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Die
vorliegende Erfindung betrifft eine gentechnisch veränderte
Zelle, ein Verfahren zur Herstellung einer gentechnisch veränderten
Zelle, die durch diese Verfahren erhältliche, gentechnisch
veränderte Zelle, Verfahren zur Herstellung von Aldehyden,
insbesondere von 3-Hydroxypropionaldehyd, sowie ein Verfahren zur
Herstellung von C3-Verbindungen aus 3-Hydroxypropionaldehyd.
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3-Hydroxypropionaldehyd
ist eine C3-Verbindung, die durch weitere
Oxidation, Reduktion oder Dehydratisierung, sei es biokatalytisch
oder chemisch-katalytisch, zu den für die chemische Industrie
wichtigen „building blocks" 3-Hydroxypropionsäure,
1,3-Propandiol und Acrolein umgesetzt werden kann. Acrolein ist zum
Beispiel ein wichtiges Intermediat für die Herstellung
von Methionin (zur Verwendung als Pharma-Aminosäure oder
Futtermittel-Additiv), Acrylsäure (Monomer der als Superabsorber
verwendeten Polyacrylsäure) oder Acrylsäuremethylestern
(Monomere für Hochleistungspolymere).
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Aus
dem Stand der Technik ist bereits bekannt, dass 3-Hydroxypropionaldehyd
effizient durch Biotransformation aus Glycerin hergestellt werden
kann. Das verantwortliche Enzym ist die Coenzym B12-abhängige
Glycerin-Dehydratase, die in einer Reihe von Gram-positiven und
Gram-negativen Bakterien nachgewiesen werden konnte. 3-Hydroxypropionaldehyd
kann unter anderem durch Biotransformation von Glycerin mit Lactobacillus
reuteri-Zellen hergestellt werden (siehe zum Beispiel Doleyres
et al.. in Applied Microbiology and Biotechnology, Vol. 68 (4),2005,
Seiten 467–474; Vollenweider und Lacroix in Applied Microbiology
and Biotechnology, Vol. 64 (1), 2004, Seiten 16–27; Lüthi-Peng
et al.. in Applied Microbiology and Biotechnology, Vol. 60 (1–2),
2002, Seiten 73–80.)
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Die
Herstellung von 3-Hydroxypropionaldehyd mit Lactobacillus reuteri
weist mindestens zwei gravierende Nachteile auf. Zum einen vermag
Lactobacillus reuteri das gebildete 3-Hydroxypropionaldehyd teilweise zu
1,3-Propandiol (mit Hilfe des Enzyms 1,3-Propandiol-Oxidoreduktase
bzw. 1,3-Propandiol-Dehydrogenase) (siehe zum Beispiel Vollenweider
und Lacroix in Applied Microbiology and Biotechnology, Vol. 64 (1),
2004, Seiten 16–27) bzw. 3-Hydroxypropionsäure
(mit Hilfe des Enzyms 3-Hydroxypropionaldehyd-Dehydrogenase) (siehe
zum Beispiel Chen et al. in Journal of Biomedical Materials Research,
Vol. 61, 2002, Seiten 360–369) umzusetzen, wodurch
der 3-Hydroxypropionaldehyd-Ertrag reduziert wird. Diese Nebenprodukte
können im Weiteren auch die Aufarbeitung des gebildeten
3-Hydroxypropionaldehyds erschweren. Zum anderen hat Lactobacillus
reuteri, wie andere Lactobacillen, einen geringen Biomasse-Ertrag,
bezogen auf die eingesetzte Kohlenstoffquelle. Ursache ist die Unfähigkeit
dieser Zellen, Sauerstoff als terminaler Elektronenakzeptor zu verwenden.
Es werden daher erhebliche Mengen an reduzierten Gärungsprodukten,
wie etwa Milchsäure, gebildet. Diese Milchsäure-Bildung
wiederum inhibiert das Wachstum der Zellen und führt zu
einer Reduzierung des kohlenstoffquellenbezogenen Biomasse-Ertrages
und zu erhöhten Kosten für die Herstellung der
Biomasse und damit des Biokatalysators.
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Neben
Lactobacillus reuteri wurden auch andere Wirtszellen, wie beispielsweise
Klebsiella pneumoniae, Citrobacter freundii oder Enterobacter agglomerans,
zur fermentativen Herstellung von 3-Hydroxypropionaldehyd eingesetzt
(siehe zum Beispiel Slininger et al. in Applied Environmental
Microbiology, Vol. 46, 1983, Seiten 62–67 und zur Übersicht
Vollenweider und Lacroix in Applied Microbiology and Biotechnology,
Vol. 64 (1), 2004, Seiten 16–27). Der Nachteil
des Einsatzes solcher Mikroorganismen zur Herstellung von 3-Hydroxypropionaldehyd
besteht allerdings darin, dass aufgrund der im Hinblick auf diese
Mikroorganismen bakterioziden Wirkung des gebildeten 3-Hydroxypropionaldehyds
Semicarbazid zugesetzt werden muss, dass durch Umsetzung mit 3-Hydroxypropionaldehyd
zum entsprechenden Semicarbazon 3-Hydroxypropionaldehyd aus dem
Nährmedium entfernt. Bei Abwesenheit von Semicarbazid werden
nur geringe Mengen 3-Hydroxypropionaldehyd gebildet. (siehe
zum Beispiel Vollenweider und Lacroix in Applied Microbiology and
Biotechnologe, Vol. 64 (1), 2004, Seiten 16–27).
Der Zusatz von Semicarbazid wäre aber im Falle einer großtechnischen
Anwendung der Technologie ein erheblicher Kostenfaktor und würde
die weitere Aufarbeitung des 3-Hydroxypropionaldehyds erschweren.
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Schließlich
wurden auch bereits rekombinante Zellen beschrieben, die in der
Lage sind, 3-Hydroxypropionaldehyd zu bilden (siehe zum Beispiel
EP-A-1 669 457 ).
Jedoch musste hier Coenzym B
12 zugesetzt werden,
dass vom Enzym Glycerin-Dehydratase als Cofaktor aufgrund des radikalischen
Reaktionsmechanismus benötigt wird, von den eingesetzten
Zellen aber nicht selbst gebildet werden kann. Aufgrund des hohen Preises
von Coenzym B
12 ist auch diese Technologie
für eine großtechnische Anwendung ungeeignet.
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Der
vorliegenden Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, die sich aus dem
Stand der Technik ergebenden Nachteile zu überwinden.
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Insbesondere
lag der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, Zellen bereitzustellen,
welche noch effizienter als die aus dem Stand der Technik bekannten
Zellen in der Lage sind, Aldehyde aus geeigneten Kohlenstoffverbindungen,
insbesondere jedoch 3-Hydroxypropionaldehyd aus Glycerin herzustellen.
Dabei sollten aus dem Glycerin in möglichst geringem Umfang
von 3-Hydroxypropionaldehyd verschiedene C3-Verbindungen,
so genannte Nebenprodukte, hergestellt werden. Die dafür
verwendeten Zellen sollen in der Lage sein, selbsttätig
das vom Enzym Glycerin-Dehydratase benötigte Coenzym B12 herzustellen.
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Weiterhin
lag der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
zur Herstellung von Aldehyden, insbesondere von 3-Hydroxypropionaldehyd,
anzugeben, mittels dessen diese Aldehyde unmittelbar und insbesondere
ohne vorherige Umsetzung mit reaktiven Verbindungen, wie etwa Semicarbazid,
hergestellt werden können.
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Einen
Beitrag zur Lösung der vorstehend genannten Aufgaben leistet
eine Zelle, die in der Lage ist, Corrinoide zu bilden und die gegenüber
ihrem Wildtyp derart gentechnisch verändert wurde, dass
sie im Vergleich zu ihrem Wildtyp mehr Aldehyde aus Diolen, beispielsweise
aus 1,2-Propandiol, aus Triolen oder aus Polyolen, beispielsweise aus
D-Galactonat oder D-Mannonat, vorzugsweise jedoch mehr 3-Hydroxypropionaldehyd
aus Glycerin, zu bilden vermag. Durch die Fähigkeit der
Zelle, selbst Corrionoide zu bilden, ist diese in der Lage, die
Aldehyde, vorzugweise 3-Hydroxypropionaldehyd, auch in einem Kulturmedium
zu bilden, welches keine Corrionide enthält
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Völlig überraschend,
dafür aber nicht minder vorteilhaft, wurde festgestellt,
dass sich gentechnisch veränderte Zellen, die in der Lage
sind Coenzym B12 herzustellen, eignen, um
effizient beispielsweise 3-Hydroxypropionaldehyd aus Glycerin herzustellen.
Dieses war für den Fachmann keinesfalls vorherzusehen,
da aus dem Stand der Technik bekannt war, dass 3-Hydroxypropionaldehyd
auf zahlreiche Mikroorganismen, deren Wildtyp auf natürliche
Weise kein 3-Hydroxypropionaldehyd bildet und die daher im Gegensatz
zu Lactobacillus reuteri nicht an die Bildung dieser Verbindung
adaptiert sind, bakteriostatisch oder bakteriozid wirkt (siehe
zum Beispiel Chen et al.. in Journal of Biomedical Materials Research,
Vol. 61 (3), 2002, Seiten 360–369). Der Einsatz
von vorzugsweise ruhenden, gentechnisch veränderten Zellen,
die in der Lage sind, Coenzym B12 herzustellen,
ermöglicht die effiziente fermentative Herstellung von
3-Hydroxypropionaldehyd, ohne dass zur Verminderung von dessen bakterioziden
oder bakteriostatischen Wirkung reaktive Verbindungen wie etwa Semicarbazid
zugesetzt werden müssen.
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Unter
einem „Corrionoid" wird ein heteroyclisches Ringsystem
verstanden, welches mit dem Porphyrin-Ring im Hämoglobin
verwand ist. Das Ringsystem des Corrinoids besteht aus vier reduzierten
Pyrrol-Untereinheiten (Tetrapyrrol), die auf zwei gegenüberliegenden
Seiten über je eine -C(CH3)= Methin-Brücke,
auf einer Seite über eine -CH= Methin-Brücke und
auf der letzten Seite direkt verbunden sind. Erfindungsgemäß bevorzugte
Corrionoide sind insbesondere Vitamin B12,
Coenzym B12 und Cobalamin.
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Unter „ruhenden
Zellen" im Sinne der Erfindung werden Zellen verstanden, welche
sich in einem Zustand befinden, in dem die Teilungsfähigkeit
der Zellen infolge eines Mangels an für eine Teilung erforderlichen Stoffwechselprodukten
eingeschränkt, vorzugsweise überhaupt nicht gegeben
ist.
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Unter
einem „Wildtyp" einer Zelle wird vorzugsweise diejenige
Zelle bezeichnet, deren Genom in einem Zustand vorliegt, wie er
natürlicherweise durch die Evolution entstanden ist. Der
Begriff wird sowohl für die gesamte Zelle als auch für
einzelne Gene verwendet. Unter den Begriff "Wildtyp" fallen daher
insbesondere nicht solche Zellen bzw. solche Gene, deren Gensequenzen
zumindest teilweise durch den Menschen mittels rekombinanter Verfahren
verändert worden sind.
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Der
Begriff „3-Hydroxypropionaldehyd", wie er hierin verwendet
wird, beschreibt die entsprechende Verbindung in derjenigen Form,
in der sie nach der Herstellung durch die Zellen im Nährmedium
vorliegt. Der Begriff "3-Hydroxypropionaldehyd" umfasst daher insbesondere
das freie Monomer des 3-Hydroxypropionaldehyds (C3O2H6), das Hydrat
des 3-Hydroxypropionaldehyds (C3O3H8), das zyklisierte
Dimer des 3-Hydroxypropionaldehyds (C6O4H12), Oligomere
des 3- Hydroxypropionaldehyds sowie die als „Reuterin" bekannte
Mischung aus dem Monomer, dem Hydrat des 3-Hydroxypropionaldehyd
und dem zyklisierten Dimer des 3-Hydroxypropionaldehyds.
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Die
Formulierung „dass sie im Vergleich zu ihrem Wildtyp mehr
Aldehyde aus Diolen, Triolen oder Polyolen, vorzugsweise mehr 3-Hydroxypropionaldehyd
aus Glycerin, zu bilden vermag" betrifft auch den Fall, dass der
Wildtyp der gentechnisch veränderten Zelle überhaupt
keine Aldehyde bzw. überhaupt kein 3-Hydroxypropionaldehyd,
zumindest aber keine nachweisbaren Mengen dieser Verbindungen zu
bilden vermag und erst nach der gentechnischen Veränderung
nachweisbare Mengen dieser Verbindung gebildet werden können.
