Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines mit
Leichtwasser gekühlten und moderierten Leistungs-Kernreak
tors, mit einem Kern aus mindestens ersten Brennelementen,
die bereits in mehr als einem Betriebszyklus im Reaktor ein
gesetzt und der Strahlung ausgesetzt waren, und zweiten
Brennelementen, die noch keinen ganzen Reaktorzyklus einge
setzt und der Strahlung ausgesetzt waren. Die Erfindung be
trifft ferner einen betriebsbereiten Kern eines solchen Kern
reaktors sowie ein betriebsbereites Brennelement für einen
solchen Kern.
Der Betrieb von Kernreaktoren, die mit Leichtwasser gekühlt
und moderiert werden und auf eine thermische Ausgangsleistung
über etwa 1400 MW bzw. eine elektrische Ausgangsleistung über
etwa 500 MW ausgelegt sind, wird in regelmäßigen Abständen
unterbrochen, um angebrannte und defekte Brennelemente gegen
frische Brennelemente auszutauschen. Vor einem neuen Be
triebszyklus wird daher der für den anschließenden Betrieb
vorgesehene Kern aus fabrikfrischen und unbestrahlten Brenn
elementen und aus Brennelementen zusammengesetzt, die bereits
einen oder mehrere Zyklen im Reaktor eingesetzt und der Neut
ronenstrahlung des Reaktors ausgesetzt waren.
Ein Brennelement ist praktisch am Ende seiner Einsatzzeit und
gilt als abgebrannt, wenn seine Neutronenbilanz unter den Be
triebsbedingungen des Reaktors deutlich negativ wird, d. h.,
wenn - unter Berücksichtigung von Neutronenverlusten durch
Absorption und Abstrahlung - weniger thermische Neutronen im
Brennelement erzeugt werden, als bei der Spaltung des spalt
baren Materials im Kern verbraucht werden. Ein solches Brenn
element wirkt im Verbund mit den anderen Brennelementen des
Kerns also als ein Neutronenverbraucher und kann höchstens
nur noch so lange im Kern verbleiben, wie die Neutronenpro
duktion der anderen Brennelemente des Kerns ausreicht, um den
Neutronenverbrauch des praktisch abgebrannten Brennelements
zu kompensieren. Werden die abgebrannten Brennelemente dann
nicht gegen frische Brennelemente ausgetauscht, die eine ent
sprechend positive Neutronenbilanz besitzen, so erlischt der
Reaktor.
Um die Neutronenbilanz des gesamten Kernes während eines Be
triebszyklus annähernd konstant auf einem optimalen Wert zu
halten, wird das spaltbare Material im Kernbrennstoff übli
cherweise zusammen mit Isotopen eines Absorbers eingesetzt,
die einem hohen Einfangsquerschnitt für thermische Neutronen
besitzen, dabei in Isotope mit einem niedrigen Einfangsquer
schnitt übergehen und daher bereits während der Bestrahlung
im ersten Einsatzzyklus den größten Teil ihrer Absorptionsfä
higkeit verlieren ("abbrennbarer Absorber", z. B. Gadolinium
oxid). Ein solches, mit abbrennbarem Absorber vergiftetes
Brennelement besitzt also einen Gehalt an spaltbaren Stoffen,
der im Lauf der Bestrahlung ständig abnimmt, jedoch eine Re
aktivität, die im ersten Zyklus seines Einsatzes durch das
Abbrennen des Absorbers ("Neutronengiftes") zunimmt und in
der Lage ist, die abnehmende Reaktivität der bereits längere
Zeit bestrahlten Brennelemente auszugleichen. Auf diese Weise
kann über längere Zeit ein Zustand des Kerns mit annähernd
konstanter Reaktivität ("stationärer Kern") erreicht werden.
Dabei kann durch eine entsprechende Menge an abbringbarem
Neutronengift die Reaktivität eines frischen Brennelementes
praktisch unabhängig von dem Gehalt an spaltbarem Material
eingestellt werden.
Ein großer Teil der Betriebskosten des Reaktors entsteht da
durch, dass die Kosten für die Entsorgung der abgebrannten
Brennelemente gedeckt werden müssen. Daher werden bisher die
frischen Brennelemente mit so viel spaltbarem Material ausge
rüstet, dass sie möglichst lange im Kern verbleiben können.
Nach jedem Betriebszyklus ist dann nur eine möglichst geringe
Zahl von Brennelementen abgebrannt und muss ausgewechselt
werden.
