[go: up one dir, main page]

DE102009060102A1 - Derivatisierungsreagenzien zur tandem-massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen - Google Patents

Derivatisierungsreagenzien zur tandem-massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen Download PDF

Info

Publication number
DE102009060102A1
DE102009060102A1 DE200910060102 DE102009060102A DE102009060102A1 DE 102009060102 A1 DE102009060102 A1 DE 102009060102A1 DE 200910060102 DE200910060102 DE 200910060102 DE 102009060102 A DE102009060102 A DE 102009060102A DE 102009060102 A1 DE102009060102 A1 DE 102009060102A1
Authority
DE
Germany
Prior art keywords
proteins
mass spectrometric
urea
thiourea
thiourea compound
Prior art date
Legal status (The legal status is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the status listed.)
Withdrawn
Application number
DE200910060102
Other languages
English (en)
Inventor
Mathias Dr. 50126 Schäfer
Hans-Günther Prof. Dr. 50321 Schmalz
Andrea Prof. Dr. 04315 Sinz
Current Assignee (The listed assignees may be inaccurate. Google has not performed a legal analysis and makes no representation or warranty as to the accuracy of the list.)
Universitaet zu Koeln
Martin Luther Universitaet Halle Wittenberg
Original Assignee
Universitaet zu Koeln
Martin Luther Universitaet Halle Wittenberg
Priority date (The priority date is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the date listed.)
Filing date
Publication date
Application filed by Universitaet zu Koeln, Martin Luther Universitaet Halle Wittenberg filed Critical Universitaet zu Koeln
Priority to DE200910060102 priority Critical patent/DE102009060102A1/de
Priority to PCT/EP2010/069371 priority patent/WO2011085883A1/de
Publication of DE102009060102A1 publication Critical patent/DE102009060102A1/de
Withdrawn legal-status Critical Current

Links

Images

Classifications

    • GPHYSICS
    • G01MEASURING; TESTING
    • G01NINVESTIGATING OR ANALYSING MATERIALS BY DETERMINING THEIR CHEMICAL OR PHYSICAL PROPERTIES
    • G01N33/00Investigating or analysing materials by specific methods not covered by groups G01N1/00 - G01N31/00
    • G01N33/48Biological material, e.g. blood, urine; Haemocytometers
    • G01N33/50Chemical analysis of biological material, e.g. blood, urine; Testing involving biospecific ligand binding methods; Immunological testing
    • G01N33/68Chemical analysis of biological material, e.g. blood, urine; Testing involving biospecific ligand binding methods; Immunological testing involving proteins, peptides or amino acids
    • G01N33/6803General methods of protein analysis not limited to specific proteins or families of proteins
    • G01N33/6848Methods of protein analysis involving mass spectrometry

Landscapes

  • Life Sciences & Earth Sciences (AREA)
  • Health & Medical Sciences (AREA)
  • Engineering & Computer Science (AREA)
  • Molecular Biology (AREA)
  • Physics & Mathematics (AREA)
  • Bioinformatics & Cheminformatics (AREA)
  • Bioinformatics & Computational Biology (AREA)
  • Chemical & Material Sciences (AREA)
  • Urology & Nephrology (AREA)
  • Immunology (AREA)
  • Biomedical Technology (AREA)
  • Hematology (AREA)
  • Cell Biology (AREA)
  • Medicinal Chemistry (AREA)
  • Proteomics, Peptides & Aminoacids (AREA)
  • Microbiology (AREA)
  • Biophysics (AREA)
  • Spectroscopy & Molecular Physics (AREA)
  • Food Science & Technology (AREA)
  • Biotechnology (AREA)
  • Analytical Chemistry (AREA)
  • Biochemistry (AREA)
  • General Health & Medical Sciences (AREA)
  • General Physics & Mathematics (AREA)
  • Pathology (AREA)
  • Other Investigation Or Analysis Of Materials By Electrical Means (AREA)

Abstract

Die vorliegende Erfindung betrifft eine Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindung, welche an ihren Stickstofffunktionalitäten eine Alkylgruppe und eine Alkansäure-N-hydroxysuccinimidester-Gruppe aufweisen. Die erfindungsgemäßen Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindung eignen sich in besonderer Weise zur Derivatisierung von Proteinen, welche in einem tandemmassenspektrometrischen Verfahren quantifiziert werden sollen.

