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Verfahren zur waschbeständigen Appretur von Textilmaterialien mit
Polymerisaten und Formaldehyd abgebenden Methylolverbindungen -Gegenstand der vorliegenden
Erfindung ist ein Verfahren zur Behandlung von Textilmaterialien; es besteht darin,
daß man die Textilmaterialien mit einer Mischung behandelt, die eine wäßrige Emulsion
von elastische Filme ergebenden Polymerisaten oder Mischpolymerisaten von Vinyl-
und bzw. oder Divinylverbindungen, eine wäßrige Lösung von Polyacrylsäureamid und
eine wäßrige Lösung von Formaldehyd abgebenden Methylolverbindungen enthält.
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Als wäßrige Emulsionen von elastische Filme ergebenden Polymerisaten
oder Mischpolymerisaten von Vinyl- und bzw. oder Divinylverbindungen kommen z. B.
in Betracht wäßrige Emulsionen von Polymerisaten des 2-Chlor-butadiens, der Acrylsäure--oder
der Methacrylsäureester mit mindestens 3 Kohlenstoffatomen im Alkoholrest und wäßrige
Emulsionen von Mischpolymerisaten, die einerseits aus Butadien, seinen Homologen,
Acrylsäure- oder Methacrylsäureestern mit mindestens 4 Kohlenstoffatomen im Alkoholrest
oder Vinyläthern und andererseits aus einer oder aus mehreren anderen polymerisationsfähigen
Komponenten aufgebaut sind; insbesondere aus Styrol, as. Dichloräthen, Vinylchlorid,
Acrylnitril, Methacrylsäure, Methacrylsäuremethyl- und -äthylester sowie Methacrylamid.
Die Emulsionspolymerisation dieser Komponenten in Wasser kann nach den üblichen
Methoden, zweckmäßigerweise unter Verwendung der Natriumsalze der Sulfonsäuren langkettiger
Paraffine als Emulgator, durchgeführt worden sein; die erforderliche Stabilität
der Emulsionen gegen mechanische Beanspruchung, gegen Pigmente sowie gegenüber einer
Verdünnung mit Wasser kann durch Zugabe von geeigneten Mitteln, wie z. B. von Polyglykoläthern,
gewährleistet werden. Als besonders geeignet zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens haben sich diejenigen Polymerisat- bzw. Mischpolymerisatemulsionen erwiesen,
die in der französischen Patentschrift 1044 763 und in den deutschen Patentanmeldungen
F 6743 IVc/39c und F 6794IVc/39c beschrieben sind..
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Unter den erfindungsgemäß einzusetzenden wäßrigen Lösungen von Polyacrylsäureamid
sind auch wäßrige Lösungen von Mischpolymerisaten des Acrylsäureamids zu verstehen,
die geringe Mengen einer solchen zusätzlichen Polymerisationskomponente enthalten,
welche die- Wasserlöslichkeit der Mischpolymerisate nicht wesentlich beeinträchtigt,
wie z. B. Acrylnitril, Acrylsäure, Methacrylsäure, Methacrylsäureamid oder Methacrylnitril.
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Formaldehyd abgebende Methylolverbindungen sind unter anderem Hexamethylentetramin
sowie wasserlösliche Umsetzungsprodukte des Formaldehyds mit Harnstoff, Melamin,
Hydrazodicarbonsäureimid und mit Dicyandiamid. Die Mengenverhältnisse der drei Mischungskomponenten
können in weiten Grenzen schwanken; geeignete Mengenverhältnisse lassen sich durch
Vorversuche leicht ermitteln und sind im übrigen in den nachfolgenden Beispielen
angegeben.
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Als Textilmaterialien für das erfindungsgemäße Verfahren kommen natürliche
oder künstliche Fasern sowie die daraus hergestellten Gespinste und Gewebe in Betracht,
z. B. aus Baumwolle, Viskose- oder Acetat-Reyon, Polyamiden, Polyestern, Polyacrylnitril
und Glas.
