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Die
Erfindung betrifft oberflächenmodifizierte Strukturen,
Verfahren zu deren Herstellung sowie die Verwendung der oberflächenmodifizierten
Strukturen.
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In
vielen Bereichen der Technik ist der Einsatz von Strukturen wünschenswert,
deren Oberflächen modifiziert, beispielweise beschichtet
sind. So werden zum Beispiel Glasstrukturen wie Glasfasern oder
hohlzylindrische oder hohlelliptische Glasstrukturen als optische
Komponenten verwendet. Dabei werden für viele Anwendungen
Strukturen benötigt, die eine Beschichtung, beispielsweise
eine Metallbeschichtung tragen.
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Aus
der
US 5,130,172 A ist
ein Verfahren zur Metallbeschichtung von Oberflächen mit
Hilfe der chemischen Gasphasenabscheidung oder der Gasphasen-Laser-Photoabscheidung
aus einer flüchtigen Organometallverbindung bekannt.
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DE 198 52 722 C1 beschreibt
ein Verfahren zur Innenbeschichtung von Monokapillaren sowie die
Verwendung beschichteter Monokapillaren oder Bündeln beschichteter
Monokapillaren für bestimmte katalytische und optische
Anwendungen.
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Es
hat sich jedoch gezeigt, dass sich die Oberflächen vieler
technisch interessanter Strukturen mit den bekannten Verfahren nicht
oder nicht mit den gewünschten Eigenschaften oder der gewünschten
Qualität modifizieren lassen. So werden beispielsweise
bei der Oberflächenmodifikation von Glasstrukturen mit
speziellen oder komplexen Geometrien, wie Glasfasern oder hohlzylindrischen
oder hohlelliptischen Glasstrukturen, Beschichtungen erhalten, die
aufgrund ihrer hohen Rauigkeit und Unregelmäßigkeit
sowie unvollständiger Schichtausbildung mit zahlreichen
Lücken nicht für optische Anwendungen geeignet
sind. Andererseits sind Beschichtungen, die bei der Oberflächenmodifikation
bekannter Strukturen erhalten werden, häufig für
katalytische Anwendungen zu wenig strukturiert oder weisen eine
zu geringe Kontaktoberfläche auf.
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Es
besteht daher ein Bedarf an oberflächenmodifizierten Strukturen
mit Beschichtungen, die sich durch einstellbare Eigenschaften und
verbesserte Qualität auszeichnen.
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Diese
Aufgabe wird durch die oberflächenmodifizierte Struktur
gemäß den Ansprüchen 1 bis 16 gelöst. Die
Erfindung betrifft außerdem das oberflächenmodifizierte
Substrat gemäß den Ansprüchen 17 bis
28, das Verfahren zur Herstellung einer oberflächenmodifizierten
Struktur oder eines oberflächenmodifizierten Substrats
gemäß den Ansprüchen 29 bis 35 sowie
die Verwendung einer oberflächenmodifizierten Struktur
gemäß den Ansprüchen 36 und 37.
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Die
erfindungsgemäße oberflächenmodifizierte
Struktur zeichnet sich dadurch aus, dass sie
- a)
eine Struktur (Substrat),
- b) eine silikatische Primärbeschichtung und
- c) eine Sekundärbeschichtung und/oder Partikel umfasst,
die mindestens ein von Silizium und Sauerstoff verschiedenes Element
enthalten,
wobei sich die chemische Zusammensetzung der
Primärbeschichtung von der chemischen Zusammensetzung der
Struktur und der chemischen Zusammensetzung der Sekundärbeschichtung
und/oder der Partikel unterscheidet und wobei - sich die Primärbeschichtung
zwischen der Struktur und der Sekundärbeschichtung und/oder
den Partikeln befindet oder
- die Primärbeschichtung und die Sekundärbeschichtung
zusammen eine Gradientenbeschichtung bilden, bei der die der Struktur
zugewandte Seite im Wesentlichen die Zusammensetzung der Primärbeschichtung
aufweist und die der Struktur abgewandte Seite im Wesentlichen die
Zusammensetzung der Sekundärbeschichtung aufweist.
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Erfindungsgemäß weist
die oberflächenmodifizierte Struktur mindestens eine Oberfläche
auf, die mindestens zum Teil durch die Primärbeschichtung
und die Sekundärbeschichtung und/oder Partikel modifiziert ist.
Es ist bevorzugt, dass mindestens ein wesentlicher Teil von mindestens
einer Oberfläche der oberflächenmodifizierten
Struktur durch die silikatische Primärbeschichtung und
die Sekundärbeschichtung und/oder Partikel modifiziert
ist.
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In
einer Ausführungsform umfasst die oberflächenmodifizierte
Struktur somit mindestens zwei diskrete Schichten mit unter schiedlicher
chemischer Zusammensetzung, wobei mindestens eine dieser Schichten
eine Primärbeschichtung und mindestens eine dieser Schichten
eine Sekundärbeschichtung ist.
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In
einer anderen Ausführungsform umfasst die oberflächenmodifizierte
Struktur eine Gradientenbeschichtung, in der sich die chemische
Zusammensetzung senkrecht zur Oberfläche der Struktur kontinuierlich ändert.
Beispielsweise kann der Anteil der Zusammensetzung der Primärbeschichtung
auf der der Struktur zugewandten Seite 100% betragen und im Verlauf
der Gradientenbeschichtung auf 0% abnehmen, während der Anteil
der Zusammensetzung der Sekundärbeschichtung in entsprechender
Weise zunimmt und auf der der Struktur abgewandten Seite 100% erreicht.
Durch die Gradientenbeschichtung weist die Sekundärbeschichtung
eine besonders gute Haftung an der Primärbeschichtung,
insbesondere bei thermischer oder mechanischer Belastung auf.
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In
noch einer weiteren Ausführungsform liegen eine Primärbeschichtung
und Partikel vor. Dabei kann die Primärbeschichtung eine
stark strukturierte Schicht mit Zwischenräumen sein, in
deren Zwischenräumen sich die Partikel befinden können.