Description

  • Die vorliegende Erfindung betrifft ein Reagenz zur Derivatisierung von Proteinen. Insbesondere betrifft die Erfindung ein Harnstoff- oder Thioharnstoff-Reagenz zur Derivatisierung von Proteinen, welche mittels massenspektrometrischen Methoden, insbesondere der Tandem-Massenspektrometrie, quantifiziert werden sollen.
  • Proteine gehören zu den Grundbausteinen aller Zellen. Neben ihrer strukturbildenden Eigenschaft in der Zelle sind sie auch in vielfältiger Weise an biochemischen Prozessen in der Zelle beteiligt.
  • Proteine selbst bestehen aus Aminosäuren, die durch Peptidbindungen zu Ketten verbunden sind. Im menschlichen Körper sowie den Körpern der meisten Säugetiere werden 21 unterschiedliche Aminosäuren zum Aufbau von Proteinen genutzt. Die aus den Aminosäureketten aufgebauten Proteine können in einer Länge von ca. 100 Aminosäuren bis zu einer Länge von über 30.000 Aminosäuren variieren.
  • Die quantitative Analyse von Aminosäuren ist für eine Vielzahl biochemischer Prozesse ein sehr geeignetes Mittel, diese Prozesse zu Erklären, zu Beurteilen und etwaige Rückschlüsse auf beeinflussende Faktoren zu finden.
  • Eine Möglichkeit der Quantifizierung von Aminosäuren und/oder Proteinen ist deren Analyse mittels Massenspektrometrie. Bei der Quantifizierung mittels Massenspektrometrie wird die Häufigkeit, mit der aus der zu analysierenden Substanz, hier dem Protein, stammende Ionen oder deren Massenfragmente auftreten, bestimmt. Hierzu wird die zu analysierende Substanz – auch als Analyt bezeichnet – mittels einer geeigneten Ionisierungsmethode ionisiert, einem Analysator zugeführt und durch einen Detektor detektiert. Zur Ionisierung können unterschiedliche Verfahren angewendet werden, wobei in der heutigen Praxis zwischen z. B. EI (electron impact), ESI (electron spray ionisation), CI (chemical ionisation), MALDI (matrix assisted laser desorption ionisation), um nur einige zu nennen, unterschieden wird.
  • In der Ionenquelle wird der Analyt ionisiert. Bei einem hinreichenden Energieeintrag in den Analyten bei der Ionisierung kommt es zur Fragmentierung des Analyten, wobei für den jeweiligen Energieeintrag typische Fragmente aus dem Analyten abgespalten werden. Das daraus entstehende Fragmentierungsmuster ist charakteristisch für den zu untersuchenden Analyten.
  • Im Analysator werden die durch die Ionisation erzeugten Ionen nach ihrem Masse/Ladungs-Verhältnis (m/z) getrennt. Auch hierbei gibt es verschiedene Techniken, wie beispielsweise die TOF (Time-of-flight)-Technik, bei der Flugzeiten von Ionen gemessen werden, die nach einer definierten Beschleunigung eine Flugstrecke konstanter Länge zurückgelegt haben.
  • Im Detektor werden die nach ihrem Masse/Ladungsverhältnis getrennten Ionen schließlich detektiert. Geeignete Detektoren sind z. B. Photomultiplier oder Sekundärelektronenvervielfacher SEV.
  • Eine für die Quantifizierung von Proteinen gut geeignete Strategie ist die sogenannte Tandem-Massenspektrometrie (MS/MS). Diese zeichnet sich durch ihre große Empfindlichkeit, Selektivität sowie ihre Automatisierbarkeit aus. Bei der Tandem-Massenspektrometrie werden mehrere Analysatoren hintereinander gekoppelt oder es wird eine sogenannte Ionenfalle verwendet. Zwischen den Analysatoren wird eine Kollisionszelle oder Stoßkammer angeordnet, in welcher die erzeugten Ionen unter Verwendung eines Inertgases wie z. B. Argon, Helium oder Xenon einem stoßinduziertem Zerfall (CID) unterworfen werden. Der Analyt wird in der Ionenquelle ionisiert und ein für die CID-Experimente vorgesehenes Vorläuferion wird anschließend im ersten Massenspektrometer selektiert. So ausgewählte Ionen werden dann in die Kollisionszelle geleitet, wo sie mit dem inerten Gas zusammenstoßen und zerfallen. Die Fragmentionen werden in dem zweiten, nachgeschalteten Massenanalysator aufgetrennt und anschließend detektiert. Hierdurch wird ein vollständiges Spektrum der von dem im ersten Massenfilter ausgewählten Ionen erzeugt (sogenannte Produktionenspektren).
