CH422659A - Verfahren zum Mineralisieren von Schlamm bei der biologischen Abwasserreinigung - Google Patents
Verfahren zum Mineralisieren von Schlamm bei der biologischen AbwasserreinigungInfo
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Description
Verfahren zum IVIinerafisieren von Schlamm bei der biologischen Abwasserreinigung Bei der biologischen Reinigung häuslicher Ab wässer nach dem Belebtschlammverfahren müssen bekanntlich grosse Mengen überschuss-Schlamm ab gezogen werden, um die Anlage auf einem optimalen Betriebspunkt halten zu können. Dieser Schlamm stammt einerseits von in den häuslichen Abwässern enthaltenen Schwebestoffen, anderseitts von den wäh rend des Abbaues der organischen Stoffe zugewach senen Kleinlebewesen.
Da die Beseitigung dieses Schlammes heute immer grössere Schwierigkeiten be reitet, wurden Verfahren entwickelt, um die anfallen den Schlammengen zu vermindern.
Ein Beispiel eines solchen Verfahrens ist die sogenannte Totalkläranlage. Bei diesem Verfahren wird die Eigenschaft der Kleinlebewesen ausgenützt, sich bei sehr langen Belüftungszeiten im Belebt schlammtank selbst abzubauen, das heisst zu minerali- sieren, wobei die organische Substanz grösstenteils in Kohlensäure und gasförmigen Stickstoff umgewandelt wird. Bei diesem bekannten Verfahren wird so vor gegangen, dass das häusliche Abwasser in der Regel ohne Vorklärung kontinuierlich in den Belüftungs tank oder Belebtschlammtank der Kläranlage ge leitet wird.
Hier wird das Abwasser zusammen mit den den Abbau besorgenden Kleinlebewesen, dem sogenannten Belebtschlamm, bei Aufenthaltszeiten von 4-24 h, bezogen auf die zufliessende Abwasser menge, belüftet. Dabei werden die im Abwasser ent haltenen organischen Stoffe abgebaut, gleichzeitig wird aber eine teilweise Mineralisierung der zu gewachsenen Kleinlebewesen erreicht, bedingt durch die lange Belüftungszeit.
Der Auslauf aus dem Belüf tungsbecken gelangt in ein nachgeschaltetes Absetz- becken, wobei der im Abwasser enthaltene Schlamm sich absetzt und in bekannter Weise in eingedickter Form an einer Stelle des Absetzbeckens gesammelt wird. Von hier wird der abgesetzte Schlamm wieder in das Belüftungsbecken zurückgeführt. Das aus dem Absetzbecken abfliessende, geklärte Abwasser wird dann in den Vorfluter geleitet oder kann gegebenen falls in einer zweiten Reinigungsstufe weiterbehandelt werden.
Die Rückführung des abgesetzten Schlam mes in den Belebtschlammtank bezweckt, die Auf enthaltszeit des Schlammes durch Erhöhen der Kon zentration weiter zu steigern und damit eine weiter gehende Mineralisierung zu erreichen. Damit kann je nach Aufenthaltszeit im Belüftungsbecken die an fallende Schlammenge auf 1/2 bis 1/5 der bei den be kannten Belebtschlammanlagen anfallenden Mengen reduziert werden.
Dieses Verfahren hat aber einige schwerwiegende Nachteile. Durch die für eine weitgehende Minerali- sierung notwendige lange Aufenthaltszeit von 4-24 h, bezogen auf die zufliessende Abwassermenge, werden die notwendigen Belüftungsbecken ausserordentlich gross und damit kostspielig. Auch der Aufenthalts zeit des Schlammes im Belüftungsbecken durch dessen Rückführung in eingedickter Form aus dem Absetzbecken sind enge Grenzen gesetzt.