Eine verlängerte Einsatzdauer des Brennelements setzt also
einen für diese Einsatzdauer ausreichenden, höheren Vorrat an
spaltbarem Material voraus. Aus sicherheitstechnischen Grün
den ist die Konzentration an spaltbarem Material im Kern
brennstoff auf 5 Gew.-% an spaltbarem Uran (bzw. bei Mischun
gen aus Uran und Plutonium oder anderen spaltbaren Transura
nen einem entsprechenden Äquivalent) beschränkt. Ein größerer
Vorrat an spaltbarem Material bedeutet daher auch eine grö
ßere Masse an Brennstoff.
Die stark positive Neutronenbilanz eines solchen frischen
Brennelements mit erhöhtem Gehalt an Spaltmaterial gestattet
auch, die negative Bilanz anderer Brennelemente zu kompensie
ren, also auch die Standzeit der anderen Brennelemente zu
verlängern. Ein auf diese Weise nachgeladener Kern enthält
daher bestrahlte und frische Brennelemente, wobei die einzel
nen frischen Brennelemente mehr spaltbares Material enthalten
als die bestrahlten Brennelemente vor dem ersten Einsatz des
Brennelementes enthalten haben. Entsprechend brennen prak
tisch alle frischen Brennelemente auch noch, wenn die Mehr
zahl der bestrahlten Elemente bereits abgebrannt sind. Dabei
braucht der Begriff "abgebrannt" nicht genauer definiert zu
werden, da ihn der Fachmann kennt.
Allerdings ist die Neutronenbilanz auch davon abhängig, wel
cher Bruchteil der bei der Kernspaltung entstehenden schnel
len Neutronen durch den Moderator in thermische Neutronen um
gewandelt wird. Die vom Brennstoff abgegebene Energie bzw.
die darin enthaltene nutzbare Energie ("Abbrand", gemessen in
MWd/kgU) ist daher auch vom Verhältnis des Moderators zum
spaltbaren Material bzw. des Wasserstoffs zum Uran abhängig.
Der Moderator ist - vor allem im Siedewasser-Reaktor, der
größere Wasserspalte zwischen seinen Brennelementen besitzt -
nicht gleichmäßig über den Kern und über den Querschnitt des
Brennelements verteilt, so dass auch der optimale Gehalt an
spaltbarem Material und der Abbrand in einem Brennstab davon
abhängt, an welchem Ort des Brennelement-Querschnitts der
Brennstab eingesetzt wird. Daher haben, z. B. in modernen Sie
dewasser-Brennelementen, mehr als die Hälfte der Brennstäbe
zwischen 4,75 und 4,95% spaltbares Uran im Brennstoff;
trotzdem liegt aber ihre mittlere Anreicherung deutlich dar
unter (etwa zwischen 4,45 und 4,65%), da vor allem an den
Ecken des Brennelementes Brennstäbe mit einer Anreicherung
des Brennstoffs unter 3% eingesetzt werden.
Um die Gleichmäßigkeit der Moderatorverteilung zu verbessern,
werden zumindest in Siedewasser-Reaktoren Brennelemente ein
gesetzt, deren Brennstäbe in einem gleichmäßigen, gitterarti
gen Muster über den Brennelement-Querschnitt verteilt sind,
wobei aber einige der dadurch definierten Brennstab-Positio
nen nicht mit Brennstäben besetzt sind, sondern mit Rohren,
die flüssiges Wasser führen ("Wasserstäbe") und daher auch in
dem oberen Teil des Brennelements, wo das Wasser bereits
weitgehend verdampft ist und der Moderator nur noch eine ge
ringe Dichte aufweist, das Moderator : Brennstoff-Verhältnis
verbessern.
Unterdessen ist bei einigen Kernreaktoren vorgesehen, den Be
trieb nur noch einige Betriebszyklen möglichst ökonomisch
weiterzuführen, dann aber endgültig still zu setzen. Der Er
findung liegt die Aufgabe zugrunde, die durch die Bereitstel
lung von frischen Brennelementen und die Entsorgung der be
strahlten Brennelemente entstehenden Kosten in diesen letzten
Betriebszyklen des Reaktors gering zu halten.
Würde der Reaktor auf die beschriebene Weise durch Nachladung
mit den üblichen Standard-Brennelementen nachgeladen und bis
zum Abschalten unter praktisch gleichen Bedingungen weiterbe
trieben, so würde also weiterhin für jedes Brennelement die
bisherige Menge an spaltbarem Material bzw. Brennstoff einge
setzt.
Die Erfindung sieht jedoch vor, den Leistungs-Kernreaktor mit
einem Kern zu betreiben, der wie üblich mindestens erste und
zweite Brennelemente enthält, wobei die ersten Brennelemente
bereits in mehr als einem Betriebszyklus im Reaktor einge
setzt und der Strahlung ausgesetzt waren, während die zweiten
Brennelemente noch keinen ganzen Reaktorzyklus der Bestrah
lung ausgesetzt waren. Gemäß der Erfindung weisen - bezogen
jeweils auf die unbestrahlten Brennelemente vor ihrem Einsatz
- die zweiten Brennelemente jeweils eine niedrigere Masse an
spaltbarem Material auf als die zweiten Brennelemente.
