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Putzmörtel Seit Jahrtausenden ist es bekannt, Mörtel und Putzmörtel
zum Verputzen von beispielsweise Mauerwerk aus Kalk und Sand herzustellen. Durch
Anbringen des Putzmörtels in mehreren Schichten, sogenannte Bewürfe, kann ein immer
höherer Grad von Flächenglattheit erhalten werden. Wenn besonders hohe Ansprüche
auf Ebenheit oder Glattheit der Fläche gestellt werden, muß die verputzte Wand ein
oder mehrere Male mit Ölspachtelfarbe od. dgl. gespachtelt werden, ehe das endgültige
Malen vorgenommen wird. In manchen Fällen erreicht man jedoch mit neuen Baumethoden,
z. B. beim Betongießen unter Verwendung von Spezialformen einen so hohen Grad von
Flächenglattheit, daß ein gewöhnliches Verputzen in mehreren Bewürfen nicht notwendig
ist. Man hat dabei versucht, teils einen dünneren Putz zu verwenden, teils das Verputzen
und das Spachteln zu einem einzigen Arbeitsgang zusammenzuführen, um dadurch Zeit
zu gewinnen und die Baukosten zu vermindern.
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Die moderne Chemie hat neue Stoffe geschaffen, die den Weg für neue
Arbeitsmethoden und Verfahren öffnen. Es ist somit vorbekannt, zum Verputzen von
Innenwänden einen Mörtel, bestehend aus einer Wasserlösung von Methyl- und Äthylcelluloseäther
und anorganischen Füllstoffen verschiedener Körnergrößen, zu verwenden und auch
zu einem in jener Weise zusammengesetzten Mörtel ein hydraulisches Bindemittel,
wie Zement oder Gips, zuzusetzen. In der Praxis hat es sich aber gezeigt, daß Putzmörtel
dieser Art schwinden. Dies hat zur Folge, daß teils in der fertigen Fläche Risse
entstehen oder sich die Fläche einbeult, wo die aufgebrachte Putzschicht besonders
dick ist. Die Unebenheiten in der Unterlage kommen deshalb nach einiger Zeit wieder
zum Vorschein, und es ist nicht mit Sicherheit möglich, der Fläche die erforderliche
Ebenheit und Glattheit nur durch Malen zu geben. Darüber hinaus hat der fragliche
Putzmörtel praktisch den großen Nachteil, daß er in sehr kurzer Zeit nach der Zumischung
abbindet, in der Regel binnen weniger Stunden, auch beim Aufbewahren in geschlossenen
Gefäßen, weshalb der Putzmörtel unmittelbar nach der Zusammenmischung verwendet
werden und folglich am Arbeitsplatz zubereitet werden muß.
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Die vorliegende Erfindung bezweckt, diese Nachteile zu beseitigen
durch Herstellung eines besonders für Innenwände geeigneten Putzmörtels, der während
einer praktisch genommen unbegrenzten Zeit in geschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden
kann, ohne sich zu ändern, aber der nach Aufbringen auf die Wand schnell abbindet,
ohne zu schwinden, und der deshalb weder Risse bildet noch einsinkt, das letztere
auch dann nicht, wenn größere Hohlräume mit dem Mörtel gefüllt worden sind. Für
einen gemäß der Erfindung geschaffenen Putzmörtel mit diesen Eigenschaften ist es
kennzeichnend, daß er als wesentliche Mischungsbestandteile feinkörniges Steinmaterial,
gelöschten Kalk, wasserlöslichen Celluloseäther und Wasser enthält.
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Als Kalkbestandteil in dem neuen Putzmörtel wird zweckmäßig trocken
gelöschter Kalk, sogenannter pulverförmiger Löschkalk, verwendet. Hiermit wird ein
gebrannter Kalk gemeint, der mit so wenig Wasser gelöscht worden ist, daß der Kalk
in ein äußerst feines Pulver zerfallen ist. Dieses Pulver sollte durch Absieben,
z. B. Windsichten, von allen gegebenenfalls zurückbleibenden größeren Körnern befreit
worden sein. Pulverförmiger Löschkalk besteht somit aus feinverteiltem Calciumhydroxyd,
gegebenenfalls mit unbedeutenden Mengen von Verunreinigungen. Als Celluloseäther
wird z. B. Äthylcelluloseäther ,(Äthyloxyäthylcellulose) verwendet. Wasserlösungen
aus Celluloseäthern zeichnen sich durch hohe Viskosität und niedrige Oberflächenspannung
aus. Durch Eintrocknen werden durchsichtige, schmiegsame und sehr haltbare Filme
erhalten. Weder die Wasserlösungen noch die eingetrockneten Filme werden durch Frost
beschädigt.