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Es
wurde überraschenderweise gefunden, dass die erfindungsgemäße
oberflächenmodifizierte Struktur gegenüber einer
oberflächenmodifizierten Struktur, die bei gleicher Struktur
(als Substrat) keine Primärbeschichtung enthält,
eine verbesserte Qualität und Steuerbarkeit der Eigenschaften
der Beschichtung aufweist. Insbesondere können beim Vorhandensein
einer Primärbeschichtung Eigenschaften wie die Oberflächenmorphologie
der Sekundärbeschichtung unabhängig von der chemischen
Zusammensetzung und Oberflächenmorphologie der Struktur
eingestellt werden. Die Eigenschaften der Sekundärbeschichtung
können somit durch die unabhängig von der Struktur
wählbaren Eigenschaften der Primärbeschichtung
gesteuert werden.
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Aufgrund
der Unabhängigkeit der Eigenschaften der Sekundärbeschichtung
von den Eigenschaften der Struktur wird eine Umkehrung der Oberflächenmorphologie
möglich. So wird beispielsweise auf einem Siliziumeinkristallwafer
aufgrund der kristallinen Oberfläche bei direkter Beschichtung
mit einem Metall bevorzugt eine Metallbeschichtung mit kristalliner
Oberflächenmorphologie gebildet. Im Gegensatz dazu kann
durch Verwendung einer amorphen erfindungsgemäßen
Primärbeschichtung auf eine solche Struktur eine amorphe Metallbeschichtung
als Sekundärbeschichtung aufgebracht werden.
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Erfindungsgemäße
oberflächenmodifizierte Strukturen können Strukturen
verschiedenster Formen und Geometrien umfassen. Beispiele für
geeignete Strukturen sind planare Strukturen wie Siliziumeinkristallwafer,
gekrümmte Strukturen und Hohlraumstrukturen wie Kapillaren,
Röhrchen oder Rohre, insbesondere elliptische oder parabolische
Hohlraumstrukturen wie elliptische oder parabolische Monokapillaren,
und Multikanalstrukturen, insbesondere Polykapillaren, zusammengesetzte
Linsen hergestellt aus einzelnen Mono- und/oder Polykapillaren,
monolithische Linsen hergestellt aus einzelnen Mono- und/oder Polykapillaren,
photonische Kristalle und monolithische integrale Mikrolinsen. Wenn
die Struktur eine Hohlraumstruktur mit mindestens einer inneren
Oberfläche ist, ist es bevorzugt, dass mindestens ein Teil,
besonders bevorzugt mindestens ein wesentlicher Teil der inneren
Oberflächen) der oberflächenmodifizierten Struktur
durch die silikatische Primärbeschichtung und die Sekundärbeschichtung
und/oder Partikel modifiziert ist.
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Polykapillaren
sind üblicherweise monolithische Strukturen, die eine Vielzahl
von Kanälen aufweisen, wobei die Kanäle im Wesentlichen
gleiche Länge haben und üblicherweise ein Verhältnis
von Länge zu Innendurchmesser von mindestens etwa 100:1,
bevorzugt mindestens etwa 1000:1 aufweisen. Polykapillaren können
beispielsweise mehr als 103 bis zu mehr
als 106 Kanäle enthalten, die Innendurchmesser
von beispielsweise weniger als 1 mm bis zu weniger als 1 μm
aufweisen.
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Photonische
Kristalle sind künstliche periodische Strukturen aus einem
Dielektrikum (z. B. Glas) mit spezifischen optischen Eigenschaften.
Neben Glas sind auch andere Materialien verwendbar. Photonische Kristalle
werden beispielsweise in der optischen Messtechnik, der Kommunikationstechnik
und den Biowissenschaften angewendet und sind beschrieben in
V.
P. Bykov, "Spontaneous emission in a periodic structure", Soviet
Physics JETP, American Institute of Physics, New York 1972, 35,
269 und in
K. Busch et al. (Hrsg.), "Photonic Crystals – Advances
in Design, Fabrication, and Characterization", Wiley-VCH, 1. Auflage,
2004.
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Monolithische
integrale Mikrolinsen sind sehr weitgehend miniaturisierte Multikanalstrukturen,
die beispielsweise Kanäle mit Innendurchmessern von etwa
0,3 bis 1 μm aufweisen können.
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In
einer bevorzugten Ausführungsform besteht die Struktur
aus einem anorganischen Material oder einem Kunststoff. Zu geeigneten
anorganischen Materialien gehören Kohlenstoff, beispielweise
nanoporöser Kohlenstoff und Carbon Nanotubes (CNT), Silicium,
Glas, Keramik und Metall, beispielweise Stahl und Aluminium. Beispiele
für geeignete Kunststoffe sind insbesondere Silikone.
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Besonders
bevorzugt besteht die Struktur aus Glas. Glasstrukturen können
aus verschiedensten Glassorten oder Mischungen von Glassorten bestehen.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform weist das
Glas eine gute Verarbeitbarkeit auf. Eine gute Verarbeitbarkeit
ist Voraussetzung dafür, dass Glasstrukturen mit präziser
Geometrie hergestellt werden können.
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Beispiele
für Größen, die die Verarbeitbarkeit
eines Glases kennzeichnen, sind der Verarbeitungspunkt und die Verformbarkeit.
Als Verarbeitungspunkt eines Glases wird diejenige Temperatur bezeichnet,
bei der das Glas eine dynamische Viskosität von n = 104 dPa·s aufweist. Bei dieser Temperatur
können die meisten Prozesse zur Formveränderung
eines Glases optimal durchgeführt werden. Es ist besonders
bevorzugt, dass das Glas einen Verarbeitungspunkt von weniger als
2000°C, bevorzugt weniger als 1260°C, insbesondere
weniger als 1000°C aufweist.
