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Die
Erfindung betrifft ein Steuer- und Regelverfahren für eine Brennkraftmaschine
mit einem Common-Railsystem, bei dem im Normalbetrieb der Raildruck
geregelt wird.
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Bei
einem Common-Railsystem fördert
eine Hochdruck-Pumpe den Kraftstoff aus einem Kraftstofftank in
ein Rail. Der Zulaufquerschnitt zur Hochdruck-Pumpe wird über eine
veränderliche Saugdrossel
festgelegt. Am Rail angeschlossen sind Injektoren über welche
der Kraftstoff in die Brennräume
der Brennkraftmaschine eingespritzt wird. Da die Güte der Verbrennung
entscheidend vom Druckniveau im Rail abhängt, wird dieses geregelt.
Der Hochdruck-Regelkreis umfasst einen Druckregler, die Saugdrossel
mit Hochdruck-Pumpe und das Rail als Regelstrecke sowie ein Filter
im Rückkopplungszweig.
Typischerweise ist der Druckregler als PID-Regler oder PIDT1-Regler
ausgeführt,
d. h. dieser umfasst zumindest einen Proportional-Anteil (P-Anteil),
einen Integral-Anteil (I-Anteil) und einen Differential-Anteil (D-Anteil).
In diesem Hochdruck-Regelkreis entspricht das Druckniveau im Rail der
Regelgröße. Die
gemessenen Druckwerte des Rails werden über das Filter in einen Ist-Raildruck
gewandelt und mit einem Soll-Raildruck verglichen. Die sich hieraus
ergebende Regelabweichung wird über den
Druckregler in ein Stellsignal für
die Saugdrossel gewandelt. Das Stellsignal entspricht z. B. einem
Volumenstrom mit der Einheit Liter/Minute. Typischerweise ist das
Stellsignal elektrisch als PWM-Signal (pulsweitenmoduliert) ausgeführt. Der
zuvor beschriebene Hochdruck-Regelkreis ist aus der
DE 103 30 466 B3 bekannt.
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Zum
Schutz vor einem zu hohen Druckniveau ist am Rail ein passives Druck-Begrenzungsventil
angeordnet. Bei einem zu hohen Druckniveau öffnet das Druck-Begrenzungsventil,
wodurch der Kraftstoff aus dem Rail in den Kraftstofftank abgeleitet
wird.
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In
der Praxis kann folgendes Problem auftreten: Bei einem Lastabwurf
erhöht
sich unmittelbar die Motordrehzahl. Eine sich erhöhende Motordrehzahl bewirkt
bei einer konstanten Soll-Drehzahl eine sich betragsmäßig erhöhende Drehzahl-Regelabweichung.
Hierauf reagiert ein Drehzahlregler, indem er die Einspritzmenge
als Stellgröße reduziert.
Eine geringere Einspritzmenge wiederum bewirkt, dass weniger Kraftstoff
dem Rail entnommen wird und daher sich das Druckniveau im Rail rasch
erhöht.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Förderleistung der Hochdruck-Pumpe
drehzahlabhängig
ist. Eine sich erhöhende
Motordrehzahl bedeutet eine höhere
Förderleistung
und bewirkt damit eine zusätzliche
Druckerhöhung
im Rail. Da die Hochdruck-Regelung eine vergleichsweise lange Reaktionszeit
besitzt, kann der Raildruck soweit ansteigen, dass das Druck-Begrenzungsventil öffnet, z.
B. bei 1950 bar. Dadurch sinkt der Raildruck z. B. auf einen Wert
von 800 bar ab. Bei diesem Druckniveau stellt sich ein Gleichgewichtszustand
von gefördertem
Kraftstoff zu abgeleitetem Kraftstoff ein. Dies bedeutet, dass trotz
des geöffneten
Druck-Begrenzungsventils der Raildruck nicht weiter absinkt. Das
Druck-Begrenzungsventil schließt
erst dann wieder, wenn die Drehzahl der Brennkraftmaschine reduziert
wird. Proble matisch ist daher das unerwartete Öffnen des Druck-Begrenzungsventils
bei einem Lastabwurf.