  • Mittels der Tandem-Massenspektrometrie können mit verschiedenen kombinierten Scanmethoden Informationen über die Struktur des Analyten erhalten werden. Beim schon erwähnten Produktionen-Experiment (product-ion scan) werden alle Produktionen eines Vorläuferions registriert.
  • Bei dem sogenannten Vorläuferionen-Scan (precursor-ion scan) wird in dem ersten Massenanalysator über einen weiten Bereich von Masse/Ladungsverhältnissen gescannt, während der zweite Massenanalysator auf ein konstantes Massen/Ladungsverhältnis eines charakteristischen Produktions eingestellt ist. Dieser Scan liefert dann die Vorläuferinnen, die ein gemeinsames Produktion liefern.
  • Bei dem sogenannten Neutralteilchenverlust-Scan (neutral loss scan, CNL) werden beide Massenanalysatoren gleichzeitig mit einem bestimmten Massenversatz gescannt, so dass nur Vorläuferionen, die exakt den eingestellten Verlust eines neutralen Fragmentes liefern, registriert werden.
  • Bei der Quantifizierung von Proteinen mittels der zuvor beschriebenen Methoden werden die Proteine mit einem Derivatisierungsreagenz umgesetzt und anschließend enzymatisch gespalten. Die dabei erhaltenen Peptide können dann massenspektrometrisch, z. B. unter Verwendung des CNL-Verfahrens, quantifiziert werden.
  • Ein Nachteil bisher verwendeten Derivatisierungsreagenzien ist es, dass die massenspektrometrische Detektion anhand von Produktionen in einem Bereich von m/z 114 bis 117 erfolgt. Dieser Massenbereich ist aber bei den genannten Verfahren aufgrund des relativ niedrigen Masse/Ladungsverhältnisses problematisch, da insbesondere Quadrupolionenfallen einen low-mass-cut-off zeigen, also nur schwerlich Vorläuferinnen von m/z > 1000 und Produktionen im Bereich von m/z 114–117 abdecken können. Zudem führt die Detektion von Produktionen mit solch niedrigen m/z-Werten zu langen Messzyklen, was einem schnellen Probendurchsatz behindert.
  • Unter Berücksichtigung des zuvor ausgeführten ist es die AUFGABE der vorliegenden Erfindung ein verbessertes Derivatisierungsreagenz für die massenspektrometrische Quantifizierung von Proteinen, sowie ein entsprechendes Quantifizierungsverfahren anzugeben.
  • GELÖST wird diese Aufgabe durch eine Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindung, aufweisend die allgemeine Strukturformel
    Figure 00040001
    , wobei R8 = S oder O, n = 1 bis 3 und R1 bis R7 unabhängig voneinander H, D, oder ein Halogen sind.
  • Hinsichtlich des Verfahrens wird diese Aufgabe durch ein Verfahren zur massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen, insbesondere mittels tandem-massenspektrometrischer Methoden, gelöst, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass das zu quantifizierende Protein vor seiner Aufgabe auf ein geeignetes Massenspektrometer an seinem N-Terminus und/oder einem Lysin-Rest mit einer Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindungen derivatisiert wird, welche an ihren Stickstofffunktionalitäten eine Alkylgruppe und eine Alkansäure-N-hydroxysuccinimidester-Gruppe aufweist.
  • Die erfindungsgemäßen Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindung führen bei der tandem-massenspektrometrischen Quantifizierung an mit ihr derivatisierten Proteinen im Fall der erfindungsgemäßen Thioharnstoff-Verbindungen abhängig vom Deuterierungsgrad zu einem CNL von ≥ 186 u. Sofern zusätzlich halogenierte Derivate des Quantifizierungsreagenzes verwendet werden, ergibt sich ein entsprechend anderer Massenversatz. Im Fall der erfindungsgemäßen Harnstoff-Verbindungen ergibt sich in Abhängigkeit des Deuterierungsgrades ein CNL von 59 u bis 66 u, wobei auch hier die Möglichkeit besteht, die Masse des abzuspaltenden Fragments durch einmalige oder mehrfache Halogenierung zusätzlich zu variieren.