Die Kon zentration des abgesetzten Schlammes im Absetz- becken liegt in der Regel bei maximal 20 000 mg Schlammtrockensubstanz pro Liter. Wird dieser Schlamm in das Belüftungsbecken zurückgeführt, so ergibt sich zusammen mit dem zufliessenden Ab wasser in der Regel eine Konzentration von 8 000 bis 10 000 mg/1. Höhere Konzentrationen können nicht angewendet werden, da sonst der Schlamm im Absetzbecken nicht mehr genügend sedimentieren kann.
Ein weiterer Nachteil des Verfahrens ist, dass durch die Notwendigkeit, grosse Belüftungsvolumen anzuwenden, auch sehr grosse Luftmengen angewen det werden müssen, die zum Teil nur dazu dienen, die ganze Flüssigkeitsmenge in Bewegung zu halten, damit sich der Schlamm im Belüftungsbecken nicht absetzen kann. Ein weiterer Nachteil dieses Ver fahrens liegt darin, dass die Mineralisierung, die sich nur auf den Schlamm bezieht, im zu reinigenden Abwasser erfolgt. Dies hat zur Folge, dass z. B. die bei der Mineralisierung organischer Phosphor verbindungen entstehenden Phosphate wieder ins Abwasser und damit mit dem Anlageabfluss in den Vorfluter gelangen.
Das erfindungsgemässe Verfahren bezweckt, diese Nachteile zu beseitigen. Dies ist im erfindungsgemä ssen Verfahren zum Mineralisieren von Schlamm bei der biologischen Abwasserreinigung dadurch erreicht,
dass der zur Aufrechterhaltung der erforderlichen Schlammkonzentration für die biologische Abwasser reinigung im Belüftungsbehälter nicht verwendete Überschuss-Schlamm aus der Anlage abgezogen und in einem getrennten Behälter zwecks Mineralisie- rung belüftet wird. Damit erfolgt die eigentliche biologische Abwasserreinigungsstufe einerseits und die Mineralisation des Schlammes durch Nachbelüf tung anderseits in zwei vollständig voneinander ge
trennten Verfahrensstufen. Auf diese Weise kann einerseits die Aufenthaltszeit des zu reinigenden Ab wassers bedeutend verkürzt werden, anderseits kann die Aufenthältszeit des Schlammes für die Minerali- sation dank der höheren Konzentration im separaten Belüftungstank mit kleinerem Volumen durchgeführt werden. Damit kann eine bedeutende Einsparung an Reaktionsvolumen erzielt werden. Durch die separate Schlamm-Mineralisation kann zudem vermieden wer den, dass z. B. die bei der Mineralisierung ent stehenden Phosphate wieder in das gereinigte Ab wasser gelangen.
Ein weiterer Vorteil ergibt sich dadurch, dass durch die kürzere Aufenthaltszeit des zu reinigenden Abwassers im Belüftungsbecken we sentlich kleinere Luftmengen verbraucht werden, da nur soviel Luft zugesetzt werden muss, als zur opti malen Führung des Prozesses nötig ist.
Bei einer zweckmässigen Anwendung gelangt das biologisch zu reinigende, vorgeklärte, vorzugsweise aber nicht vorgeklärte, Abwasser kontinuierlich in das Belüftungsbecken. Hier wird es während 15 Minuten bis 2 Stunden, vorzugsweise 30 Minuten, bei einer Schlammkonzentration von beispielsweise 3 000 bis 10 000 mg/1 in an sich bekannter Weise belüftet.
Das so biologisch gereinigte Abwasser ge- langt dann ebenso kontinuierlich in das nachgeschal tete Absetzbecken, wo der abgesetzte Schlamm in bekannter Weise an einer Stelle gesammelt wird. Von diesem abgesetzten, eingedickten Schlamm wird so viel in das Belüftungsbecken der Reinigungsstufe zu rückgeführt, als zur Aufrechterhaltung der gewünsch ten Schlammkonzentration, z. B. 6 000 mg Schlamm trockensubstanz pro Liter, nötig sind.
Die darüber hinaus vorhandene Überschuss- Schlammenge kann nun aus diesem System, vorzugs weise aus dem der Reinigungsstufe nachgeschalteten Absetzbecken abgezogen und in das belüftete, sepa rate Schlammineralisationsbecken zur eigentlichen Mineralisation geleitet werden.