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Die
nicht vorveröffentlichte
deutsche Patentanmeldung mit dem amtlichen Aktenzeichen DE 10 2004
023 365.9, nachveröffentlicht
als DE 10 2004 023 365 A1, beschreibt ebenfalls einen Druckregelkreis
für ein
Common-Railsystem. Bei diesem Druckregelkreis ist im Rückkopplungszweig
zusätzlich
zum ersten Filter ein zweites Filter angeordnet. Das zweite Filter
besitzt eine kleinere Zeitkonstante und einen geringeren Phasenverzug
als das erste Filter. Für
die Berechnung der Regleranteile wird der vom zweiten Filter ermittelte
Ist-Raildruck verwendet,
woraus eine verbesserte Dynamik des Hochdruck-Regelkreises bei einem
Lastabwurf resultiert.
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Kritisch
bleibt jedoch, dass das vom Druckregler berechnete Stellsignal bzw.
das PWM-Signal durch die elektrischen Kenngrößen des elektronischen Steuergeräts, z. B.
maximaler Dauerstrom sowie Verlustleistung des Ausgangstransistors,
stark eingeschränkt
ist. Dies bedeutet, dass bei einer großen Regelabweichung der Druckregler
zwar eine maximale Stellgröße berechnet,
diese aber letztendlich in ein PWM-Signal mit nur z. B. 22% Impuls-Pausen-Verhältnis umgesetzt
werden kann. Ein dauerhaft anliegender höherer PWM-Wert würde die
Deaktivierung der Endstufe des elektronischen Steuergeräts bewirken.
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Die
EP 0 892 168 A2 beschreibt
eine Raildruckregelung, bei der von einer Regelung des Kraftstoffdrucks
zu einer Steuerung umgeschaltet wird, wenn sich der Kraftstoffdruck
transientenartig ändert. Im
Normalbetrieb wird der Raildruck geregelt, indem aus Soll- und Istdruck
eine Regeldifferenz berechnet und daraus ein PWM-Signal zur Ansteuerung
der Regelstrecke erzeugt wird. Wenn sich der Raildruck um einen
vor bestimmten Wert ändert,
wird von Regelung auf Steuerung umgeschaltet. Zudem wird der Regelungsbetrieb
nur zugelassen, wenn der Ist-Druck innerhalb gewisser Grenzwerte
liegt. Im Steuerbetrieb wird ein erhöhter PWM-Wert gesetzt, z.B.
100%, wenn nur eine geringe oder keine Kraftstoffmenge eingespritzt
werden soll. Die Filterung der Istwerte des Raildrucks ist der Fundstelle
nicht zu entnehmen.
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In
der
DE 101 56 637
C1 wird die Raildruckregelung beim Startvorgang beschrieben.
Mit Aktivierung des Startvorgangs erfolgt der Druckaufbau zunächst gesteuert.
Wird der Raildruck größer als
ein Grenzwert, dem Reglerfreigabedruck, so erfolgt ein Wechsel vom
Steuerungsbetrieb in den Regelungsbetrieb. Die Regelung des Raildrucks
wird auch dann beibehalten, wenn das Druckniveau des Raildrucks wieder
unter das Druckniveau des Grenzwerts fällt. Einen Hinweis auf die
Anwendung dieses Verfahrens bei einem Lastabwurf kann der Fundstelle
hingegen nicht entnommen werden.
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Die
DE 195 48 278 A1 beschreibt
ebenfalls eine Raildruckregelung. Als Stellglieder werden die elektrische
Vorförderpumpe
zur Mengenregelung und der Druckregler im Hochdruckbereich zur Druckregelung
eingesetzt. Bei einer Solldruckverringerung reduziert der Mengenregler
den Sollmengenstrom bis auf Null. Fällt nun der Druck im Rail trotz
geringer Förderung
durch die Vorförderpumpe
zu langsam ab, so wird über
die Steuerung das Druckregelventil geöffnet und der Druck bis auf
einen Druckwert reduziert, der etwas über dem Solldruck liegt.
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Eine
Umschaltung zwischen Steuerung und Regelung wird hingegen nicht
beschrieben.
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Aufgabe
der Erfindung ist es, die Sicherheit der Druckregelung bei einem
Lastabwurf zu verbessern.
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Die
Aufgabe wird durch die Merkmale von Patentanspruch 1 gelöst. Die
Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen dargestellt.
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Die
Erfindung sieht vor, dass ein zweiter Ist-Raildruck über ein
zweites Filter aus dem Raildruck bestimmt wird und ein Lastabwurf
erkannt wird, wenn der zweite Ist-Raildruck einen Grenzwert übersteigt.
Mit Erkennen eines Lastabwurfs wird dann der Raildruck gesteuert,
indem das PWM-Signal über eine
PWM-Vorgabe auf einen gegenüber
dem Normalbetrieb erhöhten
PWM-Wert gesetzt wird. Dieser erhöhte PWM-Wert wird während eines
Zeitraums vorgegeben, z. B. als Treppenfunktion.
