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Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung von Octenidindihydrochlorid zur Herstellung einer halbfesten pharmazeutischen Zusammensetzung zur Behandlung von Wunden, atopischen Dermatitiden, infizierten Ekzemen, Dermatomykosen, Vaginalinfektionen, Akne, Herpes und/oder zur Bekämpfung von multiresistenten Erregern.
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Der Einsatz von halbfesten pharmazeutischen Zusammensetzungen zur Behandlung von Wunden, infizierten Ekzemen, Dermatomykosen, Vaginalinfektionen, Akne, Herpes und/oder zur Bekämpfung von multiresistenten Erregern ist bekannt. Stand der Technik bei der Behandlung von atopischen Dermatitiden bzw. infizierten Ekzemen ist beispielsweise der Einsatz von Antibiotika und Bufexamac, die bekannterweise zur Resistenzbildung führen. Die Resistenzbildung wird bei häufigem Einsatz der Antibiotika verstärkt und es kommt zu den bekannten MRSA-Problemen. Bei der Behandlung von Dermatomykosen werden Imidazole (z.B. Clotrimazol) verwendet, welche stark zur Rezidiv-Bildungen führen. Zur Behandlung von Vaginalinfektionen setzt man Präparate speziell gegen Vaginalmykosen (auch hier wieder die oben genannten Imidazole mit den beschriebenen Nachteilen) oder Präparate speziell gegen bakterielle Infektionen (beispielsweise PVP-Iod mit dem Nachteil einer Verschmutzung der Unterwäsche) ein. Stand der Technik bei der Behandlung von Akne sind Antibiotika (z.B. Erythromycin, Neomycin, Tetracycline, Nachteil: Gefahr der Resistenzentwicklung), Benzoylperoxid (Nachteil: Hautreizung, Austrocknen der Haut), Tretinoin (Vitamin A-Säure, Nachteil: Hautreizung) und weitere Wirkstoffe wie Salicylsäure, Schwefel oder Resorcin, die infolge mangelnder Verträglichkeit Nachteile besitzen. Zur Behandlung des Herpes kommen bisher hauptsächlich Virustatika (z.B. Aciclovir) zur Anwendung, welche Hautunverträglichkeiten in Form von Rötungen und Schuppung zeigen. Zur Behandlung von multiresistenten Erregern (z.B. MRSA) kommen bisher Antibiotika zum Einsatz, die wie oben beschrieben zur Resistenzbildung führen.
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Bekannte halbfeste Produkte mit antimikrobiellen Wirkstoffen sind also mit zahlreichen Nachteilen verbunden, u.a.:
- - Resistenzentwicklung (z.B. Antibiotika),
- - starker Eigenfärbung des Präparats, die häufig von den Anwendern nicht akzeptiert wird (PVP-Iod, antimikrobiell wirksame Farbstoffe wie Gentianaviolett und Brillantgrün),
- - toxikologischer Bedenklichkeit
- - eingeschränktes Wirkungsspektrum (z.B. Triclosan).
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Die
WO 02/02128 betrifft die Förderung der Gesundheit des gesamten Körpers bei Menschen und Tieren durch die Verwendung topischer oraler Zusammensetzungen, die eine sichere und wirksame Menge eines antimikrobiellen Mittels in Mischung mit einem pharmazeutisch verträglichen Träger enthalten, wobei die Zusammensetzungen wirksam bei der Kontrolle bakteriell vermittelter Erkrankungen und Zustände in der Mundhöhle sind und die Ausbreitung pathogener oraler Bakterien, damit verbundener bakterieller Toxine und Endotoxine sowie daraus resultierender entzündlicher Zytokine und Mediatoren in den Blutkreislauf verhindern.
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Die
DE 3925540 C1 betrifft eine wässrige antiseptische Zusammensetzung zur Schleimhaut- und zur Wundbehandlung, gekennzeichnet durch einen Gehalt an a) N,N min -(1,10 Decandiyldi-1[4H]pyridinyl-4-yliden)bis- (1-octanamin)dihydrochlorid (Octenidin) und b) Phenoxyethanol (POE) und/oder Phenoxypropanol (POP) in einem Gewichtsverhältnis von Octenidin zu POE bzw. POP von 1 : 20 bis 1 : 1 bei einer Octenidin-Konzentration von 0,05 bis 0,5 Gew.-% und einer POE- bzw. POP-Konzentration von 5 bis 0,5 Gew.-%.