Bei den Nachladungen wird also Brennstoff eingespart.
Außerdem würde beim Nachladen mit den bisher üblichen Brenn
elementen und einem anschließenden Betrieb unter praktisch
gleichen Bedingungen bei jedem Betriebszyklus die gleiche
Menge an Brennelementen entsorgt werden müssen wie bisher,
und nach dem letzten Betriebszyklus würden nicht nur die
Brennelemente, die das geplante Ende ihrer Einsatzdauer er
reicht haben, entsorgt werden müssen, sondern auch Brennele
mente, die erst weniger Betriebszyklen eingesetzt waren und
noch abbrennbaren Brennstoff enthalten. Die in diesen, erst
teilweise abgebrannten Elementen verbliebene Energie ist also
nicht nutzbar; vielmehr müssten auch diese Brennelemente mit
dem gleichen Aufwand (oder sogar mit größerem Aufwand wegen
der noch vorhandenen Reaktivität) entsorgt werden wie die ab
gebrannten Brennelemente.
Daher sieht die Erfindung vor, den Reaktorkern in einer Pause
zwischen zwei Betriebszyklen mindestens aus ersten und zwei
ten Brennelementen zusammenzusetzen, wobei die ersten Ele
mente bereits im Reaktor eingesetzt und bestrahlt waren und
ihr noch vorhandenes spaltbares Material mindestens für eine
vorgegebene Anzahl von Zyklen (nämlich bis zum vorgesehenen
Abschalten des Reaktors) ausreichen, während die zweiten
Brennelemente noch unbestrahlt sind. Gemäß der Erfindung ist
das spaltbare Material in den zweiten Brennelementen so be
messen, dass sie nach Fortsetzung des Reaktorbetriebes in der
vorgegebenen Anzahl von Zyklen abgebrannt sind.
Wenn dann also erste Brennelemente abgebrannt sind und nicht
nachgeladen werden, erlischt der Reaktor; gleichzeitig ist
dann aber auch das Spaltmaterial in den zweiten Brennelemen
ten abgebrannt. Der Reaktor ist endgültig abgeschaltet.
Der Brennstoff ist also dann gut ausgenutzt und die Entsor
gung ist erleichtert.
Die Erfindung geht insbesondere davon aus, dass der Brenn
stoffeinsatz in den letzten Zyklen des Kernreaktors dadurch
optimiert werden kann, dass beim Ersetzen abgebrannter Brenn
elemente zwischen zwei Betriebszyklen folgende Randbedingun
gen eingehalten werden:
- - Die Anzahl der nachzuladenden Brennelemente wird möglichst
gering gehalten, d. h. die Einsatzdauer der vorhandenen, be
strahlten Brennelemente wird möglichst verlängert. Die Kos
ten des Brennstoffkreislaufes, die von der Anzahl der zu
fertigenden und zu entsorgenden Brennelemente abhängen,
wird dadurch verringert.
- - Der Brennstoff in den nachgeladenen, frischen Brennelemen
ten soll aber schneller abbrennen als in den für übliche
Nachladungen vorgesehenen Standard-Brennelementen. Der
Brennstoff in den frischen Brennelementen, die weniger Be
triebszyklen im Kern verbleiben werden, wird dann besser
ausgenutzt.
In Weiterbildung der Erfindung werden die beiden Randbedin
gungen dadurch erfüllt, dass die zweiten Brennelemente ein
mindestens um 10% höheres Verhältnis von Wasser zu Brenn
stoff aufweisen als die ersten Brennelemente, wobei das Ver
hältnis auch um 50% und mehr höher liegen kann. Ein höheres
Verhältnis von Wasser zu Brennstoff erzeugt nämlich eine Re
aktivitätskurve, die bei praktisch reinem Uran als Brennstoff
zu Beginn des Einsatzes höhere Werte aufweist und mit stei
gender Energieabnahme, also steigendem Abbrand, steiler ab
fällt als bei sogenannten "Standard-Nachladebrennelementen",
d. h. bei Brennelementen, die für einen Betrieb mit stationä
rem Kern über den vorgesehenen Zeitpunkt der Abschaltung hin
aus erforderlich wären.
