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TECHNISCHES GEBIET DER ERFINDUNG
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Die
Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren mit den Merkmalen des Oberbegriffs
des unabhängigen Patentanspruchs 1 und eine Vorrichtung
mit den Merkmalen des Oberbegriffs des unabhängigen Patentanspruchs
11 zum räumlich hochaufgelösten Abbilden einer
mit einem Fluoreszenzfarbstoff markierten Struktur in einer Probe.
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STAND DER TECHNIK
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Das
im Oberbegriff des unabhängigen Patentanspruchs 1 definierte
Verfahren wird auch als SIED (Stimulated Emission Depletion)-Fluoreszenzlichtmikroskopie
bezeichnet. Mit dem Verfahren wird die Beugungsgrenze, die normalerweise
die Auflösungsgrenze bei fernfeldlichtmikroskopischen Verfahren
darstellt, unterschritten. Dabei wird der beugungsbegrenzte Fokusbereich,
in dem das Anregungslicht den Fluoreszenzfarbstoff in der Probe grundsätzlich
zur spontanen Emission von Fluoreszenzlicht anregt, zu Ausdehnungen
unterhalb der Beugungsgrenze reduziert, indem Teile des Fokusbereichs
mit Abregungslicht überlagert werden, das angeregten Fluoreszenzfarbstoff
vor der Fluoreszenzemission wieder abregt. Damit verbleibt nur ein
gegenüber dem Fokusbereich verkleinerter Messbereich, aus
dem das von dem Fluoreszenzfarbstoff spontan emittierte Fluoreszenzlicht
stammen kann. Durch Registrierung dieses Fluoreszenzlichts kann die
mit dem Fluoreszenzfarbstoff in der Probe markierte Struktur mit
einer die Beugungsgrenze überschreitenden Ortsauflösung
abgebildet werden. Besonders gut ist die Ortsauflösung
dann, wenn das Abregungslicht in Form eines Interferenzmusters auf
die Probe gerichtet wird, das am Ort des Messbereichs eine Nullstelle
aufweist und ansonsten eine Sättigung bei der Abregung
des mit dem Anregungslicht angeregten Zustands des Fluoreszenzfarbstoffs
erreicht.
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Ein
Verfahren mit den Merkmalen des Oberbegriffs des unabhängigen
Patentanspruchs 1 und eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Oberbegriffs des
unabhängigen Patentanspruchs 11 sind aus der
US 5,731,588 bekannt. Hier ist erwähnt,
dass die Anregungslichtquelle ein Dauerstrichlaser (engl.: continous
wave Laser = cw-Laser) sein kann, während die Abregungslichtquelle
ein Pulslaser sein kann, der mit dem Detektor synchronisiert ist,
um das Fluoreszenzlicht von der Probe erst nach dem Abklingen jeweils eines
Pulses des Abregungslichts zu registrieren. Auf diese Weise wird
vermieden, dass der Detektor von der Probe reflektiertes Abregungslicht
oder auch Fluoreszenzlicht erfasst, dessen Emission von dem Abregungslicht
stimuliert wurde und so nicht aus dem interessierenden Messbereich
stammt. Als alternative Möglichkeit des Extrahierens des
spontan emittierten Fluoreszenzlichts ist die Polarisierung des
Anregungslichts und die Polarisationsfilterung des von der Probe
auf den Detektor fallenden Lichts in orthogonaler Richtung zu der
Polarisierung des Anregungslichts beschrieben.
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Um
bei einem Verfahren der SIED-Fluoreszenzlichtmikroskopie mit den
Merkmalen des Oberbegriffs des unabhängigen Patentanspruchs
1 die gewünschte Sättigung bei der Wiederabregung
des Fluoreszenzfarbstoffs außerhalb des Messbereichs nach
jedem Puls des Anregungslichts zu erreichen, ist es sinnvoll, die
mittlere Lichtintensität, die für das Abregungslicht
zur Verfügung steht, ebenfalls auf Pulse zu konzentrieren,
die möglichst zeitnah zu den Pulsen des Anregungslichts
auf die Probe aufgebracht werden, um den Fluoreszenzfarbstoff außerhalb
des Messbereichs möglichst wenig Gelegenheit zu geben,
Fluoreszenzlicht spontan zu emittieren. Diese Zeitnähe
kann durch eine unmittelbare Abfolge oder auch eine teilweise oder
gar vollständige zeitliche Überdeckung erreicht
werden. Voraussetzung für diese Abfolge ist aber eine Synchronisation
der Pulse des Abregungslichts mit den Pulsen des Anregungslichts
ggf. zusätzlich zu einer Synchronisation des Detektors
mit den Pulsen des Abregungslichts.
