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Griffstück für Vorrichtungen zum fortlaufenden Impfen der Zunge von
Rindern od. dgl. mit dem Virus der Maul- und Klauenseuche Die Erfindung bezieht
sich auf ein Griffstück für Vorrichtungen zum fortlaufenden Impfen der Zunge von
Rindern od. dgl. mit dem Virus der Maul- und Klauenseuche, bei denen der Impfstoff
dem Griffstück aus einem Behälter unter Druck zugeführt wird.
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Zum Impfen der Rinderzunge od. dgl. mit dem Virus der Maul- und Klauenseuche
für die Gewinnung eines Serums zur Bekämpfung dieser Seuche dient bekanntlich ein
flüssiger Impfstoff, der in die Zunge lebender, zum Schlachten bestimmter Rinder
eingeimpft wird, so daß sich auf der Zunge eine Maul- und Klauenseuche ausbildet.
Die geimpftenTiere werden nach etwa 20 bis 24 Stunden geschlachtet, und sodann wird
die Zunge zur Gewinnung des Serums für die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche
herausgenommen.
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Zum Impfen verwendet man bisher nur übliche Injektionsspritzen von
2 cm3 Inhalt, bestehend aus einem Zylinder mit darin von Hand verschiebbarem Kolben
und einer an einem Zylinderende vorgesehenen Kanüle.
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Die Zunge dieses Tieres wird auf diese Weise mit Impfstoffmengen bis
zu 100 cm3 geimpft, so daß in jede Zunge bis zu 50 Spritzenfüllungen mit möglichst
vielen Einstichen injiziert werden müssen, was verständlicherweise sehr umständlich
und zeitraubend ist und wobei ein gleichmäßiges Verlegen der Injektionen bzw.
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Einstiche unmöglich ist. Bei jeder Injektion muß eine verhältnismäßig
große Fingerkraft auf den Kolben der Spritze ausgeübt werden, wodurch sich schon
bald Blasenbildungen am Finger zeigen. Die bekannte Imp fung kann außerdem nur von
Fachleuten, z. B. Tierärzten, ausgeführt werden, und der Verschleiß an Injektionsspritzen
ist erheblich. Zum Füllen der kleinen Spritzen muß die Kanüle abgenommen werden,
wodurch ein weiterer Zeitaufwand erforderlich ist.
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In der Veterinärmedizin sind zwar schon Injektionseinrichtungen bekannt,
bei denen eine größere Impfstoffmenge z. B. mittels einer Pumpe aus einem Behälter
einer Kanüle unter Druck zugeführt werden kann, aber derartige Injektionseinrichtungen
sind bei der Impfung der Rinderzunge mit dem Virus der Maul-und Klauenseuche bisher
nicht angewendet worden.
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Solche Einrichtungen dienen vor: allem dazu, eine genaue Dosierung
des Impfstoffes zu erreichen, wie es z. B. bei den sogenannten Tuberkulinimpfungen
erforderlich ist.
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Die Aufgabe der Erfindung besteht nun darin, die genannten Mängel
bei der bisherigen Impfung der Rinderzunge mit dem Virus der Maul- und Klauenseuche
zu vermeiden. Dementsprechend wird nach der Erfindung ein Griffstück für Vorrichtungen
der eingangs erwähnten Art vorgeschlagen, welches sich im wesentlichen dadurch kennzeichnet,
daß im Griffstück ein Hohlzylinder vorgesehen ist, in welchem ein mit einer oder
mehreren Injektionskanülen starr verbundener Kolben durch den unter Druck stehenden
Impfstoff gegen eine Federung bis zu einem Anschlag verschiebbar ist und welcher
eine sich erst nach dem Vorwärtshub des Kolbens öffnende Kanalverbindung mit jeder
Kanüle aufweist.
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Der Impfstoff wird dabei vorteilhaft mit einer Kolben- oder Membranpumpe
aus dem Behälter zum Griffstück gefördert, wobei das Hubvolumen des im Griffstück
geführten Kolbens gegenüber dem Hubvolumen der Pumpe um die bei jedem Pumpenhub
durch die Kanülen zu injizierende Impfstoffmenge kleiner ist.
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Der wesentliche Vorteil eines solchen Griffstückes besteht darin,
daß es die Einstiche automatisch durchführt, ohne daß hierzu Körperkraft aufzuwenden
ist.
