Beschreibung
Integrierte elektrische Schaltung mit Passivierungsschicht
Die Erfindung betrifft eine integrierte elektrische Schaltung mit einer Metallebene, die mit einer Passivierungsschicht versehen ist, sowie ein Verfahren zu ihrer Herstellung.
Es ist bekannt, integrierte elektrische Schaltungen, die eine Metallebene enthalten, durch das Versehen der Metallebene mit einer Passivierungsschicht gegen Korrosion und mechanische Beschädigungen zu schützen.
Als Diffusions- und Oxidationsbarrieren sind bisher Dielek- trika (z.B. Siliziumnitrid: Si3N4) und metallische Passivie- rungen (z.B. Titan, Tantal, Aluminium, Palladium) verwendet worden .
Um mechanische Spannungen abzupuffern, hat es sich als wir- kungsvoll erwiesen, diese Passivierungsschichten mit einer zusätzlichen organischen Schicht, insbesondere einer Polymerschicht zu versehen. Die Dicke dieser Polymerschicht beträgt mindestens 1 μm. Auch andere organische Schutzschichten weisen eine definierte Mindestdicke von vorzugsweise mehr als 200 nm auf.
Die bekannten Passivierungsschichten werden in der Großserienfertigung von integrierten Schaltkreisen verwendet. Im Langzeitbetrieb oder unter erhöhten Betriebstemperaturen tre- ten jedoch Instabilitäten bis zu einem Aufplatzen der Passivierungsschicht auf. Ein weiterer Nachteil dieser Passivierungsschichten ist die durch sie bewirkte Behinderung der Kontaktierung der Metallebene mit Anschlußdrähten. So ist es vor der Kontaktierung notwendig, eine Maske aufzutragen (durch Belacken, Belichten und Entwickeln) , und anschließend die Kontaktstellen durch eine anisotrope Metallätzung zu behandeln .
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die genannten Nachteile zu überwinden. Insbesondere ist eine gattungsgemäße integrierte elektrische Schaltung so zu verbessern, daß die Passivierungsschicht unter Beibehaltung ihrer Funktion als Diffusions- und Oxidationsbarriere möglichst einfach und kostengünstig herzustellen ist. Eine derartige Passivierungsschicht soll sich vorzugsweise auch dafür eignen, daß sie die Verbindung von Metalldrähten mit der Metallebene nicht behin- dert. Das Auftragen der Passivierungsschicht sollte ferner in den Prozeßablauf zur Herstellung der integrierten elektrischen Schaltung integriert werden können.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß die Passivierungsschicht aus einem monomolekularen Film, der an einer Oberfläche der Metallebene anliegt, gebildet ist.
Die Erfindung sieht also vor, einen mit der Oberfläche des Metalls in unmittelbarem Kontakt befindlichen Film als Passi- vierungsschicht einzusetzen. Dadurch, daß der Film aus Molekülen besteht, deren Adhäsion an der Metalloberfläche sehr groß ist, können sich keine weiteren Stoffe anlagern. Somit liegt ein monomolekularer Schutzfilm vor.
Ein derartiger Schutzfilm zeichnet sich dadurch aus, daß er mit geringem Aufwand durch Eintauchen der elektrischen Schaltungen in eine Lösung gebildet werden kann. So ist es möglich, mehr als 100 integrierte elektrische Schaltungen in einem Lösungsmittel gleichzeitig mit der Passivierungsschicht zu versehen.
Auf den monomolekularen Film können weitere Schichten, beispielsweise ein zusätzlicher Schutzfilm aufgebracht werden, überraschenderweise reicht aber bereits der monomolekulare Film als solcher aus, um die gewünschten Eigenschaften der Passivierungsschicht zu erreichen.
Im Gegensatz zu den im Stand der Technik bekannten Passivie- rungen, die eine möglichst große Passivierungsschichtdicke aufweisen, sieht die Erfindung also vor, die Passivierungsschicht so auszubilden, daß sie eine minimale Dicke hat und sich in idealer Weise konform an die Oberfläche des Metalls anbinden kann .