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Die Behandlung der Textilmaterialien mit der vorgeschlagenen Mischung
erfolgt in der Weise, daß man das Gut mit der Mischung bei gewöhnlicher Temperatur
tränkt, es nach Entfernen des Überschusses durch Abquetschen, Abschleudern oder
Absaugen bei Temperaturen zwischen 40 und 100° C trocknet und dann einer Wärmebehandlung
bei Temperaturen zwischen 100 -und 170° C unterwirft. Damit bei der angegebenen
Wärmebehandlung die beabsichtigte Kondensation zwischen dem Polyacry lsäureamid
und dem Formaldehyd bzw. den Methylolverbindungen möglichst schnell und vollständig
vonstatten geht, empfiehlt es sich, der Mischung saure Katalysatoren zuzusetzen,
wie- z. B. sekundäres Ammonümphosphat, Ammoniumnitrat oder Milchsäure.
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Falls gewünscht, kann man der vorgeschlagenen Mischung je nach dem
in Betracht kommenden Verwendungszweck der Textilmaterialien nogh Füllstoffe, Weichmacher,
Pigmente od. dgl. zusetzen @;ä Das erfindungsgemäße Verfahren gestattet, -'wertvolle
Appreturen von hoher Waschbeständigkeit auf den Textilmaterialien zu erzielen; außerdem
wird
lurch das vorgeschlagene Verfahren auch die Scheuerre des Textilmaterials
erheblich-. verbessert. Durch Auswahl spezieller Mischungsköniponenten )zw.
durch Wahl geeigneter Mengenverhältnisse der Komponenten ist es ferner möglich,
den Griff und das Aussehen der Appreturen weitgehend zu variieren.
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Dabei ist der erzielte Griff im allgemeinen um so weicher, je höher
der Anteil an Butadien oder seinen Homologen bzw. an Acryl- oder Methacrylsäureestern
nit mindestens 4 Kohlenstoffatomen im Alkoholrest ist, den die Emulsionen der Polymerisate
oder Misch-3olymerisate der Vinyl- und/oder Divinylverbindungen aufweisen. Hierbei
ist jedoch zu beachten, daß mit zunehmendem Gehalt an Butadien bzw. seinen Homologen
auch eine Steigerung der Alterungsempfindlichkeit der Polymerisatüberzüge verbunden
ist, die mit entsprechenden Alterungsschutzmitteln nur zum 1.'eil ausgeglichen -werden
kann. Der Einsatz von Polymerisat- oder Mischpolymerisatemulsionen mit einem zu
hohen Gehalt an Acrylsäurebutylester kann häufig eine Herabsetzung der Waschechtheit
des erzielten Effektes zur Folge haben. Eine versteifende Wirkung läßt sich im allgemeinen
unter Mitverwendung solcher Mischpolymerisatemulsionen erzielen, die einen verhältnismäßig
hohen Gehalt an Acrylnitril besitzen.
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Die angeführten Vorteile lassen sich durch die bekannten Verfahren
zum Behandeln von Textilmaterialien, bei denen lediglich eine Mischung aus einer
wäßrigen Lösung von hochmolekularem Polyacrylsäureamid und Formaldehyd bzw. Formaldehyd
abgebenden Substanzen oder entsprechenden reaktionsfähigen Methylolverbindungen
zur Anwendung gelangt, nicht in gleichem Maße erzielen.
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Vor dem bekannten Verfahren, bei welchem die Textilmaterialien mit
Formaldehyd abgebenden Methylolverbindungen unter Zusatz von Polymerisations-Kunstharzen
von der Art des Polyacrylamids behandelt werden, zeichnet sich das Verfahren der
vorliegenden Erfindung dadurch aus, daß es zu Appreturen führt, die waschfester
sind, und im Vergleich zu dem bekannten Verfahren, bei welchem die Textilmaterialien
mit Formaldehyd abgebenden Methylolverbindungen unter Zusatz von Mischpolymerisaten
aus Acrylnitril und Acrylamid behandelt werden, liefert das erfindungsgemäße Verfahren
Appreturen, die gleichmäßiger aufgezogen sind und sich außerdem als wasch- und reibechter
erweisen.