Die Verringerung des spaltbaren Materials und gleichzeitig
eine Erhöhung des Verhältnisses von Wasser zu Brennstoff ist
möglich, wenn im Brennelement mehr Brennstabpositionen frei
bleiben bzw. durch Wasserstäbe oder Verdrängungskörper er
setzt werden, als bei den bestrahlten Standard-Nachladebrenn
elementen, die der Kern bereits enthält. Während des ersten
Betriebszyklus kann der Einfluss der veränderten Moderator
verhältnisse auf den Abbrand des Brennelements und die Reak
tivität des gesamten Kernes durch entsprechende Dosierung von
abbrennbarem Neutronengift praktisch kompensiert werden. In
den noch verbleibenden Zyklen wird der Brennstoff dann soweit
ausgenutzt, dass er beim vorgesehenen Abschalten praktisch
abgebrannt ist.
Die zweiten Brennelemente ("Abschalt-Brennelemente") enthal
ten dann also deutlich weniger Brennstäbe, die nach dem Ab
schalten entsorgt werden müssen, als die ersten Brennele
mente. Werden für das Entsorgen (oder zum Versenden an eine
Wiederaufbereitungsanlage) die Brennstäbe dicht gepackt und
von den Skeletten der Brennelemente getrennt, so bedeutet die
geringere Anzahl der zu entsorgenden Brennstäbe eine deutli
che Verringerung der Entsorgungskosten. Es ist aber auch mög
lich, aus einem Brennelement nach dem Stillsetzen des Reak
tors alle Brennstäbe zu entnehmen und in die nicht von Brenn
stäben besetzten Brennstabpositionen von abgebrannten zweiten
Brennelemente einzusetzen. Dadurch müssen dann nur noch eine
geringere Zahl von mit Brennstäben besetzten Brennelementen
entsorgt werden, während die Entsorgung der Skelette ohnehin
nur verhältnismäßig geringe Kosten verursacht. Insbesondere
ist es möglich, schon im frischen Brennelement einige der
Brennstabpositionen mit Brennstäben zu besetzen, die aus ab
gebrannten Brennelementen stammen und im frischen Brennele
ment nur eine geringe spaltbare Masse darstellen.
Der schnellere Abbrand in den Abschalt-Brennelementen mit dem
höheren Verhältnis von Moderator zu Brennstoff gleicht die
Masse an spaltbarem Material aus, die ihnen - verglichen mit
dem ersten Zyklus eines Standard-Nachladeelementes - zu Be
ginn ihres Einsatzes fehlt. Der dabei freigesetzte Fluss
thermischer Neutronen kann sogar dazu führen, dass das Defi
zit Neutronenbilanz von ersten Brennelementen, die eigentlich
bereits abgebrannt sind und entsorgt werden müssten, kompen
siert und ihre Einsatzdauer verlängert wird. Dies führt zu
einer weiteren Verringerung der Entsorgungskosten.
Ein Reaktorkern eines mit Leichtwasser gekühlten Leistungs-
Kernreaktors, der nach diesen Grundsätzen mindestens aus ers
ten und zweiten Brennelementen zusammengesetzt ist, ermög
licht also erhebliche Kosteneinsparungen im Brennstoffkreis
lauf für die letzten Zyklen des Reaktors. Dabei ist es beson
ders vorteilhaft, wenn das spaltbare Material in den zweiten
Brennelementen derart im Brennstoff konzentriert ist, dass
der Brennstoff eine mittlere Anreicherung über 4,5% auf
weist. Es kann insbesondere der gleiche Brennstoff wie in den
Nachlade-Brennelementen verwendet werden, lediglich mit ge
ringerem Volumen.
Ein solches Abschalt-Brennelement besitzt im Grunde den glei
chen Aufbau wie Standard-Nachladebrennelemente, wobei jedoch
anstelle einiger Brennstäbe der Standard-Nachladebrennele
mente Verdrängerstäbe (z. B. massive Stäbe aus einem Material
mit geringer Neutronenabsorption, z. B. Zirkonium oder Zirka
loy), Hohlrohre, wie sie als "Wasserstäbe" ohnehin bereits in
Standard-Nachladebrennelementen von Siedewasser-Reaktoren
verwendet werden, oder einfach Leerstellen verwendet werden.
Zusätzlich kann vorgesehen sein, an den Außenseiten der Ver
drängerstäbe oder Hohlrohre Mittel anzubringen, die das an
den Außenflächen der Hohlrohre strömende, flüssige Wasser ab
streifen und mit dem Kühlmittelstrom vermischen. Solche Mit
tel zum Abstreifen können z. B. eingeprägte (insbesondere
schraubenförmige) Nuten oder entsprechende vorstehende Rippen
sein. Man kann aber auch die Abstandhalter der Brennelemente
als Träger für solche Abstreifer oder für Mischflügel benut
zen. Natürlich müssen jeweils die Thermohydraulik des Brenn
elements auf diese Abstreifer bzw. auf die Leerstellen abge
stimmt sein.