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Weiterhin
soll die Formulierung „mehr Aldehyde aus Diolen, Triolen
oder Polyolen, vorzugsweise mehr 3-Hydroxypropionaldehyd aus Glycerin"
verdeutlichen, dass die Zellen die Aldehyde bzw. 3-Hyroxypropionaldehyd
direkt aus den über das Nährmedium angebotenen
Diolen, Triolen oder Polyolen, vorzugsweise aus Glycerin, herstellen
können, oder aber, dass die Zellen andere Kohlenstoffverbindungen,
wie etwa Glucose, Saccharose oder andere Mono- und Polysaccharide,
zunächst zu Diolen, Triolen oder Polyolen, vorzugsweise zu
Glycerin, umsetzen können und dann diese Diole, Triole
oder Polyole, vorzugsweise das Glycerin, anschließend zu
den entsprechenden Aldehyden, vorzugsweise zum 3-Hydroxypropionaldehyd,
umsetzen können.
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In
diesem Zusammenhang ist es insbesondere bevorzugt, dass die gentechnisch
veränderte Zelle derart gentechnisch verändert
ist, dass sie in einem definierten Zeitintervall, vorzugsweise innerhalb
von 2 Stunden, noch mehr bevorzugt innerhalb von 8 Stunden und am
meisten bevorzugt innerhalb von 24 Stunden, mindestens 2 mal, besonders
bevorzugt mindestens 10 mal, darüber hinaus bevorzugt mindestens
100 mal, darüber hinaus noch mehr bevorzugt mindestens
1.000 mal und am meisten bevorzugt mindestens 10.000 mal mehr Aldehyde,
vorzugsweise mehr 3-Hydroxypropionaldehyd bildet als der Wildtyp
der Zelle. Die Zunahme der Produktbildung kann dabei beispielsweise
dadurch bestimmt werden, dass die erfindungsgemäße
Zelle und die Wildtyp-Zelle jeweils getrennt unter gleichen Bedingungen
(gleiche Zelldichte, gleiches Nährmedium, gleiche Kulturbedingungen)
für ein bestimmtes Zeitintervall in einem geeigneten Nährmedium
kultiviert werden und anschließend die Menge an Zielprodukt
(Aldehyd, vorzugsweise Monomer des 3-Hydroxypropionaldehyds, Hydrat
des 3-Hydroxypropionaldehyds, zyklisiertes Dimer des 3-Hydroxypropionaldehyds,
Oligomer des 3-Hydroxypropionaldehyds oder Reuterin) im Nährmedium
bestimmt wird. Verfahren zur Bestimmung der Menge dieser Verbindungen
in einem Nährmedium mittels GC-MS sind beispielsweise durch Chen
et al. im Journal of Biomedical Materials Research, Vol. 61 (3),
2002, Seiten 360–369 beschrieben.
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Die
erfindungsgemäßen Zellen können sich
grundsätzlich von allen Zellen ableiten, deren Wildtyp
bereits in der Lage ist, Corrinoide, vorzugsweise Vitamin B12, Coenzym B12 und
Cobalamin zu bilden. Denkbar ist jedoch auch der Einsatz von Zellen,
deren Wildtyp nicht oder nicht ausreichend in der Lage ist, Corrinoide
zu bilden, die jedoch durch rekombinante Techniken derart verändert
wurden, dass sie ausreichende Mengen an Corrinoiden bilden können.
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Gemäß einer
ersten besonderen Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Zellen handelt es sich bei den Zellen um rekombinante Zellen der
Gattung Bacillus, insbesondere um solche der Spezies Bacillus megaterium.
Bacillus megaterium ist ein Gram-positives, unbewegliches, stäbchenförmiges
Bakterium, welches eine Größe von etwa 2 × 5 μm
aufweist. Das Bakterium wächst unter aeroben Bedingungen,
ist oxidase-negativ und Katalase-positiv. Wie alle Bakterien aus
der Gattung Bacillus ist Bacillus megaterium endosporenbildend.
Zellen der Spezies Bacillus megaterium sind beispielsweise unter
den Hinterlegungsnummern DSM 32T, DSM 90,
DSM 319, DSM 321, DSM 322, DSM 333, DSM 337, DSM 339, DSM 344, DSM
509, DSM 510, DSM 786, DSM 1517, DSM 1668, DSM 1669, DSM 1670, DSM
1671, DSM 1804, DSM 2894, DSM 3228 und DSM 3641 bei der Deutschen
Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH hinterlegt.
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Gemäß einer
zweiten besonderen Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Zellen handelt es sich bei den Zellen um rekombinante Zellen der
Gattung Escherichia, insbesondere der Spezies Escherichia coli oder
der Spezies Escherichia blattae. Escherichia blattae zählt
zur Familie der Enterobacteriaceae und wächst ebenfalls
unter aeroben Bedingungen. Zellen der Spezies Escherichia blattae
sind beispielsweise unter den Hinterlegungsnummern DSM 4481 bei
der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
hinterlegt.
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Es
ist erfindungsgemäß bevorzugt, dass die erfindungsgemäße
Zelle gemäß der ersten und auch gemäß der
zweiten besonderen Ausführungsform eine im Vergleich zu
ihrem Wildtyp ge steigerte Aktivität eines Enzyms E1 aufweist, welches die Umsetzung von Glycerin
zu 3-Hydroxypropionaldehyd katalysiert.
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Die
nun folgenden Ausführungen zur Erhöhung der Enzymaktivität
in Zellen gelten sowohl für die Erhöhung der Aktivität
des Enzyms E1 als auch für alle
nachfolgend genannten Enzyme, deren Aktivität gegebenenfalls
erhöht werden kann.
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Grundsätzlich
lässt sich eine Steigerung der enzymatischen Aktivität
dadurch erzielen, dass man die Kopienzahl der Gensequenz bzw. der
Gensequenzen erhöht, welche für das Enzym kodieren,
einen starken Promotor verwendet oder ein Gen oder Allel nutzt,
das für ein entsprechendes Enzym mit einer gesteigerten Aktivität
kodiert und gegebenenfalls diese Maßnahmen kombiniert.
Erfindungsgemäß gentechnisch veränderte
Zellen werden beispielsweise durch Transformation, Transduktion,
Konjugation oder eine Kombination dieser Methoden mit einem Vektor
erzeugt, der das gewünschte Gen, ein Allel dieses Gens
oder Teile davon und einen die Expression des Gens ermöglichenden
Vektor enthält. Die heterologe Expression wird insbesondere durch
Integration des Gens oder der Allele in das Chromosom der Zelle
oder einen extrachromosomal replizierenden Vektor erzielt.
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Einen Überblick über
die Möglichkeiten zur Erhöhung der Enzym-Aktivität
in Zellen am Beispiel der Pyruvat-Carboxylase gibt
DE-A-100 31 999 , die hiermit
als Referenz eingeführt wird und deren Offenbarungsgehalt
hinsichtlich der Möglichkeiten zur Erhöhung der
Enzym-Aktivität in Zellen einen Teil der Offenbarung der vorliegenden
Erfindung bildet.
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Die
Expression der vorstehend und aller nachfolgend genannten Enzyme
bzw. Gene ist mit Hilfe von 1- und 2-dimensionaler Proteingelauftrennung
und anschließender optischer Identifizierung der Proteinkonzentration
mit entsprechender Auswertesoftware im Gel nachweisbar. Wenn die
Erhöhung einer Enzymaktivität ausschließlich
auf einer Erhöhung der Expression des entsprechenden Gens
basiert, so kann die Quantifizierung der Erhöhung der Enzymaktivität
in einfacher Weise durch einen Vergleich der 1- oder 2-dimensionalen
Proteinauftrennungen zwischen Wildtyp und gentechnisch veränderter
Zelle bestimmt werden. Eine gebräuchliche Methode
zur Präparation der Proteingele bei coryneformen Bakterien
und zur Identifizierung der Proteine ist die von Hermann et al.
in Electrophoresis, Volume 22: 1712–23 (2001)
beschriebene Vorgehensweise. Die Proteinkonzentration kann ebenfalls
durch Western-Blot-Hybridisierung mit einem für das nachzuweisende
Protein spezifischen Antikörper (Sambrook et al.,
Molecular Cloning: a laboratory manual, 2nd Ed. Cold Spring Harbor
Laboratory Press, Cold Spring Harbor, N.Y. USA, 1989) und
anschließender optische Auswertung mit entsprechender Software
zur Konzentrationsbestimmung (Lohaus und Meyer (1989) Biospektrum, 5:
32–39; Lottspeich (1999), Angewandte Chemie 111: 2630–2647)
analysiert werden. Die Aktivität von DNA-bindenden Proteinen
kann mittels DNA-Band-Shift-Assays (auch als Gelretardation
bezeichnet) gemessen werden (Wilson et al. (2001), Journal of Bacteriology,
183: 2151–2155). Die Wirkung von DNAbindenden Proteinen
auf die Expression anderer Gene kann durch verschiedene gut beschriebene
Methoden des Reportergen-Assays nachgewiesen werden (Sambrook
et al., Molecular Cloning: a laboratory manual, 2nd Ed. Cold Spring
Harbor Laboratory Press, Cold Spring Harbor, N.Y. USA, 1989).
Die intrazellulären enzymatischen Aktivitäten
können nach verschiedenen beschriebenen Methoden (Donahue
et al. (2000) Journal of Bacteriology 182 (19): 5624–5627;
Ray et al. (2000) Journal of Bacteriology 182 (8): 2277–2284;
Freedberg et al. (1973) Journal of Bacteriology 115 (3): 816–823)
bestimmt werden. Sofern in den nachfolgenden Ausführungen
keine konkreten Methoden zur Bestimmung der Aktivität eines
bestimmten Enzyms angegeben werden, erfolgt die Bestimmung der Steigerung
der Enzymaktivität und auch die Bestimmung der Verminderung
einer Enzymaktivität vorzugsweise mittels der in Hermann
et al.., Electrophoresis, 22: 1712–23 (2001), Lohaus
et al.., Biospektrum 5 32-39 (1998), Lottspeich, Angewandte Chemie
111: 2630–2647 (1999) und Wilson et al.., Journal of Bacteriology
183: 2151–2155 (2001) beschriebenen Methoden.
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Wird
die Erhöhung der Enzymaktivität durch Mutation
des endogenen Gens bewerkstelligt, so können derartige
Mutationen entweder nach klassischen Methoden ungerichtet erzeugt
werden, wie etwa durch UV-Bestrahlung oder durch mutationsauslösende
Chemikalien, oder gezielt mittels gentechnologischer Methoden wie
Deletion(en), Insertion(en) und/oder Nukleotidaustausch(e). Durch
diese Mutationen werden gentechnisch veränderte Zellen
erhalten. Besonders bevorzugte Mutanten von Enzymen sind insbesondere
auch solche Enzyme, die nicht mehr oder zumindest im Vergleich zum
Wildtyp-Enzym vermindert feedback-inhibierbar sind.
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Wird
die Erhöhung der Enzymaktivität durch Erhöhung
der Expression eines Enzyms bewerkstelligt, so erhöht man
beispielsweise die Kopienzahl der entsprechenden Gene oder mutiert
die Promotor- und Regulationsregion oder die Riboso menbindungsstelle,
die sich stromaufwärts des Strukturgens befindet. In gleicher Weise
wirken Expressionskassetten, die stromaufwärts des Strukturgens
eingebaut werden. Durch induzierbare Promotoren ist es zusätzlich
möglich, die Expression zu jedem beliebigen Zeitpunkt zu
steigern. Des Weiteren können dem Enzym-Gen als regulatorische
Sequenzen aber auch so genannte "Enhancer" zugeordnet sein, die über
eine verbesserte Wechselwirkung zwischen RNA-Polymerase und DNA
ebenfalls eine erhöhte Genexpression bewirken. Durch Maßnahmen
zur Verlängerung der Lebensdauer der mRNA wird ebenfalls
die Expression verbessert. Weiterhin wird durch Verhinderung des
Abbaus des Enzymproteins ebenfalls die Enzymaktivität verstärkt.