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Aufgabe der Erfindung war es deshalb, pharmazeutische Zusammensetzungen bereitzustellen, die diese Nachteile nicht aufweisen, gegen eine Vielzahl von Keimen wirksam sind, sich mit einer Vielzahl von Formulierungsgrundlagen für pharmazeutische Zusammensetzungen formulieren lassen und sich für die Behandlung von Wunden, atopischen Dermatitiden, infizierten Ekzemen, Dermatomykosen, Vaginalinfektionen, Akne, Herpes und/oder zur Bekämpfung von multiresistenten Erregern eignen. Insbesondere sollen die Zusammensetzungen toxikologisch unbedenklich sein und nicht zur Resistenzbildung neigen.
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Es wurde nun überraschend gefunden, dass diese Aufgabe durch die Verwendung von Octenidindihydrochlorid zur Herstellung einer halbfesten pharmazeutischen Zusammensetzung zur Behandlung von Wunden gelöst wird, wobei die Zusammensetzung 0,005 bis 5 Gew.-% Octenidindihydrochlorid enthält, dadurch gekennzeichnet, dass die Zusammensetzung ein emulgatorfreies wässrig-alkoholisches Gel ist. Die Erfindung betrifft ferner halbfeste pharmazeutische Zusammensetzungen, die ein emulgatorfreies wässrig-alkoholisches Gel sind, mit einem Gehalt an 0,005 bis 5 Gew.-% Octenidindihydrochlorid zur Behandlung von Wunden. Dabei bezeichnet der Begriff „halbfest“ alle Darreichungsformen, die nicht fest (Tabletten, Kapseln) und nicht flüssig (Tropfen, Säfte) sind.
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Halbfeste Arzneiformen
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Salben (lat. unguenta) sind streichfähige Zubereitungen, die zur Anwendung durch Auftragen oder Einreiben auf der Haut bestimmt sind. Sie bestehen aus einer oder mehreren Salbengrundlagen (wie Vaselin, Wollfett, Lanolin usw.), in die der Wirkstoff eingearbeitet wird. Der Wirkstoff sollte gelöst oder feinst verteilt sein. Um die Löslichkeit zu erhöhen, enthalten Salben oft Wasser oder Öle. Bei einer Salbe ist der Fett-/Ölanteil je doch höher als der Wasseranteil.
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Cremes sind den Salben sehr ähnlich, jedoch ist bei ihnen der Wasseranteil höher als der Fett-/Ölanteil.
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CreSa ist eine Kurzbezeichnung für eine Kombination aus Creme und Salbe.
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Bei erfindungsgemäßen Salben und Cremes beträgt die Viskosität im Allgemeinen 500 bis 15.000 mPa·s, vorzugsweise 1.000 bis 10.000 mPa·s, gemessen mit einem Rotationsviskosimeter bei 95 s-1 und 20 °C.
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Paste ist die Bezeichnung für Salben, in denen pulverförmige Bestandteile (z.B. Zinkoxid, Talkum usw.) in großer Menge verteilt sind. Pasten enthalten kein Wasser und sind durch den großen Anteil an Pulvern wesentlich fester als Salben.
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Wässrig-alkoholische Gele (Hydrogele) werden wegen ihrer Transparenz und dem nicht-fettigen Charakter geschätzt. Lipophile Gele (Oleogele) setzt man ebenfalls wegen ihres ästhetischen Erscheinungsbildes sowie ihrer konsistenzgebenden Eigenschaften ein. Gele sind vorwiegend für den äußerlichen Gebrauch bestimmt und sollten dünn aufgetragen werden.
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Ein Hydrogel ist eine zumeist durchscheinende Masse, die mit Hilfe von Gelatine, Tragant, Carbopol oder ähnlichen Quellstoffen unter Zusatz von Wasser und Glycerin hergestellt wird. Durch das Verdunsten des Wassers haben sie eine kühlende Wirkung.