  • Die Funktionsweise der erfindungsgemäßen Derivatisierungsreagenzien beruht auf den Eigenschaften des zentralen Thioharnstoff- bzw. Harnstofffragments, das bei Kollisionsanregung (CID) durch einen nukleophilen Angriff die benachbarte Amidbindung vorhersehbar, wohldefiniert und reproduzierbar spaltet bzw. selbst gespalten wird. Durch diese definierten Fragmentierungsreaktionen ergeben sich charakteristische Verluste von neutralen Molekülfragmenten, die sensitiv und selektiv mittels CNL in tandem-massenspektrometrischen Experimenten detektiert werden können. Durch Variation des Deuterierungsgrades und/oder Halogenierung in dem abzuspaltenden Teil des Reagenz kann die Regulation eines Proteins in verschiedenen Zellstadien, zu unterschiedlichen Zeiten, unter bestimmten Wachstumsbedingungen etc. selektiv und intern standardisiert untersucht werden. Die Protein-Quantifizierung mittels MS/MS mit gezielter Derivatisierung der Lysinreste der Proteine, bzw. deren N-Terminus ist von herausragender Bedeutung für die Proteomanalyse.
  • Die erfindungsgemäßen Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindungen zeichnen sich die durch eine außerordentliche strukturelle Simplizität aus, wodurch sie einfach und kostengünstig synthetisiert werden können. Die Variation der Masse durch Veränderung der Länge der zentralen Alkylkette und die Einführung von zusätzlichen Funktionalitäten durch Halogenierung sind weitere Möglichkeiten, die erfindungsgemäßen Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindungen an spezifische massenspektrometrische Rahmenbedingungen anzupassen (Variation der detektierten CNL Fragmente). Ebenso ist die Deuterierung der Verbindung unproblematisch, genauso wie Synthese von 13C gelabelten Derivaten. Hierdurch können die erfindungsgemäßen Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindungen über noch weitere Bereiche variiert werden.
  • Die erfindungsgemäßen Thioharnstoff-Reagenzien zeichnen sich durch eine substantiell erleichterte Fragmentierbarkeit aus, da der Schwefel des Thioharnstoffs deutlich nukleophiler als der Carbonylsauerstoff eines analogen Harnstoffreagenzes ist. Insofern ist das Thioharnstoff-Reagenz für die Fragmentierungen bei niedriger Anregungsenergie (0–100 eV) z. B. in Triple-Quadrupol- und linearen Ionenfallen oder Orbitrap-Instrumenten etc. hervorragend geeignet, wohingegen das Harnstoffanalogon vornehmlich für die Kollisionsaktivierung bei erhöhter Energie (keV) in TOF/TOF Systemen bestimmt ist.
  • 1 zeigt den Reaktions- und Fragmentierungsmechanismus einer erfindungsgemäßen Thioharnstoff-Verbindung;
  • 2 zeigt den Reaktions- und Fragmentierungsmechanismus einer erfindungsgemäßen Harnstoff-Verbindung;
  • 3 zeigt ein Syntheseschema zur Synthese einer erfindungsgemäßen Thioharnstoff-Verbindung;
  • 4 zeigt ein Syntheseschema zur Synthese einer erfindungsgemäßen Harnstoff Verbindung.
  • In 1 wird die Struktur einer erfindungsgemäßen Thioharnstoff-Verbindung mit einer Alkylkettenlänge von n = 3 gezeigt. Im Zuge der Derivatisierung des zu quantifizierenden Proteins wird ein N-Hydroxysuccinimid-Rest einer erfindungsgemäßen Thioharnstoff-Verbindung gegen das zu quantifizierende Protein substituiert, welches mit einer Amin-Funktionalität (N-Terminus, Seitenkette von Lysin, Ornithin etc.) an die erfindungsgemäße Verbindung koppelt. Das so erhaltene Proteinderivat wird dann in einem massenspektrometrischen Experiment mittels ESI ionisiert (protoniert) und in einem Tandem-Massenspektrometer mittels CID weiter fragmentiert. Dabei kommt es zu einer Ringschlussreaktion zwischen dem Carbonyl-Kohlenstoff und dem Schwefelatom des aus der erfindungsgemäßen Thioharnstoff-Verbindung hervorgegangenen Molekülrests unter Abspaltung des zu quantifizierenden Proteinrests und zu einer anschließenden Protonenübertragung auf diesen. Das so erhaltene [MH]+-Fragment des zu quantifizierenden Peptids kann massenspektrometrisch detektiert werden. Der abgespaltene Heterozyklus führt in Abhängigkeit des Deuterierungsgrades zu einem CNL gemäß der nachfolgenden Tabelle. Tab. 1
    Deuterierungsgrad CNL [u]
    D0 186
    D1 187
    D2 188
    D3 189
    D4 190
    D5 191
    D6 192
    D7 193