Die Gene oder Genkonstrukte liegen dabei entweder in Plasmiden mit
unterschiedlicher Kopienzahl vor oder sind im Chromosom integriert
und amplifiziert. Alternativ kann weiterhin eine Überexpression
der betreffenden Gene durch Veränderung der Medienzusammensetzung
und Kulturführung erreicht werden. Anleitungen hierzu findet
der Fachmann unter anderem bei Martin et al.. (Bio/Technology 5,
137–146 (1987)), bei Guerrero et al.. (Gene 138, 35–41
(1994)), Tsuchiya und Morinaga (Bio/Technology 6, 428-430 (1988)),
bei Eikmanns et al.. (Gene 102, 93–98 (1991)), in
EP-A-0 472 869 ,
im
US 4,601,893 , bei
Schwarzer und Pühler (Bio/Technology 9, 84–87
(1991), bei Reinscheid et al.. (Applied and Environmental Microbiology 60,
126–132 (1994)), bei LaBarre et al.. (Journal of Bacteriology
175, 1001–1007 (1993)), in
WO-A-96/15246 , bei Malumbres et al.. (Gene
134, 15–24 (1993), in
JP-A-10-229891 , bei Jensen und Hammer (Biotechnology and
Bioengineering 58, 191–195 (1998) und in bekannten Lehrbüchern
der Genetik und Molekularbiologie. Die vor stehend beschriebenen
Maßnahmen führen ebenso wie die Mutationen zu
gentechnisch veränderten Zellen.
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Zur
Erhöhung der Expression der jeweiligen Gene werden zum
Beispiel episomale Plasmide eingesetzt. Als Plasmide eignen sich
insbesondere solche, die in coryneformen Bakterien repliziert werden.
Zahlreiche bekannte Plasmidvektoren, wie zum Beispiel pZ1 (Menkel
et al.., Applied and Environmental Microbiology 64: 549–554
(1989)), pEKEx1 (Eikmanns et al.., Gene 107: 69–74 (1991))
oder pHS2-1 (Sonnen et al.., Gene 107: 69–74 (1991)) beruhen
auf den kryptischen Plasmiden pHM1519, pBLl oder pGAl. Andere Plasmidvektoren,
wie zum Beispiel solche, die auf pCG4 (
US 4,489,160 ) oder pNG2 (Serwold-Davis
et al.., FEMS Microbiology Letters 66: 119–124 (1990)),
pAG1 (
US 5,158,891 )
oder pWH1520 (Rygus und Rillen, Applied Microbiology and Biotechnology
35: 594–599 (1991)) beruhen, können in gleicher
Weise eingesetzt werden.
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Weiterhin
eignen sich auch solche Plasmidvektoren, mit Hilfe derer man das
Verfahren der Genamplifikation durch Integration in das Chromosom
anwenden kann, so wie es beispielsweise von Reinscheid et
al.. (Applied and Environmental Microbiology 60: 126–132
(1994)) zur Duplikation bzw. Amplifikation des hom-thrB-Operons
beschrieben wurde. Bei dieser Methode wird das vollständige
Gen in einen Plasmidvektor kloniert, der in einem Wirt (typischerweise
Escherichia coli), nicht aber in Corynebacterium glutamicum repliziert
werden kann. Als Vektoren kommen beispielsweise pSUP301 (Simon et
al.., Bio/Technology 1: 784–791 (1983)), pK18mob
oder pK19mob (Schäfer et al.., Gene 145: 69–73
(1994)), pGEM-T (Promega Corporation, Madison, Wiscon sin,
USA), pCR2.1-TOPO (Shuman, Journal of Biological Chemistry
269: 32678–84 (1994)), pCR®Blunt (Invitrogen,
Groningen, Niederlande), pEMi (Schrumpf et al.., Journal
of Bacteriology 173: 4510–4516)) oder pBGS8 (Spratt
et al.., Gene 41: 337–342 (1986)) in Frage. Der
Plasmidvektor, der das zu amplifizierende Gen enthält,
wird anschließend durch Konjugation oder Transformation
in den gewünschten Stamm von Corynebacterium glutamicum überführt.
Die Methode der Konjugation ist beispielsweise bei Schäfer
et al.., Applied and Environmental Microbiology 60: 756–759
(1994) beschrieben. Methoden zur Transformation sind beispielsweise
bei Thierbach et al.., Applied Microbiology and Biotechnology 29:
356–362 (1988), Dunican und Shivnan, Bio/Technology 7:
1067–1070 (1989) und Tauch et al.., FEMS Microbiology Letters
123: 343–347 (1994) beschrieben. Nach homologer
Rekombination mittels eines „cross-over"-Ereignisses enthält der
resultierende Stamm mindestens zwei Kopien des betreffenden Gens.
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Unter
der vorstehend und in den nachfolgenden Ausführungen verwendeten
Formulierung „eine gegenüber ihrem Wildtyp gesteigerte
Aktivität eines Enzyms Ex" ist vorzugsweise stets eine
um ein den Faktor von mindestens 2, besonders bevorzugt von mindestens
10, darüber hinaus bevorzugt von mindestens 100, darüber
hinaus noch mehr bevorzugt von mindestens 1.000 und am meisten bevorzugt
von mindestens 10.000 gesteigerte Aktivität des jeweiligen
Enzyms Ex zu verstehen. Weiterhin umfasst
die erfindungsgemäße Zelle, welche „eine
gegenüber ihrem Wildtyp gesteigerte Aktivität
eines Enzyms Ex" aufweist, insbesondere
auch eine Zelle, deren Wildtyp keine oder zumindest keine nachweisbare
Aktivität dieses Enzyms Ex aufweist
und die erst nach Erhöhung der Enzymaktivität,
beispielsweise durch Überexpression, eine nachweisbare
Aktivität dieses Enzyms Ex zeigt. In diesem Zusammenhang
umfasst der Begriff „Überexpression" oder die
in den nachfolgenden Ausführungen verwendete Formulierung „Erhöhung
der Expression" auch den Fall, dass eine Ausgangszelle, beispielsweise
eine Wildtyp-Zelle, keine oder zumindest keine nachweisbare Expression
aufweist und erst durch rekombinante Verfahren eine nachweisbare
Expression des für Enzyms Ex kodierenden Gens induziert
wird.
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Unter
der nachfolgend verwendeten Formulierung „verminderte Aktivität
eines Enzyms Ex" wird dementsprechend vorzugsweise eine um einen
Faktor von mindestens 0,5, besonders bevorzugt von mindestens 0,1,
darüber hinaus bevorzugt von mindestens 0,01, darüber
hinaus noch mehr bevorzugt von mindestens 0,001 und am meisten bevorzugt
von mindestens 0,0001 verminderte Aktivität verstanden.
Die Verminderung der Aktivität eines bestimmten Enzyms
kann beispielsweise durch gezielte Mutation, durch Zugabe von kompetitiven
oder nicht kompetitiven Inhibitoren oder durch andere, dem Fachmann
bekannte Maßnahmen zur Verminderung der Expression eines
für ein bestimmtes Enzym kodierenden Gens erfolgen.
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Bei
dem Enzym E
1, welches die Umsetzung von
Glycerin zu 3-Hydroxypropion-aldehyd katalysiert, handelt es sich
vorzugsweise um eine Glycerin-Dehydratase bzw. eine Diol-Dehydratase
(EC 4.2.1.30). Die vorliegende Erfindung betrifft daher insbesondere
Zellen, die in der Lage sind, Corrinoide zu bilden und in denen
die Aktivität der Glycerin-Dehydratase bzw. der Diol-Dehydratase
erhöht worden ist. Dieses Enzym wird vorzugsweise von den
Genen kodiert ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus pduC,
pduD, pduE, pddA, pddB, pddC, dhaB, dhaC, dhaE und den gldABC-Genen
aus Lactobacillus reuteri ATCC55730. Vorteilhaft ist weiterhin der
Einsatz der in
WO-A-2004/056963 beschriebenen
Glycerin-Dehydratase-Variante SHGDH22, welche die in
WO-A-2004/056963 offenbarte
SEQ.-ID-Nr. 322 aufweist. Die Nukleotidsequenz dieser und weiterer
geeigneter Gene für eine Glycerin-Dehydratase können
beispielsweise der „Kyoto Encyclopedia of Genes and Genomes"
(KEGG-Datenbank), den Datenbanken des National Center for Biotechnology
Information (NCBI) der National Library of Medicine (Bethesda, MD,
USA) oder der Nukleotidsequenz-Datenbank der European Molecular
Biologies Laboratories entnommen werden. Weiterhin kann es erfindungsgemäß vorteilhaft sein,
in den Zellen insbesondere die Glycerin-Dehydratase aus den Gattungen
Klebsiella, Citrobacter, Clostridium, Lactobacillus, Enterobacter,
Caloramator, Salmonella und Listeria, besonders bevorzugt die Glycerin-Dehydratase
aus den Spezies Klebsiella pneumoniae, Citrobacter pneumoniae, Clostridium
pasteurianum, Lactobacillus leichmannii, Citrobacter intermedium,
Lactobacillus reuteri, Lactobacillus buchneri, Lactobacillus brevis,
Enterobacter agglomerans, Clostridium pasteurianum, Clostridium
perfringens, Clostridium kluyveri, Caloramator viterbensis, Lactobacillus
collinoides, Lactobacillus hilgardii, Salmonella typhimurium, Listeria monocytogenes
und Listeria innocua zu exprimieren, wobei die Expression der Glycerin-Dehydratase
aus den Zellen der Spezies Lactobacillus reuteri in Bacillus megaterium-,
Escherichia coli- oder Escherichia blattae-Zellen am meisten bevorzugt
ist. Besonders bevorzugt ist daher eine Bacillus megaterium-, Escherichia
coli- oder Escherichia blattae-Zelle, in der eine Glycerin-Dehydratase
exprimiert wird, die von dem Gen für die Glycerin-Dehydratase
aus Lactobacillus reuteri kodiert wird. Im Zusammenhang mit der
Diol-Dehydratase kann es vorteilhaft sein, in den Zellen insbesondere
die Diol-Dehydratase aus den Gattungen Klebsiella, Propionibacterium,
Clostridium, Lactobacillus, Salmonella, Citrobacter, Flavobacterium,
Acetobacterium, Brucella und Fusobacterium, besonders bevorzugt
aus den Spezies Klebsiella pneumoniae, Propionibacterium freudenreichii, Clostridium
glycolicum, Lactobacillus brevis, Salmonella typhimurium, Citrobacter
freundii, Lactobacillus buchneri, Brucella melitensis, Fusobacterium
nucleatum, Klebsiella oxytoca, Salmonella typhimurium, Listeria
monocytogenes und Listeria innocua zu exprimieren.
-
Weiterhin
ist es erfindungsgemäß bevorzugt, dass in der
Zelle zusätzlich zur Aktivität des Enzyms E1 auch die Aktivität eines Enzyms
E2 erhöht ist, welches die Reaktivierung
von inaktiviertem Enzym E1 katalysiert,
wobei es sich bei diesem Enzym E2 vorzugsweise
um den Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktor oder einen Diol-Dehydratase-Reaktivierungsfaktor
handelt. Bei dem Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktor bzw.
dem Diol-Dehydratase-Reaktivierungs-faktor handelt es sich um einen
Faktor, der in der Lage ist, dass nach Durchführung der
Umsetzung von Glycerin zum 3-Hydroxypropionaldehyd inaktivierte
Zentrum der Dehydratase zu reaktivieren. Das aktive Zentrum der
Glycerin-Dehydratase bzw. der Diol-Dehydratase umfasst das Coenzym
B12, welches nach der Umsetzung des Glycerins
zum 3-Hydroxypropionaldehyd inaktiviert wird. Der Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktor
bzw. der Diol-Dehydratase-Reaktivierungsfaktor sind in der Lage,
dieses inaktivierte Coenzym B12 durch ein
aktives Coenzym B12 zu ersetzen. Vorzugsweise
umfasst der Dehydratase-Reaktivierungsfaktor eine große
Untereinheit des Glycerin-Dehydratase- Reaktivierungsfaktors oder
des Diol-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors und eine kleine Untereinheit
des Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors oder des Diol-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors,
besonders bevorzugt eines große Untereinheit des Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors
und eine kleine Untereinheit des Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors
oder des Diol-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors, am meisten bevorzugt
eines Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors und eine kleine
Untereinheit des Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors. Weiterhin
kann beispielsweise die große Untereinheit des Diol-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors
vom ddrA-Gen und die große Untereinheit des Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors
vom gdrA-Gen kodiert werden, während die kleine Untereinheit
des Diol-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors vom ddrB-Gen und die
kleine Untereinheit des Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktors
vom gdrB-Gen kodiert werden kann. Besonders vorteilhaft ist insbesondere
die Expression der gldDE-Gene aus Lactobacillus reuteri ATCC55730
in den erfindungsgemäßen Zellen. Beispielsweise
kann in den erfindungsgemäßen Zellen der Glycerin-Dehydratase-Reaktivierungsfaktor
aus Zellen der Gattung Lactobacillus, Klebsiella, Citrobacter, Clostridium
und Enterobacter exprimiert werden, insbesondere aus Zellen der
Spezies Lactobacillus sp., Klebsiella pneumoniae, Lactobacillus
leichmannii, Citrobacter freundii, Citrobacter intermedium, Lactobacillus
reuteri, Lactobacillus buchneri, Lactobacillus brevis, Clostridium
pasteurianum, Enterobacter agglomerans und Clostridium kluyveri
und am meisten bevorzugt aus Zellen der Spezies Lactobacillus reuteri.