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Die
erfindungsgemäße oberflächenmodifizierte
Struktur umfasst eine silikatische Primärbeschichtung. Der
Begriff "silikatische Primärbeschichtung" bezeichnet hier
eine Beschichtung, die SiO2 in Form eines
ungeordneten dreidimensionalen Netzwerks von [SiO4]-Tetraedern
enthält. Es ist bevorzugt, dass die Primärbeschichtung
einen Gehalt an SiO2 von mehr als 90 Gew.-%,
besonders bevorzugt mehr als 95 Gew.-%, insbesondere mehr als 99
Gew.-% aufweist.
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Die
erfindungsgemäße Primärbeschichtung kann
mindestens 1 Gew.-%, insbesondere mindestens 5 Gew.-% und besonders
bevorzugt mindestens 10 Gew.-% Kohlenstoff enthalten. In einer bevorzugten
Ausführungsform enthält die Primärbeschichtung
Silizium, Sauerstoff und Kohlenstoff in einer Menge von zusammen mehr
als 95% Gew.-%, besonders bevorzugt mehr als 97 Gew.-%, insbesondere
mehr als 99 Gew.-%. Oberflächenmodifizierte Strukturen,
die eine kohlenstoffhaltige Primärbeschichtung aufweisen,
sind insbesondere durch Gasphasenabscheidung aus kohlenstoffhaltigen
Verbindungen wie Organometallverbindungen oder elementorganischen
Verbindungen zugänglich und zeichnen sich durch eine besonders
geringe Oberflächenrauigkeit aus.
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Silikatische
Gläser enthalten im Allgemeinen neben dem Grundbestandteil
SiO2 ein oder mehrere weitere Oxide als
zusätzliche Bestandteile. Diese Zusätze beeinflussen
unter anderem die thermischen und mechanischen Eigenschaften eines
Glases und haben somit erhebliche Auswirkungen auf dessen Verarbeitbarkeit.
Es ist bekannt, dass sich die Verarbeitbarkeit eines Glases durch
geeignete Zusätze beträchtlich verbessern lässt.
Es hat sich nun herausgestellt, dass bestimmte Zusätze,
die üblicherweise verwendet werden, um Eigenschaften von
Glas wie seine Verarbeitbarkeit zu beeinflussen, Beschichtungsinhibitoren
darstellen. Der Begriff "Beschichtungsinhibitor" bezeichnet hier
ein Element oder eine Verbindung, deren Vorhandensein in einem Substrat
dazu führt, dass das Substrat nicht mit einer nicht silikatischen
Beschichtung, insbesondere einer metallischen Beschichtung, mit
einer geschlossenen Oberfläche und geringer Oberflächenrauigkeit
beschichtet werden kann.
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In
einer Ausführungsform enthält die erfindungsgemäße
Primärbeschichtung einen geringeren Gehalt an Beschichtungsinhibitoren
als die Struktur. Besonders bevorzugt ist die Primärbeschichtung
im Wesentlichen frei von Beschichtungsinhibitoren. Der Begriff "im
Wesentlichen frei von" meint hier, dass eine Komponente in einer
Zusammensetzung mit einem Gehalt von weniger als 0,5 Gew.-% bevorzugt
weniger als 0,1 Gew.-%, insbesondere weniger als 0,01 Gew.-%, besonders
bevorzugt gar nicht vorhanden ist.
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Insbesondere
ist überraschend gefunden worden, dass Barium und Schwefel
sowie deren Verbindungen Beschichtungsinhibitoren, beispielsweise
für die Beschichtung von Gläsern darstellen. In
einer bevorzugten Ausführungsform ist daher die Primärbeschichtung
im Wesentlichen frei von Barium. Besonders bevorzugt ist die Primärbeschichtung
im Wesentlichen frei von Elementen der 2. und/oder 6. Hauptgruppe
des Periodensystems mit Ausnahme von Sauerstoff. Es ist besonders
bevorzugt, dass die die Primärbeschichtung die Elemente
Silizium, Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff enthält
und von allen anderen Elementen im Wesentlichen oder vollständig
frei ist. Insbesondere ist es bevorzugt, dass die Elemente Silizium,
Sauerstoff und Kohlenstoff zusammen mindestens 95 Gew.-%, bevorzugt
mindestens 97 Gew.-%, am meisten bevorzugt mindestens 99 Gew.-%
der Primärbeschichtung ausmachen.
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In
einer anderen Ausführungsform enthält die Primärbeschichtung
einen höheren Gehalt an Beschichtungsinhibitoren als die
Struktur. Eine solche Primärbeschichtung ermöglicht
oberflächenmodifizierte Strukturen mit sehr strukturierter
Sekundärbeschichtung, die insbesondere für katalytische
Zwecke brauchbar sind.
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Um
oberflächenmodifizierte Strukturen mit geringer Oberflächenrauigkeit
zur Verfügung zu stellen, ist es vorteilhaft, dass bereits
die Primärbeschichtung eine geringe Oberflächenrauigkeit
aufweist. Eine bevorzugte Primärbeschichtung weist eine
Oberfläche mit einer rms-Oberflächenrauigkeit
von weniger als 5 nm, bevorzugt weniger als 1 nm, am meisten bevorzugt
weniger als 0,5 nm auf. Eine solche Primärbeschichtungen
kann insbesondere durch die unten beschriebenen Gasabscheidungsverfahren
erhalten werden.
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Oberflächenmodifizierte
Strukturen mit geringer Oberflächenrauigkeit sind besonders
für optische Anwendungen geeignet.
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In
noch einer weiteren Ausführungsform ist die Primärbeschichtung
eine strukturierte Schicht mit großer Oberfläche.
Eine solche Primärbeschichtung kann insbesondere wie unten
beschrieben durch Calcinierung einer glatten Primärbeschichtung
oder durch ein Abscheidungsverfahren mit hoher photochemischer Energiezufuhr
erhalten werden. Eine strukturierte Primärbeschichtung
führt bevorzugt zur Bildung einer strukturierten Sekundärbeschichtung,
die insbesondere für katalytische Verfahren brauchbar ist.
