Beschreibung
Navigationssystem und Verfahren zur Bestimmung der Position eines Fahrzeugs innerhalb eines dreidimensionalen Straßennet- zes
Die Erfindung betrifft ein Kraftfahrzeugnavigationssystem mit Mitteln zur Bestimmung einer Fahrzeugposition durch Satelli¬ tennavigation und/oder Koppelnavigation, Landkartendaten ei- nes Straßennetzes, Mitteln zur Zuordnung einer Fahrzeugposi¬ tion zu einer Straße des Straßennetzes und Mitteln zur Ausga¬ be von Fahrhinweisen anhand einer aktuellen Fahrzeugposition und der berechneten Route. Weiterhin betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Bestimmung der Position eines Kraftfahr- zeugs innerhalb eines dreidimensionalen Straßennetzes.
Navigationssysteme und Verfahren zur Bestimmung der Position eines Kraftfahrzeugs sind bekannt und werden kommerziell ein¬ gesetzt. Entsprechende Navigationssysteme werden beispiels- weise von einem Tochterunternehmen der Patentanmelderin unter der Bezeichnung "VDO DAYTON" vertrieben. Bei diesen Navigati¬ onssystemen gibt der Benutzer den gewünschten Zielort über eine Eingabeeinrichtung ein oder wählt den Zielort aus einer Liste aus. Der Startort wird von den Systemen in der Regel automatisch bestimmt und zwar anhand von Signalen eines Sa¬ tellitenortungssystems. Anhand von digitalen Landkartendaten erfolgt die Berechnung einer Route zwischen dem Startort und dem Zielort nach bekannten Rechenalgorithmen. Zur Bestimmung der stets aktuellen Fahrzeugposition während der Fahrt kann die Satellitennavigation herangezogen werden. Zusätzlich oder alternativ kann die Fahrzeugposition durch Koppelnavigation bestimmt werden. Bei letzterer werden in bekannter Weise die zurückgelegte Fahrstrecke und Richtungsänderungen des Fahr-
zeugs ausgewertet. Eine durch Satellitennavigation und/oder Koppelnavigation ermittelte Fahrzeugposition ist jedoch mit gewissen Fehlern behaftet, so dass die so ermittelte Fahr¬ zeugposition nicht zwangsläufig auf einer Straße eines Stra- ßennetzes liegt. Durch ein so genanntes Map-Matching-Verfah- ren wird der durch Satellitennavigation und/oder Koppelnavi¬ gation ermittelten Fahrzeugposition daher eine Position auf einer Straße des Straßennetzes zugeordnet. Die entsprechenden Algorithmen sind erprobt und haben sich in der Praxis be- währt.
Dennoch kann es in der Praxis bei bestimmten Straßenverläufen zu Fehlern bei der Zuordnung der Fahrzeugposition zu einer Straße des Straßennetzes kommen. Eine derartige Situation tritt beispielsweise dann auf, wenn Straßen in verschiedenen Ebenen übereinander verlaufen. Bei herkömmlichen Fahrzeugna- vigationssytemen, die lediglich eine zweidimensionale Positi¬ onsbestimmung aufweisen, kann in solch komplexen Straßennet¬ zen die Fahrzeugposition nicht exakt bestimmt werden. Zur Verbesserung der Positionsbestimmung ist daher eine Informa¬ tion über die aktuelle Höhenlage des Fahrzeugs erforderlich. Diese kann grundsätzlich durch die Satellitennavigation be¬ stimmt werden. Nachteilig ist dabei jedoch die recht geringe Genauigkeit. Insbesondere in Großstädten, in denen die zuvor geschilderten komplexen Straßennetze vorwiegend auftreten, kann der Empfang der Satellitennavigationssignale durch Ab¬ schattung behindert oder unmöglich sein.
Als eine Alternative zur Bestimmung der Höhenlage bietet sich der Einsatz eines barometrischen Höhenmessers an. Derartige Geräte sind jedoch teuer und hinsichtlich der nur geringen Höhenunterschiede von in verschiedenen Ebenen verlaufenden Straßen auch zu ungenau.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein Kraftfahrzeugnaviga¬ tionssystem und ein Verfahren zur Bestimmung der Position ei¬ nes Kraftfahrzeugs derart weiterzubilden, dass die Position eines Kraftfahrzeugs auf einer Straße auch bei in verschiede- nen Ebenen verlaufenden Straßen bestimmt wird und die hier¬ durch verursachten Zusatzkosten jedoch gering gehalten wer¬ den.
