ZWEILAGIGES GURTBAND
Die Erfindung betrifft ein zweilagiges Gurtband, insbesondere für einen wenigstens teilweise aufblasbaren Sicherheitsgurt.
Aus der DE-PS 2 008 048 ist ein Gurt bekannt, der als Schlauch ausgebildet ist und mit einer eingenähten Reißfalte so gestaltet ist, daß diese bei einer Kollision durch vom Gurt ausgeübte Zugkräfte aufreißt und das Öffnen eines damit gekoppelten Ventils das Aufblasen des Schlauchgurtes bewirkt. Die hier beschriebene lokale Einschränkung eines aufblasbaren Gurtteiles entspricht nicht mehr den heutigen Schutzbedürfnissen und ist für einen zweckmäßigen Schutz des Oberkörpers eines Fahrzeugpassagiers unzureichend.
Aus der US-PS 4,348,037 von Law ist eine Sicherheitsgurtvorrichtung bekannt, bei der durch eine sogenannte Klettverbindung an der gewünschten Stelle im Brust- oder Schoßbereich eines herkömmlichen Sicherheitsgurtes ein aufplatzbarer Schlauch anbringbar ist, der einen gefalteten Airbag enthält. Die hier beschriebene Vorrichtung hat zwei entscheidende große Nachteile. Erstens ist der den Airbagteil enthaltende Schlauch relativ einfach vom Sicherheitsgurt lösbar. Das hat zur Folge, daß im Kollisionsfall keinesfalls garantiert ist, daß der Schlauch sich dort befindet, wo er den Passagier schützen soll. Der zweite große Nachteil besteht darin, daß die per Klettverschluß zusammengehaltene Sicherheitsgurt/Luftsackgurt- Kombination extrem stark aufträgt und damit praktisch in keinem Aufrollmechanismus unterzubringen ist.
Es sind als Gurtschlauch ausgebildete, einen Luftsack enthaltende Sicherheitsgurtsysteme bekannt, bei denen zwei Gurtlagen zwischen sich gefaltetes Luftsackgewebe enthalten. Naturgemäß trägt eine derartige Konstruktion gegenüber herkömmlichen "zweidimensionalen" Sicherheitsgurten immer auf, auch wenn die Ausführung des Gurtbandes wenig Höhe aufweist. Beim Umlenken bzw. auch Aufrollen eines derartigen Bandes entsteht eine Relativbewegung des von der Umlenk- bzw. Aufwickelachse ferner liegenden Schlauchgurtbandabschnitts gegen den zur Aufroll- oder Aufwickelachse näheren Gurtbandabschnitt, so daß es zu Stauchungen und daraus resultierenden Knitterungen kommt. Dies verschlechtert den Gurt und daraus resultierend den Tragekomfort des Sicherheitsgurtes derartiger Konstruktion.
Es ist nun eine Aufgabe der Erfindung, ein zweitägiges Gurtband vorzuschlagen, bei dem die aus dem Stand der Technik bekannten Nachteile vermieden oder zumindest verringert werden.
Die Aufgabe wird gelöst mit einem zweilagigen Gurtband gemäß Anspruch 1. Aufgrund der Kombination einer Gurtbandlage aus in Gurtbandlängsrichtung elastischem Material kann beim Aufwickeln störende Relativbewegung der Gurtbandlagen zueinander problemlos kompensiert werden. Der Sicherheitsgurt bleibt immer straff, aber doch geschmeidig und glatt.
Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung besteht darin, daß die elastische Lage aus einem Gestrick oder aus einem mit elastischem oder texturierten Kettfäden gewebten Material gestaltet wird. Damit können u.a. die einzelnen Komponenten einzeln auf herkömmliche Art und Weise kostengünstig hergestellt und dann zusammenmontiert werden. Der mit dem Gurtband integriert angeordnete Schlauch für einen Luftsack ist unlösbar mit dem Sicherheitsgurt verbunden und befindet sich immer an dem Ort, an dem er gebraucht wird.
Die erfindungsgemäße Weiterbildung gemäß Anspruch 2 hat den Vorteil, daß die obere und die untere Lage, die beispielsweise per Verbindungsnaht fest miteinander verbunden sind, einen vorzugsweise gewebten Luftsack in sich tragen, der bei Explosion des Gurtbandes entlang einer Sollbruchlinie zur Entfaltung kommen kann. Hierbei ist es beabsichtigt, den Sicherheitsgurt mit dem erfindungsgemäßen Gurtband so anzuordnen, daß die in Gurtbandlängsrichtung mittig angeordnete Sollbruchlinie vom Körper des zu schützenden Passagiers wegweist.
In einer anderen erfindungsgemäßen, vorteilhaften Weiterbildung gemäß Anspruch 3 wird die Explosion des mit dem erfindungsgemäßen Gurtband geschaffenen Sicherheitsgurtes über eine
entlang einer der beiden Kanten laufende lösbare Verbindung geführt, so daß sich dadurch eine seitliche Aufreißnaht ergibt, über die sich der explodierende Airbag entfalten kann.
