Transparent beschichtetes Polycarbonat Bauteil, dessen Herstellung und Verwendung
Die Erfindung betrifft einen teilweise transparenten Mehrschichtaufbau, enthaltend eine Schicht auf Basis eines thermoplastischen Kunststoffes, vorzugsweise aus Polycarbonat sowie einer transparenten siloxan-basierten Schutzschicht. Weiterhin betrifft die Erfindung, die Herstellung der polymeren Substratschichten im Spritzgussverfahren, die Beschichtung mittels eines transparenten Siloxan-Decklacks und anschließender selektiver Oberflächenhärtung der transparenten siloxan- basierten Schutzschicht mittels ultra-kurzwelliger UV-Strahlung. Solche hergestellten, beschichteten und selektiv nachgehärteten Bauteile finden Verwendung als Glasersatz für Verscheibungen und Verscheibungselemente sowie z.B. Dachmodule im Automobilbereich. Weiterhin können solch hergestellte Bauteile dort eingesetzt werden, wo durch Normen und Regularien eine hohe Kratzbeständigkeit gefordert ist. Solche Anforderungen an die Kratzbeständigkeit sind z.B. in der amerikanischen Norm ANSI Z 26.1 für den Einsatz als Verscheibungen beschrieben.
Verscheibungen aus Zusammensetzungen, enthaltend transparente thermoplastische Polymere wie z.B. Polycarbonat, bieten für den Fahrzeugbereich und für Gebäude viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Verscheibungen aus Glas. Hierzu zählen z.B. erhöhte Bruchsicherheit und Gewichtsersparnis, die im Fall von Automobilverscheibungen eine höhere Insassensicherheit bei Verkehrsunfällen und niedrigeren Kraftstoffverbrauch ermöglichen. Schließlich lassen transparente Werkstoffe, die transparente thermoplastische Polymere enthalten, aufgrund der einfacheren Formbarkeit eine wesentlich größere Designfreiheit zu.
Scheiben im Bereich des Transportsektors enthalten häufig auch nicht-transparente Bereiche. Nicht-transparente Schichten sind z.B. bei Scheiben im Automobilbereich sehr häufig, da in diesen Bereich z.B. Funktionselemente verborgen werden können oder generell die Kleber für die Befestigung an der Automobilkarosserie aufgebracht werden. Üblicherweise enthalten diese Scheiben mindestens eine Lackschicht. Die Beschichtung soll gegen Umwelteinflüsse wie Abrieb,
Verkratzung und den Einfluss der Witterung schützen.
In EP 2 266 711 AI (US2010304133 A) wird ein Verfahren, welches transparente Kunststoffoberflächen mit einem Siloxan-basierten Decklack beschichtet, thermisch ausgehärtet und anschließender„Nachhärtung" der siloxan-basierten Schutzschicht mittels ultrakurz-welliger UV-Strahlung beschrieben. Die Nachhärtung erfolgt über Excimer- Laser oder Excimer-Lampen.
Eine Abhängigkeit der Bewitterungsstabilität des Aufbaus in Abhängigkeit der Bestrahlungsdosis oder der Farbe bzw. des solaren Transmissionsgrads TDS des Aufbaus wird nicht beschrieben.
EP-A-2 527 047 und WO-A-2013 120269 beschreiben mit Lack beschichtete transparente Teile.
EP-A-2 711 397, EP-A-2 634 208 und EP-A-3 009 485 beschreiben UV härtende Lacke und keine mit Excimer Laser härtbare Siloxanlacke.
EP-A-3 047 916 beschreibt Scheinwerferabdeckscheiben und wie diese lackiert werden können. Als Lack kommen UV oder thermische härtbare Lacke in Frage. Keines der genannten Dokumente beschreibt den vorliegenden Mehrschichtaufbau, der mit Siloxanlack versehen ist und selektiv nachgehärtet wird.
Ein Nachteil der Nachhärtung mittels ultrakurz-welliger UV-Strahlung (<200 nm) besteht darin, dass in Abhängigkeit der eingetragenen Strahlungsdosis auf das beschichtete Bauteil eine deutliche Reduzierung der Bewitterungsstabilität des beschichteten Bauteils zu beobachten ist. Dieser Effekt ist weiterhin auch abhängig, welche Farbe das Bauteil aufweist.
Weiterhin ist bei Bauteilen, welche einen solaren Transmissionsgrad TDS von <1% aufweisen, mit einem verfrühten Ausfall des Bauteils aufgrund einer Reduzierung der Witterungsstabilität zu rechnen.
Solche Bauteile können auch im 2-Komponenten Spritzgussverfahren erhalten werden. Die Bauteile weisen bevorzugt eine transparente Polycarbonatschicht und einen nicht transparenten oder nicht transparent eingefärbten Teil, einen sogenannten Schwarzrand enthaltend ein Polymerblend, bevorzugt ein Polycarbonatblend auf. Der Schwarzrand besitzt ebenfalls einen solaren Transmissionsgrad TDS von <1%.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, einen Mehrschichtaufbau zur Verfügung zu stellen enthaltend eine Substratschicht auf Basis eines nicht transparenten bzw. nicht transparent eingefärbten Polymerblends, bevorzugt ein Polycarbonatblend, sowie eine Substraschicht enthaltend ein transparentes thermoplastische Polymers, bevorzugt eines Polycarbonats, und einer siloxan-basierten Schutzschicht, wobei die Siloxanschicht mittels ultrakurzwelliger UV Strahlung selektiv nachgehärtet wird, die nicht die im Stand der Technik gezeigten Nachteile aufweisen. Der erfindungsgemäße Mehrschichtaufbau kann zum Beispiel statt Glas eingesetzt werden.
Der erfindungsgemäße Mehrschichtaufbau bzw. ein Bauteil enthaltend den erfindungsgemäßen Mehrschichtaufbau weist eine verbesserte Bewitterungsstabilität bevorzugt bei Verwendung einer Polycarbonatsubstratschicht mit einem solaren Transmissionsgrad TDS mehr als 20%, bevorzugt 30% bis 68%, besonders bevorzugt 35% bis 65% auf, insbesondere 45% bis 65% auf. Dies konnte dadurch erreicht werden, dass eine selektive Oberflächenbestrahlung der siloxan-basierten Schutzschicht auf der transparenten Substratschicht, bevorzugt auf Basis eines Polycarbonats, welches den o.g. solaren Transmissionsgradbereich (TDS) aufweist, erfolgte.
Unter selektiver Oberflächenbestrahlung ist zu verstehen, dass nur ausgewählte Bereiche der siloxan-basierten Decklackschicht eine nachträgliche Beaufschlagung mit ultrakurz-welliger Strahlung einer bestimmten Intensität erfahren.
Das Bauteil soll eine hohe Kratz- beziehungsweise Abriebfestigkeit sowie Witterungsstabilität aufweisen. Ferner soll der Mehrschichtaufbau dauerhaft ausgezeichnete optische Eigenschaften aufweisen, konkret einen reduzierten Verlust an Lichttransmission, eine reduzierte Trübungszunahme, eine geringe Farbänderung im transparenten Bereich sowie eine riss- und erosionsfreie Oberfläche jeweils nach Bewitterung bzw. Medieneinwirkung.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher ein Mehrschichtaufbau enthaltend einen Träger oder Rahmen aus einem nicht transparenten Polymerblend als Schicht c) und eine transparente
Schicht b) auf Basis eines thermoplastischen Polymers, bevorzugt ein Polycarbonat, das einen solaren Transmissionsgrad TDS von mehr als 20% aufweist, bestimmt nach ISO 13837:2008 bei einer Schichtdicke von 4 mm, und eine Siloxan-basierte Schutzschicht a), die auf Schicht c) und Schicht b) aufgebracht ist,
wobei die Siloxanschicht a) in ausgewählten Bereichen mittels ultrakurz- welliger UV Strahlung selektiv nachgehärtet ist.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist weiterhin ein Verfahren zur Behandlung der siloxan- basierten Schicht a) des oben beschriebenen Mehrschichtaufbaus wobei die Siloxan- basierte Schicht a) in ausgewählten Bereichen mittels ultrakurz-welliger UV Strahlung selektiv nachgehärtet ist.