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Die
Primärbeschichtung kann eine beliebige Dicke haben, die
geeignet ist, die Beschichtungseigenschaften der Oberfläche
der Primärbeschichtung von den Beschichtungseigenschaften
der Oberfläche der Struktur unabhängig zu machen.
Dies bedeutet, dass die Primärbeschichtung eine ausreichende
Dicke aufweist, damit die chemische Zusammensetzung und/oder Oberflächenmorphologie
der Struktur keinen wesentlichen Einfluss auf die Eigenschaften
der Sekundärbeschichtung haben. Im Allgemeinen ist die
Dicke der Primärbeschichtung deutlich geringer als die
Dicke der Struktur. Bevorzugt weist die Primärbeschichtung
eine Dicke im Bereich von 0,1–10000 nm, insbesondere 0,1–100
nm, besonders bevorzugt 0,1–10 nm auf.
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Die
Sekundärbeschichtung und/oder die Partikel der erfindungsgemäßen
oberflächenmodifizierten Struktur enthalten mindestens
ein von Silizium und Sauerstoff verschiedenes Element, insbesondere
ein von Kohlenstoff und Silizium verschiedenes Element aus der zweiten
bis fünften Hauptgruppe oder einer Nebengruppe des Periodensystems
der Elemente. Üblicherweise haben die Sekundärbeschichtung
und/oder die Partikel einen geringeren Gehalt an SiO2 als
die Primärbeschichtung oder sind im Wesentlichen frei von
SiO2.
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In
einer bevorzugten Ausführungsform enthalten die Sekundärbeschichtung
und/oder die Partikel ein Element ausgewählt aus der Gruppe
bestehend aus Zr, V, Cr, Mo, W, Ni, Cu, Pd, Pt, Au, Fe, Al, Re,
Rh, Ru und Ir, wobei die Elemente Ni, Cr, Mo, Cu, Pd, Pt, Rh, Ru
und Ir besonders bevorzugt sind. Beschichtungen und Partikel, die
diese Elemente enthalten, sind insbesondere für katalytische
Anwendungen geeignet.
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In
einer anderen bevorzugten Ausführungsform enthalten die
Sekundärbeschichtung und/oder die Partikel ein Element
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Be, Ni, Pt, Cu,
Pd, Ag, W, Re, Ir, Os, Au, Pb, Bi und U, wobei die Elemente Ni,
Ag, Au, W, Pb, Pt, Bi und U besonders bevorzugt sind. Beschichtungen
und Partikel, die diese Elemente enthalten, sind insbesondere für
optische Anwendungen und Anwendungen in der Führung elektromagnetischer
Strahlung geeignet.
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Die
Sekundärbeschichtung und/oder Partikel können
beispielweise aus Metallschichten und/oder Metallpartikeln, aus
Metalloxidschichten und/oder Metalloxidpartikeln oder aus Metallcarbidschichten
und/oder Metallcarbidpartikeln bestehen. Eine Sekundärbeschichtung
und/oder Partikel für optische Anwendungen bestehen besonders
bevorzugt aus amorphen Metallschichten und/oder amorphen Metallpartikeln.
Metallische Beschichtungen mit Elementen mit einer Ordnungszahl
Z > 27, bevorzugt
Z > 40, sind für
Anwendungen in der Führung elektromagnetischer Strahlung
besonders geeignet. Eine Sekundärbeschichtung und/oder
Partikel für katalytische Anwendungen bestehen besonders
bevorzugt aus kristallinen Metalloxidschichten und/oder kristallinen
Metalloxidpartikeln.
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Die
vorliegende Erfindung stellt insbesondere für optische
Anwendungen oberflächenmodifizierte Strukturen zur Verfügung,
die homogene Sekundärbeschichtungen mit geringer Oberflächenrauigkeit
aufweisen. Eine bevorzugte Sekundärbeschichtung weist eine
Oberfläche mit einer rms-Oberflächenrauigkeit
von weniger als 10 nm, bevorzugt weniger als 5 nm, am meisten bevorzugt
weniger als 3 nm auf. Die mittlere Partikelgröße
der Partikel der Sekundärbeschichtung ist bevorzugt kleiner
als 20 nm, besonders bevorzugt kleiner als 5 nm.
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Durch
die Aufbringung einer erfindungsgemäßen Primärbeschichtung
auf eine Struktur stellt die Erfindung ein oberflächenmo difiziertes
Substrat zur Verfügung, das mit den oben genannten Vorteilen
mit einer Sekundärbeschichtung versehen werden kann. Die
Erfindung betrifft daher auch ein oberflächenmodifiziertes Substrat,
das
- a) eine Struktur (Substrat) und
- b) eine silikatische Primärbeschichtung auf der Struktur
umfasst,
wobei sich die chemische Zusammensetzung der Primärbeschichtung
von der chemischen Zusammensetzung der Struktur unterscheidet. Bevorzugte
Ausführungsformen dieses oberflächenmodifizierten
Substrats sind wie oben für die Struktur und die Primärbeschichtung
beschrieben.
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Die
Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemäßen
oberflächenmodifizierten Struktur. Dieses Verfahren zeichnet
sich dadurch aus, dass auf eine Struktur nacheinander oder gleichzeitig
eine silikatische Primärbeschichtung und eine Sekundärbeschichtung
und/oder Partikel aufgebracht werden, die mindestens ein von Silizium
und Sauerstoff verschiedenes Element enthalten. Ebenso betrifft
die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen
oberflächenmodifizierten Substrats, bei dem auf eine Struktur
eine silikatische Primärbeschichtung aufgebracht wird.
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Bevorzugt
wird mindestens eine der Beschichtungen durch ein Gasphasen-Verfahren,
wie die Chemische Gasphasenabscheidung (CVD), die Chemische Gasphaseninfiltration
(CVI) oder die Physikalische Gasphasenabscheidung (PVD), oder ein
Flüssigphasen-Verfahren, wie die Chemische Flüssigphasen-Abscheidung
(CLD), aufgebracht.
