-
Die Erfindung beschreibt ein Möbelsystem, insbesondere ein Regal-/Raumteilersystem, mit der Möglichkeit, dieses um ein Schrankelement zu erweitern.
-
-
Notwendige Montagelemente sind hierbei entweder zwar aus dem gleichen Material, z. B. Holz, jedoch durch ihre Form und Größe störend im Gesamtanblick des Möbels, oder aber aus einem anderen, festeren Material, beispielsweise Metall, und damit aber dem Gesamteindruck des Möbels abträglich. Regalsysteme, welche auf ihre optische Erscheinung ausgelegt waren, sind jedoch dann meist wenig flexibel und wenig auf individuelle Bedürfnisse und Platzverhältnisse anpassbar. Desweiteren sind stabile Holz-Holz-Verbindungen nicht zerstörungsfrei lösbar, ohne eine plastische Verformung (Beschädigung) in Kauf nehmen zu müssen.
-
Zu lösen galt also das Problem, ein Möbelsystem zu entwerfen, welches zum einen optisch ansprechend ist, indem es keine sichtbaren Montagelemente enthält. Darüber hinaus soll es flexibel kombinierbar und damit für individuelle Bedürfnisse anpassbar sein. Hieraus ergibt sich außerdem die Anforderung einer möglichst einfachen Montage und zerstörungsfreien Demontage, um auf veränderte Umgebungsbedingungen individuell reagieren zu können. Das Möbelsystem sollte sowohl offene Bereiche (Regalelemente) als auch geschlossene Bereiche (Schrankelemente) ermöglichen und diese individuell kombinierbar gestalten. Dabei sollte das Schrankelement allseitig geschlossen sein, sich öffnende Türen – beispielsweise seitlich mit einem Scharnier befestigt – besitzen und bei zwei direkt aneinander grenzenden Türen: kollisionsfreies Öffnen beider Türen ermöglichen
-
Regalsystem
-
Die Erfindung sieht nachfolgenden Aufbau eines Regalsystems vor:
Das Regalsystem besteht grundsätzlich aus zwei verschiedenen, sichtbaren Elementen: Den waagerechten Regalböden und den senkrechten Holmen. Hierbei besteht die Idee darin, den Regalboden zwischen den beiden – darüber und darunterliegenden – Holmen derart einzuklemmen, dass kein weiteres sichtbares Befestigungselement benötigt wird. Diese Idee wird mit folgendem Konzept umgesetzt:
- • Im Holmen ( , Pos. 1) wird stirnseitig zentriert eine Stockschraube (Pos. 3) eingebracht
- • Der Regalboden (Pos. 2) besitzt an jeder Eckposition, an welcher ein Holmen befestigt wird, eine Bohrung, so dass eine runde Gewindemuffe (Pos. 4) mit leichtem Druck eingebracht werden kann. (Dieses geringe Übermaß dient dazu, dass die Muffe beim Einschrauben der Holmen ihre Höhenposition nicht zu weit verlässt, um eine gleichmäßige Einschraubtiefe der beiden Stockschraubengewinde gewährleisten.)
- • Alternativ könnte statt der Stockschraube auch eine Kombination aus Einschraubmutter und Gewindestange verwendet werden ( , Pos. 3A und 3B).
- • Für die Befestigung der Holmen am jeweils untersten und obersten Regalboden wird eine Hülsenmutter mit rundem, flachem Kopf und Innensechskant ( , Pos. 5) verwendet. Der Regelboden wird daher um die für die Gewindemuffe existierenden Bohrungen entsprechend freigestellt, um den Kopf der Mutter aufzunehmen. Für die Hülsenmutter ist in der Regalbodenbohrung kein Übermaß erforderlich.
- • Um zu verhindern, dass die Schraubkraft ihre Wirkung an der Kontaktstelle zwischen Gewindemuffe/Hülsenmutter und Holmen entfaltet – statt, wie vorgesehen, zwischen Regalboden und Holmen – wird der Holmen um die Stockschraube (in Abhängigkeit von der Länge der Gewindemuffe bzw. Hülsenmutter und der Regalbodenstärke) ausreichend freigestellt.
- • Es wird eine Höheneinheit (HE) definiert. Die Länge der Holmen wird so festgelegt, dass diese in Verbindung mit einem Regalboden einem Vielfachen dieser Höheneinheit entsprechen.