Die Aufgabe wird bei einem gattungsgemäßen Kraftfahrzeugnavi- gationssystem erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass das Kraft¬ fahrzeugnavigationssystem weiterhin Mittel zur Bestimmung ei¬ ner relativen Änderung der geographischen Höhe während einer Fahrt enthält und die Zuordnung der Fahrzeugposition zu einer Straße des Straßennetzes unter Heranziehung der Änderung der relativen Höhe oder einer daraus abgeleiteten absoluten geo¬ graphischen Höhe erfolgt. Bei einem erfindungsgemäßen Verfah¬ ren zur Bestimmung der Position eines Kraftfahrzeugs inner¬ halb eines dreidimensionalen Straßennetzes erfolgt die Aus¬ wertung von durch Satellitennavigation und/oder Koppelnaviga- tion erhaltenen zweidimensionalen Positionsdaten sowie durch Auswertung von relativen Änderungen der geographischen Höhe des Fahrzeugs während einer Fahrt, wobei die Änderung der geographischen Höhe anhand eines Fahrzeugzustands bestimmt wird.
Von dem Erfinder wurde erkannt, dass für den Einsatz in Fahr¬ zeugnavigationssystemen die Bestimmung relativer Höhenlagen völlig ausreichend ist. Die Bestimmung einer absoluten Höhen¬ lage ist nicht zwingend erforderlich. So ist es völlig aus- reichend, wenn beispielsweise bekannt ist, dass das Fahrzeug zum gegenwärtigen Zeitpunkt 10 m höher fährt als vor 1 000 m oder einer Minute. Diese relative Höheninformation wird im
Rahmen des Map-Matching verwendet, um das aktuell befahrene Straßensegment zu ermitteln.
Es kann insbesondere vorgesehen sein, dass an mindestens ei- ner Fahrzeugposition die ermittelte Änderung der relativen
Höhe unter Verwendung einer absoluten geographischen Höhe ka¬ libriert wird. Nach einer solchen Kalibrierung kann unter Verwendung der Information über die relative Höhenänderung der Fahrzeugposition stets auch die absolute geographische Höhe ermittelt werden.
Die Kalibrierung kann unter Verwendung von empfangenen Satel¬ litennavigationsdaten durchgeführt werden. Insbesondere ist dann vorgesehen, dass die Kalibrierung nur dann durchgeführt wird, wenn die Qualität der empfangenen Satellitennavigati¬ onsdaten einen vorgegebenen Grenzwert überschreitet. Bei aus¬ reichend gutem Empfang der Satellitennavigationssignale, wie er beispielsweise außerhalb geschlossener Ortschaften bei ge¬ ringer Abschattung auftritt, kann die Genauigkeit der aus den Satellitennavigationssignalen abgeleiteten Höheninformation hierfür ausreichend sein.
Zusätzlich oder alternativ kann die Kalibrierung auch unter Verwendung von absoluten Höhenangaben der Landkartendaten er- folgen. Eine solche Kalibrierung kann beispielsweise dann durchgeführt werden, wenn das Fahrzeug einen charakteristi¬ schen Punkt, wie zum Beispiel eine Kreuzung oder einen Abbie¬ gepunkt erreicht. An einem Abbiegepunkt ist die Position des Fahrzeugs mit hoher Genauigkeit bekannt. Über die Höhenangabe in den Landkartendaten kann dann mit hoher Genauigkeit eine Kalibrierung der Höheninformation erfolgen.
Zur Bestimmung der relativen Änderung der Höhe kann ein Nei¬ gungswinkelsensor eingesetzt werden. Neigungswinkelsensoren sind vergleichsweise preiswert und dennoch für den vorgesehe¬ nen Zweck völlig ausreichend. Der Neigungswinkelsensor kann zusätzlich im Fahrzeug eingebaut werden. Alternativ ist je¬ doch die Mitbenutzung der Daten eines bereits für andere Fahrzeugkomponenten vorhandenen Neigungswinkelsensors mög¬ lich. Zu erwähnen sind insbesondere der Neigungswinkelsensor für eine Scheinwerferniveauregulierung oder eine Alarmanlage. Bei Verwendung eines Neigungswinkelsensors wird zur Bestim¬ mung einer Veränderung der Höhenlage über eine bestimmte ge¬ fahrene Strecke der Sinus des Neigungswinkels über die gefah¬ rene Strecke integriert. Die Länge der gefahrenen Strecke wird aus dem bereits im Fahrzeugnavigationssystem verwendeten Tachometer- oder Odometersignal ermittelt.