Eine weitere Ausführungsform ist weiterhin ein Verfahren zur selektiven Oberflächenbehandlung eines 2-Komponenten Bauteils enthaltend einen Träger oder Rahmen aus einem nicht transparent eingefärbten Polymerblend (Schicht c)), und einem transparenten Teil gemäß Schicht b), wobei das transparente Teil von dem Träger an mindestens 2 Seiten umschlossen wird und wobei auf dem Träger oder Rahmen und dem transparenten Teil eine siloxan-basierte Schicht a) aufgebracht ist, wobei die Siloxan-basierte Schicht a) in ausgewählten Bereichen mittels ultrakurz-welliger UV Strahlung selektiv nachgehärtet ist. Die Erzeugung der ultrakurz-welligen UV-Strahlung erfolgt über sogenannte Excimer-Lampen oder Excimer-Laser. Die Bestrahlungsdosis beträgt 200 bis 2100 mJ/cm2, bevorzugt 200 bis 1600 mJ/cm2, besonders bevorzugt 350 bis 1000 mJ/cm2. Die Steuerung der emittierten Wellenlänge der Excimerstrahlung erfolgt über die Verwendung unterschiedlicher Gasfüllungen. Beispiele für entsprechende Gase sind in Tabelle 1 aufgezeigt. Bevorzugt werden solche Gase verwendet, welche zu einer Excimerstrahlung kleiner als 193 nm führen. Eine bevorzugt verwendete Wellenlänge ist die einer Xe-Lampe mit einer emittierten Wellenlänge von 172 nm.
Gasfüllung λ (nm) eV
Ar 126 9,8
Kr 146 8,5
F2 157 7,9
Xe 172 7,2
ArF 193 6,4
KrCl 222 5,6
KrF 249 5,0
XeCl 308 4,0 5
Weiterhin bevorzugt ist die Durchführung der Bestrahlung des Bauteils in einer evakuierten Kammer oder in einer Kammer, welche mit einem Schutzgas, wie z.B. Stickstoff oder Kohlenstoffdioxid gefüllt ist. Hierdurch wird die Strahlungsabsorption des Sauerstoffs in der Umgebungsluft verhindert. Alternativ kann bei der Verwendung eines Excimer-Lasers das Schutzgas nur in einer Küvette im Strahlungsgang platziert werden.
Flache Bauteile, welche nur sehr geringe Krümmungen aufweisen, werden bevorzugt durch Excimer-Lampen bestrahlt.
Gekrümmte Bauteile, welche hohe Krümmungsradien aufweisen, werden bevorzugt mit einem Excimer- Laser bestrahlt.
Bei der Verwendung einer Xe-basierten Excimer-Strahlung liegen bevorzugte Strahlungsdosen zwischen 115 und 2070 mJ/cm2, besonders bevorzugt zwischen 460 und 1610 mJ/cm2 und ganz besonders bevorzugt zwischen 690 und 1035 mJ/cm2.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform wird eine Xe-basierte Excimer-Strahlung einer Dosis von 700 bis 1400 mJ/cm2 verwendet.
Bei einer BeStrahlungsintensität von ca. 23 mW/cm2 liegen bevorzugte Bestrahlungszeiten zwischen 5 und 90 Sekunden, besonders bevorzugt zwischen 20 und 70 Sekunden und ganz besonders bevorzugt zwischen 30 und 45 Sekunden.
Siloxan-basierte Schutzschicht a): Die Schutzschicht a umfasst bevorzugt einen Kratzfest-Lack (Decklack) auf Siloxan-Basis . Der Kratzfest-Lack ist bevorzugt ein Polysiloxanlack, hergestellt nach dem Sol-Gel-Prozess. Die Schutzschicht a) enthält besonders bevorzugt außerdem mindestens einen UV-Absorber. Die Schutzschicht a) weist eine hohe Abrieb- und Kratzfestbeständigkeit auf und erfüllt damit insbesondere die Funktion einer Kratzfestbeschichtung. Kommerziell erhältliche Systeme sind z.B. Silfort AS4000, Silfort SHC5020 und Silfort AS4700 von Momentive Performance Materials. Derartige Systeme sind z.B. in US 5,041,313 A, DE 3,1213,85 AI, US 5,391,795 A und WO 2008/109072 AI beschrieben. Die Synthese dieser
Materialien erfolgt üblicherweise über Kondensation von Alkoxy- und/oder Alkylalkoxysilanen unter Säure- oder Basenkatalyse. Optional können Nanopartikel eingearbeitet werden. Bevorzugte Lösemittel sind Alkohole wie Butanol, Isopropanol, Methanol, Ethanol und deren Mischungen.
Es sind verschiedene Methoden bekannt, um eine Kratzfestbeschichtung auf Kunststoffartikeln herzustellen. Die Schutzschichten können beispielsweise über Tauchverfahren, Spincoating, Sprüh verfahren oder eine Fließbeschichtung, bevorzugt über Tauch- oder Fließverfahren, aufgebracht werden. Die Aushärtung kann thermisch oder mittels UV-Bestrahlung erfolgen. Die Schutzschicht kann z.B. direkt oder nach Vorbereitung der Substratoberfläche mit einer Grundierung (Primer) aufgetragen werden. Ferner kann eine Schutzschicht über Plasma-gestützte Polymerisationsverfahren aufgebracht werden, z.B. über ein Si02-Plasma. Antibeschlags- oder
Antireflex-Beschichtungen können ebenfalls über Plasmaverfahren hergestellt werden. Weiterhin ist es möglich, über bestimmte Spritzgussverfahren, wie z.B. das Hinterspritzen von oberflächenbehandelten Folien, eine Schutzschicht auf den resultierenden Formkörper aufzubringen. In der Schutzschicht können verschiedene Additive, wie z.B. UV- Absorber, abgeleitet z.B. von Triazolen oder Triazinen, vorhanden sein.
Die Schutzschicht a) kann ein Ein- oder Mehrschichtsystem sein und somit auch eine Kombination zweier oder mehrerer Schichten al, a2 etc. Insbesondere kann die Schutzschicht a) einer Decklackschicht al und eine Primer-Schicht a2 enthalten, wobei die Primerschicht a2 zwischen Decklackschicht al und Substratschicht b angeordnet ist. Schutzschichten auf Polysiloxanbasis werden bevorzugt über Tauch- oder Fließverfahren aufgebracht. Die Aushärtung erfolgt bei Temperaturen von 50 °C - 140 °C.
Es wird bevorzugt ein UV-Absorber enthaltender Primer für die Primerschicht a2 eingesetzt, um die Haftung der Decklackschicht al auf der Substratschicht b zu verbessern. Der Primer enthält in weiteren Ausführungsformen Stabilisatoren wie z.B. HALS -Systeme (Stabilisatoren auf Basis sterisch gehinderter Amine), Haftvermittler und/oder Fließhilfsmittel. Das jeweilige Harz, welches das Basismaterial der Primerschicht a2 bildet, kann aus einer Vielzahl von Materialien ausgewählt werden und ist beispielsweise in Ullmann's Encylopedia of Industrial Chemistry, 5th Edition, Vol. AI 8, pp. 368-426, VCH, Weinheim 1991 beschrieben. Es können Polyacrylate, Polyurethane, Phenol-basierte, Melamin-basierte, Epoxy- und Alkyd-Systeme oder Mischungen dieser Systeme eingesetzt werden. Das Harz wird meistens in geeigneten Lösemitteln gelöst - häufig in Alkoholen.
Abhängig vom gewählten Harz kann die Aushärtung bei Raumtemperatur oder bei erhöhten Temperaturen erfolgen. Bevorzugt werden Temperaturen zwischen 50 °C und 140 °C eingesetzt - häufig, nachdem ein Großteil des Lösemittels kurzzeitig bei Raumtemperatur entfernt wurde. Kommerziell erhältliche Primer- Systeme für Schichten a2 sind z.B. SHP470, SHP470-FT2050 und SHP401 der Firma Momentive Performance Materials. Derartige Beschichtungen sind z.B. in US
6,350,512 Bl, US 5,869,185 A, EP 1308084 AI und WO 2006/108520 AI beschrieben.