In einer weiteren vorteilhaften Ausführung der Erfindung gemäß Anspruch 4 werden die obere und die untere Lage gewebt. Dabei wird die obere Weblage in einem mittleren Bereich mit bestimmten Kettfäden hergestellt, die aus elastischem oder texturiertem Material bestehen. Besonders vorteilhaft an dieser Ausführungsform ist, daß neben dem mittleren Bereich der beiden Lagen jeweils anschließende Randbereiche angeordnet sind, deren Kettfäden wesentlich feiner sind, als die bestimmten Kettfäden der mittleren Bereiche. Hierbei wird vorteilhafterweise angestrebt, auch den oder die Schußfaden/Schußfäden wesentlich feiner, etwa gleich dem Feinheitsgrad der Kettfäden der Randbereiche, auszuführen. Damit ergibt sich in den Randbereichen bereits ein Airbaggewebe.
In einer vorteilhaften Weiterbildung des eben genannten Ausführungsbeispiels sind wenigstens zwischen den Randbereichen und dem mittleren Bereich der unteren Weblage einige Kettfäden angeordnet, deren Feinheit etwa halb so groß ist wie die Feinheit der bestimmten Kettfaden. Dadurch ergeben sich nach dem Einfalten der Randbereiche in den Zwischenraum zwischen die obere und die untere Weblage des zuvor beschriebenen Ausführungsbeispiels - dort werden die Randbereiche selbstverständlich ebenfalls immer zwischen die obere und untere Weblage eingefaltet - eine weiche Kante, die besonders vorteilhaft für die Handhabung und auch das Verschleißverhalten des Gurtbandes gegenüber den Textilien des Passagiers sind.
Die Ausführungsform gemäß Anspruch 6 bzw. die darin beanspruchten Feinheiten der Kett- /Schußfäden hat sich als besonders vorteilhaft dargestellt für das Herstellungs- sowie für das Trage- und Komfortverhalten des Gurtbandes.
Weitere vorteilhafte Merkmale sind den Unteransprüchen zu entnehmen.
Die Erfindung wird im folgenden anhand von Ausführungsbeispielen im Zusammenhang mit einer Zeichnung näher beschrieben.
Figur 1 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Gurtbandes schematisch in einer Schnittdarstellung.
Figur 2 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel der Erfindung schematisch in einer
Schnittdarstellung, bei dem die obere Lage des Gurtbandes eine Sollbruchlinie aufweist.
Figur 3 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel der Erfindung schemtatisch im Schnitt, bei der im Bereich der Seitenkante der mittleren Bereiche der oberen und unteren Lage eine lösbare Verbindung zwischen oberer und unterer Lage angeordnet ist.
Figur 4 zeigt ein weitere Ausführungsform der Erfindung schematisch im Querschnitt, bei der den mittleren Bereichen der oberen und unteren Weblage jeweils Randbereiche seitlich angegliedert sind.
Figur 5 zeigt das Gurtband von Figur 4 nach dem Einfalten der Randbereiche zwischen den oberen und unteren mittleren Bereich.
Figur 6 zeigt eine vorteilhafte Weiterbildung der Darstellung von Figur 4 mit zwischen
Randbereichen und mittleren Bereichen angeordneten Kettfaden mit gegenüber den bestimmten Kettfäden halber Feinheit, schematisch im Schnitt.
Figur 1 zeigt eine obere Lage OL und eine untere Lage UWL. Die parallel zu einander verlaufenden Lagen des Gurtbandes G haben etwa die Breite eines herkömmlichen Sicherheits-Gurtbandes und sind im Bereich ihrer Kanten mittels Fäden N miteinander verbunden. Wird nun das hier gezeigte zweitägige Gurtband um eine parallel zu den Lagen verlaufende Achse WA umgelenkt oder gar aufgewickelt, kann die obere Lage OL leicht gedehnt werden, so daß dadurch eine Relativbewegung zwischen oberer Lage und unterer Lage kompensiert werden kann. Dies ist möglich, da das Material der oberen Lage aus einem in Gurtbandlängsrichtung elastischen Material besteht.