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Zentraler
Gedanke der Erfindung ist es den Schließvorgang der Saugdrossel durch
die Vorgabe eines hohen PWM-Werts wesentlich zu beschleunigen. Verwendet
wird eine Saugdrossel, welche beim Schließen gegen eine Feder arbeitet,
d. h. welche stromlos offen ist. Wird das PWM-Signal vergrößert, so
wird der Weg des Saugdrossel-Schiebers vergrößert und der Öffnungsquerschnitt
der Saugdrossel verringert. In der Praxis ist es ausreichend, diese PWM-Vorgabe
während
einer sehr kurzen Zeit, z. B. 20 Millisekunden, wirken zu lassen.
Durch das kurzzeitige Einbringen von höherer Energie in die Saugdrossel
wird eine höhere
Dynamik des Stellglieds erreicht. Ein unbeabsichtigtes Öffnen des Druck-Begrenzungsventils
wird somit unterdrückt.
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Ein
weiterer Vorteil der Erfindung besteht darin, dass bei einem festsitzenden
Saugdrossel-Schieber dieser durch die erhöhte Energievorgabe wieder gängig wird.
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In
den Zeichnungen ist ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel dargestellt.
Es zeigen:
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1 ein
Systemschaubild;
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2 einen
Druck-Regelkreis;
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3 ein Zeitdiagramm;
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4 ein
Zustandübergangsdiagramm;
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5 einen
Programmablaufplan;
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6 einen
Programmablaufplan;
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7 einen
Programmablaufplan.
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Die 1 zeigt
ein Systemschaubild einer Brennkraftmaschine 1 mit Common-Railsystem.
Das Common-Railsystem umfasst folgende Komponenten: eine Niederdruck-Pumpe 3 zur
Förderung
von Kraftstoff aus einem Kraftstofftank 2, eine veränderbare
Saugdrossel 4 zur Beeinflussung des durchströmenden Kraftstoff-Volumenstroms,
eine Hochdruck-Pumpe 5 zur Förderung des Kraftstoffs unter Druckerhöhung, ein
Rail 6 sowie Einzelspeicher 7 zum Speichern des
Kraftstoffs und Injektoren 8 zum Einspritzen des Kraftstoffs
in die Brennräume
der Brennkraftmaschine 1.
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Dieses
Common-Railsystem wird bei einem maximalen stationären Raildruck
von z. B. 1800 bar betrieben. Zum Schutz vor einem unzulässig hohen Druckniveau
im Rail 6 ist ein passives Druck-Begrenzungsventil 10 vorgesehen.
Dieses öffnet
bei einem Druckniveau von z. B. 1950 bar. Im geöffneten Zustand wird der Kraftstoff
aus dem Rail 6 über
das Druck-Begrenzungsventil 10 in
den Kraftstofftank 2 abgesteuert. Hierdurch sinkt das Druckniveau
im Rail 6 auf einen Wert von z. B. 800 bar.
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Die
Betriebsweise der Brennkraftmaschine 1 wird durch ein elektronisches
Steuergerät
(ADEC) 11 bestimmt. Das elektronische Steuergerät 11 beinhaltet
die üblichen
Bestandteile eines Mikrocomputersystems, beispielsweise einen Mikroprozessor, I/O-Bausteine,
Puffer und Speicherbausteine (EEPROM, RAM). In den Speicherbausteinen
sind die für den
Betrieb der Brennkraftmaschine 1 relevanten Betriebsdaten
in Kennfeldern/Kennlinien appliziert. Über diese berechnet das elektronische
Steuergerät 11 aus
den Eingangsgrößen die
Ausgangsgrö ßen. In 1 sind
exemplarisch folgende Eingangsgrößen dargestellt:
der Raildruck pCR, der mittels eines Rail-Drucksensors 9 gemessen wird,
eine Motor-Drehzahl nMOT, ein Signal FP zur Leistungsvorgabe durch
den Betreiber und eine Eingangsgröße EIN. Unter der Eingangsgröße EIN sind
beispielsweise der Ladeluftdruck der Abgasturbolader und die Temperaturen
der Kühl-/Schmiermittel
sowie des Kraftstoffs subsumiert.
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In 1 sind
als Ausgangsgrößen des
elektronischen Steuergeräts 11 ein
Signal PWM zur Ansteuerung der Saugdrossel 4, ein Signal
ve zur Ansteuerung der Injektoren 8 und eine Ausgangsgröße AUS dargestellt.
