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Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Erzeugen eines Längsschnittes an einer Materialbahn einer Rotationsdruckmaschine, insbesondere zum Erzeugen eines unterbrochenen Längsschnittes, als solche auch Skip-Slitter genannt.
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Beim Längsschneiden erfolgt der Schnitt parallel zur Bahnkante, die Materialbahn wird dabei in zwei oder mehrere Materialbahnen geteilt. Das Prinzip des Längsschneidens ist einfach, da die Laufrichtung des Papiers und die Schneidrichtung übereinstimmen. Es werden rotierende angetriebene Rundmesser genutzt, die entweder nach dem Scherschnitt-, nach dem Messerschnittprinzip oder nach dem Berstschnittprinzip arbeiten.
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Der Messerschnitt wird auch als Druck- oder Quetschschnitt bezeichnet. Zur Einstellung der Schnittbreite wird das Kreismesser axial auf der Messerweile verschoben. Dieses Schneidprinzip wird insbesondere beim Schneiden von Schmalbahnen in Längsschneidmaschinen verwendet.
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Beim Scherschnittprinzip wird das Obermesser an das Untermesser gedrückt, wodurch die Teilung der Materialbahn durch Scherung erfolgt. Zur Einstellung der Schnittbreite werden die Kreismesser (Ober- und Untermesser gemeinsam) axial auf den Messerwellen verschoben.
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Beim Berstschnitt existiert kein Gegendruckwerkzeug zum Messer. Die Scherspannung wird durch die Bahnspannung aufgebracht.
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Skip-Slitter sind spezielle Einrichtungen zum Längsschneiden am Falztrichter. Man erzeugt damit im Gegensatz zum Kreismesser einen unterbrochenen Längsschnitt nur über die halbe Umfangslänge bzw. eine halbe Umdrehung des Skip-Slitters. Dies ist beispielsweise dann erforderlich, wenn eine Materialbahn in Umfangsrichtung des Druckzylinders hintereinander zwei unterschiedliche Druckformate, beispielsweise zwei Tabloid-Seiten und eine Broadsheet-Seite aufweist. Um die beiden Tabloid-Seiten zu erhalten, muss die Materialbahn über die halbe Plattenzylinderumfangslänge geschnitten werden.
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Aus der
EP 0 629 499 A1 ist eine Skip-Slitter-Einrichtung bekannt, die oberhalb einer trichternahen Papierleitwalze angeordnet ist. Der Skip-Slitter arbeitet im Berstschnitt oder Messerschnitt mit einem Rundmesser gegen die Papierleitwalze und ist mittels Tragarmen um ein gestellfestes Lager schwenkbar und somit im Bedarfsfall an die Papierbahnen gegen die trichternahe Papierleitwalze anstellbar.
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Die
DE 103 49 890 B4 beschreibt eine Längsschneidvorrichtung, bei der das Messer geringfügig in eine umlaufende Nut auf einem sich über die gesamte Bahnbreite erstreckenden Stützelement eingreift, deren Berandung dem Messer als Gegenmesser dient. Nachteilig bei dieser Lösung ist, dass der Längsschnitt nur an fest vorgegeben Stellen erfolgen kann, an denen eine Nut im Stützelement vorgesehen sein muss. Die Gefahr der Faltenbildung in der Materialbahn wird durch das Andrücken mit dem Stützelement erhöht. Außerdem muss die Einstellung des Messers zur Berandung der Nut äußerst genau erfolgen, damit ein gutes Schneidergebnis erzielt wird. Diese Vorrichtung ist auch auf einen Skip-Slitter anwendbar.
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Aus der
DE 197 09 485 C2 ist ein Verfahren und eine Schneideinrichtung zum abschnittsweisen Schneiden einer Bedruckstoffbahn in Längsrichtung bekannt. Das Rundschneidmesser weist eine über einen Teil seiner äußeren Kontur herausragende Messerklinge auf, die in der von der Bedruckstoffbahn gebildeten Ebene mit einer Relativgeschwindigkeit bezüglich der Bedruckstoffbahn abrollt. Das Rundschneidmesser dreht sich mit derselben Winkelgeschwindigkeit, wie der Formzylinder der Druckmaschine und rollt an einer Nutringwalze ab. Die Nutringwalze ist in einer Ausführungsform mittig über dem Falztrichter, der Skip-Slitter unter dem Falztrichter angeordnet. Eine Verschiebung des Falztrichters zur Anpassung an verschiedene Formate mit Verwendung des Skip-Slitters ist nur möglich, wenn die Nutringwalze mehrere Nuten aufweist, die nur an fest vorgegeben Positionen vorgesehen sein können. Dieser Skip-Slitter führt einen Berstschnitt durch. Es besteht eine hohe Gefahr der Faltenbildung, besonders bei geringer Bahnspannung, durch das Andrücken mit der Nutringwalze Das Berstschnitt-Prinzip liefert generell bei geringer Lagenzahl und oder bei geringer Papierspannung ein nicht zufrieden stellendes Schneidergebnis.
