Beschreibung
Meßvorrichtung, Kernresonanztomograph, Meßverfahren und
Bildgebungsverfahren
Die Erfindung betrifft eine Meßvorrichtung mit wenigstens einem Erfassungsmittel für die Aufnahme von Meßsignalen und mit einem Transfor ationsmittel zum Transformieren der Meßsignale in digitale Meßdaten.
Die Erfindung bezieht sich insbesondere auf Meßvorrichtungen, mit denen sich ein Bildgebungsverfahren durchführen läßt. Bei einem Bildgebungsverfahren handelt es sich um ein Verfahren, bei dem aus Meßsignalen wenigstens ein Bild erzeugt wird. Bei dem Bildgebungsverfahren werden üblicherweise aufgenommene Rohdaten durch eine geeignete Transformation, insbesondere eine zwei- oder dreidimensionale Fourier-Transformation, in eine gewünschte Bildinformation umgewandelt.
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren, bei dem
Meßsignale erfaßt und in digitale Meßdaten transformiert werden und ein Bildgebungsverfahren. Insbesondere bezieht sich die Erfindung auf einen Kernresonanztomographen.
Die Kernresonanzspektroskopie (Nuclear Magnetic Resonance - NMR) wird dazu eingesetzt, eine spektroskopische Information über eine Substanz zu erhalten. Eine Kombination der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie mit Techniken der Kernresonanz-Bildgebung (Magnetic Resonance Imaging - MRI) - Technik ergibt ein räumliches Bild der chemischen Zusammensetzung der Substanz.
Insbesondere in der medizinischen Forschung besteht ein Bedürfnis, Informationen über die Gehirnaktivität oder im weiteren Sinne Informationen über Blutfluß oder
Deoxyhämoglobinkonzentrationsänderungen in menschlichen und ti-£xi.sohen Organen zu erlangen. Die neuronale Aktivierung äußert sich in einer Zunahme des Blutflusses in aktivierten -Gehirnarealen, wobei es zu einer Abnahme der Blut- Deoxyhämoglobinkonzentration kommt. Deoxyhämoglobin (DOH) ist ein .paramagnetischer Stoff, welcher die Magnetfeldhomogenität verringert und- damit die T2 *-Signalrelaxation beschleunigt.
Angeregt werden in erster Linie die Protonen des
Wasserstoffes im Wasser.
Eine Lokalisation von Gehirnaktivität wird ermöglicht, indem eine Untersuchung mit funktionalen Bildgebungsmethoden angewendet wird, .welche die Änderung der NMR-Signalrelaxation mit einer Zeitverzögerung (Echozeit) messen. Dies wird auch als sus.zeptibilit.ät-sempfindliche Messung bezeichnet. Der biologische Wirkmechanismus ist in der Literatur unter dem Namen BOLD-E ekt (Blood Oxygen Level Dependent - Effekt) bekannt und führt bei suszeptibilitätsempfindlichen magnetischen Resonanzmessungen bei einer Feldstärke eines statischen Magnetfeldes von zum Beispiel 1, 5 Tesla bis zu ca. 10%igen Bildhelligkeitsmodulationen in aktivierten Hirnregionen. Anstelle des mit dem endogenen Kontrastmittel DOH detektierten Wirkmechanismus können auch andere Wirkmechanismen treten, die mittels exogener Kontrastmittel Suszeptibilitätsänderungen hervorrufen.
Eine schnelle Magnetresonanz-Bildgebung (Magnetic Resonance Imagxng - MRI) und Magnetresonanzspektroskopie (Magnetic Resonance Spectroscopy - MRS) machen es möglich, den BOLD- Effekt in vivo in Abhängigkeit von Ak xvierungszuständen des Gehirns zu untersuchen, siehe: S. Posse et. al.: Functional Magnetic Resonance Studies of Brain Activation; Seminars in Clinical Neuropsychiatry, Vol. 1, No 1, 1996; S. 76-88.
Durch NMR-Bildgebungsmethoden werden Schichten oder Volumina
selektiert, die unter dem geeigneten Einstrahlen von Hochfreguenzimpulsen und dem Anlegen von magnetischen Gradientenfeldern ein Meßsignal liefern, welches digitalisiert und in einem zwei- oder dreidimensionalen Feld im Meßcomputer gespeichert wird.