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Die-vorteilhafte Wirkung einer Mischung von Löschkalk und Celluloseäther
als Bindemittel in Putzmörtel dürfte darauf zurückzuführen sein, d'aß
diese
Stoffe in verschiedener Weise und verschieden schnell erhärten. Der Löschkalk wird
durch Einwirkung von dem Kohlendioxyd der Luft verhältnismäßig langsam unter Wasserabspaltung
umgewandelt in Calciumcarbonat, das ein steifes Gerippe zwischen den übrigen in
der Masse vorhandenen Partikeln bildet. Die Celluloseätherlösung, die einen großen
Teil der Zwischenräume zwischen den Calciumhydroxydpartikeln ausfüllt, erhärtet
schneller und verhindert durch ihre Erhärtung, daß die Calciumhydroxydpartikeln
beim Verdunsten des Wassers näher aneinander gezogen werden. Durch eine zweckmäßige
Anpassung der Mengen der zwei Bindemittelarten kann man, wie schon angedeutet, eine
Masse erhalten, die bei der Verwendung weder schwindet noch Risse bildet. Besonders
gute Resultate sind durch Verwendung eines Teils von Celluloseäther auf zwei Teile
von Löschkalkpuder erhalten worden. Es werden auch gute Resultate mit Putzmörteln
erhalten, bei welchen das Verhältnis der Mengen von Celluloseäther und Luftkalk
zwischen den Grenzen 1: 3 und 1:10 variiert.
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Als Grundmaterial wird im Putzmörtel gemäß der Erfindung so wie in
früher bekannten Putzmörteln Steinmaterial, beispielsweise mit verschiedenen Körnergrößen,
verwendet. Mit Rücksicht auf die Bearbeitbarkeit und die Festigkeit ist es außerordentlich
wichtig, daß das Steinmaterial eine zweckmäßige Zusammensetzung hat. In gewöhnlichem
Putzmörtel sollten die größten Körner nicht größer als 2 mm sein, aber im Putzmörtel
gemäß der Erfindung sollte die Größe der genannten Körner nicht 1 mm und vorzugsweise
nicht 0,5 mm übersteigen. Gewöhnlicher Putzmörtel sollte einen kleinen Anteil von
feinkörnigem Material, der die Geschmeidigkeit beeinflußt, enthalten. Im Putzmörtel
gemäß der Erfindung sollte dagegen der größte Anteil des Steinmaterials, zweckmäßig
94 bis 98 % vom ganzen Gewicht des Steinmaterials, aus feinkörnigem Material bestehen.
Gebrochener kristallinischer Kalkstein ist zweckmäßig, und als besonders zweckmäßig
hat sich Marmor oder Dolomitmehl erwiesen. Der Rest des Steinmaterials sollte noch
feiner verteilt sein und am besten aus erdigem Kalkstein, in der Regel Kreide, bestehen.
Der Gehalt an Kreide ist von besonderer Bedeutung. Zuviel Kreide gibt eine schmierige
Masse, zuwenig Kreide schlechtere Bearbeitbarkeit und kleinere Festigkeit. Die Kreide
od. dgl. sollte 2 bis 6 % des Gewichtes des Marmormehls ausmachen, am besten 3 bis
511/o. Die Masse ist auch dafür sehr empfindlich, daß die Menge vom zugesetzten
Bindemittel im Verhältnis zur Menge von Steinmaterial richtig ist. Kreide und Löschkalk
sollten am besten in der Hauptsache in denselben Gewichtsmengen vorkommen, aber
das Verhältnis zwischen Kreide und Löschkalk kann zwischen 1: 2 und 2:1 variieren.
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Im folgenden wird die zweckmäßige Zusammensetzung von Putzmörteln
gemäß der Erfindung gegeben:
| Gewichtsprozent |
| Marmormehl .............. 64 bis 79 |
| Kreide .................... 2,0 bis 4,1 |
| Pulverförmiger Löschkalk ... 1,9 bis 4,2 |
| Wasserlöslicher Cellulose- |
| äther ................... 0,4 bis 0,7 |
| Bentonit .................. 1,5 bis 3,0 |
| Wasser ................... 15,0 bis 29,0 |
Bei der Herstellung des Putzmörtels gemäß der Erfindung löst man zuerst den Äthylcelluloseäther
in einem Teil des Wassers, mischt dann die festen Bestandteile in die so hergestellte
Lösung ein und setzt während der Mischung den Rest des Wassers zu. Der Putzmörtel
kann entweder industriell hergestellt und in geschlossenen Gefäßen geliefert werden
oder auch kann der Mörtel am Arbeitsplatz hergestellt werden.