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Das Griffstück braucht nur mehrere Male in das Maul des Tieres bis
an das Hinterende der Zunge eingeführt und langsam zurückgezogen zu werden. Dadurch
wird die ganze Zunge in nahezu gleichen Abständen mit einer äußerst großen Anzahl
von Injektionseinstichen versehen, so daß die ganze Zungenfläche gleichmäßig zur
Erhöhung der Virusausbaute ausgenutzt wird. Dabei ergibt sich auch der weitere Vorteil,
daß nun auch der hintere Teil der Zunge, welcher gegenüber der Zungenspitze eine
sehr dicke und zähe Haut aufweist, geimpft und für die Gewinnung des Bekämpfungsserums
ausgenutzt werden kann, was mit den kleinen Spritzen von 2 cm3 Inhalt nicht möglich
ist, da man hiermit den hinteren Zungenteil nicht erreichen und den Spritzeninhalt
in die Zunge injizieren kann. Da der hintere dickhäutige Zungenteil einen besonders
guten Virusnährboden darstellt, läßt sich die Virusausbeute pro Zunge wesentlich
vergrößern und annähernd auf das Doppelte steigern.
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In der Zeichnung ist einAusführungsbeispiel der Erfindung schematisch
dargestellt und wird zum besseren Verständnis desselben näher erläutert.
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Bei der Ausführung nach dem Beispiel mündet in den offenen oder geschlossenen
Behälter 1 für den Impfstoff die Saugleitung 10 einer Pumpe 11, deren Druckleitung
12 mit dem eine oder mehrere Kanülen 9 tragenden Griffstückl4 verbunden ist. Im
Falle des Beispieles ist die Pumpe 11 eine dem Griffstück, die Impfflüssigkeit impulsförmig
zuführende Kolbenpumpe aus einem zylindrischen Kolben 11 a und einem Zylinder 11
b, wobei der Kolben z. B. durch einen Exzenterantrieb oder auf andere Weise in der
mit den Pfeilen angegebenen Richtung kontinuierlich hin- und herbewegt wird. In
die Saugleitung 10 der Pumpe 11 ist ein Ansaugventil 13 eingeschaltet, während der
Impfstoff die Pumpe auf der Druckseite ohne Ventilidurchgang frei verlassen kann.
Das Griffstück 14 ist als Hohlzylinder 15 ausgebildet, in dem ein durch den Impfstoff
mit Pumpendruck gegen eine Federung 16 bis zu einem Anschlag 17 verschiebbarer Ringkolben
18 gelagert ist. In der mittleren Durchbrechung 19 des Ringkolbens 18 ist ein in
Verschieberichtung des Ringkolbens 18 verlaufendes Rohr 20 befestigt, dessen inneres
Ende offen ist und dessen anderes Ende aus einem Zylinder 15 herausragt. Am freien
äußeren Ende dieses Rohres 20 ist ein hohles Kopfstück 21 befestigt, welches mit
den in paralleler Lage mit Abstand voneinander in einer Ebene angeordneten Kanülen
9 verbunden ist. Innerhalb des Rohres 20 ist ein Ventil 22 gelagert, dessen gegen
den Impfstoffdruck arbeitende Federung23 so eingestellt ist, daß sich das Ventil
erst öffnet, wenn der Ringkolben 18 mit dem Rohr 20 seinen Vorwärtshub beendet hat.
Das Rohr 20 wird vorteilhaft durch ein gleichzeitig als Dichtung wirkendes Gleitlager
24 geführt, gegen dessen eine Seite sich das eine Ende der Ringkolbenfederung 16
abstützt. Durch diese Federung 16 wird der Ringkolben 18 in eine ebenfalls durch
einen Anschlag fixierte Ruhe- oder Ausgangslage gedrückt.
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Dieser letztere Anschlag wird z. B. dadurch gebildet, daß der Durchmesser
des Kopfstückes 21 etwas größer gewählt ist als der Durchmesser des Griffzylinders
15, so daß sich die dem Zylinder zugekehrte Fläche des Kopfstückes 21 in der Ruhelage
auf die freie Endkante des Zylinders aufsetzt.
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In der Schlauchleitung 12 ist vorteilhaft unmittelbar vor dem Griffstück
14 ein Absperrventil 25 vorgesehen, und weiter ist im Pumpenkörper ein überströmventil
26 angeordnet, dessen Abströmleitung 27 in den Impfstoffbehälter 1 mündet. Das Uberströmventil
26 kann auch in der Schlauchleitung 12 an einer beliebigen Stelle vor dem Absperrventil
25 angeordnet sein.
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Damit nun ein Zusammenwirken der beschriebenen Kolbenpumpe 11 mit
der beschriebenen Ausbildung des Griffstückes 14 möglich ist, ist es erforderlich,
daß das Hubvolumen des Kolbens 11 a der Kolbenpumpe 11 gegenüber dem Hubvolumen
des Ringkolbens 18 um die bei jedem Hub des Ringkolbens 18 bzw. des Pumpenkolbens
11a durch die Kanülen 9 zu injizierende Impfstoffmenge größer ist, wie sich aus
der noch zu beschreibenden Wirkungsweise ergeben wird.