Eine derartige Verbindung zwischen der Metalloberfläche und dem Film erfolgt gemäß einer besonders vorteilhaften Ausfüh- rungsform dadurch, daß der monomolekulare Film aus Molekülen besteht, die eine Ankergruppe enthalten. Die Elektronen dieser Ankergruppe können mit der Metalloberfläche wechselwirken. Als Wechselwirkungsmechanismen kommen sowohl physikalische Adsorptionsprozesse als auch kovalente und ionische Kräfte in Betracht.
Die exotherme Wechselwirkung der Ankergruppe mit der Metalloberfläche bewirkt, daß in Lösung befindliche Moleküle jede Bindungsstelle an der Metalloberfläche nutzen. Das setzt vor- aus, daß die Moleküle an der Oberfläche beweglich sein müssen, um durch Verdichtung weitere Bindestellen anzubieten. Durch diese Oberflächenmobilitat kommt es zur Bildung hochgeordneter, kristalliner Monoschichten.
Die Moleküle bestehen aus einer Ankergruppe, die mit der Metalloberfläche wechselwirkt. Daran schließt sich eine unpolare organische Kette an, die sowohl eine lineare als auch eine verzweigte Struktur aufweisen kann. Diese organische Kette kann verschieden derivatisiert werden, das heißt durch den Einbau von Substituenten wie Amiden oder Sauerstoff kann gezielt die Wasserlöslichkeit des Moleküls erhöht werden. Ein derartiges für den Chemisorptionsprozeß geeignetes Molekül kann ferner eine Endgruppe aufweisen, die nicht nur die Oberflächenfunktion des Films bestimmt, sondern auch den Ord- nungszustand, das heißt die molekulare Struktur der Schicht, beeinflußt.
Die organischen Ketten wechselwirken miteinander. Eine mögliche Erklärung der intermolekularen Wechselwirkung könnte durch Van-der-Waals-Kräfte gegeben sein. Die Endgruppe, ist nach außen gerichtet. Die Endgruppe bestimmt die für die Ei- genschaften der Passivierungsschicht wesentliche Beschaffenheit der nach außen gewandten Oberfläche des monomolekularen Films .
An die Endgruppe können sich weitere Moleküle anlagern, so daß auf dem monomolekularen Film eine weitere Schicht gebildet werden kann, die der Passivierungsschicht zusätzliche Eigenschaften verleiht.
Dadurch, daß die Ankergruppen eine stark exotherme Bindung mit der Metalloberfläche eingehen, und daß gleichzeitig die einzelnen Moleküle stark miteinander wechselwirken, führt das Auftragen dieser Passivierungsschicht zu einer Verdrängung von auf der Metalloberfläche haftenden Verunreinigungen.
Bei den Metallen kann es sich um übliche in der Halbleiterindustrie eingesetzte Metalle, insbesondere um Kupfer, Gold und Silber handeln. Da die erfindungsgemäße Passivierung auf einem Grenzflächeneffekt beruht, kann die Metallschicht beliebig dünn sein. So ist es auch möglich, innerhalb der inte- grierten elektrischen Schaltung vorhandene Metallschichten mit einer erfindungsgemäßen Passivierungsschicht zu versehen. Das Auftragen der Passivierungsschicht erfolgt in besonders vorteilhafter Weise dadurch, daß die Metallebene mit einer Lösung aus einem Lösungsmittel und darin gelösten Molekülen benetzt wird, wobei die gelösten Moleküle jeweils wenigstens eine Ankergruppe enthalten. Hierdurch bildet sich auf der Metallebene ein monomolekularer Film.
Durch das Auftragen einer Lösung, in der die Konzentration der Moleküle in dem Lösungsmittel wenigstens 0,5 mM beträgt, kommt es bereits nach einer Minute zur Ausbildung einer vollständigen Schicht.
Für die Sicherstellung der Eigenschaft als Diffusions- und Oxidationsbarrieren sowie der guten Verbindbarkeit von Metalldrähten mit der Metalloberfläche eignen sich sämtliche der zuvor genannten Moleküle.