Aus den au genommenen Rohdaten wird durch eine zwei- oder dreidimensionale Fourier-Transformation die gewünschte Bildinformation in Pixeln, beziehungsweise Voxeln, gewonnen (rekonstruiert) . Ein rekonstruiertes Schichtbild besteht aus Pixeln (= picture element = Bildelement), ein Volumendatensatz aus Voxeln (= volume element = Volumenelement). Ein Pixel ist ein zweidimensionales Bildelement, beispielsweise ein Quadrat.
Das Bild ist aus den Pixeln zusammengesetzt. Ein Voxel ist ein dreidimensionales Volumenelement, beispielsweise ein Quader, der - meßtechnisch bedingt - keine scharfen Grenzen aufweist. Die Abmessungen eines Pixels liegen üblicherweise in der Größenordnung von 1 nur, die eines Voxels in der Größenordnung von 1 nm2. Die Geometrien und Ausdehnungen können variabel sein.
Durch Vergleich des mittels funktionaler Bildgebung gemessenen Signalverlaufs in jedem Pixel mit dem zeitlichen Verlauf einer Modellfunktion, kann eine stimulus-spezifische neuronale Aktivierung detektiert und räumlich lokalisiert werden. Ein Stimulus kann zum Beispiel ein somatosensorischer, akustischer, visueller oder olfaktorischer Reiz sowie eine mentale oder motorische
Aufgabe sein. Die Modellfunktion, beziehungsweise die Modell- Zeitreihe, beschreibt die erwartete Signaländerung des magnetischen Resonanzsignals infolge neuronaler Aktivierung. Diese können zum Beispiel mittels empirischer Regeln aus dem Paradigma des jeweiligen Experimentes abgeleitet werden.
Wesentlich ist, eine zeitliche Verzögerung der Modellfunktion gegenüber dem Paradigma zu berücksichtigen ( träge Reaktion des Blutflusses auf neuronale Aktivierung) .
Es ist bereits bekannt , wie Gehirnaktivierung durch .Aktivierungsbilder dargestellt werden kann, die aus kernspint omo raphischen Daten gewonnen wurden. Die Berechnung und Wiedergabe der Aktivierungsbilder ist sogar in Echtzeit möglich, das heißt , ein Datensatz kann in ein Bild umgesetzt werden, bevor der nächste Datensatz gemessen wird . Der zeitliche Abstand beträgt dabei typischerweise 1 bis 3 Sekunden .
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde , eine gattungs gemäße Meßvorrichtung so auszugestalten, daß sie sich zur Erfassung von verschiedenen Meßsignalen mit einer möglichst hohen Auflösung eignet .
Erfindungs gemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß das Erfassungsmittel und/oder das Trans formationsmittel so gestaltet ist , daß es zu verschiedenen Zeiten und/oder an verschiedenen Orten Meßsignale mit einer unterschiedlichen Auflösung erfaßt und/oder unters chiedlich transformiert .
Eine besonders wirksame Auswahl der Meßdaten läßt sich dadurch erzielen, daß die Meßvorrichtung so ausgestaltet ist, daß sie mindestens eine Steuereinheit zur Steuerung des Erfassungsmittels und/oder des Transiormationsmittels enthält .
Bei der Steuereinheit kann es sich beispielsweise um einen Computer oder um ein Bestandteil eines Computers handeln. Der Begriff ^Computer" ist in keiner Weise einschränkend zu verstehen. Es kann sich hierbei um eine beliebige zur Durchführung von Berechnungen geeignete Einheit handeln,
beispielsweise eine Workstation, einen Personalcomputer, einen Mikrocomputer oder eine zur Durchführung von Berechnungen geeignete Schaltung.
Eine besonders vorteilhafte Ausführungsform der Meßvorrichtung zeichnet sich dadurch aus, daß sie mindestens eine Speichereinheit aufweist, wobei die Speichereinheit nfαrmationen zur veränderlichen Trans ormation der Meßsignale in die Meßdaten enthält.
Der Begriff „Speichereinheit" ist in einer allgemeinen Bedeutung gemeint. Es kommt nicht auf die Ausführungsform der Speichereinheit an, da es lediglich erforderlich ist, Werte zu speichern. Beispielsweise weist die Speichereinheit geeignete Speicherzellen auf, wie sie vorzugsweise aus der Halbleitertechnologie als statische, dynamische oder nichtfluchtige Speicher bekannt sind.