Der Diol-Dehydratase-Reaktivierungsfaktor stammt vorzugsweise aus Zellen
der Gattung Klebsiella, Citrobacter, Propionibacterium, Lactobacillus,
Flavobacterium und Acetobacterium, insbesondere aus den Spezies
Klebsiella pneumoniae, Citrobacter freundii, Propionibacterium freudenreichii,
Lactobacillus brevis, Lactobacillus buchneri, Flavobacterium sp.
und Acetobacterium sp., wobei der Diol-Dehydratase-Reaktivierungsfaktor
aus der Gattung Lactobacillus, insbesondere aus den Spezies Lactobacillus
brevis und Lactobacillus buchneri am meisten bevorzugt ist.
-
Weiterhin
können im Falle einer Expression der Dehydratase und des
Dehydratase-Reaktivierungsfaktors in den erfindungsgemäßen
Zellen diese beiden Komponenten aus der gleichen Spezies oder aber
von unterschiedlichen Spezies stammen.
-
Weiterhin
ist es erfindungsgemäß bevorzugt, dass in der
Zelle neben der Aktivität des Enzyms E1 und gegebenenfalls
auch der Aktivität des Enzyms E2 die
Aktivität eines Enzyms E3 erhöht
ist, welches die Diffusion von Glycerin in die Zelle hinein erleichtert.
Durch diese Maßnahme kann das Vermögen der Zelle, über
das Nährmedium bereitgestelltes Glycerin aufzunehmen und
intrazellulär zu 3-Hydroxypropionaldehyd umzusetzen, verbessert
werden. Vorzugsweise handelt es sich bei dem Enzym E3 um
einen Glycerin-Kanal bzw. einen Glycerin-Facilitator (TC 1.A.8.1.1,
TC 1.A.8.2.1 oder TC 1.A.8.2.2), der vorzugsweise vom glpF-Gen kodiert wird.
-
Im
Falle einer erfindungsgemäßen Zelle, welche 3-Hydroxypropionaldehyd
aus Glycerin herstellen kann, ist es grundsätzlich auch
denkbar, die erfindungsgemäße Zelle durch rekombinante
Maßnahmen derart zu modifizieren, dass sie nicht nur über
das Nährmedium bereitgestelltes Glycerin aufnehmen und
intrazellulär zu 3-Hydroxypropionaldehyd umsetzen kann,
sondern dass sie gegebenenfalls auch über das Nährmedium bereitgestellte
Glucose, Saccharose oder andere Mono- und Polysaccharide aufnehmen,
intrazellulär zu Glycerin umsetzen und dann das Glycerin
intrazellulär zu 3-Hydroxypropionaldehyd umsetzen kann.
Alternativ kann das gebildete Glycerin zwischenzeitlich auch extrazellulär
akkumulieren, bevor es wieder in die Zelle aufgenommen und intrazellulär
zu 3-Hydroxypropionaldehyd umgesetzt wird. In diesem Zusammenhang
kann es insbesondere vorteilhaft sein, wenn in den Zellen zusätzlich
zur Aktivität des Enzyms E1 und
gegebenenfalls der Enzyme E2 und E3 auch die Aktivität mindestens
eines der Enzyme E4, E5,
E6 oder E7 erhöht
ist:
- – eines Enzyms E4,
welches die Umsetzung von Dihydroxyaceton-Phosphat zu Glycerin-3-Phosphat
katalysiert;
- – eines Enzyms E5, welches
die Umsetzung von Glycerin-3-Phosphat zu Glycerin katalysiert;
- – eines Enzyms E6, welches
die Umsetzung von Dihydroxyaceton-Phosphat zu Dihydroxyaceton katalysiert;
- – eines Enzyms E7, welches
die Umsetzung von Dihydroxyaceton zu Glycerin katalysiert.
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Bevorzugte
Zellen sind insbesondere diejenigen Zellen, in denen die Aktivität
folgender Enzyme bzw. Kombination von Enzymen erhöht ist:
E1E4, E1E5, E1E6,
E1E7, E1E4E5, E1E4E6, E1E4E7, E1E5E6, E1E5E7, E1E6E7, E1E2E4, E1E2E5, E1E2E6, E1E2E7 und E1E2E4E5E6E7,
wobei die Kombination E1E2E4E5E6E7 am meisten bevorzugt ist.
-
In
diesem Zusammenhang ist es weiterhin bevorzugt, dass das Enzym
E4 eine Glycerin-3-Phosphat-Dehydrogenase
(EC 1.1.1.8),
E5 eine Glycerin-3-Phosphat-Phosphatase
(EC 3.1.3.21),
E6 Dihydroxyaceton-Phosphat-Phosphatase
(EC 3.1.3.1), und
E7 eine Glycerin-Dehydrogenase
(EC 1.1.1.6)
ist.
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Die
Glycerin-3-Phosphat-Dehydrogenase wird vorzugsweise von Genen ausgewählt
aus der Gruppe umfassend Gpo1, Gpd2, LOC607942, Gpdh und gpsA kodiert.
Die Glycerin-3-Phosphat-Phosphatase wird vorzugsweise von dem entsprechenden
Gen dieses Enzyms aus Escherichia coli kodiert. Die Dihydroxyaceton-Phosphat-Phosphatase
wird vorzugweise von Genen ausgewählt aus der Gruppe umfassend
phoA, ALPI, ALPL, ALPP, ALPPL2, Akp2, Akp3 und Akp5 kodiert, während
die Glycerin-Dehydrogenase vorzugsweise vom gldA-Gen kodiert wird.
-
Die
Nukleotidsequenzen weiterer geeigneter Gene der Enzyme E4 bis E7 können
der KEGG-Datenbank, der NCBI-Datenbank oder EMBL-Datenbank entnommen
werden.
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Weiterhin
kann es im Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen
Zelle auch vorteilhaft sein, wenn die Zelle zusätzlich
zur Erhöhung des Enzyms E1, zur
Erhöhung des Enzyms E1 und E2, zur Erhöhung der Enzyme E1, E2 und eines oder
mehrerer der E3 bis E7 eine
verminderte Aktivität mindestens eines der Enzyme E6 bis E11 aufweist:
- – eines Enzyms E8,
welches die Umsetzung von Glycerin zu Glycerol-3-Phosphat katalysiert;
- – eines Enzyms E9, welches
die Umsetzung von Glycerin zu Dihydroxyaceton katalysiert;
- – eines Enzyms E10, welches
die Umsetzung von 3-Hydroxypropionaldehyd zu 1,3-Propandiol katalysiert;
- – eines Enzyms E11, welches
die Umsetzung von 3-Hydroxypropionaldehyd zu 3-Hydroxypropionsäure
katalysiert.
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Bevorzugte
Zellen sind insbesondere diejenigen Zellen, in denen die Aktivität
folgender Enzyme bzw. Kombination von Enzymen vermindert ist: E8, E9, E10,
E11, E8E9, E8E10,
E8E11, E9E10, E9E11, E10E11 und E8E9E10E11, wobei die Kombination E8E9E10E11 am
meisten bevorzugt ist.
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In
diesem Zusammenhang ist es insbesondere bevorzugt, dass das Enzym
E8 eine Glycerin-Kinase (EC 2.7.1.30),
E9 eine Glycerin-Dehydrogenase (EC 1.1.1.6
oder EC 1.1.1.156 oder EC 1.1.99.22) und
E10 eine
1,3-Propandiol-Dehydrogenase (EC 1.1.1.202)
E11 eine
3-Hydroxypropionaldehyd-Dehydrogenase (EC 1.2.1.3 oder EC 1.2.1.5)
ist.
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Einen
Beitrag zur Lösung der eingangs genannten Aufgaben leistet
weiterhin ein Verfahren zur Herstellung einer gentechnisch veränderten
Zelle, die in der Lage ist, Corrionoide zu bilden, umfassend den
Verfahrensschritt der Erhö hung der Aktivität eines
Enzyms E1, welches die intrazelluläre
Umsetzung von Diolen, Triolen oder Polyolen zu Aldehyden, vorzugsweise
von Glycerin zu 3-Hydroxypropionaldehyd, katalysiert. Bevorzugte
Enzyme E1 sind dabei insbesondere diejenigen,
die bereits vorstehend im Zusammenhang mit den erfindungsgemäßen
Zellen genannt worden sind.
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Weiterhin
ist es gemäß einer besonderen Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens bevorzugt, dass
das Verfahren zusätzlich den Verfahrensschritt des Erhöhens
der Aktivität eines Enzyms E2,
welches die Reaktivierung von inaktiviertem Enzym E1 katalysiert,
und gegebenenfalls auch zusätzlich die Erhöhung
eines Enzyms E4, welches die Umsetzung von
Dihydroxyaceton-Phosphat zu Glycerin-3-Phosphat katalysiert, und/oder
eines Enzyms E5, welches die Umsetzung von
Glycerin-3-Phosphat zu Glycerin katalysiert, und/oder eines Enzyms
E6, welches die Umsetzung von Dihydroxyaceton-Phosphat
zu Dihydroxyaceton katalysiert, und/oder eines Enzyms E7,
welches die Umsetzung von Dihydroxyaceton zu Glycerin katalysiert,
umfasst, wobei bevorzugte Enzyme E2, E4, E5, E6 und
E7 wiederum diejenigen sind, die bereits
eingangs im Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen
Zelle genannt worden sind.
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Weiterhin
kann das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung
einer gentechnisch veränderten Zelle auch noch den Verfahrensschritt
der Verminderung der Aktivität eines oder mehrere der im
Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen Zelle genannten
Enzyme E8 bis E11 umfassen.
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Sofern
die erfindungsgemäßen Zellen Aldehyde aus Diolen,
beispielsweise Propionaldehyd aus 1,2-Propandiol, herstel len können,
ist es bevorzugt, dass die erfindungsgemäße Zelle
eine gesteigerte Aktivität eines Enzyms E12 aufweist,
welches die Umsetzung von 1,2-Diolen zu den entsprechenden Aldehyden
katalysiert, wobei es sich bei diesem Enzym E12 vorzugsweise
um eine Diol-Dehydratase handelt. Sofern die erfindungsgemäßen
Zellen Aldehyde aus Polyolen, beispielsweise 2-Dehydro-3-deoxy-D-Galactonat
aus D-Galactonat oder 2-Dehydro-3-deoxy-D-Gluconat aus D-Mannonat
herstellen können, ist es bevorzugt, dass die erfindungsgemäße
Zelle eine gesteigerte Aktivität eines Enzyms E13 aufweist, welches die Umsetzung von Polyolen
zu den entsprechenden Aldehyden katalysiert, wobei es sich bei diesem
Enzym E13 vorzugsweise um eine D-Galactonat-Dehydratase
oder um eine D-Mannonat-Dehydratase handelt.
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Einen
Beitrag zur Lösung der eingangs genannten Aufgaben leistet
weiterhin die durch das vorstehend beschriebene Verfahren erhältliche
Zelle.
