Verfahren und Vorrichtung zur Entgeltüberprüfung beim Trans¬ port von Postsendungen über eine elektronische Paketfachanlage
Beschreibung:
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Entgeltüberprüfung beim Transport von Sendungen (z.B. Paketsendungen, Warensen¬ dungen oder anderen Postsendungen) über eine elektronische Pa¬ ketfachanlage.
Die Erfindung betrifft ferner eine Vorrichtung zur Entgelt- Überprüfung beim Transport von Sendungen über eine elektroni¬ sche Paketfachanlage.
Neben der Verwendung von Schließfachanlagen für die Aufbewah¬ rung beispielsweise von Gepäckstücken oder Bankdokumenten ist die Verwendung spezifisch ausgestalteter Anlagen zur Zustel¬ lung und Abholung von Waren- oder Postsendungen bekannt . Der¬ artige elek-tronische Paketfachanlagen ermöglichen es, Sendun¬ gen durch einen Zusteller in einem verschließbaren Fach der Anlage zu deponieren, woraufhin der Empfänger der Sendung üb¬ licherweise über die Einlieferung informiert wird. Der Empfän¬ ger kann die Sendung daraufhin zu einem beliebigen Zeitpunkt aus der Anlage abholen, wozu ihm beispielsweise ein individu¬ eller Zugangscode übermittelt wird.
Elektronische Paketfachanlagen und zugehörige Verfahren haben den Vorteil, dass ein Kunde zur Lieferung einer Sendung nicht wie üblich an seiner Heimatadresse anwesend sein muss, sondern eine Sendung direkt oder nach einem vergeblichen Zustellver¬ such in einer Paketfachanlage deponiert werden kann. Dem Emp-
fänger wird somit bei einem vergeblichen Zustellversuch keine Benachrichtigung hinterlassen, mit welcher er die Sendung zu festen Öffnungszeiten einer Postfiliale abholen muss, sondern seine Flexibilität wird durch die Paketfachanlage erheblich erhöht.
Ein weiterer Vorteil elektronischer Paketfachanlagen ist es, dass die Anlagen auch zur Abgabe und zum Versand von Sendungen durch einen Kunden genutzt werden können. Bei den Sendungen kann es sich beispielsweise um Retourensendungen handeln, wel¬ che vom Empfänger über einen Transportdienstleister zurückge¬ sendet werden sollen. Möglich ist auch der Erstversand von Sendungen, welche ein Kunde in einer Paketfachanlage einstellt und die durch einen Dienstleister abgeholt und einem Empfänger zugestellt werden.
Zur Implementatierung einer Versandfunktion in eine elektroni¬ sche Paketfachanlage ist es vor allem erforderlich, eine kor¬ rekte Entgeltentrichtung oder -Überprüfung für die jeweilige Sendung zu gewährleisten. Dazu ist es beispielsweise bekannt, ähnlich wie an üblichen Schließfachanlagen, an Paketfachanla¬ gen Mittel zur Entgeltentrichtung wie Bargeldeinwürfe oder Kartenleser einzusetzen. Vorteilhaft ist ferner der Einsatz von Wertmarken wie Briefmarken oder anderer Marken mit einer gespeicherten Entgeltangäbe, mit welchen Kunden Sendungen ver¬ sehen und somit frankieren können. Derartige Wertmarken sind für den Kunden beispielsweise in Postfilialen, über das Inter¬ net oder an einer Paketfachanlage direkt erhältlich und werden von Kunden auf einer Paketsendung angebracht. Soll diese Sen- düng nicht in einer Postfiliale zum Versand abgegeben, sondern zur Abholung in einer Paketfachanlage eingestellt werden, be¬ steht der Bedarf nach einer effektiven Entgeltüberprüfung, da
an einer Paketfachanlage keine manuelle Überprüfung stattfin¬ den kann.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein Verfahren zur Entgelt- Überprüfung beim Transport von Postsendungen über eine Paket¬ fachanlage bereit zu stellen.