Gegenstand der Erfindung ist ferner, ein gattungsgemäßes Verfahren so durchzuführen, daß zu verschiedenen Zeiten und/oder an verschiedenen Orten Meßsignale mit einer unterschiedlichen Auflösung erfaßt werden und/oder unterschiedlich transformiert werden.
Es ist besonders vorteilhaft, das Verfahren so durchzuführen, daß die Meßsignale in einem Ausmaß, das mindestens einem Modell entspricht, unterschiedlich erfaßt und/oder unterschiedlich transformiert werden.
Das Modell beschreibt einen tatsächlichen Verlauf der
Meßsignale oder einen erwarteten Verlauf der Meßsignale oder eine Kombination aus einem erwarteten Verlauf der Meßsignale und einem tatsächlichen Verlauf der Meßsignale . Beispielsweise handelt es sich um eine Modellfunktion, die einem Meßsignal ein Ausmaß zuordnet, in dem es in die
Meßdaten transformiert wird. Eine direkte Berechnung des Ausmaßes ist jedoch nicht erforderlich, da es auch auf eine geeignete Weise approximiert oder durch eine, besonders .vorteilhaften Werten entsprechende 'Tabelle ersetzt werden kann.
Das Modell gibt beispielsweise das Ausmaß an, in dem die Meßsignale gespeichert und/oder in die digitalen Meßdaten umgewandelt werden.
Es ist gleichfalls zweckmäßig, daß das Modell die Auflösung bestimmt, mit denen die Meßsignaie erfaßt werden.
Eine zweckmäßige Ausführungsform des Verfahrens zeichnet sich dadurch aus, daß das Modell vor der Messung festgelegt wird.
Eine andere, gleichfalls vorteilhafte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens zeichnet sich dadurch aus, daß das Modell während der Messung verändert wird.
Eine weitere Verbesserung der Meßempfindlichkeit läßt sich dadurch erzielen, daß das Modell ausgehend von einem vorher festgelegten Startmodell verändert wird.
Dies erfolgt beispielsweise dadurch, daß die Auflösung , mit der Signale erfaßt und/oder umgewandelt werden, zeitlich und/oder örtlich variiert.
Besonders vorteilhaft ist es, eine Kompression der Meßsignale und/oder der Meßdaten durchzuführen. Der Ko pressionsfaktor kann über die Messung variieren. Eine derartige Variation ist insbesondere bei Meßreihen zweckmäßig, bei denen Aktivierungen und Ruhezeiten abwechseln. Für die Ruhezeiten kann ein höherer Kompressionsfaktor gewählt werden.
Besonders zweckmäßige Einsatzgebiete der Erfindung sind nachfolgend dargestellt. Sie beziehen sich insbesondere auf eine MeßVorrichtung, die in einem Bildgebungsverfahren eingesetzt wird.
Mit Hilfe der Meßvorrichtung werden rekonstruierte Schichtbilder oder Volumendatensätze aus den Meßsignalen von wenigstens einer Probe ermittelt.
Bei dem Bildgebungsverfahren handelt es sich beispielsweise um ein spektroskopisches Bildgebungsverfahren, insbesondere um kernmagnetische Resonanzspektroskopie . Ein Einsatz des Bildgebungsverfahrens in anderen Gebieten, beispielsweise zur graphischen Darstellung von Ultraschalluntersuchungen, ist jedoch gleichfalls möglich. Da derartige Untersuchungen in der Regel in vivo erfolgen, ist es zweckmäßig, daß das Bildgebungsverfahren für eine Durchführung in der realen Meßzeit, das heißt in Echtzeit, geeignet ist.
Insbesondere wird eine schnelle spektroskopxsche
Bildgebungsmethode realisiert, die Änderungen der NMR- Signalrelaxation ermittelt.
Bei der spektroskopischen Bildgebungsmethode handelt es sich vorzugsweise um eine spektroskopische Echo-Pianar-
Bildgebungsmethode . Eine räumliche Kodierung erfolgt in einem möglichst kurzen Zeitraum, welcher während eines Signalabfalls mehrfach wiederholt wird und üblicherweise 10 bis 100 ms beträgt. Durch die mehrfache Wiederholung der Echo-Planar-Kodierung während eines Signalabfalls wxro. ein Verlauf des Signalabfalls in der Abfolge von rekonstruierten Einzelbildern dargestellt.
Die Anzahl der Bilder, welche während des Signalabfalls kodiert werden, ist abhängig von der Relaxationszeit und der
Kodierungszeit Δt für ein Einzelbild.
