Beschreibung
Verfahren und Vorrichtung zum Kalibrieren eines Sondensystems, bestehend aus einer Abgassonde und einer Regelschal- tung für ein Kraftfahrzeug
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Kalibrieren eines Sondensystems, bestehend aus einer Abgassonde und einer Regelschaltung für ein Kraftfahrzeug.
Im Zuge eines steigenden ümweltbewußtseins und daraus resultierender, immer strengerer Abgasverordnungen erlangt die Schadstoffverringerung in Abgasen von Brennkraftmaschinen in Kraftfahrzeugen eine immer größere Bedeutung. Für die Einhal- tung der heute gültigen Emissionsgrenzwerte für Schadstoffe, wie Kohlenmonoxid (CO) , Stickoxide (NOx)und Kohlenwasserstoffe (HC) ist einerseits eine gezielte Motorsteuerung und andererseits eine katalytische Nachbehandlung der Abgase notwendig. Für beide Maßnahmen werden Meßwerte von Abgassonden - z.B. Lambdasonden oder NOx-Sonden - benötigt. Mit dem Begriff Sonde sei im folgenden stets eine Einheit aus Sensor, Sensorleitung und Sensorstecker bezeichnet.
Zur Messung der Schadstoff onzentration im Abgas einer Brenn- kraftmaschine ist es bekannt, Dickschicht-Sensoren zu verwenden. Ein solcher Sensor ist am Beispiel eines NOx-Sensors in der Druckschrift N. Kato et al., "Performance of Thick Film NOx-Sensor on Diesel and Gasoline Engines", Society of Automotive Engineers, Veröffentlichung 970858, 1997, beschrieben. Dieser NOx-Sensor weist zwei Meßzellen und drei Sauerstoffpumpzellen auf und verwirklicht folgendes Meßkonzept: In einer ersten Meßzelle, der das zu messende Gas über eine Diffusionsbarriere zugeführt wird, wird mittels eines ersten Sau- erstoff-Ionen-Pumpstroms eine erste Sauerstoffkonzentration eingestellt, wobei keine Zersetzung von NOx stattfindet. In
einer zweiten Meßzelle, die über eine Diffusionsbarriere mit der ersten Meßzelle verbunden ist, wird der Sauerstoffgehalt mittels eines zweiten Sauerstoff-Ionen-Pumpstroms weiter abgesenkt und NOx an einer Meßelektrode zersetzt. Der so er- zeugte Sauerstoff wird als Maß für die NOx-Konzentration erfaßt. Der gesamte NOx-Sensor wird dabei mittels eines elektrischen Heizelements auf eine erhöhte Temperatur, z. B. 700°C, gebracht.
Bei der Herstellung derartiger Sensoren treten technologiebedingt große Fertigungstoleranzen auf. Zudem verändern sich die Sensoreigenschaften, wie z.B. die Impedanz der Pumpzellen, mit der Zeit. Da die Signalströme von Abgassonden mit derartigen Sensoren meist nur im nA-Bereich liegen, beeinflu- ßen auch Bauteiltoleranzen der Regelschaltung die Meßgenauigkeit in erheblichem Maße. Eine für den Serieneinsatz in einem Kraftfahrzeug ausreichende Meßgenauigkeit kann somit einerseits nur mit einer individuellen Kalibrierung des Sonden- Regelschaltung-Systems - im folgenden kurz als Sondensystem bezeichnet - sichergestellt werden, andererseits muß eine Nachkalibrierung während der Lebensdauer der Sonde möglich sein .
Der Erfindung liegt das technische Problem zugrunde, ein Ver- fahren zu entwickeln, das es ermöglicht, Abgassonden am Ende des Herstellungsprozesses und im Laufe ihrer Lebensdauer zusammen mit der zugehörigen Regelschaltung individuell zu kalibrieren und Bauteiltoleranzen der Regelschaltung zu kompensieren.
Das Problem wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 und durch eine Vorrichtung nach Patentanspruch 8 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen niedergelegt.
