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Die Erfindung betrifft ein anionisch
polymerisiertes, schlagzähes
Polystyrol mit guter Fließfähigkeit,
sowie thermoplastische Formmassen enthaltend dieses Polystyrol.
Außerdem
betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung des genannten
Polystyrols, eine Initiatorzusammensetzung für die anionische Polymerisation und
deren Verwendung zur Herstellung von schlagzähem Polystyrol, weiterhin die
Verwendung des schlagzähen
Polystyrols oder der thermoplastischen Formmassen zur Herstellung
von Formkörpern,
Folien, Fasern und Schäumen,
und schließlich
die genannten Formkörper,
Folien, Fasern und Schäume.
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Zur Herstellung von schlagzähem Polystyrol
sind verschiedene kontinuierliche und diskontinuierliche Verfahren
in Lösung
oder Suspension bekannt, wie in Ullmanns Enzyklopädie, Vol.
A21, VCH Verlagsgesellschaft Weinheim 1992, Seiten 615-625, beschrieben.
Bei diesen Verfahren wird ein Kautschuk, üblicherweise Polybutadien,
in monomerem Styrol gelöst
und das Styrol durch thermische oder peroxidische Initiation radikalisch
polymerisiert, d.h. die Polymerisation verläuft über freie Radikale. Als peroxidische
Initiatoren eignen sich z.B. Alkyl- oder Acylperoxide, Hydroperoxide,
Perester oder Peroxicarbonate. Neben der Homopolymerisation von
Styrol findet auch eine Pfropfpolymerisation von Styrol auf Polybutadien
statt. Durch die Bildung von Polystyrol und die gleichzeitige Abnahme
des monomeren Styrol findet eine "Phaseninversion" statt. Morphologie,
Teilchengröße und Teilchengrößenverteilung
der dispersen Kautschukteilchen bestimmen die Eigenschaften des
schlagzähen
Polystyrols. Sie hängen
von verschiedenen Verfahrensparametern, wie Viskosität der Kautschuklösung und
Scherkräfte
beim Rühren,
ab.
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Von der vorstehend beschriebenen
radikalischen Polymerisation grundlegend verschieden ist die anionische
Polymerisation zur Herstellung von schlagzähem Polystyrol. Bei der anionischen
Polymerisation werden in der Regel Metallorganylverbindungen als
Initiatoren eingesetzt, etwa Lithiumorganyle wie Butyllithium. Die
Polymerisation verläuft über negativ
geladene Zentren, beispielsweise über Carbonionen.
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Aufgrund der unterschiedlichen Reaktionsmechanismen
bei der radikalischen und der anionischen Polymerisation von Styrol
sind die von der radikalischen Herstellung von schlagzähem Polystyrol
be kannten Verfahrensparameter nicht direkt auf die anionische Polymerisation
von Styrol in Gegenwart von Kautschuken übertragbar. Beispielsweise
ist die Reaktionsgeschwindigkeit der anionischen Polymerisation
wesentlich höher
als die der radikalischen, was u.a. andere Reaktionstemperaturen
erfordert. Außerdem
kann beispielsweise nicht ausschließlich Homopolybutadien als
Kautschuk eingesetzt werden, da bei der anionischen Polymerisation
von Styrol keine Pfropfreaktionen auftreten; man verwendet bevorzugt
Styrol-Butadien-Copolymere, z.B. Styrol-Butadien-Blockcopolymere,
als Kautschukphase.
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Verfahren zur Herstellung von thermoplastischen
Formmassen durch anionische Polymerisation von Styrol in Gegenwart
von Styrol-Butadien-Blockcopolymeren
ist beispielsweise aus
DE-A
42 35 978 , WO 96/18666, WO 96/18682, WO 99/40135 oder
US 4 153 647 bekannt. Die
erhaltenen schlagzäh
modifizierten Produkte weisen gegenüber den durch radikalische
Polymerisation erhaltenen Produkten geringere Restmonomeren- und
Oligomerengehalte auf.
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In der WO 98/07766 wird die kontinuierliche
Herstellung von schlagzäh
modifizierten Formmassen unter Verwendung von Styrol-Butadien-Kautschuken
beschrieben. Die Kautschuke wurden unter Verwendung von retardierend
wirkenden Zusätzen,
wie Erdalkalimetall-, Zink- und Aluminiumalkylen in Styrol als Lösungsmittel
anionisch polymerisiert.
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Die WO 99/67308 beschreibt anionisch
polymerisiertes, schlagzähes
Polystyrol mit hoher Steifigkeit und Zähigkeit.
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Die WO 01/85816 offenbart anionisch
polymerisiertes, schlagzähes
Polystyrol mit spezieller Kautschukmorphologie.
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Die vorstehend beschriebenen, anionisch
polymerisierten schlagzähen
Polystyrole haben ein Eigenschaftsprofil, das für die Verarbeitung im Spritzgußverfahren
nicht optimal ist. Insbesondere ist ihre Fließfähigkeit, messbar als Schmelze-Volumenfließrate (MVR
= melt volume ratio) für
den Spritzguß mit
MVR kleiner 7 cm3/10 min bei 200°C nicht optimal.
Bei der Spritzgußfertigung
von Bauteilen, z.B. Gehäuse
für Elektronik-
und Computergehäuse,
und Möbelteilen
sowie Haushaltswaren, ist eine hohe Fließfähigkeit erwünscht, da sie kurze Zykluszeiten
und damit eine hohe Produktivität
ermöglicht.
Außerdem
sollen die spritzgegossenen Formteile gute mechanische Eigenschaften
(Zähigkeit)
und eine optisch einwandfreie Oberfläche mit hohem Glanz aufweisen.
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Schlagzähes Polystyrol mit besseren
Spritzgußeigenschaften,
also besserer Fließfähigkeit
(höherem MVR)
lässt sich
durch radiakalische Polymerisation herstellen. So wird in der WO
00/32662 ein radikalisch polymerisiertes schlagzähes Polystyrol mit einer Schmelze-Volumenfließrate von
8 bis 12 cm3/10 min und einer Charpy-Kerbschlagzähigkeit
von 16 bis 20 kJ/m2, beschrieben. Jedoch
wird dieser Vorteil erkauft mit den bereits erwähnten, nachteiligen höheren Restmonomer-
und Oligomergehalten.
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Es bestand die Aufgabe, den geschilderten
Nachteilen abzuhelfen. Insbesondere bestand die Aufgabe, ein schlagzähes Polystyrol
bereitzustellen, dass sowohl geringe Gehalte an Restmonomeren und
Oligomeren aufweist, als auch gute Spritzgußeigenschaften hat. Insbesondere
sollte ein schlagzähes
Polystyrol mit hoher Fließfähigkeit
gefunden werden. Außerdem
sollte ein Verfahren zu dessen Herstellung gefunden werden.
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Demgemäß wurde ein anionisch polymerisiertes,
schlagzähes
Polystyrol, dadurch gekennzeichnet, dass es eine Schmelze-Volumenfließrate MVR,
gemessen nach EN ISO 1133 bei 200°C
Prüftemperatur
und 5 kg Nennlast, von mindestens 8 cm3/10
min aufweist, gefunden.
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Weiterhin wurden die eingangs genannten
thermoplastischen Formmassen, Verfahren, Initiatorzusammensetzungen
und Verwendungen gefunden, sowie die dort genannten Formkörper, Folien,
Fasern und Schäume.
Nähere
Ausgestaltungen der Erfindung sind den Unteransprüchen zu
entziehen.
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Unter der Norm EN ISO 1133 ist die
Deutsche Norm DIN EN 1133:1999 (Februar 2002) zu verstehen. Die
Parameter Prüftemperatur
200°C und
Nennlast 5 kg werden in dieser Norm auch als "Prüfbedingung H" bezeichnet, siehe
Tabelle A.1 auf Seite 11 der Norm.
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Erfindungsgemäß beträgt die Schmelze-Volumenfließrate MVR
des schlagzähen
Polystyrols, gemessen nach EN ISO 1133 bei 200°C Prüftemperatur und 5 kg Belastung,
mindestens 8 cm3/10 min. Bevorzugt liegt
sie im Bereich von 8 bis 20 cm3/10 min,
insbesondere von 8 bis 18 cm3/10 min.