Als Verdrängerstäbe können in ein Abschalt-Brennelement aber
auch mehrere Brennstäbe eingesetzt werden, die an sich be
reits abgebrannt wären und z. B. aus bereits bestrahlten
Brennelementen stammen, in Verbindung mit einer entsprechen
den Vielzahl frischer Brennelemente und gegebenenfalls Leer
stellen noch weiter abbrennen. Im Kern gibt es außerdem Posi
tionen, in denen die Brennelemente langsamer abbrennen und
auch innerhalb der Brennelemente brennen manche Stäbe langsa
mer. Die bessere Moderation in den Abschalt-Brennelementen
ermöglicht also, den Brennstoff von Stäben, die früher an we
niger gut moderierten Positionen eingesetzt waren, noch zu
nutzen.
Unter einem "frischen" ("unbestrahlten") Brennelement ist
also nicht nur ein Brennelement zu verstehen, dessen Stäbe
alle unbestrahlt sind, sondern auch ein Brennelement, das ei
nige bereits bestrahlte Brennstäbe hat, solange auch ausrei
chend viele frische (unbestrahlte) Brennstäbe vorhanden sind,
damit das Brennelement so rasch abbrennt, dass seine Reakti
vität im ersten Zyklus ein übliches Nachlade-Brennelement er
setzen kann. Insbesondere soll die Reaktivität im zweiten
Zyklus (also wenn das Neutronengift weitgehend abgebrannt
ist) mindestens so groß sein wie bei einem Nachlade-Brennele
ment im zweiten Zyklus - und möglichst noch größer, damit an
dere Brennelemente, die bereits praktisch abgebrannt sind und
bei einem stationären Kern hätten ersetzt werden müssen, noch
im Kern verbleiben können. Werden also bei einem Brennele
ment, von insgesamt 100 Brennstabpositionen das bereits als
Nachlade-Brennelement in seinem Zentrum 7 bis 9 Positionen
besitzt, die von einem oder zwei Wasserstäben (allgemein: ei
ner Wasserrohr-Anordnung) besetzt sind, 10 oder mehr Positio
nen mit zusätzlichen Wasserstäben besetzt oder unbesetzt ge
lassen, so erhöht sich das Moderatorvolumen (bestimmt im kal
ten Zustand des Brennelements), und die spaltbare Masse wird
bereits etwa 10% oder mehr erniedrigt. Es ist sogar möglich,
diese Brennstab-Positionen mit bereits bestrahlten, insbeson
dere weitgehend abgebrannten Brennstäben zu besetzen. Würden
allerdings weniger als 20 frische Brennstäbe im Brennelement
verwendet, so wäre das Moderator : Spaltmaterial-Verhältnis um
mehr als 50% erhöht und zu stark geändert.
Das Gleiche trifft auch bei Brennelementen zu, bei denen das
Brennstab-Bündel durch ein kreuzförmiges Wasserrohr in vier
Quadranten geteilt ist. In diesem Fall ist es für Standard-
Brennelemente üblich, jeweils im Zentrum des Brennelementes
den Querschnitt des Wasserrohrs über jeweils eine Brennstab-
Eckposition zu erstrecken und zu vergrößern. Bei 10 × 10 Brenn
stabpositionen sind dann also 10 × 10-4 Positionen mit Brenn
stäben besetzt für den Nachlade-Fall; als Abschalt-Brennele
ment sind jedoch in jedem Quadranten mindestens zwei zusätz
liche Positionen unbesetzt oder mit Wasserrohren, bestrahlten
Brennstäben oder anderen Verdrängerstäbe besetzt.
Vorteilhafte Weiterbildungen, insbesondere Ausführungen eines
Abschalt-Brennelementes, sind in den Unteransprüchen angege
ben.
Anhand von mehreren Figuren, die die Erfindung erläutern,
werden Ausführungsbeispiele beschrieben.
Es zeigen
Fig. 1 den Verlauf der Reaktivität als Funktion des bereits
erreichten Abbrands für ein unvergiftetes und ver
giftetes Standard-Nachladebrennelement und ein
Brennelement, das durch Erhöhung des Modera
tor : Spaltmaterial-Verhältnisses und entsprechende
Erniedrigung von Masse und Volumen des Brennstoffs
aus einem Nachladeelement gebildet ist;
Fig. 2 ein Standard-Nachladebrennelement;
Fig. 3 ein Abschalt-Brennelement mit unbesetzten Brennstab
positionen;
Fig. 4 bis 6 Abschalt-Brennelemente mit Stabpositionen, die
durch bestrahlte Brennstäbe, massive Verdrän
gerstäbe oder Wasserstäbe besetzt sind;
Fig. 7 einen Wasserstab (Wasserrohr) mit Abstreifelementen;
Fig. 8 einen Verdrängerstab mit an einem Abstandhalter an
geordneten Abstreifelementen für einen Wasserfilm an
der Oberfläche des Verdrängerstabes;
Fig. 9 einen Querschnitt durch ein anderes Abschalt-Brenn
element;
Fig. 10 ein Abschalt-Brennelement für einen Druckwasser-Re
aktor
Fig. 11 einen Ausschnitt aus einem gemäß der Erfindung nach
geladenen Kern eines Siedewasser-Reaktors.