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Die lipophilen Gele umfassen eine lipophile Phase. Als Matrixbildner werden neben höhermolekularen Homologen der Lipidphase auch organo-modifizierte Bentonite (Benton®) und hochdisperses Siliciumdioxid eingesetzt.
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Unter Emulsion versteht man Zubereitungen, die aus nicht mischbaren Flüssigkeiten, z.B. Öl und Wasser, bestehen. Man unterscheidet zwischen W/O (Wasser in Öl)- oder O/W (Öl in Wasser)- und ambiphilen Emulsionen. Diese müssen vor Gebrauch kräftig geschüttelt werden. Durch Zusatz eines Emulgators ist die feinste Verteilung der Flüssigkeiten ineinander möglich und die Emulsionen sind dadurch stabil, d.h. das Öl und das Wasser trennen sich nicht wieder. Je nach Anwendungsart sind Emulsionen für den innerlichen oder äußerlichen Gebrauch bestimmt. Emulsionen für den äußerlichen Gebrauch werden häufig als Lotionen bezeichnet. Hier liegt eine Öl-in-Wasser-Emulsion vor.
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Unter CreLo versteht man eine Kombination aus Creme und Lotion.
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Zäpfchen (lat. suppositoria) sind verschieden geformte, einzeldosierte Arneizubereitungen, die zum Einführen in den Mastdarm bestimmt sind und dort nach dem Schmelzen oder Lösen den Wirkstoff abgeben. Sie bestehen aus einem Hartfett (z.B. Stadimol) oder Polyethylenglykol, in das der Wirkstoff unter Wärmezufuhr eingearbeitet wird. Diese erwärmte Masse wird dann in Formen gegossen. Hartfettzäpfchen sind wärmeempfindlich und sollten daher nie über 25 °C gelagert werden. Eine übliche Zäpfchengröße für Erwachsene beträgt etwa 2 g und für Kinder etwa 1g. Zäpfchen sollten am besten nach dem Stuhlgang und in Rückenlage eingeführt werden. Um das Einführen zu erleichtern, kann man die Zäpfchen zuvor in Wasser tauchen. Einreiben mit Cremes oder Salben sollte vermieden werden, da es die Wirksamkeit der Zäpfchen beeinträchtigen kann.
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Bei den in die Scheide einzuführenden Zäpfchen unterscheidet man Scheidenzäpfchen und Vaginalkugeln (lat. ovulum). Die Scheidenzäpfchen sind in der Herstellung und Grundmasse den „normalen“ Zäpfchen ähnlich. Vaginalkugeln bestehen meistens aus Gelatine, Wasser und Glycerin und haben eine kugelige Form. Bei beiden Darreichungsformen beträgt das Gewicht etwa 3 g. Die Anwendung sollte, wenn möglich, abends und in Rückenlage erfolgen. Auch hier sollte beim Einführen auf Cremes verzichtet werden. Bei verschiedenen Zäpfchen wird vom Hersteller eine Einführhilfe mitgeliefert. Wichtig ist hier auch die Lagerung unter 25 °C.
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Octenidindihydrochlorid entspricht der folgenden Formel:
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Der Wirkstoff wird seit vielen Jahren in einem Schleimhaut- und Wundantiseptikum in Form einer wässrigen Lösung eingesetzt (vgl. das Präparat Octenisept® der Schülke & Mayr GmbH, Norderstedt, Deutschland). Diese Applikationsform schränkt allerdings die Anwendung bei einigen Indikationen ein. Wenn das Produkt aus therapeutischen Gründen länger auf der zu behandelnden Oberfläche (z.B. Haut- oder Schleimhaut) verbleiben soll, muss die Zubereitung streichfähig sein. Es war allerdings überraschend, dass sich mit Octenidindihydrochlorid als Wirkstoff eine breite Vielzahl von halbfesten pharmazeutischen Zusammensetzungen formulieren lässt, wobei über die Wahl der Inhaltsstoffe eine gute Verträglichkeit in Abstimmung mit der jeweiligen Indikation sichergestellt ist.
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In einer bevorzugten Ausführungsform enthält die Zusammensetzung 0,01 bis 2 Gew.-% Octenidindihydrochlorid, vorzugsweise 0,02 bis 1 Gew.-%, bevorzugter 0,03 bis 0,8 Gew.-%, insbesondere 0,05 bis 0,5 Gew.-%.