In einer bevorzugten Ausführungsform, die eine besonders gute Bewitterungsstabilität bewirkt, umfasst die Schutzschicht a) einen
Decklack auf Polysiloxanbasis zur Ausbildung der Decklackschicht ai, enthaltend i. mindestens einen UV-Absorber aus der Gruppe der Benzophenone, Resorcine, 2-(2- Hydroxyphenyl-)Bentriazole, Hydroxyphenyl-s-Triazine, 2-Cyanacrylate, Oxalanilide und optional einen UV-Inhibitor aus der Gruppe der sterisch gehinderten Amine (HALS), insbesondere basierend auf 2,2,6,6-Tetramethylpiperidin oder dessen Derivaten; sowie ii. mindestens eine Kombination von einem organo-modifizierten Silan mit einem Kiesel-Sol.
Das organo-modifizierte Silan ist beispielsweise und insbesondere bevorzugt ein Methyltrialkoxy- oder Dimethyldialkoxysilan.In einer weiter bevorzugten Ausführungsform kann zwischen der
Decklackschicht al und der Substratschicht b) zusätzlich ein Haftvermittler (Primerschicht a2) 1 eingesetzt werden.
Die Primerschicht a2 enthält ein Bindemittel und mindestens einen UV- Absorber aus der Gruppe der Benzophenone, der Resorcine, 2-(2-Hydroxyphenyl-)Bentriazole, Hydroxyphenyl-s-Triazine, 2-Cyanacrylate, Oxalanilide und/oder sterisch gehinderten Amine (HALS), insbesondere basierend auf 2,2,6,6-Tetramethylpiperidin sowie dessen Derivaten.
Das Bindemittel ist bevorzugt ein physikalisch trocknendes Polyalkyl(meth)acrylat, enthaltend vorzugsweise Methylmethacrylat als Hauptkomponente und eventuell ein weiteres Alkyl(meth)acrylat mit längerer, linearer oder verzweigter Alkylkette (-CnH2n+i mit n>l), bevorzugt 1 < n < 10, besonders bevorzugt linear mit n = 4 (Butylmethacrylat). Bevorzugt enthält das Polyalkyl(meth)acrylat Methacrylatmonomereinheiten in Mengen von 75 bis 100 Gew.% und t und 25 bis 0 Gew.% Alkylmethacrylatmonomereinheiten, bevorzugt 85 bis 100 Gew.% Methacrylat und. 15% bis 0 Gew.% Alkylmethacrylat, besonders bevorzugt 90 bis 100 Gew.% Methylmethacrylat und 10% bis 0 Gew.% Alkylmethacrylat. Die Dicke der Primerschicht a2 beträgt im Allgemeinen 0,3 μιη bis 8 μιη, bevorzugt 1,1 μιη bis 4,0 μιη.
Unter „Derivaten" werden erfindungsgemäß solche Verbindungen verstanden, deren Molekülstruktur an der Stelle eines H-Atoms oder einer funktionellen Gruppe ein anderes Atom oder eine andere Atomgruppe besitzt bzw. bei denen ein oder mehrere Atome/Atomgruppen entfernt wurden. Die Stamm Verbindung ist somit noch weiterhin erkennbar.
Die Polysiloxanschicht al enthält bevorzugt siliciumorganische Verbindungen der Formel (I)
R„SiX4-„, (I) und/oder partielle Kondensate derselben, wobei die Reste R gleich oder verschieden sind und für einen linearen oder verzweigten, gesättigten oder ein- oder mehrfach ungesättigten oder aromatischen Kohlenwasserstoffrest stehen, die Reste X gleich oder verschieden sind und für hydrolysierbare Gruppen oder Hydroxylgruppen stehen, bevorzugt für Halogen, insbesondere Chlor oder Brom, Alkoxygruppen, Alkylcarbonylgruppen oder Acyloxygruppen stehen und n 0,1,2 oder 3, bevorzugt 1 oder 2, ganz besonders bevorzugt 1, ist.
R steht bevorzugt für gesättigte, verzweigte oder unverzweigte Alkylreste mit 1 bis 20 Kohlenstoffatomen und/oder für ein- oder mehrfach ungesättigte verzweigte oder unverzweigte
Alkenylreste mit 2 bis 20 Kohlenstoffatomen oder aromatische Gruppen mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen. Weiter bevorzugt weisen die Alkyl- bzw. Alkenylreste bis zu 12, noch weiter bevorzugt bis zu 8 Kohlenstoffe auf. Besonders bevorzugt sind Methyl und/oder Phenyl.
Besonders bevorzugt steht X für eine Alkoxygruppe, ganz besonders bevorzugt für eine Cl- bis C4- Alkoxygruppe, insbesondere für eine Methoxy- oder eine Ethoxygruppe.
Die Silicium- Verbindungen RnSiX -n sind über die Reste X hydrolysierbar und kondensierbar. Über diese hydrolytisch kondensierbaren Gruppen wird ein anorganisches Netzwerk mit Si-O-Si- Einheiten aufgebaut. Die Reste R sind unter den üblichen Kondensationsbedingungen im Gegensatz zu den Resten X gegenüber einer Hydrolyse stabil. Bevorzugte Beschichtungsdicken für die Primerschicht a2 liegen im Bereich 0,3 μιη bis 8 μιη, bevorzugt 1,1 μιη bis 4,0 μιη. Die Schichtdicken für die Siloxanschicht al liegen im Bereich 4,0 μιη bis 12,0 μιη, bevorzugt 4,0 μιη bis 8 μιη.
Schichtdicke bedeutet die Trockenschichtdicke, d.h. die Schichtdicke der Lackschicht nach Applikation, anschließendem Verdampfen des Lösemittels und anschließender thermischer oder UV - Härtung gemeint.
In einem besonders bevorzugten Verfahren wird die Schutzschicht a, bzw. die Decklackschicht al sowie die Primerschicht a2 über das Flutverfahren, da es zu beschichteten Teilen mit hoher optischer Qualität führt, appliziert.
Das Flutverfahren kann manuell mit Schlauch oder geeignetem Beschichtungskopf oder automatisch im Durchlauf über Flutlackierroboter- und gegebenenfalls Schlitzdüsen erfolgen.
Weitere mögliche Applikationsverfahren sind Tauchen, Rakeln, Walzen, Sprühen oder Spincoating. Hierbei können die Bauteile, sowohl hängend als auch in einem entsprechenden Warenträger gelagert, beschichtet werden.
Bei größeren und/oder 3D-Bauteilen - d.h. Bauteilen mit dreidimensionaler Oberfläche, die also eine von einer Platte abweichende Geometrie aufweisen- wird das zu beschichtende Teil in einen geeigneten Warenträger eingehängt oder aufgesetzt.
Bei Kleinteilen kann die Beschichtung auch per Hand durchgeführt werden. Hierbei wird die zu beschichtende flüssige Primer- oder Lacklösung zur Ausbildung der Schutzschicht a2 bzw. al ausgehend von der oberen Kante des Kleinteiles in Längsrichtung über die Platte gegossen, während gleichzeitig der Ansatzpunkt des Lackes auf der Platte von links nach rechts über die
Plattenbreite geführt wird. Die lackierten Platten werden senkrecht an einer Klammer hängend nach den jeweiligen Herstellervorgaben abgelüftet und gehärtet.
Die Schichtdicke der Schichten a) bzw. al sowie a2 kann beispielsweise mittels Weißlichtinterferometrie (z.B. mittels eines Weißlichtinterferometers der Firma Eta Optic; ETA- SST) bestimmt werden, was bevorzugt ist. Ferner kann über Querschnittspräparation und mikroskopische Erfassung (über Lichtmikroskopie oder Rasterelektronenmikroskopie) der Schichten über Materialkontrast die Dicke erfasst werden.
Substratschicht b):
Die Substratschicht b) des Bauteils enthält einen thermoplastischen Kunststoff mit einem solaren Transmissionsgrads TDS > 20%, und kann vollkommen eben, unterschiedlich stark gekrümmt beziehungsweise in Form von Wölbungen, Wellen oder weiteren Formen dreidimensional ausgeformt sein.