Um Änderungen der Relaxation mit höchstmöglicher Empfindlichkeit zu detektieren, wurde ein Kriterium für eine optimale Wahl des Meßzeitfensters in Abhängigkeit von der Relaxationszeitkonstanten, von der Kodierungszeit für ein Einzelbild und von der Art der Datennachverarbeitung gefunden.
Das Kriterium besteht in der Betrachtung eines Unterschiedssignals zwischen verschiedenen Relaxationszuständen.
Das Unterschiedssignal hat ein zeitliches Maximum, welches bei kleinen Relaxationsänderungen nahe der mittleren Relaxationszeit liegt.
Bevorzugte Auswertemethoden, weitere Vorteile, Besonderheiten und zweckmäßige Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Darstellung bevorzugter Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand von Beispielsrechnungen und Zeichnungen.
Von den Zeichnungen zeigt:
Fig. 1 ein experimentelles Unterschiedssignal einer funktionalen Relaxationszeitänderung in einem ausgewählten Bildelement in Abhängigkeit von dε2 Meßzeit nach einer Signalanregung,
Fig. 2 eine relative, skalierte Erhöhung des Kontrast- Rausch-Verhältnisses CNR» gegenüber dem Kontrast- Rausch-Verhältnis CNRi einer Einzelmessung für verschiedene Auswertemethoden in Abhängigkeit von den Messungen,
Fig. 3 in einem ersten Teilbild A eine Detektion von
Hirnaktivierung in vier Schritten mittels einer konventionellen Bildgebungsmethode und in Teilbild _B eine DeteJction von Hirnaktivierung mit Hilfe eines erfindungsgemäßen Verfahrens,
Die bevorzugten Ausgestaltungen der Erfindung sehen insbesondere vor, ein Unterschiedssignal zu verschiedenen Zeitpunkten zu detektieren. Diese Zeitpunkte liegen innerhalb eines Zeitintervalls x.
Insbesondere handelt es sich um ein ünterschiedssignal zwischen einer Relaxationskurve in einem angeregten Zustand und einer Relaxationskurve in einem Grundzustand.
Beispielhaft ist ein Ünterschiedssignal (vertikale Achse) zwischen einer funktionalen RelaxationsZeitänderung (fMRI- Signai) im menschlichen Gehirn in einem ausgewählten Bildelement im visuellen Kortex während einer visuellen
Stimulation mit einem oszillierender. Licht in Abhängigkeit von der Meßzεit nach Signalanregung (horizontale Achse) gemessen mittels schneller spektroskopischer Bildgebung in Fig. I dargestellt.
Hierbei handelt es sich um einen besonders einfachen Fall, bei dem das Unterschiedssignal durch ein Dif erenzsignal aus einem Relaxationssignal während einer Aktivierung und einem Relaxationssignal während eines Ruhezustands gebildet wird. Der Begriff „Unterschiedssignal" ist jedoch in keiner Weise auf Differenzsignale beschränlct, sondern beinhaltet ebenso wie der Begriff „Unterschiedsfunktion" alle Fälle, in denen Unterschiede zwischen Meßkurven erfaßt oder ausgewertet werden.
Die Messung erfolgt zunächst mit einem zeitlichen Abstand der Meßpunkte von etwa 10 bis 100 , beispielsweise 18 Millisekunden . Die fMRI-Signale werden durch kernspintomographische Untersuchungen des Gehirns von Versuchspersonen ermittelt . In unmittelbarer Nähe des Gesichts der Versuchspersonen wird eine Lichtguelle, insbesondere eine Matrix von Lumineszenzdioden (Light Emitting Diode LED) , positioniert und zu Signalblitzen angeregt . Die Anregungsfreguenz liegt vorzugsweise bei etwa 8 Hz . Ein Einwirken der Signalblitze erfolgt über ein mit ' einem Trägersignal eines Scanners synchronisiertes Zeitintervall von mehreren Sekunden, beispielsweise 5 Sekunden, an das sich ein etwa gleich langes Ruheintervall anschließt . Bei dem Scanner handelt es sich um einen Vision I, 5 Tesla Ganzkörperscanner der Siemens Medical Systems , Erlangen, in Standardausrüstung mit einem Magnet eldgradienten von 25 mT/m. Ein derartiger Scanner ist in der Lage , Gradienten elder innerhalb von etwa 150 μs umzuschalten.
