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Gebiet der Erfindung
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Die Erfindung betrifft neue Verwendungen von
Ngal oder daraus abgeleiteten Sequenzen zum Screenen nach daran
bindenden Substanzen, sowie die Verwendung von an Ngal bindenden
Substanzen zur Diagnose und/oder Behandlung von Tumor-Erkrankungen.
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Hintergrund
der Erfindung und Stand der Technik
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Ngal, auch Lipocalin-2 (LCN2) genannt,
ist ein Protein, welches in den Granulozyten mit der neutrophilen
Gelatinase assoziiert ist (L. Kjeldsen et al., J Biol Chem, 268:
10432–10432
(1993) und weist ein Molekulargewicht von ca. 25 kD auf. Es wird
vermutet, daß Ngal
auf inflammatorische Reaktionen modulierend wirkt und an kleine
lipophile Moleküle
und Formylpeptide (fmlp), welche von Bakterien abgeleitet sind,
bindet. Letzteres konnte allerdings von einer anderen Gruppe experimentell
nicht bestätigt
werden (D.H. Goetz et al., Biochemistry, 39: 1935–1945 (2000)).
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Ngal wurde durch Sreenen einer humanen Genombibliothek
mit Ngal cDNA als ein Gen mit 7 Exons identifiziert (J.B. Cocaland
et al., Genomics 45:17–23
(1997)). Das primäre
Transkript hat eine Länge
von 3696 Nukleotiden und das prozessierte Transkript ist 809 Nukleotide
lang. In der Literaturstelle L. Kjeldsen et al., (2000) ist Expression von Ngal
in verschiedensten humanen Normalgeweben beschrieben worden. Ngal
liegt auf Chromosom 9g34 (P. Chan et al., Genomics 23:145–150 (1994)).
Klonierung und Expression humaner Ngal cDNA, welche aus Knochenmark
und Ovar Zelllinien stammt, ist in der Literaturstelle S. Bartsch
et al., FEBS Lett 9:255–259
(1995), beschrieben.
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Hohe Ngal Pegel wurden in Adenocarcinomen
der Lunge, des Dickdarms und des Pankreas gefunden. Dagegen sind
Ngal Pegel in Renalzellcarzinoma verschiedener Subtypen und Prostatatumoren
niedrig. Lymphoma und Thymustumore waren in immunhistochemischen
Versuchen Ngal-negativ (A. Friedl et al., The Histochemical Journal
31:433–441 (1999).
Gemäß der Literaturstellen
US-5,627,034 ,
US-5,773,290 und
US-5,846,739 und
US-A-726725 ist die Proliferation von
Brustkrebszellen mit Ngal Überexpression
korreliert. Ein Zusammenhang mit Ovartumor ist in der Literaturstelle
WO-99/53040 offenbart.
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Erkenntnisse aus gepaarten Tumor-/Normalgeweben
sind für
andere Krebsarten nicht bekannt.
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Krebs, insbesondere Ovar-, Kolon-,
Lungen- und Uteruskrebs ist eine mit zunehmendem Alter mit beachtlicher
Incidenz auftretende Erkrankung. Bislang wird diese Tumorerkrankung
im wesentlichen pathologisch diagnostiziert und meist durch Entfernung
behandelt. Die Entfernung von Organen hat verschiedene nachteilige
Effekte auf einen Patienten. Eine verbesserte Diagnose und Behandlung
dieser Krebsart, insbesondere ohne das Erfordernis einer Entfernung
des Organes, ist daher in hohem Maße wünschenswert.
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Technisches
Problem der Erfindung
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Der Erfindung liegt das technische
Problem zugrunde, pharmazeutische Zusammensetzungen zur Diagnose
und/oder zur Behandlung von Krebserkrankungen anzugeben sowie Mittel
zu deren Identifizierung.
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Grundzüge der Erfindung sowie bevorzugte
Ausführungsbeispiele.
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Die Erfindung lehrt die Verwendung
einer für Ngal
codierenden Nukleinsäure
und/oder eines Ngal Peptids oder Proteins zur Detektion von Krebs,
insbesondere von Ovar-, Kolon-, Lungen- und/oder Uteruskrebs, oder
zur Detektion eines Risikos der Erkrankung an Krebs, insbesondere
von Ovar-, Kolon-, Lungen- und/oder Uteruskrebs, wobei eine Gewebeprobe
(des betreffenden Gewebes) auf Übertranskription
von Ngal RNA oder auf Überexpression
eines Ngal Proteins untersucht wird. Eine an für Ngal codierende Nukleinsäure oder
eine an Ngal Protein oder Peptid bindende Detektorsubstanz, vorzugsweise enthaltend
eine Reportergruppe, kann verwendet werden, wobei Bindung besagter
Nukleinsäure und/oder
besagten Proteins oder Peptids an die Detektorsubstanz halbquantitativ
oder quantitativ detektiert wird.