Aufgabe der Erfindung ist es ferner, eine Paketfachanlage zur Durchführung des Verfahrens bereitzustellen.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen des unabhängigen Anspruchs 1 und eine Vorrichtung mit den Merkmalen des unabhängigen Anspruchs 5 gelöst . Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens ergeben sich aus den Unteransprüchen 2-4 und 6.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Entgeltüberprüfung beim Transport von Postsendungen über eine elektronische Paketfach¬ anlage sieht vor, dass mehrere einmalige Identcodes in einem Speichermittel in Verbindung mit einer Vorrichtung zur Ausgabe von Entgeltmarken gespeichert werden. Ein Identcode aus dem Speichermittel wird vergeben und der Identcode wird in einem Verarbeitungsmittel der Vorrichtung einer Entgeltmarke zuge¬ ordnet. Die Vorrichtung gibt eine Entgeltmarke aus, welche we- nigstens den vergebenen Identcode aufweist. Ergänzend kann die Entgeltmarke die Adresse des Absenders und/oder eine Empfän¬ geradresse aufweisen. Bei der Vorrichtung zur Erstellung und zum Verkauf von Entgeltmarken kann es sich um eine Paketfach¬ anlage oder einen eigenständigen Verkaufsautomaten handeln. In dem dargestellten besonders bevorzugten Ausführungsbeispiel ist die Vorrichtung in eine Paketfachanlage 10 integriert, so dass an der Anlage Entgeltmarken gekauft werden können, die
direkt oder zeitverzögert zur Einstellung von Sendungen in die Anlage verwendet werden können.
Erfindungsgemäß ist der Identcode im Speichermittel durch we- nigstens zwei Statusanzeigen 1 und 2 gekennzeichnet, von denen die erste Statusanzeige 1 angibt, dass eine Entgeltmarke mit diesem Identcode gedruckt wurde und die zweite Statusanzeige 2 angibt, dass keine Entgeltmarke mit diesem Identcode gedruckt wurde. Die Statusanzeige eines Identcodes im Speichermittel ist zweckmäßigerweise beim Start des Verfahrens auf 2 gesetzt. Die Statusanzeige eines Identcodes wird auf 1 gesetzt, nachdem von der Vorrichtung eine Entgeltmarke mit dem vergebenen I- dentcode ausgegeben wurde. Die Statusanzeige eines Identcodes wird auf 2 zurückgesetzt, wenn der Identcode einer Entgeltmar- ke an einer Paketfachanlage erfasst und die zugehörige Post¬ sendung in die Paketfachanlage eingestellt wird.
Wünscht ein Kunde den Versand einer Postsendung über eine Pa¬ ketfachanlage, wird der Identcode einer Entgeltmarke auf der Postsendung an der Paketfachanlage erfasst und mit den Ident¬ codes und den zugehörigen Statusanzeigen im Speichermittel verglichen. Dabei löst ein erfasster Identcode, der nicht im Speichermittel gespeichert oder dessen Statusanzeige 2 ist, ein Signal aus. Das Signal steuert eine Funktion der Paket- fachanlage an, durch welche beispielsweise die Verweigerung der Annahme der Postsendung mit dem erfassten Identcode veran- lasst wird. Das Signal kann ferner eine Funktion der Paket¬ fachanlage ansteuern, welche die Speicherung der Kundendaten des Kunden veranlasst, der die Postsendung einstellen will.
Die Vorrichtung zur Ausgabe von Entgeltmarken ist vorzugsweise ebenfalls eine elektronische Paketfachanlage. Es kann sich je¬ doch auch um einen eigenständigen Verkaufsautomaten zur Ausga-
be von Entgeltmarken handeln, welcher in Verbindung mit dem Speichermittel steht, das wiederum mit einer oder mehreren Pa¬ ketfachanlagen verbunden ist .
Die Erfindung umfasst ferner eine Paketfachanlage zur Durch¬ führung des Verfahrens . Die Paketfachanlage weist dazu in Ver¬ bindung mit der Vorrichtung ein Speichermittel zum Speichern von Identcodes und zugehörigen Statusanzeigen auf. Sie umfasst ferner Erfassungsmittel zur Erfassung des Identcodes einer Entgeltmarke auf einer Postsendung und Verarbeitungsmittel zum Verändern der Statusanzeige eines Identcodes, wenn der Ident- code einer Entgeltmarke an einer Paketfachanlage erfasst und die zugehörige Postsendung in die Paketfachanlage eingestellt wird (Setzen der Statusanzeige von 1 auf 2) , beziehungsweise der Identcode ausgegeben wird (Setzen der Statusanzeige von 2 auf 1) . Die Vorrichtung weist Verarbeitungsmittel zur Durch¬ führung eines Vergleichs eines an einer Paketfachanlage er- fassten Identcodes mit gespeicherten Identcodes im Speicher¬ mittel und Mittel zur Erzeugung eines Signals für den Fall auf, dass der erfasste Identcode nicht im Speichermittel ge¬ speichert ist oder die Statusanzeige des Identcodes auf 2 steht.
Das Speichermittel kann sich innerhalb der Vorrichtung oder örtlich entfernt von der Vorrichtung befinden, wobei es perma¬ nent oder temporär mit der Vorrichtung in Verbindung steht.