Bei der Bildgebungsmethode handelt es sich vorzugsweise um eine Echo-Planar-Bildgebungsmethode , beispielsweis e eine konventionelle Ξcho-Planar-Methode - EPI ( Echo-Planar- Imaging) .
Diese beinhaltet beispielsweise eine wiederholte Anwendung einer zweidimensionalen Echo-Planar-Bildkodierung . Eine räumliche Kodierung erfolgt in einem möglichst kurzen Zeitraum, welcher während eines Signalabfalls mehrfach wiederholt wird und vorzugsweise 20 bis 100 ms beträgt . Durch die mehrfache Wiederholung der Echo-Planar-Kodierung während eines Signalabfalls wird ein Verlauf des Signalabfalls in der Abfolge von rekonstruierten Einzelbildern dargestellt . Eine derartige , gleichfalls vorteilhafte Implementierung der erfindungs gemäßen Methode erfolgt vorzugsweise mit PEPSI ( Proton-Echo-Planar-Spectroscopic-Imaging) .
Bei einer zweckmäßigen Durchführungsform des Verfahrens wird die Auflösung an die Stärke der RelaxationsSignale angepaßt. Bei dem Vorliegen von mehreren, ähnlichen Signalen, deren Differenzsignal untersucht werden soll, ist es jedoch noch vorteilhafter, die Auflösung an die Differenzfunktion anzupassen. Der funktionale Zusammenhang zwischen der Auflösung und der Differenzfunktion wird dabei vorzugsweise so gewählt, daß bei einem größeren Signal der Wert für die Auflösung höher ist.
Unter der Annahme eines exponentiellen Abfalls der Relaxations urven ergibt sich für das in Fig. 1 dargestellte
Unterschiedssignal ΔS(t) :
AS(t) = S0(e-"τ> a) - e-" m) w
wobei T2 *(a) und T*(b) Relaxationszeitkonstanten in einem aktivierten Zustand (a) und in einem Grundzustand (Baseline State - b) sind und wobei S0 eine Ausgangssignalin ensität bezeichnet .
Unter der Annahme einer geringen Änderung der Relaxationszeit ΔT2* ist die Signaldifferenz ΔS(t):
wobei T2* die Relaxations zeit im Basiszustand bezeichnet .
Es entsteht eine im wesentlichen glockenförmige Kurve, die
ein Maximum bei t=T2 * hat. Bei einer bevorzugten Meßfeldstärke von ungefähr 1,5 Tesla nimmt t einen typischen Wert von ungefähr 70 ms ein.
Das Maximum beträgt:
AT
10.37
T
(3)
Eine bevorzugte Aus führungsform der Erfindung sieht vor, davon auszugehen, daß es sich bei Rauscheffekten um ein sogenanntes weißes , thermisches Rauschen mit einem nahe Null liegenden Mittelwert und einer Standardabweichung σ handelt .
Durch geeignete Dur chführungs formen des Auswerteverfahrens wird gegenüber einer Einzelpunktmessung ein erhöhtes Signal - Rausch-Verhältnis erzielt . Während bei einer Einzelmessung das Kontrast -Rausch-Verhältnis ( Contrast Noise Ratio CNR) der Formel
entspricht, kann bei den hier dargestellten
Darchführungsformen des Auswerteverfahrens ein erhöhtes Kontrast-Rausch-Verhältnis erzielt werden.
Eine erste Ausführungsform eines bevorzugten Auswerteverfahrens sieht vor, für N Zeitpunkte den gemessenen Effekt zu summieren und ein Durchschnittssignal zu bilden. Das Durchschnittssignal ergibt ein gutes Maß für Ξ0TZ . Unter der Annahme von äguidistanten Meßintervallen Δt für jede
einzelne Meßwertaufnahme und gleiche Rauschstärke in j edem
Punkt gilt für das auf summierte Signal ( t = i X Δt ) :
(5)
wobei die Ungleichungen Δt<<T2 (6) und N>>1 (7) benutzt werden.