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Der
Aufwand für die praktische Realisierung eines SIED-Fluoreszenzlichtmikroskops
oder auch die Umrüstung eines herkömmlichen Fluoreszenzlichtmikroskops
für die SIED-Fluoreszenzlichtmikroskopie ist daher allein
deshalb hoch, weil synchronisierbare Pulslaser für das
Anregungslicht und das Abregungslicht teuer sind. Hinzu kommt, dass
die Laserpulse nicht vornherein die für die SIED-Fluoreszenzmikroskopie
erforderliche Pulsdauer haben. Neben der Synchronisation führt
das erforderliche zeitliche Strecken und Präparieren von
Pulsen über dispersive optische Elemente wie Gitter- oder
Glasfaseranordnungen zu hohem technisch-finanziellem Aufwand und
zu Funktionsanfälligkeiten.
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Im
Bereich der cw-Laser sind grundsätzlich kostengünstigere
Laser verfügbar, beispielsweise in Form so genannter Diodenlaser,
die eine oder mehrere elektrisch gepumpte Laserdioden aufweisen. Pulspräparation
und Synchronisierung entfallen damit automatisch. Wenn Diodenlaser
zur Abstrahlung von Pulsen modifiziert werden, entfällt
jedoch der durch sie erbrachte grundsätzliche technisch-finanzielle
Vorteil.
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Bei
den bekannten Formen der SIED-Fluoreszenzlichtmikroskopie erweist
es sich als schwierig, den Messbereich entlang der optischen Achse einzuengen,
weil es mit einer Einphotonen-Anregung des Fluoreszenzfarbstoffes
grundsätzlich nicht möglich ist, die Anregung
auf die Fokalebene oder das Fokalvolumen zu beschränken.
Genauso ist es nicht möglich, das Abregungslicht auf die
Fokalebene zu beschränken. Das bedeutet, dass Fluoreszenzfarbstoffe
unter- und oberhalb der Fokalebene angeregt werden und somit auch
durch das Abregungslicht abgeregt werden oder abgeregt werden müssen.
Obwohl man durch Verwendung einer konfokalen Lochblende vor dem
Detektor den Messbereich entlang der optischen Achse auf die Fokalebene
reduzieren kann, so bedeutet es doch, dass der Fluoreszenzfarbstoff
außerhalb der Fokalebene unnütz an- und abgeregt
wird, was zu erheblichem Bleichen des Fluoreszenzfarbstoffes durch
den Abregungsstrahl führt und somit das Aufnehmen von 3D
Bildern bei vielen Farbstoffen verhindert.
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Als
Möglichkeit, die fluoreszenzmikroskopische Abbildung einer
Probe auf die Fokalebene zu beschränken und eine Selektivität
entlang der optischen Achse zu erreichen, ist es bekannt, den Fluoreszenzfarbstoff
mit dem Anregungslicht über einen Mehrphotonenprozess anzuregen.
Grundsätzlich kann dabei das Anregungslicht Anteile verschiedener Wellenlängen
aufweisen, und an dem Mehrphotonenprozess können drei oder
sogar noch mehr einzelne Photonen beteiligt sein. In der Praxis
der Mehrphotonenanregung eines Fluoreszenzfarbstoffs erfolgt jedoch
in aller Regel eine Zweiphotonenanregung mit Anregungslicht nur
einer Wellenlänge, bei der die Photonen jeweils die Hälfte
der für den Mehrphotonenprozess insgesamt benötigten
Photonenenergie beitragen. Die Selektivität der Anregung
auf die Fokalebene beruht hier auf der Nichtlinearität
zwischen der Intensität des Anregungslichts und der Anregungswahrscheinlichkeit
des Fluoreszenzfarbstoffs in seinen fluoreszierenden Zustand über
den Mehrphotonenprozess. Bei einer Zweiphotonenanregung ist diese
Anregungswahrscheinlichkeit vom Quadrat der Intensität
des Anregungslichts abhängig und konzentriert sich damit
auf das Beugungshauptmaximum des Fokusbereichs des Anregungslichts
in der Probe. Um angesichts der grundsätzlich geringeren Übergangswahrscheinlichkeit
des Fluoreszenzfarbstoffs aufgrund eines Mehrphotonenprozesses eine
ausreichende Ausbeute an Fluoreszenzlicht von der Probe zu erhalten,
ohne die Probe mit extremen Intensitäten des Anregungslichts
zu beaufschlagen, ist es bekannt, das Anregungslicht zeitlich zu
einzelnen Pulsen zusammenzuziehen. Allein aufgrund dieser zeitlichen
Konzentration des Anregungslichts und der damit einhergehenden erhöhten
Photonenkonzentrationen in jedem einzelnen Puls des Anregungslichts
kommt es zu einer deutlich gesteigerten Ausbeute an Fluoreszenzlicht
gegenüber kontinuierlich, d. h. mit zeitlich konstanter
Intensität auf die Probe einfallendem Anregungslicht. Beispielsweise sorgt
im Falle einer Zweiphotonenanregung die zeitliche Konzentration
des Anregungslichts auf ein Zehntel der Zeit für eine in
dem Zehntel der Zeit auf das Zehnfache erhöhte Intensität
des Anregungslichts und damit für eine auf 102 =
100-fach erhöhte Ausbeute an Fluoreszenzlicht während
dieses Zehntels der Zeit. Im Mittel über die Zeit resultiert
hieraus immer noch ein 100/10 = 10-facher Anstieg der Intensität
des Fluoreszenzlichts bei gleicher Durchschnittsleistung.