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In einer weiteren, ebenfalls bevorzugten
Ausführungsform
weist das schlagzähe
Polystyrol einen hohen Glanz auf. Insbesondere weist ein Probekörper, der
bei 240°C
Massetemperatur durch Spritzguß hergestellt
wurde, einen Glanz von mindestens 25 % auf, gemessen nach DIN 67530
als 20°-Reflektometerwert.
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Unter DIN 67530 ist die Deutsche
Norm DIN 67530 (Januar 1982) zu verstehen.
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Ein bei 260°C Massetemperatur hergestellter
Probekörper
weist bevorzugt einen Glanz von mindestens 30 % auf, und ein bei
280°C Massetemperatur
hergestellter Probekörper
weist bevorzugt einen Glanz von mindestens 35 % auf (Herstellung
des Probekörpers
und Messung ansonsten wie zuvor beschrieben).
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In einer weiteren, ebenfalls bevorzugten
Ausführungsform
hat das erfindungsgemäße Polystyrol
eine hohe Schlagzähigkeit.
Insbesondere weist ein nach EN ISO 3167 hergestellter Probekörper eine
Charpy-Kerbschlagzähigkeit
aK von mindestens 8 kJ/m2 auf,
gemessen nach EN ISO 179/1eA mit gefräster Kerbe bei 23°C.
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Unter EN ISO 3167 ist die Deutsche
Norm DN EN ISO 3167:1996 (März
1997) zu verstehen. Unter EN ISO 179/1eA ist die Deutsche Norm DIN
EN 179:1996 (März
1997) zu verstehen, wobei der Zusatz "1eA" bedeutet: Prüfkörpertyp
1, Schlagrichtung e (= schmalseitig), Kerbart A (= V-förmige Kerbe).
Siehe Tabelle 2 auf Seite 5, Tabelle 3 auf Seite 6 sowie Seite 8
oben und Bild 4 auf Seite 9 der EN ISO 179.
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In weiteren, bevorzugten Ausführungsformen
hat das erfindungsgemäße Polystyrol
mindestens eine der folgenden mechanischen bzw. thermischen Eigenschaften:
- – Elastizitätsmodul
E, bestimmt im Zugversuch nach EN ISO 527 (Deutsche Normen DIN EN
ISO 527-1:1996 (April 1996) und DIN EN ISO 527-2:1996 (Juli 1996)),
bei 23°C,
von mindestens 1800 MPa
- – Streckspannung σS,
bestimmt im Zugversuch nach EN ISO 527 (wie vor) bei 23°C, von mindestens
25 MPa
- – Bruchspannung σR bestimmt
im Zugversuch nach EN ISO 527 (wie vor) bei 23°C, von mindestens 18 MPa
- – Durchstoßarbeit
Wges, bestimmt im Durchstoßversuch
nach EN ISO 6603-2 (Deutsche Norm DIN EN ISO 6603-2:1996 (Februar
1997)) bei 23°C
und Probekörperherstellung
bei
a) 200°C
Massetemperatur von mindestens 5 kJ/m2
b)
230°C Massetemperatur
von mindestens 6 kJ/m2
c) 260°C Massetemperatur
von mindestens 12 kJ/m2
- – Wärmeformbeständigkeit,
bestimmt als Vicat-Erweichungstemperatur VST, Verfahren B50 (Kraft
50 N, Heizrate 50°C/h)
nach EN ISO 306 (Deutsche Norm DIN EN ISO 306:1996 (Januar 1997)),
von mindestens 87°C.
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Das erfindungsgemäße schlagzähe Polystyrol stellt man durch
anionische Polymerisation her, insbesondere durch anionische Polymerisation
von monomerem Styrol in Gegenwart eines Kautschuks. Unter Kautschuk
sollen Polymere mit einer Glasübergangstemperatur
Tg (bestimmt mit Differential Scanning Calorimetry, DSC) von 0°C oder darunter
verstanden werden. Als Kautschuke sind solche auf Basis von Butadien
oder anderen kautschukbildenden Monomeren geeignet, beispielsweise
Polybutadien (weniger bevorzugt) oder Butadien-Styrol-Copolymere
(bevorzugt). Besonders bevorzugt verwendet man Styrol-Butadien-Blockcopolymere.
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Man erhält in jedem Fall eine Polystyrol-Hartmatrix,
in der eine Kautschukphase dispergiert ist.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
kann man das erfindungsgemäße schlagzähe Polystyrol
durch anionische Polymerisation von Styrol in Gegenwart eines Styrol-Butadien-Blockcopolymeren
herstellen, wobei man ein Alkalimetallorganyl als anionischen Polymerisationsinitiator
und ein Aluminiumorganyl, Magnesiumorganyl oder Zinkorganyl als
Retarder, verwendet.
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Die Styrol-Butadien-Blockcopolymere
können
z.B. lineare Zweiblock-Copolymere S-B oder Dreiblock-Copolymere
S-B-S bzw. B-S-B sein (S = Styrolblock, B = Butadienblock), wie
man sie durch anionische Polymerisation in an sich bekannter Weise
erhält.
Die Blockstruktur entsteht im wesentlichen dadurch, daß man zunächst Styrol
alleine anionisch polymerisiert, wodurch ein Styrolblock entsteht.
Nach Verbrauch der Styrolmonomere wechselt man das Monomere, indem
man monomeres Butadien zufügt
und anionisch zu einem Butadienblock polymerisiert (sog. sequentielle
Polymerisation). Das erhaltene Zweiblockpolymere S-B kann durch
erneuten Monomerenwechsel auf Styrol zu einem Dreiblockpolymeren
S-B-S polymerisiert werden, falls gewünscht. Entsprechendes gilt
sinngemäß für Dreiblockcopolymere
B-S-B.
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Insbesondere bei Verwendung von S-B-S-Dreiblockcopolymeren
als Kautschuk weist das erfindungsgemäße schlagzähe anionische Polystyrol bessere
mechanische Eigenschaften auf als ein radikalisch hergestelltes
schlagzähes
Polystyrol.
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Bei den Dreiblockcopolymeren können die
beiden Styrol-Blöcke
gleich groß (gleiches
Molekulargewicht, also symmetrischer Aufbau S1-B-S1) oder verschieden groß (unterschiedliches Molekulargewicht
also asymmetrischer Aufbau S1-B-S2) sein. Gleiches gilt sinngemäß für die beiden
Butadien-Blöcke
der Blockcopolymere B-S-B. Selbstverständlich sind auch Blockabfolgen
S-S-B bzw. S1-S2-B,
oder S-B-B bzw.
S-B1-B2, möglich. Vorstehend
stehen die Indices für
die Blockgrößen (Blocklängen bzw.
Molekulargewichte). Die Blockgrößen hängen beispielsweise
ab von den verwendeten Monomermengen und den Polymerisationsbedingungen.
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Anstelle der kautschukelastischen
"weichen" Butadienblöcke
B oder zusätzlich
zu den Blöcken
B können
auch Blöcke
B/S stehen. Sie sind ebenfalls weich und enthalten Butadien und
Styrol, beispielsweise statistisch verteilt oder mit tapered-Struktur
(tapered = Gradient von Styrol-reich nach Styrol-arm oder umgekehrt). Falls
das Blockcopolymere mehrere B/S-Blöcke enthält, können die Absolutmengen, und
die relativen Anteile, an Styrol und Butadien in den einzelnen B/S-Blöcken gleich
oder verschieden sein, ergebend unterschiedliche Blöcke (B/S)1, (B/S)2, etc.
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Als Styrol-Butadien-Blockcopolymere
sind auch Vier- und Polyblockcopolymere geeignet.
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Die genannten Blockcopolymere können eine
vorstehend beschriebene lineare Struktur aufweisen. Jedoch sind
auch verzweigte oder sternförmige
Strukturen möglich
und für
manche Anwendungen bevorzugt. Verzweigte Blockcopolymere erhält man in
bekannter Weise, z.B. durch Pfropfreaktionen von polymeren "Seitenästen" auf
eine Polymer-Hauptkette.