Eine vergleichsweise geringe Änderung in Tz , wie sie beispielsweise bei einer Blutoxidation (BOLD-Effekt / Blood Oxygen Level Dependent - Effekt) auftritt, äußert sich in dem nachfolgend wiedergegebenen Kontrast C:
wobei x wie folgt definiert wird:
Λ Γ Λ + V -LΛt x ≡ — —
( 9)
Die Rauscheffekte in dem auf summierten Signal nach Formel 8 haben die Standardabweichung:
2Nσ (10)
Das Kontrast-Rausch-Verhältnis ergibt sich wie folgt:
Wie sich beispielsweise aus Fig. 2 ergibt, hat das Kontrast- Rausch-Verhältnis bei x = 3.2 ein Maximum. In Fig. 2 ist das Kontrast-Rausch-Verhältnis CNR in Abhängigkeit von der Länge der Meßzeit nach Signalanregung , der Relaxationsrate R2 = 1/Υ∑' und einer Kodierzeit Δt für verschiedene
Datenauswertungsverfahren: Summierung der Einzelmessungen (Summation) , exponentiell gewichtete Summation (Exponentially Weighted Summation) , optimal gewichtete Summierung (Weighted Summation, Weighted Filter) sowie für eine Kurvenanpassung (Fitting) dargestellt.
Ein maximales Kon as -Rausch-Verhältnis läßt sich erzielen, wenn die Messungen bis zu der Zeit
Tnas = NΔt= 3.2T2 ' (12) durchgeführt werden.
Für ein entsprechend gewähltes N ist das Kontras -Rausch- Verhältnis maximal und beträgt gemäß der Formel:
maximal 0 , 6.
Zu einer weiteren Erhöhung des Kontrast-Rausch-Verhältnisses
ist es zweckmäßig, eine gewichtete Summation des Signals gemäß Gleichung 14 vorzunehmen.
Vorzugsweise wird in Formel 14 ein Wichtungsfaktor w(tN) gemäß Formel 15 eingesetzt.
-Rl-t w(tn) = R2in ' e n (15)
Hierbei geht in den Wichtungsf aktor w ( tN) eine erwartete Relaxationsrate in einer zu untersuchenden Probe ein. Dabei handelt es sich vorzugsweise um die mittlere Relaxationsrate in der untersuchten Probe .
Für das Kontrast-Rausch-Verhältnis ergibt sich die nachfolgende Formel :
Bei dieser Variante des Auswerteverfahrens nimmt die Erhöhung des Signal-Rausch-Verhältnisses bei der Mehrpunktmessung einen besonders hohen Wert von 1 , 4 ein . Die Meßzeit beträgt wiederum vorzugsweise 3.2 T2\ Durch eine derartige gewichtete Summation ist es somit möglich, ein noch besseres Resultat für das Kontrastverhältnis zu erzielen als bei einer konventionellen Summation.
Bereits in dem einfachen Fall, daß innerhalb der in Fig. 1 argestellten jΞloc-kenkurve die Auflösung um einen Faktor 2 höher ist als in anderen Zeitbereichen, wird eine Erniedrigung des Rauschens um den Faktor l/v2 festgestellt.
Eine weitere Variante des Auswerteverfahrens besteht darin, daß eine Anpassungsprozedur (Fit-Verfahren) durch Anpassung der Relaxationskurve an exponentiell abfallende Kurven vorgenommen wird.
Nachfolgend wird die Vorteilhaftigkeit der erfindungsgemäßen Auswertemethode anhand einer Betrachtung zur Theorie der Rauscheffekte und anhand von Experimenten dargestellt.
Das Gesamtsignal Sr(t ergibt sich wie folgt:
Sr(tn) = Sne K tn + gr{tn) +hr{tn)
\J
_P7 *
Hierbei bezeichnet sQe }1 das reine Signal, gtιt»; ein weißes Rauschen und h,(t einen Einfluß von physiologischen Störsignalen der zu untersuchenden Probe, wobei es sich vorzugsweise um Signale mit einer niedrigen Frequenz handelt.
Der Index r nimmt dabei Werte von 1 bis NR an und bedeutet die Anzaiil der Wiederholungen der Relaxationsmessungen; der Index n nimmt Werte von 1 bis N an und zählt die Anzahl der Echosignale während einer Relaxationsmessung.
Um aus diesem gemessenen Signal eine Änderung der Relaxation in Abhängigkeit von einer Gehirnaktivierung zu extrahieren, sind verschiedene, anhand der nachfolgenden Formeln erläuterte, Ansätze möglich:
Bei einer Summation über die Echosignale ergibt sich
während sich bei einer gewichteten Summation die Formel
ergibt, wobei gilt
- R2*t w(tn\ = R2tn ' e " (20) .