Die Ausgangsgröße AUS steht
stellvertretend für
die weiteren Stellsignale zur Steuerung und Regelung der Brennkraftmaschine 1,
beispielsweise ein Stellsignal zur Aktivierung eines zweiten Abgasturboladers
bei einer Registeraufladung.
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In 2 ist
ein Druck-Regelkreis dargestellt. Die Eingangsgröße entspricht einem Soll-Raildruck pCR(SL).
Die Ausgangsgröße entspricht
dem Rohwert des Raildrucks pCR. Aus dem Rohwert des Raildrucks pCR
wird mittels eines ersten Filters 17 ein erster Ist-Raildruck
pCR1(IST) bestimmt. Dieser wird mit dem Sollwert pCR(SL) an einem
Summationspunkt verglichen, woraus eine Regelabweichung ep resultiert.
Aus der Regelabweichung ep wird mittels eines Druckreglers 12 eine
Stellgröße berechnet.
Die Stellgröße entspricht
einem Volumenstrom qV1. Die physikalische Einheit des Volumenstroms
ist Liter/Minute. Optional ist vorgesehen, dass zum Volumenstrom
qV1 der berechnete Sollverbrauch addiert wird. Der Volumenstrom
qV1 entspricht der Eingangsgröße für eine Begrenzung 13.
Die Begrenzung 13 kann drehzahlabhängig ausgeführt sein, die Eingangsgröße ist nMOT.
Die Ausgangsgröße qV2 der
Begrenzung 13 wird danach in einer Berechnung 14 in
ein PWM-Signal PWM1 um gerechnet. Das PWM-Signal PWM1 stellt hierbei
die Einschaltdauer dar und die Frequenz fPWM entspricht der Grundfrequenz.
Bei der Umrechnung werden Schwankungen der Betriebsspannung und
des Kraftstoffvordrucks mitberücksichtigt.
Mit dem PWM-Signal
PWM1 wird dann die Magnetspule der Saugdrossel beaufschlagt. Dadurch
wird der Weg des Magnetkerns verändert,
wodurch der Förderstrom
der Hochdruck-Pumpe frei beeinflusst wird. Die Hochdruck-Pumpe,
die Saugdrossel, das Rail und die Einzelspeicher entsprechen einer
Regelstrecke 16. Aus dem Rail 6 wird über die
Injektoren 8 ein Soll-Verbrauchsvolumenstrom
qV3 abgeführt.
Damit ist der Regelkreis geschlossen.
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Der
zuvor beschriebene Regelkreis wird durch ein zweites Filter 18,
einen Funktionsblock 19, eine PWM-Vorgabe 20 und
einen Schalter 15 ergänzt.
Der Schalter 15 ist im Signalpfad zwischen der Berechnung 14 und
der Regelstrecke 16 angeordnet. Der Schaltzustand des Schalters 15 wird über ein
Signal SZ festgelegt, welches über
den Funktionsblock 19 in Abhängigkeit eines ersten Grenzwerts
GW1, eines zweiten Grenzwerts GW2 und eines zweiten Ist-Raildrucks
pCR2(IST) bestimmt wird. Der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) wiederum
wird über
das zweite Filter 18 aus dem Rohwert des Raildrucks pCR
berechnet.
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In 2 ist
der Schalter 15 in der Stellung 1 dargestellt,
d. h. das von der Berechnung 14 festgelegte Signal PWM1
ist die Eingangsgröße der Regelstrecke 16.
In einer Stellung 2 des Schalters 15 ist ein Signal
PWM2 das Eingangssignal für
die Regelstrecke 16. Das Signal PWM2 wird von der PWM-Vorgabe 20 bereitgestellt.
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Das
Blockschaltbild der 2 besitzt folgende Funktionalität:
Im
Normalbetrieb ist der Schalter 15 in Stellung 1,
d. h. die vom Druckregler 12 berechnete Stellgröße qV1 wird
begrenzt, in ein PWM-Signal PWM1 umgesetzt und damit die Regelstrecke 16 beaufschlagt. Übersteigt
der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) den ersten Grenzwert GW1, so ändert der
Funktionsblock 19 den Signalpegel des Signals SZ, wodurch
der Schalter 15 in die Stellung 2 wechselt. In
dieser Stellung wird über
die PWM-Vorgabe 20 temporär ein gegenüber dem Normalbetrieb erhöhter PWM-Wert
PWM2 ausgegeben. Mit anderen Worten: Es wird vom Regelungsbetrieb
in den Steuerungsbetrieb gewechselt. Nach Ablauf eines vorgebbaren
Zeitraums wechselt dann der Schalter 15 wieder zurück in Stellung 1.