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Die Zusammensetzung liegt als Gel vor. Dabei ist eine Ausführungsform bevorzugt, bei der die Zusammensetzung als topisch (äußerlich) oder rektal bzw. vaginal anwendbare Zusammensetzung formuliert ist.
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Erfindungsgemäß kann die Zusammensetzung weitere Wirkstoffe enthalten, die die Wirksamkeit von Octenidindihydrochlorid ergänzen und gegebenenfalls in einer deutlich geringeren Konzentration zum Einsatz kommen können als in den bekannten Handelsprodukten, wenn sie mit Octenidindihydrochlorid kombiniert werden. Dadurch lassen sich die vorhandenen Nachteile z.T. deutlich reduzieren. Zu diesen weiteren Wirkstoffen zählen: Clotrimazol und andere lokal wirksame Antimykotika, Cortisone, Tretinoin, Benzoylperoxid, Aciclovir, Lokalanästhetika (z.B. Benzocain, Lidocain, Polidocanol u.a.), Antibiotika, Bufexamac etc.
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1. Wundbehandlung
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Gemäß einer Ausführungsform wird die erfindungsgemäße Zusammensetzung zur Behandlung von Wunden eingesetzt. Dabei wird eine emulgatorfreie Formulierung gewählt, die ein hohes Maß an Feuchtheitsfaktoren beinhaltet (nämlich ein Gel).
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2. Atopische Dermatitiden bzw. infizierte Ekzeme
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Beim Einsatz der Octenidindihydrochlorid enthaltenden Zusammensetzung zur Behandlung von infizierten Ekzemen wird diese vorzugsweise je nach Hauttyp als Öl-in-Wasser-(O/W)-, Wasser-in-Öl-(W/O)- oder ambiphile Emulsion (Cremes) formuliert.
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3. Dermatomykosen
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Als Formulierung für die halbfeste Zusammensetzung kommen für die Behandlung von Mykosen vorzugsweise Gele und Cremes zum Einsatz.
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4. Vaginalinfektionen
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Als Darreichungsformen zur Behandlung von Vaginalinfektionen kommen vorzugsweise Cremes und Suppositorien in Frage. In derartigen Zusammensetzungen entfaltet Octenidindihydrochlorid eine besonders vorteilhafte Wirkung, weil es sowohl gegen Pilze als auch gegen Bakterien wirkt und der Einsatz von zwei verschiedenen Präparaten nicht notwendig ist.
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Die Vorteile der Erfindung ergeben sich insbesondere aus den folgenden Beispielen.
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Ausführungsbeispiel
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Beispiel 1
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Fucidin-Creme (Vergleich)
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1 ml enthält: Fusidinsäure (Antibiotikum) 19,72 mg, weitere Bestandteile: Cetylalkohol, Butylhydroxyanisol, Glycerol, Kaliumsorbat, Polysorbat 60, Salzsäure, Vaseline, Wasser.