Der thermoplastische Kunststoff kann einerseits im visuellen Wellenlängenbereich oder im IR Bereich transparent sein. Transparent im visuellen Wellenlängenbereich im Sinne der vorliegenden Erfindung bedeutet, dass der Kunststoff eine Lichttransmission (ASTM 1003:2011 bzw. ISO
13468:2006; angegeben in % und Lichtart D65/100) von bevorzugt mindestens 80 %, besonders bevorzugt mindestens 85 % und ganz besonders bevorzugt mindestens 87 % aufweist. Weiterhin ist die Trübung vorzugsweise kleiner als 3 %, weiter bevorzugt kleiner als 2,5 %, und besonders bevorzugt kleiner als 2,0 %. Eine weitere bevorzugte Substratschicht b) ist IR-transparent (d.h. die Substratschicht b) weist keine nennenswerte Absorption zwischen 780 und 2500 nm auf, außer die Absorptionsbanden, die auf das Polymer, insbesondere das Polycarbonat selbst zurückzuführen sind; d.h. der mittlere Transmissionsgrad der Substratschicht im Bereich zwischen 780 und 2500 nm beträgt mindestens 10 %, bevorzugt mindestens 30 %, weiter bevorzugt mindestens 50 %), enthält weniger als 0,001
Gew.-% Ruß, weiter bevorzugt weniger als 0,0001 Gew. % Ruß, bevorzugt überhaupt keinen Ruß und bevorzugt weniger als 0,001 Gew.-% besonders bevorzugt weniger als 0,0001 Gew.-% von Ruß verschiedene IR- Absorber und insbesondere keine von Ruß verschiedenen IR- Absorber. Unter dem mittleren Transmissionsgrad versteht man das arithmetische Mittel des nach ISO 13468- 2:2006 gemessenen Transmissionsgrads.
Als Farbmittel eignen sich insbesondere Farbmittel auf Anthrachinonbasis, auf Perinonbasis, auf Phthalocyaninbasis oder von diesen Strukturen abgeleitete Farbmittel. Besonders bevorzugte Farbmittel sind in WO 2012/080395 AI beschrieben. Weiterhin können als Farbmittel Macrolex Violet 3R (CAS 61951-89-1; Solvent Violet 36), Macrolex Grün 5B (CAS 128-80-3; Solvent Green 3; C.I. 61565), Amaplast Gelb GHS (CAS 13676-91-0; Solvent Yellow 163; C:I: 58840),
Macrolex Orange 3G (CAS 6925-69-5; Solvent Orange 60; C.I. 564100), Macrolex Blau RR (CAS 32724-62-2; Solvent Blue 97; C.I. 615290); Keyplast Blau KR (CAS 116-75-6; Solvent Blue 104; C.I. 61568), Heliogen Blau-Typen (z.B. Heliogen Blau K 6911; CAS 147-14-8; Pigment Blue 15: 1; C.I. 74160), Heliogen Grün Typen (wie z.B. Heliogen Grün K 8730; CAS 1328-53-6; Pigment Green 7; C.I. 74260) sowie Macrolex Grün G (CAS 28198-05-2; Solvent Green 28; C.I. 625580) verwendet werden.
Die Lichttransmission im Bereich von 380 bis 780 nm, d.h. im VIS-Bereich, beträgt bei dieser Ausführungsform (siehe z.B. Beispiel 2) weniger als 1,0 %, bevorzugt 0%, bestimmt bei einer Schichtdicke von 4 mm nach DIN ISO 13468-2:2006 (D65, 10°), und der TDS-Wert, bestimmt nach ISO 13837:2008 bei einer Schichtdicke von 4 mm, beträgt weniger als 40%.
Die Verwendung einer solchen IR-transparenten Substratschicht, insbesondere einer solchen auf Basis von Polycarbonat, ist erfindungsgemäß besonders bevorzugt.
Die Herstellung von drei-dimensional geformten Substratschichten b), aber auch plattenförmigen Schichten, ausgehend von der beschriebenen Polymer-Zusammensetzung, enthaltend die oben genannten Komponenten, erfolgt mit gängigen Einarbeitungsverfahren durch Zusammenführung,
Vermischen und Homogenisieren, wobei insbesondere die Homogenisierung, bevorzugt in der Schmelze unter Einwirkung von Scherkräften, stattfindet. Dazu werden das thermoplastische Polymer, bevorzugt aromatisches Polycarbonat, und die ggf. weiteren Komponenten der Polymer- Formmasse, bevorzugt der Polycarbonat-Formmasse, auf üblichen Schmelze-Mischaggregaten wie z.B. auf Ein- oder Mehrwellen- Extrudern oder auf Knetern in der Schmelze unter üblichen Bedingungen vermischt, extrudiert und granuliert. Die Additive können entweder separat als Granulate bzw. Pellets über Dosierwaagen oder Seitenfüttereinrichtungen oder auch bei erhöhter Temperatur als Schmelze mittels Dosierpumpen an geeigneter Stelle in den Feststoffförderbereich des Extruders oder in die Polymerschmelze dosiert werden. Die Masterbatches in Form von Granulaten oder Pellets können auch mit anderen partikelförmigen Verbindungen zu einer Vormischung vereinigt und dann gemeinsam über Dosiertrichter oder Seitenfüttereinrichtungen in
den Feststoffförderbereich des Extruders oder in die Polymerschmelze im Extruder zugeführt werden. Bei dem Compoundier-Aggregat handelt es sich bevorzugt um einen Zweiwellenextruder, besonders bevorzugt um einen Zweiwellenextruder mit gleichsinnig rotierenden Wellen, wobei der Zweiwellenextruder ein Längen/Durchmesser- Verhältnis der Schnecken welle bevorzugt von 20 bis 44, besonders bevorzugt von 28 bis 40 aufweist. Ein derartiger Zweiwellenextruder umfasst eine
Aufschmelz- und Mischzone oder eine kombinierte Aufschmelz- und Mischzone und optional eine Entgasungszone, an der ein absoluter Druck p von bevorzugt höchstens 800 mbar, weiter bevorzugt höchstens 500 mbar, besonders bevorzugt höchstens 200 mbar eingestellt wird. Die mittlere Verweilzeit der Mischungszusammensetzung im Extruder ist bevorzugt auf maximal 120 s, besonders bevorzugt maximal 80 s, besonders bevorzugt auf max. 60 s begrenzt. Die Temperatur der Schmelze des Polymers beziehungsweise der Polymerlegierung am Austritt des Extruders beträgt in bevorzugter Ausführungsform 200°C bis 400°C.
Neben dem Extrudieren können die für die Substratschicht b eingesetzten Zusammensetzungen durch Heißpressen, Spinnen, Blasformen, Tiefziehen oder Spritzgießen in die Substratschicht b überführt werden. Bevorzugt ist hierbei das Spritzgießen oder Spritzprägen.
Spritzgießverfahren sind dem Fachmann bekannt und beispielsweise im "Handbuch Spritzgießen", Friedrich Johannaber/Walter Michaeli, München; Wien: Hanser, 2001, ISBN 3-446-15632-1 oder in "Anleitung zum Bau von Spritzgieß Werkzeugen", Menges/Michaeli/Mohren, München; Wien: Hanser, 1999, ISBN 3-446-21258-2 beschrieben. Spritzguss umfasst hier alle Spritzgießverfahren einschließlich Mehrkomponentenspritzguss und
Spritzprägeverfahren.