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Einen
Beitrag zur Lösung der eingangs genannten Aufgaben leistet
auch ein Verfahren zur Herstellung von Aldehyden aus Diolen, Triolen
oder Polyolen, vorzugsweise von 3-Hydroxypropionaldehyd aus Glycerin, umfassend
die folgenden Verfahrensschritte:
- i) in Kontakt
bringen einer erfindungsgemäßen Zelle oder einer
durch das erfindungsgemäße Verfahren erhältlichen
Zelle mit einem Kulturmedium, welches die Bildung von Biomasse ermöglicht,
wobei dieses in Kontakt bringen der Zelle mit dem Nährmedium
vorzugsweise unter Bedingungen erfolgt, unter denen keine Aldehyde,
vorzugswei se kein 3-Hydroxypropionaldehyd, in für die Zellen
toxischer Konzentration gebildet werden;
- ii) gegebenenfalls Abtrennen der Zellen von dem Kulturmedium;
- iii) in Kontakt bringen der Zellen mit einem Kulturmedium, in
welchem die pro Zeit- und Volumeneinheit gebildete Biomasse um mindestens
50 besonders bevorzugt um mindestens 90%, besonders bevorzugt um mindestens
99 gegenüber der pro Zeit- und Volumeneinheit im Verfahrensschritt
i) gebildeten Biomasse reduziert ist und welches Diole, Triole oder
Polyole, vorzugsweise Glycerin, beinhaltet, unter Bedingungen, unter
denen die Zellen aus den Diolen, Triolen oder Polyolen Aldehyde,
vorzugsweise aus dem Glycerin 3-Hydroxypropionaldehyd, bilden;
- iv) gegebenenfalls Aufreinigung der gebildeten Aldehyde, vorzugsweise
des gebildeten 3-Hydroxypropionaldehyds, aus dem Kulturmedium.
-
Im
Verfahrensschritt i) des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird eine erfindungsgemäße Zelle oder eine durch
das erfindungsgemäße Verfahren erhältliche
Zelle mit einem Kulturmedium, welches die Bildung von Biomasse aus
den Zellen ermöglicht, in Kontakt gebracht. Die Formulierung „welches
die Bildung von Biomasse aus den Zellen ermöglicht" soll
dabei zum Ausdruck bringen, dass die Zellen in dem im Verfahrensschritt
i) eingesetzten Kulturmedium in der Lage sind, sich ausreichend
zu teilen.
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Bei
dem im Verfahrensschritt i) eingesetzten Kulturmedium handelt es
sich vorzugsweise um ein Nährmedium beinhaltend als Kohlenstoffquelle
vorzugsweise Kohlenhydrate, insbesondere Glucose, Saccharose oder
andere Mono- und Polysaccharide, Glycerin oder eine Mischung aus
Kohlenhydraten, insbesondere Glucose, und Glycerin. Sofern die im
erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung von
Aldehyden, vorzugsweise von 3-Hydroxypropionaldehyd, eingesetzten
Zellen in der Lage sind, Aldehyde, insbesondere 3-Hydroxypropionaldehyd
aus Kohlenhydraten wie etwa Glucose, Saccharose oder andere Mono-
und Polysaccharide herzustellen, ist es vorteilhaft, dass die Aktivität
des Enzyms E1 und gegebenenfalls auch die
Aktivität des Enzyms E2 während
der Durchführung des Verfahrensschrittes i) noch nicht
erhöht ist, um zu verhindern, dass schon im Verfahrensschritt
i) Aldehyde, insbesondere 3-Hydroxypropionaldehyd, gebildet wird.
Dieses kann beispielsweise dadurch realisiert werden, dass die Gene
des Enzyms E1 und gegebenenfalls des Enzyms
E2 sich in den Zellen unter der Kontrolle
geeigneter Promotoren befinden und erst im Verfahrensschritt iii)
diese Promotoren induziert werden. Wird beispielsweise der lacZ-Promotor
eingesetzt, so könnte die Expression der unter der Kontrolle
dieses Promotors liegenden Gene für das Enzym E1 und gegebenenfalls auch für das
Enzym E2 durch die Zugabe geeigneter Induktoren
wie etwa IPTG erst im Verfahrensschritt iii) erfolgen. Denkbar ist weiterhin
der Einsatz von Promotoren, die über bestimmte physikalische
Parameter, wie etwa die Temperatur, reguliert werden können,
um die Expression des Enzyms E1 und gegebenenfalls
auch des Enzyms E2 zu steuern.
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Die
erfindungsgemäßen, gentechnisch veränderten
Zellen können kontinuierlich oder diskontinuierlich im
batch-Verfahren (Satzkultivierung) oder im fed-batch-Verfahren (Zulaufverfahren)
oder repeated-fed-batch-Verfahren (repetitives Zulaufverfahren)
zum Zwecke der Erzeugung von Biomasse im Verfahrensschritt i) mit
dem Nährmedium in Kontakt gebracht und somit kultiviert
werden. Denkbar ist auch ein semi-kontinuierliches Verfahren, wie
es in der
GB-A-1009370 beschrieben
wird. Eine Zusammenfassung über bekannte Kultivierungsmethoden
sind im Lehrbuch von Chmiel („Bioprozesstechnik 1. Einführung
in die Bioverfahrenstechnik” (Gustav Fischer Verlag, Stuttgart,
1991)) oder im Lehrbuch von Storhas („Bioreaktoren und periphere
Einrichtungen", Vieweg Verlag, Braunschweig/Wiesbaden, 1994) beschrieben.
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Das
zu verwendende Kulturmedium im Verfahrensschritt i) muss in geeigneter
Weise den Ansprüchen der jeweiligen Stämme genügen.
Beschreibungen von Kulturmedien verschiedener Mikroorganismen sind
im Handbuch "Manual of Methods for General Bacteriology" der American
Society for Bacteriology (Washington D. C., USA, 1981) enthalten.
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Als
Kohlenstoffquelle können Kohlehydrate wie Z. B. Glucose,
Saccharose, Lactose, Fructose, Maltose, Melasse, Stärke
und Cellulose, Öle und Fette wie z. B. Sojaöl,
Sonnenblumenöl, Erdnussöl und Kokosfett, Fettsäuren
wie z. B. Palmitinsäure, Stearinsäure und Linolsäure
oder Glycerin verwendet werden. Diese Stoffe können einzeln
oder als Mischung verwendet werden. Besonders bevorzugt ist der
Einsatz von Kohlehydraten, insbesondere von Glucose, oder von Glycerin.
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Als
Stickstoffquelle können organische Stickstoff-haltige Verbindungen
wie Peptone, Hefeextrakt, Fleischextrakt, Malzextrakt, Maisquellwasser,
Sojabohnenmehl und Harnstoff oder anorganische Verbindungen wie
Ammoniumsulfat, Ammoniumchlorid, Ammoniumphosphat, Ammoniumcarbonat
und Ammoniumnitrat verwendet werden. Die Stickstoffquellen können
einzeln oder als Mischung verwendet werden.
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Als
Phosphorquelle können Phosphorsäure, Kaliumdihydrogenphosphat
oder Dikaliumhydrogenphosphat oder die entsprechenden Natrium-haltigen
Salze verwendet werden. Das Kulturmedium muss weiterhin Salze von
Metallen enthalten wie z. B. Magnesiumsulfat oder Eisensulfat, die
für das Wachstum notwendig sind. Schließlich können
essentielle Wuchsstoffe wie Aminosäuren und Vitamine zusätzlich
zu den oben genannten Stoffen eingesetzt werden. Dem Kulturmedium
können überdies geeignete Vorstufen zugesetzt
werden. Die genannten Einsatzstoffe können zur Kultur in
Form eines einmaligen Ansatzes hinzugegeben oder in geeigneter Weise
während der Kultivierung zugefüttert werden.
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Zur
pH-Kontrolle der Kultur werden basische Verbindungen wie Natriumhydroxid,
Kaliumhydroxid, Ammoniak bzw. Ammoniakwasser oder saure Verbindungen
wie Phosphorsäure oder Schwefelsäure in geeigneter
Weise eingesetzt. Zur Kontrolle der Schaumentwicklung können
Antischaummittel wie z. B. Fettsäurepolyglykolester eingesetzt
werden. Zur Aufrechterhaltung der Stabilität von Plasmiden
können dem Medium geeignete selektiv wirkende Stoffe wie
z. B. Antibiotika hinzugefügt werden. Um aerobe Bedingungen
aufrechtzuerhalten, werden Sauerstoff oder Sauerstoff-haltige Gasmischungen,
wie z. B. Luft, in die Kultur eingetragen. Die Temperatur der Kultur
liegt normalerweise bei 20°C bis 80°C und vorzugsweise
bei 25°C bis 40°C.
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Nachdem
im Verfahrensschritt i) eine ausreichende Biomasse von rekombinanten
Bacillus megaterium-, Escherichia coli- oder Escherichia blattae-Zellen
hergestellt worden ist, kann es, insbesondere dann, wenn die Zellen
nicht an ein oder in einem Substrat immobilisiert und in dieser
Form im Verfahrensschritt iii) zur Herstellung von Aldehyden bzw.
3-Hydroxypropionaldehyd eingesetzt werden sollen, vorteilhaft sein,
die so erhaltenen Zellen im Verfahrensschritt ii) von dem verwendeten
Kulturmedium abzutrennen. Das Abtrennen der Zellen erfolgt dabei
mittels dem Fachmann bekannter Abtrennverfahren. Denkbar ist in
diesem Zusammenhang insbesondere eine kontinuierliche Abtrennung
der Zellen von dem Nährmedium beispielsweise mittels eines
geeigneten Filters, etwa mittels eines Filters mit einer Ausschlußgröße
in einem Bereich von 20 bis 200 kDa. Denkbar ist auch der Einsatz
einer Zentrifuge, einer geeigneten Sedimentationsvorrichtung oder
einer Kombination dieser Vorrichtungen, wobei es besonders bevorzugt
ist, zumindest einen Teil der Mikroorganismen zunächst
durch Sedimentation abzutrennen und anschließend die von
den Mikroorganismen teilweise befreite Fermentationsbrühe
einer Ultrafiltration oder Zentrifugationsvorrichtung zuzuführen.
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Die
auf diese Weise abgetrennten Zellen werden, wenn sie in mehreren
nacheinander durchgeführten Trennstufen erhalten wurden,
gegebenenfalls vereinigt und können direkt dem Verfahrensschritt
iii) zugeführt werden. Es kann sich jedoch als vorteilhaft
erweisen, die Zellen vor der Durchführung des Verfahrensschrittes iii)
noch zu waschen, wobei dieses Waschen vorzugsweise bereits mit demjenigen
Kulturmedium erfolgt, welches im Verfahrensschritt iii) eingesetzt
wird. Zum Waschen der Zellen können diese beispielsweise
in einem geeigneten Volumen des im Verfahrensschritt iii) eingesetzten
Kulturmediums resuspendiert und anschließend durch die
vorstehend beschriebenen Abtrennverfahren, insbesondere durch Filtration,
Sedimentation oder Zentrifugation, oder aber durch eine Kombination
dieser Maßnahmen, von dem Kulturmedium befreit werden. Auf
diese Weise können die Zellen von denjenigen Komponenten
des im Verfahrensschritt i) eingesetzten Nährmediums, welche
insbesondere ein Wachstum der Zellen ermöglichen (Stickstoffverbindungen,
Phosphorverbindungen, essentielle Aminosäuren und dergleichen)
befreit werden.
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Im
Verfahrensschritt iii) des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden die Zellen dann als „ruhende Zellen" mit einem Kulturmedium,
in welchem die auf eine Zeit- und Volumeneinheit bezogene Biomasse-Bildung um
mindestens 50%, besonders bevorzugt um mindestens 90%, besonders
bevorzugt um mindestens 99% gegenüber der auf eine Zeit-
und Volumeneinheit bezogene Biomassebildung im Verfahrensschritt
i) reduziert ist, und welches Diole, Triole oder Polyole, vorzugsweise
Glycerin, beinhaltet, unter Bedingungen, unter denen die Zellen
aus den Diolen, Triolen oder Polyolen Aldehyde, vorzugsweise aus
dem Glycerin 3-Hydroxypropionaldehyd, bilden, in Kontakt gebracht.
Am meisten bevorzugt erfolgt im Verfahrensschritt iii) der Einsatz
eines Kulturmediums, in dem keine nachweisbare Biomassenbildung
mehr erfolgt, sich die Zellen also kaum noch nennenswert teilen.