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Sternförmige Blockcopolymere sind
z.B. durch Umsetzung der lebenden anionischen Kettenenden mit einem
mindestens bifunktionellen Kopplungsmittel gebildet. Solche Kopplungsmittel
werden etwa in den
US-PS
3 985 830 ,
US-PS
3 280 084 ,
US-PS
3 637 554 und
US-PS
4 091 053 beschrieben. Bevorzugt sind epoxidierte Glyceride
(z. B. epoxidiertes Leinsamenöl
oder Sojaöl),
Siliciumhalogenide wie SiCl
4, oder auch Divinylbenzol,
außerdem
polyfuktionelle Aldehyde, Ketone, Ester, Anhydride oder Epoxide.
Speziell für
die Dimerisierung eignen sich auch Dichlordialkylsilane, Dialdehyde
wie Terephthalaldehyd und Ester wie Ethylformiat. Durch Kopplung
gleicher oder verschiedener Polymerketten kann man symmetrische
oder asymmetrische Sternstrukturen herstellen, d.h. die einzelnen
Sternäste
können
gleich oder verschieden sein, insbesondere verschiedene Blöcke S, B,
B/S bzw. unterschiedliche Blockabfolgen enthalten. Weitere Einzelheiten
zu sternförmigen
Blockcopolymeren sind beispielsweise der WO-A 00/58380 zu entnehmen.
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Die vorstehend gebrauchten Monomerbezeichnungen
Styrol bzw. Butadien stehen beispielhaft auch für andere Vinylaromaten bzw.
Diene.
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Besonders bevorzugt verwendet man
als Kautschuk zur Herstellung des erfindungsgemäßen schlagzähen Polystyrols ein asymmetrisches
Styrol-Butadien-Styrol Dreiblockcopolymer S1-B-S2, wobei S1 einen
Styrolblock mit einem gewichtsmittleren Molekulargewicht MW im Bereich von 5000 bis 100000 g/mol, bevorzugt 10000
bis 40000 g/mol, B einen Butadienblock mit einem gewichtsmittleren
Molekulargewicht MW im Bereich von 12000
bis 500000 g/mol, bevorzugt 70000 bis 250000 g/mol und S2 einen Styrolblock mit einem gewichtsmittleren
Molekulargewicht MW im Bereich von 30000
bis 300000 g/mol, bevorzugt 50000 bis 200000 g/mol bedeuten.
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Der Restbutadiengehalt der verwendeten
Styrol-Butadien-Blockcopolymeren und des Homopolybutadiens im Butadienblock
sollte unter 200 ppm, bevorzugt unter 50 ppm, insbesondere unter
5 ppm liegen.
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Der Kautschukgehalt, bezogen auf
das erfindungsgemäße schlagzähe Polystyrol
beträgt
zweckmäßigerweise
5 bis 35, bevorzugt 14 bis 27 und insbesondere 18 bis 23 Gew.-%.
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Wie erwähnt, werden als Kautschuke
bevorzugt Butadien-Styrol-Copolymere
verwendet. In diesem Fall – wenn
also der Kautschuk neben Butadien auch Styrol und/oder ein anderes
Comonomer enthält – ist der Butadiengehalt
des erfindungsgemäßen schlagzähen Polystyrols
naturgemäß geringer
als der Kautschukgehalt.
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Bevorzugt beträgt der Butadiengehalt (unabhängig von
verwendeten Kautschuk) 2 bis 25, insbesondere 8 bis 16 und besonders
bevorzugt 11 bis 13 Gew-%, bezogen auf das erfindungsgemäße schlagzähe Polystyrol.
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Der Umsatz, bezogen auf Styrol der
Hartmatrix beträgt
in der Regel über
90 %, bevorzugt über
99 %. Das Verfahren kann prinzipiell auch zu einem vollständigen Umsatz
führen.
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Anstelle von Styrol können auch
andere vinylaromatischen Monomeren für die Polymerisation der Hartmatrix
und/oder der Styrolblöcke
in den Blockcopolymeren, verwendet werden. Beispielsweise eignen
sich auch Styrol, α-Methylstyrol,
p-Methylstyrol, Ethylstyrol, tert.-Butylstyrol, Vinyltoluol, 1,2-Diphenylethylen
oder 1,1-Diphenylethylen oder Mischungen. Besonders bevorzugt wird
Styrol eingesetzt.
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Anstelle von Butadien können die
Kautschuke auch andere Diene, beispielsweise 1,3-Pentadien, 2,3-Dimethyl-butadien,
Isopren oder Mischungen davon, enthalten.
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Üblicherweise
werden als anionische Polymerisationsinitiatoren Alkalimetallorganyle,
insbesondere mono-, bi- oder multifunktionellen Alkalimetallalkyle,
-aryle oder -aralkyle eingesetzt. Zweckmäßigerweise werden lithiumorganische
Verbindungen eingesetzt wie Ethyl-, Propyl-, Isopropyl-, n-Butyl-,
sec.-Butyl-, tert.-Butyl-, Phenyl-, Diphenylhexyl-, Hexamethylendi-,
Butadienyl-, Isoprenyl-, Polystyryllithium oder die multifunktionellen
Verbindungen 1,4-Dilithiobutan, 1,4-dilithio-2-buten oder 1,4-Dilithiobenzol.
Bevorzugt verwendet man sec.-Butyllithium.
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Die benötigte Menge an Alkalimetallorganyl
richtet sich nach dem gewünschten
Molekulargewicht, der Art und Menge der weiteren eingesetzten Metallorganyle
sowie der Polymerisationstemperatur. In der Regel liegt sie im Bereich
von 0,002 bis 5 Molprozent bezogen auf die Gesamtmonomerenmenge.
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Die Polymerisation kann in Abwesenheit
oder in Gegenwart eines Lösungsmittels
durchgeführt
werden. Die Polymerisation erfolgt zweckmäßigerweise in einem aliphatischen,
isocyclischen oder aromatischen Kohlenwasserstoff oder Kohlenwasserstoffgemisch,
wie Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol, Cumol, Hexan, Heptan, Octan
oder Cyclohexan. Bevorzugt werden Lösungsmittel mit einem Siedepunkt
oberhalb 95°C
verwendet. Besonders bevorzugt wird Toluol verwendet.
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Zur Kontrolle der Reaktionsgeschwindigkeit
können
polymerisationsgeschwindigkeitsvermindernde Zusätze, sogenannte Retarder wie
in WO 98/07766 beschrieben, zugegeben werden. Als Retarder eignen
sich beispielsweise Metallorganyle eines Elementes der zweiten oder
dritten Hauptgruppe oder der zweiten Nebengruppe des Periodensystems.
Beispielsweise können
die Organyle der Elemente Be, Mg, Ca, Sr, Ba, B, Al, Ga, In, Tl,
Zn, Cd, Hg verwendet werden.
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Bevorzugt verwendet man Aluminiumorganyle,
Magnesiumorganyle oder Zinkorganyle, bzw. deren Mischungen, als
Retarder.
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Als Organyle werden die metallorganischen
Verbindungen der genannten Elemente mit mindestens einer Metall-Kohlenstoff σ-Bindung
verstanden, insbesondere die Alkyl- oder Arylverbindungen.
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Daneben können die Metallorganyle noch
Wasserstoff, Halogen oder über
Heteroatome gebundene organische Reste, wie Alkoholate oder Phenolate,
am Metall enthalten. Letztere sind beispielsweise durch ganze oder
teilweise Hydrolyse, Alkoholyse oder Aminolyse erhältlich.
Es können
auch Mischungen verschiedener Metallorganyle verwendet werden.
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Als Aluminiumorganyle können solche
der Formel R3Al verwendet werden, wobei
die Reste R unabhängig
voneinander Wasserstoff, Halogen, C1-C20-Alkyl oder C6-C20-Aryl bedeuten. Bevorzugte Aluminiumorganyle
sind die Aluminiumtrialkyle wie Triethylaluminium, Tri-iso-butylaluminium,
Tri-n-butylaluminium, Tri-isopropylaluminium, Tri-n-hexylaluminium.
Besonders bevorzugt wird Triisobutylaluminium (TIBA) eingesetzt.
