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Düse zum Ziehen von Tafelglas Die bisher allgemein zum Ziehen von
Tafelglas nach dem Fourcaultverfahren verwendeten Düsen bestehen aus Schamotte.
Für derartige Düsen. sind hinsichtlich des Einlaufes der Düsen, der den Düsenschlitz
bildenden Facette und des anschließenden Düsenholmes auf Grund langjähriger Erfahrungen
Formen entwickelt worden, die ein einwandfreies Ziehen von Tafelglas ermöglichen.
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Die Düsen aus Schamotte bedingen aber infolge ihres chemischen und
physikalischen Verhaltens gegenüber dem Glas sowie durch ihre mechanische Beschaffenheit
Fehlerquellen, die sich. im Glas in Gestalt von Kämmung, Fäden u. dgl. bemerkbar
machen. Ferner lassen sich bei der Aufheizung der Schamottedüsen Brandrisse an der
Facette nicht vermeiden, die die Qualität des Glases beeinträchtigen. Durch die
genannten Erscheinungen wird auch die Lebensdauer der Schamottedüsen stark beeinflußt.
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Man hat auch schon vorgeschlagen, an Stelle der Schamottedüse als
Hohlkörper ausgebildete Düsen aus Stahl zu verwenden. Die hohlen Stahldüsen vermeiden
zwar bei richtiger Stahlwahl die oben geschilderten Nachteile der Schamottedüsen,
besitzen aber den Nachteil einer hohen Wärmeabstrahlung, die auch beim Ausfüllen
der Hohlräume mit wärmeisolierenden Stoffen nicht in ausreichendem Maße herabgesetzt
werden kann. Bei der hohen Wärmeabstrahlung der hohlen Stahldüsen tritt ein vorzeitiges
Einfrieren insbesondere- an den Borden des Glasbandes ein, wodurch der 2iehprozeß
zum Erliegen kommt, wenn nicht besondere Heizvorrichtungen angeordnet werden. Für
ebenfalls bekannte Düsen aus hitzebeständigem Metall mit oben offenen, mit Isolierstoffen
gefüllten U-förmigen Seitenwänden gilt das gleiche.
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Erfindungsgemäß wird vorgeschlagen, die Düse aus hochhitzebeständigem,
dünnwandigem, vorzugsweise 1 bis 5 mm starkem Stahlblech zu fertigen, dessen einwandige
Formgebung ausschließlich durch den Einlauf der Düse, die den Düsenschlitz bildende
Facette und den anschließenden Düsenholm bestimmt ist. Dadurch wird also an Stelle
der bisher vo,rgeschlagenen hohlen: Stahldüsen eine einwandige Stahldüse geschaffen.
Durch die Verwendung einer einwandigen Stahldüse wird erreicht, daß die durch die
Düse hindurchtretende heiße Glasmasse lediglich Wärme durch die eine Stahlwandung
an die die Düse umgebende ruhende Glasmasse abgibt, die durch die laufende Wärmezufuhr
unter Kompensation der Abstrahlungsverluste an die Ziehkammer auf etwa gleicher
Temperatur gehalten wird.
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In Fällen, in denen die Abstrahlungsverluste der die Düse umgebenden
Glasmasse durch die stetige Wärmezufuhr durch die Düsenwandung hindurch nicht voll
ausgeglichen werden, kann die Wärmeabstrahlung der die Düse umgebenden Glasmasse
durch geeignete isolierende Abdeckung gegenüber der Ziehkammer in bekannter Weise
vermindert werden.
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Durch die verhältnismäßig geringfügige:, ständige Wärmeabfuhr durch
die einwandige Stahlblechdüse lädt sich weiterhin eine Erhöhung der Ziehgeschwindigkeit
erreichen, wobei das Ausmaß der Wärmeabfuhr in solchen Grenzen gehalten werden kann,
daß sich ein vorzeitiges Einfrieren der Glasmasse vor allem an den Borden ohne zusätzliches
Heizmittel wirksam verhindern .lädt.
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Zur Vermeidung der Beeinträchtigung der Glasqualität, z. B. durch
Verfärbungen oder Blasenbildungen infolge Oxydationen des Düsenmaterials ist es
natürlich notwendig, die Düse aus hochhitzebeständigem und gegen Glas, möglichst
indifferentem, vorzugsweise hochchromlegiertem Stahlblech zu fertigen. Aus dem gleichen
Grunde kann die Düseninnenfläche, vorzugsweise an der Facette:, nitriert werden.