  • In 2 wird die Struktur einer erfindungsgemäßen Harnstoff-Verbindung mit einer Alkylkettenlänge von n = 3 gezeigt. Im Zuge der Derivatisierung des zu quantifizierenden Proteins wird ein N-Hydroxysuccinimid-Rest einer erfindungsgemäßen Harnstoff-Verbindung gegen das zu quantifizierende Protein substituiert, welches mit einer Amin-Funktionalität (N-Terminus, Seitenkette von Lysin, Ornithin etc.) an die erfindungsgemäße Verbindung koppelt. Das so erhaltene Proteinderivat wird dann in einem massenspektrometrischen Experiment mittels ESI ionisiert und in einem Tandem-Massenspektrometer mittels CID fragmentiert. Dabei kommt es zu einer Ringschlussreaktion zwischen dem Carboxylsauerstoff der ursprünglichen Carboxylgruppe und dem Carbonylkohlenstoff der Harnstofffunktionalität des aus der erfindungsgemäßen Harnstoff-Verbindung hervorgegangenen Molekülrests unter Abspaltung eines Propylamin-Restes, wobei das zu quantifizierende Protein als funktionaler Rest an den gebildeten Heterozyklus gebunden ist. Nach einer anschließenden Protonenübertragung wird ein [MH+111]+-Fragment des zu quantifizierenden Proteins erhalten, welches massenspektrometrisch detektiert werden kann. Das abgespaltene Propylamin führt in Abhängigkeit des Deuterierungsgrades zu einem CNL gemäß der nachfolgenden Tabelle. Tab. 2
    Deuterierungsgrad CNL [u]
    D0 59
    D1 60
    D2 61
    D3 62
    D4 63
    D5 64
    D6 65
    D7 66
  • 3 zeigt ein Syntheseschema zur Synthese einer erfindungsgemäßen Thioharnstoff-Verbindung, ausgehende von kommerziell erhältlichen Aminosäuren. In einer ersten Synthesestufe wird eine entsprechende Aminosäure, z. B. Glycin, mit Thionylchlorid in Anwesenheit von Methanol verestert. Die erhaltene Verbindung wird anschließend in das entsprechende Thioisocyanat überführt. Das erhaltene Thioisocyanat wird mit einem deuterierten oder halogenierten Propylamin zum entsprechenden Methylester umgesetzt. Nach der Hydrolyse des Methylesters zur Säure erfolgt die Aktivierung zu einem erfindungsgemäßen NHS-Aktivester, z. B. mittels DCC-Kupplung (N,N'-Dicyclohexylmethandiimin-Kupplung) oder TFA-NHS (Trifluoressigsäure-N-Hydroxysuccinimid).
  • 4 zeigt ein Syntheseschema zur Synthese einer erfindungsgemäßen Harnstoff-Verbindung, ausgehend von kommerziell erhältlichen Carbonsäureestern. In einer ersten Synthesestufe erfolgt abhängig von der Ausgangssubstanz entweder erst die Umsetzung zum Säurechlorid unter Verwendung von z. B. Phosgen, oder die Umsetzung der Ausgangsverbindung mit Hydrazin zum entsprechenden Hydrazid. Anschließend erfolgt eine Umsetzung mit Natriumazid bzw. Natriumnitrid zum Säureazid, welches dann in das Thioisocyanat überführt werden kann. Das Thioisocyanat kann dann mit einem deuterierten und/oder halogenierten Propylamin in den entsprechenden Methylester überführt werden, welcher dann z. B. mittels Lithiumhydroxid zur Säure hydrolysiert wird. Diese wiederum wird z. B. mittels DCC-Kupplung oder Umsetzung mit TFA-NHS zum NHS-Aktivester aktiviert.
  • Beispielhafte Derivatisierung eines Proteins unter Verwendung der erfindungsgemäßen Reagenzien und Quantifizierung eines Proteins
  • Für die Reaktion des Proteins mit dem Quantifizierungsreagenz wird eine wässrige Lösung des Proteins (ca. 10 mg/ml) mit HEPES Puffer (pH 7.4) so verdünnt, dass 1 ml einer 10 μ molaren Protein-Lösung erhalten wird. Eine DMSO-Lösung des Quantifizierungsreagenz mit bekannter Konzentration wird in ca. 100 fachen molaren Überschuss zugegeben und die Reaktion bei Raumtemperatur nach ca. 60 Minuten durch Zugabe von Ammoniumbicarbonat-Lösung abgebrochen. Eine definierte Menge dieser Lösung wird verdaut (z. B. mit Trypsin) und die erhaltene Peptid-Mischung wird bis zur massenspektrometrischen Analyse bei –20°C gelagert. Eine Quantifizierung kann dann mittels Tandem-MS auf Basis des definierten Zerfalls derivatisierter Peptide bzw. Proteine gemäß dem verwendeten Derivatisierungsreagenzes mit CID erfolgen. Die Detektion und quantitative Analyse kann im Multiple-Reaction-Monitoring (MRM-Verfahren) anhand der charakteristischen Neutralteilchenverluste CNL in Relation zum analogen CNL eines internen Standards i. e. ein Derivatisierungsreagenz mit einem anderen Deuterierungsgrad und insofern auch anderem CNL erfolgen.