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Aus
der
DE 10 2005
027 896.5 A1 ist es z. B. bei der SIED-Fluoreszenzlichtmikroskopie
aber auch bei der Fluoreszenzlichtmikroskopie unter Mehrphotonenanregung
des Fluoreszenzfarbstoffs bekannt, einen zeitlichen Wiederholungsabstand
eines auf die Probe fallenden optischen Signals in einem Bereich von
mindestens 0,1 μs bis 2 μs zu variieren, um die Fluoreszenzlichtausbeute
zu maximieren. Dabei kann das optische Signal von einem Dauerstrichlaser kommen,
wenn eine Abtasteinrichtung zum räumlichen Abtasten der
Probe mit dem optischen Signal vorgesehen ist, die eine solche Abtastgeschwindigkeit
aufweist, dass sich der gewünschte Wiederholungsabstand
einstellt. Die durch den Wiederholungsabstand bereitgestellten Pausen
erlauben es dem Fluoreszenzfarbstoff aus einem Dunkelzustand, insbesondere
einem Triplettzustand, in den er zu einem gewissen Anteil bei jeder
Beaufschlagung mit dem optischen Signal gelangt, zurück
in seinen fluoreszenzfähigen Singulettzustand zu relaxieren.
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AUFGABE DER ERFINDUNG
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Der
Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zum räumlich hochaufgelösten dreidimensionalen
(3D) Abbilden einer mit einem Fluoreszenzfarbstoff markierten Struktur
in einer Probe aufzuzeigen, die mit vergleichsweise geringem Aufwand
realisierbar sind, das vorzeitige Bleichen der Probe durch den Abregungsstrahl vermeidet
und dennoch eine erhebliche Steigerung der Ortsauflösung über
die Beugungsgrenze in allen Raumrichtungen ermöglichen.
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LÖSUNG
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Die
Aufgabe der Erfindung wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen
des unabhängigen Patentanspruchs 1 und durch eine Vorrichtung
mit den Merkmalen des unabhängigen Patentanspruchs 11 gelöst.
Bevorzugte Ausführungsform des neuen Verfahrens sind in
den abhängigen Patentansprüchen 2 bis 10 definiert,
während die abhängigen Patentansprüche
12 bis 20 bevorzugte Ausführungsformen der neuen Vorrichtung
beschreiben.