Figur 2 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel der Erfindung mit einer unteren Weblage UWL, über der eine obere Lage OL mit einer mittig angeordneten Sollbruchlinie RN angeordnet ist. Wiederum ist die Mittelachse WA dargestellt, um die das Gurtband G entsprechend dem angegebenen Pfeil gewickelt oder umgelenkt werden soll. In der Ausführungsform nach Figur 2 ist zwischen der oberen Lage OL und der unteren Weblage UWL ein eingefalteter Luftsack LS dargestellt. Hierbei soll die (zum besseren Verständnis übrigens in allen Figuren dieser Beschreibung extrem übertriebene vergrößerte) Darstellung der einzelnen Bestandteile wenigstens qualitativ Dickenunterschiede erkennen lassen. So sind die Wandstärken der oberen Lage OL sowie der unteren Weblage UWL wesentlich dicker als die Wandstärke des Luftsackes LS. Man erkennt in der Mitte der oberen Lage OL eine als Dickenschwächung angedeutete Sollbruchlinie RN, in deren Bereich die obere Lage OL des Gurtbandes G bei der Explosion aufreißen soll. Der zwischen den Lagen angeordnete, nur an der unteren Lage UWL an den beiden mit N bezeichneten Orten fest verbundene Luftsack SL kann (nach der Darstellung von Figur 2 nach oben) expandieren. Die rechts und links im Bereich der Kanten der oberen Lage OL bzw. der unteren Lage UWL angeordneten Fäden N halten die beiden Lagen des Gurtbandes fest zusammen. Auch in Figur 2 ist die Wickelachse WA und ein gebogener Pfeil zum Andeuten der Wickelrichtung des Gurtbandes G dargestellt. Wie in allen Ausführungsbeispielen des erfindungsgemäßen Gurtbandes ist jeweils die obere Lage OL die gegenüber der unteren Lage UWL elastischere Lage, die beim Aufwickeln die äußere Position mit dem jeweils größeren Wickelumfang übernehmen soll. Die in Figur 2 aus Vereinfachungsgründen gewählte Faltanordnung des Luftsackgewebes etwa in der Form des Buchstabens Z ist willkürlich gewählt: hier können vom Fachmann jeweils zweckmäßig erscheinende andere Faltmuster gewählt werden.
Figur 3 zeigt ein dem Ausfuhrungsbeispiel von Figur 2 ähnliches Gurtband, bei dem die obere Lage jedoch keine Sollbruchlinie aufweist. Stattdessen ist der Verbindungsfaden der rechten Kante ersetzt durch einen Aufreißfaden AN, der bei Explosion des Luftsackgurtes reißt, so daß sich der Luftsack bei der Explosion im wesentlichen (in der Darstellung nach Figur 3) nach rechts entwickelt. Um die Versorgung des erfindungsgemäßen Gurtbandes mit Explosionsgas etwas zu veranschaulichen, ist im mittleren Bereich des Gurtbandes eine im Schnitt dargestellte Schlauchlanze SL angeordnet, die sich im Inneren des gefalteten Luftsak- kes LS befindet und diesen im Kollisionsfall mit Explosionsgas versorgt.
Figur 4 zeigt ist eine weitere vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung, bei der die gesamte Gurtbandanordnung als zweilagiges, an den Rändern geschlossenes Gewebe in einem Stück auf einer Nadelband- oder Jacquardwebmaschine hergestellt ist. Die Darstellung nach
Figur 4 zeigt das erfindungsgemäße Gurtband nach dem Weben, jedoch vor dem Einsatzzustand als Luftsackgurt. Man erkennt eine obere Weblage OWL mit einem oberen mittleren Bereich OMB und dazu benachbarte seitliche Randbereiche RB, die webmäßig mit Randbereichen RB der unteren Weblage UWL verbunden sind, die wiederum zwischen sich den unteren Mittelbereich UMB der unteren Weblage UWL einschließen. Der Schuß läuft über die gesamte Breite, also RB/OMB(UMB)/RB und zurück. Diese Anordnung der beiden Lagen des erfindungsgemäßen Gurtbandes ist extrem kostengünstig in einem Webvorgang herzustellen, wobei erfindungsgemäß für die verschiedenen Bereiche unterschiedliche Kettfadenstärken und -qualitäten gewählt werden. So ist beispielsweise das Kettfadenmaterial des unteren mittleren Bereiches UMB der unteren Weblage UWL bei sämtlichen Ausführungsbeispielen der Erfindung etwa gleich. Die Kettfäden des mittleren Bereiches UMB der unteren Weblage UWL haben die Gesamtbruchlast eines herkömmlichen Gurtbandes. Die hier verwendeten Kettfäden des oberen mittleren Bereiches OMB sind aus elastischem Material.
Figur 5 zeigt das Gurtband nach Figur 4 nach dem Einfalten oder Einstülpen der Randbereiche RB zwischen die mittleren Bereiche OMB und UMB der beiden Lagen wie gezeigt. Es ergibt sich mit dieser Faltung gemäß Figur 5 ein Luftsack LS, dessen Wandung sich aus den mittleren Bereichen OMB und UMB der beiden Lagen sowie aus den vier Randbereichen (zwei mal zwei Randbereiche) der beiden Lagen UWL und OWL ergibt.
Figur 6 zeigt eine vorteilhafte Weiterbildung der Ausfuhrungsform nach den Figuren 4 und 5, bei der in der unteren Lage UWL zwischen den Randbereichen RB und dem mittleren Bereich UMB einige Kettfäden KK angeordnet sind, deren Feinheit etwa halb so groß ist wie die Feinheit der bestimmten Kettfäden MUK. Die Kettfäden der Randbereiche RB sind mit RK bezeichnet. Die hier dargestellten Kettfäden KK sind jeweils seitlich des unteren mittleren Bereiches als drei schwarze Punkte angegeben. Diese sind nur symbolisch als Platzhalter für eine dem Fachmann als günstig erscheinende Anzahl "mitteldicker" Kettfäden für die schlußendlich entstehenden Randbereiche des Sicherheitsgurtes zur Schaffung einer weichen, handhabungsfreundlichen Kante gedacht.