Eine Reduktion der Biomassebildung von 50% ist beispielsweise erreicht,
wenn in dem im Verfahrensschritt i) eingesetzten Kulturme dium unter
den Kultivierungsbedingungen im Verfahrensschritt i) 10 g Mikroorganismen
pro Liter und pro Stunde gebildet werden, während im Verfahrensschritt
iii) mittels des dort eingesetzten Kulturmediums unter den gleichen
Kultivierungsbedingungen wie im Verfahrensschritt i) nur 5 g Mikroorganismen
pro Liter und pro Stunde gebildet werden.
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In
diesem Kulturmedium sind die erfindungsgemäßen
Zellen dann in der Lage, die über das Kulturmedium angebotenen
Diole, Triole oder Polyole, vorzugsweise das angebotene Glycerin,
in hoher Ausbeute zu Aldehyden, vorzugsweise zu 3-Hydroxypropionaldehyd,
umzusetzen.
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Sofern,
wie vorstehend beschrieben, die Aktivität des Enzyms E1 und gegebenenfalls auch des Enzyms E2 beispielsweise durch den Einsatz geeigneter
Promotoren erst im Verfahrensschritt iii) erhöht wird,
enthält das im Verfahrensschritt iii) eingesetzte Kulturmedium
neben dem Glycerin auch geeignete Induktoren des Promotors bzw.
werden entsprechende physikalische Parameter, wie etwa die Temperatur,
im Verfahrensschritt iii) entsprechend eingestellt, um die Expression
der Enzyme zu induzieren.
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Als
Kulturmedium können im Verfahrensschritt iii) alle dem
Fachmann bekannten Lösungsmittel bzw. Lösungen
eingesetzt werden, die geeignet sind, um Zellen der Spezies Bacillus
megaterium, Escherichia coli oder Escherichia blattae zu kultivieren,
ohne dass sich diese Zellen in nennenswertem Maße teilen,
jedoch ohne die Vitalität der Zellen in nennenswertem Maße
zu beeinträchtigen. So sollen die Zellen nach einer gegebenenfalls
in einem weiteren Verfahrensschritt v) erfolgenden Abtrennung von
dem im Verfahrens schritt iii) eingesetzten Kulturmedium möglichst
wieder in der Lage sein, bei einer Resuspendierung in einem die
Zellteilung ermöglichenden Nährmedium wieder neue
Biomasse zu bilden.
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Denkbar
als Kulturmedium im Verfahrensschritt iii) ist beispielsweise der
Einsatz von Wasser, von gepufferten Salzlösungen wie etwa
PBS („phosphate buffered saline") oder anderen Salzlösungen,
wobei diese Medien vorzugsweise geeignete pH-Puffersysteme, wie
etwa HEPES, MOPS oder andere Pufferkomponenten beinhalten.
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Es
ist erfindungsgemäß bevorzugt, dass das im Verfahrensschritt
iii) eingesetzte Kulturmedium keine Corrinoide, vorzugsweise kein
Coenzym B12, kein Vitamin B12 und
kein Cobalamin beinhaltet.
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Die
so gebildeten Aldehyde bzw. das so gebildete 3-Hydroxypropionaldehyd
können dann in einem weiteren Verfahrensschritt iv) von
dem im Verfahrensschritt iii) eingesetzten Kulturmedium und von
gegebenenfalls nicht umgesetzten Glycerin abgetrennt und somit aufgereinigt
werden, wobei diese Aufreinigung durch dem Fachmann bekannte Verfahren,
wie beispielsweise durch Kristallisation, durch Lyophilisierung,
durch chromatographische Verfahren oder durch eine Kombination dieser
Verfahren erfolgen kann. Weitere Möglichkeiten zur Aufreinigung
von beispielsweise 3 Hydroxypropionaldehyd und dessen Derivaten
können unter anderem Vollenweider et al. in Journal
of Agricultural and Food Chemistry, Vol. 51, 2003, Seiten 3.287–3.293 entnommen
werden, deren Offenbarungsgehalt hinsichtlich der Möglichkeiten
zur Aufreinigung von 3-Hydroxypropionaledehyd aus Fermentationslösungen
hiermit als Referenz eingeführt wird und einen Teil der
Offenbarung der vorliegenden Erfindung bildet. Nach Aufreinigung
der Aldehyde kann im Falle des 3-Hydroxypropionaldehyds eine Zusammensetzung
erhalten werden, die, je nach Art des Aufreinigungsverfahrens, neben
dem Monomer des 3-Hydroxypropionaldehyds auch das Hydrat des 3-Hydroxypropionaldehyds,
das zyklisierte Dimer des 3-Hydroxypropionaldehyds und gegebenenfalls
weitere Oligomere des 3-Hydroxypropionaldehyds beinhaltet.
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Einen
Beitrag zur Lösung der eingangs genannten Aufgaben leistet
weiterhin ein Verfahren zur Herstellung von 3-Hydroxypropionaldehyd
aus Glucose, Saccharose oder anderen Mono- und Polysacchariden, umfassend
die folgenden Verfahrensschritte:
- I) in Kontakt
bringen einer erfindungsgemäßen Zelle, in der
neben der Aktivität des Enzyms E1 und
gegebenenfalls auch des Enzyms E2 auch die
Aktivität mindestens eines der, vorzugsweise aller Enzyme
E4 bis E7 erhöht
ist, mit einem Kulturmedium, welches eine Bildung von Biomasse aus
den Zellen ermöglicht, wobei dieses in Kontakt bringen
der Zelle mit dem Nährmedium vorzugsweise unter Bedingungen
erfolgt, unter denen keine Aldehyde, vorzugsweise kein 3-Hydroxypropionaldehyd,
in für die Zellen toxischer Konzentration gebildet werden;
- II) gegebenenfalls Abtrennen der Zellen von dem Kulturmedium;
- III) in Kontakt bringen der Zellen mit einem Kulturmedium, in
welchem die pro Zeit- und Volumeneinheit gebildete Biomasse um mindestens
50%, besonders bevorzugt um mindestens 90 besonders bevorzugt um mindestens
99 gegenüber der pro Zeit- und Volumeneinheit im Verfahrensschritt
I) gebildeten Biomasse reduziert ist und welches Glucose, Saccharose
oder andere Mono- und Polysaccharide sowie gegebenenfalls auch Glycerin
beinhaltet, unter Bedingungen, unter denen die Zellen aus der Glucose,
Saccharose oder anderen Mono- und Polysacchariden über
Glycerin als Zwischenprodukt und gegebenenfalls auch direkt aus
Glycerin 3-Hydroxypropionaldehyd bilden;
- IV) gegebenenfalls Aufreinigung des gebildeten 3-Hydroxypropionaldehyds
aus dem Kulturmedium.
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Hinsichtlich
der Einzelheiten zu diesem Verfahren wird auf die entsprechenden
Ausführungen im Zusammenhang mit dem vorstehend beschriebenen
Verfahren zur Herstellung von 3-Hydroxypropionaldehyd aus Glycerin,
umfassend die Verfahrensschritte i) bis iv) verwiesen.
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Einen
weiteren Beitrag zur Lösung der eingangs genannten Aufgaben
leistet auch ein Verfahren zur Herstellung von C3-Verbindungen aus
3-Hydroxypropionaldehyd, umfassend die Verfahrensschritte:
- A) Bereitstellung von 3-Hydroxypropionaldehyd
mittels des vorstehend beschriebenen Verfahrens zur Herstellung
von 3-Hydroxypropionaldehyd aus Glycerin oder des vorstehend beschriebenen
Verfahrens zur Herstellung von 3- Hydroxypropionaldehyd aus Glucose,
Saccharose oder anderen Mono- und Polysacchariden;
- B) chemische oder biokatalytische Umsetzung des 3-Hydroxypropionaldehys
durch Reduktion, Oxidation oder Dehydratisierung unter Erhalt von
C3-Verbindungen;
- C) gegebenenfalls die weitere chemische oder biokatalytische
Umsetzung der im Verfahrensschritt II) erhaltenen C3-Verbindung
durch Reduktion, Oxidation oder Addition.
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Zunächst
wird im Verfahrensschritt I) 3-Hydroxypropionaldehyd mittels des
vorstehend beschriebenen Verfahrens zur Herstellung von 3-Hydroxypropionaldehyd
aus Glycerin oder des vorstehend beschriebenen Verfahrens zur Herstellung
von 3-Hydroxypropionaldehyd aus Glucose, Saccharose oder anderen
Mono- und Polysacchariden bereitgestellt, wobei dieses gegebenenfalls,
wie vorstehend im Zusammenhang mit diesen Verfahren beschrieben,
aus der Fermentationslösung aufgereinigt worden sein kann.
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Im
Verfahrensschritt II) kann 3-Hydroxypropionaldehyd dann chemisch
oder biokatalytisch durch Reduktion, Oxidation oder Dehydratisierung
unter Erhalt von C
3-Verbindungen, insbesondere
unter Erhalt von 1,3-Propandiol (Reduktion), Acrolein (Dehydratisierung)
oder 3-Hydroxypropionsäure (Oxidation), umgesetzt werden.
Dabei sind Einzelheiten zur Umsetzung von 3-Hydroxypropionaldehyd
zu Acrolein unter anderem durch
Hall und Stern in Journal
of the Chemical Society, 1950, Seiten 490–498 beschrieben,
während Einzelheiten zur Herstellung von 1,3-Propandiol
aus 3-Hydroxypropionaldehyd unter anderem der
US 5,334,778 entnommen werden können.
Die Herstellung von 3- Hydroxypropionsäure aus 3-Hydroxypropionaldehyd
wiederum ist unter anderem in
US
6,852,517 beschrieben.
-
Gegebenenfalls
können die im Verfahrensschritt C) erhaltenen C
3-Verbindungen in einem weiteren Verfahrensschritt
D) chemisch oder mikrobiologisch durch Reduktion, Oxidation oder
Addition noch weiter umgesetzt werden. In Betracht kommt hier insbesondere
die Umsetzung von im Verfahrensschritt C) erhaltenem Acrolein durch
Oxidation zur Acrylsäure, die dann gegebenenfalls in einem
noch weiteren Verfahrensschritt D) radikalisch unter Bildung von
auf Acrylsäure basierenden Polymeren umgesetzt werden kann.
In Betracht kommt hier insbesondere die radikalische Polymerisierung
von gegebenenfalls teilneutralisierter Acrylsäure in Gegenwart
geeigneter Vernetzer unter Bildung wasserabsorbierender Polyacrylate,
die auch als „Superabsorber" bezeichnet werden. Die chemische
Oxidation von Acrolein zu Acrylsäure und die anschließende
radikalische Polymerisation der so erhaltenen Acrylsäure
ist unter anderem in der
WO-A-2006/136336 beschrieben.
-
Die
vorliegende Erfindung wird nun anhand nicht limitierender Beispiele
näher erläutert:
-
Beispiel 1
-
(Vergleichende Analyse der Resistenz von
ruhenden Bakterienzellen gegenüber 3-Hydroxypropionaldehyd)
-
- – Zur Analyse der Resistenz ruhender
Bakterienzellen gegenüber 3-Hydroxypropionaldehyd (3-Hydroxypropionaldehyd)
wurde in einem Zwei-Stufen- Prozess eine wässrige 3-Hydroxypropionaldehyd-Lösung hergestellt.
Dazu wurden 10 ml MRS-Medium (Difco, Heidelberg), welches zusätzlich
20 mM Glycerin enthielt, mit 1% (v/v) einer Gefrierkultur von L.
reuteri beimpft, 18 h ohne Schütteln bei 37°C
inkubiert und diese Vorkultur vollständig zu 40 ml frischem
MRS-Medium gegeben und weitere 6 h bei 37°C ohne Schütteln inkubiert.
Die zweite Vorkultur wurde ebenfalls vollständig in 1 l
frisches MRS-Medium überführt und 15 h bei 37°C
ohne Schütteln in einer 1000-ml-Schottflasche kultiviert.
Anschließend wurden die Zellen geerntet (10 min, 4000 g,
RT), mit 0,1 M Kalium-Phosphatpuffer gewaschen und direkt für
die Produktion von 3-Hydroxypropionaldehyd eingesetzt. Das Zellpellet
wurde in 100 ml 250 mM Glycerin resuspendiert, um die Biotransformation
von Glycerin zu 3-Hydroxypropionaldehyd zu starten. Nach 60 min
wurde der Ansatz erneut zentrifugiert (10 min, 12000 g, 4°C;
der resultierende Überstand enthielt 160 mM 3-Hydroxypropionaldehyd.