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Aus der
DE 11 90 957 B und der
DE 86 07 686 U1 ist es jeweils bekannt, zum Schneiden einer Materialbahn ein rotierendes Rundmesser mit einem ebenfalls rotierenden Gegenmesser zusammenwirken zu lassen.
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Die
DE 24 35 971 A1 offenbart eine in einem Falztrichter angeordnete Vorrichtung zum Längsperforieren von Papierbahnen in Druckmaschinen.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung zum Erzeugen eines Längsschnittes an einer Materialbahn in einer Rotationsdruckmaschine, insbesondere zum Erzeugen eines unterbrochenen Längsschnittes zu schaffen, die auch bei geringer Lagenzahl der zu schneidenden Bahn und bei geringer Bahnspannung ein gutes Schnittergebnis erzielt und die die Nachteile des Standes der Technik vermeidet.
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Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
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Eine Vorrichtung zum Erzeugen eines unterbrochenen Längsschnittes an einer Materialbahn, nachfolgend Skip-Slitter genannt, umfasst zunächst in bekannter Weise ein Rundmesser, welches auf einem Teil seines Umfangs eine Messerklinge trägt. Das Rundmesser ist angetrieben, vorzugsweise motorisch und mit derselben Winkelgeschwindigkeit, wie ein Plattenzylinder. Der Skip-Slitter umfasst weiterhin ein Scherschnittmesser, das tangential gegenüberliegend zum Rundmesser angeordnet ist und an welches das Rundmesser ggf. anstellbar ist. Dabei wirkt das Rundmesser zumindest abschnittsweise als Gegenmesser für das Scherschnittmesser.
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Das Rundmesser hat eine Form eines aus zwei Halbkreisen mit unterschiedlichen Radien an deren Mittelpunkt und Schnittkante zusammengesetzten Objektes. Im Bereich des größeren Radius ist eine Schneidklinge vorgesehen, die das Gegenmesser bildet. Ein Massenausgleich des Rundmessers kann durch Ausnehmungen im Rundmesser im Bereich des größeren Radius erzielt werden.
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Das Scherschnittmesser ist vorzugsweise als rotierbares, kreisrundes Messer mit einer umlaufenden Schneidklinge ausgeführt.
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Das Rundmesser hat neben der Funktion als Gegenmesser auch die Aufgabe, die Materialbahn, z. B. Papierbahn aus einer Bahnebene auszulenken und damit gegen das Scherschnittmesser anzudrücken. Es ist aber alternativ möglich, die Auslenkung der Papierbahn über einen Excenter vorzunehmen.
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Die mit der Erfindung erzielbaren Vorteile bestehen insbesondere darin, dass ein besseres Schnittergebnis erzielt wird und weniger Papierstaub beim Schneiden anfällt.
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Dadurch, dass auf ein Anpressen der Materialbahn an eine Nutwalze oder Gegendruckwalze verzichtet werden kann, erfolgt keine Faltenbildung beim Schneiden. Damit sind die Vorteile des Scherschnitt-Verfahrens erstmals bei einem Skip-Slitter umgesetzt.
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Bei der Erfindung ist das Rundmesser direkt unterhalb eines Falztrichters angeordnet, wobei der Falztrichter eine Aussparung aufweist, durch die die Schneidklinge des Rundmessers zwecks Auslenkung der Papierbahn hindurchreicht.
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Das Rundmesser kann auswechselbar sein, wobei für verschiedene Druckformate verschiedene Rundmesser vorgehalten werden.
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Vorteilhaft bei der Anordnung im Trichterblatt ist, dass bei einer Änderung der Bahnbreite und des Druckformates der Skip-Slitter gleichzeitig mit dem Falztrichter seitlich verschoben werden kann und keine weiteren Einstellungen erforderlich sind.
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Wird der Skip-Slitter nicht benötigt, so kann entweder die Rundmessereinheit verschwenkt oder verschoben werden. Eine andere Möglichkeit ist, das Rundmesser in eine Lage zu drehen, in der es nicht durch das Trichterblatt hindurchragt, und es in dieser Stellung zu fixieren. Selbstverständlich sollten zum Schutz des Bedienpersonals Abdeckungen der Schneidmesser vorgesehen sein.
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Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in den Zeichnungen dargestellt und wird im Folgenden näher beschrieben.
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Es zeigen:
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1 einen Falztrichteraufbau mit einem Skip-Slitter in zwei Ansichten a) und b);
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2 eine räumliche Ansicht des Skip-Slitters gemäß 1 ohne die Darstellung des Falztrichters;
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3 eine Seitenansicht a) und eine Draufsicht b) des Skip-Slitters gemäß 2.