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Die Erfindung lehrt weiterhin die
Verwendung einer Ngal RNA oder eines Ngal Proteins oder Peptids
zum Screenen nach daran bindenden Substanzen, insbesondere prospektiven
Wirkstoffen zur Inhibierung von besagter RNA oder besagtem Protein
oder Peptid oder prospektiven Detektorsubstanzen, wobei eine prospektive
Substanz oder eine Mischung solcher prospektiver Substanzen mit
besagter RNA oder besagtem Protein oder Peptid kontaktiert wird,
wobei mit einem Bindungsassay Bindungsereignisse festgestellt werden,
und wobei eine bindende prospektive Substanz, ggf. nach Dekonvolutierung,
als zur Detektion und/oder Behandlung von Krebs, insbesondere von
Ovar- Kolon-, Lungen- und/oder Uteruskrebs, geeignet selektiert
wird.
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Die Erfindung lehrt schließlich die
Verwendung einer Ngal inhibierenden oder daran bindenden Subtanz
zur Herstellung einer pharmazeutischen Zusammensetzung zur Behandlung
von Krebs, insbesondere von Ovar-, Kolon-, Lungen- und/oder Uteruskrebs.
Die Substanz kann ein Antikörper
sein, welcher beispielsweise durch Immunisierung eines nichtmenschlichen
Säugetiers
mit einem Ngal Peptid oder Protein, oder mit Ngal cDNA, oder mit
mit cDNA von Ngal transient oder stabil transfizierten Zellen (z.B.
Tumorzelllinien, NIH3T3, CHO, COS), oder mit endogen Ngal exprimierenden
Tumorzellen oder mit in Insektenzellen hergestelltem Ngal erhältlich ist, oder
ein Phage-Display Antikörper
ist.
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Die Substanz kann aber auch eine
Mimikriverbindung eines Antikörpers
gegen ein Ngal Peptid oder Protein sein. Die Substanz kann schließlich ein Aptamer,
eine antisense RNA, eine inhibitorische RNAi, oder ein Ribozym sein.
Die Substanz kann zusätzlich
eine zytotoxische und/oder immunstimulierende Komponente tragen.
Die pharmazeutische Zusammensetzung kann zur systemischen oder lokalen Applikation
in Tumorzellen enthaltendem Gewebe hergerichtet sein.
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Die Erfindung läßt sich im Rahmen eines Verfahrens
zur Diagnose einer Krebserkrankung, insbesondere von Ovar-, Kolon-,
Lungen- und/oder Uteruskrebs, verwenden, wobei eine Detektorsubstanz in
einer Ausführungsform
mit einer Reportergruppe in zu untersuchendes Gewebe appliziert
wird, wobei das zu untersuchende Gewebe dann einer Detektionsverfahrenstufe
unterworfen wird, welche sensitiv für die Reportergruppe ist, und
wobei im Fall der Detektion eines definierten Mindestwertes der
Reportergruppe im Gewebe das Gewebe als Tumorzellen enthaltend qualifiziert
wird, sowie eines Verfahrens zur Behandlung einer Krebserkrankung,
insbesondere von Ovar-, Kolon-, Lungen- und/oder Uteruskrebs, wobei
eine erfindungsgemäße pharmazeutische
Zusammensetzung in einer physiologisch wirksamen Dosis einem Patienten
dargereicht wird.
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Die Erfindung beruht auf der Erkenntnis,
daß Ngal, überexprimiert
ist bzw. differenziell exprimiert wird in Tumoren, i.e. in besagten
Tumorgeweben ist die Expression höher, verglichen mit (gepaarten)
normalen Zellen gleichen Gewebes, und der daraus herleitbaren technische
Lehre, daß Ngal
als Zielmolekül bei
der Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung eingesetzt werden
kann. Ngal kann also als Marker zur Identifizierung von Tumorzellen
in den besagten Tumorgeweben dienen. Auf der anderen Seite bietet die
Inhibierung von Ngal, insbesondere auch bei lokaler Applikation,
die Möglichkeit,
in die Tumor-spezifischen Ngal Assoziationen mit anderen Prozessen
in den Tumorzellen einzugreifen und somit letztendlich den tumorzellenspezifisch
veränderten
Stoffwechsel zu stören
und zu einem Absterben oder zumindest einer Wachstumshemmung der
Tumorzellen beizutragen.