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BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
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Bei
dem neuen Verfahren wird die Wellenlänge des Anregungslichts
so ausgewählt, dass das Anregungslicht den Fluoreszenzfarbstoff über
einen Mehrphotonenprozess anregt. In aller Regel handelt es sich
hierbei um einen Zweiphotonenprozess. Während das Anregungslicht
für die Mehrphotonenanregung gepulst ist, was sich in bekannter
Weise günstig auf die Fluoreszenzlichtausbeute aufgrund der
Mehrphotonenanregung auswirkt, wird das Abregungslicht, das eine
kürzere Wellenlänge als das Anregungslicht aufweist, über
eine Vielzahl von Pulsen des Anregungslichts hinweg kontinuierlich
oder quasi kontinuierlich auf die Probe gerichtet. Durch die Anregung
des Fluoreszenzfarbstoffs mit dem Anregungslicht über einen
Mehrphotonenprozess ist der Fokusbereich, indem eine effektive Anregung
des Fluoreszenzfarbstoffs erfolgt, im Vergleich zu einer möglichen
Anregung über einen Einphotonenprozess deutlich räumlich
eingegrenzt. Insbesondere ist diese nichtlineare Anregung auf eine
Fokustiefe von typischerweise ~1 μm bei hochaperturigen
Objektiven, die der Ausdehnung dessen Beugungshauptmaximums entlang
der optischen Achse entspricht, beschränkt. Dadurch dass
die Anregung räumlich in 3D eingegrenzt ist, müssen
auch weniger oder gar keine Fluoreszenzfarbstoffe abgeregt werden,
die sich ober- und unterhalb der Fokalebene befinden. Insbesondere
müssen Fluoreszenzfarbstoffe, die sich außerhalb
des fokalen Hauptmaximums befinden, und andernfalls durch einen
Einphotonenprozess angeregt werden würden, nicht durch
das Abregungslicht abgeregt werden.
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Die
Wellenlänge des Abregungslichts ist bevorzugt so gewählt,
dass sie in das rote Ende des Emissionsspektrums des Farbstoffes
fällt. Grundsätzlich gilt daher, dass das Beaufschlagen einer nicht
angeregten Probe mit Abregungslicht nicht zu Bleichen führt,
weil seine Photonenenergie zu gering ist, um den Fluoreszenzfarbstoff
anzuregen. Das Abregungslicht kann aber Fluoreszenzfarbstoffe, die
bereits angeregt sind, nicht nur wie erwünscht abregen, sondern
auch bleichen. Bleichen durch das Abregungslicht erfolgt nur an
bereits angeregten Fluoreszenzfarbstoffen.
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Da
also die Anregung durch die Mehrphotonenanregung von vornherein
dreidimensional auf das Beugungshauptmaximum eingeengt ist, reduziert
sich auch der Bereich in welchem Fluoreszenzfarbstoffe abgeregt
werden müssen. Weil sich die Zahl der unnötigen
Abregungen pro Fluoreszenzfarbstoffmolekül reduziert, reduziert
sich auch das Bleichen, was die nanoskalige 3D-Abbildung durch die SIED-Fluoreszenzmikroskopie
erheblich vereinfacht und bei vielen Farbstoffen sogar erst ermöglicht. Wenn
die Multiphotonenanregung nur in einer 1 μm dicken Schicht
erfolgt, wird bei einer 10 μm dicken Probe die Zahl der
unnötigen Abregungen um das 10-fache reduziert. Wenn also
der Bereich der Probe, in dem das Abregungslicht benötigt
wird, gegenüber dem Messbereich deutlich verkleinert werden
kann, reduziert sich entsprechend das Bleichen durch das Abregungslicht
entsprechend. Dies wird durch die Anregung des Fluoreszenzfarbstoffs über
einen Mehrphotonenprozess zu Fluoreszenz erreicht.
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Damit
wird es ermöglicht, das Abregungslicht in kontinuierlicher
Form, d. h. auf besonders kostengünstige Weise auf die
Probe aufzubringen, ohne den Fluoreszenzfarbstoff dabei zu überbeanspruchen.
Kostenvorteile entstehen in diesem Zusammenhang nicht nur durch
den Verzicht auf ein Pulsen des Abregungslichts, sondern auch durch
die damit entfallende Notwendigkeit, eine Synchronisation zwischen
den Pulsen des Anregungslichts und den Pulsen des Abregungslichts
herzustellen. So ist insbesondere der Aufwand zur Durchführung
des neuen Verfahrens mit einem Fluoreszenzlichtmikroskop, das sowieso
bereits zur Mehrphotonenanregung des Fluoreszenzfarbstoffs ausgerüstet
ist, mit nur minimalem zusätzlichem Aufwand verbunden.
Es muss nur noch das Abregungslicht mit einem einfachen Dauerstrichlaser
bereitgestellt und in geeigneter Weise in das Objektiv des Fluoreszenzlichtmikroskops eingekoppelt
werden.
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Auch
jegliche Synchronisation des Detektors für das von dem
Fluoreszenzfarbstoff spontan emittierte Fluoreszenzlicht mit irgendwelchen
Pulsen des An- oder Abregungslichts kann vollständig entfallen. So
kann der Detektor das von dem Fluoreszenzfarbstoff spontan emittierte Fluoreszenzlicht über
eine Vielzahl von Pulsen des Anregungslichts hinweg kontinuierlich
registrieren. Dabei kann der Detektor das Fluoreszenzlicht z. B.
durch einen Kantenfilter oder ein schmalbandigen Bandpassfilter
von dem Abregungslicht extrahieren oder aber durch einen Polarisationsfilter,
wozu dann auch das Abregungslicht gezielt zu polarisieren ist.