Außer durch ein Befahren von Steigungs- und/oder Gefällstre¬ cken kann sich die Neigung des Kraftfahrzeugs auch durch Än¬ derung der Beladung verändern. Änderungen der Neigungen des Kraftfahrzeugs durch Änderung der Beladung erfolgen jedoch ausschließlich bei Stillstand des Fahrzeugs. Änderungen des Ausgangssignals des Neigungswinkelsensors bei stehendem Fahr¬ zeug können daher zur Verbesserung der Genauigkeit kompen¬ siert werden.
Zur Bestimmung der relativen Höhenlage können jedoch auch an¬ dere Sensoren oder Sensorkombinationen eingesetzt werden, wie beispielsweise Beschleunigungssensoren.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann außer in einem Navigati¬ onssystem auch in anderen Systemen eingesetzt werden, die ei¬ ne genaue Positionsbestimmung erfordern, insbesondere in ei¬ nem System zur Mauterfassung.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbei¬ spiels und der Zeichnung näher erläutert. Die einzige Figur zeigt ein Blockschaltbild eines erfindungsgemäßen Navigati¬ onssystems .
Zentraler Bestandteil des Navigationssystems ist die Rechen¬ einheit (CPU) 1, die auch die erforderlichen Speicherelemente enthält. Mit der CPU 1 ist eine Bedieneinheit 2 verbunden, über die beispielsweise der Zielort eingegeben oder ausge- wählt werden kann. Die Bedieneinheit 2 kann im gleichen Ge¬ häuse wie die CPU 1 untergebracht sein, jedoch kann die Be¬ dieneinheit 2 auch als Fernbedienung ausgebildet sein, die mit der CPU 1 beispielsweise über eine optische Schnittstelle oder eine Funkschnittstelle in Verbindung steht.
Mit der CPU 1 ist eine optische Ausgabeeinheit 3 verbunden, über die eine Kartendatendarstellung und Zielführungsinforma¬ tionen sowie sonstige Informationen ausgegeben werden können. Die Zielführungsinformationen können weiterhin über einen Lautsprecher 4 akustisch ausgegeben werden.
Die CPU 1 ist ferner mit einer Datenbank 5 verbunden, die die Landkartendaten enthält. Diese Daten sind beispielsweise auf einer CD-ROM oder einer DVD abgespeichert. In diesem Fall enthält das Navigationssystem ein CD-ROM oder ein DVD-Lauf¬ werk, das mit der CPU 1 verbunden ist. Andere bekannte Spei¬ chermittel, wie eine Festplatte oder eine Speicherkarte, kön¬ nen ebenfalls zum Einsatz kommen.
Anhand der Landkartendaten kann von der CPU 1 bei gegebenem
Start- und Zielort in bekannter Weise eine Berechnung der op¬ timalen Route durchgeführt werden, die dann über die optische Ausgabeeinheit 3 ausgegeben werden kann.
Zur Bestimmung der aktuellen Fahrzeugposition enthält das Na¬ vigationssystem ferner einen Empfänger 6 zum Empfang von Sa¬ tellitennavigationssignalen. Um eine von Satelliten unabhän¬ gige Positionsbestimmung durchführen zu können, enthält das Navigationssystem ferner einen Richtungssensor 7 und einen Wegsensor 8, die ebenfalls mit der CPU 1 verbunden sind, so dass mit Hilfe eines geeigneten Computerprogramms mit diesem Signal eine Positionsbestimmung möglich ist.
Weiterhin kann die CPU 1 zusätzlich mit einem Rundfunkempfän¬ ger verbunden sein, der zum Empfang von RDS-TMC-Signalen aus¬ gebildet ist. Somit können empfangene Verkehrsinformationen vom Rundfunkempfänger 9 an die CPU 1 weitergeleitet und zur Berücksichtigung bei der Routenberechnung herangezogen wer- den. Alternativ können Verkehrsinformationen auch über ein
Mobilfunkgerät, insbesondere nach dem GSM-Standard, empfangen und an die Recheneinheit weitergeleitet werden.