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Im Rahmen der Erfindung kann es sich
empfehlen, im Vorfeld einer Behandlung mit einer erfindungsgemäßen pharmazeutischen
Zusammensetzung eine Probe aus einem Gewebe, welches als Tumorgewebe
mit anderen Methoden identifiziert ist, zu entnehmen und die Gewebeprobe
auf Expression bzw. Überexpression
von Ngal zu untersuchen. Alternativ kann mit einer erfindungsgemäßen Detektorsubstanz
zur Diagnose in vivo auf Ngal Abhängigkeit getestet werden. Wird
eine Expression bzw. Überexpression
von Ngal gegenüber
Normalgewebe gleichen Typs festgestellt, so ist die Anwendung der
erfindungsgemäßen pharmazeutischen
Zusammensetzung indiziert.
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Handelt es sich bei dem Tumor um
einem Typus, bei welchem Tumorzellen Ngal exprimieren, Normalzellen
gleichen Gewebetyps jedoch nicht, so ist es besonders bevorzugt,
wenn die an Ngal bindende Substanz zusätzlich eine zytotoxische und/oder
immunstimulierende Komponente trägt. Dies
führt dann
letztendlich dazu, dass praktisch ausschließlich Tumorzellen getötet werden,
sei es durch die Zytotoxizität,
sei es durch Angriff durch das stimulierte Immunsystem, während Normalzellen
in dem Gewebe praktisch vollständig
erhalten bleiben. In dieser Ausführungsform
braucht die bindende Substanz selbst nicht inhibierend auf Ngal
zu wirken, da die bindende Substanz dann lediglich als Marker funktionieren
muß, welcher
die Komponenten zu Ziel-Tumorzellen
trägt.
Im Falle des Einsatzes einer zytotoxischen und/oder immunstimulierenden
Komponente wird es sich besonders empfehlen, wenn die pharmazeutische
Zusammensetzung zur lokalen Applikation in Tumorzellen enthaltendem
Gewebe hergerichtet ist, beispielsweise zur Injektion.
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Von selbstständiger Bedeutung im Rahmen der
Erfindung ist eine Verwendung eines Ngal Proteins in einem Screening
Verfahren zur Findung von die Sekretion von Ngal modulierenden Substanzen.
Dies kann beispielsweise dergestalt erfolgen, daß Ngal exprimierende Zellen,
insbesondere Ngal exprimierende Tumorzellen der genannten Tumorarten,
in einem Medium kultiviert werden, wobei vor oder während der
Kultivierung mit einer prospektiven, die Sekretion inhibierende
Substanz oder mit einer Mischung solcher Substanzen inkubiert wird,
wobei das Medium nach einer definierten Kultivierungsdauer auf Ngal
analysiert wird, optional nach Abtrennung des Mediums von den Zellen,
und wobei die Substanz, ggf. nach Dekonvolution, selektiert wird,
wenn die Menge detektierten Ngal im Medium einen definierten Grenzwert
unterschreitet. Bei dieser Ausführungsform
ist der tatsächliche
Sekretionsweg irrelevant, da nur die Sekretion als solche das Selektionskriterium
ist. Der definierte Grenzwert kann durch Kultivierung unter gleichen
Bedingungen, jedoch ohne Inkubation mit einer prospektiven, die
Sekretion inhibierenden Substanz, ermittelt werden. Als Selektionskriterium
kann eine Sekretionsrate angesetzt werden, welche zumindest 10%,
vorzugsweise zumindest 50%, höchstvorzugsweise
zumindest 90%, unterhalb der Referenz-Sekretionsrate liegt.
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Von weiterhin selbstständiger Bedeutung
ist die alternative Verwendung eines Ngal Proteins in einem Screening
Verfahren zur Findung einer Ngal inhibierenden aber nicht dessen
Sekretion inhibierenden Substanz, wobei Ngal exprimierende Zellen
in einem Medium kultiviert werden, wobei vor oder während der
Kultivierung mit einer gemäß Anspruch
3 selektierten Substanz oder mit einer Mischung solcher Substanzen
inkuziert wird, wobei das Medium nach einer definierten Kultivierungsdauer
auf Ngal analysiert wird, optional nach Abtrennung des Mediums von
den Zellen, und wobei die Substanz, ggf. nach Dekonvolution, selektiert
wird, wenn die Menge detektierten Ngal im Medium einen definierten
Grenzwert überschreitet.
Zu weiteren Ausbildungen gelten die vorstehenden Ausführungen
analog.