- • Ebenso werden eine Breiteneinheit (BE) und eine Tiefeneinheit (TE) definiert. Bei jedem Regalboden entspricht der Abstand der Bohrungsmittelachsen in der Regaltiefe genau einer Tiefeneinheit, der Abstand der Bohrungsmittelachsen in der Regalbreite immer genau einem Vielfachen der Breiteneinheit.
→ Somit werden verschiedene Regalkombinationen ermöglicht ( ).
-
Das Konzept ermöglicht eine große Vielfalt der Kombinationen, da alle Holmen und alle Regalböden völlig frei untereinander getauscht und kombiniert werden können. Durch die identische Bearbeitung aller Regalböden gibt es kein festgelegtes Boden- oder Deckbrett. Die Montage der Holmen ist mit Handkraft möglich, lediglich für den Aufbaubeginn und -abschluss wird (für die Hülsenmutter) ein Innensechskantschlüssel benötigt. Die Verbindungselemente sind im aufgebauten Zustand des Regales bis auf den Kopf der Hülsenmutter auf der Oberseite des obersten Regalbodens unsichtbar. Dies ermöglicht eine ununterbrochene optische Linie in einem Material. Die Wirkung der z. B. Holz-Holmen und Holzregalböden wird in keinster Weise durch Montageelemente gestört.
-
Erweiterung zu einem Eckregal
-
Durch die Konzeption eines Regalbodens, bei welchem der Abstand der letzten Breite, nicht der Breiteneinheit, sondern der Tiefeneinheit entspricht, ist es möglich, das Regalsystem auch als Eckregal auszuführen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Rauminnen- oder -außenecke handelt. Die Regalboden kann für beide Varianten universell eingesetzt werden ( ).
-
Erweiterung zu einem Regal mit integriertem Schrank
-
Die Seiten- und Rückwandteile des Schrankaufsatzes sind in ihrer Konstruktion grundsätzlich identisch. So wird die Teilevielfalt bestmöglich reduziert. Ihre Befestigung erfolgt durch das Regalsystem in der Art, dass jene durch die Befestigung der eingrenzenden Regalböden fixiert werden. Für die Randausführung der Wandelemente, also die Kontaktfläche zu den Holmen, ergeben sich zwei verschiedene Möglichkeiten: Die erste Variante kommt ohne Hilfsmittel aus. Hier werden die Wandelemente so konstruiert, dass diese zwischen den Holmen des Schrankaufsatzes eingeklemmt werden ( ). Dazu werden die äußeren Kanten der Wandelemente nach innen rund ausgespart oder mit einer Innengehrung versehen. Diese Variante ist jedoch für weiche Werkstoffe, z. B Holz, weniger geeignet, da sich sehr dünne Stellen am Wandelement ergeben, welche den notwendigen Halt (insbesondere bei der geplanten Montage eines Scharniers am Seitenwandelement) nicht gewährleisten. Zudem wird der nutzbare Platz im Schrank stark verkleinert. Die zweite, und zu bevorzugende, Variante besteht darin, dass das Wandteil durch ein zusätzliches Montageelement gehalten wird. Hierbei kann die Seitenwand im Vergleich zur ersten Variante etwas nach außen versetzt werden, um den nutzbaren Innenraum zu vergrößern. Der Versatz wird dabei vorzugsweise so gewählt, dass die Wandinnenfläche in einer Ebene mit den Holmenachsen liegt.
-
Die Ausführung der Kontaktfläche zwischen Wandelement und Holmen kann wiederum verschieden ausgeführt werden. In sind zwei Varianten gezeigt. Zum einen die Möglichkeit, das Wandelement mit einer gleichschenkligen Außengehrung (links) zu versehen. Jedoch wird auch hierbei die Materialstärke genau an der belasteten Kontaktfläche sehr schmal. Die zweite Variante (rechts) zeigt eine Möglichkeit, die Belastung zu verringern, indem die Kontaktfläche bis zu einer rechtwinkligen Außengehrung erweitert wird. Diese Variante ist zu bevorzugen.