Claims (6)

  1. Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindung, aufweisend die allgemeine Strukturformel
    Figure 00120001
    , wobei R8 = S oder O, n = 1 bis 3 und R1 bis R7 unabhängig voneinander H, D, oder ein Halogen sind.
  2. Thioharnstoff-Verbindung gemäß Anspruch 1, wobei R1 bis R7 unabhängig voneinander H, D, oder F, Cl, Br, I sind.
  3. Verfahren zur massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen, insbesondere mittels tandem-massenspektrometrischer Methoden, dadurch gekennzeichnet, dass das zu quantifizierende Protein vor seiner Aufgabe auf ein geeignetes Massenspektrometer an seinem N-Terminus und/oder der Seitenkettenaminfunktion eines Lysin-Rests mit einer Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindung derivatisiert wird, welche an seinen Stickstofffunktionalitäten eine Alkylgruppe und eine Alkansäure-N-hydroxysuccinimidester-Gruppe aufweist.
  4. Verfahren gemäß Anspruch 3, wobei das Protein an seinem N-Terminus und/oder einem Lysin-Rest mit einer Harnstoff- oder Thioharnstoff-Verbindung gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2 derivatisiert wird.
  5. Verfahren gemäß Anspruch 3, wobei zur massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen, welche aus verschiedenen Zellstadien, zu unterschiedlichen Zeiten und/oder unter unterschiedlichen Wachstumsbedingungen gewonnen wurden, diese mit einer Thioharnstoff-Verbindung gemäß einem der beiden Ansprüche 1 oder 2 derivatisiert werden, wobei R1 bis R7 unabhängig voneinander H oder D sind und der Deuterierungsgrad der Thioharnstoff-Verbindung in Abhängigkeit der verschiedenen Zellstadien, unterschiedlichen Zeiten und/oder unterschiedlichen Wachstumsbedingungen variiert wird.
  6. Verwendung einer Thioharnstoff-Verbindung gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2 zur tamdem-massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen.
DE200910060102 2009-12-21 2009-12-21 Derivatisierungsreagenzien zur tandem-massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen Withdrawn DE102009060102A1 (de)