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Beispiel 1 Man vermischt zunächst 50 Teile einer 40o/oigen wäßrigen
Emulsion des Mischpolymerisates aus 40 Teilen Butadien, 40 Teilen Acrylnitril und
20 Teilen Acrylsäurebutylester mit 20 Teilen einer 10o/oigen wäßrigen Lösung von
Polyacrylamid und 5 Teilen Dimethylolharnstoff. Zu der Mischung fügt man dann 40
Teile einer 10°/oigen Lösung von Diammoniumphosphat und 885 Teile Wasser hinzu.
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Mit dieser Mischung klotzt man -ein Baumwollgewebe, trocknet es. und
erhitzt es auf Temperaturen zwischen 130 und 150° C.-Das Gewebe erlangt hierdurch
eine Scheuerfestigkeit, die drei- bis viermal so hoch ist wie die des unbehandelten
Gewebes.
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Beispiel 2 Man bereitet eine Mischung aus 30 Teilen einer 40o/oigen
wäßrigen Emulsion des Mischpolymerisates aus 40 Teilen Acrylnitril, 20 Teilen Styrol
und 40 Teilen Bütadien, 40 Teilen einer 10o/oigen wäßrigen Lösung von Polyacrylamid,
20 Teilen eines Vorkondensates aus Harnstoff und Formaldehyd, welches gerade noch
wasserlöslich ist, und 40 Teilen einer 10o/oigen Lösung von Monoammoniumphosphat.
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Nachdem man die Mischung auf 1000 Teile aufgefüllt hat, klotzt man
hiermit ein Zellwollgewebe, trocknet es bei Temperaturen um 100° C und erhitzt es
anschließend auf 105 bis 135° C. Es wird hierdurch ein AppreturefFekt erreicht,
der dem Gewebe eine starke Füllung verleiht und auch bei häufiger Wäsche nicht verschwindet.
Beispiel 3 Man klotzt ein gefärbtes Baumwollgewebe mit einer Mischung aus 30 Teilen
einer 38o/oigen wäßrigen Emulsion- des Mischpolymerisats aus 40 Teilen Butadien,
16 Teilen Styrol, 40 Teilen Acrylnitril und 4 Teilen Methacrylamid, 15 Teilen einer
10°/oigen Lösung von- polymerem Acrylamid, 2 Teilen Fettsäuresarkosid, 90 Teilen
des Kondensationsproduktes aus Melamin und Formaldehyd, 5 Teilen Ammoniumnitrat
und 858 Teilen Wasser.
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Das so behandelte Gewebe wird vorsichtig bei Temperaturen zwischen
50 und 70° C bis zu einer Restfeuchtigkeit von 12 bis 16°/o getrocknet. Dann führt
man es unter hohem Druck durch einen Kalander mit gravierten oder auch mit glatten
Walzen. Schließlich erhitzt man es auf Temperaturen zwischen 145 und 160 °C. Man
erhält hierdurch Präge- bzw. Chintzeffekte von hoher Wasch- und Lösungsmittelechtheit.
Beispiel 4 Es wird zunächst eine Mischung bereitet aus 60 Teilen einer 45o/oigen
wäßrigen Emulsion des Mischpolymerisates aus 30 Teilen Styrol, 50 Teilen Butadien
und 20 Teilen as. Dichloräthen, 50 Teilen einer 10o/aigen Lösung von polymerem Acrylamid,
30 Teilen eines wasserlöslichen Vorkondensates aus Harnstoff und Formaldehyd und
50 Teilen einer 1011/eigen wäßrigen Lösung von Ammoniumnitrat.
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Hierzu fügt man noch 30 Teile des 20o/oigen wäßrigen Teiges von feinverteiltem
Kupferphthalocyanin und füllt mit Wasser auf 1000 Teile auf.
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Mit diesem Gemisch wird ein Gewebe aus Polyamidseide -geklotzt, getrocknet
und 5 Minuten auf 140° C erhitzt. Man erhält eine kräftige, waschbeständige Versteifung
des Gewebes. Gleichwertig wird das Gewebe waschecht in einem klaren Hellblau gefärbt.
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