Die Quantifizierung von 3-Hydroxypropionaldehyd wurde mittels eines
colorimetrischen Tests gemäß Doleyres et al. („Production
of 3-hydroxypropionaldehyde using a two-step process with Lactobacillus reuteri,
Applied Microbiology and Biotechnology, Vol. 68, 2005, Seiten 467–474)
durchgeführt.
- – Zur Analyse der Wirtsresistenz wurden 5 ml LB-Medium
(nach Miller; Merck KGaA, Darmstadt) mit B. megaterium DSM319- bzw.
E. blattae DSM4481-Zellen von einer frischen LB-Platte (nach Miller;
Merck KGaA, Darmstadt) angeimpft und ca. 8 h bei 37°C und
mit 180 rpm inkubiert. Anschließend wurden 100 ml LB-Medium
mit 1,5% (v/v) der Vorkultur beimpft und die Zellen bis zur stationären Phase
(ca. 16 h) bei 37°C, 180 rpm kultiviert. L. reuteri-Zellen
wurden wie oben beschrieben in MRS-Medium (ohne Glycerin) kultiviert.
Anschließend wurden die Zellen durch eine Zentrifugation
(10 min, 5292 g, 4°C) geerntet, einmal mit 0,1 M Kalium-Phosphatpuffer
(pH 7) gewaschen und in 5 ml der oben beschriebenen 160 mM 3-Hydroxypropionaldehyd-Lösung
resuspendiert. Die Biomassekonzentration betrug ~1 × 1010 Zellen pro ml.
- – Die Ansätze wurden 1 h bei Raumtemperatur
inkubiert und jeweils nach 10 min 100 μl-Proben zur Bestimmung
der Lebendzellzahl entnommen. Dazu wurden geeignete Verdünnungen
der Zellsuspension in Verdünnungslösung (0,85%
(w/v) NaCl, 0,1% (w/v) Pepton aus Casein) auf MRS-Agarplatten ausplattiert
und 48 h anaerob bei 37°C inkubiert. Anschließend
wurden die Zellkolonien ausgezählt und die Lebendzellzahl bestimmt.
Es wurde beobachtet, dass ebenso wie bei Lactobacillus reuteri ATCC55730
die Inkubation ruhender B. megaterium DSM319- bzw. E. blattae DSM4481-Zellen
mit 3-Hydroxypropionaldehyd nicht zu einer signifikanten Reduktion
der Lebendzellzahl innerhalb des analysierten Zeitraums führt.
Die 3-Hydroxypropionaldehyd-Konzentration nahm über den
analysierten Zeitraums hinweg nicht signifikant ab.
-
Beispiel 2
-
(Herstellung einer rekombinanten B. megaterium-Zelle,
bei der die Aktivität der Glycerin-Dehydratase erhöht worden
ist)
-
- – Zur Überexpression der
Lactobacillus reuteri ATCC55730 Gene gldABC (Enzym E1)
und gldDE (Enzym E2, siehe auch GenBank-Einträge
DQ233724-DQ233720) (SEQ.-ID-Nr. 01) in Escherichia blattae DSM4481
und Bacillus megaterium DSM319 wurde das Plasmid pWH1520-gldABCDE
konstruiert (SEQ.-ID Nr. 02). Chromosomale DNA aus Lactobacillus
reuteri ATCC55730 diente als Matrize für eine PCR mit dem „ExpandTM High Fideltiy"-PCR-Kit von Roche Diagnostics
(Mannheim), gemäß Angaben des Herstellers. Der
kodierende Bereich der die Glycerin-Dehydratase (gldABC) und den
zugehörigen Reaktivierungsfaktors (gldDE) kodierenden Gene
einschließlich 34 bp vor dem gldA-Startkodon wurde mit
Hilfe der Oligonukleotide Bm GDfw XmaI (SEQ.-ID-Nr. 03) und Bm GDRFrv
SphI (SEQ.-ID-Nr. 04) aus der chromosmalen DNA von Lactobacillus
reuteri ATCC55730 in einer PCR amplifiziert ("PCR protocols.
A guide to methods and applications", 1990, Academic Press)
und auf diesem Wege am 5'-Ende bzw. 3'-Ende mit einer XmaI bzw.
einer SphI-Schnittstelle versehen. Dafür wurden die folgenden
Oligonukleotide eingesetzt:
- – Bm_GDfw_XmaI:
5'-TCC CCC CGG
GCA TTA AGT AGA TCT GGA AGG AGG A-3' (SEQ.-ID-Nr. 02, beinhaltend
eine XmaI-Erkennungssequenz am 5'-Ende)
- – Bm_GDRFrv_SphI:
5'-ACA TGC ATG CAA ATC ACC TGT TTA CCA TTT CCT
T-3' (SEQ.-ID-Nr. 03, beinhaltend eine SphI-Erkennungssequenz am
5'-Ende)
- – Das PCR-Produkt (5.212 Basenpaare) wurde mittels
des QIAquick PCR-Purification Kits (Qiagen, Hilden) gemäß den
Angaben des Herstellers aufgereinigt und anschlie ßend mittels
der Restriktionsendonukleasen XmaI und SphI (gemäß den
Angaben des Herstellers, New England Biolabs, Schwalbach) geschnitten.
Das nunmehr 5.202 bp große Fragment wurde in den XmaI/SphI-geschnittenen
Expressionsvektor pWH1520 (7.896 Basenpaare; beschrieben
durch Rygus und Rillen in Applied Microbiology and Biotechnology,
Vol. 35 (5), 1991, Seiten 594–599) ligiert. Das
resultierende Plasmid pWH1520-gldABCDE (SEQ.-ID-Nr. 02) ist 13.098
Basenpaare groß. Die Ligation sowie die Transformation
chemisch kompetenter E. coli-Zellen (New England Biolabs, Schwalbach)
erfolgten in dem Fachmann bekannter Art und Weise. Die Authentizität
des Inserts wurde durch eine DNA-Sequenzanalyse überprüft.
- – Das Plasmid pWH1520-gldABCDE wie auch der Leervektor
pWH1520 wurden mittels Protoplastentransformation gemäß Biedendieck
(Biedendieck, „Versatile Tools for Production,
Secretion and Purification of Recombinant Proteins", 2006, Dissertation,
S. 45–47) in B. megaterium DSM319 eingebracht.
Der resultierende Stamm wurde B. megaterium/pWH1520-gldABCDE genannt.
-
Beispiel 3
-
(Herstellung einer rekombinanten E. blattae-Zelle,
bei der die Aktivität der Glycerin-Dehydratase erhöht
worden ist)
-
- – Um die Eignung von E. blattae für
die Produktion von 3-Hydroxypropionaldehyd zu testen, wurde zunächst
der B. megaterium xylA-Promoter in Plasmid pWH1520-g1dABCDE durch
den lacZ-Promoter aus E. coli ersetzt. Dazu wurde der lacZ-Promoter
mittels PCR gemäß Innis et al. unter Verwendung
von pUC19-DNA (GenBank-Eintrag L09137) als Matrize und folgender
Oligonukleotide amplifiziert:
PlacZ-fw:
5'- TAT ATA GCT AGC CTC ATT AGG CAC CCC
AGG C-3' (SEQ.-ID Nr. 05, beinhaltend eine NheI-Erkennungssequenz
am 5'-Ende)
PlacZ-rv:
5'- TAT ATA CCC GGG CAA TTC CAC ACA ACA TAC GAG CC-3'
(SEQ.-ID Nr. 06, beinhaltend eine XmaI-Erkennungssequenz am 5'-Ende)
Das
PCR-Produkt (84 Basenpaare) wurde mittels des QIA-quick-PCR-Aufreinigungskits
von Qiagen, Hilden, gemäß den Angaben des Herstellers
aufgereinigt. Das aufgereinigte PCR-Produkt wurde mittels NheI und
XmaI (ebenfalls gemäß den Angaben des Herstellers
der Restriktionsendonukleasen, New England Biolabs, Schwalbach)
verdaut und in den NheI/XmaI-geschnittenen Vektor pWH1520-gldABCDE
(Beispiel 2) unter Erhalt des Vektors pWH1520-gldABCDE-lacZ (10.896
Basenpaare, SEQ.-ID-Nr. 07) ligiert. Die Authentizität
des Inserts wurde mittels DNA-Sequenzierung bestimmt. Ligation des
Expressionsvektors sowie die Herstellung und die Transformation
chemisch kompetenter E. coli-Zellen erfolgten in dem Fachmann bekannter
Art und Weise.
Um die Eignung von via directed evolution verbesserten
Glycerin-Dehydratasen für die Produktion von 3-Hydroxypropionaldehyd
zu prüfen, wurde die in Patenanmeldung WO-A-2004/056963 unter
der SEQ.-ID-Nr. 322 aufgeführte Klebsiella pneumoniae Glycerin-Dehydratase-Variante
SHGDH22 verwendet. Diese Variante zeichnet sich gegenüber
dem Wildtyp-Biokatalysator durch knapp sechsfach erhöhten
Umsatz von Glycerin zu 3-Hydroxypropionaldehyd in Gegenwart von
600 mM 1,3-Propandiol aus. Die entsprechende kodierende Sequenz
(SEQ.-ID-Nr. 08) wurde durch die GeneArt AG (Regensburg) synthetisiert.
Um ein synthetisches Operon aus der die Glycerin-Dehydratase-Variante
SHGDH22 kodierenden Sequenz und den kodierenden Sequenzen des zugehörigen
Reaktivierungsfaktors (große und kleine Untereinheit) zu konstruieren,
wurde zunächst die Glycerin-Dehydratase-Variante SHGDH22
kodierende Sequenz mittels PCR (gemäß Innis et
al.) mit dem durch GeneArt bereitgestellten Vektor, welcher als
Insert die Glycerin-Dehydratase-Variante SHGDH22 kodierende Sequenz
enthält, als Matrize und folgenden Oligonukleotiden amplifiziert:
GD-fw:
5'-
TAT ATA CCC GGG AAG GAG GAC TAC TTT ATT ATG AAA AGA TCA AAA CGA
TTT GCA G-3' (SEQ.-ID Nr. 09, beinhaltend eine XmaI-Erkennungssequenz
am 5'-Ende)
GD-rv:
5'- GAC ATG GTA TAT CTC CTT AGC TTC
CTT TAC GTA GCT TAT GCC-3' (SEQ.-ID Nr. 10)
Das PCR-Produkt
(2.738 Basenpaare) wurde mittels des QIAquick-PCR-Aufreinigungskits
von Qiagen, Hilden, gemäß den Angaben des Herstellers
aufgereinigt. Parallel wurde das in Patentanmeldung EP-A-1 669 457 beschriebene
synthetische Operon aus den die große und kleine Untereinheit
des zugehörigen Reaktivierungsfaktors aus Klebsiella pneumoniae
ATCC25955 kodierenden Sequenzen unter Verwendung von Vektor 2 (SEQ.-ID-Nr.
