THERMOPLASTISCHE SCHAUMSTOFFE MIT NANOSTRUKTURIERTEN FÜLLSTOFFEN UND VERFAHREN ZU IHRER HERSTELLUNG
Die Erfindung betrifft physikalisch expandierte thermoplastische Schaumstoffe aus einer Polymermatrix und darin eingelagerten feinteihgen Füllstoffen 5 und mit einer Dichte zwischen 8 und 350 g/1 sowie ein Verfahren zu ihrer Herstellung, bei dem ein thermoplastisches Polymer in Form eines Granulats zusammen mit feinteihgen Füllstoffen einem Extruder zugeführt und zu einem Polymer-Compound extrudiert werden, wobei das Compound gleichzeitig oder danach mittels physikalischer Treibmittel aufgeschäumt und zu Schaumpartikeln, 10 einer Schaumplatte oder einer Schaumfolie extrudiert wird.
Es ist bekannt, daß Polyolefin-Schaumstoffpartikel im Autoklav- oder Extrusionsverfahren hergestellt werden. Beim Autoklawerfahren werden in einem Druckbehälter aus Mikrogranulat und unter Zugabe von Treibmitteln zumeist sphärische, geschlossenzellige Schaumpartikel mit einem Durchmesser
15 von etwa 2 - 10 mm hergestellt. Im Extrusionsverfahren wird das Polymer über Zugabe physikalischer Treibmittel in die Polymerschmelze am Düsenausgang expandiert und zu nahezu sphärischen oder zylindrischen Schaumpartikeln abgeschlagen. Die Formteilherstellung aus den Schaumpartikeln erfolgt im Formteilprozeß über die Verschweißung mittels Heißdampf. Ferner sind
20 Verfahren bekannt, bei denen Halbzeuge oder Formteile aus Polyolefinschaum- stoffen direkt im Extrusions- oder Spritzgießverfahren durch Zugabe chemischer und/oder physikalischer Treibmittel hergestellt werden. Die Modifizierung der Eigenschaften von Formteilen aus Partikelschaumstoffen oder von direkt geschäumten Formteilen, die in der Regel weichelastisch sind und eine Dichte von
25 15 - 150 g/1 aufweisen, wird durch ihre konstruktive Auslegung, die Wahl der Materialdichte oder die Kombination mit Füllstoffen, Deckschichten oder Einlegeteilen erreicht. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Bildung eines Werkstoffverbundes durch Umschäumen, Hinterschäumen oder nachträgliches Kaschieren der Schaumstoffteile.
Aus DE-A-43 12 517 und DE-A-195 44 451 ist die Kombination eines Schaumstoffteils mit einer Verstärkungsmatte, einem Gewebe oder einem Vlies zum Herabsetzen der Rißempfindlichkeit des Formteils bekannt.
Aus EP-A-1 077 127 ist ein Verbundwerkstoff auf Basis einer Naturfasermatte bekannt, die mit schäumbaren und/oder härtbaren Stoffen durchsetzt ist.
Gemäß DE- A- 196 41 944 werden zur Verbesserung der Energieabsorption stäbchenförmige Elemente in das Schaumformteil integriert, um so die Steifigkeit und das Energieabsorptionsvermögen je nach Anwendungsfall zu optimieren.
In DE-A-33 45 408 und DE-A-44 32 082 sind Formteile aus Schaum- elementen verschiedener Dichte beschrieben, deren Eigenschaften in Abhängigkeit von der Dichte verändert werden können.
Der Einsatz von Nanopartikeln, also Teilchen mit einer mittleren Teilchengröße im Nanometerbereich, zur Verstärkung von Schaumstoffen wird in WO 00/37242 beschrieben, wobei von direkt geschäumten sprödharten Schaum- stof -Formteilen mit Dichten von mehr als 320 g/1 ausgegangen wird. Die Verbesserung der Anbindung von Nanopartikeln an Polymere durch Einsatz modifizierter Schichtsilikate zur Herstellung nanoverstärkter Thermoplaste und Formteile wird in WO 01/96459 beschrieben. Zur Modifizierung der Eigenschaften polymerer Bauteile wird in DE-A-198 15 632 die Herstellung von Polymerformteilen mit darin enthaltenen Hohlstrukturen in Form von Nano- kanälen beschrieben.
