung
dadurch nicht beeinträchtigt wird.
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Obwohl die Beschreibung bisher nur Sn S2 als Zusatz nannte, gilt sie
doch auch für andere, in gleicher Weise zu verwendende Stoffe. Es wurde gefunden,
daß nicht nur verschiedene andere Zusätze außer Sn S, verwendet werden können, sondern
daß diese alle ein gemeinsames Merkmal aufweisen. Allgemein gesprochen nimmt man
an, daß ein Sulfid einen wirksamen Zusatz zu einem lamellaren Metallverbindungsschmiermittel
bildet, wenn es thermodynamisch weniger stabil ist als das Sulfid des Oberflächenmaterials,
mit welchem es verhaftet wird. Wenn z. B. ein Sulfidzusatz zusammen mit MoS2 zur
Schmierung einer Stahlwelle verwendet wird, so muß der Zusatz thermodynamisch weniger
stabil sein als Fe S. Eine andere Möglichkeit zur Bestimmung des gemeinsamen Faktors
besteht darin, daß die wirksame Zusätze bildenden Sulfide eine geringere negative
freie Bildungsenergie besitzen als FeS und daß diejenigen mit einer höheren freien
Bildungsenergie als Fe S unwirksame Zusätze sind. Dies kann folgendermaßen erklärt
werden: Wenn ein Schmierfilm, z. B. ein Mo S2 Film, auf einer Stahlwelle od. dgl.
aus verschiedenen Gründen zerreißt, so bildet sich eine Metall-Metall-Berührung
aus, und es entstehen hohe örtliche Temperaturen von etwa 300 bis 400° C. Diese
Bedingungen begünstigen eine Reaktion zwischen dem Zusatz und der Metalloberfläche
eher als zwischen dem Zusatz und 112o S2, was die Bildung von Fe S auf der Wellenoberfläche
zur Folge hat, welches den Film wieder repariert. Der Schmiermechanismus mag dann
darauf beruhen, daß auf diesem durch Reaktion gebildeten Fe S-Film ein Gleiten eintritt,
wobei die Scherung in diesem Film zur Reibungskraft beiträgt. Der Beitrag zur gesamten
Reibungskraft ist gering, da die Fläche eines solchen durch Reaktion gebildeten
Films ebenfalls klein ist. Die wichtigste Eigenschaft des Films besteht darin, eine
rasche Vergrößerung des Schadens in Bern Schmierfilm, nachdem einmal eine schwache
Stelle entstanden ist, zu verhindern. Man nimmt üuch an, daß zwischen dem durch
die Reaktion gebildeten Sulfidfilm und dem Mo SZ Schmiermittel eine gute Verhaftung
besteht. Das Mo S2 kann sich daher leichter ausbreiten und die Rißstelle überdecken.
Diese Annahme stützt sich darauf, daß MoS, auf
Oberflächen, auf
welchen chemisch eine Sulfidbildung bewirkt wurde, ausgezeichnet und schnell Filme
bildet.
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Außer Mo S, werden verschiedene, lamellare Metallverbindungen als
Trockenschmiermittel verwendet, z. B. WS." Zr S, und Ti S2, welche im allgemeinen
eine mit Mo S.., vergleichbare thermodynamische Stabilität besitzen. Mischungen
dieser Schmiermittel ergeben daher nicht die optimalen Ergebnisse der erfindungsgemäßen
Mischungen, in welchen das zugesetzte Sulfid thermodynamisch wesentlich weniger
stabil ist und in welchen der Zusatz selbst kein Schmiermittel darstellt. Die chemische
Ähnlichkeit der vorstehend ausgeführten lamellaren Metallverbindungen zeigt jedoch
an, daß sie in Kombination mit den erfindungsgemäßen Sulfidzusätzen ebenfalls bessere
Trockenschmiermittel werden. Dies erläutert die folgende Tabelle V.