Es ist sogar möglich, die Passivierungsschicht so aufzutragen, daß die Entstehung von umweltbelastenden Reststoffen vermieden wird. Dies kann dadurch geschehen, daß wasserlös- liehe Moleküle in Wasser gelöst werden und diese Lösung aufgetragen wird. Als besonders geeignete wasserlösliche Moleküle haben sich solche mit einer Thiol-Gruppe erwiesen.
Die erfindungsgemäßen integrierten elektrischen Schaltungen können auf einfache Weise mit Metalldrähten verbunden werden. Dies geschieht in besonders einfacher und zugleich zweckmäßiger Weise dadurch, daß die Metalldrähte mit einem Druck, der zum Durchdringen des monomolekularen Films ausreicht, durch den Film hindurch auf die Metallebene gebondet werden.
Eine Einbindung des Verbindungsprozesses zwischen den Metalldrähten und der Metallebene in den Prozeßablauf zur Herstellung einer integrierten Schaltung erfolgt vorteilhafterweise so, daß dem monomolekularen Film an den für die Verbin- düng mit den Metalldrähten vorgesehenen Stellen gezielt Energie durch elektromagnetische Strahlung - vorzugsweise durch UV-Licht - zugeführt wird, wobei die Energie der elektromagnetischen Strahlung so groß ist, daß an diesen Stellen die Bindung der Moleküle an das Metall geschwächt wird. Gegebe- nenfalls wird dann eine Lösung aufgetragen, deren Lösungskraft ausreicht, die Moleküle, deren Bindung an das Metall geschwächt ist, zu lösen. An diesen Stellen erfolgt anschließend die Verbindung der Metalldrähte mit der Metallebene.
Weitere Vorteile und Besonderheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels anhand der Zeichnungen.
Von den Zeichnungen zeigt
Fig. 1 einen Ausschnitt der obersten Metallebene 1 einer integrierten elektrischen Schaltung, und
Fig. 2 den schematischen Aufbau eines für den Selbstadsorptionsprozeß geeigneten Moleküls .
Die drei Teilbilder a, b, c von Fig. 1 zeigen den Prozeß der Chemisorption von Alkanthiolmolekülen 2 auf der Kupferschicht 1. Die Alkanthiolmoleküle wurden in hochreinem, vollentsalztem Wasser gelöst, so daß sich eine 0,5 mM Thiollösung 3 bildete .
In Teilbild a ist der Vorgang unmittelbar nach der Benetzung der Kupferschicht 1 mit der Lösung 3 dargestellt. Die Thiol- moleküle 2 bewegen sich zunächst frei in der Lösung. Die exotherme Wechselwirkung der Kopfgruppe der Moleküle 2 mit der oberen Oberfläche der Kupferebene 1 führt dazu, daß die
Thiolmoleküle 2 sich bereits in Richtung auf die Metalloberfläche hin orientieren.
In dem nächsten Schritt, der in Teilbild b dargestellt ist, ist bereits Chemisorption der ersten Thiolmoleküle zwischen der Kopf- oder Ankergruppe und der Metalloberfläche eingetreten. Chemisorption zeigt im Gegensatz zu physikalischer Adsorption wesentlich stärkere Bindekräfte, deren Stärke der chemischen Bindung gleicht. Man kann dies auch als Bildung von Oberflächenbindungen betrachten, wobei der Bindungsvorgang nicht reversibel ist. Die Van-der-Waals-Wechselwirkung zwischen den einzelnen Thiolmolekülen bewirkt ihre parallele Ausrichtung. Diese parallele Ausrichtung ermöglicht es den noch nicht gebundenen Molekülen, sich in die Zwischenräume auf der Metalloberfläche zwischen den gebundenen Molekülen einzuordnen. Durch die Van-der-Waals-Wechselwirkung bewegen sich die parallel ausgerichteten Moleküle auf der Metallober-
fläche so aufeinander zu, daß auf der Oberfläche des Kupfers haftende Verunreinigungen von ihnen verdrängt werden.