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Die 3 besteht aus den 3A bis 3D.
Diese zeigen jeweils über
der Zeit: den logischen Schaltzustand eines Merkers in 3A,
einen Status in 3B, einen Verlauf des zweiten
Ist-Raildrucks pCR2(IST) in 3C und
den Verlauf des PWM-Signals als Eingangsgröße der Regelstrecke 16 in 3D.
Als Werte sind auf der PWM-Ordinate Prozentzahlen aufgetragen, z.
B. bedeuten 40% PWM-Signal ein entsprechendes Impuls-Pausen-Verhältnis von
0,4 bei konstanter PWM-Grundfrequenz
fPWM. Zum Zeitpunkt t1 befindet sich das System im Normalbetrieb,
d. h. der Raildruck pCR wird über
den Druckregler 12 geregelt. Der Merker und der Status
besitzen den Wert 0. Im Rail herrscht ein Druckniveau von 1800 bar.
Das PWM-Signal in 3D besitzt den exemplarischen
Wert von 4%. Nach dem Zeitpunkt t1 beginnt sich der Raildruck pCR
und damit auch der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) aufgrund eines
Lastabwurfs zu vergrößern. In
der Praxis entspricht ein Lastabwurf dem Abschalten eines Verbrauchers
bei Generatorbetrieb oder dem Austauchen eines Schiffsantriebs.
Ein sich erhöhender
Raildruck pCR bewirkt bei einer konstanten Vorgabe des Soll-Raildrucks
eine sich ebenfalls betragsmäßig erhöhende Regelabweichung
ep. Diese Regelabweichung ep wird vom Druckregler 12 in ein
sich erhöhendes
PWM-Signal umgesetzt, wodurch der Querschnitt der Saugdrossel verringert wird.
In 3D erhöht
sich daher der Wert des PWM-Signals vom Anfangswert 4%. In der Praxis kann
das PWM-Signal im Regelbetrieb einen maximalen Wert von z. B. 22%
annehmen. Dieser Maximalwert wird durch die Versorgungsspannung
und den größtmöglichen
Saugdrossel-Dauerstrom festgelegt, z. B. 24 Volt und 2 Ampere.
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Zum
Zeitpunkt t2 übersteigt
der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) den ersten Grenzwert GW1 von
1930 bar. Mit Überschreiten
dieses Grenzwerts wird der Merker auf den Wert 1 gesetzt (3A)
und der Status von 0 nach 1 verändert.
Dadurch wird die Regelung des Raildrucks deaktiviert und das PWM-Signal
in 3D über
die PWM-Vorgabe 20 während
eines Zeitraums dt gesteuert. In 3B ist exemplarisch
als vorgegebene Funktion eine Treppenfunktion dargestellt. Andere
mathematische Funktionen, z. B. eine Parabel, sind möglich. Zum Zeitpunkt
t2 wird daher das PWM-Signal auf einen erhöhten PWM-Wert gesetzt. In 3 entspricht dies dem Punkt W1 mit dem
dazugehörigen
Ordinatenwert 80%. Zum Zeitpunkt t3 ist eine erste Zeitstufe dt1
abgelaufen, d. h. der Status ändert
sich von 1 nach 2, wodurch das PWM-Signal in 3D vom Wert
80%, Punkt W1, auf den Wert 40%, Punkt W2, verringert wird. Während eines
zweiten Zeitraums dt2 bleibt das PWM-Signal unverändert. Mit Ablauf der zweiten
Zeitstufe dt2 und Ende des Zeitraums dt wird der I-Anteil des Druckreglers
initialisiert. Als Initialisierungswerte werden entweder Null oder
ein dem negativen Soll-Verbrauchsvolumenstrom qV3 entsprechender
Wert vorgegeben. In der Praxis wird der Zeitraum dt auf 20 msec
gesetzt. Auf Grund der relativ kurzen Zeitdauer wird die maximale
Verlustleistung der Ausgangsstufe nicht überschritten.