Auch ein Abdecken der Facette mit Edelmetall, z. B. Platin oder Platinverbindungen,
dient dem gleichen Zweck, wobei das Edelmetall durch Aufwalzen, Aufnieten od. dgl.
aufgetragen werden kann. An Stelle der Nitrie@rung oder Platinierung oder auch zusätzlich
kann weiterhin zwischen den Düsenholmen eine Schutz,gasatmosphäre angeordnet werden.
Die Anordnung einer solchen Schutzgasatmosphäre zwischen den Düsenholmen lädt sich
beispielsweise durch zwischen Facette und Düsenhohn, zweckmäßig in einer- Vertiefung
der Düsenwandung angeordnete Rohre mit Schlitzen oder sonstigen Auslaßöffnungen
erreichen, denen laufend ein Schutzgas zugeführt wird.
An der Unterkante
des Einlaufes der Düse werden zweckmäßig im wesentlichen horizontal verlaufende
Versteifungsbleche angesetzt. Des weiteren können auch auf der Außenseite der Düseneinlaufbleche
in an sich bekannter Weise horizontal und/oder vertikal verlaufende Versteifungsrippen
vorgesehen sein.
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Zur Vermeidung von Abstrahlungsverlusten wird die Holmhöhe der Düse
lediglich so groß bemessen, wie es zur Bildung der Ziehzwiebel erforderlich ist.
Aus dem gleichen Grunde wird auch der Abstand zwischen Facette und Holm zweckmäßig
so gering bemessen, daß gerade noch- eine oinwandfrene Ziehzwiebelbildung gewährleistet
ist.
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Die Halterung der neuen Stahldüse erfolgt durch ebenfalls aus hochhitzebeständigem
Stahlblech bestehende, an den Düsenenden befindliche Haltevorrichtungen. Diese Haltevorrichtungen
können entweder als Hohlkörper ausgebildet sein, die unter Umständen die Abs.enkneigung
der Düse aufheben oder zumindest verkleinern, oder sie können auch unter Verzicht
auf diese Vorteile als Gitterkörper ausgebildet sein.
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Die Haltevorrichtungen sind so an die Stahldüse angesetzt, daß sie
beim Betrieb der Düse zur Vermeidung von Abstrahlungsverlusten vollständig in der
Glasmasse untergetaucht sind.
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Die Haltestangen, die mit den Haltevorrichtungen für die Düse zweckmäßig
gelenkartig verbunden sind, `-erden als von abstellbaren Kühlmedien durchflossene
Doppelrohre ausgebildet.
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Dabei werden die äußeren Halterohre ebenfalls auch aus hochhitzebeständigem
Stahl gefertigt. Während der Aufheizung der Ziehkammer wird als Kühlmittel für die
Haltestangen Wasser verwendet, das bei Beendigung der Aufheizze,it durch Preßluft
a,usblasbar ist. Dabei sind die das Wasser und die Preßluft steuernden Ventile so
gekuppelt, daß beim Abstellen des Kühlwassers z.wangläufig Preßluft eingeführt wird,
die gleichzeitig das Wasser verdrängt. Auf diese Weise wird eine Verdampfung des
Wassers, die zu Dampfexplosionen führen kann, wirksam vermieden. Während des Betriebes
der Düse kann die Preßluft als Kühlmittel für die Haltestangen weiter verwendet
werden.
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Der Gegenstand der Erfindung ist in der Zeichnung beispielsweise veranschaulicht.
Es zeigt Fig. 1 eine Ausführungsform der neuen Stahldüse im Längsschnitt nach. Linie
II-II der Fig. 2, Fig.2 die gleiche Stahldüse im Querschnitt nach Linie I-I der
Fig. 1, Fig. 3 ein Düsenende mit einer als Hohlkörper ausgebildeten Haltevorrichtung
im Längsschnitt, Fig. 4 die Ausführungsform nach Fig. 3 in Draufsicht, Fig.5 ein
Düsenende mit einer als Gitterkörper ausgebildeten Haltevorrichtung im Längsschnitt,
Fig. 6 die Ausführungsform nach Fig. 5 in Draufsicht, Fig. 7 eine Haltestange für
die Haltevorrichtungen nach den Fig. 3 und 4 bzw. den Fig. 5 und 6 im Längsschnitt,
Fig. 8 die Hälfte einer Düse mit zugehöriger Haltevorrichtung in schaubildlicher
Darstellung.