Spritzprägeverfahren unterscheiden sich von herkömmlichen Spritzgussverfahren dadurch, dass der Einspritz- und/oder Verfestigungsvorgang unter Ausführung einer Formplattenbewegung durchgeführt wird. Beim bekannten Spritzprägeverfahren sind die Formplatten vor dem Einspritzvorgang bereits etwas geöffnet, um die bei der späteren Verfestigung auftretende Schwindung auszugleichen und den benötigten Spritzdruck zu reduzieren. Schon zu Beginn des Einspritzvorganges ist daher eine vor vergrößerte Kavität vorhanden. Tauchkanten des Werkzeuges garantieren auch bei etwas geöffneten Formplatten noch eine ausreichende Dichtigkeit der vorvergrößerten Kavität. Die Kunststoffmasse wird in diese vorvergrößerte Kavität eingespritzt und währenddessen bzw. anschließend unter Ausführung einer Werkzeugbewegung in Schließrichtung verpresst. Insbesondere bei der Herstellung von großflächigen und dünnwandigen Formteilen mit langen Fließwegen ist die aufwändigere Spritzprägetechnik bevorzugt oder ggf. zwingend erforderlich. Nur auf diese Weise wird eine Reduzierung der bei großen Formteilen benötigten Spritzdrücke erreicht. Ferner können Spannungen bzw. Verzug im Spritzgießteil, welche infolge hoher Spritzdrücke auftreten, durch Spritzprägen vermieden werden. Dies ist besonders bei der Herstellung von optischen Kunststoffanwendungen, wie beispielsweise
Verscheibungen (Fenster) in Kraftfahrzeugen, wichtig, da bei optischen Kunststoffanwendungen leicht zu Spannungen im Bauteil kommen kann, welches die optischen und mechanischen Eigenschaften beeinträchtigen kann.
Die Herstellung des erfindungsgemäßen Mehrschichtaufbaus erfolgt unter Verwendung von Spritzguß- oder Spritzprägeverfahren.
Thermoplastische Kunststoffe für die Schicht b) sind Polycarbonat, Copolycarbonat, Polyestercarbonat, Polystyrol, Styrol-Copolymere, aromatische Polyester wie Polyethylenterephthalat (PET), PET-Cyclohexandimethanol-Copolymer (PETG), Polyethylennaphthalat (PEN), Polybutylenterephthalat (PBT), Polyamid, cyclisches Polyolefin, Poly- oder Copolyacrylate und Poly- oder Copolymethacrylat wie z.B. Poly- oder
Copolymethylmethacrylate (wie PMMA) sowie Copolymere mit Styrol wie z.B. transparentes Polystyrolacrylnitril (PSAN), thermoplastische Polyurethane, Polymere auf Basis von zyklischen Olefinen (z.B. TOPAS®, ein Handelsprodukt der Firma Ticona) weiter bevorzugt Polycarbonat, Copolycarbonat, Polyestercarbonat, aromatische Polyester oder Polymethylmethacrylat (PMMA), oder Mischungen der genannten Komponenten, und besonders bevorzugt Polycarbonat und
Copolycarbonat.
Auch Mischungen von mehreren thermoplastischen Polymeren, insbesondere wenn sie transparent miteinander mischbar sind, sind möglich, wobei in einer speziellen Ausführungsform eine Mischung aus Polycarbonat mit PMMA (weiter bevorzugt mit PMMA < 2 Gew.%) oder Polyester bevorzugt ist.
Eine weitere spezielle Ausführungsform enthält in diesem Zusammenhang eine Mischung aus Polycarbonat und PMMA mit weniger als 2,0 Gew.%, vorzugsweise weniger als 1,0 Gew.%, weiter bevorzugt weniger als 0,5 Gew.%, wobei mindestens 0,01 Gew.% PMMA enthalten sind bezogen auf die Menge Polycarbonat, wobei das PMMA bevorzugt ein Molgewicht <40.000 g/mol aufweist. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform beträgt der Anteil an PMMA 0,2
Gew.%, und besonders bevorzugt 0,1 Gew.%, bezogen auf die Menge Polycarbonat, wobei das PMMA bevorzugt ein Molgewicht <40.000 g/mol aufweist.
Eine alternative weitere spezielle Ausführungsform enthält eine Mischung aus PMMA und Polycarbonat mit weniger als 2 Gew.%, vorzugsweise weniger als 1 Gew.%, weiter bevorzugt weniger als 0,5 Gew.%, wobei mindestens 0,01 Gew.% Polycarbonat enthalten sind bezogen auf die Menge PMMA.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform beträgt der Anteil an Polycarbonat 0,2 Gew.%, und besonders bevorzugt 0,1 Gew.%, bezogen auf die Menge PMMA.
Geeignete Polycarbonate für die Herstellung der erfindungsgemäßen Kunststoffzusammensetzung sind alle bekannten Polycarbonate. Dies sind Homopolycarbonate, Copolycarbonate und thermoplastische Polyestercarbonate.
Die Herstellung der Polycarbonate erfolgt vorzugsweise nach dem Phasengrenzflächenverfahren oder dem Schmelze-Umesterungsverfahren, welche mannigfaltig in der Literatur beschrieben werden.
Zum Phasengrenzflächenverfahren sei beispielhaft auf H. Schnell, "Chemistry and Physics of Polycarbonates", Polymer Reviews, Vol. 9, Interscience Publishers, New York 1964 S. 33 ff., auf Polymer Reviews, Vol. 10,„Condensation Polymers by Interfacial and Solution Methods", Paul W. Morgan, Interscience Publishers, New York 1965, Kap. VIII, S. 325, auf Dres. U. Grigo, K.
Kircher und P. R- Müller "Polycarbonate" in Becker/Braun, Kunststoff-Handbuch, Band 3/1, Polycarbonate, Polyacetale, Polyester, Celluloseester, Carl Hanser Verlag München, Wien 1992, S. 118-145, sowie auf EP 0 517 044 AI verwiesen.
Das Schmelze-Umesterungsverfahren ist beispielsweise in der Encyclopedia of Polymer Science, Vol. 10 (1969), Chemistry and Physics of Polycarbonates, Polymer Reviews, H. Schnell, Vol. 9,
John Wiley and Sons, Inc. (1964) sowie in den Patentschriften DE-B 10 31 512 und US-B 6 228 973 beschrieben.
Die Polycarbonate werden bevorzugt durch Reaktionen von Bisphenolverbindungen mit Kohlensäureverbindungen, insbesondere Phosgen oder beim Schmelzeumesterungsprozess Diphenylcarbonat bzw. Dimethylcarbonat, dargestellt.
Hierbei sind Homopolycarbonate auf Basis Bisphenol-A und Copolycarbonate auf der Basis der Monomere Bisphenol-A und l,l-Bis-(4-hydroxyphenyl)-3,3,5-trimethylcyclohexan besonders bevorzugt.
Diese und weitere Bisphenol- bzw. Diolverbindungen, die sich für die Polycarbonatsynthese einsetzen lassen, sind unter anderem offenbart in WO 2008037364 AI (s.7, Z. 21 bis s. 10, Z. 5),
EP 1 582 549 AI ([0018] bis [0034]), WO 2002026862 AI (S. 2, Z. 20 bis S. 5, Z. 14), WO 2005113639 AI (S. 2, Z.l bis S. 7, Z. 20).
Die Polycarbonate können linear oder verzweigt sein. Es könne auch Mischungen aus verzweigten und unverzweigten Polycarbonaten eingesetzt werden. Geeignete Verzweiger für Polycarbonate sind aus der Literatur bekannt und beispielsweise beschrieben in den Patentschriften US-B 4 185 009 und DE 25 00 092 AI (erfindungsgemäße 3,3- bis-(4-hydroxyaryl-oxindole, s. jeweils gesamtes Dokument), DE 42 40 313 AI (s. S. 3, Z. 33 bis
55), DE 19 943 642 AI (s. S. 5, Z. 25 bis 34) und US-B 5 367 044 sowie in hierin zitierter Literatur.
Darüber hinaus können die verwendeten Polycarbonate auch intrinsisch verzweigt sein, wobei hier kein Verzweiger im Rahmen der Polycarbonatherstellung zugegeben wird. Ein Beispiel für intrinsische Verzweigungen sind so genannte Fries-Strukturen, wie sie für Schmelzepolycarbonate in der EP 1 506 249 AI offenbart sind.
Zudem können bei der Polycarbonat-Herstellung Kettenabbrecher eingesetzt werden. Als Kettenabbrecher werden bevorzugt Phenole wie Phenol, Alkylphenole wie Kresol und 4-tert.- Butylphenol, Chlorphenol, Bromphenol, Cumylphenol oder deren Mischungen verwendet. Den Thermoplastzusammensetzungen können noch die für die genannten Thermoplasten üblichen
Additive wie Füllstoffe, UV-Stabilisatoren, Thermostabilisatoren, Antistatika, Farbstoffe und Pigmente, Entformungshilfsmittel, IR-Absorber und Flammschutzmittel in den üblichen Mengen zugesetzt werden. Es sind besonders bevorzugt nur solche zu verwenden, die die Transparenz des Materials nicht beeinträchtigen. Geeignete Additive sind beispielsweise beschrieben in "Additives for Plastics Handbook, John
Murphy, Elsevier, Oxford 1999", im "Plastics Additives Handbook, Hans Zweifel, Hanser, München 2001".