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Nach
Initialisierung des Druckreglers ist das Steuerungsverfahren beendet
und der Raildruck wird wieder geregelt. Da zum Zeitpunkt t4 der
Raildruck pCR bzw. der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) gegenüber dem
Normalbetrieb ein erhöhtes
Niveau aufweist, berechnet der Druckregler das maximal mögliche PWM-Signal für den Regelbetrieb,
entsprechend 22% (3D). Zum Zeitpunkt t5 unterschreitet
der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) einen zweiten Grenzwert GW2 von
1900 bar. Mit Unterschreiten des zweiten Grenzwerts GW2 wird der
Merker auf den Wert 0 gesetzt. Hierdurch wird das Steuerungsverfahren wieder
freigeschaltet, d. h. die Funktion könnte wieder aktiviert werden.
Wie in 3C dargestellt, verringert sich
der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) aufgrund der geschlossenen Saugdrossel.
Zum Zeitpunkt t6 wird davon ausgegangen, dass der zweite Ist-Raildruck
pCR2(IST) das ursprüngliche
Druckniveau von 1800 bar unterschreitet. Als Folgereaktion verringert
der Druckregler das PWM-Signal wieder auf den ursprünglichen
Wert von 4%, Zeitpunkt t7.
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In 4 ist
ein Zustandübergangsdiagramm für die Übergänge vom
Regelungsbetrieb in den Steuerungsbetrieb und umgekehrt dargestellt.
Enthalten sind auch optionale Übergänge, wenn
vom Anwender nur die erste Zeitstufe dt1 (dt1 > 0) und/oder die zweite Zeitstufe dt2
(dt2 > 0) aktiviert wurden.
Das Bezugszeichen 21 charakterisiert eine aktivierte Regelung
des Raildrucks. Im Regelungsbetrieb besitzt der Status den Wert
0 und das PWM-Signal als Eingangsgröße der Regelstrecke besitzt
den Wert PWM1, welcher vom Druckregler vorgegeben wird. Überschreitet
der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) den ersten Grenzwert GW1, so
wird ein Lastabwurf erkannt. Mit Erkennen des Lastabwurfs und aktivierter
erster Zeitstufe dt1 (dt1 > 0)
wird in den Zustand Steuerung 1, Bezugszeichen 22,
gewechselt. In diesem Zustand besitzt der Status den Wert 1 und
das PWM-Signal zur Beaufschlagung der Regelstrecke wird über die
PWM-Vorgabe, Ausgangssignal PWM2, gesteuert. Über die PWM-Vorgabe wird das
PWM-Signal temporär
auf den Wert des Punkts W1 gesetzt. Mit Ablauf der ersten Zeitstufe
dt1 und aktivierter zweiter Zeitstufe dt2 (dt2 > 0) wird in den Zustand Steuerung 2,
Bezugszeichen 23, gewechselt. In diesem Zustand besitzt
der Status den Wert 2 und das PWM-Signal wird über die
PWM-Vorgabe auf den Wert des Punkts W2 gesetzt. Mit Ablauf der zweiten
Zeitstufe dt2 und damit Ablauf des Zeitraums dt wird vom Zustand
Steuerung 2 in den Zustand Regelung, Bezugszeichen 21,
gewechselt. Die Steuerung des Raildrucks wird also deaktiviert und die
Regelung wieder aktiviert.
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Wird
im Regelungsbetrieb, Zustand Regelung, ein Lastabwurf erkannt und
wurde vom Anwender keine erste Zeitstufe dt1 aktiviert (dt1 = 0),
so wird unmittelbar in den Zustand Steuerung 2 gewechselt. Die
Rückkehr
vom Zustand Steuerung 2 in den Regelungsbetrieb erfolgt
mit Ablauf des Zeitraums dt.
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Im
Zustand Steuerung 1, Bezugszeichen 22, erfolgt
der Übergang
zur Regelung oder zum Zustand Steuerung 2 in Abhängigkeit
der zweiten Zeitstufe dt2. Wurde vom Anwender keine zweite Zeitstufe
dt2 aktiviert (dt2 = 0), so wird mit Ablauf der ersten Zeitstufe
dt1 unmittelbar in den Regelungsbetrieb zurückgekehrt. Wurde vom Anwender
eine zweite Zeitstufe dt2 aktiviert, so wird, wie zuvor beschrieben,
in den Zustand Steuerung 2 gewechselt.
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In 5 ist
ein Programmablaufplan für
den Zustand Regelung dargestellt. Bei S1 wird geprüft, ob der
Merker den Wert 0 besitzt. Bei positivem Prüfergebnis wird der Programmteil
mit den Schritten S2 bis S14 durchlaufen. Bei negativem Prüfergebnis wird
der Programmteil mit den Schritten S7 bis S9 durchlaufen.