Dies kann entweder dadurch, dass der Schlamm vorerst in einem Schlamm eindicker in an sich bekannter Weise weiter ein gedickt und nur der eingedickte Anteil in das Minera- lisationsbecken gegeben wird, oder dadurch, dass direkt in das Mineralisationsbecken geleitet wird, erfolgen, wobei letzteres in bekannter Weise so ein gerichtet sein kann, dass darin eine weitere Ein dickung durchgeführt werden kann.
Die Schlamm konzentration im Mineralisationsbecken beträgt zweckmässig zwischen 10 000 mg und 80 000 mg Schlammtrockensubstanz im Liter, vorzugsweise 40 000 mg/l.
Es hat sich gezeigt, dass diese Arbeitsweise be sondere Vorteile bietet, wenn die eigentliche Reini gungsstufe so geführt wird, dass das Abwasser im nachgeschalteten Absetzbecken keinen freien Sauer stoff mehr enthält. Man erhält in diesem Fall einen sehr bakterienreichen überschuss-Schlamm, der im belüfteten Mineralisationstank rascher mineralisiert werden kann als Schlamm, der aus einer Reinigungs stufe kommt, die mit grossem Sauerstoffüberschuss gefahren wird und deren Schlamm in der Regel vor allem bakterienfressende Organismen., z. B. Protozoen, enthält.
Deshalb wird mit Vorteil der überschuss- Schlamm aus einer Abwasserreinigungsanlage, in welcher in einer ersten Stufe der Abbau der organi schen Verunreinigungen durch Bakterien und in einer davon getrennten zweiten Stufe die Entfernung der zugewachsenen Bakterien erfolgt, zwischen der ersten und der zweiten Stufe abgezogen und dem Minerali- sationsbecken zugeführt.
Die Aufteilung des eigentlichen Abwasserreini- gungsprozesses und des von ihm getrennten, belüfte ten Mineralisationsprozesses gestattet gegenüber den heute bekannten Verfahren, die für die Durchfüh rung des Prozesses nötigen Behältervolumen ganz bedeutend zu verkleinern und zudem die anfallende Schlammenge auf 1/3 <B>bis</B> 1/6 der heute bei bekannten Verfahren anfallenden Schlammengen bei der Reini gung häuslicher Abwässer zu verringern.
Ein Beispiel der Durchführung des erfindungs gemässen Verfahrens ist im folgenden beschrieben. Das zu reinigende häusliche Abwasser falle in einer Menge von tatal 500 m3 pro Tag an und es enthalte die Schmutzstoffe von etwa 1000 Einwoh nern, entsprechend einer in konventionellen Belebt schlammanlagen anfallenden Schlammenge von etwa 75 g Schlammtrockensubstanz pro Einwohner und Tag, wobei die stündlich anfallende Wassermenge stark schwanke; sie betrage während der Tagesstun den bis zu 40 m3/h, während der Nachtzeit falle sie auf 10 mg/h.
Das nicht vorgeklärte Abwasser gelangt konti nuierlich in ein Belüftungsbecken von 20 m3 Inhalt, so dass die Verweilzeit des Abwassers während der Tagesstunden etwa 30 Minuten, während der Nacht zeit etwa 2 Stunden beträgt. Die Schlammkonzen tration wird durch Rückpumpen des Schlammes aus dem nachgeschalteten Absetzbecken auf 4000 bis 6000 mg Schlammtrockensubstanz pro Liter gehel- ten. Die Luft wird in einer Menge von 50 m3/h 4 m unter der Wasseroberfläche grobblasig in das Belüf tungsbecken eingetragen.