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Es wurden die folgenden erfindungsgemäßen Formulierungen hergestellt: 1. Gel
| 0,05 g | Octenidindihydrochlorid |
| 9,90 g | Propylenglykol |
| 2,50 g | Hydroxyethylcellulose |
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Wasser ad 100,00 g
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Bei derartigen Gelen beträgt die Viskosität im Allgemeinen etwa 4500 bis 5 500 mPa·s (Rotationsviskosimeter RS600, Sensor Z40 DIN Ti, Fa. Thermo Haake, bei 34 s
-1, 20 °C). 2. Salbe (Vergleich)
| 0,2 g | Octenidindihydrochlorid |
| 6,0 g | Wollwachsalkohole (Gemisch von Sterinen und höheren aliphatischenAlkoholen aus Wollwachs, 33,5 Gew.-% Cholesterol) |
| 0,5 g | Cetylstearylalkohol |
| 3,0 g | Paraffinum liquidum |
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Vaselinum album ad 100,00 g 3. O/W-Creme (Vergleich)
| 0,1 g | Octenidindihydrochlorid |
| 4,0 g | Glycerolmonostearat 40-50 |
| 6,0 g | Cetylalkohol |
| 7,5 g | Mittelkettige Triglyceride (mindestens 95 Gew.-% gesättigte Fettsäuren mit 8bis 10 Kohlenstoffatomen) |
| 25,5 g | Weißes Vaselin |
| 7,0 g | Macrogol-1000-Glycerolmonostearat |
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Bei derartigen Cremes liegt die Viskosität im Bereich von etwa 5 000 bis 6 500 mPa·s (Rotationsviskosimeter RV20, System M5, Meßeinrichtung SV1, Fa. Thermo Haake, bei 95 s
-1, 20 °C). 4. W/O-Creme (Vergleich)
| 0,50 g | Octenidindihydrochlorid |
| 4,00 g | Lameform TGI (Triglyceroldiisostearat) |
| 2,00 g | Monomuls 90-018 (Glycerololeat) |
| 3,00 g | Bienenwachs, weiß |
| 2,00 g | Zinkstearat |
| 10,00 g | Eutanol G (2-Octyldodecanol) |
| 10,00 g | Isopropylmyristat |
| 5,00 g | Glycerol 85 Gew.-% |
| 1,00 g | Mg-Sulfat Wasser ad 100,00 g |
5. W/O-Creme (Vergleich)
| 0,30 g | Octenidindihydrochlorid |
| 2,63 g | Monomuls 90-018 |
| 2,11 g | Bienenwachs, weiß |
| 2,11 g | Zinkstearat |
| 3,16 g | Glycerol 85 Gew.-% |
| 0,74 g | Mg-Sulfat |
| 5,26 g | Paraffin dünnflüssig |
| 10,53 g | Cetiol V (Decyloleat) Wasser ad 100,00 g |
6. A. Antimykotisches Gel (Vergleich)
| 0,1 g | Octenidindihydrochlorid |
| 0,5 g | Clotrimazol |
| 30,6 g | 1-Propanol |
| 10,0 g | Dehyton K (Cocoamidopropylbetain) |
| 2,5 g | Natrosol 250 HHX Pharm, Tylose H 100.000 p (Hydroxyethylcellulose) |
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Wasser ad 100,00
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Bei derartigen antimykotischen Gelen liegt die Viskosität üblicherweise bei etwa 250.000 bis 400.000 mPa·s (Rotationsviskosimeter RV20, System M5, Meßeinrichtung SV2, Fa. Thermo Haake, bei 0,45 s-1, 20 °C).
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Formulierung 6B entspricht Formulierung 6A, enthält aber kein Octenidindihydrochlorid. 7. Antimykotische Creme (Vergleich)
| 0,1 g | Octenidindihydrochlorid |
| 0,5 g | Clotrimazol |
| 0,6 g | Cremophor A 25 (Ceteareth-25) |
| 5,0 g | Cutina GMS (Glycerolstearat) |
| 10,0 g | Eutanol G (Octyldodecanol) |
| 8,0 g | Lanette O (Cetylstearylalkohol) |
| 0,5 g | Silikonöl |
| 1,0 g | Phenoxyethanol |
| 4,0 g | Sorbit Wasser ad 100,00 g |
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Bei solchen Cremes beträgt die Viskosität typischerweise etwa 1.000 bis 2.000 mPa·s (Rotationsviskosimeter RV20, System M5, Meßeinrichtung SV2, Fa. Thermo Haake, 160 s
-1, 20 °C). 8. Vaginalsuppositorien (Vergleich)
| 0,2 g | Octenidindihydrochlorid |
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Macrogol 1000 ad 100 g
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Beispiel 2
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Methode
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Die bakterizide und fungizide Wirksamkeit wurde im quantitativen Suspensionsversuch mit hoher Eiweißbelastung („dirty conditions“) gemäß den Standardmethoden der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V. zur Prüfung chemischer Desinfektionsverfahren (Stand: 1. September 2001) bestimmt. Aus methodischen Gründen können gebrauchsfertige Präparate nur in Konzentrationen ≤ 80 Gew.-% geprüft werden. Prüforganismen