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Ergibt
die Prüfung
bei S1, dass der Merker den Wert 0 besitzt, so wird bei S2 geprüft, ob ein Lastabwurf
vorliegt. Liegt der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) unterhalb des
ersten Grenzwerts GW1, so wird bei S10 die Regelung des Raildrucks
beibehalten, d. h. das PWM-Signal stellt eine Funktion der Regelabweichung
ep dar. Danach ist dieser Programmteil beendet. Wird bei S2 ein
Lastabwurf festgestellt, so wird bei S3 der Merker auf den Wert
1 gesetzt und bei S4 geprüft,
ob vom Anwender die erste Zeitstufe dt1 aktiviert wurde. Bei aktivierter
Zeitstufe (Ergebnis der Abfrage: ja) wird bei S5 das PWM-Signal über die
PWM-Vorgabe gesteuert, hier auf den Wert PWM2(W1). Danach wird bei
S6 der Status auf den Wert 1 gesetzt und dieser Programmteil beendet.
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Wurde
keine erste Zeitstufe dt1 aktiviert, d. h. die Abfrage bei S4 ist
negativ, so wird bei S11 geprüft, ob
vom Anwender die zweite Zeitstufe dt2 aktiviert wurde. Ist keine
zweite Zeitstufe dt2 aktiviert (Ergebnis der Abfrage S11: nein),
bleibt bei S13 die Regelung des Raildrucks aktiviert. Der Programmablauf-Pfad
S4, S11 und S13 berücksichtigt
also den Fall, dass vom Anwender die Funktion nicht aktiviert wurde.
Ergibt die Prüfung
bei S11, dass die zweite Zeitstufe dt2 aktiviert wurde, so wird
bei S12 das PWM-Signal auf den Wert PWM2(W2) gesetzt. Danach wird
bei S14 der Status auf den Wert 2 gesetzt und dieser Programmpfad
beendet.
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Wurde
bei S1 erkannt, dass der Merker nicht dem Wert 0 entspricht, so
wird bei S7 geprüft,
ob der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) kleiner/gleich dem zweiten
Grenzwert GW2 ist. Ist dies der Fall, so wird bei S8 der Merker
auf den Wert 0 gesetzt und der Programmablauf bei S9 fortgesetzt.
Ergibt die Prüfung
bei S7, dass der zweite Ist-Raildruck oberhalb des zweiten Grenzwerts
liegt, wird der Programmablauf bei S9 fortgesetzt und die Regelung
des Raildrucks pCR bleibt weiterhin aktiviert. Danach ist dieser
Programmteil beendet.
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In 6 ist
ein Programmablaufplan für
die temporäre
PWM-Vorgabe bei
aktivierter erster Zeitstufe dt1 dargestellt, Zustand: Steuerung 1.
Bei S1 wird eine Zeit t auf den Wert t plus Abtastzeit gesetzt. Bei
S2 wird geprüft,
ob diese Zeit größer/gleich
der ersten Zeitstufe dt1 ist, d. h. ob die erste Zeitstufe bereits
abgelaufen ist. Bei noch nicht abgelaufener ersten Zeitstufe dt1
(Ergebnis der Abfrage: nein) wird bei S10 das PWM-Signal auf den
Wert PWM2(W1), z. B. 80%, gesetzt und dieser Programmteil dann verlassen.
Ergibt die Prüfung
bei S2, dass die erste Zeitstufe dt1 abgelaufen ist, so wird bei
S3 die Zeit auf den Wert 0 gesetzt und bei S4 geprüft, ob vom
Anwender die zweite Zeitstufe dt2 aktiviert wurde. Wurde keine zweite
Zeitstufe dt2 aktiviert, wird der Programmteil mit den Schritten
S5 bis S9 durchlaufen. Bei aktivierter zweiter Zeitstufe dt2 wird
der Programmteil mit den Schritten S11 und S12 durchlaufen.
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Bei
nicht aktivierter zweiter Zeitstufe dt2 (Ergebnis der Abfrage S4:
nein) wird bei S5 der I-Anteil des Druckreglers initialisiert. Als
Initialisierungswerte können
der Wert 0 oder ein dem negativen Soll-Verbrauchsvolumenstrom entsprechender
Wert verwendet werden. Bei S6 wird danach die Regelung des Raildrucks
aktiviert, d. h. das PWM-Signal wird über den Druckregler in Abhängigkeit
der Regelabweichung ep berechnet. Danach wird bei S7 der Status auf
den Wert 0 gesetzt. Bei S8 wird geprüft, ob der zweite Ist-Raildruck
pCR2(IST) kleiner/gleich dem zweiten Grenzwert GW2 ist. Ist dies
der Fall, so wird bei S9 der Merker auf den Wert 0 gesetzt und der Programmteil
verlassen. Ergibt die Prüfung
bei S8, dass der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) oberhalb des zweiten
Grenzwerts GW2 liegt, so wird unmittelbar dieser Programmteil verlassen.