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist der thermoplastische Kunststoff für den Träger des Mehrschichtsystems ein Polycarbonat mit einem mittleren Molekulargewicht Mw von 22.000 bis 35.000, weiter bevorzugt von 24.000 bis 31.000 und besonders bevorzugt von 25.000 bis 30.000, ermittelt durch Gelpermeationschromatographie mit Polycarbonateichung.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist der thermoplastische Kunststoff für den Träger des Mehrschichtsystems ein lineares Polycarbonat auf Basis von Bisphenol A mit einem MVR von 5-20, bevorzugt 6-18, insbesondere bevorzugt 8-16, und ganz besonders bevorzugt 10-
15 cm3/10min bei 300 °C und 1,2 kg Beladung gemäß ISO 1133.
Bevorzugt enthalten die oben genannten Polycarbonate Phenol und / oder tert.-Butylphenol und /oder Cumylphenol als Kettenabbrecher.
Die Fließfähigkeit des für die Herstellung der Substratschicht verwendeten Polycarbonats reicht ferner aus, um im Spritzprägeprozess Fließ wege von 600 mm bis 1200 mm, bevorzugt 800 mm bis 1100 mm, besonders bevorzugt 900 mm bis 1000 mm zu realisieren, wobei die Schmelzetemperatur vorzugsweise von 280 °C bis 320 °C, weiter bevorzugt von 300 °C bis 310 °C beträgt, die Werkzeugtemperatur vorzugsweise von 60 °C bis 110 °C, weiter bevorzugt von 80 °C
bis 100 °C beträgt, der Fülldruck von 50 bar bis 1000 bar, weiter bevorzugt von 80 bar bis 750 bar und besonders bevorzugt von 100 bar bis 500 bar liegt, und der Prägespalt von 0,5 mm bis 10 mm, vorzugsweise von 2 mm bis 7mm, besonders bevorzugt von 5 mm bis 6 mm ist. Zwischen B und A befindet sich optional ein Siebdruck (auf Teilen der Scheibe, für nicht transparenten Bereich oder Heizung / Antennen) oder eine 2 K Spritzgusskomponente.
Bevorzugte Dicken der transparenten Schicht liegen zwischen 2 und 10 mm, besonders bevorzugt zwischen 3 und 8 mm und ganz besonders bevorzugt zwischen 4 und 7 mm.
Die Dicke der Schicht b) wird bevorzugt mittels Mikrometerschraube bestimmt.
Schicht c) (optional) Weiterhin kann der erfindungsgemäße Mehrschichtkörper mindestens eine weitere Schicht c) aufweisen. Bei der Schicht c) handelt es sich um eine nicht-transparente Schicht. Nicht-transparent im Sinne der vorliegenden Erfindung bedeutet eine Transmission im sichtbaren Wellenlängenbereich (380nm bis 780nm) von < 5%, bevorzugt keiner als 3 %, ganz besonders bevorzugt von kleiner als 1 %. Insbesondere kann der Mehrschichtkörper des erfindungsgemäßen Karosserieteils einen
Schwarzrand bzw. verstärkende Rahmenelemente aufweisen. Bei einem Schwarzrand handelt es sich um eine nicht-transparente Schicht, vorzugsweise aus einem Polymerblend, weiter bevorzugt aus einem Polycarbonatblend, insbesondere mit Polycarbonat als überwiegend vorhandener Komponente. Eine solche nicht-transparente Schicht ist in weiten Bereichen in direktem Kontakt mit dem zuvor beschriebenen Schichtaufbau. Der Schwarzrand liegt unterhalb der Schicht b) auf der gegenüberliegenden Seite der Schichten a).
Bevorzugt umfasst bzw. rahmt dieser nicht transparente Werkstoff die Substratschicht b oder und weitere hiermit direkt oder indirekt verbundene Schichten oder alternativ den gesamten Mehrschichtaufbau ganz oder teilweise in den Randbereichen ein. Bei einer Anformung des nicht transparenten Materials liegt der Übergang der Materialien vorzugsweise in Kantenbereichen, so dass eventuell auftretende Unebenheiten kaschiert werden. In jedem Fall gibt es Bereiche, in denen die Substratschicht b) auf der nicht-transparenten Schicht bzw. die nicht-transparente Schicht auf der Substratschicht b) liegt. „Auf ...liegt" meint hierbei ein Überlappen der Schichten, wenn man auf den Mehrschichtkörper, senkrecht zur Verbindungsfläche der einzelnen Schichten, blickt. Es versteht sich, dass die nicht transparente Schicht nicht in direktem Kontakt mit der Substratschicht b sein muss, nur kann, da sie hinter weiteren Schichten, etwa Schicht c, angeordnet sein kann.
Bei der Schicht c handelt es sich um eine Beschichtung, eine Folie oder bevorzugt einen Polymerblend, weiter bevorzugt aus einem Polycarbonatblend, insbesondere mit Polycarbonat als überwiegend vorhandener Komponente.
Eine solche nicht-transparente Schicht ist in weiten Bereichen in direktem Kontakt mit der Schicht b. Bevorzugt umfasst bzw. rahmt dieser nicht transparente Werkstoff die Schicht b oder und weitere hiermit direkt oder indirekt verbundene Schichten oder alternativ den gesamten Mehrschichtaufbau ganz oder teilweise in den Randbereichen ein. Bei einer Anformung des nicht transparenten Materials liegt der Übergang der Materialien vorzugsweise in Kantenbereichen, so dass eventuell auftretende Unebenheiten kaschiert werden. In jedem Fall gibt es Bereiche, in denen die Schicht b auf der nicht-transparent Schicht c bzw. die nicht-transparente Schicht c auf der Schicht b liegt. „Auf liegt" meint hierbei ein Überlappen der Schichten, wenn man auf den Mehrschichtkörper, senkrecht zur Verbindungsfläche der einzelnen Schichten, blickt. Es versteht sich, dass die nicht transparente Schicht c nicht in direktem Kontakt mit der Substratschicht b sein muss, nur kann, da sie hinter weiteren Schichten angeordnet sein kann.
Diese nicht transparenten Werkstoffe dienen zur Ausbildung von Schwarzrändern bei Verscheibungen beziehungsweise als verstärkende Rahmenelemente. Für die Herstellung von Schwarzrändern beziehungsweise verstärkenden Rahmenelementen bietet sich als Material die Verwendung thermoplastischer Kunststoffe enthaltend Füll- beziehungsweise Verstärkungsstoffe, insbesondere die Verwendung von derart ausgerüsteten Kunststoff-Blends an. In diesem Zusammenhang sind Blends enthaltend Polycarbonat und mindestens einen weiteren thermoplastischen Kunststoff bevorzugt.
Die verwendeten Füll- und Verstärkungsstoffe können faser-, plättchen-, röhren-, Stäbchen- oder kugelförmig bzw. sphärisch oder partikulär sein. Zu den im Sinne der vorliegenden Erfindung geeigneten Füll- und Verstärkungsstoffen zählen beispielsweise Talk, Wollastonit, Glimmer, Kaolin, Kieselgur, Calciumsulfat, Calciumcarbonat, Bariumsulfat, Glasfasern, Glas- oder Keramikkugeln, Glashohlkugeln oder Keramikhohlkugeln, Glas- oder Mineralwolle, Kohlefasern oder Carbon-Nanotubes. Bevorzugte Füllstoffe sind Füllstoffe, die ein isotropes Schwindungsverhalten der Zusammensetzung bewirken.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung von Talk und Kurzglasfasern besonders bevorzugt.