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Besonders
bevorzugte Gasphasen-Verfahren sind die Chemische Gasphasenabscheidung
von elementorganischen Verbindungen (EMCVD), beispielsweise Chemische
Gasphasenabscheidung von me tallorganischen Verbindungen (MOCVD)
oder Chemische Gasphasenabscheidung von Organometallverbindungen (OMCVD),
die chemische Gasphaseninfiltration von elementorganischen Verbindungen
(EMCVI), beispielsweise chemische Gasphaseninfiltration von metallorganischen
Verbindungen (MOCVI) oder chemische Gasphaseninfiltration von Organometallverbindungen
(OMCVI), oder die Gasphasenepitaxie von elementorganischen Verbindungen
(EMVPE), beispielsweise Gasphasenepitaxie von metallorganischen
Verbindungen (MOVPE) oder Gasphasenepitaxie von Organometallverbindungen
(OMVPE). Beispiele für geeignete Gasphasenverfahren sind
allgemein in
DE 198
52 722 C1 beschrieben.
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Der
Begriff "elementorganische Verbindung" bezeichnet hier insbesondere
eine Verbindung, die ein von Kohlenstoff verschiedenes Element aus
der zweiten bis fünften Hauptgruppe oder einer Nebengruppe
des Periodensystems der Elemente sowie organische Gruppen und/oder
Carbonyl enthält, die chemisch direkt und/oder über
ein Element der fünften oder sechsten Hauptgruppe an das
jeweilige Element gebunden sind. Geeignete elementorganische Verbindungen
sind insbesondere auch Komplex- oder Koordinationsverbindungen,
die einen organischen Liganden und/oder Carbonyl enthalten. Dabei
sind Komplex- oder Koordinationsverbindungen bevorzugt, die einen
Liganden ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Carbonyl,
Hexafluoracetylacetonato und Acetylacetonato enthalten.
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Dabei
stellt besonders die Chemische Gasphasenabscheidung von elementorganischen
Verbindungen (EMCVD), insbesondere die Chemische Gasphasenabscheidung
von metallorganischen Verbindungen (MOCVD) oder die Chemische Gasphasenabscheidung
von organometallischen Verbindungen (OMCVD), ein Beschichtungsverfahren
zur Verfügung, mit dem beispielweise Beschichtungen von
dünnwandigen Glasstrukturen bei verhältnismäßig
geringen Temperaturen durchgeführt werden können,
ohne die Glasstrukturen zu beschädigen oder zu zerstören.
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Zur
Aufbringung der Primärbeschichtung ist ein Verfahren besonders
bevorzugt, bei dem die Primärbeschichtung aus einem Precursormaterial
durch lokal begrenzte Zufuhr von Energie abgeschieden wird, wobei
das Precursormaterial eine organische Siliziumverbindung ist.
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Bevorzugte
Precursormaterialien sind Tetraethylorthosilicat (TEOS), Tetramethylorthosilicat
(TMOS), Tetrabutoxysilan, Triethoxyphenylsilan, Methyltripropoxysilan,
1,2-Bis(trimethoxysilyl)ethan, 1,2-Bis(triethoxysilyl)ethan, Phenethyltrimethoxysilan,
Isobutyltriethoxysilan, Tris(2-methoxyethoxy)vinylsilan, Octyltrimethoxysilan,
Phenyltriethoxysilan, Octyltriethoxysilan, sowie deren Derivate
und Mischungen. Besonders bevorzugt ist das Precursormaterial Tetraethylorthosilicat
(TEOS) und/oder Tetramethylorthosilicat (TMOS.).
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Nach
der Abscheidung der Primärbeschichtung, insbesondere durch
Gasphasenabscheidung aus einer siliziumorganischen Verbindung, kann
gegebenenfalls eine Calcinierung erfolgen. Dazu werden bevorzugt bei
einer Temperatur im Bereich von 473 K bis 773 K in Gegenwart von
reinem Sauerstoff in dem Material der Primärbeschichtung
noch vorhandene organische Gruppen zu CO2 und
Wasser verbrannt. Durch Calcinierung können silikatische
Primärbeschichtungen mit sehr geringem Kohlenstoffanteil
als aufgelockerte, stark strukturierte Schichten mit Zwischenräumen
und großer Oberfläche erhalten werden.
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Zur
Herstellung der erfindungsgemäßen oberflächenmodifizierten
Struktur werden gleichzeitig mit der Abscheidung der Primärbeschichtung
oder danach in einem zweiten Schritt eine Sekundärbeschichtung und/oder
Partikel aufgebracht. Besonders bevorzugt ist ein Verfahren, bei
dem die Sekundärbeschichtung und/oder die Partikel aus
einem Precursormaterial durch lokal begrenzte Zufuhr von Energie
abgeschieden werden, wobei das Precursormaterial eine geeignete
elementorganische Verbindung ist. Beispiele für geeignete
elementorganische Verbindungen sind organometallische Verbindungen,
die mindestens eine Metall-Kohlenstoff-Bindung aufweisen, oder Komplex-
oder Koordinationsverbindungen, die einen organischen Liganden und/oder
Carbonyl enthalten. Dabei sind Komplex- oder Koordinationsverbindungen
bevorzugt, die einen Liganden ausgewählt aus der Gruppe
bestehend aus Carbonyl, Hexafluoracetylacetonato und Acetylacetonato
enthalten.
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Zur
Bildung einer Gradientenschicht mit einem bevorzugten Gasphasen-Verfahren
werden ein Precursormaterial für die Primärbeschichtung
und ein Precursormaterial für die Sekundärbeschichtung
parallel verwendet. Dabei wird bevorzugt der Anteil des Precursormaterials
für die Primärbeschichtung im Verlauf des Verfahrens
kontinuierlich von 100 auf 0 reduziert, während der Anteil
des Precursormaterials für die Sekundärbeschichtung
kontinuierlich von 0 auf 100 erhöht wird.