-
Um die Seitenelemente vollständig fixieren zu können, ist ein zusätzliches Montageelement notwendig. Dieser „Wandhalter” ( ) wird im Bereich des Schrankaufsatzes an den betroffenen Holmen eingesetzt. Dabei ist dieser in einer Nut an der Stirnseite des Holmens so fixiert, dass er zwar horizontal und vertikal durch den Holmen gehalten wird, sich jedoch noch um dessen Rotationsachse bewegen lässt. Nur so kann der Wandhalter nach Montage des Holmens noch genau auf die Wandebene ausgerichtet werden. Das zweite Ende des Wandhalters greift in eine Nut der Wandelemente ( ), so dass diese horizontal fest fixiert werden. Mit dem Einführen der Seitenwand in den Wandhalter ist dann auch dieser endgültig fest. Da dieser Wandhalter nicht symmetrisch ist, wird für die jeweils gegenüberliegende Seite des Wandelementes eine gespiegelte Variante benötigt ( ). Darüber hinaus wird der restliche Abschnitt der, im Holmen eingebrachten Nut, durch Viertelkreis-Füllstücke ergänzt. So wird eine schmutzanfällige äußerliche Nut verhindert. Um Menge an Einzelteilen zu reduzieren und die Fertigung der einzelnen Wandhalter-Elemente zu vereinen, wird dieser als Komplettteil gefertigt, welcher an den vier Kontaktstellen mit Brechstegen ausgestattet sind ( ). Der in gezeigte komplette Wandhalter muss zur realen Umsetzung dahingehend modifiziert werden, dass dieser im Holmen vor der Seitenwandmontage beweglich bleibt. Hierzu werden die in den Holmen hineinragenden Zacken des Wandhalters am Ende großzügig abgerundet ( ).
-
Um den Wandhalter einsetzen zu können, müssen sowohl in den Holmen für den Schrankaufsatz, als auch in die Seitenelemente entsprechende Nuten eingelassen werden. Darüber hinaus müssen diese beiden Bauteile einseitig etwas eingekürzt werden. Der Holmen für den Schrankaufsatz ( ) wird im Vergleich zu den Holmen für offene Regalfächer mit einer ringförmigen Nut versehen, welche radial geringfügig größer ist als die Blechstärke des Wandhalters. So wird die Beweglichkeit des Wandhalters nach Montage des Holmens gewährleistet. Außerdem wird der Holmen außerhalb der Nut, ebenso etwas stärker als die Blechstärke, eingekürzt.
-
Auch die Seitenwände für den Schrankaufsatz ( ) müssen für den Wandhalter mit einer Nut ausgestattet werden. Hierbei darf es jedoch im Gegensatz zu den Holmen keine Spielpassung in der Nutbreite geben. Eine leichte Übermaßpassung ist dagegen unproblematisch, um die Wandelemente bestmöglich zu fixieren. Die Einkürzung auf der Wandinnenseite wird dagegen wieder geringfügig stärker als die Blechstärke der Wandhalter ausgeführt. Auch die Wand selbst wird in der Höhe etwas geringer gehalten, als die Länge der zugehörigen Holmen. Dies bewirkt, dass die Kraftübertragung, die zur Stabilität des Regal- und Schranksystems führt, über die Holmen-Regalboden-Kombination hergestellt wird und nicht über die Wandelemente. Zur Verstärkung der Fixierkraft auf die Seitenelemente wäre eine Manipulation des Wandhalters in der Form denkbar, dass dieser in Längsrichtung vollständig etwas in Richtung Regalboden (vom Wandelement weg) aufgebogen wird und bei der Montage federnd wieder so zurück, das er das Wandelement gegen die Holmen presst.
-
Für die Schranktüren sind zwei verschieden Ausführungen denkbar. Die erste, mit außen anliegenden Türen ( ), hat den Vorteil, dass die Türelemente für Einzelschränke und Doppelschränke die gleiche Breite besitzen und daher eine identische Komponente darstellen. Bei der zweiten Variante, mit innen anliegenden Türen ( ), wären zwei verschiedene Komponenten für die Türblätter der Einflügel- und Zweiflügelschränke erforderlich. Dafür wird hierbei die vertikale optische Linie der Holmen besser erhalten. Dabei ist es selbstverständlich möglich, die in und rechts gezeigten Möglichkeiten der geöffneten Türen auch zu tauschen. Die in rechts dargestellte Variante ist hierbei die Vorzugsvariante der geöffneten Türen, weil hier die „Befüllung” des Schrankes erleichtert wird. Sowohl die geöffneten Türen, sowie auch die Scharnierkonstruktion, ragen dann vergleichsweise weniger in den Schrankraum hinein.
-
Ist das Regal mit dem Schrankaufsatz vollständig aufgebaut, so sind von den Wandhaltern nur der schmale Streifen einer Blechstärke am oberen und unteren Ende der Holmen sichtbar. Bei der Umsetzung der außen anliegenden Türen werden die Wandhalter zudem aus der Frontansicht vollständig verdeckt. Auch mit Schrankaufsatz ist so die ununterbrochene optische Linie des Materials gewährleistet. Die Wirkung der Holz-Holmen und Holzregalböden werden durch Holz-Schrankwände und -türen erweitert und nicht durch Montageelemente gestört.