Als Aluminiumorganyle können
auch solche verwendet werden, die durch teilweise oder vollständige Hydrolyse, Alkoholyse,
Aminolyse oder Oxidation von Alkyl- oder Arylaluminiumverbindungen
entstehen. Beispiele sind Diethylaluminium-ethoxid, Diisobutylaluminium-ethoxid,
Diisobutyl-(2,6-di-tert.-butyl-4-methyl-phenoxy)aluminium (CAS-Nr.
56252-56-3), Methylaluminoxan, isobutyliertes Methylaluminoxan,
Isobutylaluminoxan, Tetraisobutyldialuminoxan oder Bis(diisobutyl)aluminiumoxid.
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Geeignete Magnesiumorganyle sind
solche der Formel R2Mg, wobei die Reste
R unabhängig
voneinander Wasserstoff, Halogen, C1-C20-Alkyl oder C6-C20-Aryl bedeuten. Bevorzugt werden Dialkylmagnesiumverbindungen,
insbesondere die als Handelsprodukte verfügbaren Ethyl-, Propyl-, Butyl-,
Hexyl- oder Octylverbindungen eingesetzt. Besonders bevorzugt wird
das in Kohlenwasserstoffen lösliche
(n-Butyl)(s-butyl)magnesium eingesetzt.
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Als Zinkorganyle können solche
der Formel R2Zn verwendet werden, wobei
die Reste R unabhängig voneinander
Wasserstoff, Halogen, C1-C20-Alkyl
oder C6-C20-Aryl
bedeuten. Bevorzugte Zinkorganyle sind Dialkylzinkverbindungen,
insbesondere mit Ethyl, Propyl, Butyl, Hexyl oder Octyl als Alkylrest.
Besonders bevorzugt ist Diethylzink.
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Es versteht sich, dass auch mehrere
verschiedene Alkalimetallorganyle, bzw. Aluminium-, Magnesium- oder
Zinkorganyle, verwendet werden können.
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Die benötigte Menge an Alkalimetallorganyl
richtet sich u.a. nach dem gewünschten
Molekulargewicht (Molmasse) des Polymeren, das hergestellt werden
soll, nach Art und Menge der verwendeten Aluminiumorganyle, Magnesiumorganyle
bzw. Zinkorganyle und nach der Polymerisationstemperatur. In der
Regel verwendet man 0,0001 bis 10, bevorzugt 0,001 bis 1 und besonders
bevorzugt 0,01 bis 0,2 Mol-% Alkalimetallorganyl, bezogen auf die
Gesamtmenge der eingesetzten Monomeren.
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Die benötigte Menge an Aluminiumorganyl,
Magnesiumorganyl bzw. Zinkorganyl richtet sich u.a. nach Art und
Menge der verwendeten Alkalimetallorganyle, und nach der Polymerisationstemperatur. Üblicherweise verwendet
man 0,0001 bis 10, bevorzugt 0,001 bis 1 und besondere 0,01 bis
0,2 Mol-% Aluminium-, Magnesium- bzw. Zinkorganyl, bezogen auf die
Gesamtmenge der eingesetzten Monomeren.
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Das molare Verhältnis von Alkalimetallorganyl
(Initiator) zu Aluminiumorganyl, Magnesiumorganyl bzw. Zinkorganyl
(Retarder) kann in weiten Grenzen variieren. Es richtet sich z.B.
nach der gewünschten
Retardierungswirkung, der Polymerisationstemperatur, der Art und
Menge (Konzentration) der eingesetzten Monomeren, und dem gewünschten
Molekulargewicht des Polymeren.
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Besonders bevorzugt nimmt man die
anionische Polymerisation des Styrols in Gegenwart des Kautschuks
(insbesondere des Styrol-Butadien-Blockcopolymeren) in Gegenwart
einer Initiatorzusammensetzung vor, die durch Vermischen des Alkalimetallorganyls
(insbesondere des Lithiumorganyls) mit Styrol, und anschließende Zugabe
des Aluminiumorganyls, Magnesiumorganyls oder Zinkorganyls, erhältlich ist.
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Insbesondere kann man die anionische
Polymerisation in Gegenwart einer Initiatorzusammensetzung vornehmen,
die durch Vermischen von sec.-Butyllithium und Styrol und anschließende Zugabe
von Triisobutylaluminium (TIBA), erhältlich ist.
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Diese Verfahren sind ebenfalls Gegenstand
der Erfindung.
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Es besteht die Vorstellung, dass
sich aus Styrol und dem Alkalimetallorganyl eine oligomere Polystyrol-Alkalimetall-Verbindung
aus Polystyrylanion und Alkalimetallkation bildet und die Polymerisation
am Polystyrylanion abläuft.
Aus Styrol und Lithiumorganyl bildet sich demnach vermutlich eine
Verbindung [Polystyryl] ⊖Li⊕.
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Besonders bevorzugt wählt man
die Mengen an Lithiumorganyl und Aluminiumorganyl derart, dass das
molare Verhältnis
Al/Li im Bereich 0,01:1 bis 5:1, bevorzugt 0,5:1 bis 1:1, insbesondere
etwa 0,95:1 beträgt.
Gleiches gilt sinngemäß für andere
Alkalimetalle als Li.
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Die genannten Mengen bzw. Mengenverhältnisse
an Initiatoren und Retardern verstehen sich als diejenigen Mengen,
die bei der Polymerisation des Styrols in Gegenwart des Kautschuks
verwendet werden und berücksichtigen
nicht eventuell im Kautschuk bereits enthaltene Initiatoren bzw.
Retarder (z.B. falls der Kautschuk ebenfalls durch anionische Polymerisation
hergestellt wurde).
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Die Herstellung der Initiatorzusammensetzung
erfolgt bevorzugt unter Mitverwendung eines Lösungs- bzw. Suspendierungsmittels
(je nach der Löslichkeit
des Alkalimetallorganyls bzw. des Al, Mg- bzw. Zn-organyls, nachfolgend zusammenfassend
als Lösungsmittel
bezeichnet). Als Lösungsmittel
eignen sich insbesondere inerte Kohlenwasserstoffe, genauer aliphatische,
cycloaliphatische oder aromatische Kohlenwasserstoffe, wie etwa
Cyclohexan, Methylcyclohexan, Pentan, Hexan, Heptan, Isooctan, Benzol,
Toluol, Xylol, Ethylbenzol, Dekalin oder Paraffinöl, oder
deren Gemische. Toluol ist besonders bevorzugt.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
setzt man das Aluminiumorganyl, Magnesiumorganyl bzw. Zinkorganyl
gelöst
in einem inerten Kohlenwasserstoff, z.B. Toluol, ein.
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Das Vermischen von Alkalimetallorganyl
und Styrol erfolgt üblicherweise
unter Rühren
bei 0 bis 80°C, insbesondere
20 bis 50°C,
besonders bevorzugt 20 bis 30°C,
wozu erforderlichenfalls gekühlt
werden muss. Bevorzugt gibt man das Aluminium-, Magnesium- bzw.
Zinkorganyl erst nach einer gewissen Wartezeit zu der so erhaltenen
Mischung: beispielsweise 5 bis 120 min, bevorzugt 10 bis 30 min,
nach dem Vermischen von Styrol und Alkalimetallorganyl.
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Man kann die Initiatorzusammensetzung
nach der Zugabe des Al-, Mg- bzw. Zn-organyls eine gewisse Zeit
reifen (altern) lassen.
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Die Reifung oder Alterung der frisch
hergestellten Initiatorzusammensetzung kann in manchen Fällen vorteilhaft
sein für
den reproduzierbaren Einsatz in der anionischen Polymerisation.
Versuche haben gezeigt, daß Initiatorkomponenten,
die getrennt voneinander verwendet oder nur kurz vor der Polymerisationsinitiierung
vermischt werden, in manchen Fällen
weniger gut reproduzierbare Polymerisationsbedingungen und Polymereigenschaften
hervorrufen. Der beobachtete Alterungsprozess ist vermutlich auf
eine Komplexbildung der Metallverbindungen zurückzuführen, die langsamer als der
Mischungsvorgang abläuft.