Glas- oder Keramikkugeln oder -Hohlkugeln können dabei die Kratzfestigkeit dieser Oberfläche erhöhen. In den Zusammensetzungen der Schicht c beträgt der Gehalt an Füll- und Verstärkungsstoffen 5
Gew.-% bis 40 Gew.-%, vorzugsweise 7 Gew.-% bis 30 Gew.-%, weiter bevorzugt 8 Gew.-% bis 25 Gew.-%., wobei sich die Gewichtsangaben auf die Gesamtzusammensetzung von der Substratschicht c beziehen.
Als thermoplastische Kunststoffe für die optionale Schicht c sind bevorzugt aromatisches Polycarbonat, Copolycarbonat, Polyestercarbonat, Polystyrol, Styrol-Copolymere, aromatische Polyester wie Polyethylenterephthalat (PET), PET-Cyclohexandimethanol-Copolymer (PETG), Polyethylennaphthalat (PEN), Polybutylenterephthalat (PBT), aliphatische Polyolefine wie Polypropylen oder Polyethylen, cyclisches Polyolefin, Poly- oder Copolyacrylate oder Poly- oder
Copolymethacrylat wie z.B. Poly- oder Copolymethylmethacrylate (wie PMMA) sowie Copolymere mit Styrol wie z.B. transparentes Polystyrolacrylnitril (PSAN), thermoplastische Polyurethane, Polymere auf Basis von zyklischen Olefinen (z.B. TOPAS®, ein Handelsprodukt der Firma Ticona), Polycarbonat-Blends mit olefinischen Copolymeren oder Pfropfpolymeren, wie beispielsweise Styrol/ Acrylnitril Copolymeren geeignet.
Besonders bevorzugt sind PMMA, PET, PEN, PETG, Polycarbonat, Co-Polycarbonat oder Polyestercarbonat. Ganz besonders bevorzugt ist PMMA, PET oder PEN. Hierbei können die vorgenannten Polymere alleine oder in Mischungen eingesetzt werden.
Schicht c weist eine Dicke von bis zu 600 μιη, bevorzugt bis 500 μιη, weiter bevorzugt bis 200 μιη auf. Schicht c kann auch eine Abfolge mehrerer Schichten sein, wobei deren Gesamtdicke die genannten Grenzen nicht überschreitet.
Bevorzugte Foliendicken der thermoplastischen Schicht c sind 10 μιη bis 500 μιη. Besonders bevorzugte Foliendicken sind 20 μιη bis 250 μιη. Ganz besonders bevorzugt sind 25 μιη bis 150 μιη dicke Folien als Trägermaterial. Die Schicht c kann durch dem Fachmann bekannte Verfahren auf die Schicht b) aufgebracht werden. Insbesondere ist ein Mehrkomponentenspritzgießen, eine Klebebefestigung oder eine Lackierung geeignet.
Figur 1 beschreibt einen erfindungsgemäßen Mehrschichtaufbbau, der mit einer Siloaxan-basierten Schicht a) versehen ist, die über Schicht b) und einer optional weiteren Schicht c) aufgetragen ist und die in der mit Schicht b) gekennzeichneten Bereich selektiv nachgehärtet wird. Schicht c) stellt in dieser Darstellung einen Rahmen dar.
Figur 2 stellt einen Mehrschichtaufbau aus 2 Schichten dar, wobei die Siloxan-basierte Schicht a) wiederum aus einer Decklackschicht al und einer Primerschicht a2 besteht, und der Substratschicht b). Beispiele
Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher beschrieben, wobei die hier beschriebenen Bestimmungsmethoden für alle korrespondierenden Größen in der vorliegenden
Erfindungsbeschreibung zur Anwendung kommen, sofern nichts Gegenteiliges beschrieben worden ist.
Die nachfolgenden Versuche beziehen sich auf Schichtaufbauten aus den Schichten a und b, wobei die Schicht b in derart gewählt ist, das der TDS variiert. Siloxan-basierte Schutzschicht a)
Primer für Schicht a2:
Silfort SHP470 FT 2050 ist ein Primer mit einem Feststoffgehalt von 9 Gew.-%. einer spezifischen
Dichte von 0,94 - 0.96g/cm3 bei 20°C und einer Viskosität bei 25 °C von 75 bis 95 MPa s basierend auf l-Methoxy-2-propanol als Lösungsmittel. Das Produkt ist erhältlich von der Momentive Performance Materials GmbH,
Leverkusen.
Decklack für Schicht al :
Silfort AS4700 ist ein thermisch härtender Decklack auf Siloxan-Basis, enthaltend Isopropanol, n- Butanol und Methanol als Lösungsmittel, mit einem Feststoff-Gehalt von 25 Gew.-%, einer spezifischen Dichte von 0,92g/cm3 bei 20°C sowie einer
Viskosität gemessen bei 25 °C von 3-7MPa s. Das Produkt ist erhältlich von der Momentive Performance Materials GmbH, Leverkusen.
Die Applikation wurde per Hand durchgeführt. Hierbei wurde die flüssige Primer- oder Decklacklösung zur Ausbildung der Schichten ausgehend von der oberen Kante des Kleinteiles in Längsrichtung über die Platte gegossen, während gleichzeitig der Ansatzpunkt des Lackes auf der Platte von links nach rechts über die Plattenbreite geführt wurde. Die lackierten Platten wurden senkrecht an einer Klammer hängend nach einer Ablüftzeit von 30 Minuten bei 23°C und anschließend 60 Minuten bei 130°C gehärtet. Im Anschluss an das Aufbringen der Primerschicht a2 wurde in analoger Weise der Decklack als Decklackschicht ai aufgebracht und nach 30-minütiger Ablüftzeit bei 23°C 60 Minuten bei 130°C gehärtet.
Die Schichtdicke der Schicht al und a2 wurde mittels Weißlichtinterferometrie (z.B. mittels eines Weißlichtinterferometers der Firma Eta Optic; ETA-SST) bestimmt.
Substratschicht b
Substrat 1: Visuell transparente Platte aus Polycarbonat mit einer MVR von ca. 12 cm3/(10 min), gemessen bei 300 °C und 1,2 kg Belastung (gemäß ISO 1133-1 :2012-03), der Firma Covestro Deutschland AG.
Substrat 2: Visuell nicht-transparente Platte aus Polycarbonat der Firma Covestro Deutschland
AG mit einer MVR von ca. 12 cm3/(10 min), gemessen bei 300 °C und 1,2 kg Belastung (gemäß ISO 1133-1 :2012-03), basierend auf Bisphenol A und terminiert mit Phenol. Das Material enthält 0,1 Gew.-% Macrolex Grün 5B (1,4-Bis- (tolylamino)anthranchinon; Anthrachinonfarbstoff; Solvent Green 3; Color Index 61565) der Firma Lanxess AG und 0,1 Gew.-% Macrolex Violett 3R (Anthrachinonfarbstoff; Solvent Violet 36; Color-Index- Nummer 61102) der Firma Lanxess AG. Das Polycarbonat weist eine Lichttransmission im VIS-Bereich des Spektrums (380 bis 780 nm) von ca. 0 % auf.
Substrat 3: Visuell nicht-transparente Platte aus Polycarbonat der Firma Covestro Deutschland
AG mit einer MVR von ca. 12 cm3/(10 min), gemessen bei 300 °C und 1,2 kg Belastung (gemäß ISO 1133-1 :2012-03); basierend auf Bisphenol A und terminiert mit Phenol. Das Material enthält 0,16 Gew.-% Ruß und weist eine Lichttransmission im VIS-Bereich des Spektrums (380 bis 780 nm) von 0 % auf.
Die Platten wurden im Spritzgussprozess erzeugt und wiesen eine Dicke von 4 mm auf.
Die Lichttransmission im VIS-Bereich des Spektrums (380 bis 780 nm, Transmissionsgrad TVis) der Platten wurde bestimmt nach DIN ISO 13468-2:2006 (D65, 10°, Schichtdicke der Musterplatte:
4 mm).
Der direkte solare Transmissionsgrad TDS des Substratmaterials wurde bei einer Schichtdicke von 4 mm nach ISO 13837:2008 bestimmt. Die Transmissionsmessungen wurden an einem Lambda 950 Spektralphotometer der Firma Perkin Elmer mit Photometerkugel durchgeführt. Alle Werte wurden bei einer Messung mit Wellenlängen von 320 nm bis einschließlich 2500 nm mit Δλ 5nm bestimmt.