Wird zum Regeln der Pumpströme ein MikroController in Verbindung mit einer analogen Beschaltung verwendet, so bietet sich die Möglichkeit, applikationsspezifische Daten des Sondensy- stems zu speichern. Die unter vorgegebenen Prüfbedingungen aufgenommenen Meßwerte werden in einem vorzugsweise in den Mikrocontroller integrierten, programmierbaren Festwertspeicher, z.B. einem EPROM, als Korrektur- oder Prüfwerte abgelegt. Die Prüfwerte dienen dann als Referenz für eine selbständige Nachkalibrierung des Sondensystems während der Le- benszeit. Die Korrekturwerte dienen zur Kompensation weiterer Bauteiltoleranzen, wie z.B. Offsetspannungen von Operationsverstärkern.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird im folgenden für einen NOx-Sensor anhand der Figuren erläutert. Es zeigen:
Figur 1 eine schematische Schnittdarstellung eines NOx- Sensors,
Figur 2 ein Blockschaltbild einer Schaltungsanordnung zum Re- geln eines Pumpstroms und
Figur 3 eine schematische Darstellung einer Anordnung zur
Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Kalibrierung eines Sondensystems
Dickfilm-NOx-Sensoren bestehen aus einem mehrlagigen, gesinterten Keramiksubstrat . Beim Herstellungsprozeß werden auf die einzelnen Keramikträger mehrere Elektroden aufgebracht. Diese Elektroden bilden die für die Realisierung eines NOx- Sensors erforderlichen Pump- und Meßzellen. Während des Sin- terprozesses und im Laufe der Zeit verändern sich die elektrischen Eigenschaften der eingebrachten Elektroden und des Keramiksubstrats.
Ein aus einem Festkörperelektrolyten 2, in diesem Fall Zir- kondioxid, bestehender NOx-Sensor 1 (Figur 1) nimmt über eine
erste Diffusionsbarriere 3 das zu messende Abgas auf. Das Abgas diffundiert durch die Diffusionsbarriere 3 in eine erste Meßzelle 4. Der Sauerstoffgehalt in dieser Meßzelle wird mittels einer ersten Nernstspannung VNO zwischen einer ersten Pumpelektrode 5 und einer Umgebungsluft ausgesetzten Referenzelektrode 6 gemessen. Dabei ist die Referenzelektrode 6 in einem Luftkanal 7 angeordnet, in den über eine Öffnung 8 Umgebungsluft gelangt. Beide Elektroden 5, 6 sind herkömmliche Platinelektroden.
Im herkömmlichen Verfahren wird der Meßwert der ersten Nernstspannung VNO dazu verwendet, eine erste Stellspannung VpO einzustellen. Die Stellspannung VpO treibt einen ersten Sauerstoff-Ionen-Pumpstrom IpO durch den Festkörperelektroly- ten 2 des NOx-Sensors 1 zwischen der ersten Pumpelektrode 5 und einer Außenelektrode 9 - die Pumpelektrode 5 und die Außenelektrode 9 bilden eine erste Pumpzelle. Dabei wird die Stellspannung VpO von einem Regler so eingestellt, daß in der ersten Meßzelle 4 eine vorbestimmte Sauerstoffkonzentration vorliegt.
Die erste Meßzelle 4 ist mit einer zweiten Meßzelle 10 über eine zweite Diffusionsbarriere 11 verbunden. Durch diese Diffusionsbarriere 11 diffundiert das in der Meßzelle 4 vorhan- dene Gas in die zweite Meßzelle 10. Die zweite Sauerstof konzentration in der zweiten Meßzelle 10 wird über eine zweite Nernstspannung VN1 zwischen einer zweiten Pumpelektrode 12, die ebenfalls eine Platinelektrode ist, und der Referenzelektrode 6 gemessen und von einem Regler zur Vorgabe einer zwei- ten Stellspannung Vpl verwendet, die einen zweiten Sauerstoff-Ionen-Pumpstrom Ipl treibt. Der zweite Sauerstoff- Ionen-Pumpstrom Ipl aus der zweiten Meßzelle 10 fließt von' der zweiten Pumpelektrode 12 durch den Festkörperelektrolyten 2 zur Außenelektrode 9 (zweite Pumpzelle). Mit seiner Hilfe
wird in der zweiten Meßzelle 10 eine vorbestimmte Sauerstoffkonzentration eingestellt.