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Ein erfindungsgemäß zusammengesetzter Putzmörtel gibt eine feinkörnigere
Fläche als früher bekannte Putzmörtel; so daß es möglich ist, direkt auf die geputzte
Fläche zu malen ohne vorhergehendes Spachteln mit ölspachtelfarbe od. dgl. Für das
Malen können alle Arten von jetzt bekannten Farben verwendet werden. Beim Tapezieren
braucht die geputzte Fläche nicht zuerst geleimt zu werden, sondern die Tapeten-
können direkt auf die geputzte Wand aufgeklebt werden.
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Eine wesentliche Verbesserung der Eigenschaften des neuen Putzmörtels
wird gemäß einer weiteren Entwicklung der Erfindung durch Zusatz von Stoffen mit
gelbildenden Eigenschaften erhalten. Hierdurch kann die Wassermenge vermindert werden
und, was noch wichtiger ist, die Masse kann so gemacht werden, daß sie teils an
einem Werkzeug, z. B. einem Spachtel, klebt und an dem Werkzeug in jeder Lage hänngenbleibt,
teils restlos von demselben Werkzeug abgleitet, wenn die Masse mit Hilfe des Werkzeuges
mit der Hand an eine Wand gedrückt wird. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein,
daß die Wand trockener als der Spachtel ist und daß die Druckfläche gegen den Spachtel
kleiner als diejenige gegen die Wand ist. An der Fläche des Spachtels wird deshalb
eine Wasser enthaltende Gleitschicht gebildet, bestehend aus einer dünnen kolloidalen
Lösung des gelbildenden Stoffes in Wasser. Als gelbildende Stoffe können z. B. Gelatine
oder Bentonit verwendet werden.
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Bei der Verwendung von Bentonit im vorliegenden speziellen Putzmörtel
hat es sich gezeigt, daß ein zu großer Zusatz von Bentonit eine geputzte Fläche
gibt, in welcher Risse auftreten, während eine zu kleine Menge die Bearbeitbarkeit
schnell vermindert. Das beste Ergebnis ist mit einem Zusatz von etwa 2 Gewichtsprozent
von Bentonit erhalten worden.
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Bei der Herstellung des Putzmörtels werden zweckmäßig der Athylcelluloseäther
und der Bentonit od. dgl. in verschiedenen Gefäßen gelöst bzw. aufgeschlämmt. Die
Äthyleelluloseätherlösung und die Bentonitaufschlämmung werden danach in einen Mischer
eingeführt, und in unmittelbarem Anschluß hierzu werden der Kalk und die übrigen
festen Stoffe in beliebiger Reihenfolge zugesetzt und das Ganze innig gemischt.
Die so erhaltene Masse hat ein Volumengewicht von etwa 1,7. Wird eine Masse mit
kleinerem Volumengewicht und größerer Geschmeidigkeit gewünscht, werden die Celluloseätherlösung
und die Bentonitaufschlämmung während gewisser Zeit, beispielsweise während etwa
10 Minuten, gemischt, ehe die übrigen Bestandteile dem Mischer zugesetzt werden.
In dieser Weise wird ein Putzmörtel mit einem Volumengewicht von nur 1,4 erhalten.
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Der Putzmörtel gemäß der Erfindung haftet außerordentlich gut an glatten
Betonflächen. Auf solchen Flächen kann er deshalb mit Hilfe eines Spachtels und
somit in sehr dünnen Schichten, beispielsweise mit einer Dicke von 1 mm oder darunter,
aufgebracht werden. Der Putzmörtel kann mit Vorteil auch durch
Aufspritzen
aufgebracht werden. Besonders in denjenigen Fällen, wo es erwünscht ist, den Putzmörtel
mit Hilfe eines Spachtels auf die Wand aufzubringen, ist es von Bedeutung, daß er
einen Zusatz von Bentonit oder einem anderen wasserspeichernden Mittel enthält,
weil ein derartiges Mittel der Masse eine für die Aufbringung mittels eines Spachtels
zweckmäßigere stabilere Konsistenz gibt.