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In
den oben beschriebenen Verfahren kann die lokal begrenzte Zufuhr
von Energie insbesondere thermisch und/oder photochemisch erfolgen,
beispielsweise durch einen Wärme- oder Heizstrahler, einen
Ofen, einen Laser, Mikrowellenstrahlung und/oder ein Plasma.
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Beispiele
für Abscheidungsverfahren, bei denen eine lokal begrenzte
Zufuhr von Energie photochemisch erfolgen kann, sind die Chemische
Gasphasenabscheidung von metallorganischen Verbindungen bei hohem
Druck (HPMOCVD), die Chemische Gasphasenabscheidung von metallorganischen
Verbindungen bei niedrigem Druck (LPMOCVD) und die Chemische Flüssigphasen-Abscheidung
(CLD). Dabei kann eine photochemische Zufuhr von Energie eine selektive
Steuerung der in dem Precursormaterial bewirkten Bindungsspaltung
ermöglichen, insbesondere bei Verwendung eines monochromatischen
Lasers. Darüber hinaus können photoche mische Verfahren
bei niedriger Temperatur, beispielsweise bei Raumtemperatur, durchgeführt werden.
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Zudem
wurde überraschend gefunden, dass bei photochemischer Energiezufuhr
durch geeignete Wahl der Abscheidungsbedingungen eine Steuerung
der Schichtmorphologie einer Primärbeschichtung möglich
ist. Insbesondere können durch begrenzte Energiezufuhr,
beispielsweise 100 bis 1000 Pulse eines UV-Lasers, geschlossene
glatte Schichten erhalten werden. Durch eine höhere Energiezufuhr,
beispielsweise mindestens 10.000 Pulse eines UV-Lasers, kann ein
anisotropes Schichtwachstum und die Bildung einer strukturierten
Primärbeschichtung bewirkt werden.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren kann auch das Zerstören
der Struktur und der Primärbeschichtung, bevorzugt durch
chemisches Auflösen umfassen. Die Wahl des Mittels zur
chemischen Auflösung der Struktur ist abhängig
von deren Material. Ein geeignetes Mittel sowohl zur Auflösung
einer Struktur bestehend aus Glas und als auch zur Auflösung
der silikatischen Primärbeschichtung ist beispielsweise
Fluorwasserstoffsäure. Es ist auch möglich, die
Struktur und die Primärbeschichtung durch mechanische oder
physikalische Methoden, z. B. durch Brechen, zu zerstören.
Durch die Zerstörung der Struktur und der Primärbeschichtung
können die Sekundärbeschichtung und/oder die Partikel
freigesetzt werden. Somit bietet das erfindungsgemäße
Verfahren auch die Möglichkeit, spezielle Festkörperstrukturen
herzustellen.
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Die
Erfindung betrifft auch die Verwendung der erfindungsgemäßen
oberflächenmodifizierten Strukturen. Insbesondere betrifft
die Erfindung die Verwendung der erfindungsgemäßen
oberflächenmodifizierten Strukturen zur Durchführung
von katalytischen Reaktionen (Mikroreaktoren), für Trennverfahren,
z. B. als Membran, Separator, (Molekular-)Sieb oder als (Molekular-)Filter,
als Speicher (Mikrocontainer) oder zur Formung, Führung,
Fokussierung und Verstärkung elektromagnetischer Wellen
oder Teilchenstrahlung.
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Erfindungsgemäße
oberflächenmodifizierte Strukturen können sowohl
für homogenkatalytische als auch für heterogenkatalytische
Anwendungen, z. B. katalytische Gasphasenreaktionen, eingesetzt
werden. Bevorzugt enthalten oberflächenmodifizierte Strukturen
für katalytische Anwendungen Partikel, besonders bevorzugt
Nanopartikel mit enger Größenverteilung. Beispiele
für katalytische Gasphasenreaktionen sind C,C-Bindungsknüpfungsreaktionen,
Oligomerisierungsreaktionen und Oxidationsreaktionen.
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Erfindungsgemäße
oberflächenmodifizierte Strukturen können insbesondere
auch für die Formung, Führung, Fokussierung und
Verstärkung elektromagnetischer Wellen oder Teilchenstrahlung,
insbesondere von Mikrowellen, wobei der Wellenlängenbereich
von 100 cm bis 1 mm besonders bevorzugt ist, von sichtbarem Licht,
wobei der Wellenlängenbereich von 380 bis 750 nm besonders
bevorzugt ist, von UV-Strahlung, wobei die Wellenlängenbereiche
von 50 bis 190 nm (VUV-Bereich) und 1 bis 50 nm (EUV-Bereich) besonders bevorzugt
sind, von Laserstrahlung, von Röntgenstrahlung und von
Teilchenstrahlung (γ-Strahlung und Neutronenstrahlung)
verwendet werden. Besonders bevorzugt ist dabei die harte Röntgenstrahlung,
insbesondere die diskreten Wellenlängen der CuKα-Strahlung
(8 keV) und der MoKα-Strahlung (17 keV), sowie der hochenergetische
Bereich der harten Röntgenstrahlung mit einer Energie größer
als 15 keV. Bevorzugt ist auch die Verwendung für röntgenlithographische
Anwendungen wie Soft X-ray Lithographie (SXRL) mit 1–2
keV oder Röntgentiefenlithographie wie Deep X-ray Lithography
(DXRL) mit 4–10 keV. Ein anderes Beispiel ist die Verwendung
für röntgenmikroskopische Anwendungen im Spektralbereich
von etwa 2 und bis etwa 4 nm (Wasserfenster).
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Ein
besonderer Vorteil der erfindungsgemäßen oberflächenmodifizierten
Strukturen ist ihre verbesserte Langzeitstabilität bei
der Verwendung zur Formung, Führung, Fokussierung und Verstärkung
elektromagnetischer Wellen oder Teilchenstrahlung. Bei unbeschichteten
Strukturen, beispielsweise aus Bleiglas, führen Energieaufnahmen,
beispielsweise durch Röntgen-Exposition, langfristig zu
Materialschäden an den Strukturen und damit zu Intensitätsverlusten
und zur Unbrauchbarkeit der Strukturen. Bei den erfindungsgemäßen
oberflächenmodifizierten Strukturen können solche
Materialschäden zumindest teilweise vermieden werden.