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Für
die oben angegebenen Konzentrations- und Temperaturbereich reicht
in der Regel eine Reifungszeit von etwa 2 Minuten aus. Bevorzugt
läßt man die
homogene Mischung mindestens 5 Minuten, insbesondere mindestens
20 Minuten reifen. Es ist in der Regel aber auch nicht abträglich, wenn
man die homogene Mischung mehrere Stunden, z.B. 1 bis 480 Stunden
reifen läßt.
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Die Mischung der Initiatorkomponenten
kann in jedem Mischaggregat durchgeführt werden, vorzugsweise in
solchen, die mit Inertgas beaufschlagt werden können. Beispielsweise eignen
sich Rührreaktoren
mit Ankerrührer
oder Schüttelbehälter. Für die kontinuierliche
Herstellung eigen sich besonders beheizbare Rohre mit statischen
Mischelementen. Der Mischvorgang ist für eine homogene Vermischung
der Initiatorkomponenten notwendig. Während der Reifung kann aber
muß nicht
weitergemischt werden. Die Reifung kann auch in einem kontinuierlich
durchströmten
Rührkessel
oder in einem Rohrabschnitt erfolgen, dessen Volumen zusammen mit
der Durchströmgeschwindigkeit
die Reifezeit festlegt.
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Die beschriebene Initiatorzusammensetzung,
erhältlich
durch Vermischen des Alkalimetallorganyls (insbesondere sec.-Butyllithium)
und Styrol und anschließende
Zugabe des Al-, Mg- bzw. Zn-organyls (insbesondere TIBA), ist Gegenstand
der Erfindung, ebenso wie die vorstehend beschriebene Verwendung
dieser Initiatorzusammensetzung zur Herstellung von schlagzähem Polystyrol
durch anionische Polymerisation.
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Die Polymerisation des Styrols in
Gegenwart des Kautschuks kann absatzweise oder kontinuierlich in Rührkesseln,
Kreislaufreaktoren, Rohrreaktoren, Turmreaktoren oder Ringscheibenreaktoren
polymerisiert werden, wie in WO 97/07766 beschrieben. Bevorzugt
wird die Polymerisation kontinuierlich in einer Reaktoranordnung
aus mindestens einem rückvermischenden
(z.B. Rührkessel)
und mindestens einem nicht rückvermischenden
Reaktor (z.B. Turmreaktor) durchgeführt.
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Nach Beendigung der Polymerisation
des Styrols wird bevorzugt mit einer protischen Substanz, beispielsweise
Alkohole, wie Isopropanol, Phenole; Wasser; oder Säuren, wie
wäßrige Kohlendioxidlösung, oder Carbonsäuren wie
Ethylhexansäure,
abgebrochen.
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Der Gehalt an Styrolmonomeren im
erfindungsgemäßen schlagzähen Polystyrol
beträgt
in der Regel maximal 50 ppm, vorzugsweise maximal 10 ppm, und der
Gehalt an Styroldimeren- und Styroltrimeren maximal 500 ppm, vorzugsweise
maximal 200 ppm, besonders bevor zugt weniger als 100 ppm. Der Gehalt
an Ethylbenzol im schlagzähen
Polystyrol liegt bevorzugt unter 5 ppm.
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Es kann zweckmäßig sein, durch entsprechende
Temperaturführung
und/oder durch Zusatz von Peroxiden, insbesondere solche mit hoher
Zerfallstemperatur wie beispielsweise Dicumylperoxid, eine Vernetzung der
Kautschukpartikel zu erreichen. Die Peroxide werden hierbei nach
Beendigung der Polymerisation und gegebenenfalls Zugabe des Kettenabbruchmittels
und vor der Entgasung zugegeben. Bevorzugt erfolgt jedoch nach der
Polymerisation bei Temperaturen im Bereich von 200 bis 300°C eine thermische
Vernetzung der Weichphase.
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Das erfindungsgemäße, schlagzähe Polystyrol kann als solches
verwendet werden. Es kann jedoch auch mit anderen thermoplastischen
Polymeren abgemischt werden, z.B, mit anderen Polystyrolen, insbesondere
Polystyrolen mit geringem Molekulargewicht.
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Gegenstand der Erfindung sind daher
weiterhin thermoplastische Formmassen, enthaltend
- a)
50 bis 99,9, bevorzugt 80 bis 99,9 und insbesondere 90 bis 99 Gew.-%
des vorstehend beschriebenen, anionisch polymerisierten, schlagzähen Polystyrols
(A), und
- b) 0,1 bis 50, bevorzugt 0,1 bis 20 und insbesondere 1 bis 10
Gew.-% eines anionisch oder radikalisch polymerisierten, kautschukfreien
oder schlagzähen
(kautschukhaltigen) Polystyrols (B) mit einem zahlenmittleren Molekulargewicht
Mn, bestimmt mittels Gelpermeationschromatographie
(GPC) in Tetrahydrofuran (THF), von maximal 20 000 g/mol.
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Das Polystyrol B hat demnach ein
vergleichsweise geringes Molekulargewicht, d.h. es ist niedermolekular.
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Bevorzugt wird das Polystyrol B durch
anionische Polymerisation hergestellt. In einer weiteren bevorzugten
Ausführungsform
ist das Polystyrol B kautschukfrei.
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Bevorzugt beträgt das zahlenmittlere Molekulargewicht
Mn des Polystyrols B maximal 16 000, insbesondere
6 000 bis 13 000 g/mol. Die GPC-Messung zur Bestimmung des Mn wird wie üblich mit Polystyrol-Eichstandards
kalibriert.
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Die Herstellung der niedermolekularen
Polystyrole B ist z.B. in Uhlmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry,
Sixth Edition, 2000 Electronic Release, Verlag Wiley VCH, Stichwort
"Polystyrene and Styrene Copolymers", darin insbesondere Kap. 1.2
"Polystyrene/Production", beschrieben.
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Zur Erhöhung der Reißdehnung
kann dem erfindungsgemäßen schlagzähen Polystyrol
0,1 bis 10 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis 5 Gew.-% Mineralöl (Weißöl) bezogen
auf das schlagzähe
Polystyrol, zugesetzt werden.
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Die Polymere können übliche Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsmittel
enthalten, z.B. Gleit- oder Entformungsmittel, Farbmittel wie z.B.
Pigmente oder Farbstoffe, Flammschutzmittel, Antioxidantien, Stabilisatoren
gegen Lichteinwirkung, faser- und pulverförmige Füll- oder Verstärkungsmittel
oder Antistatika, sowie andere Zusatzstoffe, oder deren Mischungen.
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Geeignete Gleit- und Entformungsmittel
sind z.B. Stearinsäuren,
Stearylalkohol, Stearinsäureester oder
-amide, Metallstearate, Montanwachse und solche auf Basis von Polyethylen
und Polypropylen.
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Pigmente sind beispielsweise Titandioxid,
Phthalocyanine, Ultramarinblau, Eisenoxide oder Ruß, sowie
die Klasse der organischen Pigmente. Unter Farbstoffen sind alle
Farbstoffe zu verstehen, die zur transparenten, halbtransparenten
oder nichttransparenten Einfärbung
von Polymeren verwendet werden können. Derartige
Farbstoffe sind dem Fachmann bekannt.
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Als Flammschutzmittel können z.B.
die dem Fachmann bekannten halogenhaltigen oder phosphorhaltigen
Verbindungen, Magnesiumhydroxid, sowie andere gebräuchliche
Verbindungen, oder deren Mischungen verwendet werden.
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Geeignete Antioxidantien (Wärmestabilisatoren)
sind etwa sterisch gehinderte Phenole, Hydrochinone, verschiedene
substituierte Vertreter dieser Gruppe, sowie deren Mischungen. Sie
sind etwa als Topanol® oder Irganox® im
Handel erhältlich.
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Geeignete Stabilisatoren gegen Lichteinwirkung
sind z.B. verschiedene substituierte Resorcine, Salicylate, Benzotriazole,
Benzophenone, HALS (Hindered Amine Light Stabilizers), wie sie z.B.
als Tinuvin® kommerziell
erhältlich
sind.
