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Verfahren zur Herstellung von ungesättigten Derivaten des Äthylenimins
Es ist bekannt, daß man aus Monoepoxyden, die sich von konjugiert ungesättigten
Verbindungen herleiten, und Äthylenimin oder seinen C-substituierten Derivaten am
Stickstoffatom substituierteÄthylenimine erhält. Einige der erhaltenen Verbindungen
zeigen eine vorzügliche cytostatische Wirkung im Tierversuch und auch am Menschen.
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Es wurde nun gefunden, daß man cytostatisch wirkende ungesättigte
Derivate des Äthylenimins mit vorteilhaften Eigenschaften erhält, wenn man w-ungesättigte
Glycidverbindungen der allgemeinen Formel
in der Rl einen w-ungesättigten aliphatischen Rest, X ein Sauerstoff- oder Schwefelatom
oder die Gruppe NR und R ein Wasserstoffatom, einen aliphatischen, cycloaliphatischen
oder aromatischen Rest bedeutet, in an sich bekannter Weise mit Äthylenimin oder
seinen am Kohlenstoffatom substituierten Derivaten umsetzt.
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Als o-ungesättigte Glycidverbindungen kommen z. B. Allyl-glycidäther,
a-Methylallyl-glyddäther, 1-Allylmercapto-2,3-epoxypropan, 1-(-Methyl-allylmercapto)-2,3-epoxypropan,
l-Allylamino-2,3-epoxypropan, l-(N-Methyl-allylamino)-2,3-epoxypropan, 1-[N-Phenyl-buten-(3')-yl-(
1 ')-amino]-2,3-epoxypropan und 1- [N-Ccylohexyl-penten-(4')-yl-( 1 ')-amino] -2,3
-epoxypropan in Betracht. Die höheren Homologen der genannten Verbindungen können
ebenfalls verwendet werden.
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Am Kohlenstoffatom substituierte Derivate des Äthylenimins, die verfahrensgemäß
umgesetzt werden, sind z. B. C-Methyläthylenimin, C-Butyläthylenimin, Spirocyclohexanäthylenimin
.
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Das Äthylenimin oder seine am Kohlenstoffatom substituierten Derivate
werden mit den w-ungesättigten Glycidverbindungen bei Temperaturen unter 1000 C,
gegebenenfalls in Gegenwart eines unter den Umsetzungsbedingungen indifferenten
Lösungsmittels, z.B.
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Wasser, umgesetzt. Man wählt im allgemeinen äquimolare Mengen von
Glycidderivat und Äthylenimin.
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Es kann jedoch zweckmäßig sein, das Äthylenimin im Überschuß zu verwenden.
Die Umsetzung vollzieht sich gewöhnlich schon bei Raumtemperatur; sie läßt sich
durch Erwärmen des Umsetzungsgemisches beschleunigen. Gelegentlich kann der Zusatz
von Polymerisationsinhibitoren oder alkalischen Mitteln günstig sein.
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Man erhält die als Ausgangsmaterial dienenden Glycidäther, Glycidthioäther
und Glycidamine in bekannter bzw. in an sich bekannter Weise durch
Umsetzung der
entsprechenden ungesättigten Alkohole, Mercaptane oder Amine mit Epichlorhydrin
und gegebenenfalls Dehydrohalogenierung. Die co-ungesättigten Glycidderivate lagern
sich mit ihrer Epoxygruppe an das Stickstoffatom des Äthylenimins unter Aufspaltung
des Epoxyringes und Bildung einer Hydroxylgruppe an.
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Die erfindungsgemäß hergestellten Äthyleniminverbindungen wirken
cytostatisch und übertreffen hierbei die bisher in der Therapie gebräuchlichen Cytostatica:
Zum Beispiel besitzen Colchicin, Desacetylmethylcolchicin, ActinomycinC, Stickstofflost
und 2,5-Bis-äthylenimino-benzochinon am Sarkom 37 der Maus und am Crockersarkom
180 der Maus in verträglichen Dosen keine tumorhemmende Wirkung.
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Colchicin und Desacetylmethylcolchicin sind auch am Walkertumor der
Ratte völlig wirkungslos. Dagegen besitzen die neuen Äthyleniminverbindungen an
sämtlichen genannten Tumoren eine gute wachstumshemmende Wirkung, die meist 100
ovo beträgt, d. h., die Tumore der mit den neuen Verbindungen behandelten Tiere
gehen fast nicht oder überhaupt nicht an, während die der unbehandelten Tiere eine
erhebliche Größe erreichen.