-
Für die Auswahl eines Scharniers zur Befestigung der Schranktüren gibt es einige Randbedingungen zu beachten. Zum einen sind die Wandelemente in Bezug auf die Holmen versetzt angebracht. Dies führt dazu, dass zwei verschiedene Scharniermaße notwendig sind. Aufgrund der Stärke der Wandbretter von 18 mm bietet es sich hierbei jedoch an, diese Höhendifferenz durch passende Kreuzmontageplatten ( , schraffiert dargestellt) auszugleichen und nur einen passenden Scharniertyp zu nutzen. Eine Besonderheit der Scharniere besteht darin, dass sie den Platz der Holmen durch ihren Mechanismus überbrücken und diesen Freiraum auch in ihrer Bewegung gewährleisten. Gleichzeitig muss das Türelement um den Holmen geführt werden. Für die Variante der innen anliegenden Türen ist dieser, zu überbrückende, Abstand geringer. Jedoch besteht hierbei ein geringerer Bewegungsfreiraum der Türen beim Öffnen und Schließen.
-
Das erfindungsgemäße Produkt ist in höchstem Maße flexibel in der individuellen Gestaltung der Abmessungen. Außerdem führt der modulare Aufbau aus einzelnen, standardisierten Komponenten dazu, dass eine geringe Komponentenvielfalt notwendig ist. Darüber hinaus ist, bis auf die Hülsenmuttern, eine nahezu werkzeuglose Montage möglich, da die Rundstäbe mit Handkraft montiert werden können. Desweiteren ermöglicht die erfindungsgemäße Verbindung der Rundstäbe mit den Regalböden eine einheitliche, optische Linie, welche nicht durch sichtbare Verbindungselemente gestört wird. Der, einfache und kostengünstig zu fertigende, Wandhalter ermöglicht eine Erweiterung des Regals um einen Schrankaufsatz, ohne dass das Verbindungselement sichtbar wird und ohne die Optik des Gesamtsystems zu zerstören. Darüber hinaus ermöglicht die beschriebene, optimale Auslegung der Wandstärken die Nutzung nur einer Scharniervariante für alle Türelement-Positionen und damit weiterhin einer Verringerung der Einzelteilvielfalt.
-
Bezugszeichenliste
-
- : Montagekonzept Regalboden; detailliert
- : Montagekonzept oberer Regalboden
- : Beispielregal, basierend auf fest definierten Tiefen-, Breiten- und Höheneinheiten
- : Beispielregal, erweitert mit Eckanwendung
- : Schrank- und Rückwand mit Innengehrung, ohne Hilfsmittel, Kontaktfläche sehr gering
- : Gegenüberstellung der möglichen Ausführungen der Außengehrung der Wandelemente (links: gleichschenklige Außengehrung; rechts: Kontaktfläche verlängert bis zur rechtwinkligen Außengehrung)
- : Wandhalter (schematische Darstellung; linksseitige Ausführung)
- : Der Wandhalter als Verbindungselement zwischen der Seitenwand und dem Holmen (beide mit einer Nut versehen und einseitig eingekürzt)
- : rechtsseitige Ausführung des Wandhalters und Viertelkreis-Füllstück
- : Wandhalter in der Komplettvariante: Wandhalter-Ausführungen links und rechts sowie zwei Viertelkreis-Füllstücke in einem Komplett-Bauteil
- : Maßskizze Wandhalter (Komplettvariante, Wandhalter-Ausführung rechts ungebogen dargestellt, Ausführung links und zwei Viertelkreis-Füllstücke gebogen dargestellt, alle vier Elemente mit Brechstegen verbunden)
- : Holmen für Schrankaufsatz (mit einer Nut versehen und außen eingekürzt)
- : Schrankaufsatz-Wandelement (mit einer Nut versehen und einseitig eingekürzt)
- : Schrankelement mit außen anliegenden Türen (links: Türen geschlossen, rechts: Türen geöffnet)
- : Schrankelement mit innen anliegenden Türen (links: Türen geschlossen, rechts: Türen geöffnet)
- : Zeichnung mit Details und Maßen zur Scharnierauswahl (schematisch)
- : Montagekonzept Regal- und Schranksystem; detailliert
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
-
Zitierte Patentliteratur
-
- DE 9202247 [0002]
- DE 9001361 [0002]
- DE 4301721 [0002]
- DE 3333636 [0002]
- DE 2553936 [0002]