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Diese Ausführungsform der Erfindung beruht auf
der Erkenntnis, daß sezerniertes
Ngal in zumindest einigen Immunzellen, welche bei der Tumorabwehr
eine Rolle spielen, Apoptose induziert. Insoweit hat Ngal parakrine
Wirkung. Sezerniertes Ngal hat bezüglich der Proliferation von
Tumorzellen jedoch auch autokrine Wirkung, i.e. Proliferation wird
durch sekretiertes Ngal induziert. Die Sekretion von Ngal hat folglich
eine unerwünschten
synergistischen Effekt, nämlich
einerseits Proliferationsförderung
im Falle der Tumorzellen und andererseits Induktion der Apoptose
in Immunzellen, die Tumorzellen angreifen. Hieraus folgen grundsätzlich zwei
therapeutische Ansätze,
nämlich:
i) Inhibierung von Ngal in den Tumorzellen selbst, wodurch letztlich
auch die Sekretion unterbleibt oder nur inaktives Ngal sekretiert
wird, und/oder ii) Inhibierung von sekretiertem Ngal, i.e. außerhalb
der Tumorzellen, wodurch einerseits eine Induktion der Proliferation
der Tumorzellen unterbleibt und andererseits die die Tumorzellen
angreifenden Immunzellen vor Ngal induzierter Apoptose geschützt werden.
Es ergeben sich somit potentielle Wirkstofe mit den folgenden Grundeigenschaften:
i) Inhibierung von Ngal in der Tumorzelle; hierfür muß der Wirkstoff membrangängig sein,
ii) Inhibierung der Sekretion von Ngal; ein solcher Wirkstoff greift
nicht notwendigerweise (kann aber auch) in die intrazelluläre Ngal Bildung
ein, sondern inhibiert den Membrandurchtritt gebildeten Ngals, iii)
Inhibierung von vorwiegend oder ausschließlich extrazellulären Ngal; ein
solcher Wirkstoff ist nicht oder nur schlecht membrangängig (z.B.
Antikörper).
Letztendlich erfolgt somit neben der Inhibierung der pro-proliferativen
Wirkung des Ngal auf Tumorzellen auch eine (Re-) Aktivierung der
natürlichen
Immunantwort auf den Tumor.
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Im Rahmen der Erfindung ist auch
gefunden worden, daß Tumorzellen
(z.B. humane Ovartumorproben) praktisch ausschließlich Ngal
in monomerer Form sezernieren, während
beispielsweise Granulozyten und transfizierte Insektenzellen sowohl
das Monomer als auch ein Dimer sezernieren. Dies kann einerseits
diagnostisch genutzt werden zum Nachweis von Tumorzellen und zwar
durch Nachweis der Sezernierung überwiegend
oder ausschließlich
als Monomer. Des weiteren kann eine therapeutische Nutzung dadurch
erfolgen, daß beispielsweise
eine Dimerisierung, als Homo- oder als Heterodimer, induziert wird,
wobei das so induzierte Dimer biologisch inaktiv bzw. inaktiviert
ist.
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Definitionen.
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Im Rahmen dieser Beschreibung wird
die Bezeichnung Ngal für
alle humanen Isoformen, bekannt oder neu, auf Nukleinsäuren- oder
Aminosäurenbasis,
verwendet. Mit diesen Begriffen mit umfaßt sind auch die im Rahmen
dieser Beschreibung offenbarten kurzen Sequenzen, welche aus den
Isoformen stammen, beispielsweise Immunisierungssequenzen. Weiterhin
mit umfaßt
sind auch Homologe, wobei die Homologie zumindest 80%, vorzugsweise mehr
als 90%, höchstvorzugsweise
mehr als 95%, beträgt.
Im Falle der Nukleinsäuresequenzen
sind auch komplementäre
oder allelische Varianten mit umfaßt. Weiterhin sind Sequenzen
umfaßt,
welche lediglich Teilsequenzen der explizit offenbarten Sequenzen,
beispielsweise ein Exon oder mehrere Exons, oder komplementärer Sequenzen
hierzu darstellen, mit der Maßgabe,
daß diese
Teilsequenzen im Falle der Nukleinsäuren eine für eine Hybridisierung mit einer
erfindungsgemäßen Nukleinsäure hinreichende
Länge,
zumindest 50 Basen, aufweisen und im Falle der Proteine bzw. Peptide
mit zumindest gleicher Affinität
an ein protein- oder peptidspezifisches Zielmolekül binden.
Weiterhin sind alle mit erfindungsgemäßen Nukleinsäuren hybridisierende Nukleinsäuren umfaßt, nämlich solche,
die unter stringenten Bedingungen (z.B. 5°C bis 25°C unterhalb der Aufschmelztemperatur;
siehe ergänzend J.M.