| Tabelle V |
| Reibungseigenschaften von WS.- Fihnen auf Flußstahl |
| Zusatz Belastbarkeit |
| kg |
| Keiner ................. 0,12 0,7 |
| Keiner ................. 0,11 1,1 |
| 101/o Pb S . . . . . . . . . . . . . . 0,035 5,3 |
| 10% Ag S . . . . . . . . . . . . . 0,026 > 8,1 |
Die folgende Tabelle VI zählt verschiedene Sulfide auf, welche als Zusätze zu Mo
S2 als Trockenschmiermittel verwendet wurden. Die Untersuchung der Eigenschaften
dieser Filme war die gleiche wie vorstehend. In allen Fällen wurde Flußstahl als
Substrat verwendet. Teste wurden in Luft bei Raumtemperatur und bei einer relativen
Feuchtigkeit von etwa 30 bis 35% durchgeführt. Die Konzentration des Zusatzes betrug
jeweils 10 Gewichtsprozent der verwendeten Plättchen und das Laufgewicht bestand
in jedem Fall aus einer Stahlhalbkugel mit einem Durchmesser von 0,3 cm. Der Verdichtungsdruck
der Plättchen betrug etwa 36,4 kg/cm2, und zwar bei den Plättchen aller Tabellen.
| Tabelle VI |
| Reibungs- Maximale |
| Zusatz koeffizient Belastbarkeit |
| kg |
| Sb2S5 0,057 5,8 |
| PtS .................... 0,056 5,5 |
| Ti S2 ................... 0,04 5,4 |
| HgS (rot) .............. 0,038 5,3 |
| Ag2 S . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,06 5,3 |
| Pb S . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,038 5,2 |
| FeS .....:............. 0,063 4,9 |
| Ti2 S.3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,065 4,8 |
| Cu2S .................. 0,064 3,9 |
| CuS ................... 0,059 3,6 |
| Au? S .................. 0,065 2,8 |
| Bi2S3 .................. 0,045 2,9 |
| S ...................... 0,045 2,6 |
| SnS2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,047 2,8 |
| ZrS, ................... 0,061 2,3 |
| HgS (schwarz) . .. .. .. ... 0,048 1,8 |
| T12 S3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0,060 1,5 |
| Cr. S3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0;08 1,2 |
Die Werte von Tabelle V1 zeigen an, daß die Belastbarkeit von Mo SZ Filmen auf Flußstahl
durch die erfindungsgemäßen Zusätze ganz wesentlich vergrößert wird.
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Es können natürlich auch andere und sogar fließfähige Verbindungen
als indirekte Zusätze Verwendung finden, wenn die Verbindungen sich zersetzen oder
anderweitig unter Bildung einer als erfindungsgemäßer Zusatz wirkenden Verbindung
reagieren, wobei diese Verbindung thermodynamisch weniger stabil sein muß als das
Ausgangsschmiermittel und als das Sulfid des Oberflächenmaterials, auf welchem das
Schmiermittel verwendet wird. So kann z. B. BaS mit Wasser oder Feuchtigkeit unter
Bildung von H, S reagieren, welch letzteres ein erfindungsgemäßer Zusatz ist, obwohl
es ein fließfähiger Stoff ist.
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Auch die Kristallstruktur der Zusätze beeinflußt ihre Verwendbarkeit.
So ist z. B. in Tabelle VI festgestellt, daß die schwarze Modifikation von HgS einen
weniger wirksamen Zusatz für Mo S2 bildet, während die rote Modifikation ausgezeichnet
ist.
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Die folgende Tabelle V11 zeigt bestimmte Sulfid-Zusätze zu Mo S2,
welche die Abnutzungsgeschwindigkeit des Schmiermittels herabsetzen.
| Tabelle VII |
| Reibungsverhalten von Mo S2 mit verschiedenen |
| Sulfidzusätzen auf Kupfer |
| Kon- Abnutzungs- |
| Zusatz zentration geschwindig- |
| Gewichts- keif |
| prozent mg/Std. |
| Keiner . . . . . . . . . - 0,17 27,5 |
| SnS2........... 10 0,18 4,0 |
| SnS2........... 20 0,17 5,5 |
| Sb 2S5 .......... 10 0,16 4,1 |
| Sb 2S; .......... 5 0,16 6,0 |
| Sb 2S5 .......... 5 0,16 8,1 |
| CaS ........... 10 0,16 2,4 |
| BaS ........... 10 0,24 13,0 |
| CdS ........... 10 0,20 3,5 |
| CdS............. 10 0,22 0,8 |
| Cr. S3 . . . . . . . . . . 10 0,21 4,5 |
| Crz S, . . . . . . . . . . 20 0,23 1,5 |
| Cr 2S3 .......... 5 0,23 2,5 |
| Ag2S .......... 10 0,15 5,5 |
| Bit S3 . . . . . . . . . . 10 0,17 3,5 |
Kupfer wurde wegen seiner guten filmbildenden Eigenschaften als Beispiel gewählt.