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Die vorteilhaften Eigenschaften der Verfahrensprodukte im VergIeich
zu dem im Beispiel 1 der deutschen Patentschrift 1 004 614 beschriebenen Äthyleniminohydroxybuten
gehen aus den folgenden Tabellen 1 bis 3 hervor.
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Tabelle 1 zeigt die günstigen Werte der approximativen mittleren
letalen Dosen (ALD50) und der
therapeutisch wirksamen Dosen an Ratten-
und Mäuseimpfgeschwulsten.
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Die Tabellen 2 und 3 zeigen die Tumorwachstumshemmung bei der Applikation
der in der Tabelle 1 angegebenen therapeutisch wirksamen Mengen.
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Bei dem in der Tabelle 2 genannten Sa-Sarkom handelt es sich um einen
aus einem Spontantumor einer Albino-Inzuchtmaus entwickelten soliden Tumor. Er erwies
sich gegen viele, sonst stark wirksame Cytostatica als resistent, Tabelle 1
| Approximative |
| mittlere letale Therapeutisch wirksame Dosis |
| Verbindung Dosis (ALDso) cmm/kg |
| (Maus) |
| cmm/kg Maus I Ratte |
| Äthyleniminohydroxybuten ...................... 35 5 bis 7,5
10 |
| l-Allyloxy-3-äthylenimino-propanol-(2) ............ 180 20
bis 25 25 |
| l-Allylmercapto-3-äthylenimino-propanol-(2) 180 20 10 |
| l-(N-Methyl-allylamino)-3-äthylenimino-propanol-(2) 70 10 bis
15 5 |
Die Versuchsanordnung erfolgte gemäß der Veröffentlichung von Oettel und Wilhelm,
Archiv für
experimentelle Pathologie und Pharmakologie, Bd. 230, (1957), S. 559 bis
593.
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Tabelle 2 Antineoplastische Wirkung der Äthyleniminderivate am soliden
Ehrlich-Carcinom und soliden S2-Sarkom der Maus
| Tumor- |
| Durciischnittliches wachstums- |
| Tumor Verbindung Tumorgewicht (g) emmung |
| Versuch I Kontrolle % |
| Äthyleniminohydroxybuten 0,01 0,71 99 |
| #1-Allyloxy-3-äthylenimino-propanol-(2) 0,00 1 1,88 100 |
| Ehrlich-Carcinom -Allylmercapto-3-äthylenimino-propanol-( 0,16
0,69 77 |
| 1-(N-Methyl-allylamino)-3-äthylenimino- 0,09 0,70 87 |
| propanol-(2) |
| Äthyleniminohydroxybuten 0,92 1,24 26 |
| l I l-Allyloxy-3-äthylenimino-propanol-(2) 1,09 1,19 8 |
| S2-Sarkom 1 Allylmercapto-3-äthyleniniino-propanol-(2) 0,78
1,24 37 |
| 1-(N-Methyl-allylamino)-3-äthylenimino- 1,00 1,86 46 |
| propanol-(2) |
Die Versuchstechnik ist dem Archiv für experimentelIe Pathologie und Pharmakologie,
Bd. 230 (1957), S. 567 unter II, 1, zu entnehmen; es wurde jedoch
die erste Injektion
mit den zu prüfenden Verbindungen 24 Stunden nach der Überinapfung des Tumorbreies
vorgenommen.
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Tabelle 3 Antineoplastische Wirkung der Äthyleniminderivate am Ehrlich-
und S2-Ascitestumor der Maus
| Durchschnittliche Durchschnittliche Tumor- |
| . Ascitesmenge Lebensdauer wachs- |
| tums- |
| Tumor Verbindung (g) (Tage) tums- |
| hemmung |
| Versuch Kontrolle Versuch Kontrolle % |
| Äthyleniminohydroxybuten 3,9 5,0 12,2 9,9 22 |
| Ehrlich- 1-Allyloxy-3-äthylenimino-propanol-(2) 7,5 11,2 16,7
15,8 33 |
| Ascites- 1-Allylmercapto-3-äthylenimino-propanol-(2) 1,7 9,8
34,1 15,0 83 |
| Carcinom 1 1-(N-Methyl-allylamino)-3-äthylenimino- 0,6 5,6
46,3 10,3 89 |
| propanol-(2) |
| Äthyleniminohydroxybuten 4,0 4,7 17,7 12,5 15 |
| 1-Allyloxy-3-äthylenimino-propanol-(2) 4,7 7,3 17,2 12,2 36 |
| S2-Ascites- 1 Allylmercapto-3-äthylenimino-propanol-(2) 2,4
4,6 42,4 11,7 48 |
| Sarkom # 1-(N-Methyl-allylamino)-3-äthylenimino- 2,9 6,0 40,6
12,4 52 |
| propanol-(2) |
Die Versuchstechnik ist dem Archiv für experimentelle Pathologie
und Pharmakologie, Bd. 230 (1957), S. 578 unter III, 1, zu entnehmen.