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Als Beispiele für faserförmige bzw. pulverförmige Füllstoffe
seien Kohlenstoff- oder Glasfasern in Form von Glasgeweben, Glasmatten
oder Glasseidenrovings, Schnittglas, Glaskugeln sowie Wollastonit
genannt, besonders bevorzugt Glasfasern. Bei der Verwendung von
Glasfasern können
diese zur besseren Verträglich keit
mit den Blendkomponenten mit einer Schlichte und einem Haftvermittler
ausgerüstet
sein. Die Einarbeitung der Glasfasern kann sowohl in Form von Kurzglasfasern
als auch in Form von Endlossträngen
(Rovings) erfolgen.
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Als teilchenförmige Füllstoffe eignen sich Ruß, amorphe
Kieselsäure,
Magnesiumcarbonat (Kreide), gepulverter Quarz, Glimmer, Mica, Bentonite,
Talkum, Feldspat oder insbesondere Calciumsilikate wie Wollastonit
und Kaolin.
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Geeignete Antistatika sind beispielsweise
Aminderivate wie N,N-is(hydroxyalkyl)alkylamine oder -alkylenamine,
Polyethylenglykolether oder Glycerinmono- und -distearate, sowie
deren Mischungen.
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Die einzelnen Zusatzstoffe werden
in den jeweils üblichen
Mengen verwendet, so daß sich
nähere
Angaben hierzu erübrigen.
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Die Herstellung der erfindungsgemäßen schlagzähen Polystyrole
bzw. thermoplastischen Formmassen kann nach an sich bekannten Mischverfahren
erfolgen, beispielsweise unter Aufschmelzen in einem Extruder, Banbury-Mischer,
Kneter, Walzenstuhl oder Kalander. Die Komponenten können jedoch
auch "kalt" vermischt werden und das pulvrige oder aus Granulaten
bestehende Gemisch wird erst bei der Verarbeitung aufgeschmolzen
und homogenisiert.
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Aus den schlagzähen Polystyrolen bzw. thermoplastischen
Formmassen lassen sich Formkörper (auch
Halbzeuge, Folien, Filme und Schäume)
aller Art herstellen.
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Gegenstand der Erfindungen sind demnach
auch die Verwendung der erfindungsgemäßen schlagzähen Polystyrole bzw. thermoplastischen
Formmassen zur Herstellung von Formkörpern, Folien, Fasern und Schäumen, sowie
die aus den schlagzähen
Polystyrolen bzw. thermoplastischen Formmassen erhältlichen Formkörper, Folien,
Fasern und Schäume.
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Die erfindungsgemäßen Polymere zeichnen sich
durch einen geringen Gehalt an Restmonomeren bzw. -oligomeren aus.
Dieser Vorteil fällt
insbesondere bei styrolhaltigen Polymeren ins Gewicht, weil der
geringe Gehalt an Styrol-Restmonomeren und Styrol-Oligomeren eine
nachträgliche
Entgasung – z.B.
auf einem Entgasungsextruder, verbunden mit höheren Kosten und nachteiliger
thermischer Schädigung
des Polymeren (Depolymerisation) – überflüssig macht.
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Die erfindungsgemäße Polymere zeichnen sich außerdem durch
gute Spritzgußeigenschaften
aus, insbesondere durch hohe Fließfähigkeiten. Außerdem weisen
die daraus erhältlichen
Formkörper
einen hohen Glanz und gute mechanische und thermische Eigenschaften
auf, insbesondere hohe Charpy-Kerbschlagzähigkeiten, hohe Elastizitätsmodule,
Streckspannungen, Bruchspannungen und Durchstoßarbeiten, sowie eine gute
Vicat-Wärmeformbeständigkeit.
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Insbesondere ist der Glanz des erfindungsgemäßen anionischen
Polystyrols – bei
gleich gutem Spritzgußverhalten – besser
als der Glanz von radikalisch hergestelltem Polystyrol. Außerdem sind,
insbesondere wenn sofern als Kautschukkomponente die erwähnten Styrol-Butadien-Styrol-Dreiblockcopolymere
verwendet worden, auch die mechanischen Eigenschaften des erfindungsgemäßen Polystyrols
denen des radikalischen Polystyrols überlegen.
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Beispiele:
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Es wurden folgende Verbindungen verwendet,
wobei "gereinigt" bedeutet, dass mit Aluminoxan gereinigt und getrocknet
wurde:
- – Styrol,
gereinigt, von BASF,
- – Butadien,
gereinigt, von BASF,
- – sec.-Butyllithium
als 12 gew.-%ige Lösung
in Cyclohexan, fertige Lösung
von Fa. Chemmetall,
- – Triisobutylaluminium
als 20 gew.-%ige Lösung
in Toluol, fertige Lösung
von Fa. Crompton,
- – Cyclohexan,
gereinigt, von BASF,
- – Toluol,
gereinigt, von BASF.
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1. Herstellung
der Initiatorzusammensetzung
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Bei 25°C wurden in einem 15 l-Rührkessel
5210 g Toluol vorgelegt und unter Rühren 500 g Styrol und 518 g
der 12 gew.-%igen Lösung
von sec.-Butyllithium in Cyclohexan zugegeben. Nach 15 min gab man
913 g der 20 gew.-%igen Lösung
von Triisobutylaluminium in Toluol hinzu und kühlte die Mischung auf 40°C.
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2. Herstellung des Kautschuks
K1: Butadien-Styrol-Zweiblockcopolymer
120/95
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In einem 2 m3 fassenden
Rührkessel
wurden 473 l Toluol vorgelegt und auf 45 °C temperiert. Es wurden 358
g der 12 gew.-%igen Lösung
von sec-Butyllithium in Cyclohexan zugefügt. Danach gab man nacheinander
die folgenden Monomerportionen M1 bis M5 hinzu, wobei die nächste Portion
erst hinzugefügt
wurde, nachdem mittels Siedekühlung
die zwischenzeitlich angestiegene Reaktorinnen temperatur wieder
auf 45 bis 55 °C
abgesunken war: M1, 24 kg Butadien; M2, 20 kg Butadien; M3, 16 kg
Butadien; M4, 13 kg Butadien; M5, 57,4 kg Styrol. Die vorstehende
Styrolportion M5 wurde zugegeben, als die Reaktorinnentemperatur
um 10 °C über der
Temperatur vor der letzten Butadienzugabe M4 lag. Schließlich wurde
die Reaktion durch Zugabe von 10,9 g Wasser abgebrochen. Die Reaktionsmischung
hatte einen Feststoffgehalt von 25 Gew.-% und wurde durch Zugabe
von 293 kg Styrol auf 16 Gew.-% Feststoffgehalt verdünnt. Die
Kautschuklösung
enthielt demnach 16 Gew.-% Kautschuk, 49 Gew.-% Toluol und 35 Gew.-%
Styrol.
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Das Blockcopolymere besaß nach GPC-Analyse
(Gelpermeationschromatographie in Tetrahydrofuran, Kalibration mit
Polystyrol- bzw. Polybutadienstandards) eine monomodale Verteilung.
Der Restbutadiengehalt war kleiner als 10 ppm.
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Die Molekulargewichte (Blocklängen) betrugen:
Butadienblock 120000, Styrolblock 95000, ermittelt per GPC wie vorstehend
beschrieben. Der Butadiengehalt betrug 21,5 Gew.-%.
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3. Herstellung der Kautschuke
K2 und K3: Styrol-Butadien-Styrol-Dreiblockcopolymer 11/155/85 und 10/110/80,
abweichende Zahlenangaben für
K3 in Klammern
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In einem 2 m3 fassenden
Rührkessel
wurden 473 l Toluol vorgelegt und auf 45 °C temperiert. Es wurden 330
g (336 g) der 12 gew-%igen Lösung
von sec-Butyllithium in Cyclohexan zugefügt. Danach gab man nacheinander
die folgenden Monomerportionen M1 bis M6 hinzu, wobei die nächste Portion
erst hinzugefügt wurde,
nachdem mittels Siedekühlung
die zwischenzeitlich angestiegene Reaktorinnentemperatur wieder
auf 45 bis 55 °C
abgesunken war: M1, 7,2 kg (8,5 kg) Styrol; M2, 25 kg (22 kg) Butadien;
M3, 21 kg (18 kg) Butadien; M4, 16 kg (15 kg) Butadien; M5, 15 kg
(13 kg) Butadien; M6, 45,7 kg (53,7 kg) Styrol. Die vorstehende Styrolportion
M6 wurde zugegeben, als die Reaktorinnentemperatur um 10 °C über der
Temperatur vor der letzten Butadienzugabe M5 lag. Schließlich wurde
die Reaktion durch Zugabe von 10,6 g Wasser abgebrochen. Die Reaktionsmischung
hatte einen Feststoffgehalt von 25 Gew.-% und wurde durch Zugabe
von 293 kg Styrol auf 16 Gew.-% Feststoffgehalt verdünnt. Die
Kautschuklösung
enthielt demnach jeweils 16 Gew.-% Kautschuk, 49 Gew.-% Toluol und
35 Gew.-% Styrol.
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Das Blockcopolymere besaß nach GPC-Analyse
(Gelpermeationschromatographie in Tetrahydrofuran, Kalibration mit
Polystyrol- bzw. Polybutadienstandards) eine monomodale Verteilung.