In Fig. 1 ist die dem Fachmann bekannte Größe k∞, die die
Reaktivität des Brennelements beschreibt, gegen die mit stei
gendem durch Abbrand freigesetzte Energie eines Brennelements
aufgetragen. Dabei zeigt die Kurve 1 den Verlauf der Reakti
vität eines üblichen Siedewasser-Brennelements ohne Vergif
tung, während die Kurve 2 angibt, wie die Reaktivität des
frischen Brennelements dadurch erniedrigt werden kann, dass
dem gleichen Brennstoff mit der gleichen Masse an spaltbarem
Material noch das abbrennbare Neutronengift Gd2O3 zugegeben
wird. Etwa nach einem Betriebszyklus ist dieses Neutronengift
soweit abgebrannt, dass die Kurve 2 praktisch in die Kurve 1
einmündet.
Wird nun (bei gleicher Anreicherung des Brennstoffs) das
Brennstoff-Volumen um 10 bis 50% verringert, indem im glei
chen, zur Kurve 1 gehörigen Brennelement einige Brennstäbe
weggelassen werden, so zeigt die Kurve 4, dass das nunmehr
deutlich höhere Verhältnis von Moderator zu Brennstoff (bzw.
spaltbarem Material) die Reaktivität etwa während der beiden
ersten Einsatzzyklen höher liegt, der Brennstoff aber dann
deutlich schneller abbrennt. Ferner zeigt die Kurve 5, dass
eine geeignete Zugabe von abbrennbarem Neutronengift die er
höhte Reaktivität des Abschalt-Brennelements im ersten Zyklus
kompensieren oder überkompensieren kann.
Außerdem kann man auch erreichen, dass die Abschalt-Brennele
mente auch im zweiten Zyklus eine relativ hohe Reaktivität
besitzen und einen Neutronenfluss erzeugen, der es gestattet,
auch ein Standard-Nachladebrennelement, das bereits längere
Zeit im Einsatz war und bereits soweit abgebrannt ist, dass
es ersetzt werden müsste, noch einen weiteren Zyklus im Kern
zu belassen.
Auf diese Weise können die Abschaltbrennelemente jeweils an
die noch vorgesehene Anzahl der Betriebszyklen bis zum Ab
schalten angepasst werden.
Fig. 2 zeigt ein modernes Standard-Nachladebrennelement für
einen Leistungs-Siedewasser-Reaktor. Über den quadratischen
Querschnitt des Brennelements sind die Brennstäbe regelmäßig
in Reihen und dazu senkrechten Spalten angeordnet, wobei hier
eine Anordnung von 10 Reihen und 10 Spalten gewählt ist. Da
bei ist bereits berücksichtigt, dass der Brennstoff stärker
ausbrennt und daher besser ausgenutzt wird, wenn ihm ein er
höhtes Volumen an Moderator zur Verfügung steht und daher ei
nige Brennstabpositionen nicht mit Brennstäben besetzt sind.
Bevorzugt sind die in der Mitte des Brennelements liegenden
Brennstäbe durch ein oder mehrere Wasserstäbe ersetzt, deren
Querschnitt sich über mehrere benachbarte Brennstäbe erstre
cken. Eine besonders einfache Konstruktion ergibt sich, wenn
nur ein Wasserrohr 10 vorgesehen ist, das ungefähr zentral
angeordnet sind und im vorliegenden Fall (Wasserrohr 10) ei
nen quadratischen Querschnitt besitzt.
Ferner sind mit 11 einige Brennstäbe markiert, deren unterer
Teil sich nicht von normalen Brennstäben 12 unterscheidet,
die jedoch sich nur über einen Teil der Länge der Brennstäbe
12 erstrecken. Im oberen Teil des Brennelements, wo die
Dichte des Moderators infolge Verdampfung gering ist, ent
steht dadurch zusätzlicher Raum, der einerseits den Abtrans
port des entstehenden Dampfes beschleunigt, andererseits auch
die gegenüber dem unteren Teil verringerte Dichte des Modera
tors teilweise kompensiert.
Die Masse des Brennstoffs beträgt etwa 175 kg Uran, wobei die
acht teil-langen Stäbe 11 insgesamt etwa die Masse von fünf
langen Brennstäben 12 enthalten.