Unter dem mittleren IR-Transmissionsgrad wird das arithmetische Mittel des Transmissionsgrades im Wellenlängenbereich von 780 bis 2500 nm verstanden, welcher bei einer Schichtdicke von 4 mm nach ISO 13468-2:2006 bestimmt wird.
Tabelle 2: Transmissionsdaten der Substratmaterialien
Selektive Oberflächenbehandlung mittels Excimer- Lampe
Die Nachhärtung wurde mit einer Excimer- Lampe (Xe-Lampe emittierte Wellenlänge 172 nm) mit unterschiedlichen Strahlendosen bedingt durch unterschiedliche Bestrahlungszeiten der beschichteten Substrate durchgeführt. Als Bestrahlungsanlage wurde die Laboranlage L-VUV-UV der Firma IOT verwendet.
Die Abrasion bzw. Kratzbeständigkeit der nicht bzw. mittels Excimer-Lampe nachbehandelten beschichteten Substrate 1 bis 3 wurde mittels dem Taber Abrasion Test gemäß der ASTM 1044 (Jahrgang 2008) durchgeführt. Die Verkratzung wurde je nachdem ob das Substrat transparent oder dunkel eingefärbt war über die Messung des Haze oder Glanzgrad vor und nach dem Taber Abrasion Test bestimmt.
Der Haze gemäß der ASTM 1003 (Jahrgang 2011) Norm gemessen. Der AHaze wird nach folgender Formel ermittelt:
AHaze = Haze (Ausgangswert)— Haze (Wert nach Taber)
Bei den nichttransparenten Platten wurde der Glanz gemessen. Der Glanzggrad wird gemäß der DIN EN ISO 2813 Norm bei einem Winkel von 20° gemessen. Der AGlanzgrad wird nach folgender Formel ermittelt:
.„, , Wert (nach Test)-Wert (vor Test) .
AGlanzgrad = J-x 100 %
σ Wert (vor Test)
Je kleiner der AHaze - bzw. Glanzgradwert ausfällt, desto beständiger ist die geprüfte Oberfläche gegenüber von außen induzierter Abrasion.
Tabelle 3: Schichtdicken der Schutzschicht a (vgl. Figur 2)
Bewitterung der Proben
Die beschichteten Platten wurden einem beschleunigtem Bewitterungstest in einem Atlas Ci 5000 Weatherometer mit einer Bestrahlungsstärke von 0,75 W/m2/nm bei 340 nm und einem Trocken- / Beregnungszyklus von 102 : 18 Minuten (im folgenden ASTM Gl 55 mod. genannt) unterzogen.
Die beschichteten Substrate wurden 2200 Stunden lang bewittert.
Die Bewertung der Proben nach Durchführung der Bewitterung gemäß der Methode ASTM G155 mod. erfolgte von 1 bis 3, wobei:
1 = keine Beschädigung der Beschichtung,
2 = leichte Beschädigung der Beschichtung in Form von Trübung oder leichte Rissbildung,
3 = starke Beschädigung der Beschichtung in Form von Rissbildung oder Enthärtung der Lackschicht bedeutet.
Erfindungsgemäßes Beispiel 1
Substrat 1 kombiniert mit Primerschicht a2 im Schichtdickenbereich von 1,8 bis 2,2 μιη und Siloxan-basierter Decklackschicht ai im Schichtdickenbereich von 5,5 bis 6,5 μιη. Anschließend erfolgte die Nachhärtung mittels Excimerlampe mit einer Wellenlänge von 172nm und unterschiedlichen Strahlendosen. Es wurde der AHaze nach 1000 Zyklen Taber Test bestimmt. Als Referenz diente die nicht bestrahlte Probe.
Erfindungsgemäßes Beispiel 2
Substrat 2 kombiniert mit Primerschicht a2 im Schichtdickenbereich von 1,8 bis 2,2 μιη und Siloxan-basierter Decklackschicht al im Schichtdickenbereich von 5,5 bis 6,5 μιη. Anschließend erfolgte die Nachhärtung mittels Excimerlampe mit einer Wellenlänge von 172nm und unterschiedlichen Strahlendosen. Es wurde der AGlanz nach 1000 Zyklen Taber Test bestimmt.
Strahlendosis (mJ/cm2) Δ Glanz Bewitterung (Note 1-3) keine Bestrahlung 4,9 1
700 2,5 1
1400 2,5 2
2200 2,4 3
Vergleichsbeispiel 3
Substrat 3 kombiniert mit Primerschicht a2 im Schichtdickenbereich von 1,8 bis 2,2 μιη und Siloxan-basierter Decklackschicht al im Schichtdickenbereich von 5,5 bis 6,5 μιη. Anschließend erfolgte die Nachhärtung mittels Excimerlampe mit einer Wellenlänge von 172nm und unterschiedlichen Strahlendosen. Es wurde der AGlanz nach 1000 Zyklen Taber Test bestimmt.
Erfindungsgemäßes Beispiel 4
Substrat 1 kombiniert mit Primerschicht a2 im Schichtdickenbereich von 2,6 bis 3,0 μιη und Siloxan-basierter Decklackschicht al im Schichtdickenbereich von 7,7 bis 9,0 μιη. Anschließend erfolgte die Nachhärtung mittels Excimerlampe mit einer Wellenlänge von 172nm und unterschiedlichen Strahlendosen. Es wurde der AHaze nach 1000 Zyklen Taber Test bestimmt.
Erfindungsgemäßes Beispiel 5
Substrat 2 kombiniert mit Primerschicht a.2 im Schichtdickenbereich von 2,6 bis 3,0 μιη und Siloxan-basierter Decklackschicht ai im Schichtdickenbereich von 7,7 bis 9,0 μιη. Anschließend erfolgte die Nachhärtung mittels Excimerlampe mit einer Wellenlänge von 172nm und unterschiedlichen Strahlendosen. Es wurde der AHaze nach 1000 Zyklen Taber Test bestimmt.
Strahlendosis (mJ/cm2) Δ Glanz Bewitterung (Note 1-3) keine Bestrahlung 4,1 1
700 2,0 1
1400 1,8 1
2200 1,3 3
Vergleichsbeispiel 6
Substrat 3 kombiniert mit Primerschicht a.2 im Schichtdickenbereich von 2,6 bis 3,0 μιη und Siloxan-basierter Decklackschicht ai im Schichtdickenbereich von 7,7 bis 9,0 μιη. Anschließend erfolgte die Nachhärtung mittels Excimerlampe mit einer Wellenlänge von 172nm und unterschiedlichen Strahlendosen. Es wurde der Δ-Glanz nach 1000 Zyklen Taber Test bestimmt.
Es ist deutlich ersichtlich, dass durch die Bestrahlung und Strahlendosis eine Reduzierung des Haze-Wertes nach 1000 Zyklen Taber bzw. des Glanzes unabhängig vom Substrat erreicht werden kann. Weiterhin wurde festgestellt, dass die Bewitterung in Abhängigkeit des TDS einen signifikanten Einfluss auf die Oberflächenqualität der Schutzschicht a im Gesamtaufbau hat. So zeigt sich, dass bei Aufbauten mit TDS von < 1% (Substrat 3) es zu einem verfrühten Ausfall in der Bewitterung kommt (Vergleichsbeispielen 3 und 6). Tendenziell ist dieser Effekt mit höherer Strahlendosis verstärkt aufgetreten. Aus diesem Ergebnis lässt sich ableiten, dass in Multilagenaufbauten, welche durch das Vorhandensein einer Schicht C im Aufbau Bereiche mit einem TDS < 1 % sowie Bereiche mit einem TDS >20 % aufweisen, eine selektive Oberflächenhärtung mittels Excimerstrahlung nur in den Bereichen mit einem TDS > 20% erfolgen sollte. Hierdurch ist gewährleistet, dass die Bereiche mit TDS < 1% nicht verfrüht bei einer Bewitterung ausfallen. D.h. bei Bauteilen, die beispielsweise einen Schwarzrand aufweisen, darf daher lediglich der Schichtaufbau a) und b) bestrahlt werden.