Als Ergebnis der Relativbewegung der Moleküle 2 zueinander auf der Oberfläche der Kupferebene 1 bildet sich ein durchgehender Film, der in Teilbild c dargestellt ist.
Das dargestellte Ausführungsbeispiel bezieht sich auf die Chemiesorption von Alkanthiolmolekülen auf der Metalloberflä- ehe. Selbstverständlich erfüllen jedoch auch andere Moleküle, die den gleichen strukturellen Aufbau und die gleichen Wechselwirkungseigenschaften haben, die gleiche Funktion. Hier sind insbesondere Moleküle mit Thiol-, Sulfid- oder Disulfid- Gruppen zu nennen.
Der Chemisorptionsprozeß führt somit zur Herstellung einer durchgehenden, ununterbrochenen Passivierungsschicht. Diese Passivierungsschicht vereint die Vorzüge einer Diffusionsund Oxidationsbarriere mit einer hohen mechanischen Stabili- tat.
Zum besseren Verständnis des Prozesses der Chemisorption soll anhand von Fig. 2 der strukturelle Aufbau der erfindungsgemäß eingesetzten Moleküle nochmals detailliert erläutert werden:
Das in Fig. 2 dargestellte Alkanthiolmolekül 10 mit der allgemeinen chemischen Formel R-SH, wobei R einen substituierten oder unsubstituierten Alkanrest darstellt, weist einen für das Zustandekommen des dargestellten Chemisorptionsprozesses geeigneten Aufbau auf.
Das Alkanthiolmolekül 10 ist dreiteilig aufgebaut.
Der erste Teil des Alkanthiolmoleküls 10 ist die Anker- oder Kopfgruppe 12, die an der Metallebene 11 anliegt und mit dieser exotherm wechselwirkt .
Der zweite Teil des Alkanthiolmoleküls 10 ist eine, beispielsweise durch entsprechende Substitution wasserlösliche, langkettige Alkylkette 13 mit variabler Länge. Die Alkylket- ten 13 der Alkanthiolmoleküle 10 wechselwirken über Van-der- Waals-Kräfte miteinander. Die Van-der-Waals-Wechselwirkung zwischen den Alkanthiolmolekülen bewirkt, daß sie sich in ihrem adsorbierten Zustand parallel ausrichten.
Den dritten Teil des Alkanthiolmoleküls 10 bildet die in sei- nem adsorbierten Zustand nach außen gerichtete Endgruppe 14. Sie bestimmt die Oberflächeneigenschaften des aus den Alkanthiolmolekülen 10 gebildeten Films.
Selbstversändlich können statt des beschriebenen Alkanthiols auch Dialkylsulfide (R-S-R) , Dialkyldisulfide (R-S-S-R) oder ähnliche Verbindungen verwendet werden, welche die beschriebenen erfindungsgemäßen Voraussetzungen erfüllen.
Nach der oben erläuterten Herstellung der Passivierungs- schicht in Form eines monomolekularen Films kann sich ein weiterer Verfahrensschritt anschließen. Der auf eine der dargestellten Arten hergestellte Film kann durch die Bestrahlung mit UV-Licht strukturiert werden. Dazu wird der Film durch eine Maske hindurch mit UV-Licht bestrahlt. Die Bestrahlungs- dauer hängt von der Energiedichte der Strahlungsquelle ab.
Während bei der Bestrahlung mit einer normalen UV-Lampe eine Bestrahlungsdauer von 60 Minuten erforderlich ist, um die gewünschte Strukturierung zu erzielen, sind die Bestrahlungszeiten bei der Bestrahlung mit einer Quecksilberhöchstdruck- lampe oder mit einem Laser wesentlich kürzer.
Nach der Bestrahlung erfolgt ein Spülen mit hochreinem, vollentsalzten Wasser und ein anschließendes Trocknen mit Stickstoff. An den freigelegten Stellen kann dann die Verbindung der Metallebene mit Metalldrähten erfolgen.