Priority Applications (2)

Application Number Priority Date Filing Date Title
DE200910060102 DE102009060102A1 (de) 2009-12-21 2009-12-21 Derivatisierungsreagenzien zur tandem-massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen
PCT/EP2010/069371 WO2011085883A1 (de) 2009-12-21 2010-12-10 Derivatisierungsreagenzien zur tandem-massenspektrometrischen quantifizierung von proteinen

Applications Claiming Priority (1)

Application Number Priority Date Filing Date Title
DE200910060102 DE102009060102A1 (de) 2009-12-21 2009-12-21 Derivatisierungsreagenzien zur tandem-massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen

Publications (1)

Publication Number Publication Date
DE102009060102A1 true DE102009060102A1 (de) 2011-06-22

Family

ID=43606445

Family Applications (1)

Application Number Title Priority Date Filing Date
DE200910060102 Withdrawn DE102009060102A1 (de) 2009-12-21 2009-12-21 Derivatisierungsreagenzien zur tandem-massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen

Country Status (2)

Country Link
DE (1) DE102009060102A1 (de)
WO (1) WO2011085883A1 (de)

Citations (5)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
WO2005000878A2 (en) * 2003-06-26 2005-01-06 Migenix Inc. Compositions of lipopeptide antibiotic derivatives and methods of use thereof
US20060286673A1 (en) * 2002-02-14 2006-12-21 Ajinomoto Co. Inc Method for analysis of compounds with amino group and analytical reagent therefor
US20070023628A1 (en) * 2003-03-24 2007-02-01 Christian Hamon Labeling agents for mass spectrometry comprising tertiary amines
WO2007035080A1 (en) * 2005-09-21 2007-03-29 Universiteit Van Amsterdam Novel cross-linkers for obtaining structure information on molecule complexes
WO2007117665A2 (en) * 2006-04-06 2007-10-18 Purdue Research Foundation Derivatization-enhanced analysis of amino acids and peptides