Der Restbutadiengehalt war kleiner als 10 ppm.
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Die Molekulargewichte (Blocklängen) betrugen
für K2:
erster Styrolblock 11000, Butadienblock 155000, zweiter Styrolblock
85000, und für
K3: erster Styrolblock 10000, Butadienblock 110000, zweiter Styrolblock
80000, ermittelt per GPC wie vorstehend beschrieben. Der Butadiengehalt
betrug 19,4 Gew.-% für
K2 und 21,8 Gew.-% für
K3.
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4. Herstellung
des schlagzähen
Polystyrols
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In der nachfolgenden allgemeinen
Vorschrift stehen die Variablen A, B, C, etc. für die Parameter, die variiert
wurden. Die Einzelwerte sind in Tabelle 1 angegeben. Tabelle 2 nennt
die Zusammensetzung der Additivlösung.
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Die Polymerisation wurde kontinuierlich
in einem doppelwandigen 50 l-Rührkessel
mit einem Standard-Ankerrührer
durchgeführt.
Der Reaktor war für
25 bar Absolutdruck ausgelegt sowie mit einem Wärmeträgermedium und per Siedekühlung für isotherme
Reaktionsführung
temperiert.
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In den Rührkessel wurden unter Rühren mit
115 Upm kontinuierlich A kg/h Styrol, B kg/h der Kautschuklösung C,
und D g/h der Initiatorlösung
(Initiatorlösung
siehe vorstehend Punkt 1) eindosiert und bei einer konstanten Reaktorinnentemperatur
E gehalten. Am Ausgang des Rührkessels
betrug der Umsatz 40 %. Die Reaktionsmischung wurde in einem gerührten 29
l-Turmreaktor gefördert,
der mit zwei gleichgroßen
Heizzonen (erste Zone 110°C,
zweite Zone 160°C
Innentemperatur) versehen war. Der Austrag des Turmreaktors wurde
mit F g/h einer Additivlösung
G versetzt, danach durch einen Mischer geführt und schließlich durch
ein auf 250°C
beheiztes Rohrstück
geleitet. Danach wurde über
ein Druckregelventil in einen bei 300°C betriebenen Teilverdampfer
gefördert
und in einen bei 10 mbar Absolutdruck betriebenen Vakuumtopf entspannt.
Die Polymerschmelze wurde mit einer Förderschnecke ausgetragen und
granuliert. Der Umsatz war quantitativ.
Tabelle
2: Zusammensetzung der Additivlösung
G [Gew.-%]
1) Es wurde Octadecyl-3-(3,5-di-tert.butyl-4-hydroxyphenyl)propionat
verwendet, im Handel erhältlich
als Irganox
®1076
von Ciba-Geigy.
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2) Es wurde das Mineralöl Winok® 70
von Wintershall verwendet.
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Zum Vergleich (Beispiel 6V) wurde
ein schlagzähes
Polystyrol verwendet, das durch radikalische Polymerisation hergestellt
wurde. Das Polystyrol wurde hergestellt wie in der WO 00/32662,
Beispiel 1 auf Seite 8, Zeilen 1 bis 25 beschrieben.
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5. Eigenschaften
des schlagzähen
Polystyrols
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Das erhaltene schlagzähe Polystyrol
wurde granuliert und getrocknet. Das Granulat wurde im Spritzguß bei einer
Schmelzetemperatur von 230°C
und einer Werkzeugoberflächentemperatur
von 45°C
(sofern nachfolgend nicht anders angegeben) zu den entsprechenden
Probekörpern
verarbeitet.
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Es wurden folgende Eigenschaften
bestimmt:
Wärmeformbeständigkeit
Vicat B: bestimmt als Vicat-Einweichungstemperatur VST, Verfahren
B50 (Kraft 50 N, Heizrate 50°C/h)
nach EN ISO 306, an nach EN ISO 3167 hergestellten Probekörpern.
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Schmelze-Volumenfließrate MVR:
bestimmt am Granulat nach EN ISO 1133 bei 200°C Prüftemperatur und 5 kg Nennlast.
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Gelgehalt: bestimmt am Granulat wie
folgt: ca. 5 g Granulat wurden 90 min unter Stickstoff bei 280 °C im Wärmeschrank
nachvernetzt. Ca. 2,6 g des nachvernetzten Granulats wurden bei
25 °C mit
soviel Toluol versetzt, dass die Mischung 5,74 Gew.-% Polymer enthielt.
18 g der Mischung wurden in einen ausgewogenen Zentrifugenbecher
gegeben und die Probe 60 min bei 16000 Upm zentrifugiert. Die überstehende
Lösung
wurde dekantiert (Nachlaufzeit 3 sec) und die zurückbleibende
Probe im Zentrifugenbecher 120 min bei 140 °C getrocknet. Der abgekühlte Becher
wurde ausgewogen. Die Polymereinwaage wurde berechnet. Es war
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Quellungsindex: bestimmt am Granulat
wie folgt: ca. 2,6 g des (nichtvernetzten) Granulats wurden in Toluol
gequollen, zentrifugiert, dekantiert und getrocknet, wie bei der
Messung des Gelgehalts beschrieben. Es war
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Viskositätszahl VZ: korrigierte VZ bestimmt
nach DIN 53726 an einer 0,5 gew.-%igen Lösung des schlagzähen Polystyrols
in Toluol bei 23°C.
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Jodzahl: als Maß für den Polybutadien-Gehalt,
bestimmt nach DIN 53241-1 (Mai 1995) incl. Anhang A.
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Teilchengrößen d10 d50 d90 der Kautschukpartikel,
bestimmt mit dem Mastersizer von Fa. Malvern Instruments. Der d10-Wert gibt denjenigen Teilchendurchmesser
an, bei dem 10 Gew.-% aller Teilchen einen kleineren und 90 Gew.-%
einen größeren Durchmesser
haben. Umgekehrt gilt für
den d90-Wert, daß 90 Gew.-% aller Teilchen
einen kleineren und 10 Gew.-% einen größeren Durchmesser haben als
derjenige Durchmesser, der dem d90-Wert
entspricht. Der gewichtsmittlere Teilchendurchmesser d50 gibt
denjenigen Teilchendurchmesser an, bei dem 50 Gew.-% aller Teilchen
einen größeren und
50 Gew.-% einen kleineren Teilchendurchmesser aufweisen. d10-, d50- und d90-Wert charakterisieren die Breite der Teilchengrößenverteilung.
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Charpy-Schlagzähigkeit an:
bestimmt nach EN ISO 179/1eU (= Prüfkörpertyp 1, Schlagrichtung e schmalseitig,
ungekerbt) an nach EN ISO 3167 hergestellten Probekörpern, bei
23°C und
bei -30°C.
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Charpy-Kerbschlagzähigkeit
ak: bestimmt nach EN ISO 179/1eA (= Prüfkörpertyp
1, Schlagrichtung e schmalseitig, Kerbart A V-förmig)
mit gefräster
Kerbe, bei 23°C
und bei -30°C.
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Elastizitätsmodul E, Streckspannung σS,
Bruchspannung σR, Streckdehnung εS und
nominelle Bruchdehnung εR: jeweils bestimmt im Zugversuch nach EN
ISO 527 (DIN EN ISO 527-1 und 527-2) bei 23 °C.