Ein weiteres Verfahren ist ein Fit-Verfahren, wie es anhand der nachfolgenden Formel dargestellt ist :
?- = !.?"- 2r ) <= S(tn) ~ Sn€ "~ "n (21)
~r {"Or 7 — r J 0
Wie bei den allgemeinen Überlegungen kann auch hier davon ausgegangen w -^erAdenrs, πc-ßft ctcrr fiMti-.i*-tβi *^ des weißen Rauschens gleich Null ist oder nahe Null liegt. Das Kontrast-Rausch- Verhältnis (Contrast-to-Noise Ratio-CNR) ergibt sich aus ΔS dividiert durch das Gesamtrauschen. Im Anschluß erfolgt eine Ermittlung des Unterschiedswertes für mindestens zwei Messungen.
Gemäß einer anderen bevorzugten Ausführungsform der Erfindung
wird für jedes einzelne Echosignal eine Korrelationsanalyse über mehrere, zeitl-Lch na_±-einander erfolgende, Relaxationsmessungen durchgeführt. Die Korrelationsanalyse .erfolgt auf bekannte Weise, wobei eine Durchführung gemäß des Artikels von Peter A. Vandettini et al. in: Magnetic
Resonance in Medecine, Bd. 30, S. 161-173, 1993, auf den vollinhaltlich Bezug genommen wird, besonders zweckmäßig ist.
Der Erwartungswert für den Korrelationskoeffizienten (correlation coefficient c.c.) beträgt
(σ.c.) = c.c0 1- (22) , wobei
2AS2
Der Korrelationskoeffizient c.c. weist eine Standardabweichung
auf.
Daran anschließend erfolgt eine Kombination der Korrelationskoeffizienten, beispielsweise durch eine Mittelung.
Eine experimentelle Oberprüfung des erfindungsgemäßen Auswerteverfahrens erfolgte anhand von
kernspintomographischen Untersuchungen des Gehirns von Versuchspersonen. En .unmittelbarer Nahe des Gesichts der Versuchspersonen wurde eine Lichtquelle, insbesondere eine Matrix von Lumineszenzdioden (Light E itting Diode LED) positioniert und zu Signalblitzen angeregt. Die
Anregungsf equenz liegt bei 8 Hz. Ein Einwirken der Signalblitze erfolgt über ein mit einem Trägersignal eines Scanners synchronisiertes Zeitintervall von mehreren Sekunden, beispielsweise 5 Sekunden, an das sich ein etwa gleich langes Ruheintervall anschließt. Bei dem Scanner handelt es sich um einen Vision 1, 5 Tesla GanzkörperScanner der Siemens Medical Systems, Erlangen, in Standardausrüstung mit einem Magne feldgradienten von 25 mT/m. Ein derartiger Scanner ist in der Lage, Gradientenfelder innerhalb von etwa 150 μs umzuschalten.
Als spektroskopische Bildgebungsmethode wurde TURBO-PEPSI (Proton-Echo-Planar-Spectroscopic-Imaging) eingesetzt .
Eine Datenanpassung erfolgt gemäß der Exponentialfunktion:
wobei ein nicht linearer Least-square-Fit eingesetzt wird.
Von Voxeln, in denen die Signalintensität beim ersten Echo einen Wert von 10 % der im gesamten Bild gemessenen maximalen
Signalamplitude überschritt und wo der
Korrelationskoeffizient zwischen den gemessenen Daten und den gefitteten Daten 0,95 überschritt, wurden parametrische
Bilder von T2 *, der Ausgangssignalamplitude Ξ0 und von χ2 gebildet .
In den anderen Voxeln wurden diese Parameter zu 0 gesetzt. Durch den Einsatz dieser Kriterien wurden mit Ausnahme der Ventrikel in allen Gehirnregionen exzellente Anpassungen der gefitteten Daten an die experimentellen Resultate erzielt. In den meisten Voxeln überschritt der Korrelationskoeffizient den Wert von 0,99.
Alternativ werden die Echos jeder Relaxationsmessung gemittelt und darauffolgend wird sowohl für die
10 parametrischen Bilder als auch für die gemittelten Bilder eine Korrelationsanalyse durchgeführt.
Die Experimente zeigten ausgedehnte Aktivierungsbereiche des primären visuellen Kortex (Vx) sowie in angrenzenden Regionen 15 (V2) des visuellen Kortex.