Patent Citations (5)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
US20060286673A1 (en) * 2002-02-14 2006-12-21 Ajinomoto Co. Inc Method for analysis of compounds with amino group and analytical reagent therefor
US20070023628A1 (en) * 2003-03-24 2007-02-01 Christian Hamon Labeling agents for mass spectrometry comprising tertiary amines
WO2005000878A2 (en) * 2003-06-26 2005-01-06 Migenix Inc. Compositions of lipopeptide antibiotic derivatives and methods of use thereof
WO2007035080A1 (en) * 2005-09-21 2007-03-29 Universiteit Van Amsterdam Novel cross-linkers for obtaining structure information on molecule complexes
WO2007117665A2 (en) * 2006-04-06 2007-10-18 Purdue Research Foundation Derivatization-enhanced analysis of amino acids and peptides

Also Published As

Publication number Publication date
WO2011085883A1 (de) 2011-07-21

Similar Documents

Publication Publication Date Title
DE102011017084B4 (de) Massenspektrometriedaten-Erfassungsmodus zur Erzielung einer zuverlässigeren Proteinquantifizierung
DE69817211T2 (de) Charakterisierung von polypeptiden
DE60317314T2 (de) Verfahren und gerät für die identifikation und zuordnung von biomolekülen
DE112011106145B4 (de) Massenspektrometrische Quantifizierung von Analyten unter Verwendung eines Universalreporters
DE60223696T2 (de) Massenmarker
DE102012102874B4 (de) Gasphasenreinigung zur genauen Quantifizierung auf der Basis isobarer Tags
DE102009013653B4 (de) Protein-Sequenzierung mit MALDI-Massenspektrometrie
DE112005002484B4 (de) Simultane Sequenzanalyse von Amino- und Carboxy-Endgruppen
EP2788756B1 (de) Verfahren zum nachweis von reversem trijodthyronin durch massenspektrometrie
DE60109490T2 (de) Umgekehrtes labelierungsverfahren zur schnellen identifikation von marker/ziel-proteinen
DE10158860A1 (de) Massenspektrometrische Proteingemischanalyse
DE10144250A1 (de) Verbesserte massenspektrometrische Analyse unter Verwendung von Nanopartikeln
WO2004046731A3 (en) Method for analysing amino acids, peptides and proteins using mass spectroscopy of fixed charge-modified derivatives
DE69214571T2 (de) Verfahren zur Analyse von einem Protein oder einem Peptid
DE60013093T2 (de) Methoden und kits zum sequenzieren von polypeptiden
Fukuyama MALDI matrix research for biopolymers
DE102005061425B4 (de) Rückgesteuerte Fragmentierung in Ionenfallen-Massenspektrometern
DE102009060102A1 (de) Derivatisierungsreagenzien zur tandem-massenspektrometrischen Quantifizierung von Proteinen
EP2542897B1 (de) Verwendung von halogenierten Cyanozimtsäurederivaten als Matrizes in MALDI-Massenspektrometrie
DE10301522B4 (de) Bestimmung terminaler Sequenzen durch Enkelionenspektren in Tandem-Massenspektrometern
WO2003098182A2 (de) Verfahren zur quantifizierung von molekülen
DE10151158B4 (de) Verbindungen zur Markierung von Zellmembranproteinen
EP0881494A1 (de) Verfahren zur simultanen Bestimmung von Proteinen bzw. entsprechenden Derivaten
DE102007034749B4 (de) Peptidderivatisierungsverfahren zum Erhöhen von Fragmentierungsinformationen aus MS/MS-Spektren
DE112015001580T5 (de) Schnelles Verfahren zum Analysieren von Blutproben zur Identifikation von Hämoglobin-Varianten mittels Elektronenübertragungsdissoziation

Legal Events

Date Code Title Description
R119 Application deemed withdrawn, or ip right lapsed, due to non-payment of renewal fee

Effective date: 20130702