| Staphylococcus aureus | ATCC 6538 |
| Pseudomonas aeruginosa | ATCC 15422 |
| Escherichia coli | ATCC 10538 |
| Enterococcus hirae | ATCC 10541 |
| Candida albicans | ATCC 10231 |
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2.1 Quantitativer Suspensionsversuch mit hoher Eiweißbelastung (RF-Werte) mit Formulierung 1 (Gel)
| | 1min | 5 min | 15 min |
| S. aureus | | | |
| 80 Gew.-% | ≥6,32 | ≥6,31 | ≥6,27 |
| 50 Gew.-% | ≥6,32 | ≥6,31 | ≥6,27 |
| P. aeruginosa | | | |
| 80 Gew.-% | ≥6,1 | ≥6,15 | ≥6,12 |
| 50 Gew.-% | 0 | 2,10 | 5,52 |
| E. coli | | | |
| 80 Gew.-% | ≥6,03 | ≥6,12 | ≥6,08 |
| 50 Gew.-% | ≥6,03 | ≥6,12 | ≥6,08 |
| E. hirae | | | |
| 80 Gew.-% | ≥6,12 | ≥6,12 | ≥6,08 |
| 50 Gew.-% | 5,82 | ≥6,12 | ≥6,08 |
| C. albicans | | | |
| 80 Gew.-% | ≥5,67 | ≥5,46 | ≥5,43 |
| 50 Gew.-% | 2,17 | 3,94 | ≥5,43 |
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Diese Formulierung ist ein Wundgel zur Wundbehandlung mit schneller Wirksamkeit und hohem Anteil an Feuchthaltefaktoren, was im Rahmen der feuchten Wundbehandlung gefordert wird. Die Ergebnisse zeigen, dass das gebrauchsfertige Gel bereits nach 1 Minute Einwirkzeit auch mit hoher Eiweißbelastung gegen alle Prüforganismen ausreichend wirksam ist.
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2.2 Quantitative Suspensionsversuche mit Formulierung 3 (O/W-Creme)
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10 g Formulierung 3 wurden eingewogen und mit 0,1 ml Staph. aur.- und Staph. epidermidis-Keimsuspensionen versetzt. Die Keimsuspension wurde mit einem Glasstab gut in die Creme eingearbeitet, um eine gute und gleichmäßige Verteilung zu erreichen. Nach 6 Stunden wurden jeweils 1 g Creme entnommen und mit 9 ml Enthemmerlösung gut verrührt. Nach einer Einwirkzeit des Enthemmers von 20 Minuten wurden 0,1 ml entnommen und auf einer Agarplatte mit Casein, Sojapepton-Agar, ausgespachtelt. Ergebnis:
| Keim | Formulierung 3 | Placebo Formulierung 3 |
| | Probe 1 | Probe 2 | Probe 1 | Probe 2 |
| Staph. aur. | 0 KBE | 0 KBE | Rasenwachstum | Rasenwachstum |
| Staph. epid. | 0 KBE | 0 KBE | Rasenwachstum | Rasenwachstum |
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Formulierung 3 zeigt eine komplette Wirkung, d.h. keine koloniebildende Einheiten (KBE) sind zu finden, während beim Placebo durch Abwesenheit des Octenidins (Placebo) ein Rasenwachstum festzustellen war. KBE's waren nicht mehr zählbar.
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2.3 Hauttests mit Formulierung 3
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Hierzu wurden auf 5 cm
2 Unterarm 0,1 ml einer Keimsuspension von Staph. epidermidis (Hautversuche sind mit Staph. aur. nicht gestattet) gegeben und diese trocknen gelassen. Anschließend wurden 0,1 g Formulierung 3 auf den einen und 0,1 g Fucidin-Creme auf den anderen Unterarm gegeben. Die Creme wurde mit einem Fingerling gut verteilt und einziehen gelassen. Anschließend wurden die behandelten Stellen mit einem Tupfer abgedeckt und mit einem Transparentverband (Tegaderm, Fa. 3M) abgeklebt. Nach 2 bzw. 6 Stunden wurden die noch vorhandenen Keime mit einer Enthemmerlösung mittels der Ringmethode (d = 3 cm) entfernt. Ein weiteres Hautfeld wurde mit Wasser behandelt und galt als Kontrolle. Als Laufmittel wurde eine Mischung von Tween 80, Saponin, Histidin und Cistein verwendet.
| | Einwirkzeit | RF-Werte |
| Formulierung 3 | 2 Stunden | 2,72 |
| Formulierung 3 | 6 Stunden | 2,91 |
| Fucidin-Creme | 2 Stunden | 1,63 |
| Fucidin-Creme | 6 Stunden | 2,09 |
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Die Formulierung 3 zeigt sowohl nach 2 Stunden als auch nach 6 Stunden eine bessere Wirkung als die Fucidin-Creme.