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Besonders
bevorzugt ist es bei dem neuen Verfahren, wenn das Abregungslicht
mit einem Diodenlaser bereitgestellt wird. Derartige Diodenlaser können
zu etwa einem Zehntel der Kosten eines sonst üblichen Pulslasers
für die Bereitstellung des Abregungslichts bei der SIED-Fluoreszenzlichtmikroskopie
als Dauerstrichlaser bereitgestellt werden.
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Bei
dem neuen Verfahren macht sich auch positiv bemerkbar, dass die
effektive Mehrphotonenanregung der Probe durch das Anregungslicht
zu jedem Zeitpunkt ebenfalls auf einen kleineren räumlichen
Bereich beschränkt ist und auch dadurch die Gesamtbelastung
mit dem Anregungslicht, die der Gefahr eines Bleichens des Fluoreszenzfarbstoff
entspricht, verglichen mit der Fluoreszenzausbeute reduziert ist.
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Das
Anregungslicht kann bei dem neuen Verfahren mit einer vergleichsweise
hohen Frequenz von mindestens 80 MHz, vorzugsweise mindestens 100
MHz, mehr bevorzugt mindestens 120 MHz und am meisten bevorzugt
von mindestens 150 MHz gepulst werden. Zumindest mit den beiden
letzten Zahlenangaben wird der übliche Frequenzbereich
von Pulslasern überschritten, die üblicherweise
bei der SIED-Fluoreszenzlichtmikroskopie eingesetzt werden. Dieser
Bereich liegt bei 80 bis 100 MHz. Durch die sehr hohe Frequenz der
Pulse des Anregungslichts sind die Pausen zwischen den Pulsen des
Anregungslichts sehr kurz. So wird verhindert, dass sehr große
Anteile des Abregungslichts auf die Probe fallen, ohne dass sich
dort sehr große Anteile des Fluoreszenzfarbstoffs in dem
Grundzustand befinden.
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Die
einzelnen Pulse des Anregungslichts sind wie bei der Fluoreszenzlichtmikroskopie
unter Mehrphotonenanregung des Fluoreszenzfarbstoffs verglichen
mit ihrem Pulsabstand vorzugsweise relativ kurz. So können
die einzelnen Pulse des Anregungslichts eine Dauer von höchstens
ein Zehntel, vorzugsweise von höchstens ein Hundertstel,
mehr bevorzugt von höchsten ein Tausendstel und am meisten
bevorzugt von höchstens ein Zehntausendstel ihres Pulsabstands
aufweisen. Wie bereits einleitend dargelegt wurde, wird hierdurch
die relative Ausbeute an Fluoreszenzlicht von der Probe gesteigert, bei
gleichbleibender Durchschnittsleistung des Anregungsstrahls.
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Mit
dem neuen Verfahren ist es insbesondere möglich, die Probe
mit dem Messbereich oder einer Mehrzahl gleichartiger Messbereiche,
aus denen das von dem Fluoreszenzfarbstoff spontan emittierte Fluoreszenzlicht
räumlich getrennt registriert wird, dreidimensional abzutasten,
wobei die mit dem Fluoreszenzfarbstoff in der Probe markierte Struktur
dreidimensional aufgelöst wird.
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Um
diese Auflösung insbesondere in z-Richtung, d. h. der Richtung
der optischen Achse des Anregungslichts, zu erreichen, ist es sinnvoll,
das Abregungslicht gerade in dieser Richtung vor und hinter dem
Messbereich auf die Probe zu richten, wie es aus der Druckschrift Proc.
Natl. Acad. Sc. USA, 97, 8206 (2000) bekannt ist. Dabei
reicht jeweils ein Maximum neben einer Intensitätsnullstelle
des Abregungslichts am Ort des Messbereichs aus, um den in dem Fokusbereich
durch Mehrphotonenanregung zur Fluoreszenz angeregten Fluoreszenzfarbstoff wieder
abzuregen. Generell sind mehrere Verfahren und Vorrichtungen zur
Modifikation des Abregestrahls bekannt, die dazu führen,
dass der fokale Messbereich vorteilhaft einengt wird: Phys.