Die Zusätze erniedrigen die Abnutzungsgeschwindigkeit des Films beträchtlich. Verschiedene
Versuche an anderen Metalloberflächen, z. B. Stahl, ergaben, daß auch dort die Abnutzungsgeschwindigkeit
entsprechend herabgesetzt wird.
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Die Gewichtsmenge des Zusatzes kann sich je nach den Umständen ändern.
So ist z. B. in bezug auf die Abnutzungsgeschwindigkeit nur ein geringer Prozentgehalt
erforderlich, da dieAbnutzungsgeschwindigkeit wieder zunimmt, wenn die Menge des
Zusatzes über die eine Mindestabnutzungsgeschwindigkeit ergebende ansteigt. In der
Regel ergibt eine Menge von bis zu 50'0!o eine Abnahme der Abnutzungsgeschwindigkeit,
wobei die geringste Abnutzungsgeschwindigkeit bei etwa 2% eintritt und bei 50'°/o
zunimmt. Die Abnutzungsgeschwindigkeit bei 50'% des Zusatzes ist
jedoch
immer noch geringer als bei MO S2 allein. Die Abnutzungsgeschwindigkeit verschiedener
Mischungen z. B. aus Mo S" und Sn S2 ist in Fig. 1 wiedergegeben. Dabei sei daran
erinnert, daß - wie bereits gesagt - nur eine kleine Menge Sn S., oder eines anderen
Zusatzes zu einer beachtlichen Herabsetzung der Abnutzungsgeschwindigkeit erforderlich
ist und daß bei Zusatz weiterer Mengen jedoch die Abnutzungsgeschwindigkeit immer
noch unterhalb der von MO S2 allein liegt. Dieser Faktor ist wichtig, da die Abnutzungsgeschwindigkeit
ohne merkliche Beeinflussung der Schmiereigenschaften von Mo S2 allein wesentlich
herabgesetzt werden kann. Kurven für andere, vorstehend genannte Zusätze verlaufen
ähnlich.
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Die erfindungsgemäßen Trockenschmiermittel können auf eine bestimmte
Oberfläche auf dem Fachmann bekannte Weise aufgebracht werden. Eine bevorzugte Methode
besteht darin, das Schmiermittel in Form eines festen Stifts zu verwenden, da in
dieser Form der Stift ohne ein Bindemittel hergestellt werden kann, welches für
gewöhnlich die Schmiereigenschaften von Schmiermitteln in Stiftform beeinträchtigt.
Andere Möglichkeiten der Aufbringung sind z. B. die Erzeugung eines Sohmiermittelfilms
aus einer flüssigen Mischung durch Aufsprühen, Eintauchen oder anderweitiges Überziehen
der zu schmierenden Oberfläche.
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Es wurde gefunden, daß ein Film aus einem lamellaren Metallverbindungsschmiermittel
direkt auf eine Oberfläche ohne Verwendung eines Bindemittels nach einem Verfahren,
welches ein Polieren umfaßt, aufgebracht werden kann.
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So kann z. B. zur Aufbringung eines Films auf eine Welle diese Welle
in einer Drehbank oder einer anderen rotierenden Maschine montiert werden und man
drückt ein Plättchen aus dem Schmiermittel mit geringem Durchmesser, welches in
einem Halter befestigt ist, gegen die Welle und bewegt es entlang dieser unter Bildung
eines Films der gewünschten Breite. Die zwischen der lamellaren Metallverbindung
und der zu schmierenden Oberfläche bestehende Kraft soll größer sein als die üblicherweise
unter dem Ausdruck »Reiben« zu verstehende Kraft und liegt in den meisten Fällen
unmittelbar unter der Zerbröckelungs- oder Bruchgrenze des lamellaren Metallverbindungsschmiermittels.
Es sind nur wenige Striche entlang der Welle nötig, da sehr bald eine maximale Ausbildung
des Schmiermittelfilms erreicht ist und bei einer weiteren Anwendung keine zusätzlichen
Vorteile entstehen.
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Ein Polieren der Oberfläche nach Aufbringung des Trockenschmiermittels
ergibt eine wesentliche Verbesserung, wobei hinzukommt, daß durch das Polieren eine
viel engere Verbindung zwischen dem Schmiermittel und der Oberfläche erzielt und
die Lebensdauer des Films unter Verbesserung der Schmiereigenschaften verlängert
wird. Der Ausdruck »Polieren« entspricht dem bei der Metallbearbeitung üblichen.