Abweichend von dem gezeigten Navigationssystem können die Landkartendaten auch mittels einer Mobilfunkverbindung von einer zentralen Servicestelle in das Fahrzeug übertragen wer¬ den. In diesem Falle kann ein Lesegerät für ein Speichermedi¬ um mit den Landkartendaten im Fahrzeug entfallen. Auch die Routenberechnung kann außerhalb des Fahrzeugs erfolgen.
Mit der CPU 1 ist weiterhin ein Neigungswinkelsensor 9 ver¬ bunden. Aus den Signalen des Neigungswinkelsensors 9 wird in der CPU 1 eine relative Änderung der Höhenlage des Fahrzeugs berechnet. Zur Bestimmung einer Veränderung der Höhenlage ü- ber eine bestimmte gefahrene Strecke wird der Sinus des Nei¬ gungswinkels des Fahrzeugs über die gefahrene Strecke integ¬ riert. Die Information über die gefahrene Strecke wird dabei von dem Wegsensor 8 zur Verfügung gestellt.
Die Position des Fahrzeugs wird von der CPU 1 unter Verwen¬ dung des Signals des Empfängers 6 zum Empfang von Satelliten¬ navigationssignalen mittels Satellitennavigation und unter Verwendung der Signale des Richtungssensors 7 und des Wegsen- sors 8 mittels Koppelnavigation ermittelt. Mittels der zudem ermittelten relativen Höheninformation und eines MAP- Matching-Verfahrens kann nun die Position des Fahrzeugs auf einer Straße auch dann genau ermittelt werden, wenn mehrere Straßen in verschiedenen Ebenen verlaufen.
Die Bestimmung der Position des Fahrzeugs innerhalb eines 3- dimensionalen Straßennetzes kann dann insbesondere durch fol¬ gende Verfahrensschritte erfolgen:
- Bestimmen einer ersten geographischen Position des Fahr¬ zeugs durch Satellitennavigation und/oder Koppelnavigati¬ on,
- Bestimmen einer ersten relativen geographischen Höhenin¬ formation des Kraftfahrzeugs an der ersten Position des Kraftfahrzeugs,
- Bestimmen einer zweiten geographischen Position des Fahr¬ zeugs durch Satellitennavigation und/oder Koppelnavigati¬ on,
- Bestimmen einer zweiten relativen geographischen Höhenin- formation des Kraftfahrzeugs an der zweiten Position des
Kraftfahrzeugs,
- Bestimmen einer aktuellen Fahrzeugposition auf einer Straße durch Vergleich der durch Satellitennavigation und/oder Koppelnavigation bestimmten geographischen Po- sitionen des Fahrzeugs mit Höheninformationen enthalten¬ den Straßenkartendaten unter Berücksichtigung der relati¬ ven geographischen Höheninformationen.
Zur Ermittlung der relativen Höhenposition wird diese bei¬ spielsweise zu Beginn der Fahrt auf Null gesetzt und in der zuvor beschriebenen Weise unter Auswertung der Signale des Neigungswinkelsensors 9 und des Wegsensors 8 die relative Hö- henlage fortlaufend ermittelt. Somit kann beispielsweise festgestellt werden, dass das Fahrzeug zum aktuellen Zeit¬ punkt sich 10 m höher befindet als vor 500 m. Diese Informa¬ tion wird beim Map-Matching verwendet. War die Zuordnung des Fahrzeugs zu einer Straße bei der um 500 m zurückliegenden Position des Fahrzeugs noch eindeutig, so kann zwischenzeit¬ lich beispielsweise eine Straßenverzweigung derart vorhanden sein, dass eine Fahrspur der Straße auf gleicher Höhe weiter verläuft, während eine zweite Fahrspur einer ansteigenden Rampe zu einer höher liegenden Ebene folgt. Unter Auswertung der Höhenlage kann nun im Map-Matching-Verfahren genau unter¬ schieden werden, auf welcher Ebene sich das Fahrzeug befin¬ det. Mit dem erfindungsgemäßen Navigationssystem ist daher auch bei komplizierten Straßenführungen in verschiedenen Ebe¬ nen eine eindeutige Positionierung möglich.