Das erfindungsgemäße Verfahren und die zugehörige Paketfachan¬ lage weisen verschiedene Vorteile auf. Ein wesentlicher Vor- teil ist, dass eine effektive Entgeltüberprüfung stattfinden kann, welche das Erkennen verschiedener Betrugsfälle ermög¬ licht. Zum einen kann der Fall erkannt werden, dass Entgelt¬ marken mit falschen Identcodes verwendet werden, welche nicht
für die Erstellung von Entgeltmarken generiert wurden. Die Si¬ cherheit kann dadurch erhöht werden, dass keine durchgehenden Identcode-Kreise im Speichermittel zur Vergabe hinterlegt wer¬ den, sondern beispielsweise mehrere Gruppen oder unterbrochene Reihen. So lässt sich die Wahrscheinlichkeit eines zufälligen Treffers ausreichend reduzieren.
Zum anderen kann der Betrugsfall erkannt werden, dass eine Entgeltmarke mit einem Identcode mehrfach für einen Versand eingesetzt wird, da die Statusanzeige eines derartigen Codes auf 2 steht und in diesem Fall vorzugsweise eine Annahme der Sendung verweigert wird. Es werden somit nur Entgeltmarken mit Identcodes angenommen, deren Statusanzeige 1 ist, da es sich nur dabei um verkaufte, aber noch nicht verwendete Entgeltmar- ken handelt .
Übliche Verfahren zur Entgeltüberprüfung beschränken sich auf die nachträgliche Überprüfung eines Entgelts, nachdem eine Postsendung bereits in den Versandprozess aufgenommen wurde. Das erfindungsgemäße Verfahren hat in Verbindung mit einer Pa¬ ketfachanlage den Vorteil, dass die Überprüfung eines Entgel¬ tes bereits vor Annahme der Postsendung erfolgen kann, so dass die Möglichkeit besteht, die Annahme beispielsweise zu verhin¬ dern. Dasselbe Verfahren kann ferner zur Vereinfachung der ma- nuellen Entgeltüberprüfung eingesetzt werden, wenn die Über¬ prüfung der Gültigkeit der Marke durch einen Mitarbeiter bei¬ spielsweise mit Hilfe eines Handscanners durchgeführt wird.
Weitere Vorteile, Besonderheiten und zweckmäßige Weiterbildun- gen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen und der nachfolgenden Darstellung eines bevorzugten Ausführungsbei¬ spiels anhand der Fig. 1.
In Fig. 1 ist ein besonders bevorzugtes Ausführungsbeispiel einer Paketfachanlage 10 zur Durchführung des erfindungsgemä- ßen Verfahrens dargestellt. Die Paketfachanlage weist vorzugs¬ weise mehrere Fächer zum Einstellen von Sendungen durch einen Kunden und/oder einen Zusteller auf und beinhaltet eine Steu¬ ereinheit. Die Steuereinheit umfasst beispielsweise Mittel zur Erfassung einer Kundenidentifikation, wobei Kundenkarten ein¬ gelesen werden, ein Kunde auf einer Tastatur oder einem Touch- screen Identifikationsangaben eingibt oder sich über andere Identifikationsverfahren (z.B. biometrische Verfahren, Identi¬ fikation via Mobiltelefone oder andere digitale Kommunikati¬ onsgeräte) identifiziert. Zweckmäßig sind ferner Anzeigemittel wie ein Bildschirm, über welchen ein Menüdialog mit dem Kunden geführt werden kann. Eine erfolgreiche Identifikation des Kun- den gibt den Zugriff auf verschiedene Menüfunktionen frei, zu denen auch die Einstellung einer Sendung für den Versand zäh¬ len kann.
In Verbindung mit der Steuereinheit steht ein Speichermittel 30, in welchem wenigstens die für die Ausgabe von Entgeltmar¬ ken 40 zu vergebenen Identcodes 20 gespeichert sind. Dabei kann sich das Speichermittel innerhalb der Paketfachanlage oder örtlich entfernt von dieser befinden. Da es sich als zweckmäßig erwiesen hat, in einem Gesamtsystem mehrere Paket- fachanlagen einzusetzen und diese zentral zu verwalten, befin¬ det sich das Speichermittel vorzugsweise entfernt von der Pa¬ ketfachanlage in einer zentralen Datenverarbeitungseinheit . Es kann jedoch auch vorteilhaft sein, jede Paketfachanlage mit jeweils einem Speichermittel zur Speicherung von Identcodes auszustatten, so dass die Erfindung beide Ausführungsformen beinhaltet .