Sambrook et al., A laboratory manual, Cold Spring Harbor Laboratory
Press (1989) und E.M. Southern, J Mol Biol, 98:503ff (1975)) hybridisieren. Es
versteht sich, daß die
Erfindung auch Expressionskassetten umfaßt, i.e. eine oder mehrere
der erfindungsgemäßen Nukleinsäuresequenzen
mit mindestens einer Kontroll- oder regulatorischen Sequenz. Eine
solche Expressionskassette kann auch eine Sequenz für ein bekanntes
Protein umfassen, wobei im Zuge der Translation ein Fusionsprotein aus
einem bekannten Protein und einem erfindungsgemäßen Protein oder Peptid entsteht.
Ebenso sind auch antisense Sequenzen zu den vorstehenden Nukleinsäuresequenzen
umfaßt.
Schließlich
sind RNA sowie damit korrelierende DNA und umgekehrt umfaßt, ebenso
wie genomische DNA als auch korrelierte cDNA und umgekehrt.
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Im Zusammenhang mit erfindungsgemäßen Verwendungen
umfassen die Begriffe der Ngal Nukleinsäuren oder Proteine bzw.
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Peptide neben den Volllängen der
offenbarten Sequenzen (siehe auch vorstehender Absatz) auch Teilsequenzen
hieraus, und zwar mit einer Mindestlänge von 12 Nukleotiden, vorzugsweise
30 bis 90 Nukleotiden, im Falle der Nukleinsäuren und einer Mindestlänge von
4 Aminosäuren,
vorzugsweise 10 bis 30 Aminosäuren,
im Falle der Peptide oder Proteine.
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Die Begriffe der Detektion und/oder
der Behandlung von Tumorerkrankungen, insbesondere der angegebenen
Tumorarten, umfassen auch die Detektion und/oder Behandlung von
Metastasen aus Primärtumoren
in sonstigen Geweben. Der Begriff der Behandlung umfaßt auch
die Prophylaxe.
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Als Inhibitor ist eine Verbindung
oder Substanz bezeichnet, welche entweder die Bildung von Ngal inhibiert
oder gebildetes Ngal in der Aktivität reduziert, bezogen auf die
Ngal Aktivität
in Abwesenheit des Inhibitors. Insofern kann ein Inhibitor einerseits
eine Substanz sein, welche in der Entstehungskaskade von Ngal inhibierend
eingreift. Auf der anderen Seite kann ein Inhibitor eine Substanz
sein, welche mit gebildetem Ngal eine Bindung eingeht, und zwar
dergestalt, dass weitere physiologische Wechselwirkungen mit endogenen
Substanzen zumindest reduziert sind.
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Mimikry-Moleküle sind Verbindungen, die den
variablen Bereich, insbesondere den Bindungsbereich eines Antikörpers, nachbilden
und an gleicher Stelle eines Zielmoleküls binden, wie der zu Grunde
liegende Antikörper.
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Der Begriff der Antikörper umfaßt polyklonale Antikörper, monoklonale
Antikörper,
nicht-humane, humane und humanisierte Antikörper, sowie Phage-Display-Antikörper, aber
auch Chimäre
Antikörper und
antiidiotypische Antikörper
sowie spezifische Fragmente der leichten und/oder der schweren Kette des
variablen Bereiches zu Grunde liegender Antikörper vorstehender Art. Die
Herstellung bzw. Gewinnung solcher Antikörper mit vorgegebenen Immunogenen
ist dem Durchschnittsfachmann wohl vertraut und braucht nicht näher erläutert zu
werden. Weiterhin umfaßt
der Begriff der Antikörper
bispezifische Antikörper.
Bispezifische Antikörper
kombinieren eine definierte Immunzellaktivität mit einer spezifischen Tumorzellerkennung,
wodurch Tumorzellen getötet
werden. Ein bispezifischer Antikörper
bindet einerseits an ein Auslösemolekül der Immun-Effektorzelle (z.B.
CD3, CD16, CD64) und andererseits an Antigene der Tumorzielzelle.
