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Kettenspannvorrichtung für Webmaschinen zum Herstellen insbesondere
schwerster mehrlagiger bzw. hochlagiger Gewebe Die Erfindung bezieht sich auf eine
Vorrichtung zum Herstellen insbesondere schwerster mehrlagiger bzw. hochlagiger
Gewebe, bei welchen die Kettenfadengruppen von einem Kettenfadenablaufgestell durch
Fadenführungen über in Gruppen parallel zueinander angeordnete, die Spannung der
Kettenfadengruppen bewirkende, regelbare Spannwalzen führbar sind.
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Es ist bekannt, bei Webmaschinen z. B. beim Arbeiten von einem Spulengestell
sogenannte Teilstäbe und Lochplatten für die Webkette zwischen diesem und den Streichbäumen
zum Zwecke der Kettenfadenzuführung anzuordnen. Zum Spannungsausgleich hat man auch
schon drehbare, abgebremste Walzen mit Druckwalzen zur Erhöhung der Fadenspannung
zwischengeschaltet und ebenso auch in der Webmaschine Leitwalzen angeordnet. Diese
Vorrichtungen sind hauptsächlich bei einlagigen Geweben zur Anwendung gekommen,
sind aber für besonders schwere und hochlagige bzw. mehrlagige Gewebe nicht brauchbar.
Es ist ferner bekanntgeworden, auch schwere Webwaren, insbesondere Treibriemen mit
mehreren Kettenfadengruppen, zwischen Bremswalzen der Webmaschine zuzuführen (deutsche
Patentschrift 284 225). Hier laufen die beiden Kettenfadengruppen über vier Spannwalzen,
von denen aber jeweils drei Walzen durch entsprechend angeordnete Stirnzahnräder
zwangläufig miteinander verbunden sind, während jeweils die vierte Walze frei drehbar
ist und von Gewichtshebeln mit verschiebbarem Gewicht belastet wird. Da die eine
Walze, welche über Zahnräder mit den anderen Walzen verbunden ist, eine Bremsscheibe
trägt, auf welche ein durch Gewichtshebel belastetes Bremsband einwirkt, kann die
Webkette, welche auf den verschiebbaren Walzen nicht gleiten kann, nur nachgelassen
werden, wenn der Zug der Webkette größer wird als die Bremsbelastung durch das auf
den Gewichtshebeln angebrachte Gewicht. Auch kann hierbei der Umschlingungswinkel
der Kette um die verschiedenen Walzen nicht verändert werden.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung so auszubilden,
daß in beliebiger Weise einzelne oder mehrere Kettenfadenpartien bzw. Gewebelagen
über mehrere schwenkbare Bremswalzenaggregate geführt bzw. abgebremst werden. Dies
wird bei einer Kettenspannvorrichtung der eingangs erwähnten Art im wesentlichen
dadurch erreicht, daß regelbare Spannwalzengruppen aus je zwei Spannwalzen bestehen,
die in beliebig dreh- und feststellbaren Lagerköpfen gelagert sind. Hierbei werden
Spanngewichte oder Sperrvorrichtungen mit Sperrrädern und Sperrklinken nicht benötigt,
so daß sich die Bauweise der Vorrichtung wesentlich vereinfacht. Dabei ist es gleichgültig,
ob die Kettenfäden in bekannter Weise entweder vom Spulengestell oder von einer
Partie Kettenbäume zugeführt werden. Wichtig ist hierbei, daß die einzelnen Bremswalzenpaare
so einstellbar sind, daß je nach der benötigten Kettenfadenspannung der verschiedenen
Gewebelagen bzw. der Kettenfadenpartien und auch der Kettenfadenmaterialien ihre
Ausschwenkung bzw. Feststellung unabhängig voneinander erfolgen kann. Da für das
Verweben weniger schwerer Waren die Spannwalzen einzeln drehbar einstellbar sind,
wird die Kettenfadenspannung in erster Linie durch die Erhöhung des Umschlingungswinkels
und nicht durch die Reibung beim Überlauf über die Spannwalzen erzielt. Für die
Herstellung schwerster Waren dagegen werden die Spannwalzen als zusätzliche Bremswalzen
für eine gleitende Fadenreibung in den jeweils zwei Spannwalzen tragenden schwenkbaren
Lagerköpfen festgestellt, also nicht drehbar angeordnet. Hierbei sind zweckmäßig
die Spannwalzen und die Fadenführungen in einem von der Webmaschine und dem Kettenfadenablaufgestell
gesonderten Zusatzgestell angeordnet. Auf diese Weise braucht an der Struktur und
Bauweise der normalen Schwergewebewebmaschine nichts geändert zu werden. Das Zusatzgestell
ist dem hinteren Gestell der Webmaschine angepaßt und an demselben angebracht. Viele
dieser hochlagigen Gewebe werden in bekannter Weise mit einer sogenannten Bindekette
hergestellt, welche die einzelnen Lagen anbindet und naturgemäß einen ganz anderen
Einarbeitungskoeffizienten hat und auch mit ganz anderer Spannung als die einzelnen
Lagen arbeiten muß. Zu diesem Zwecke sind für die Bindekette eine der Spannwalzengruppen
und ein
gesonderter Streichbaum vorgesehen. Hierbei wird der Vorteil
erreicht, daß diese schweren Gewebe bandenfrei in gleichmäßiger Dichte in absolut
gleichbleibender Spannung während des Kettenfadenablaufes hergestellt werden.
