Mit dem neuen OP-Roboter am Universitätsklinikum Krems wurde am Mittwoch ein weiterer Schritt im Ausbau der roboterassistierten Chirurgie in Niederösterreich gesetzt. Die Technologie soll künftig nicht nur an einzelnen Zentren, sondern flächendeckend zum Einsatz kommen.
Der für die Kliniken zuständige Landesrat Anton Kasser (ÖVP) sprach von einem „Startschuss“, um die Technik in alle Gesundheitsregionen zu bringen. Ziel sei es, die medizinische Versorgung langfristig abzusichern und weiterzuentwickeln.
Derzeit sind OP-Roboter bereits in Wiener Neustadt und St. Pölten im Einsatz. Laut Angaben der Landesgesundheitsagentur (LGA) wurden dort bisher rund 5.000 Eingriffe durchgeführt. Künftig sollen neben Krems auch Standorte wie Mistelbach, Horn, Mödling und Amstetten folgen.
Einsatz vor allem bei komplexen Eingriffen
Die roboterassistierte Chirurgie kommt vor allem bei komplexen Operationen zum Einsatz, etwa in der Krebschirurgie. Dabei steuern Ärztinnen und Ärzte die Instrumente über eine Konsole, während das System die Bewegungen präzise umsetzt.
Der Leiter des Prostatakrebszentrums in Krems, Bernhard Grubmüller, sieht darin vor allem Vorteile bei schwierigen Eingriffen. „Gerade bei komplexen Tumoroperationen, aber auch bei rekonstruktiven Eingriffen hilft die Roboter-Technik besonders präzise und kontrolliert zu arbeiten“, sagte Grubmüller.
Schnellere Genesung durch OP-Roboter
Für Patientinnen und Patienten könne das eine geringere Belastung bedeuten. In der Praxis gehe es etwa um weniger Komplikationen, weniger Blutverlust und kürzere Krankenhausaufenthalte. Die OP-Roboter würden insgesamt eine schnellere Genesung bringen, sagte der Mediziner.
„Aber wir sehen auch bei funktionell sensiblen Operationen, gerade in der Urologie oder Gynäkologie, langfristig einfach bessere Ergebnisse“, schildert der Leiter des Prostatakrebszentrums am Universitätsklinikum Krems.
Kosten von einer Million Euro pro Standort pro Jahr
Der Ausbau ist allerdings auch mit hohen Kosten verbunden. Laut Land entstehen pro Standort laufende Kosten von rund einer Million Euro pro Jahr. Die Weiterentwicklung der roboterassistierten Chirurgie sei im „Gesundheitsplan 2040+“ vorgesehen und entsprechend budgetiert, heißt es von der LGA. Nach eingehender Evaluierung habe man sich für eine Miet-Variante entschieden, heißt es.
Landesrat Kasser verwies darauf, dass Investitionen in die Gesundheitsversorgung grundsätzlich kostenintensiv seien, die Qualitätssteigerung aber im Vordergrund stehe – mehr dazu in ÖVP und FPÖ halten am Gesundheitsplan fest (noe.ORF.at; 31.3.2026). Konkrete, klinikübergreifende Daten zur Wirksamkeit der Technologie sollen in Zukunft systematisch erhoben werden. Ein entsprechendes Monitoring ist laut LGA geplant.
Keine Sorgen um Personal
Neben der medizinischen Anwendung spielt auch die Ausbildung eine Rolle. Die Arbeit mit dem OP-Roboter soll die Attraktivität des Standorts erhöhen und junge Medizinerinnen und Mediziner anziehen, sagt Elisabeth Bräutigam, Vorständin der LGA. Demnach sei es „auch hochattraktiv“, am Roboter zu arbeiten. „Das ist etwas, was unsere jungen Kollegen auch möchten“, sagt Bräutigam.
Jung-Mediziner würden sich für Ihre Ausbildung laut Bräutigam auch die Standorte aussuchen, wo Roboterchirurgie verfügbar sei. Während in anderen Gesundheitsberufen Fachkräftemangel herrscht, ist die Vorständin der Landesgesundheitsagentur im Bereich der Roboter-Chirurgie gelassen: „Um Nachwuchs machen wir uns in diesem Fall keine Sorgen.“
Die Ausbildung am OP-Roboter erfolge in mehreren Stufen und dauere laut LGA mehrere Wochen. Voraussetzung sei eine bestehende chirurgische Erfahrung, auf die die spezielle Schulung aufbauen würden. Langfristig soll in jeder Gesundheitsregion in Niederösterreich ein OP-Roboter zur Verfügung stehen. Damit soll die Versorgung auch außerhalb großer Zentren gestärkt werden.