Die Erfindung ist mit einer Vielzahl von Vorteilen verbunden. Hierzu gehört eine Optimierung der Meßempfindlichkeit für eine quantitative Messung der Relaxationszeit und der 20 qualitativen Relaxationszeitänderung. Hierdurch ist es möglich, eine Bildgebung mit höchstmöglicher Bandbreite (kürzester Kodierungszeit) für geringstmögliche räumliche Verzerrung zu verwenden und durch eine Messung einer optimalen Zahl von Kodierungen nach Signalanregung eine
? c maximale Meßempfindlichkeit zu erzielen.
Das Ausx^erteverfahren kann in Echtzeitmessungen eingesetzt werden, um eine Analyse von Relaxationsänderungen in vivo zu ermöglichen. Zweckmäßigerweise wird eine erfindungsgemäße
-?n Meßvorrichtung so ausgestaltet, daß sie das Auswerteverfahren durchführt .
Die erfindungsgemäßen Bildgebungsverfahren sind besonders vielseitig. Es hat sich als zweckmäßig herausgestellt, eine 35 Summation oder, was noch vorteilhafter ist, eine gewichtete
Summation einzusetzen, was gegenüber einer Kurvenanpassung mit einer größeren Geschwindigkeit und ohne Verlust an Meßempfindlichkeit erfolgen kann. Eine Summation beziehungsweise eine gewichtete Summation haben den Vorteil, daß sie ein besonders robustes Auswerteverfahren darstellen.
Außerdem ist es mit Hilfe der Erfindung möglich, bei allen Meßfeidstärken, insbesondere bei Meßfeidstärken von 0,1 Tesla bis 15 Tesla, eine optimale Anpassung der Meßempfindlichkeit zu erzielen, indem beispielsweise die Anzahl der Echosignale in Abhängigkeit der intrinsischen Relaxationszeit gewählt wird, wobei die Anzahl N vorzugsweise gemäß Formel 12 gewählt wird.
Bei allen Versuchspersonen zeigte sich eine starke Aktivierung im primären visuellen Kortex (Vx) und in benachbarten Bereichen. Die beobachteten Änderungen im mit TTJRBO-PEPSI gemessenen funktionalen Signal reichten von 3 bis 20 % abhängig von der Echozeit, der Lage und von der jeweiligen Versuchsperson. Die Anregung hat ein Maximum in der Nähe von TE = T2 *. Bei einem Vergleich von ΞPI und TURBO- PEPSI-Biidern mit TE = 72,5 ms wurden sehr ähnliche Aktivierungsbilder ermittelt.
Bei einem Einsatz einer Korrelationsgrenze von 0,4 konnten auch kleinere Signaiänderungen bei Echozeiten von beispielsweise 12,5 ms bis 228 ms detektiert werden. Eine Mittelwertbildung der Korrelationsbilder reduziert die Intensität von Rauscheffekten im Vergleich zu EPI . Die räumliche Ausdehnung der Aktivierungszone und die Anzahl der erhöhten Korrelationskoeffizienten im visuellen Kortex vergrößern sich mit der Anzahl der aufsummierten Echos. Bei Experimenten mit längerer Anregungsdauer (7 bis 12 Sekunden) werden größere Korrelationskoeffizienten als in Messungen mit kürzeren Anregungsdauern (beispielsweise 3 Sekunden)
erhalten. Es zeigt sich, daß ein besonders hoher Empfindlichkeitsgewinn durch eine Summierung der ersten, vorzugsweise der ersten 6 bis 10, insbesondere der ersten 8 Echosignale entsprechend dem Plateau der CNR-Kurve in Fig. 2, erzielt werden kann.
Der Empfindlichkeitsgewinn ist besonders für KurzZeitmessungen, insbesondere Echtzeitmessungen vorteilhaft, weil auch bei wenigen Meßwerten eine Änderung der Relaxation wirksam ermittelt werden kann. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß durch Multi-Echo-Erfassung des Unterschiedssignals eine optimale Empfindlichkeit bei beliebigen Magnetfeldstärken erzielt wird.
Die dargestellten Beispiele erläutern die Meßvorrichtung sowie das Bildgebungsverfahren anhand von NMR-Messungen am menschlichen Gehirn. Selbstverständlich können sowohl die Meßvorrichtung als auch das Auswerteverfahren zur Untersuchung von anderen Proben lebenden oder nicht lebenden Materials eingesetzt werden.