Die von den bisherigen Vorgängen in den Meßzellen 4 und 10 nicht betroffene NOx-Konzentration wird nun an einer Meßelektrode 13, die katalytisch wirksam ausgestaltet ist, bestimmt. Dazu wird eine dritte Sauerstoffkonzentration über eine dritte Nernstspannung VN2 zwischen der Meßelektrode 13 und der Referenzelektrode 6 gemessen und von einem Regler zur Vorgabe einer dritten Stellspannung Vp2 verwendet. Unter Anlegen dieser Stellspannung Vp2 zwischen der Meßelektrode 13 und der Außenelektrode 9 (dritte Pumpzelle) wird das N0x zersetzt und der freigewordene Sauerstoff wird durch den Festkörperelektrolyten 2 in einem dritten Sauerstoff-Ionen-Pumpstrom Ip2 zur Außenelektrode 9 hin gepumpt. Der dritte Sauerstoff-
Ionen-Pumpstrom Ip2 wird bei ausreichend geringem Restsauerstoffgehalt in der Meßzelle 10 nur von Sauerstoffionen getragen, die aus der Zersetzung von N0x stammen. Er ist somit ein Maß für die NOx-Konzentration in der Meßzelle 10 und somit im zu messenden Abgas. Da derartige NOx-Sensoren eine starke Temperaturabhängigkeit aufweisen, sorgt ein Heizelement 14 dafür, daß die Sondentemperatur zur Einhaltung der notwendigen Meßgenaugkeit stets in einem vorgegebenen Temperaturbereich gehalten wird.
Zum Regeln der Pumpströme wird ein Mikrocontroller 20 in Verbindung mit einer analogen Beschaltung 21 verwendet. Die Schaltungsanordnung eines einzelnen Pumpstromregelkreises ist in Figur 2 detailliert dargestellt. Die Regelschaltung des gesamten NOx-Sensors weist für jede zu steuernde Pumpzelle eine derartige Schaltungsanordnung auf. Dabei können die erforderlichen digitalen Schaltungsanteile innerhalb eines einzigen Mikrocontrollers 20 realisiert werden. Eine PWM-Einheit 22 im Mikrocontroller 20 erzeugt ein pulsweitenmoduliertes Signal, das mit Hilfe einer analogen Filterschaltung 23 in
eine Gleichspannung umgewandelt wird. Diese Spannung wird je nach Anforderung an die benötigte Stromstärke entweder direkt oder über einen Impedanzwandler 24 auf einen Meßwiderstand 25 gegeben, der in Serie zur zu steuernden Pumpzelle 27 des NOx- Sensors 1 liegt. Die Pumpzelle ist in Figur 2 in Form einer
Ersatzschaltung der zugehörigen Impedanz dargestellt.
Mit Hilfe eines ersten A/D-Wandlers 30 im Mikrocontroller 20 werden über einen Multiplexer 31 abwechselnd die Spannungspo- tentiale vor und nach dem Meßwiderstand 25 eingelesen. Da der Eingang des NOx-Sensors 1 meist sehr hochohmig ist, kann ein Impedanzwandler 32, z.B. ein Bufferverstärker, in die Meßleitung, die zur Messung des Potentialwerts nach dem Meßwiderstand 25 dient, geschaltet werden.
Die zum Regeln des Pumpstroms benötigten Nernstspannungen werden ebenfalls im Mikrocontroller 20 berechnet. Dazu wird sowohl das Nernstpotential VNerns als auch das Referenzpotential VRef der entsprechenden Meßzelle 33 des NOx-Sensors 1 von einem zweiten A/D-Wandler 34 im Mikrocontroller 20 eingelesen. Die Meßzelle 33 entspricht dabei entweder der ersten Meßzelle 4 oder der zweiten Meßzelle 10 aus Figur 1 und ist schematisch als Gleichspannungsquelle dargestellt. Aufgrund der hohen Ausgangsimpedanz des NOx-Sensors 1 sind auch hier zwei Impedanzwandler 35 und 36, z.B. in Form von Bufferverstärkern vorgesehen.
In einer Auswerteschaltung 37 wird innerhalb des Mikrocon- trollers 20 aus den eingelesenen Potentialwerten eine Pump- Stromdifferenz ΔIp berechnet, die einem Regler 38, z. B. einem PID-Regler, zugeführt wird, der die PWM-Einheit 22 steuert. Ein vorzugsweise in den Mikrocontroller integrierter ' programmierbarer Festwertspeicher 39, z.B. ein EPROM, dient zur Speicherung der an den A/D-Wandlern 30 und 34 eingelese- nen Potentiale.