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Ergibt
die Prüfung
bei S4, dass die zweite Zeitstufe dt2 gesetzt wurde, so wird bei
S11 das PWM-Signal über
die PWM-Vorgabe,
Ausgangssignal PWM2, auf den Wert des Punkts W2 gesetzt. Danach
wird bei S12 der Status auf den Wert 2 gesetzt und der
Programmteil verlassen.
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In 7 ist
ein Programmablaufplan für
den Zustand Steuerung 2 dargestellt. Bei S1 wird zu einer Zeit
t eine Abtastzeit addiert. Danach wird bei S2 geprüft, ob die
zweite Zeitstufe dt2 abgelaufen ist. Ist dies nicht der Fall (Ergebnis
der Abfrage S2: nein), so wird bei S9 über die PWM-Vorgabe das PWM-Signal auf
den Wert PWM2(W2) gesetzt und der Programmteil verlassen. Ergibt
die Prüfung
bei S2, dass die zweite Zeitstufe dt2 abgelaufen ist, so wird bei
S3 die Zeit t auf den Wert 0 gesetzt und bei S4 der I-Anteil des
Druckreglers wie zuvor beschrieben initialisiert. Danach wird bei
S5 die Regelung aktiviert, d. h. das PWM-Signal wird in Abhängigkeit
der Regelabweichung ep bestimmt. Bei S6 wird der Status auf den Wert
0 gesetzt. Bei S7 wird geprüft,
ob der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) kleiner/gleich dem zweiten Grenzwert
GW2 ist. Ist dies der Fall, so wird bei S8 der Merker auf den Wert
0 gesetzt und der Programmteil verlassen. Ergibt die Prüfung bei
S7, dass der zweite Ist-Raildruck pCR2(IST) oberhalb des zweiten
Grenzwerts GW2 liegt, so wird der Programmteil unmittelbar verlassen.
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Das
Verfahren wurde an Hand eines Lastabwurfs beschrieben. In der Praxis
kann das dargestellte Verfahren ganz allgemein immer auch dann verwendet
werden, wenn eine sehr schnelle Reduktion der Einspritzmenge eine
Drucküberhöhung im
Rail bewirkt. Dies erfolgt beim Lastabwurf, einem Motorstop sowie bei
einer schlagartigen Reduktion des Sollmoments bzw. der Soll-Einspritzmenge
mit Erkennen einer Laderüberdrehzahl
bei einem Abgasturbolader.
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Die
Erfindung bietet folgende Vorteile:
- – durch
das temporär
erhöhte
PWM-Signal wird eine höhere
Dynamik des Stellglieds erreicht, wodurch ein unbeabsichtigtes Öffnen des
Druck-Begrenzungsventils bei einem Lastabwurf verhindert wird;
- – durch
die Deaktivierung der Regelung und das erhöhte PWM-Signal kann ein festsitzender Saugdrossel-Schieber
wieder gängig
gemacht werden;
- – das
zweite Filter, der Schalter und die PWM-Vorgabe können in
der Software des elektronischen Steuergeräts abgebildet werden, wodurch
das Steuerungsverfahren nachträglich
applizierbar ist;
- – die
temporäre
PWM-Vorgabe kann das in der DE 10 2004 023 365 A1 dargestellte Verfahren
ergänzen.
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- 1
- Brennkraftmaschine
- 2
- Kraftstofftank
- 3
- Niederdruck-Pumpe
- 4
- Saugdrossel
- 5
- Hochdruck-Pumpe
- 6
- Rail
- 7
- Einzelspeicher
- 8
- Injektor
- 9
- Rail-Drucksensor
- 10
- Druck-Begrenzungsventil
- 11
- elektronisches
Steuergerät
(ADEC)
- 12
- Druckregler
- 13
- Begrenzung
- 14
- Berechnung
- 15
- Schalter
- 16
- Regelstrecke
- 17
- erstes
Filter
- 18
- zweites
Filter
- 19
- Funktionsblock
- 20
- PWM-Vorgabe
- 21
- Regelung
- 22
- Steuerung 1
- 23
- Steuerung 2