- zu Formulierung 6
- Methode: Plattendiffusionstest
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1. Agarlochtest
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Lösungen und Nährmedien:
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- CSA
- (Caseinpepton-Sojamehlpepton-Agar)
- SA
- (Sabouraud-Dextrose-Agar)
- CSL
- (Caseinpepton-Sojamehlpepton-Lösung)
- NaCl
- (physiologische Kochsalzlösung, 0,85 Gew.-%)
- Malz
- (Bierwürze-Pepton-Agar)
Testkeime: | Staphylococcus aureus | ATCC 6538 |
| Pseudomonas aeruginosa | ATCC 15442 |
| Escherichia coli | ATCC 11229 |
| Candida albicans | ATCC 10231 |
| Aspergillus niger | ATCC 6275 |
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Anzucht und Herstellung der Impflösungen:
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Bakterien: Von 24-stündigen CS-Schrägagarkulturen werden 24-stündige 10 ml-CSL Kulturen angelegt. Der Titer der Bakteriensuspensionen beträgt ~109 KBE/ml.
Hefen: Von 72-stündigen Malz-Platten-Kulturen werden 72-stündige 10 ml-CSL-Kulturen angelegt. Der Titer der Hefesuspension beträgt ~108 KBE/ml.
Schimmelpilze: Eine 7 bis 14 Tage alte A. niger-Kultur auf Sabouraud-Agar wird mit 5 ml steriler NaCl-Lösung abgeschwemmt, durch einen sterilen Glastrichter mit Glaswolle filtriert und auf 100 ml aufgefüllt. Diese wird vor Gebrauch mit steriler NaCl-Lösung 1:100 verdünnt. Der Titer der Schimmelpilzsuspension beträgt ~106 KBE/ml.
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Durchführung:
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Von der Bakteriensuspension werden 0,1 ml auf CSA ausgespatelt.
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Von der C. albicans-Suspension werden 0,1 ml auf SA ausgespatelt.
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Von der A. niger-Suspension werden 0,2 ml auf SA ausgespatelt.
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In die Mitte der Agarplatten wird mit einem abgeflammten Korkbohrer ein Loch von 9 mm Durchmesser gestanzt. Dieses Loch wird bis zum Rand mit dem zu prüfenden Präparat gefüllt. Die Platten werden 2 Stunden lang bei Raumtemperatur zum Vordiffundieren stehengelassen.
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Bakterien und Hefen werden 24 bis 48 Stunden lang bei 36 °C bebrütet. Die Schimmelpilze werden 3 Tage lang bei 25 °C bebrütet.
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Auswertung:
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Der Hemmhof wird vom Lochrand bis zum Beginn des Keimwachstums gemessen. Die Angabe erfolgt in mm. Ist der Keim bis an den Lochrand gewachsen, ist der Hemmhof = 0 mm. Ergebnisse
| 0,1 ml Keimsuspension wurden ausgespatelt0,15 g Gel Einwaage pro Loch |
| | 6A | 6B |
| Staph. aureus | 5 | 5 |
| E. coli | 2 | 0 |
| Pseud. aerug. | 3 | 2,5 |
| Proteus mirabilis | 2,5 | 0 |
| Strept. Faecium | 6 | 6 |
| Candida albicans | 5 | 6 |
| Trichophytonmentagrophytes | 20,7 | 20,0 |
| Trirubum | 15,0 | 7,3 |
| Microsporum gypseum | 22,7 | 17,3 |
| Epidermophyton floccosum | 35,0 | 34,7 |
| Aspergillus niger | 11,7 | 10,0 |
| Penicillium furnicolosum | 10,3 | 10,0 |