Die Herstellung von Leichtschaumstofformteilen mit gezielter Abstimmung auf gewünschte Anforderungen wie erhöhte Festigkeit, bessere Wärmeformbeständigkeit oder Modifizierungen zur Verbesserung der flammhemmenden Wirkung erfordern meist weitere Prozeßschritte, wie die Zugabe von Additiven und Hilfsstoffen, die Kaschierung mit Deckschichten oder das Umschäumen von Einlegeteilen, was mit erheblichen Kosten und Aufwand verbunden ist. Weitere Nachteile sind die Instabilität des Herstellungsverfahrens sowie eine häufig unzureichende Haftung der Komponenten des Werkstoffverbundes. Der Einsatz
von Zusatzstoffen wie Verstärkungsfasern im Millimeter- oder Mikrometerbereich ist mit einer Schädigung der Zellwände und einem unerwünschten Eindringen der Fasern in die Schaumstruktur verbunden. Der Einsatz von Additiven, beispielsweise Flammschutzmitteln, kann ebenfalls eine Beeinträchtigung der Schaum- Struktur und der mechanischen Eigenschaften des Verbundes zur Folge haben.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, physikalisch expandierte thermoplastische Schaumstoffe mit niedriger Dichte sowie ein Verfahren zu ihrer Herstellung bereitzustellen, die einfach und kostengünstig herstellbar sind, ohne daß die Füllstoffe die Zellwände und damit die Schaumstruktur schädigen und damit die mechanische Festigkeit beeinträchtigen können.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß bei physikalisch expandierten thermoplastischen Schaumstoffen der eingangs genannten Gattung dadurch gelöst, daß die Schaumstoffe 0,001 - 40 Masseprozent Nanopartikel als Füllstoffe enthalten.
Die Nanopartikel der erfindungsgemäßen Schaumstoffe werden in den Zellwänden eingelagert, ohne daß dabei die Zellwände geschädigt würden. Dadurch können die Werkstoffeigenschaften der erfindungsgemäßen Schaumstoffe infolge der auftretenden Grenzflächeninteraktionen gezielt beeinflußt werden. Da die mittlere Teilchengröße der Nanopartikel kleiner ist als die Dicke der Zellwände des Schaumstoffs, wird die Wirkung von Grenzflächeneffekten verstärkt. Aufgrund der kleinen Teilchengrößen wird eine große innere Oberfläche in das Polymer eingebracht, wodurch die feinverteilte Füllstoffphase und deren Grenzflächeneigenschaften schon bei geringen Füllgraden Wirkung zeigen. Hierdurch können nanoverstärkte bzw. nanogefüllte Schaumstoffe mit gezielten Eigenschaften, beispielsweise verbesserten mechanischen, optischen, antibio- tischen, schmutzabweisenden oder flammhemmenden Eigenschaften hergestellt werden. Die flammhemmende Wirkung beispielsweise wird durch die deutlich größere Oberfläche der Nanopartikel mit flammhemmenden Eigenschaften im Vergleich zu üblichen Partikelgrößen deutlich erhöht.
Als Nanopartikel werden vorzugsweise nanostrukturierte Füllstoffe verwendet. Hierunter sind Nanopartikel zu verstehen, die eine besondere äußere Form besitzen, wie z.B. Nanofasern, Nanoigel, Nanoröhrchen (Nanotubes), aber auch Schichtungen von Nanopartikeln und solche Nanopartikel, deren Oberfläche durch Erhöhungen oder Vertiefungen, Narben, Poren oder besondere Strukturmerkmale, wie z.B. eine Lotusblatt-förmige Oberfläche, modifiziert ist.
Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind die Nanopartikel ganz oder teilweise beschichtet, beispielsweise mit Salzen, Ionen oder anderen geladenen oder ungeladenen Teilchen, um ihre oberflächenaktiven Eigenschaften gezielt zu verändern.
Die Nanopartikel sind vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe der Pigmente, Ruße, Graphite, keramischen Materialien wie Zinkoxid, Titandioxid, Aluminiumoxid, Aluminiumhydroxid, Glimmer, Silikate, Tone, Tonerden und deren Additionsverbindungen, insbesondere Hydraten. Auch metallische Nanopartikel können eingesetzt werden. Die Nanopartikel können aus einem einzigen der genannten Materialien bestehen, aber es können auch Nanopartikel auf Basis unterschiedlicher Materialien eingesetzt werden.