Ein Sondensystem 50, bestehend aus einer NOx-Sonde 51 und der zugehörigen Regelschaltung 52, wird mit der Anordnung nach Figur 3 kalibriert. Die NOx-Sonde 51 setzt sich dabei aus dem NOx-Sensor 1, einer Sensorleitung 53 und einem Sensorstecker 54 zusammen. Durch Anordnung der Regelschaltung 52 im Gehäuse des Sensorsteckers 54 ergeben sich sehr kurze Verbindungsleitungen. Auf diese Weise kann trotz auftretender Leitungsver- luste eine ausreichend genaue Übertragung der meist nur im nA-Bereich liegenden Signalströme sichergestellt werden.
Durch einen Testkontrollrechner 55 werden die Prüfparameter, z.B. NOx-Konzentration und Gastemperatur, in einer Testkammer 56 eingestellt und überwacht. Der NOx-Sensor 1 nimmt die ent- sprechenden Meßwerte auf und leitet sie über die Sensorleitung 51 an die Regelschaltung 52 weiter. In der Regelschaltung 52 werden die an den A/D-Wandlern des MikroControllers 20 anstehenden Meßwerte entweder unmittelbar oder nach einer internen Auswertung, z.B. durch Vergleich mit vorgeggebenen Sollwerten, in eigens dafür zur Verfügung gestellten Kennfeldern im programmierbaren Festwertspeicher 39, gespeichert. Die zur Steuerung der Regelschaltung 52 notwendige Kommunikation mit dem Testkontrollrechner 55 erfolgt über eine in die Regelschaltung integrierte serielle Schnittstelle 57 und eine Datenleitung 58.
Um technologiebedingte Fertigungstoleranzen und Bauteiltoleranzen innerhalb der Regelschaltung kompensieren zu können, müssen nach Fertigstellung des Sondensystems, also nach dem Verbinden der NOx-Sonde mit der zugehörigen Regelschaltung, die einzelnen Pumpstromregelkreise unter verschiedenen, charakteristischen Betriebsbedingungen vermessen werden. Um ". Offsetspannungen kompensieren zu können, wird das Sondensystem zunächst unter elektrisch neutralen Prüfbedingungen ge- testet. Hierzu wird das Heizelement abgeschaltet und ein
Tastverhätnis des pulweitenmodulierten Signals von 0% eingestellt, so daß kein Pumpstrom mehr fließt. Die nun von den A/D-Wandlern eingelesenen Werte entsprechen genau den anliegenden Offsetspannungen. Diese können als Korrekturwerte im programmierbaren Festwertspeicher 39 abgelegt und zur Koorek- tur der jeweiligen Pumpströme verwendet werden. Diese Kompensation kann auch nach Einbau des Regelsystems in ein Kraftfahrzeug wiederholt werden, z.B. auf Anforderung der zentralen Motorsteuerung oder im Zuge einer Inspektion in einer Werkstätte. Anschließend wird jeder Pumpstromregelkreis des Sondensystems nacheinander unter verschiedenen Prüfbedingungen getestet. Die dabei ermittelten Pumpströme - d.h. die am ersten A/D-Wandler 30 anliegenden Meßwerte - werden im Festwertspeicher 39 gespeichert und dienen anschließend als Refe- renz für eine regelmäßige, selbständige Nachkalibrierung des Systems im Laufe seiner Lebensdauer. Zusätzlich können auch die am zweiten A/D-Wandler 34 anstehenden Nernst- und Referenzpotentiale im Festwertspeicher 39 gespeichert werden.
Durch den Einsatz eines MikroControllers mit integrierten
A/D-Wandlern lassen sich verschiedene applikationsspezifische Daten des Sondensystems einlesen und speichern. Auf diese Weise kann jedes Sondensystem am Ende des Herstellungsprozesses mit Hilfe einer Prüfeinrichtung individuell und voll au- tomatisiert kalibriert werden. Ein aufwendiger und kostenintensiver Abgleich von elektronischen Bauelementen, wie er bei einer rein analogen Regelschaltung notwendig wäre, kann dadurch vermieden werden. Durch die Möglichkeit der selbständigen Nachkalibrierung des Sondensystems wird das Schaltungsde- sign der Regelschaltung weitgehend unabhängig von Bauteiltoleranzen.
Die Erfindung wurde beispielhaft für einen NOx-Sensor beschrieben, entsprechende Verfahren und Vorrichtungen sind auch für andere nach dem Prinzip der galvanischen Sauer-
stoffkonzentrationszelle mit Festelektrolyt arbeitende Abgassonden, z.B. lineare Sauerstoffsonden, geeignet.