Rev. E, 64, 066613 (2001); Appl. Phys. B 77: 11
(2003); New J. Phys. 8: 106 (2006).
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Auch
ist es vorteilhaft vor dem Detektor eine konfokale Lochblende, und
im Falle von mehreren fokalen Messbereichen ein konfokales Array
von Lochblenden, anzuordnen. Lochblenden unterdrücken Streulicht
sowohl von dem Abregungs- als auch von dem Anregungsstrahl. In einer
weiteren speziellen Ausführungsform wird das Fluorezenzlicht
nicht über die optische Abtasteinrichtung zurückgeführt,
sondern auf einem vereinfachtem optischen Wege registriert, d. h.
einer „non-descanned detection", wie sie dem Fachmann bekannt
ist.
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In
einer speziellen Ausführungsform des neuen Verfahrens werden
das Anregungslicht und das Abregungslicht jeweils nach einer Vielzahl
von Pulsen des Anregungslichts für einen begrenzten Zeitraum
unterbrochen. Diese Unterbrechungen haben ihren Zweck darin, das
Relaxieren des Fluoreszenzfarbstoffs aus einem Dunkelzustand, insbesondere
seinem Triplettzustand, zurück in den fluoreszenten Singulettzustand
abzuwarten, nachdem dieser Dunkelzustand während der vorherigen
Pulse des Anregungslichts durch das Anregungslicht bereits auf ein
erhebliches Maß bevölkert wurde. Diese Bevölkerung
des Dunkelzustands hat eine reduzierte Ausbeute von Fluoreszenzlicht
von der Probe zur Folge und kann zudem mit einer erhöhten
Gefahr des Bleichens des Fluoreszenzfarbstoffs verbunden sein. Über
einen vergleichsweise kurzen Zeitraum im Bereich von 0,5 bis 3 μs,
typischerweise 1 bis 2 μs, klingt der Dunkelzustand jedoch
wieder ab, so dass entsprechende Unterbrechungen der Anregung zu
einer insgesamt erhöhten Ausbeute des Fluoreszenzlichts von
der Probe führen. Sinnvollerweise wird parallel zu der
Zufuhr des Anregungslichts auch das Abregungslichts für
die genannten Zeiträume unterbrochen, um die Probe nicht
unnötig mit dem Abregungslicht zu beaufschlagen. Der Zeitraum
der Vielzahl von Pulsen des Anregungslichts zwischen den Pausen
des Anregungslichts über den das Abregungslicht kontinuierlich
auf die Probe aufgebracht wird, beträgt demgegenüber
typischerweise von 100 ns bis 50 μs und vorzugsweise 0,5
bis 2 μs. Die genaue Dauer dieses Zeitraums hängt
davon ab, wie schnell sich der Triplettzustand oder der Dunkelzustand
praktisch bevölkert.
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Bei
der erfindungsgemäßen Vorrichtung strahlt die
Anregungslichtquelle das Anregungslicht mit einer solchen Wellenlänge
ab, dass das Anregungslicht den Fluoreszenzfarbstoff über
einen Mehrphotonenprozess anregt, und die Abregungslichtquelle richtet
das Abregungslicht, das eine kürzere Wellenlänge
als das Anregungslicht aufweist, über eine Vielzahl von
Pulsen des Anregungslichts hinweg kontinuierlich auf die Probe.
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Der
Detektor der Vorrichtung wird das von dem Fluoreszenzfarbstoff spontan
emittierte Fluoreszenzlicht ebenfalls über eine Vielzahl
von Pulsen des Anregungslichts hinweg kontinuierlich registrieren.
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Besonders
günstig ist die Realisation der neuen Vorrichtung dann,
wenn die Abregungslichtquelle einen kontinuierlich emittierenden
Diodenlaser aufweist. Die Anregungslichtquelle weist hingegen einen
Pulslaser auf, der das Anregungslicht in Pulsen mit der oben erläuterten
Frequenz und der relativen Dauer bezogen auf ihren Abstand abgibt.
Eine Abtasteinrichtung, die bei der neuen Vorrichtung vorgesehen
ist, um die Probe mit dem Messbereich oder einer Mehrzahl gleichartiger
Messbereiche, aus denen der Detektor das von dem Fluoreszenzfarbstoff spontan
emittierte Fluoreszenzlicht räumlich getrennt registriert,
dreidimensional abzutasten, kann grundsätzlich die Probe
gegenüber dem Rest des Fluoreszenzlichtmikroskops bewegen.