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Durchstoßarbeit Wges:
bestimmt im Durchstoßversuch
nach EN ISO 6603-2 bei 23°C,
wobei der Probekörper
hergestellt wurde bei 200, 230 oder 260°C Schmelztemperatur (Massetemperatur).
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Glanz: bestimmt nach DIN 67530 als
20°-Reflektometerwert
an einem bei 240, 260 oder 280°C Schmelztemperatur
(Massetemperatur) hergestellten Probekörper, mit einem Labor-Reflektometer
LMG 070 von Fa. Dr. Bruno Lange bei 23 °C.
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Molekulargewicht MW (Gewichtsmittel)
und Mn (Zahlenmittel): bestimmt mit Gelpermeationschromatographie
GPC in Tetrahydrofuran, kalibriert mit Polystyrol-Eichstandards.
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Restgehalt: an Styrolmonomer bzw.
an Ethylbenzol, bestimmt mit Gaschromatographie.
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Tabelle 3 fasst die Ergebnisse des
schlagzähen
Polystyrols zusammen. Tabelle
3: Eigenschaften des schlagzähen
Polystyrols (nb nicht bestimmt)
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Die Beispiele zeigen das ausgewogene
Eigenschaftsprofil des erfindungsgemäßen, anionisch polymerisierten
schlagzähen
Polystyrols. Der Gehalt an Restmonomeren war gering. Insbesondere
die Spritzgußeigenschaften
waren ausgezeichnet aufgrund des hohen MVR.
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Die aus dem erfindungsgemäßen Polystyrol
hergestellten Formkörper
wiesen gute mechanische Eigenschaften, insbesondere gute Charpy-Kerbschlagzähigkeiten,
hohe Elastizitätsmodule,
Steckspannungen, Bruchspannungen und Durchstoßarbeiten, sowie einen hohen
Glanz und gute Wärmeformbeständigkeiten, auf.
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Durch Zugabe von Additiven (hier
G1 bis G4, Tabelle 2) ließen
sich maßgeschneiderte
Eigenschaftsprofile einstellen.
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Beispiel 4V ist ein Vergleichsbeispiel
aufgrund des nicht erfindungsgemäßen geringen
MVR von 6,5 cm3/10 min.
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Beispiel 6V ist ein Vergleichsbeispiel,
da das betreffende schlagzähe
Polystyrol – nicht
erfindungsgemäß – radikalisch
hergestellt wurde. Der Vergleich der Eigenschaften des "radikalischen"
Beispiels 6V mit den Eigenschaften der "anionischen" Beispiele zeigt,
daß die
mechanischen, optischen, thermischen und Spritzguß-Eigenschaften
des erfindungsgemäßen anionischen
Polystyrols denen des üblichen
radikalischen Polystyrols absolut ebenbürtig sind – hinzu kommt der vorteilhafte,
wesentlich niedrigere Restmonomerengehalt des anionischen Polystyrols.
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Insbesondere sind bei denjenigen
erfindungsgemäßen anionischen
Polystyrolen, die unter Verwendung von Styrol-Butadien-Styrol-Dreiblockcopolymer
hergestellt wurden (Bsp. 2, 3, 5 enthaltend S-B-S-Dreiblockcopolymer
K2 bzw. K3), die mechanischen Eigenschaften besser als beim radikalischen
Vergleichs-Polystyrol (Bsp. 6V): Streckspannung σS, Streckdehnung εs und
die Durchstoßarbeiten
Wges sind beim anionischen Polystyrol – bei gleich
guter Fließfähigkeit
MVR – verbessert,
verglichen mit dem radikalischen Polystyrol.
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Unabhänigig davon, ob als Kautschuk
ein Zweiblock- oder Dreiblockcopolymer verwendet wurde, war beim
erfindungsgemäßen anionischen
Polystyrol der Glanz höher
als beim radikalischen Polystyrol.
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6. Herstellung
thermoplastischer Formmassen
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Aus den anionischen schlagzähen Polystyrolen
der vorstehenden Beispiele 1 bis 5 wurden durch Abmischen mit einem
anionisch polymerisierten kautschukfreien Standard-Polystyrol niederen
Molekulargewichts, thermoplastische Formmassen hergestellt.
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Es wurden folgende Komponenten verwendet:
anion.
PS aus Bsp... anionisches schlagzähes Polystyrol der Beispiele
1, 2, 3, 4V bzw. 5
niedermol. PS 1: anionisches kautschukfreies
Polystyrol mit einem zahlenmittleren Molekulargewicht Mn,
bestimmt mittels GPC wie vorstehend beschrieben, von 12000 g/mol.
niedermol.
PS 2: wie rad. PS 1, jedoch Mn 7000 g/mol.
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Die Komponenten wurden in den in
Tabelle 4 angegebenen Mengenanteilen auf einen Zweischnecken-Extruder
ZSK30/5 von Fa. Werner + Pfleiderer bei 200°C und 10 kg/h Durchsatz unter
Aufschmelzen innig vermischt, die Schmelze ausgetragen und granuliert.
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Die Tabellen 4a bis 4e fassen die
Zusammensetzungen und Ergebnisse zusammen.
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Die Beispiele 7, 12, 17, 22V und
27 sind identisch mit den vorstehenden Beispielen 1, 2, 3, 4V und
5 (100 Gew.-% schlagzähes
Polystyrol) und werden zur besseren Vergleichbarkeit der Daten nochmals
aufgeführt. Tabelle
4a: Eigenschaften der thermoplastischen Formmassen (nb nicht bestimmt,
Zusammensetzung [Gew.-%])
Tabelle
4b: Eigenschaften der thermoplastischen Formmassen (nb nicht bestimmt,
Zusammensetzung [Gew.-%])
Tabelle
4c: Eigenschaften der thermoplastischen Formmassen (nb nicht bestimmt,
Zusammensetzung [Gew.-%])
Tabelle
4d: Eigenschaften der thermoplastischen Formmassen (nb nicht bestimmt,
Zusammensetzung [Gew.-%])
Tabelle
4e: Eigenschaften der thermoplastischen Formmassen (nb nicht bestimmt,
Zusammensetzung [Gew.-%])
Die Beispiele zeigen, dass sich die Eigenschaften
des schlagzähen
anionischen Polystyrols durch Zusatz geringer Mengen (nur 3 bzw.
5 Gew.-%, bezogen auf die thermoplastische Formmasse) eines niedermolekularen, kautschukfreien
Standard-Polystyrols maßgeschneidert
verändern
lassen.
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Besonders ausgeprägt ist die Eigenschaftsveränderung
bei der Fließrate
MVR (z.B. Bsp. 27 ohne radikalisches PS 12,3, Bsp. 29 mit 5 Gew.-%
radikalischem PS 16,9 cm3/10 min), bei der
Schlagzä higkeit
an (z.B. Bsp. 27 109, Bsp. 28 182 kJ/m2 bei 23°C),
der Kerbschlagzähigkeit
aK (z.B. Bsp. 17 16,3, Bsp. 18 22,7 kJ/m2 bei 23°C)
und bei der Durchstoßarbeit
Wges (z.B. Bsp. 7 13,1, Bsp. 9 4,6 Nm bei
260°C Schmelzetemperatur).
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Die Zugabe des kautschukfreien niedermolekularen
Standard-Polystyrols veränderte
manche Werte "nach oben", andere Werte "nach unten", verglichen
mit schlagzähem
anionischem Polystyrol ohne Zusatz von niedermolekularem Polystyrol.
Demnach ließen
sich aus dem erfindungsgemäßen anionischen
Polystyrol durch Zusatz nur geringer Mengen des niedermolekularen
Standard-Polystyrols thermoplastische Formmassen herstellen, deren
Eigenschaften für
bestimmte Anwendungen optimiert sind.
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Insbesondere konnte man ausweislich
der Beispiele die Spritzgusseigenschaften des erfindungsgemäßen anionischen
Polystyrols, d.h. den MVR, durch Zugabe kleiner Mengen eines niedermolekularen
Standard-Polystyrols deutlich verbessern, wobei die guten mechanischen
und anderen Eigenschaften des anionischen Polystyrols erhalten bleiben.