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Besonders
bevorzugt ist auch die Verwendung erfindungsgemäß oberflächenmodifizierter
Strukturen zur Fokussierung von EUV-Strahlungoder Röntgenstrahlung
für (röntgen)lithographische Anwendungen in der Maskenbelichtung
für die Halbleiterproduktion.
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Ebenso
betrifft die Erfindung auch die Verwendung der erfindungsgemäßen
oberflächenmodifizierten Strukturen als Matrix für
die Herstellung von Nanopartikeln und anderen Nanoteilchen durch
Abscheidung entsprechender Sekundärbeschichtungen und/oder
Partikel und nachfolgende Zerstörung der Struktur sowie
gegebenenfalls der Primärbeschichtung. Beispiele für
bevorzugte Nanoteilchen sind Nanotubes (z. B. Carbon Nanotubes,
CNT), Nanorods und Nanowires (z. B. Nanosäulen, Nanostäbchen,
Nanodrähten, Nanofasern oder Nanofilamenten) für
nanotechnologische und/oder medizinische Anwendungen, z. B. als
Kontrastmittel (Nanopartikel) oder als Stents (Mikrorods, d. h.
Mikrohohlstäbe), kosmetische Anwendungen, z. B. Titanoxidpartikel
als UV-Filter, nanomechanische oder optische Anwendungen, z. B.
als anisotrope Bauteile von Systemelementen oder als nichtlineare
optische Bauteile.
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Die
Erfindung wird nun anhand von ausgewählten Beispielen eingehender
erläutert.
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Beispiele
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Beispiel 1 (Vergleichsbeispiel)
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Es
wurde ein Beschichtungsversuch mit einer Monokapillare aus AR-Glas
durchgeführt. Das AR-Glas hatte eine Verarbeitungstemperatur
von 1040°C und hatte die folgende chemische Zusammensetzung:
| Bestandteil | Gew.-% |
| SiO2 | 69 |
| B2O3 | 1 |
| Na2O | 13 |
| K2O | 3 |
| Al2O3 | 4 |
| BaO | 2 |
| CaO | 5 |
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Die
Kapillare wurde mittels eines Zweikomponentenklebstoffs an ein Vakuumsystem
entsprechend der in
DE
198 52 722 C1 beschriebenen Apparatur gasdicht angeschlossen
und durch gleichzeitiges Erhitzen auf 733 K und Überleiten
von 1000 mbar molekularem Sauerstoff von innen gereinigt. Anschließend
wurde Hexacarbonylwolfram als Precursor durch einen Druckgradienten
von 10
–3 mbar gegen 10
–5 mbar
durch die Kapillare geleitet.
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Durch
ein bewegliches Ofensystem wurde über einen Zeitraum von
5 Stunden abschnittsweise eine lokal begrenzte Temperatur von 733
K eingestellt.
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Visuell
wurde keine Abscheidung einer Wolframbeschichtung beobachtet. 1 zeigt
ein durch energiedispersive Röntgenanalyse aufgenommenes
Spektrum der Oberfläche. Im Spektrum sind keine Signale
für Wolfram zu erkennen. Demgegenüber konnte deutlich
das Vorhandensein von Barium nachgewiesen werden.
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Beispiel 2 (Vergleichsbeispiel)
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Es
wurde ein Beschichtungsversuch mit einer Monokapillare aus AR-Glas
durchgeführt, das die in Beispiel 1 gezeigte Zusammensetzung
hatte. Der Beschichtungsversuch wurde wie in Beispiel 1 beschrieben durchgeführt,
allerdings wurde über einen Zeitraum von 82 Stunden abschnittsweise
eine lokal begrenzte Temperatur von 733 K eingestellt.
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Es
wurde eine Wolframbeschichtung erhalten, die sehr schlechte optische
Eigenschaften, insbesondere nur geringe Reflektivität aufwies. 2 zeigt
eine rasterkraftmikroskopische Aufnahme der beschichteten Oberfläche.
Darin ist zu erkennen, dass die Beschichtung inselförmige
Cluster auf der Glasoberfläche gebildet hat (Volmer-Weber-Wachstum). 3 zeigt
ein Höhenprofil der Beschichtung, das die große
Rauigkeit der Beschichtungsoberfläche bestätigt.
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Beispiel 3 (erfindungsgemäß)
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Es
wurde ein Beschichtungsversuch mit einer Monokapillare aus AR-Glas
durchgeführt, das die in Beispiel 1 gezeigte Zusammensetzung
hatte.
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Die
Kapillare wurde an ein Vakuumsystem gasdicht angeschlossen und durch
gleichzeitiges Erhitzen auf 733 K und Überleiten von 1000
mbar molekularem Sauerstoff von innen gereinigt.
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Tetraethylorthosilicat
(TEOS) als Precursor wurde durch einen Druckgradienten von 10–3 mbar gegen 10–5 mbar
durch die Kapillare geleitet. Durch ein bewegliches Ofensystem wurde über
einen Zeitraum von 2 Stunden abschnittsweise eine lokal begrenzte
Temperatur von 673 K eingestellt.
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Anschließend
wurde Hexacarbonylwolfram als Precursor durch einen Druckgradienten
von 10–3 mbar gegen 10–5 mbar
durch die Kapillare geleitet. Durch ein bewegliches Ofensystem wurde über
einen Zeitraum von 2 Stunden abschnittweise eine lokal begrenzte
Temperatur von 733 K eingestellt.
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Es
wurde eine Wolframbeschichtung erhalten, die hervorragende optische
Eigenschaften aufwies. Insbesondere zeigte die beschichtete Glasstruktur
eine hohe Reflektivität. 4 zeigt
eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der beschichteten Oberfläche.