Vorzugsweise erfolgt das Abtasten aber durch Verschieben eines optisches
Elements, das sowohl zu der das Anregungslicht in die Probe fokussierenden
Optik als auch zu der das Abregungslicht in die Probe richtenden
Optik zählt. Verschiedene Vorrichtungen zur Rasterung eines
fokussierten Strahls über die Probe sind dem Fachmann hinreichend
aus der Literatur der Laserrastermikroskopie bekannt.
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Um
das Einfallen des Anregungslichts und des Abregungslichts jeweils
nach einer Vielzahl von Pulsen des Anregungslichts für
einen begrenzten Zeitraum zu unterbrechen, kann die neue Vorrichtung eine
Steuerungseinrichtung aufweisen, die vorzugsweise einstellbar ist,
um den begrenzten Zeitraum sowie einen Zeitraum der Vielzahl von
Pulsen, der zwischen zwei solchen begrenzten Zeiträumen
liegt, einzustellen. Solche Steuerungseinrichtungen enthalten vorzugsweise
akustooptische oder elektrooptische Strahlmodulatoren. Der Detektor
der neuen Vorrichtung muss im Übrigen auch nicht mit den
begrenzten Zeiträumen synchronisiert werden, in denen das
Anregungslicht und das Abregungslicht unterbrochen werden, sondern
er kann das von dem Fluoreszenzfarbstoff spontan emittierte Fluoreszenzlicht
auch über diese Zeiträume hinweg kontinuierlich
registrieren, was aber nicht anfällt.
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Vorteilhafte
Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Patentansprüchen,
der Beschreibung und den Zeichnungen. Die in der Beschreibungseinleitung
genannten Vorteile von Merkmalen und von Kombinationen mehrerer
Merkmale sind lediglich beispielhaft und können alternativ
oder kumulativ zur Wirkung kommen, ohne dass die Vorteile zwingend
von erfindungsgemäßen Ausführungsformen
erzielt werden müssen. Weitere Merkmale sind den Zeichnungen – insbesondere
den dargestellten Geometrien und den relativen Abmessungen mehrerer
Bauteile zueinander sowie deren relativer Anordnung und Wirkverbindung – zu
entnehmen. Die Kombination von Merkmalen unterschiedlicher Ausführungsformen
der Erfindung oder von Merkmalen unterschiedlicher Patentansprüche
ist ebenfalls abweichend von den gewählten Rückbeziehungen
der Patentansprüche möglich und wird hiermit angeregt.
Dies betrifft auch solche Merkmale, die in separaten Zeichnungen
dargestellt sind oder bei deren Beschreibung genannt werden. Diese
Merkmale können auch mit Merkmalen unterschiedlicher Patentansprüche
kombiniert werden. Ebenso können in den Patentansprüchen
aufgeführte Merkmale für weitere Ausführungsformen
der Erfindung entfallen.
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KURZBESCHREIBUNG DER FIGUREN
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Die
Erfindung wird im Folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels
unter Bezugnahme auf die beigefügten Figuren näher
erläutert und beschrieben.
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1 zeigt
den schematischen Aufbau einer Ausführungsform der neuen
Vorrichtung.
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2 zeigt
oben den schematischen Zeitverlauf der Intensität des Anregungslichts,
in der Mitte den schematischen Zeitverlauf der Intensität
des Abregungslichts und unten den schematischen Zeitverlauf der
Empfindlichkeit des Detektors zum Registrieren von Fluoreszenzlicht
von einer Probe bei einer Ausführungsform des neuen Verfahrens.
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FIGURENBESCHREIBUNG
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Die
in 1 skizzierte Vorrichtung 1 dient zum
räumlich hochaufgelösten Abbilden einer mit einem
Fluoreszenzfarbstoff markierten Struktur in einer Probe 2.
Hierzu wird mit einer Anregungslichtquelle 3 in Form eines
Pulslasers 4 gepulstes Anregungslicht 5 durch
eine Optik 6 in einen Fokusbereich eines Objektivs 7 in
die Probe gerichtet. In diesem Fokusbereich wird der Fluoreszenzfarbstoff
in der Probe 2 durch einen Zweiprotonenprozess zur Fluoreszenz, d.