Fig. 3 zeigt nun, wie durch Entnahme von Brennstäben aus
diesem Standard-Nachladebrennelement ein Brennelement mit
etwa 20% weniger Brennstoffmasse und spaltbarem Material
entsteht. Die dadurch gebildeten Hohlräume 20 erhöhen zusätz
lich das Moderator-Brennstoff-Verhältnis.
Fig. 4 zeigt, dass die gegenüber dem Standard-Nachladebrenn
element fehlenden Brennstäbe auch durch Brennstäbe 40 ersetzt
werden können, die bereits in Brennelementen eingesetzt waren
und weitgehend abgebrannt sind.
Gegenüber Fig. 2 sind vor allem Brennstäbe, die selbst in
Standard-Nachladebrennelement nur verhältnismäßig schwach an
gereichert sind, durch bereits weitgehend abgebrannte Brenn
elemente ersetzt. Zwar ist in Fig. 4 das Moderator-Volumen
gleich geblieben, und gegenüber Fig. 3 wirken die bestrahl
ten Brennstäbe 40 wie Verdränger-Stäbe, jedoch ist die Masse
des spaltbaren Materials, das in den bestrahlten Stäben noch
vorhanden ist, soviel geringer, dass das Brennelement der Fig. 4
etwa 10% weniger spaltbares Material enthält als nach
Fig. 2 und dadurch einen Betriebszyklus kürzer brennt.
Während die Abschalt-Brennelemente der Fig. 3 und 4 vor
allem für die ersten Nachladungen, die das vorgesehene, end
gültige Abschalten vorbereiten, geeignet sind und noch ver
hältnismäßig lange brennen, brennen die Abschalt-Elemente der
Fig. 5 und 6 schneller aus, da dort eine größere Anzahl
von Brennstabpositionen durch Verdrängerstäbe 50 (Fig. 5)
bzw. Wasserstäbe 60 (Fig. 6) besetzt sind. Insbesondere ist
es vorteilhaft, bestrahlte Brennstäbe 61 neben Wasserstäben
60 einzusetzen. Auch empfiehlt sich, die Verwendung teil-lan
ger Stäbe 62 beizubehalten.
Dabei können die Wasserstäbe auf ihrer Außenfläche z. B. Rin
nen 71 bzw. Rippen 72 tragen, wie anhand des Wasserstabs 70
der Fig. 7 gezeigt ist. Ein flüssiger Wasserfilm, der von
dem in axialer Richtung strömenden Kühlmittel auf der Außen
fläche des Wasserrohres entlanggeführt wird, wird dann in Ro
tation versetzt und durch die Zentrifugalkraft von der Ober
fläche des Wasserstabes abgestreift.
Solche abstreifende Mittel können aber auch z. B. an den Ste
gen 80 eines Abstandhalters angebracht sein, wie Fig. 8 an
hand eines massiven Stabes 84 aus Zirkaloy zeigt. Da ein sol
cher massiver Stab gegen Reibschäden weitgehend unempfindlich
ist, können die Abstreifer 76 auch direkt am Stab anliegen
und gleichzeitig als Filmabstreifer und als seitliches Stütz
element eines Stabes dienen.
Ist der Reaktor abgeschaltet, so werden die Brennelemente
entsorgt, indem sie zwischengelagert und dann entweder der
Wiederaufbereitung oder einem Endlager zugeführt werden. Da
bei können die Köpfe des Brennelements abgenommen werden, um
in den Abschalt-Brennelementen vorhandene Wasserrohre
und/oder Verdrängerstäbe zu entnehmen und vor allem die unbe
setzten Brennstab-Positionen mit bestrahlten Brennstäben an
derer Brennelemente zu besetzen. Dies erspart bereits Lager
raum im Zwischenlager und verringert das Volumen beim Trans
port und/oder der Endlagerung.
Fig. 9 zeigt ein Beispiel eines Abschalt-Elementes, das aus
einem Standard-Nachladebrennelement mit einem kreuzförmigen
Wasserrohr gebildet ist.
Der quadratische Brennelement-Kasten 19, der bei Siedewasser-
Brennelementen die Brennstäbe umgibt, ist in diesem Fall
durch vier Teilkästen 90 mit einander sich kreuzenden, das
Wasserrohr 91 bildenden Spalten ersetzt. Mit 92 ist angedeu
tet, dass die Teilkästen auch durch Stege miteinander verbun
den oder als ein großer Kasten mit sich kreuzenden, das Was
serrohr bildenden Innenstegen ausgebildet sein können.
Im gezeigten Fall tragen die Teilkästen ausgeprägte Noppen
93, an denen sie aneinander abgestützt (z. B. verschweißt)
sind, wobei hier auch Durchtrittsöffnungen 94 zur Verbindung
der Innenräume vorgesehen sein können.