Darin ist zu erkennen, dass die Beschichtung eine homogene Schicht
mit geringer Rauigkeit auf der Glasoberfläche gebildet
hat (Franck-van der Merve-Wachstum). 5 zeigt
ein Höhenprofil der Beschichtung, welches zeigt, dass die
Rauigkeit der Beschichtungsoberfläche deutlich geringer
als die des Beispiel 2 war. Die Partikelgrößen
betrugen im Durchschnitt 2–3 nm. 6 zeigt ein
durch energiedispersive Röntgenanalyse aufgenommenes Spektrum
der Oberfläche. Dieses Spektrum bestätigt das
Vorhandensein von Wolfram auf der Oberfläche.
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Beispiel 4 (erfindungsgemäß)
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Eine
Monokapillare aus Glas, das die in Beispiel 1 gezeigte Zusammensetzung
hatte, wurde mit Tetraethylorthosilicat (TEOS) gefüllt.
Die Kapillare wurde mit einem KrF-Excimer-Laser mit einer Wellenlänge
von λ = 248 nm bei einer Pulsdauer t = 20 ns, einer Fluenz
von f = 80 mJ/cm2, einer Repetitionsrate
von r = 1 Hz und einer Anzahl von n = 10000 Laserpulsen bestrahlt.
Nach der Bestrahlung wurde die Kapillare durch Aufbrechen einseitig
geöffnet und in ein evakuierbares Gefäß eingebracht.
Durch Anlegen eines Vakuums von 10–3 mbar
wurden das nicht durch die Energieeinwirkung umgesetzte Tetraethylorthosilicat
sowie jegliche sonstige leicht flüchtigen Verbindungen
entfernt. Dabei zeigte sich, dass sich in der Kapillare eine weiße
pulverartig aussehende Beschichtung gebildet hatte.
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Die
Kapillare wurde anschließend mechanisch in kleinere Bruchstücke
gespalten und ohne Trennung der Primärbeschichtung vom
Substrat rasterelektronenmikroskopisch untersucht. 7 zeigt
eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der so erhaltenen beschichteten
Oberfläche. Diese Aufnahme zeigt, dass eine zusammenhängende
und vollständig an das Substrat angebundene Primärbeschichtung
erhalten wurde, die eine Schichtdicke von etwa 5,6 μm aufwies.
Es wurden nicht einmal partielle Ablösungen der Primärbeschichtung
von Substrat beobachtet. 8 zeigt eine hochauflösende
rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der Primärbeschichtung
von Beispiel 4. Aus dieser Aufnahme wird deutlich, dass die Primärbeschichtung
aus nanostrukturierten Partikeln zusammengesetzt war und größere
Lücken aufwies, in die beispielweise katalytische Partikel
eingelagert werden können.
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Beispiel 5 (erfindungsgemäß)
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Eine
Monokapillare aus AR-Glas, das die in Beispiel 1 gezeigte Zusammensetzung
hatte, wurde an ein Vakuumsystem gasdicht angeschlossen. Tetraethylorthosilikat
(TEOS) als Precursor wurde durch einen Druckgradienten von 10–3 mbar gegen 10–5 mbar
durch die Kapillare geleitet. Durch ein bewegliches Ofensystem wurde über
einen Zeitraum von 2 Stunden eine lokal begrenzte Temperatur von
753 K eingestellt. Anschließend wurde die Kapillare zunächst
evakuiert, um die um die gasförmigen Precursoren zu entfernen,
und danach aus der Apparatur ausgebaut. Die Kapillare wurde oberflächenanalytisch
untersucht und mittels energiedispersiver Röntgenmikroanalytik
der Kohlenstoffgehalt der erhaltenen Beschichtung bestimmt. Es wurden sehr
glatte Oberflächen erhalten, die 8 Gew.-% Kohlenstoff enthielten.
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Anschließend
wurde die Kapillare erneut in die Vakuumapparatur eingebaut und
evakuiert. Die Kapillare wurde mit 10 mbar Sauerstoff geflutet und
bei einer Temperatur von 753 K unter Durchleitung von reinem Sauerstoff
die verbliebenen organischen Reste verbrannt. Schließlich
wurde die Kapillare wieder aus der Apparatur ausgebaut, oberflächenanalytisch
untersucht und mittels energiedispersiver Röntgenmikroanalytik
der Kohlenstoffgehalt der Beschichtung bestimmt. Dabei zeigte sich,
dass stark strukturierte, voluminöse Schichten mit einem
deutlich reduzierten Kohlenstoffanteil erhalten worden waren.
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Kurze Beschreibung der Zeichnungen
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1 zeigt
eine Elementanalyse (EDX) des Beschichtungsversuchs von Beispiel
1.
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2 zeigt
eine rasterkraftmikroskopische Aufnahme der beschichteten Oberfläche
von Beispiel 2.
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3 zeigt
ein Höhenprofil der Beschichtung von Beispiel 2.
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4 zeigt
eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der beschichteten Oberfläche
von Beispiel 3.
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5 zeigt
ein Höhenprofil der Beschichtung von Beispiel 3.
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6 zeigt
eine Elementanalyse (EDX) des Beschichtungsversuchs von Beispiel
3.
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7 zeigt
eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der beschichteten Oberfläche
von Beispiel 4.
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8 zeigt
eine hochauflösende rasterelektronenmikroskopische Aufnahme
der Primärbeschichtung von Beispiel 4.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
-
- - US 5130172
A [0003]
- - DE 19852722 C1 [0004, 0040, 0060]
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Zitierte Nicht-Patentliteratur
-
- - V. P. Bykov,
"Spontaneous emission in a periodic structure", Soviet Physics JETP,
American Institute of Physics, New York 1972, 35, 269 [0017]
- - K. Busch et al. (Hrsg.), "Photonic Crystals – Advances
in Design, Fabrication, and Characterization", Wiley-VCH, 1. Auflage,
2004 [0017]