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Die galenische Herrichtung einer
erfindungsgemäßen pharmazeutischen
Zusammensetzung kann in fachüblicher
Weise erfolgen. Als Gegenionen für
ionische Verbindungen kommen beispielsweise Na+,
K+, Li+ oder Cyclohexylammonium
infrage. Geeigente feste oder flüssige
galenische Zubereitungsformen sind beispielsweise Granulate, Pulver,
Dragees, Tabletten, (Mikro-) Kapseln, Suppositorien, Sirupe, Säfte, Suspensionen,
Emulsionen, Tropfen oder injizierbare Lösungen (i.v., i.p., i.m.) sowie
Präparate
mit protrahierter Wirkstoff-Freigabe, bei deren Herstellung übliche Hilfsmittel
wie Trägerstoffe,
Spreng-, Binde-, Überzugs-,
Quellungs-, Gleit- oder Schmiermittel, Geschmacksstoffe, Süßungsmittel
und Lösungsvermittler,
Verwendung finden. Als Hilfsstoffe sei Magnesiumcarbonat, Titandioxyd,
Lactose, Mannit und andere Zucker, Talcum, Milcheiweiß, Gelatine,
Stärke,
Zellulose und ihre Derivate, tierische und pflanzliche Öle wie Lebertran,
Sonnenblumen-, Erdnuss- oder
Sesamöl,
Polyethylenglycole und Lösungsmittel,
wie etwa steriles Wasser und ein- oder mehrwertige Alkohole, beispielsweise
Glycerin, genannt. Eine erfindungsgemäße pharmazeutische Zusammensetzung
ist dadurch herstellbar, dass mindestens ein erfindungsgemäß verwendeter
Ngal Inhibitor in definierter Dosis mit einem pharmazeutisch geeigneten
und physiologisch verträglichen
Träger und
ggf. weiteren geeigneten Wirk-, Zusatz- oder Hilfsstoffen mit definierter
Inhibitordosis gemischt und zu der gewünschten Darreichungsform hergerichtet
ist.
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Tumorzellen exprimieren Ngal differenziell, wenn
Normalzellen des gleichen Gewebetyps dieses nicht exprimieren. Tumorzellen überexprimieren
Ngal spezifisch bzw. differenziell, wenn Ngal im Vergleich zu Normalzellen
des gleichen Gewebes zumindest in doppelter Menge exprimiert wird.
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Zytotoxische Komponenten bzw. Gruppen sind
Verbindungen, welche direkt oder indirekt Apoptose einleiten bzw.
zu Nekrose führen
oder zumindest wachstumshemmend wirken. Solche Gruppen bzw. Verbindungen
können
neben Radioisotopen (z.B. 188Re, 213Bi, 99mTc, 90Y, 131J, 177Lu)
insbesondere Zytostatika sein, welche in der Tumortherapie eingesetzt
werden. Beispiele hierfür
sind: Alkylantien (z.B. Mechlorethamin, Ifosfamid, Chlorambucil,
Cyclophosphamid, Melphalan, Rlkylsulfonate, Busulphan, Nitrosoharnstoffe,
Carmustin, Lomustin, Semustin, Triazene, Dacarbazin), Antimetaboliten
(z.B. Folsäure-Antagonisten,
Methotrexat, Pyrimidin-Rnaloga, Fluoruracil, Fluordesoxyuridin,
Cytarabin, Gemcitabin, Purin-Analoga, Mercaptopurin), Mitosehemmer
(z.B. Vincaalkaloide, Voncristin, Vinblastin, Paclitaxal, Docetaxel,
Protaxel), Epipodophyllotoxine (z.B. Etoposid, Teniposid), Antibiotika
(z.B.
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Dactinomycin, Daunorubicin, Idarubicin,
Anthracycline, Bleomycin, L-Asparaginase), Platinkomplexverbindungen
(z.B. Cisplatin), Hormone und verwandte Verbindungen (z.B.
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Nebennierenrindensteroide, Aminogluthetimid,
Gestagene, Östrogene,
Androgene, Antiöstrogene,
Tamoxifen, Steriodanaloga, Flutamid). Bei Bindung einer solchen
Verbindung mit einer an ngal bindenden Substanz erfolgt die Kopplung
dergestalt, daß die
Affinität
zu ngal um nicht mehr als 90%, vorzugsweise 50%, bezogen auf die
Substanz ohne zytostatische Gruppe, reduziert ist und die zytostatische
Wirkung der Gruppe um nicht mehr als 90%, vorzugsweise 50%, bezogen
auf die Verbindung ohne Substanz, reduziert ist.
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Eine immunstimulierende Komponente
ist meist ein Protein oder ein wirksamer Bestandteil hiervon, welches
Zellen des Immunsystems stimuliert. Beispiele hierfür sind:
Zytokine, wie M-CSF, GM-CSF, G-CSF, Interferone, wie IFN-alpha,
-beta, -gamma, Interleukine wie IL-1 bis -16 (außer -8), human LIF, Chemokine
wie Rantes, MCRF, MIP-1-alpha, -beta, NAP-1 und IL-8.