Es ergibt sich ein Sauer stoffgehalt im Belüftungsbecken von etwa 2 mg/l. Das kontinuierlich aus dem Belüftungsbecken ab fliessende Wasser gelangt nach dieser Behandlung in das nachgeschaltete Absetzbecken. Das Absetz- becken besitzt ein Volumen von 100 m3 und ist in bekannter Weise so eingerichtet, dass sich der ab gesetzte Schlamm an einer Stelle in einer Konzen tration von etwa 20 000 mg Schlammtrockensubstanz pro Liter sammelt, so dass er zur Aufrechterhaltung der gewünschten Schlammkonzentration im Belüf tungsbecken dorthin zurückgeführt werden kann.
Bei einer Schlammkonzentration von 5000 mg/1 ist der gesamte Schlamminhalt des Systems etwa 200 kg Schlammtrockensubstanz, also etwa 100 kg im Belüf tungstank und 100 kg im Absetzbecken. Unter den hier angegebenen Bedingungen ist der tägliche Schlammzuwachs etwa 40 kg. Diese 40 kg Schlamm zuwachs müssen nun als überschuss-Schlamm abgezo gen werden, damit die gewünschte Schlammkonzen tration in der Reinigungsstufe aufrechterhalten wer den kann.
Diese überschuss-Schlammenge wird des halb aus dem Absetzbecken mit einer Konzentration von etwa 20 000 mg/1 in das belüftete Mineralisa- tionsbecken von 20 m3 Inhalt geleitet. Es müssen also täglich 2 m3 überschuss-Schlamm abgezogen werden. Das Mineralisationsbecken ist so eingerich tet, dass eine den 2 m3 Schlamm entsprechende Menge geklärten Wassers als überstehende Lösung abgezogen werden kann.
Damit kann die Konzentra tion im Mineralisationsbecken auf etwa 50 000 mg/1 gehalten werden. Im Mineralisationsbecken werden etwa 20 m3 Luft pro Stunde grobblasig in das Abwasser geführt, womit der zugeführte Schlamm durch Mineralisation um weitere etwa 50 %, also auf 20 kg/Tg, reduziert wird. Dieser nicht weiter abbaubare Schlammanteil kann dann, wenn die Kon zentration von 50 000 mg Schlammtrockensubstanz wesentlich überschritten ist, mit Vorteil an die Land wirtschaft als Düngmittel abgegeben werden.
Claims (1)
- PATENTANSPRUCH Verfahren zum Mineralisieren von Schlamm bei der biologischen Abwasserreinigung, dadurch ge kennzeichnet, dass der zur Aufrechterhaltung der erforderlichen Schlammkonzentration für die biolo gische Abwasserreinigung im Belüftungsbehälter nicht verwendete überschuss-Schlamm aus der Anlage ab gezogen und in einem getrennten Behälter zwecks Mineralisierung belüftet wird. UNTERANSPRÜCHE 1. Verfahren nach Patentanspruch, dadurch ge kennzeichnet, dass die Separatbelüftung des Schlam mes bei einer gegenüber der Schlammkonzentration in der Reinigungsanlage bedeutend höheren und da her raumsparenden Konzentration erfolgt. 2.Verfahren nach Unteranspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Separatbelüftung des über schuss-Schlammes bei einer Schlammkonzentration von 10 000 - 80 000 mg, vorzugsweise 40 000 mg, Schlammtrockensubstanz pro Liter Flüssigkeit erfolgt. 3. Verfahren nach Unteranspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der überschuss-Schlamm einem praktisch sauerstofffreien Milieu entnommen wird, das entsprechend frei von bakterienfressenden Orga nismen ist. 4.Verfahren nach Unteranspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der überschuss-Schlamm in einer Abwasserreinigungsanlage, in welcher in einer ersten Stufe der Abbau der organischen Verunreinigungen durch Bakterien und in einer davon getrennten zwei ten Stufe die Entfernung der zugewachsenen Bakte rien durch bakterienfressende Organismen erfolgt, zwischen der ersten und der zweiten Stufe abgezogen wird. 5. Verfahren nach Unteranspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der überschuss-Schlamm einem dem Belüftungsbecken der ersten Stufe nachgeschal teten Absetzbecken entnommen wird.
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