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Ein weiterer Vorteil der neuen cytostatisch wirkenden Verbindungen
gegenüber zahlreichen bisher gebräuchlichen Cytostatica, z. B. Dimethansulfonoxybutan,
6-Mercaptopurin und 2,5-Bis-äthylenimino-benzochinon, ist ihre gute Wasserlöslichkeit,
die die therapeutische Anwendbarkeit sehr erleichtert.
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Die neuen Verbindungen können ferner als Ausgangsstoffe für die Herstellung
von Kunststoffen verwendet werden.
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Die in den Beispielen genannten Teile sind Gewichtsteile.
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Beispiel 1 43 Teile Äthylenimin läßt man unter Rühren bei 25° C zu
114 Teilen Allylglycidäther (erhältlich gemäß USA.-Patentschrift 2 314 039) tropfen.
Nach 3 Stunden wird zur Vervollständigung der Umsetzung die Temperatur 60 Minuten
auf siedendem Wasserbad bei 100" C gehalten. Das gelbe dünnflüssige Rohprodukt wird
fraktioniert destilliert. 74 Teile des 1-Allyloxy-3-äthylenimino-propanol-(2) der
Formel
gehen bei einem Vakuum von 0,3 mm bei 75" C als farblose Flüssigkeit über. Bei einem
Vakuum von 0,5 mm und 169 bis 1700 C erhält man eine weitere Fraktion als hellgelbe
Flüssigkeit, vermutlich ein Dimerisat.
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Beispiel 2 Innerhalb einer Stunde gibt man 1/,Mol 1-Allylmercapto-2,3-epoxypropan
(Kp.0,7 41 bis 43° C) zu dem im Sieden gehaltenen Gemisch von 1/2 Mol Äthylenimin,
1/2 ccm Wasser und V2 g Ätznatron und erwärmt noch 1 Stunde auf 80 bis 90" C. Durch
Fraktionierung
wird in 55°/Oiger Ausbeute l-Allylmercapto-3-äthylenimino-propanol-(2) (Kp., 88
bis 92" C) erhalten.
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Beispiel 3 53 g l-(N-Methyl-allylamino)-2,3-epoxypropan (Siedebereich
55 bis 71"C bei 22 mm Druck) werden mit 18 g Äthylenimin und 1 g 500/iger wäßriger
Natriumhydroxydlösung 4 Stunden auf 80"C erhitzt. Bei der anschließenden Destillation
gehen bei 66"C und einem Druck von 0,15 mm 17 g 1-(N-Methyl-allylamino)-3-äthylenimino-propanol-(2)
der Formel
über.
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Beispiel 4 Zu 27 g o;-Methylallyl-glycidäther (Kp.2o 65 bis 700 C)
wird 1 g 500/0ige wäßrige Natriumhydroxydlösung gegeben, und in die Mischung werden
innerhalb von 11/2 Stunden 11,2 g C-Methyläthylenimin eingetropft.
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Dann wird das Reaktionsgemisch weitere 3 Stunden bei Raumtemperatur
gerührt, 1 Stunde auf 90 bis 100"C erhitzt und anschließend fraktioniert. Bei 63"C
und einem Druck von 0,4mm gehen 14g l-(oc-Methylallyloxy)-3-isopropylenimino-propanol-(2)
als farblose Flüssigkeit über.
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Beispiel 5 Analog dem Beispiel 3 wird 1 - (N - Propyl-allylamino)-2,3
-epoxypropan zu 1 - (N- Propyl- allylamino) - 3 - äthylenimino-propanol-(2) der
Formel
umgesetzt. Kp.0,2 68 bis 69"C.