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Der Impfstoff wird aus dem Flüssigkeitsbehälter 1 beim Saughub durch
den Kolben 11 a angesaugt. Beim Druckhub des Kolbens 11 a schließt sich das Ansaugventil
13, so daß die angesaugte Impfstoffmenge durch die Schlauchleitung 12 in den Zylinder
15 des Griffstückes 14 vor den Ringkolben 18 und in das Rohr 20 bis vor das Ventil
22 gedrückt wird. Die Abfederung des Ringkolbens 18 und dessen Fläche gegenüber
der Federung und Fläche des Ventils 22 sind so gewählt, daß der Ringkolben 18 mit
dem Rohr 20 und den Kanülen 9 zunächst gegen die Wirkung seiner Abfederung 16 schlagartig
bis zu dem Anschlag 17 ver-
schoben wird. Erst dann öffnet sich das Ventil 22, so
daß der Impfstoff durch das Kopfstück in die Kanülen gelangen kann. Beim einsetzenden
Saughub des Pumpenkolbens 11 a schließt sich das Ventil 22, und der Ringkolben 18
mit dem Rohr 20, Verteilerkopf 21 und Kanülen9 geht in dieRuhelage zurück, wobei
derImpfstoff aus dem Zylinderraum vor dem Ringkolben 18 in den Zylinderraum der
Pumpe zurückfließt, während die durch die Kanülen ausgespritzte Impfstoffmenge über
die Saugleitung 10 aus dem Impfstoffbehälter 1 in den Pumpenzylinder angesaugt wird.
Dadurch schwingt zwischen den Zylinderräumen der Pumpe 11 und des Griffstückes 14
ständig eine Flüssigkeitssäule hin und her. Beim Impfen der Zunge der Rinder od.
dgl. wird nun die Bewegung des Ringkolbens 18 und des Kopfstückes 21 in der Weise
ausgenutzt, daß mit der Hand lediglich das Griffstück in das durch eine Maulsperre
offen gehaltene Maul des Tieres einzuführen ist, während das Einstechen der Kanülen
9 in die Tierzunge durch die schlagartige Bewegung des Ringkolbens 18 bei jedem
Druckhub der Pumpe bewirkt wird. Dadurch wird die Arbeit des Impfens wesentlich
erleichtert und insbesondere kann auch der hintere mit zäher Haut versehene Zungenteil
leicht durchstochen und geimpft werden. Es hat sich als günstig herausgestellt,
diese Vorrichtung in der Weise zu handhaben, daß man das Griffstück mehrere Male
in das Maul des Tieres bis an das Hinterende der Zunge einführt und langsam zurückzieht.
Dadurch wird die ganze Zunge in gleichmäßigen Abständen mit sehr vielen Injektionseinstichen
versehen, und damit wird die ganze Fläche der Zunge gleichmäßig zur Erhöhung der
Virusausbeute ausgenutzt. Während kurzer Unterbrechungen des Impfens, z. B. beim
uebergang von einem zum anderen Tier, braucht man lediglich das Absperrventil 25
zu schließen, während die Pumpe 11 weiterarbeiten kann, die dann den von ihr geförderten
Impfstoff über das Überströmventil 26 in den Impfstoffbehälter 1 im Kreislauf zurückfördert.
Es empfiehlt sich jedoch, bei längeren Unterbrechungen, den Pumpenantrieb abzuschalten.
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In der Praxis geht man in einigen Fällen auch so vor, daß Schweine
vorn in die Schnauze geimpft werden, so daß sich hier eine Maul- und Klauenseuche
ausbildet, um dann diese Hautteile für die Herstellung des Serums zur Bekämpfung
der Maul- und Klauenseuche auszunutzen. Es ist verständlich, daß auch diese oder
ähnliche Impfungen mit der vorstehend beschriebenen Vorrichtung durchgeführt werden
können.
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PATENTANSPRtJCHE 1. Griffstück für Vorrichtungen zum fortlaufenden
Impfen der Zunge von Rindern od. dgl. mit dem Virus der Maul- und Klauenseuche,
bei denen der Impfstoff dem Griffstück aus einem Behälter unter Druck zugeführt
wird, dadurch gekennzeichnet, daß im Griffstück (14) ein Hohlzylinder vorgesehen
ist, in welchem ein mit einer oder mehreren Injektionskanülen (9) starr verbundener
Kolben (18) durch den unter Druck stehenden Impfstoff gegen eine Federung (16) bis
zu einem Anschlag (17) verschiebbar ist und welcher eine sich erst nach dem Vorwärtshub
des Kolbens öffnende Kanalverbindung (20) mit jeder Kanüle aufweist.