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Eine Reportergruppe ist ein Atom,
Molekül oder
eine Verbindung, welche in Verbindung mit einem hierauf abgestellten
Assay den Nachweis der Reportergruppe und der somit mit der Reportergruppe
verbundenen Verbindung oder Substanz ermöglicht. Beispiele für Reportergruppen
und hiermit assoziierte Detektionsmethoden sind: 32P-Labeling und Intensitätsmessung
mittels Phosphoimager. Viele weitere Beispiele sind dem Durchschnittsfachmann bekannt
und bedürfen
nicht der detaillierten Aufzählung.
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Eine an Ngal bindende Substanz kann
eine Substanz sein, welche ein Ngal Protein oder eine Ngal RNA bindet.
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Im Rahmen der vorstehenden Definition
gegenüber
dem engen Wortsinn erweiterte Begriffsbestimmungen umfassen auch
die bestimmten Begriffe im engen Wortsinn.
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Optional können die Indikationen Brustkrebs oder
Ovarkrebs in bestimmten Zusammenhängen, insbesondere im Falle
von Sequenzidentität
von Teilsequenzen, insoweit ausgeschlossen sein.
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Beispiele.
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Im Folgenden wird die Erfindung anhand
von lediglich beovrzugte Ausführungsformen
darstellenden Beispielen und Figuren näher erläutert. Es zeigen:
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1:
Cancer profiling array zur Überexpression
in Uterustumorgewebe,
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2:
Quantitative Auswertung zum Gegenstand der 1,
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3:
verschiedene Hammerhead Ribozyme gegen Ngal,
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4:
verschiedene antisense RNA gegen Ngal,
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5:
inhibitorische RNA (RNAi) gegen Ngal,
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6:
Ngal-Sequenzen, Rminosäurensequenz
(Seq.-ID 1, 6a) mit Markierung geeigneter Immunisierungssequenzen
(Seq.-ID 3 und 4) und Nukleinsäuresequenz
(Seq.-ID 2),
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7:
Western Blot von Lysaten und Zellkulturüberständen verschiedener Ngal exprimierender Zelllinien,
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8:
immunhistochemischer Nachweis von 2 Uteruskarzinomen, und
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9:
Proliferationsassay in einer Kolontumorzelllinie.
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Beispiel 1: Ngal Überexpression
in Uterustumorgewebe.
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Die Ngal Codierungssequenz wurde
mit 32P durch random hexamer priming gelabelt und und auf ein cancer
profiling array von Clontech, welches 240 cDNA Bibliothekspaare
enthält,
wobei jedes Paar für jeweils
ein Tumor- und ein Normalgewebe eines Patienten steht. Die Ergebnisse
sind in der 1 gezeigt.
Man erkennt, daß ein Überexpression
in Uterustumorgewebe, verglichen mit Normalgewebe, stattfindet.
Dieser Befund ist quantifiziert in der 2. Demach zeigen 56% (25 aus 44) der
untersuchten Uterusgewebepaare eine zumindest 2-fache Überexpression
von Ngal.
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Beispiel 2: Nachweis von
Ngal mittels Antikörpern
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In diesem Beispiel wird die Markierung
eines Tumors bzw. seiner Metastasen durch einen anti-Ngal-Antikörper in
vivo (Mausmodell) beschrieben. Ein anti-Ngal-Antikörper wird
mit einem Markermolekül
(z. B. Radioisotop) markiert. In NMRI-Nacktmäuse werden 1-2*10^6 Ngal-transfizierte
humane Zellen transplantiert. 30 Tage nach der Transplantation wird den
Mäuse markierter
Antikörper
injiziert. Die Kontrolltiere werden mit einem nicht relevanten Antikörper behandelt.
Wenige Stunden nach der Antikörperapplikation
werden die Tiere getötet
und aus allen Organen Gewebeschnitte angefertigt. Diese Schnitte werden
auf die Gegenwart von markiertem anti-Ngal Antikörper untersucht.
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Bei den anti-Ngal Antikörpern handelt
es sich um polyklonale oder monoklonale Antikörper gegen humanes Ngal Protein,
durch cDNA-Immunisierung oder konjugiert mit einem Trägerprotein,
in Ratte oder Kaninchen gezogen und affinitätsgereinigt.
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Geeignete Immunisierungssequenzen
sind in der 6a sowie
den Sequenzen Seq.-ID 3 und 4 angegeben. Auch kann mit der Vollängen cDNA (6b) gearbeitet werden.
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Beispiel 3: Immunhistochemischer
Nachweis von Tumorzellen.