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Wie- aus den Fig. 1 und 2 ersichtlich, besteht die einwandige, aus
hochhitzebeständigem, dünnwandigem Stahlblech hergestellte Düse aus den Düseneinlaufblechen
1, die in ihrer Formgebung den Innenwandungen der bekannten Düsen aus Schamotte
entsprechen-. An die oberen Enden der Düseneinlaufbleche 1 sind waagerecht nach,
außen verlaufende Bleche 2 angeschweißt, die ihrerseits in geeignetem Abstand von
der Düsenfacette 3, d. h. an der Stoßstelle zwischen den Blechen 1 und 2 angeschweißte,
zweckmäßig senkrecht nach oben verlaufende Blechteile tragen, welche den Düsenholm
4 bilden. Die Höhe des Düsenholmes 4 wird nur so groß bemessen, wie es zur Bildung
der Ziehzwiebel erforderlich ist. Auf diese Weise werden unnötige Abstrahlungsverluste
vermieden.
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Des weiteren wird zur Vermeidung von Abstrahlungsverlusten der Abstand
zwischen Facette 3 und Holm 4 nur so groß bemessen., daß noch eine einwandfreie
Ziehzwiebelhildung gewährleistet ist.
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An die unteren Enden der Einlaufbleche 1 sind zweckmäßig horizontal
verlaufende Versteifungsbleche 5 angeschweißt. Die Einlaufbleche 1 können weiterhin
auf der Außenseite noch mnit angeschweißten, horizontal oder senkrecht verlaufenden
Versteifungsrippen 6 bzw. 7 versehen sein.
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Wie die rechte Hälfte der Fig.2 veranschaulicht, kann zwischen Facette
3 und Holm 4 das waagerecht verlaufende Blech 2 mit einer Vertiefung 8 zur Aufnahme
von mit Schlitzen oder sonstigen Auslaßöffnungen ausgerüsteten, nicht dargestellten
Rohren versehen sein, durch die ein geeignetes Schutzgas zwecks Schaffung einer
Schutzgasatmosphäre zwischen den Düsenholmen 4 zugeführt wird.
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Die Halterung der neuen einwandigen, aus hochhitzebeständigem, dünnwandigem
Stahlblech bestehenden Düse erfolgt gemäß den Fig. 3 und 4 durch finit den Düsenenden
verbundene Hohlkörper 9, die ebenfalls aus dünnwandigen, hochhitzebeständigen. Stahlblechen
gefertigt sind. An Stelle der Hohlkörper 9 können auch mit den Düsenenden verbundene
Gitterkörper 10 aus dünnwandigem, hochhitzebeständigem Stahlblech entsprechend den
Fig. 5 und 6 als Haltevorrichtungen Verwendung finden.
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In. beiden Fällen werden die Haltevorrichtungen, wie die Fig. 3 bis
6 erkennen lassen, so- an die Stahl-, düs angesetzt, daß sie beim Betrieb der Düse
zur Vermeidung von Abstrahlungsverlusten vollständig in der Glasmasse untergetaucht
sind. Mit Haltestangen wird die Eintauchtiefe der Düse in das Glaslad so eingestellt,
daß der Düsenholm 4 nur nöch!. wenige Millimeter über die Glasoberfläche n (vgl.
Fig. 3 und 5) hinausragt.
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In beiden Fällen sind weiterhin die Haltevorrichtungen 9 bzw. 10 mit
nach oben vorspringenden Lageraugen 11 zur gelenkigen Befestigung der Haltestangen
versehen. Die Haltestangen bestehen, wie Fig. 7 zeigt, aus Doppelrohren 12, 13,
von denen das außenliegende Rohr 12 ebenfalls aus hochhitzebeständigem Stahl gefertigt
ist.
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Dem oberen Ende des Innenrohres 13 wird durch das Rohr 14 Kühlwasser
zugeführt, das am unteren"' Ende des Innenrohres 13 durch die Löcher 15 in
das außenliegende Rohr 12 übertritt und das außenliegende Rohr am oberen Ende durch
den Stutzen 16 verläßt.
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Nach Beendigung der Aufheizzeit der Ziehkammer wird die Kühlwasserz.ufuhr
durch das Ventil 17 abger stellt. Gleichzeitig wird das Ventil 18 in der Leitung
19 geöffnet und durch die Leitung 19 Preßluft aingeführt, die das Wasser innerhalb
der Rohre 12 und 13 verdrängt. Auch während des Betriebes der Düse kann] die Preßluft
als Kühlmittel für die Haltestangen weiter verwendet werden.
| Fig. 8 veranschaulicht noch die halbe Düse mit der, |
| an einem Ende angeordneten Haltevorrichtung in |
| schaubildlicher Darstellung. |