h. zur spontanen Emission von Fluoreszenzlicht angeregt. Der Fokusbereich
ist hier als der Bereich definiert, in dem eine effektive Anregung
des Fluoreszenzfarbstoffs über den Zweiphotonenprozess
zur Spontanemission von Fluoreszenzlicht erfolgt. Über einen
Teilbereich des Fokusbereichs, und zwar außerhalb eines
gegenüber dem Fokusbereich verkleinerten Messbereichs wird
der Fluoreszenzfarbstoff sofort wieder abgeregt, indem mit einer
Abregungslichtquelle 8 in Form eines Diodenlasers 9 Abregungslicht 10 kontinuierlich
auf die Probe gerichtet wird. Dabei werden mit einem Phasenmodulator 11 die
ebenen Wellen des Anregungslichts 10 so deformiert, dass
sich in dem Fokusbereich eine Intensitätsverteilung des
Anregungslichts 10 mit einer zentralen Nullstelle und daran
angrenzenden, den Rest des Fokusbereichs abdeckenden Intensitätsmaxima einstellt.
So erfasst ein Detektor 12, der von dem Fluoreszenzfarbstoff
der Probe 2 spontan emittiertes Fluoreszenzlicht registriert,
nur noch Fluoreszenzlicht aus dem Messbereich, der Abmessungen unterhalb
der Beugungsgrenze des Lichts mit den eingesetzten Wellenlängen
aufweist. Das Anregungslicht 5 wird von dem Detektor 12 durch
einen dichroitischen Spiegel 14 ferngehalten, der die Strahlengänge
des Anregungslichts 5 und des Fluoreszenzlichts 13 trennt.
Das Abregungslicht 10 wird von dem Detektor 12 durch
einen dichroitischen Spiegel 15 ferngehalten, der die Strahlengänge
des Abregungslichts 10 und des Fluoreszenzlichts 13 trennt.
Eine Abtasteinrichtung 16 kann dazu vorgesehen sein, ein
optisches Element 17 der Optik 6, durch das Anregungslicht 5 als
auch das Abregungslicht 10 als auch das Fluoreszenzlicht 13 von
der Probe hindurch treten, so bewegt, dass die mit dem Fluoreszenzfarbstoff
in der Probe zwei markierte Strukturen dreidimensional abgetastet
wird.
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2 zeigt
oben den zeitlichen Verlauf der Intensität des Anregungslichts 5.
Zwischen begrenzten Zeiträumen 18, in denen die
Intensität des Anregungslichts null ist, besteht das Anregungslicht
aus einzelnen Pulsen mit einer Pulsdauer kürzer als ihr Abstand.
Die begrenzten Zeiträume 18 weisen eine typische
Dauer von 1 μs auf. Die Frequenz der Pulse 19 des
Anregungslichts 5 liegt bei über 120 MHz, wobei
ihr Abstand mindestens 10 Mal größer ist als ihre Dauer.
Diese Zahlenverhältnisse werden in 2 nicht
vollständig widergespiegelt. In der Mitte zeigt 2 den
Intensitätsverlauf des Abregungslichts 10 über
der Zeit. Das Abregungslicht 10 wird kontinuierlich, d.
h. mit konstanter Intensität, auf die Probe 2 aufgebracht,
außer in den begrenzten Zeiträumen 18,
in dem seine Intensität ebenfalls null ist. Unten zeigt 2 die
Empfindlichkeit 20 des Detektors 12 gemäß 1 über
der Zeit. Diese ist kontinuierlich, d. h. auch über die
begrenzten Zeiträume 18 hinweg gegeben.
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- 1
- Vorrichtung
- 2
- Probe
- 3
- Anregungslichtquelle
- 4
- Pulslaser
- 5
- Anregungslicht
- 6
- Optik
- 7
- Objektiv
- 8
- Abregungslichtquelle
- 9
- Diodenlaser
- 10
- Abregungslicht
- 11
- Phasenmodulator
- 12
- Detektor
- 13
- Spontan
emittiertes Fluoreszenzlicht
- 14
- Dichroitischer
Spiegel
- 15
- Dichroitischer
Spiegel
- 16
- Abtasteinrichtung
- 17
- Optisches
Element
- 18
- Begrenzter
Zeitraum
- 19
- Puls
- 20
- Empfindlichkeit
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
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-
Zitierte Patentliteratur
-
- - US 5731588 [0003]
- - DE 102005027896 A1 [0009]
-
Zitierte Nicht-Patentliteratur
-
- - Proc. Natl.
Acad. Sc. USA, 97, 8206 (2000) [0022]
- - Phys. Rev. E, 64, 066613 (2001) [0022]
- - Appl. Phys. B 77: 11 (2003) [0022]
- - New J. Phys. 8: 106 (2006) [0022]