Auch hier sind die Brennstäbe in Reihen und dazu senkrechten
Spalten angeordnet. Die inneren Eckpositionen 95 von Brenn
stäben werden dabei von einem relativ großen Mittelteil des
Wasserrohres überdeckt. Ferner sind auch hier neben mindes
tens zwanzig frischen Brennstäben 96 teil-lange Brennstäbe 97
vorgesehen.
In jedem durch das Wasserrohr 91 gebildeten Quadranten sind
nun einige Positionen 98 freigelassen oder insbesondere, wie
durch die Kontur 99 angedeutet, durch Wasserstäbe ersetzt.
Additiv oder alternativ sind einige Brennstab-Positionen
durch Verdrängerstäbe und/oder weitgehend abgebrannte Brenn
stäbe 100 ersetzt.
Die bisher an einem Siedewasser-Brennelement erläuterte Er
findung ist auch für Druckwasser-Reaktoren geeignet.
Fig. 10 zeigt den Querschnitt durch ein solches Abschalt-
Brennelement, wobei in einer Hälfte die Brennstäbe nicht ge
zeigt sind, so dass nur die Stege des Abstandhalters 101 und
die Steuerstab-Führungsrohre 102 sichtbar sind. In der ande
ren Bildhälfte sind nur die Brennstabpositionen dargestellt,
die teils von den Führungsrohren 102, teils von frischen
Brennstäben 103 besetzt sind. Außerdem sind Brennstabposition
104 vollkommen unbesetzt oder durch Wasserstäbe 105 besetzt.
Ebenso ist es möglich, an diesen Positionen Verdrängerstäbe
oder Wasserstäbe anzuordnen, wie durch die Verdrängerstäbe
107 gezeigt ist. Dabei können als Verdrängerstäbe auch be
reits bestrahlte Brennstäbe verwendet werden.
Im Fall von Druckwasser-Brennelementen sind also bereits für
Standard-Nachladungen etwa jeweils 20 bis 28 Brennstab-Posi
tionen mit Steuerstab-Führungsrohren und nicht mit Brennstä
ben besetzt. Daneben sitzen jedoch an mindestens 20 weiteren
Positionen ebenfalls keine Brennstäbe, sondern Leerstellen,
Wasserstäbe oder Verdrängerstäbe, um das Moderator : Spaltmate
rial-Verhältnis zu erhöhen, Brennstoff einzusparen und das
Entsorgen nach dem Abschalten des Reaktors zu erleichtern.
Besonders geringe Entsorgungskosten entstehen, wenn als Ver
drängerstäbe bestrahlte Stäbe aus abgebrannten Brennelementen
verwendet werden.
Der in Fig. 11 gezeigte Ausschnitt aus einem Kern eines Sie
dewasser-Reaktors zeigt ein Steuerelement 110 und drei Stan
dard-Nachladeelemente 111, 112 und 113, die jeweils bereits
vor vier, drei bzw. zwei Betriebszyklen nachgeladen wurden.
In der Mitte jedes Brennelements befindet sich eine Wasser
rohr-Anordnung 114 aus zwei Wasserrohren, die in diesem Fall
sieben Brennstabpositionen besetzen. Die darum herum angeord
neten Brennstabpositionen sind mit schematisch angedeuteten
Brennstäben besetzt, die alle noch nicht bestrahlt waren, als
das Brennelement eingesetzt wurde. Vor ihrem Einsatz war der
Gehalt an spaltbarem Material so bemessen, dass diese Brenn
elemente jeweils vier Zyklen im Reaktor eingesetzt bleiben
könnten, bevor sie gegen frische Brennelemente ausgewechselt
werden müssten.
Nach dem letzten Zyklus wurde jedoch ein abgebranntes Brenn
element gemäß der Erfindung durch das Abschalt-Brennelement
115 ersetzt, das zwar den gleichen Aufbau und ebenfalls mit
frischen Brennstäben 118 besetzte Positionen aufweist. Jedoch
sind dabei unbesetzte Positionen 117 bzw. mit Wasserstäben
116 besetzte Positionen vorgesehen. Außerdem sind einige Po
sitionen mit bestrahlten Brennstäben 119 besetzt. Dieses
Brennelement 115 brennt schneller ab und erreicht den Zu
stand, bei dem es ausgewechselt werden müsste, bereits nach
drei Zyklen.
Durch einen zeitlich gestaffelten Einsatz von Brennelementen,
die durch steigendes Moderator : Brennstoff-Verhältnis auf im
mer weniger Betriebszyklen ausgelegt sind, wird erreicht,
dass alle Brennelemente nach dem gleichen Zyklus ausgebrannt
sind; während dieser letzten Zyklen ist damit der Aufwand an
Brennstoff sowie die Zahl der abgebrannten Brennstäbe, die
entsorgt werden müssten, verringert.