Die Identcodes weisen wenigstens zwei Statusanzeigen 1 und 2 auf, von denen die erste Statusanzeige 1 angibt, dass eine Entgeltmarke mit diesem Identcode gedruckt wurde und die zwei¬ te Statusanzeige 2 angibt, dass keine Entgeltmarke mit diesem Identcode gedruckt wurde. Beim Start des Verfahrens sind die Statusanzeigen aller Identcodes vorzugsweise auf 2 gesetzt, da noch keine Entgeltmarke erstellt und verkauft wurde. Die Sta¬ tusanzeige eines Identcodes wird auf 1 gesetzt, nachdem von der Vorrichtung eine Entgeltmarke mit dem vergebenen Identcode ausgegeben wurde. Wird der Identcode einer Entgeltmarke an ei¬ ner Paketfachanlage erfasst und die zugehörige Postsendung 60 in die Paketfachanlage eingestellt, wird die Statusanzeige ei¬ nes Identcodes wieder auf 2 zurückgesetzt und der Identcode kann erneut vergeben werden, wobei dies sofort oder nach einem beliebig zu definierenden zeitlichen Latenzintervall geschehen kann.
Die Paketfachanlage weist ferner ein Verarbeitungsmittel 50 auf, in dem die Identcodes zu Entgeltmarken zugeordnet werden, welche über die Anlage ausgedruckt und verkauft werden. Das
Verarbeitungsmittel dient ferner zum Vergleich eines an der Anlage erfassten Identcodes mit den gespeicherten Identcodes. Zur Erfassung eines Identcodes sind Erfassungsmittel 70 vorge¬ sehen, bei denen es sich beispielweise um einen Barcodescanner handeln kann. Wünscht ein Kunde die Einstellung einer Pa¬ ketSendung in die Paketfachanlage für den Versand, wird der Identcode 20 der zugehörigen Entgeltmarke 40 eingescannt und im Verarbeitungsmittel 50 ein Vergleich durchgeführt. Bei Auf¬ gabe einer Sendung an einem Postschalter oder einer anderen bemannten Aufgabestation wird ebenfalls der Identcode über ein vorzugsweise mobiles Erfassungsmittel 70 eingescannt und in einem Verarbeitungsmittel oder einem separaten Anzeigemittel
angezeigt, dass der erfasste Identcode ungültig ist. In diesem Fall kann die Annahme der Sendung ebenfalls verweigert werden.
Zum Einen wird bei dem Vergleich im Verarbeitungsmittel über- prüft, ob der erfasste Identcode zu den durch das Speichermit¬ tel vergebenen Identcodes gehört. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich um einen falschen Identcode, der für einen Be¬ trugsfall steht. Handelt es sich zum anderen um einen zwar vergebenen Identcode, dessen Statusanzeige jedoch auf 2 steht, wird dies ebenfalls als Betrugsfall erkannt, da mit diesem I- dentcode keine unbenutzte Entgeltmarke im Verkehr ist. In bei¬ den Fällen löst das Verarbeitungsmittel 50 ein Signal aus.
Das von dem Verarbeitungsmittel 50 ausgelöste Signal kann eine Funktion der Paketfachanlage ansteuern, welche vorzugsweise die Verweigerung der Annnahme der Paketsendung veranlasst. Dies kann beispielsweise eine Mitteilung auf einem Display beinhalten, dass eine Sendung nicht angenommen werden kann. In einem besonders bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung werden die Kundendaten des Kunden, welche bei seiner Identifi¬ kation an der Paketfachanlage erfasst und zugeordnet wurden, gespeichert.
Da es für Entgeltmarken vorzugsweise die Möglichkeit gibt, diese über Filialen, das Internet, Verkaufsautomaten oder di¬ rekt an elektronischen Paketfachanlagen zu erwerben, ist es vorteilhaft, für alle Vertriebswege eine Entgeltüberprüfung zu gewährleisten. Werden im Speichermittel 30 alle vergebenen I- dentcodes des Gesamtsystems gespeichert, können bei der Ein- Stellung einer Paketsendung in einer Paketfachanlage alle ver¬ kauften Entgeltmarken überprüft werden. In einer weiteren Aus¬ führungsform der Erfindung wird der Kreis der zu prüfenden I- dentcodes eingeschränkt und nur Entgeltmarken bestimmter Ver-
triebswege überprüft. Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass ein Vergleich ausschließlich mit Identcodes erfolgt, wel¬ che über eine elektronische Paketfachanlage erstellt und ver¬ kauft wurden. Dadurch lässt sich der Aufwand im Hinblick auf die Pflege von Datenbanken und die Vorgänge zur Überprüfung an der Paketfachanlage erheblich reduzieren.
Bezugszeichenliste:
10 Paketfachanlage 11 Vorrichtung zur Ausgabe von Entgeltmarken
20 Identcode
30 Speichermittel
40 Entgeltmarke
50 Verarbeitungsmittel 60 Postsendung
70 Erfassungsmittel