02 in EP-A-1 669 457 )
mit folgenden Oligonukleotiden amplifiziert:
GDRF-fw:
5'-GGA
AGC TAA GGA GAT ATA CCA TGT CGC TTT CAC C-3' (SEQ.-ID Nr. 11)
GDRF-rv:
5'-TAT
ATA GCA TGC TTA ATT CGC CTG ACC GGC CAG-3' (SEQ.-ID Nr. 12, beinhaltend
eine SphI-Erkennungssequenz am 5'-Ende
Das PCR-Produkt (2.234
Basenpaare) wurde mittels des QIAquick-PCR-Aufreinigungskits von
Qiagen, Hilden, gemäß den Angaben des Herstellers
aufgereinigt. Im nächsten Schritt wurde mittels crossover-PCR (gemäß Innis
et al.) unter Verwendung der beiden primären PCR-Produkte,
die zum einen die Glycerin-Dehydratase-Variante SHGDH22, zum anderen
die große und kleine Untereinheit des zugehörigen
Reaktivierungsfaktors aus Klebsiella pneumoniae ATCC25955 kodieren,
zusammengefügt. Dazu wurden je 1 ng der beiden primären
PCR-Produkte kombiniert und gemeinsam als Matrize für eine
PCR mit den Oligonukleotiden GD-fw (SEQ.-ID Nr. 09) und GDRF-rv
(SEQ.-ID Nr. 12) verwendet. Das PCR-Produkt (4.938 Basenpaare) wurde
mittels des QIAquick-PCR-Aufreinigungskits von Qiagen, Hilden, gemäß den Angaben
des Herstellers aufgereinigt. Das aufgereinigte PCR-Produkt wurde
mittels XmaI und SphI (ebenfalls gemäß den Angaben
des Herstellers der Restriktionsendonukleasen, New England Biolabs,
Schwalbach) verdaut und in den XmaI/SphI-geschnittenen Vektor pWH1520-gldABCDE
(Beispiel 2) unter Erhalt des Vektors pWH1520-SHGDH22 (10.118 Basenpaare,
SEQ.-ID-Nr. 13) ligiert. Die Authentizität des Inserts
wurde mittels DNA-Sequenzierung bestimmt. Ligation des Expressionsvektors
sowie die Herstellung und die Transformation chemisch kompetenter
E. coli-Zellen erfolgten in dem Fachmann bekannter Art und Weise.
- – Die Plasmide pWH1520, pWH1520-gldABCDE-lacZ und pWH1520-SHGDH22
wurden mittels Elektroporation in E. blattae DSM4481 eingebracht
und die resultierenden Stämme E. blattae/pWH1520, E. blattae/pWH1520-gldABCDE
bzw. E. blattae/pWH1520-SHGDH22 genannt. Zur Präparation
elektrokompetenter E. blattae-Zellen wurde 1 l LB-Medium (nach Miller;
Merck KGaA, Darmstadt) mit 10 ml einer Übernachtkultur
beimpft, bis zum Erreichen einer OD600 von
0,7 bei 37°C kultiviert und anschließend die Zellen
30 min auf Eis inkubiert. Alle weiteren Schritte wurden auf Eis
durchgeführt. Nach einer Zentrifugation (15 min, 5292 g,
4°C), wurden die Zellen mit 1 l eiskaltem Wasser und erneut
mit 500 ml eiskaltem Wasser gewaschen. Anschließend folgte
ein weiterer Waschschritt mit 10 ml Glycerin-Lösung (10%,
w/v, 15 min, 3300 g, 4°C). Das Zellpellet wurde in 2 ml
10%iger Glycerin-Lösung resuspendiert und 40 μl
Aliquots bei –80°C gelagert.
- – Für die Elektroporation wurde die zu transformierende
DNA (1–2 μg) zu einem Aliquot gefrorener, kompetenter
E. blattae-Zellen gegeben und auf Eis aufgetaut (maximal 10 min).
Anschließend wurde der Ansatz in eine vorgekühlte
Elektroporationsküvette überführt. Die
Zellen wurden einem Strompuls ausgesetzt, wobei folgende Parameter
eingestellt wurden: Spannung: 1,8 kV; Widerstand: 200 Ω;
Kapazität: 25 μF. Sofort nach der Elektroporation
wurde 1 ml LB-Medium zugegeben und der Ansatz 1 h bei 37°C
und 700 rpm inkubiert. Danach wurden die Zellen auf selektiven LB-Platten
(100 μg/ml Ampicillin) ausplattiert.
-
Beispiel 4
-
(HPLC-basierte Quantifizierung von Glycerin,
1,3-Propandiol und 3-Hydroxypropionaldehyd)
-
- – Zur Quantifizierung von Glycerin,
1,3-Propandiol und 3-Hydroxypropionaldehyd wurde in je 1 ml Zellsuspension
die Biomasse durch Zentrifugation (10 min, 16.100 g, 4°C)
abgetrennt und 40 μl des Kulturüberstands unter
Verwendung eines Agilent Technologies 1200 LC Systems (High Performance
Autosampler, G136B; Thermostat für Probengeber, G1330B;
Micro-Vacuum Degasser, G1379B; Binäre Pumpe, G1312A; Säulenthermostat,
G1316A; Brechungsindex-Detektor, G1362A, Agilent Technologies, Waldbronn)
mit einer Aminex HPX-87H 300 × 7,8 mm Trennsäule
(Bio-Rad Laboratories GmbH, München) mit 9 μm
Partikelgröße analysiert. Die zu analysierenden
Substanzen wurden isokratisch mit einer mobilen Phase aus 10 mM
Schwefelsäure mit einer Flussrate von 0,6 ml/min 20 min
bei 40°C eluiert. Glycerin, 1,3- Propandiol und 3-Hydroxypropionaldehyd
wurden durch einen Vergleich mit der Verweilzeit von Referenzsubstanzen
(Glycerin und 1,3-Propandiol: Sigma-Aldrich Chemie GmbH, Steinheim;
3-Hydroxypropionaldehyd: eigene Herstellung) identifiziert. Die
Konzentration der drei Verbindungen in den Kulturüberständen
wurde über einen Vergleich der Peakflächen mit
einer zuvor mit externen Standards erstellten Kalibriergerade berechnet.
-
Beispiel 5
-
(Produktion von 3-Hydroxypropionaldehyd
mit rekombinanten E. blattae-Zellen, bei denen die Aktivität
der Glycerin-Dehydratase erhöht worden ist)
-
- – Die in Beispiel 3 konstruierten
E. blattae-Stämme E. blattae/pWH1520, E. blattae/pWH1520-gldABCDE bzw.
E. blattae/pWH1520-SHGDH22 wurden zunächst in 5 ml LB-Medium
mit 100 μg/ml Ampicillin über Nacht bei 37°C
und 180 rpm kultiviert. Am nächsten Morgen wurden 2 ml
dieser Vorkulturen genutzt, um je 200 ml LB mit 2% (w/v) Glukose,
20 mM Glycerin und 100 μg/ml Ampicillin in 1-l-Schikanenkolben
zu inokulieren. Beide Kolben wurden bei 37°C und 180 rpm
inkubiert. Das Wachstum dieser Kulturen wurde anhand der scheinbaren
optischen Dichte (OD600) verfolgt. Bei einer
OD600 von ~2 wurden die Zellen geerntet, zweimal
mit je 200 ml Saline (0,9% (w/v) NaCl) gewaschen und in 20 ml 250
mM Glycerin resuspendiert. Für einen Zeitraum von 1 h wurden
alle 10 min Proben genommen und die Konzentration von Glycerin, 1,3-Propandiol
und 3-Hydroxypropionaldehyd per HPLC (Beispiel 4) analysiert. Während
der Kontroll stamm E. blattae/pWH1520 keinerlei 3-Hydroxypropionaldehyd
produzierte, konnte im Fall E. blattae/pWH1520-gldABCDE und E. blattae/pWH1520-SHGDH22
die Bildung von 3-Hydroxypropionaldehyd nachgewiesen werden.
-
Beispiel 6
-
(Produktion von 3-Hydroxypropionaldehyd
mit rekombinanten B. megaterium-Zellen, bei denen die Aktivität der
Glycerin-Dehydratase erhöht worden ist)
-
- – Der in Beispiel 2 konstruierte B.
megaterium-Stamm B. megaterium/pWH1520-gldABCDE sowie der entsprechende
Kontrollstamm B. megaterium/pWH1520 wurden zunächst in
5 ml A5-Medium (Malten, M., Hollmann, R., Deckwer, W. D., Jahn,
D. Production and secretion of recombinant Leuconostoc mesenteroides
dextransucrase DsrS in Bacillus megaterium. Biotechnol. Bioeng.
2005. 89(2):206–18.) mit 4 g/l Hefeextrakt und 10 μg/ml
Tetrazyklin über Nacht bei 37°C und 180 rpm kultiviert.
Am nächsten Morgen wurden 2 ml dieser Vorkulturen genutzt,
um je 200 ml A5-Medium mit 20 mM Glycerin und 10 μg/ml
Tetrazyklin in 1-l-Schikanenkolben zu inokulieren. Beide Kolben
wurden bei 37°C und 180 rpm inkubiert. Das Wachstum dieser
Kulturen wurde anhand der scheinbaren optischen Dichte (OD600) verfolgt. Bei einer OD600 von
~0,4 wurde den Kulturen 0,5% (w/v) D-Xylose zugesetzt, um die Bildung
des Biokatalysators zu induzieren. Bei einer OD600 von
~4 wurden die Zellen geerntet, zweimal mit je 200 ml Saline (0,9%
(w/v) NaCl) gewaschen und in 20 ml 250 mM Glycerin resuspendiert.
Für einen Zeitraum von 1 h wurden alle 10 min Proben genommen
und die Konzentration von Glycerin, 1,3-Propandiol und 3-Hydroxypropionaldehyd
per HPLC (Beispiel 4) analysiert. Während der Kontrollstamm
B. megaterium/pWH1520 pWH1520 keinerlei 3-Hydroxypropionaldehyd
produzierte, konnte im Fall von B. megaterium/pWH1520-gldABCDE die
Bildung von 3-Hydroxypropionaldehyd nachgewiesen werden.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
-
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Zitierte Nicht-Patentliteratur
-
- - Doleyres et
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2002, Seiten 73–80. [0003]
- - siehe zum Beispiel Vollenweider und Lacroix in Applied Microbiology
and Biotechnology, Vol. 64 (1), 2004, Seiten 16–27) bzw.
3-Hydroxypropionsäure (mit Hilfe des Enzyms 3-Hydroxypropionaldehyd-Dehydrogenase)
(siehe zum Beispiel Chen et al. in Journal of Biomedical Materials
Research, Vol. 61, 2002, Seiten 360–369 [0004]
- - siehe zum Beispiel Slininger et al. in Applied Environmental
Microbiology, Vol. 46, 1983, Seiten 62–67 und zur Übersicht
Vollenweider und Lacroix in Applied Microbiology and Biotechnology,
Vol. 64 (1), 2004, Seiten 16–27 [0005]
- - siehe zum Beispiel Vollenweider und Lacroix in Applied Microbiology
and Biotechnologe, Vol. 64 (1), 2004, Seiten 16–27 [0005]
- - siehe zum Beispiel Chen et al.. in Journal of Biomedical Materials
Research, Vol. 61 (3), 2002, Seiten 360–369 [0011]
- - Chen et al. im Journal of Biomedical Materials Research, Vol.
61 (3), 2002, Seiten 360–369 beschrieben [0018]
- - Eine gebräuchliche Methode zur Präparation
der Proteingele bei coryneformen Bakterien und zur Identifizierung
der Proteine ist die von Hermann et al. in Electrophoresis, Volume
22: 1712–23 (2001 [0026]
- - Sambrook et al., Molecular Cloning: a laboratory manual, 2nd
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- - Sambrook et al., Molecular Cloning: a laboratory manual, 2nd
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USA, 1989 [0026]
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- - Reinscheid et al.. (Applied and Environmental Microbiology
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- - typischerweise Escherichia coli), nicht aber in Corynebacterium
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- - Schäfer et al.., Gene 145: 69–73 (1994) [0030]
- - (Shuman, Journal of Biological Chemistry 269: 32678–84
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- - Schrumpf et al.., Journal of Bacteriology 173: 4510–4516) [0030]
- - (Spratt et al.., Gene 41: 337–342 (1986) [0030]
- - Methode der Konjugation ist beispielsweise bei Schäfer
et al.., Applied and Environmental Microbiology 60: 756–759
(1994) beschrieben. Methoden zur Transformation sind beispielsweise
bei Thierbach et al.., Applied Microbiology and Biotechnology 29:
356–362 (1988), Dunican und Shivnan, Bio/Technology 7: 1067–1070
(1989) und Tauch et al.., FEMS Microbiology Letters 123: 343–347
(1994) [0030]
- - et al. in Journal of Agricultural and Food Chemistry, Vol.
51, 2003, Seiten 3.287–3.293 [0067]
- - Hall und Stern in Journal of the Chemical Society, 1950, Seiten
490–498 beschrieben [0072]
- - „Production of 3-hydroxypropionaldehyde using a two-step
process with Lactobacillus reuteri, Applied Microbiology and Biotechnology,
Vol. 68, 2005, Seiten 467–474 [0074]
- - "PCR protocols. A guide to methods and applications", 1990,
Academic Press [0074]
- - 7.896 Basenpaare; beschrieben durch Rygus und Rillen in Applied
Microbiology and Biotechnology, Vol. 35 (5), 1991, Seiten 594–599 [0074]
- - Biedendieck, „Versatile Tools for Production, Secretion
and Purification of Recombinant Proteins", 2006, Dissertation, S.
45–47 [0074]