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1 zeigt einen Falztrichteraufbau einer Rollenrotationsdruckmaschine. Dargestellt ist in 1a) eine perspektivische Ansicht eines Falztrichters, insbesondere eines Dreifachtrichters mit drei nebeneinander angeordneten Trichterblättern 01. 1b) zeigt eine Seitenansicht des Falztrichteraufbaus gemäß 1a).
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Eine Vorrichtung 02, nachfolgenden Skip-Slitter 02 ist an mindestens einem Falztrichter, hier am mittleren Falztrichter, insbesondere am mittleren der drei Trichterblätter 01 dargestellt, kann aber natürlich auch an jedem anderen der Falztrichter vorgesehen sein.
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Oberhalb der Trichterblätter 01 ist in bekannter Weise eine Trichtereinlaufwalze 03 vorgesehen. Eine Materialbahn 04 durchläuft die Trichtereinlaufwalze 03 und wird anschließende über das bzw. die Trichterblätter 01 gefalzt. Gegebenenfalls erfolgt direkt auf dem Trichterblatt 01 ein unterbrochener Längsschnitt auf der Materialbahn 04 durch den Skip-Slitter 02.
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Unterhalb des mittleren Trichterblattes 01 ist dabei eine Rundmessereinheit 06 für ein Rundmesser (siehe 2 und 3) angeordnet, welches durch eine Aussparung 07 im mittleren Trichterblatt 01 zumindest abschnittsweise hindurchragt. Eine Scherschnitteinheit 08 ist oberhalb des Trichterblattes 01 tangential gegenüberliegend zur Rundmessereinheit 06 angeordnet.
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Rundmessereinheit 06 und Scherschnitteinheit 08 sind an einem gemeinsamen Tragrahmen 09 befestigt, welcher vorzugsweise mit dem Trichterblatt 01 gestellfest montiert ist und gemeinsam mit dem zugehörigen Trichterblatt 01 quer zur Laufrichtung der Materialbahn 04 verschiebbar ist.
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2 zeigt eine räumliche Ansicht des Skip-Slitters 02. In dieser Ansicht ist das Trichterblatt 01 ausgeblendet.
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In 3 sind eine Seitenansicht (3a)) und eine Schnittansicht von oben (3b)) dargestellt.
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Anhand der 2 und 3 werden nachfolgend Einzelheiten des Aufbaus der bevorzugten Ausführungsform des Skip-Slitters 02 erläutert.
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Die Rundmessereinheit 06 umfasst ein Rundmesser 11, das die Form eines aus zwei Halbkreisen mit unterschiedlichen Radien an deren Mittelpunkt und Schnittkante zusammengesetzten Objektes hat. Am größeren der Halbkreise ist auf dessen Umfang eine Schneidklinge 12 vorgesehen, die als Gegenklinge für ein in der Scherschnitteinheit 08 gelagertes kreisförmiges Scherschnittmesser 13 fungiert.
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Ein Elektromotor 14 dient zum Antrieb des Rundmessers 11, vorzugsweise mit der gleichen Winkelgeschwindigkeit eines nicht dargestellten Plattenzylinders. Dazu greift in der beschriebenen Ausführungsform ein Ritzel 16 in ein am Rundmesser 11 vorgesehenes Zahnrad 17 ein.
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Das Rundmesser 11 ist in dieser Ausführungsform einseitig über einen Lagerzapfen 18 gelagert.
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Das Scherschnittmesser 13 ist in einem Messerkopf 19 drehbar gelagert. Der Messerkopf 19 ist in axialer Richtung vorgespannt, so dass das Scherschnittmesser 13 immer mit einer definierten Kraft gegen das Rundmesser 11 in deren Überdeckungsbereich 21 gedrückt wird. Dies sichert eine gleich bleibende Scherkraft zwischen den Rundmesser 11 und den Scherschnittmesser 13. Der Messerkopf 19 gleicht somit vorteilhafterweise Planschläge im Rundmesser aus. Bei bisher verwendeten Skip-Slittern 02 war nur ein sehr geringer Planschlag des Untermessers zulässig.
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Bezugszeichenliste
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- 01
- Trichterblatt
- 02
- Vorrichtung, Skip-Slitter
- 03
- Trichtereinlaufwalze
- 04
- Materialbahn
- 05
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- 06
- Rundmessereinheit
- 07
- Aussparung
- 08
- Scherschnitteinheit
- 09
- Tragrahmen
- 10
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- 11
- Rundmesser
- 12
- Schneidklinge
- 13
- Scherschnittmesser
- 14
- Elektromotor
- 15
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- 16
- Ritzel
- 17
- Zahnrad
- 18
- Lagerzapfen
- 19
- Messerkopf
- 20
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- 21
- Überdeckungsbereich