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Primäre Tumoren werden aus den Patienten mit
Uterus- und/ oder Ovartumoren isoliert und als Paraffin bzw. Gefrierschnitte
präpariert.
Diese Schnitte werden mit einem anti-Ngal-Antikörper auf die Überexpression
von Ngal in Tumorzellen untersucht. Die immunhistologische Untersuchung
mit dem Ngal-Antikörper
zeigt höhere
Expression von Ngal in den Tumorzellen im Vergleich zu umliegenden
Normalgewebe. Die Untersuchung erfolgt im Einzelnen durch Inkubation
mit dem anti-Ngal Antikörper
als primärem Antikörper aus
Kaninchen oder Ratte, einem biotinyliertem sekundären anti-Kaninchen
oder anti-Ratten Antikörper
und einer Streptavidin-gekoppelten Meerrettichperoxidase. Die Färbung erfolgt
mit mit AEC als chromogenen Substrat (rote Färbung). Die Gegenfärbung erfolgt
mit Hemalaun-Lösung (blaue
Färbung).
Es sind maligne und nichtmaligne Zellen unterscheidbar, wobei die
malignen Zellen eine starke Färbung,
i.e. hohen Ngal Gehalt, aufweisen, während die nichtmalignen Zellen
nur moderat gefärbt
sind.
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In den 8a,b sind Ergebnisse mit anti-Ngal
Antikörpern
aus der Ratte in zwei Uteruskarzinomen (Paraffinschnitte) dargestellt.
Jeweils unten sind Schnitte mit anti-Ngal Antikörpern zu sehen, während jeweils
oben zugeordnete Negativkontrollen mit einer Färbung mit Prä-Immunserum aus der
Ratte dargestellt sind.
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Beispiel 4: RNA-Inhibitoren
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In der 3 sind
verschiedene Hammerhead Ribozyme dargestellt, die Ngal an den dargestellten
Stellen schneiden und so die Aktivität eventueller Translationsprodukte
inhibieren oder zumindest reduzieren (Seq.-ID 5 und 6; Hammerhead)
.
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Die 4 zeigt
verschiedene antisense Sequenzen für Ngal RNA (Seq.-ID 7 und 8).
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5 zeigt
ein PCR-Produkt für
die Generierung von Ngal-Spezifischen, doppelsträngigen RNAi. In Fettdruck sind
PCR-Primer für
die Generierung von RNRi Proben dargestellt. In Großbuchstaben
ist ein T7 RNA-Polymerase Promotor und Kleinbuchstaben eine Ngal-spezifische
Nukleotidsequenz dargestellt.
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Beispiel 5: Sekretion
von Ngal
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Es wurden Kolontumorzellinien (HT29)
und Ovartumorzelllinien (SKOV3 und 0V90) in 0,5% FCS-haltigem Zellkulturmedium
kultiviert. Nach einer Kultivierungsdauer von 1 Stunde sowie 12
Stunden wurden Kulturüberstände entnommen
und mitmeinem Filter aufkonzentriert. Nach einer Proteinbestimmung
wurden 16μg/μl Protein
/ Laufbahn auf ein 12%iges BisTris-Gel aufgetragen. Mit Ngal-spezifischen
Antikörpern
aus Ratte oder Kaninchen wurde auf dem Blot die 25 kD Bande für Ngal identifiziert. Die
Ergebnisse (anti-Ngal Antikörper
aus Ratte) sind in der 7 dargestellt
(SN = Überstand,
lys = Lysat). Man erkennt, daß in
den Überständen der
Zelllinien HT29 und SKOV3 eine Anreicherung von Ngal stattgefunden
hat. Folglich wird Ngal konstitutiv sezerniert.
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Beispiel 6: Proliferationsassay
an Kolontumorzelllinie.
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Zellen der Kolontumorzelllinie HT29
wurden ohne besondere Zugabe, mit EGF (10 ng/ml), mit HGF (20 ng/ml)
und mit Ngal (= ot115) in Konzentrationen von 1 ng/ml, 10 ng/ml,
100 ng/ml, oder 200 ng/ml für
72 h inkubiert. Die Proliferation wurde mittels des MTT Assays bestimmt.
Dieser Assay beruht auf der Reduktion von Tetrazoliumsalz zu Formazan in
metabolisch aktiven Zellen. Die Auswertung erfolgte photometrisch.
Man erkennt, daß Ngal
eine mit EGF oder HGF vergleichbare Wirkung zeigt, i.e. daß extrazellulär vorliegendes
Ngal die Proliferation der Tumorzellen fördert.