Durch zusätzliche Grenzflächeneffekte bilden insbesondere anorganische nanostrukturierte Füllstoffe in einer organischen Polymermatrix Verstärkungs- netzwerke aus. Die nanostrukturierten Füllstoffe können durch Orientierung innerhalb der Zellwände zweidimensionale Netzwerke bilden und so die mechanischen Eigenschaften der erfindungsgemäßen Schaumstoffe, insbesondere deren Reißfestigkeit, verbessern. Dies ist bei den bekannten Schaumstoffen hoher Dichte, wie sie in dem eingangs zitierten Stand der Technik beschrieben sind, nicht möglich, weil die Zellwände dort deutlich dicker sind. Ein Grund dafür sind die Gasblaseneinlagerungen, die bei dem üblichen Thermoplastschaumguß- verfahren entstehen. Nanostrukturierte Füllstoffe können auch die Nukleierung der Schaumbildung und/oder der Kristallisation bewirken und nanozelluläre Schaumstoffe initiieren.
Besonders bevorzugt werden Nanopartikel mit flammhemmenden Eigenschaften, mit UV-absorbierenden Eigenschaften, mit antibiotischen Eigenschaften und/oder mit schmutzabweisenden Eigenschaften eingesetzt.
Wie in allen Festkörpern, relaxiert auch in den Körnern nanokristalliner Feststoffe und in Nanopartikeln die Kristallstruktur in der Nähe von Grenzflächen bzw. Oberflächen. Bei nanokristallinen Materialien mit großen Volumanteilen der grenzflächennahen Bereiche spielen diese Effekte, anders als bei grobkristallinen Stoffen, eine entscheidende Rolle. Beispielsweise bewirken Nanocarbonfasern oder Nanotubes eine Verbesserung der mechanischen Eigenschaften schon bei geringen Füllgraden. Füllstoffe wie Aluminiumhydroxid oder synthetischer Glimmer sind in Form von Nanopartikeln flammhemmender als bei üblichen Körnungen. Nanopartikel aus Zinkoxid schützen vor UV-Strahlung und Ruß erhöht die Lebensdauer der Schaumstoffe.
Mittels nanostrukturierter Füllstoffe können höhere Füllgrade realisiert werden, ohne daß durch die Füllstoffe die mechanischen Eigenschaften des
Schaumstoffes negativ beeinflußt werden, da ein Aufplatzen der Zellwände während der Schaumbildung vermieden wird. Der Einsatz von nanostrukturierten
Füllstoffen führt somit zu einer deutlich geschlossenzelligeren Struktur.
Die Nanopartikel besitzen Oberflächen von einigen Hundert m Ig. Diese Eigenschaften können auch zur Verbesserung der Farbgebung der Schaumstoffe ausgenutzt werden. Zusätzlich können die Nanopartikel mit einem Haftvermittler modifiziert werden, um die Haftung zwischen den Füllstoffteilchen und der Polymermatrix zu verbessern. Ein Haftvermittler kann auch dem Gemisch aus Polymergranulat und Nanopartikeln zugegeben werden. Als Haftvermittler werden Tenside, Silane oder Anhydride wie Maleinsäureanhydrid bevorzugt.
Als Polymermatrix werden vorzugsweise Polyolefine oder Gemische von Polyolefinen verwendet, besonders bevorzugt Polypropylen und/oder Polyethylen.
Das erfindungsgemäße Verfahren der eingangs genannten Gattung ist dadurch gekennzeichnet, daß als Füllstoffe Nanopartikel in einer Menge von 0,001 - 40
Masseprozent verwendet werden, wobei Füllstoffe und Polymergranulat vorzugsweise vorgemischt werden.
Die Einarbeitung der Nanopartikel in die im Extruder gebildete Polymerschmelze kann über verschiedene Verfahren, beispielsweise in einem Einwellen-, Zweiwellen- oder Planetwalzenextruder, aber auch in einem Kneter, erfolgen. Die Mischung und Einstellung der Füllstoffanteile kann zunächst über manuelles Vormischen oder über eine direkte Zudosierung der Nanopartikel im Verarbeitungsprozeß erreicht werden. Aufgrund der kleinen Teilchengrößen erfolgt keine Schädigung der Teilchen durch Scherbeanspruchung beim Compoundieren und den anschließenden Prozessen zur Weiterverarbeitung und Ausbildung der Schaumstruktur. Das Compound aus Polymermatrix und Nanopartikeln kann dann zunächst granuliert oder direkt zu Schaumstoffen in Form von Folien, Platten oder Profilen extrudiert werden.