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Zweckmäßig ist es, für die verschiedenen Gewebelagen zwei oder mehrere
Spannwalzengruppen und je einen gesonderten Streichbaum vorzusehen.
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Für beliebige Stellungen der Lagerköpfe in der Gestellwand des Zusatzgestelles
sind Lochrasten 50 vorgesehen, in die Arretierstifte eingreifen, die mittels Schrauben
festlegbar sind, so daß jede gewünschte Kettenfadenspannung gut und schnell einstellbar
ist. Außerdem sind die in den Lagerköpfen gelagerten Spannwalzen durch Arretiermittel
festlegbar.
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In den Zeichnungen ist der Gegenstand der Erfindung an Hand eines
Ausführungsbeispieles dargestellt. Es zeigt F i g. 1 eine Kettenspannvorrichtung
mit Abarbeiten der Kette von einem Spulengestell in Seitenansicht, F i g. 2 die
Kettenspannvorrichtung nach F i g. 1, jedoch zum Abarbeiten von einer Partie übereinander
angeordneter Kettenbäume, F i g. 3 einen schwenkbaren Lagerkopf mit zwei Rohren
und einem Gestellteil im Schnitt sowie einen Arretierstift und F i g. 4 die Anordnung
nach F i g. 3 von der Seite gesehen.
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In einer Gestellwand 1 einer Webmaschine ist in bekannter Weise
eine Kurbelwelle 2 gelagert, welche über Kurbelpleuel 3 die Bewegung
einer Weblade 4
erfaßt. Wie in der F i g. 1 gezeigt, werden die einzelnen
Kettenfadenpartien, von einem bekannten Spulengestell 5 kommend, durch Fadenführungen
in Form von Teilstäben 6 bis 14 und perforierten Lochplatten
15 bis 17 über in schwenkbaren Lagerköpfen 18 bis 22 angeordnete Spannwalzen
23 bis 32 geführt und anschließend über bewegliche Streichbäume 33 bis 35 dem Webgeschirr
zugeleitet.
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In F i g. 2 sind für den gleichen Zweck an Stelle des Spulengestelles
5 Kettenbäume 36 bis 42 vorgesehen. Während die Bindekette in jedem Fall über die
Teilstäbe 6 bis 8 und durch die perforierte Lochplatte 15 um das in den Lagerköpfen
18 schwenkbare Spannwalzenpaar 23, 24 dem Streichbaum 33 zugeleitet
wird, erfolgt die Zuführung der Kettenfadenpartie für die einzelnen Gewebelagen,
in F i g. 2 beispielsweise jeweils drei Lagen, durch die Teilstäbe 9 bis
11 und durch die Lochplatte 16 über mehrere, je zwei Rohre
25, 26 bzw. 27, 28 tragende, schwenkbare Lagerköpfe 19 bzw.
20 und anschließend über den Streichbaum 34 zum Webgeschirr, während
die anderen drei Lagen in gleicher Weise über die Teilstäbe 12 bis 14, die Lochplatte
17 und Lagerköpfe 21, 22 mit Rohren 29, 30 bzw. 31, 32 über den Streichbaum
35 zum Geschirr gehen.
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Bei noch schwereren und noch hochlagigeren Geweben können für die
Lagerketten an Stelle von zwei Lagerköpfen mit je zwei Bremsrohren auch mehrere
solcher Partien angeordnet werden. Der leichten Anordnung und Handhabung wegen sind
die schwenkbaren Lagerköpfe 18 bis 22 in einem von der Webmaschine
und dem Kettenablaufgestell gesonderten Zusatzgestell 43 in Punkten 44 bis 48 drehbar
gelagert, wobei die Blockierung vermittels eines Arretierstiftes 49 erfolgt
(F i g. 3). Der Umschlingungswinkel für die einzelnen Rohre kann hierbei in beliebiger
Weise durch Lochrasten 50 (F i g. 4) eingestellt werden; in dem Ausführungsbeispiel
sind je zwölf Lochrasten 50 vorgesehen.
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Sofern die Spannwalzen 23 bis 32 zum Zwecke der leichteren Bremsung
drehbar eingerichtet werden sollen, werden Arretiermitte151 in Form von Feststellschrauben
(F i g. 3 und 4) in den Lagerköpfen 18 bis 22 gelöst. In diesem Fall werden die
Arretierstifte 49 mit Schrauben 52 blockiert, damit die schwenkbaren Lagerköpfe
18 bis 22 sich nicht verziehen können und die leichte Drehbarkeit
der Rohre gewährleistet ist.
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Selbstverständlich kann die vorbeschriebene Vorrichtung ohne weiteres
auch zur Herstellung schwerster, mehrlagiger bzw. hochlagiger Gewebe ohne Bindekette
verwendet werden. In diesem Fall kommen an Stelle des einfachen, schwenkbaren Walzenpaares
für die Bindekette die gleichen, mehrfach angeordneten Walzenpaare wie für die übrigen
Lagenbindungen in Frage.
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Durch die Anwendung der erfindungsgemäßen Vorrichtung erfährt die
Fadenstruktur keine sonst bei einer Preßwalzenanordnung erfolgten Beschädigungen,
Zerdrücken usw. Durch die in beliebiger Weise einstellbaren Umschlingungswinkel
wird eine absolut beliebige Bremsung der verschiedenen Lagen erzielt. Dies ist insofern
besonders wichtig, wenn bei der vorbeschriebenen Gewebeart beispielsweise verschiedenes
Material von Kettenfäden Verwendung findet, welches mitunter ganz verschiedene Bremsmomente
erfahren muß.