So wird z. B. ein trockener Schmiermittelfllm - wie beschrieben - auf eine Welle
aufgebracht. Dann preßt man eine Stahlkugel mit einem Durchmesser von 0,3 cm gerade
so weit in die Welle ein, daß eine Metallbearbeitung der Oberfläche stattfindet,
und man streicht dabei einmal über die trockene Schmiermitteloberfläche.
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Die Welle eines sehr kleinen Fächergebläses, wie es z. B. zur Luftzirkulation
in Gefrieranlagen verwendet wird, auf welcher sich ein polierter MöS2-Film befand,
wurde ein Jahr lang nahezu ununterbrochen betrieben, ohne daß eine zusätzliche Schmierung
erforderlich war.
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Ein bevorzugtes Substrat für diese Poliermethode bildet Chrom, welches
in der Regel eine völlig einwandfreie Oberfläche ohne Risse aufweist und bis zur
Aufbringung des Schmiermittelfilms in einem chemisch reinen Zustand gehalten wird.
Beispiel 1 Ein Mo S2 Film wird - wie vorstehend beschrieben - auf eine Chromplatte
aufgebracht. Ein Plättchen mit einem Durchmesser von etwa 8 mm wurde zu diesem Zweck
unter einer Belastung von 2 kg mit einer Geschwindigkeit von 30,5 m je Minute auf
die Platte gerieben. Der Verdichtungsdruck des Plättchens betrug etwa 50 bis 70
kg/cm2. Es bildete sich nahezu sofort ein dünner Mo S2 Schleier, der bei weiterem
Reiben langsam zunahm.
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Der in dem vorstehenden Beispiel erhaltene Film wurde dann poliert
und getestet, indem man eine Stahlhalbkugel mit einem Durchmesser von 0,3 cm allmählich
bei 0 beginnend mit 50 bis 100 g-Anteilen belastete, während die Kugel auf dem Film
lief. Diese Art der Reibung bedingte eine starke Belastung des MO S2 Films. Die
tatsächlichen Berührungsflächen sind sehr klein und in vielen Fällen beobachtete
man Drücke in der Größenordnung von 3500 kg/cm2. Dies bedeutet einen Fall extremer
Druckschmierung.
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Beispiel 1I Ein gemäß Beispiel I erhaltener Film. wird insgesamt 30
Stunden den vorstehend beschriebenen Bedingungen ausgesetzt. Während dieser Zeit
läßt man Wasserdampf mit Teildrücken von 0 bis 25 mm Hg einwirken. Nach beendetem
Test war der Film immer noch unversehrt und zeigte einen Reibungskoeffizient in
trockenem Stickstoff von 0,03. Beispiel III Führte man ähnliche Teste an etwa 10
Gewichtsprozent Sn S2 enthaltenden Mo S2 Filmen unter einer Belastung von 6,1 kg
durch, so blieb der Film unversehrt. Die maximale Belastbarkeit des Films konnte
nicht bestimmt werden. Der Reibungskoeffizient betrug 0,017.
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- Die erfindungsgemäßen Aufgaben werden durch die Kombination eines
lamellaren Metallverbindungsschmiermittels mit einem oder mehreren Sulfidzusätzen
erfüllt. In allen Fällen ergaben die Sulfidzusätze, entgegen dem Verhalten zahlreicher
bekannter Zusätze, eine verbesserte Schmierung infolge erhöhter Belastbarkeit, geringerer
Abnutzungsgeschwindigkeit und entsprechend geringerer Filmstärke, ohne daß der Reibungskoeffizient
merklich beeinflußt wurde. Die Hauptnachteile, nämlich eine große Filmstärke und
eine hohe Abnutzungsgeschwindigkeit, sind somit durch die Erfindung auf ein Minimum
herabgesetzt worden.
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In der Regel besaßen in den angegebenen Beispielen und in der Zeichnung
die verwendeten Plättchen, sofern nicht anders angegeben, eine Berührungsfläche
von etwa 0,6 cm2 und wurden unter einer Belastung von 1,8 kg angewendet. Die Gleitgeschwindigkeit
betrug etwa 60 cm je Sekunde. Die
verwendeten Kupferplatten besaßen
einen üblichen Reinheitsgrad.