Die Nanopartikel können durch direkte Zugabe physikalischer Treibmittel zu Schaumstoffen wie geschäumten Halbzeugen, vorzugsweise XPP (Polypropylenschaumfolien), Formteilen oder Schaumstoffpartikel, vorzugsweise EPP (expandierter Polypropylenpartikelschaum), EPS (expandiertes Polystyrol) oder EPE (expandierter Polyethylenpartikelschaum) weiterverarbeitet werden. Die Herstellung der direkt geschäumten Produkte erfolgt im Extrusionsprozeß unter Einsatz entsprechend formgebender Werkzeuge.
Eine Variante ist die Herstellung von Mikrogranulat aus dem Polymer- compound und das Aufschäumen der Granulatkörner zu Schaumstoffpartikeln im Autoklavprozeß, die im anschließenden Formteilprozeß mit Heißdampf zu Formteilen verschweißt werden. Eine andere Variante ist das Aufschäumen des Compounds im Extrusionsverfahren durch Zugabe physikalischer Treibmittel. Die am Düsenausgang expandierende Polymerschmelze wird direkt zu Schaumpartikeln abgeschlagen. Die Fertigung von Schaumstofformteilen erfolgt ebenfalls im Formteilprozeß über die Verschweißung mittels Heißdampf. Eine weitere Variante ist das Direktschäumen von Halbzeugen oder Formteilen im Extru-
sionsprozeß durch Einsatz physikalischer Treibmittel und über ein entsprechendes Extrusionswerkzeug.
Allen Varianten gemeinsam ist die Ausbildung einer Zellstruktur mit Zellwanddicken im Mikrometer- oder Nanometerbereich. Die feindisperse Verteilung der Nanopartikel in der Polymermatrix und die Tatsache, daß die Partikelgrößen der Nanopartikel kleiner sind als die Zellwanddicke der Schaumstoffe, bewirken eine gleichmäßige Verteilung der Nanopartikel in den Zellwänden, ohne daß Füllstoffpartikel in die Schaumzellen eindringen oder sich aus der Polymermatrix lösen. Auch bei geknickten Zellwänden, im Falle der Belastung der Schaumstoffe, ergeben sich keine Beeinträchtigungen.
Eine unerwünschte Agglomeration der Nanopartikel während der Verarbeitung wird durch geeignete Beschichtung der Partikel verhindert oder mindestens stark unterdrückt.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Beispiele weiter erläutert:
Beispiel 1
Polypropylengranulat und ein nanostrukturierter Füllstoff aus Tonerde (Aluminiumoxid) und/oder Schichtsilikat (Montmorillonit) werden über Dosiereinrichtungen einem Extruder zugeführt. Im Extrusionsprozeß werden die Füllstoffpartikel feindispers in der Polymermatrix verteilt. Online oder in einem zweiten Extrusionsprozeß wird durch die Zugabe physikalischer Treibmittel ein Aufschäumen des Polymercompounds erreicht. Die am Düsenausgang expandierende Polymerschmelze wird mittels rotierender Messer zu Schaumpartikeln abgeschlagen. Die Füllstoffpartikel sind in den Zellwänden der Schaumstoffpartikel verteilt. In einem anschließenden Formteilprozeß werden auf herkömm- liehe Weise Formteile durch Verschweißung der Schaumstofφartikel (Beads) mittels Heißdampf hergestellt.
Beispiel 2
Wie in Beispiel 1 beschrieben, wird ein Polymercompound aus Polypropylengranulat und nanostrukturierten Füllstoffen extrudiert und aufgeschäumt. An einer Flachschlitzdüse oder einer Kreisringdüse expandiert die Polymerschmelze durch den Druckabfall zu einer Schaumplatte oder einer Schaumfolie. Die Platten oder Folien können anschließend in einem Thermoformierprozeß zu Formteilen weiterverarbeitet werden.